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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

L I B RA R.Y 
OF THL 
UNIVERSITY 
Or I LLl NOIS 

560.6 

V 



The person charging this material is re- 
sponsible for its return to the library from 
which it was withdrawn on or before the 
Lotest Date stamped below. 

Theft, mutilation, and underlining of books are reasons 
for disciplinary action and may result in dismissal from 
the University. 

To renew call Telephone Center, 333-8400 

UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY AT URBANA-CHAMPAIGN 



L161— O-1096 



Yerhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Redigiert von Anton Handllrsch, 

k. u. k. Kustosadjunkt am natuiliistorischen Hofmuseum. 

Jahrgang 1905. 
LV. Band. 

Mit 2 Tafeln, 1 Porträt und 101 Figuren im Texte. 



Ausgegeben wurde; 



S. 1—128 am 28. Jänner 1905. 
S. 129—256 „ 15. April 1905. 



S. 257—384 am 25. Juli 1905. 
S. 385—512 „ 7. Oktober 1905. 



S. 513—638 am 30. Dezember 1905. 



Wien, 1905.^/^ 

Für das In- und Ausland besorgt durch Alfred Höldsr, 

k. u. k. Hof- und Üniversitäts-Bucbhäiidler, 
Buchhändler der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



Adresse der Redaktion: Wien, I., Wollzeile 12.^ 



iMu' k vol. A<|rp|l llol/.li:ni .'II 
. Mof itnA llritv«ralUU-liiirli>lriirlini In Widli 



V 



Leitung der Gesellschaft. 
Protektor : 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog* 

Rainer. 

Präsident (gewählt bis Ende 1907): 
P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim. 

Yizepräsidenten (gewählt bis Ende 1907): 

P. T. Herr Kustos Prof. Dr. Emil Edler v. Ma renzeller. 
„ „ Dr. Franz Ostermeyer. 

Sekretäre (gewählt bis Ende 1907): 

P. T. Herr Kustosadjunkt Anton Handlirsch. 
„ „ Uni versitäts -Assistent Dr. Fritz Vierhapper. 

Eechnung'sftthrer (gewählt bis Ende 1907): 
P. T. Herr Josef Brunn thaler. 

Ausscliußräte (gewählt bis Ende 1907): 

P. T. Herr: Heinrich Braun, Ingenieur, Stadtrat; Dr. Karl 
Brunner v. Wattenwyl, Hofrat; Dr. Alfred Burgerstein, Uni- 
versitäts-Professor; Theodor Fuchs, Hofrat; Ludwig Gangib au er, 
Kustos und Leiter der zoologischen Abteilung des naturhistorischen 
Hofmuseums; Dr. August Gin zb erger, Universitäts -Adjunkt; Dr. 
Karl Grobben, Universitäts-Professor; Otto Habich, Fabrikant; 
Dr. Eugen v. Halacsy, kais. Rat; Dr. August Edler v. Hayek, 

^ Z. B. Ges. Bd. LY. 1 



2 



Leitung' der Gesellschaft. 



städt. Oberarzt; Dr. Josef Hock auf, Privatdozent; Julius Edler v. 
Hungerbyeliler, Reclinungsrat; Dr. Karl Ritter v. Keissler, k. 
und k. Assistent; Dr. Fridolin Krasser, Universitäts-Professor; Dr. 
Ludwig Lorenz v. Liburnau, k. und k. Kustos; Dr. Gustav Mayr, 
Professor, kais. Rat; Mich. Ferd. Müllner; Ferd. Pfeiffer Ritter v. 
Wellheim, Inspektor; Dr. Paul Pfurtscbeller, Professor; Dr. 
Theodor Pintner, Universitäts-Professor; Dr. Hans Rebel, Privat- 
dozent; Dr. Karl Rechinger, k. und k. Assistent; Dr. Viktor 
Schiffner, Universitäts-Professor; Friedrich Siebenrock, k. und 
k. Kustos; Dr. Franz Spaeth, Magistratsrat; Dr. Rudolf Sturany, 
k. und k. Kustosadjunkt; Dr. Theodor Ritter v. Weinzierl, Hof- 
rat; Dr. Franz Werner, Privatdozent; Dr. Karl Wilhelm, Hoch- 
schul-Professor; Dr. Alex. Zahlbruckner, Kustos und Leiter der 
botanischen Abteilung des Hofmuseums. 

Uedaktioiis - Coiiiite. 

P. T. Herr: Dr. Alfred Burgerstein, Anton Handlirsch, 
Dr. Frid. Krasser, Dr. L. v. Lorenz, Dr. Paul Pfurtscbeller, Dr. 
Theod. Pintner, Dr. Karl Rechinger, Dr. Alex. Zahlbruckner 
und die Schriftführer der Sektionen. 

Hibliotlieks-Comite. 

P. T. Herr: .Josef ßrunnthaler, Friedrich Hendel, Dr. Alex. 
/ahlbriK'k iier. 

('<Mnit(i für JMliiiizciiseliutz. 

Obniami: Herr Dr. Fr. Osternieyer. — Mitglieder: Die Herren 
Dr. E. V. llalacHV, Dr. K v. Ilayek, Dr. K. Rechinger. 

SeliUiHi für /ooloj;h'. 

Obiiiaiiii: Hcir Dr. K. (irobbcn. — Obmann-Stell Vertreter: 
Herr Dr. 'ib. Pintner. Schrinnilircr: Herr Dr. Rud. Sturany. 

SekH<Mi llir KohM>p(erolo«'le. 

Obiiiann: Herr Joh. Iii rn ba( li(;r. Obmann- Stellvertreter: 
Herr L ^lan^cHiaiier. Schriftfllhrer: Herr Dr. Fr. Si)act]i. 



Leitung der Gesellschaft. — Generalversammlimgs-Bericht. 3 

Sektion für Lepidopterologie. 

Obmann: Herr Dr. H. Rebel. — Obmann-Stellvertreter: Herr 
Otto Habieb. 

Sektion für Ornithologie. 

Obmann: Herr Dr. L. v. Lorenz. — Obmann- Stellvertreter: 
Herr Karl Mayerbofer. 

Sektion für Botanik. 

Obmann: Herr Dr. E. v. Haläcsy. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Dr. Viktor Sebiffner. — Schriftfübrer: Herr Dr. A. v. Hayek. 

Sektion für Kryptosamenkimde. 

Obmann: Herr Dr. AI. Zablbruekner. — Obmann-Stellver- 
treter: Herr Dr. Viktor Sebiffner. — Scbriftfübrer: Herr Josef 
Brunnthaler. 



Kanzlist der Gresellsehaft : 

Herr Kornelius Frank, VIII., Lenaugasse 11. 

(resellseliaftslokale : 

Wien, I., Wollzeile 12. — Täglicb (mit Ausnabme der Sonn- und 
Feiertage) von 3—7 Uhr nachmittags geöffnet. 



Bericlit 

über die 

außerordentliche Generalversammlung 

am 30. November 1904. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. — Anwesend: 
65 Mitglieder. 

Es wurde die Neuwabl sämtlicber durcb die Generalver- 
sammlung zu wäblenden Funktionäre und des Ausscbusses für die 
Zeit bis Ende 1907 vorgenommen, wobei alle durch den Ausschuß 
vorgeschlagenen Kandidaten nahezu einstimmig gewählt wurden. 



4 



Yersammluiig- der Sektion für Zoologie. 



(Das Resultat dieser Wahl ist aus der S. 1 — 3 angeführten Liste 
zu entnehmen. I 

Auf Antrag mehrerer Mitglieder wurde der bekannte Myko- 
loge Herr A. Bresadola zum Ehrenmitgliede gewählt. 

Auf Antrag des Sekretärs A. Handlirsch wurde Herr Dr. 
Emil August Göldi, Direktor des Museum Paraense in Para (Bra- 
silien), zum korrespondierenden Mitgliede ernannt. 

Hierauf hielt Herr Prof. Dr. Karl G robben einen Vortrag: 
^Über die Symmetrieverhältnisse des Seesternes." 

Zum Schlüsse hielt Herr Dr. Otto Porsch einen Vortrag: 
„Die Bliitenmutationen der Orchideen als Ausgangspunkt ihrer Art- 
und Gattungsentstehung." 

Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 14. Oktober 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. E. v. Marenzeller. 

Herr Prof. Dr. Theodor Pintner spricht unter dem Vortrags- 
titel „Die Lösung der Gruben wurmfrage" über das Ankylo- 
siowa (hwdmak. An eine Kckapitulation des seither Bekannten 
knllpft er eine Darstellung der aufsehenerregenden Entdeckungen 
von A. Looss in Kairo, zumal der Einwanderung der Anhylostorna- 
Larven durch die menschliche Haut in das Venensystem und durch 
das rechte Herz, die Lungenbläschen, Üronchien^ Trachea und Kehl- 
kopf in den Desopliagus, Magen, Dann. Kr verweist auf die weit- 
tra^rcndc licdcntun-^, welclic diese neuen 'J'atsaclien für die Volks- 
liygiene und fllr die Prophylaxe bei der Ankylostomiasis besitzen. 
L008H vertritt die Ansicht, daß fllr Egypten wenigstens die In- 
fektion dnrcli die Haut die Heg(;l sei. Ganz dasselbe gilt aber fllr 
unHcre VcrliiiltniKKc. Aus den Loossschen Versuchen ist bekannt, 
da0 die AnhyhHUma-lMwm das Filtcrpai)ier durchbohren. Mllndlicli 
teilte LooHH dem Vortnigenden mit, daß sie ;in einem StIIck Holz, 
daM zur Hiilfte in eine Schale mit InrvenhiiltigcT Flüssigkeit getaucht 
int, cni|H»rkriechen, ho daß nach einiger Zeil alle ijarven an dem 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



5 



aus der Flüssigkeit herausragenden Holzende gefunden werden. 
Dies sowie das rasche Einbohren in die menschliche Haut ist 
oftenbar ..Thigmotaxis". Diese Thigmotaxis hätten die Larven 
aber nicht erworben, wenn sie in ihrem Entwicklungszyklus nicht 
zu einer bestimmten Zeit eine entscheidende Rolle spielte. Dies 
ist beim Einwandern in die Haut der Fall und so können wir aus 
dem Vorhandensein der Thigmotaxis bei den Anhjlostoma-LsLYYen 
fast mit Sicherheit schließen, daß die Infektion des Menschen durch 
die Haut die Regel, die per os nur eine mehr oder weniger seltene, 
oder häufige Ausnahme ist. 

Der zweite Vortragende, Herr Privatdozent Dr. Franz Werner, 
behandelte das Thema „Fische und Fischerei im Nil". Ergab 
zuerst eine kurze Übersicht der Fischfauna des Nilstromes, von 
welcher die Welse ein Drittel, Characiniden, Mormyriden und 
Cyprinoiden je etwa ein Sechstel, die übrigen Familien zusammen 
ein Sechstel ausmachen. Typisch afrikanische Familien sind die 
Crossopterygier f Polypteriden), Protopteriden, Heterotiden und Crome- 
niiden, von denen Frotopterus seinen nächsten Verwandten in Süd- 
amerika (Lepidosiren), Heieroüs in Südamerika und Australien 
(Araxiaima und Osieoglossum) , schließlich Cromeria in den Galaxiiden 
der südlichen Hemisphäre besitzt. Die wichtigsten Familien der 
Nilfische wurden nach den äußerlich leicht kenntHchen Merkmalen 
charakterisiert und von den meisten einige der häufigeren Arten 
in gut konservierten Exemplaren vorgeführt. Ebenso wurde eine 
Schilderung des Fischfanges im Nil mit Hilfe von Wurf- und Zug- 
netz, des Lebens und Treibens auf den ägyptischen Fischmärkten, 
namentlich auf dem großen Fischmarkt von Kupri Embabe (Kairo), 
und schließlich des Fischreichtums des Stromes, der stellenweise 
den Fang mit den primitivsten Mitteln gestattet, gegeben. 



Versammlung am 11. November 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dr. K. Toldt jun. hält einen Vortrag, betitelt: „Über 
das Genus Proechidna.^' Der Vortragende demonstriert zwei 



6 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



gestopfte Exemplare der weuig bekannten Gattung- Froechidna aus 
der interessanten Säugetierordnung* der Monotremen.^) 

Nach einer kritischen Besprechung der von Trouessart ge- 
gebenen systematischen Zusammenstellung der Monotremen wurden 
die äußerlichen und osteologischen Merkmale der Familie der 
Echidniden, so weit solche bei Froechidno bekannt sind, erörtert. 

Von dem Genus Froechidna im besonderen sind bisher 
nur zwei Arten, P. hruijnii Pet. et Dorla und F. nigro-acideata 
Rothschild anerkannt. Während über die letztere nur eiile kurze 
Notiz (1892) vorliegt, ist F. hruijnii in der Literatur bereits mehr- 
fach behandelt worden. Zuerst (1876) wurde von derselben nur 
ein defekter Schädel (ohne Unterkiefer), welchen der Reisende 
Bruijn im Arfakgebirge (Nordwest-Neu-Guinea) gesammelt hatte, 
durch Peters und Doria unter dem Namen Tachyglossus (Echidna) 
hrii'ij)t 'ii bekannt, l^ald darauf wurden zwei gestopfte Exemplare 
und das Skelett von P. Gervais beschrieben, welcher für dieses 
Tier ein eigenes Genus (zuerst Acantlioglossus, dann Froechidna) 
aufstellte. 

Von dem typischen Tachyglossus^) (Echidna) actdeatus(a) 
Shaw, unterscheidet sich P. hruijnii sofort durch das auffallend 
lange, quer gewölbte, etwas nach abwärts gebogene Rostrum (zirka 
das Zweifache der Länge des übrigen Kopfes), ferner durch die 
gerin;rer(; KUiucnzahl (drei an jeder Extremität gegenüber fünf bei 
Taclufglossus) sowie; (liircli die größere Wirbelzahl (17 Rücken- und 
4 lA'ndenwirbel geg(;iilil)er Tarhijglossus mit nur IG, beziehungs- 
weise auch erreicht Proechldua eine bedeutendere Größe. Da 
»päter (1888) Weber eine Proechidna mit je fünf Vorder- und vier 
llinterkiauen beschrieb und damit ein wesentliches Unterscheidungs- 
merkmal zwi.schcn den beiden Echidnidengattungen sehr an Wert 
cinbllßtc. hält man \w\i\v, die Sonderling der beiden Genera nicht 
mehr fllr ^am Ixncliti-t (Tlioinas, Lydekker, Weber). Der 
Vortrap-nde konstatierte aber auf (Jrnnd der vorliegenden zwei 
Exemplare ans (b'ni Wiener rKiturliistoriscIien llofnmseimi noch 

I.it«T;itiir;in^(iil)('n ^\< l< \ .. I T i o ii (!,sh;i rt, (^utalo^^us Mammaliuin, 1 1, 
I». l'JOO. Hirrlin, ]mHjU'X 

') I>aii iht nach O.^'Di om i i ic,|iti^r(. (;eniiHnaiii(; l'iir den f,^(;nu!incn 
AmcweniKel (Aiiii. d. .Mu«. (;iv. di Storia naturale, p. 021. (jlenova, 1897). 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



7 



merkliche Unterschiede zwischen den Stacheln der beiden Gattungen : 
TacJiyglossus hat gerade, in eine lang ausgezogene, scharfe Spitze 
endigende, sehr spröde Stacheln, welche nur an der Spitze auf eine 
größere oder geringere Strecke dunkel erscheinen, und zwar schon 
äußerlich; die Rindenschichte ist gegenüber der Stachelhöhle schwach 
entwickelt. Bei P. Iruijmi sind die mehr weichen Stacheln schwach 
gebogen, ihre Spitze ist stumpf. Wenn körniges Pigment vorhanden 
ist, so befindet es sich nur in den inneren Hornzellenlagen; Rinden- 
schichte im Verhältnis zur Stachelhöhle mächtig. Falls diese Eigen- 
schaften auch bei den Stacheln der P. nigro-actdeata zutreffen, so 
wären die Stacheln der beiden Echidnidengattungen wesentHch 
verschieden. 

Die Gattung Froechidna, welche man bloß aus dem westlichen 
Neu-Guinea kennt, ist sehr selten und nur in den größeren Museen 
befindet sich das eine oder andere Exemplar. 

Die beiden vorliegenden Individuen zeigen bezüglich des 
Haar- und Stachelkleides bedeutende Unterschiede, so daß man jene 
auf den ersten BHck für zwei verschiedene Arten hält. Während 
das eine lange, kräftige Stacheln in relativ geringer Zahl besitzt, 
sind die bedeutend kürzeren und schwächeren Stacheln des anderen 
Tieres zahlreicher und stehen dichter nebeneinander; dabei sind 
die Stacheln der ersteren licht, während jene des anderen Exem- 
plares zum großen Teile dunkel erscheinen; auch sind die Haare 
bei jenem nicht so dunkel (dunkel braungrau) wie bei diesem 
(schwärzlich); daß die Wollhaare gegenüber den Stichelhaaren bei 
der ersteren überwiegen, während bei der anderen das Umgekehrte 
der Fall ist, kommt, wie ein Vergleich mit einem lichtstacheligen 
Exemplar aus dem Brüsseler Museum, welches ebenfalls lange 
Stichelhaare hat, zeigt, nicht in Betracht; desgleichen sind, wie schon 
aus der Literatur hervorgeht, geringe Unterschiede in der Krümmung 
und Wölbung des Rostrums für die Systematik ohne Belang. 

Bei näherer Betrachtung verlieren auch die vorhin hervor- 
gehobenen Unterschiede für eine scharfe systematische Sonderung 
der beiden vorliegenden Exemplare teilweise an Wert. 

^) Herr Dr. A. Dubois war so liebenswürdig, dem Eeferenten dieses 
Exemplar samt Skelett zum Vergleiche einzusenden, für welches Entgegen- 
kommen hier der beste Dank wiederholt sei. 



8 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Was zunächst das Verhältnis der Dichte des Haar- 
kleides zur Bestach elung- anbelangt, so hat Thomas bei Tachy- 
gJossiis an der Hand eines größeren Vergleichsmateriales nach- 
gewiesen, daß dasselbe nach den klimatischen Verhältnissen erheblich 
variiert: in wärmeren Gegenden erlangen die hier kräftigen Stacheln 
über die Haare das Übergewicht^ während in kälteren Gebieten das 
Haarkleid die nun schwächeren Stacheln mehr oder weniger ver- 
deckt. Thomas stellt darnach, nebst anderen Unterschieden, drei 
verschiedene Lokalformen auf, in welche sämtliche beschriebenen 
heute lebenden Spezies einzureihen sind. Wie ein Vergleich zwischen 
unseren beiden Exemplaren und Photographien von drei weiteren 
Individuen (aus den Museen in Paris, P)rl1ssel und Kopenhagen) 
zeigt, scheint auch bei der Proechidna diesbezüglich eine große 
Verschiedenheit zu herrschen. Auch das Alter der Tiere, der Stachel- 
wechsel u. dgl. sind dabei zu berücksichtigen; so wurde von Dubois 
ein spärlich l)estacheltes Individuum als P. villosissima beschrieben, 
welches sich in der Folge als eine junge P. hruijnii erwies. 

Wichtiger scheinen die verschiedenen Pigmentierungs- 
verhältnissc der Stacheln zu sein. Diesbezüglich muß zunächst 
h(;rvorgelioben werden, daß auch die unverletzten Stacheln des 
vorliegenden dunkelstacheligen Individuums äußerlich ursprüngHch 
^ranz licht waren; das körnige Pigment ist nämlich nur in dem 
inneren, der Stachelhöhle zugekehrten Teile der Rindenschichte in 
merklicher Menge, und zwar in bestimmter Anordnung vorhanden, 
während die oberflächlichen Lagen derselben beinahe pigmentlos 
Hind: Honach ersclieint der Stachel beim äußeren Anblick erst dann 
dunkel, wenn die obcrllächliclien, kaum pigmentierten Kindenlageii 
abgCBchabt sind. Die Stacheln unseres Individuums sind, wohl in- 
folge der zwisdien Steinen und (festriip]) herumkriechenden Lebens- 
weise dieser Tiere,' i an den exponierten Stellen meistenteils stark 
abgeiillt/t, mitunter so, (hiß die Stachelhöhlc frei liegt; hier also 
erscheinen die Stacheln stets dunkel, während sie an geschützteren 
Orten, so nanienllieh ;ni den der Haut zugewendeten Teilen, licht 
wnd. Deinnaeh niiil! ni:in bei Untersuehungen über solche Tiere 

WmIiI .iIiiiImIi v\ic Iti'i J adiyffloHHus (v^l. I''. KoiiKsr in U. Soinon, 
Zool. For»»r|iiiiijf»in-imMi, IM. III, S. |i)7. .Jena, 1H!)8.; 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



9 



auf diese Verbältnisse besonders achten, da ja ein Tier mit inner- 
lich pigmentierten Stacheln, wenn dieselben unbeschädigt sind, 
auch lichtstachelig erscheint. 

An den kräftigen, großen Stacheln des vorliegenden licht- 
stachehgen Individuums befindet sich auch in den inneren Teilen 
der Eindensubstanz kein merkliches Pigment; doch ist bei einzelnen 
das Innere gegen die Spitze zu ebenfalls pigmentiert, wodurch 
auch der Unterschied in der Stachelpigmentierung etwas an Wichtig- 
keit verKert. Wie ferner die angeführte Verschiedenheit in der 
Haarfärbung zeigt, ist eben die Haut bei dem einen Individuum 
viel pigmentreicher als bei dem anderen, bei welchem der Pigment- 
vorrat für die Stacheln bald nach dem Erscheinen der Stachelspitzen 
erschöpft war. 

ProecJiidna nigro-aculeata hat ebenfalls dunkle Stacheln, doch 
ist die Art der Pigmentverteilung in der sehr kurzen Beschreibung 
nicht näher angeführt; da die anderen von Rothschild angeführten 
Merkmale seiner Spezies (insbesondere die Aushöhlung der Vorder- 
klauen an der Unterseite) bei dem dunkelstacheligen Individuum 
aus dem Wiener Museum nicht zutreffen, so dürfte dieses nicht zu 
jener Art gehören. 

Auch eines von den zwei Exemplaren von Gervais hat dunkle, 
vermutlich in der gleichen Weise pigmentierte Stacheln wie das 
dunkelstachelige in Wien; da von jenen das dunkle Individuum an 
den hinteren Extremitäten einen Sporn besitzt, das andere, licht- 
stachelige aber nicht, hält Gervais ersteres für das Männchen von 
diesem. Das ist nicht zutreffend, da bei Taclnjglossus aciileatus, 
von welchem heute ein großes Material bekannt ist, bezüglich der 
Stachelfarbe kein Geschlechtsunterschied besteht und weil ferner 
die Wiener dunkelstachelige FroecJndna wahrscheinlich ein Weibchen 
ist; denn sie hat nur einen rudimentären Sporn, während sämtliche 
Männchen des großen TacJii/glossus-^lsiteYiales von Prof. R. Semon 
durchwegs im Besitze gut ausgebildeter Sporen sind.^) Endlich 
hat auch das Brüsseler Exemplar von Proecliidna, wie sich Referent 
überzeugen konnte, deutliche Sporen, während das lichtstachelige 



^) Für eine diesbezügliche briefliche Mitteilung ist der Vortragende 
Herrn Prof. Ii. Semon zu besonderem Danke verpflichtet. 



10 



Versammhnig- der Sektion für Zoologie. 



Individuum G-ervais' und das entsprechende von Wien keine be- 
sitzen ; es sind also auch von der lichtstacheligen Froechldna durch 
den Besitz^ l)eziehungsweise Mangel eines Spornes charakterisierte 
Männchen und AVeibchen bekannt. 

Wenn auch die ins Auge springenden Unterschiede zwischen 
den zwei J^roccIndiHi-Ex^mT^lsiYen des Wiener Hofmuseums nach 
diesen Betrachtungen im einzelnen nicht mehr so scharf erscheinen, 
so ist doch der Gesamteindruck von der Verschiedenheit der beiden 
Individuen so auffallend, daß man sie als zwei gesonderte Formen 
betrachten muß. Zur endgültigen Klassifikation bedarf es jedoch 
noch der Klarstellung einiger wichtiger Punkte an den anderen, 
bisher beschriebenen 7Voef/m/;^Y/-Exemplaren^ die Referent noch 
weiter zu verfolgen im Begriffe steht. 

Hinsichtlich des Haarkleides wurde noch folgendes bemerkt. 

Bei dem lichtstachehgen Individuum des Wiener Museums 
fielen am Bauche, wo sich nur ganz kleine Stacheln befinden, und 
an den Flanken verschiedene Haarformen auf, welche deshalb 
interessant sind, weil sie Übergänge von den Haaren zu den Stacheln 
darstellen. Es finden sich an diesem Individuum zwischen einfachen, 
geraden, nirgends verbreiterten Haaren zunächst solche, deren 
apikales Drittel gestreckt lanzettförmig verbreitert ist; bei anderen 
hat gleiclizcitig eine Verdickung des Endteiles zur Spindelform 
stattgefunden; bei weiteren Haaren erstreckt sich diese Verdickung 
immer mehr wurzelwärts, was Hand in Hand mit der Verkürzung 
des pmzen Haares geht; indem sich wieder bei anderen die Ver- 
dickun;; endlich bis gegen die Wurzel fortsetzt, wird die voll- 
konmiene Staclielforrn erreicht. 

Bei 7'(irhyiflossns kommen als stärker entwickelte Haare Hach- 
^'cdrilckte, sehr breite Borsten vor und es ist daher bei dieser 
(lattuii;;. wie Bi'Miicr h(;rvorhob, sc1iw(m-, aus dieser abgellachten 
Haarform den spuhunden Stachel abzuleiten. 

Haaren mit stark Hpiiidclfin-iriig v(!rdickten Enden sind unter 
den SUup'licren sonst nur lici ( hpi/horhi/ttrlrus })ekannt, was umso 
intcrcHHanter ist, als Htets betont wird, daß sich zwischen den 
Haaren der beiden heute leb(;nden Monotrenienfamilien gar keine 
Ähnlichkeit findet. Man kann Jetzt wohl aniKjhmen, daß auch bei 
OrutthmhijurhuH der Anlauf zu (tiner Staehelbildung vorhanden ist, 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



11 



daß jedoch die hierzu erforderliche intensivere Produktion von 
Hornsubstanz zu früh nachläßt. 

Eine bestimmte Anordnung der Haare, auf welche in letzter 
Zeit viel Gewicht gelegt wird, läßt sich an den gestopften Exem- 
plaren nur schwer erkennen. 

So hat die genauere Untersuchung des Haar- und Stachel- 
kleides von Proechidna sowohl für die Systematik als auch für die 
allgemeine Morphologie interessante Ergebnisse geliefert, welche 
anderen Orts eingehender behandelt werden sollen. 

Der Vergleich der beiden Genera Tachijglossus und Froechidna 
zeigt im allgemeinen, daß letztere in mehrfacher Hinsicht (Größe 
der Schädelkapsel, stärkere Windung der Gehirnoberfläche, Ver- 
längerung des Eostrums, Reduktion der Extremitätenstrahlen) ein 
spezialisierteres Verhalten zeigt als Tachyglossiis und der Name 
Froechidna eigentlich nicht bezeichnend ist. 

Zum Schlüsse spricht Herr Alois Rogenhofer „Über das 
relative Größenverhältnis der Nierenorgane bei Meeres- 
und Süßwassertieren". Der Vortragende gibt zunächst eine 
kurze Zusammenfassung der diese Frage behandelnden Literatur. 
Sodann bespricht er seine eigenen diesbezüglichen Untersuchungen 
an Isopoden, x^mphipoden und Dekapoden. Es zeigen sich auch 
hier ganz übereinstimmende Verhältnisse, daß nämlich die Süß- 
wasserformen relativ größere Schalen-, respektive Antennendrüsen 
besitzen als die marinen Formen. Der Hauptunterschied Hegt in 
der Länge des Harnkanälchens. Der Vortragende versucht für diese 
bei den Crustaceen fast allgemeine Erscheinung eine Erklärung und 
weist darauf hin, daß jedenfalls die bedeutendere Größe der Drüse 
bei den Süßwassertieren zum Teil auf das Vorhandensein von 
größeren Zellelementen zurückzuführen ist. Weiters spricht er die 
Vermutung aus, daß andererseits der Salzgehalt des Meerwassers 
in Betracht kommt, w^elcher eine leichtere Exkretion und somit 
eine Verkürzung des Kanälchens bewirken könnte. Zum Schlüsse 
erwähnt er noch die ähnlichen Verhältnisse, welche sich bei den 
Protozoen in der kontraktilen Vakuola finden. 



12 



Versamiiiluug- der Sektion für Botanik. 



Bericht der Sektion für Botanik. 

Versammlung am 21. Oktober 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Privatdozeiit Dr. Karl Linsbauer hielt einen Vortrag: 
„Neuere Untersuchungen über den Geotropismus." 

Der Vortragende gibt einen kurzen historischen Überbhck über 
die Entwicklung des geotropischen Problems und bespricht hierauf 
die neueren Untersuchungen über die Lokalisation der Schwerkrafts- 
wahrnchmuug in der Wurzelspitze sowie die verschiedenen An- 
schauungen über die Art der Perzeption des Schwerkraftreizes, vor 
allem die Radialdruckhypothese Czapeks sowie die Statolithen- 
theorien von Noll und Haberlandt-N6mec. Obgleich die beiden 
letztgenannten Forscher ihre Auffassung durch eine Reihe von 
Beobachtungen und Experimenten stützen konnten, hält der Vor- 
tragende doch hauptsächlich einen Einwand für möglich und der- 
zeit nicht widerlegt, daß nämlich in allen Fällen, wo bei fehlender 
Statolithenstärke die geotropische Krümmung unterbleibt, dieser 
Erfolg nicht durc Ii das Fehlen von spezifisch schweren Körperchen^ 
sondern vichnchr durch eine Heral)setzuiig der geotropischen Sensi- 
bilität hervorgerufen wird. Wenigstens konnte Fr. Darwin an 
Organen, deren Stärke durch crlir)hte Temperatur zum Verschwinden 
geliracht worden war, den Nachweis führen, daß das Unterbleiben 
der geotropischen Krümmung in diesem Falle m\t einer Verminde- 
rung der Sensibilität im allgemeinen Hand in Hand geht. Auch bei 
den II .'ilx rlandt seilen Scliüttelvcrsuchen ist nach der Anschauung 
dcK \'ortrageii(leii eine Änderung der Sensibilität keineswegs aus- 
geschloHHcn, wr»ranf der be^clileiiniale K riiiiininn*::serfolg zurück- 
gcfllhrt werden k<'mntc. 

Hierauf spi-jidi ilen Dr. A. v. Ilayck über den Bastard 
sin plt' 11 1 Ulli ruln )iinrnri(i X Ir i r h 7)Ki)f rs. 

Während manelie andere liastarde von yifiplmium- Arten nicht 
gerade Helten Hind, stsplr),ltn)i <;(i>lchlri(nmlc X hir/ionumcs (A. (Jcr- 
mnninm Wci»H} Hogar zu den liäufigsten Farnbastarden gehört, ist 



Versammluug der Sektion für Botanik. 



13 



die Hybride zwischen Asplenium ruta mitraria und Ä. trichomanes 
äußerst selten. Der erste, der einen solchen Bastard entdeckte, 
war E. Preißmann, welcher denselben in Steiermark in der Bären- 
schutz bei Mixnitz auffand, welches Exemplar dann von Ascherson 
und Luerssen in der Allg-em. botan. Zeitschr., 1, S. 222 1 1895 ) 
mit dem Namen Asplenium Freissmannl belegt wurde. Fast 
gleichzeitig fand Frl. M. Reichel an der Friedhofsmauer von 
Unter-Aspang in Niederösterreich ein der gleichen Kombination 
entsprechendes Exemplar, welches von Dörfler und Ascherson 
in den Yerh. d. bot. Ter. Brandenburg, XXXYII, S. XLYII (1896) 
unter dem Namen A. Reicheliae beschrieben wurde. Ein weiteres 
Exemplar entdeckte Hauchecorne in der Burg Rafen- 
stein bei Bozen; diese Form hat Ascherson (Synop- 
sis, I, p. 80) als Asxüenium Hauchecornei bezeichnet. 
Eine weitere Form, die bei Lugano am Comosee ge- 
funden wurde, hat Christ i^Die Farnkräuter der 
Schweiz, S. 98) abgebildet. EndUch hat auch Herr 
Freih. v. Handel-Mazzetti bei Weißbriach nächst 
Hermagor in Kärnten diesen seltenen Bastard ge- 
funden (vgl. diese „Verhandlungen'-', LH, S. 110). 

Im vergangenen Sommer glückte es mir nun, in 
Untersteiermark zwischen Leutsch und Podvolovleg an 
einem Kalkfelsen unter den beiden Stammeltern ein 
weiteres Exemplar dieses Bastardes aufzufinden. Unter 
allen bisher beschriebenen Formen steht dieses Exem- 
plar dem Asiüenimn ruta muraria am nächsten. Im 
folgenden sei eine kurze Beschreibung desselben ge- 
geben: Der ganze Blattstiel und die Blattspindel bis 
zum zweiten Fiederpaar braun, ersterer kaum kürzer 
als die im Umriß lauzettUche, am Grunde nicht ver- 
schmälerte Spreite. Fiedern jederseits 8—9, in der 
Mehrzahl geteilt, die unteren 2 — 3 paarig gefiedert, 
die oberen einfacher geteih, die obersten 2 — o Paare rhombisch- 
eiförmig, ungeteilt. Sporangien leer. (Vgl. beistehende Abbildung.) 

Herr A. Teyber hielt einen Vortrag: „Beitrag zur Flora 
Niederösterreichs.'' 




14 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



A. Neu für die Flora Niederösterreiclis : 

Rumex Garsensis m. { = 11. aquaiims L. X Silvester y^dXXv.). 

AVurzcl ästig, Stengel aufrecht, dick, kahl, reichästig, über 
1 )n hoch. Blätter ziemlich derb, gestielt, am Rande gewellt, die 
unteren herz-eiförmig^ g'i'oß^ beinahe dreieckig, die oberen allmählich 
schmäler bis lanzettlich, entweder in den Blattstiel zugerundet oder 
in denselben kurz zulaufend. Blütenstand reichästig, an der Basis 
mit einigen Blättern durchsetzt. Fruchtstände aus verlängerten, 
mit ziemlich lockeren Wirtein besetzten Ästen zusammengesetzt. 
Fruchtstiele schwach gegliedert, sehr fein, nach abwärts gebogen. 
Fruchtklappen herzförmig-dreieckig, in eine Spitze vorgezogen, rot- 
braun, am ol)eren Rande mehr minder gezähnelt, eine davon eine 
Schwiele tragend, die anderen schwielenlos und mit an der Basis 
verdickten Mittelnerven versehen. Ein großer Teil der Valven 
normal ausge))ildete Früchte enthaltend, die anderen taub. 

An IL (KjuaticMs L. erinnern die großen Valven, von deren 
Fruchtklappen eine schwielentragend ist, die anderen nur mit ver- 
dickten Mittelnerven versehen sind, ferner die nur schwach ge- 
gliederten Pedizellen sowie die großen Früchte. Die Beteiligung 
von Jiinncr silresfer Wallr. offenbart sich durch die schwielen- 
tragenden, braunrot gefärbten Fruchtklappen und deren Zähnung 
sowie durch die Gliederung der Pedizellen. 

Eine Form dieser Kombination, -R. ünitimus, wurde von 
llaussknecht in den Mitteil, der Geogr. Gesellsch. von Thüringen 
(1885, S. 67 j beschrieben. Ilaussknecht äußert sich daselbst über 
diese Form wie folgt: „Von der Verbindung II. aqtiaticus L. X Sil- 
vester Wallr. habe ich nur Exemplare gesehen, deren Blüten sich 
nicht entwickelten, als solche vielmehr verschrumj)ften und abfielen." 
Da /{in)if'.i-\\\]n'\do.]\ mit Sicherheit nur im Fruchtzustandc er- 
kennbar Kind, ist diese Form etwas zweifelhaft. 

Eine Konihiniilioii /.'. (ftinft/irHs L. X (Musifolms L. erwähnt 
Dborny in Keiner „Flora von Mähren", S. 'M2 und ])ezeichnet 
di<!Krlbe uIk /,'. mariwus Schrei)., welche bald mit II. oh/usi/olius 1^., 
Iiald mit /{. I/ydrolnpafhuw vorkomme. ZweifelHohne sind die mit 
//. IhßrnhijKilliuw und (iffuafir/n.s vorkomirumden ICxemplare der 
echte //. wfixiwHs Schreib. Di(; von Oborny angegebenen, mit 
//. aquatiruH L. und ohfnsi/olins E. u acliHcnden Exem[)lar(; aber 



Versammlimg der Sektion für Botanik. 



15 



gehören allem Auscheine nach zu B. Garsensis, da nach Angabe 
Oboruys B. obfuslfolws L. in Mähren wahrscheinlich gar nicht 
vorkommt, sondern überall von B. Silvester Wallr. vertreten wird. 
Nach Czizeks Angabe über B. aquaticns X Silvester (Verhandl. d. 
naturf. Vereines in Brünn. XYIII, 1879. v^. 52) stimmt derselbe mit 
den Garser Exemplaren vollständig überein und Aväre daher B. aqua- 
ticns L. X obtusifolius Czizek ein Synonym zu B. Garsensis m. 
Die von Czizek aufgefundenen Exemplare stammen aus dem 
Zwittawatale in Mähren. 

Die aus der Kombination Ii. aquaticns L. X ohtusifolim L. 
entstandene Hybride B. Schnidtii Haussk. (Mitteil. d. Geogr. Gesellsch. 
von Thüringen. 1885, S. 67 1 imterscheidet sich von B. Garsensis 
durch schwielenlose Klappen. B. pJatyplajUus F. Aresch. in Sv. Yet. 
Akad. Öfvers., XIX (1862), p. 73, Tab. III, Fig. 7 {= B. aquaticns 
L. X obtusifolius L.) stimmt in diesen Merkmalen mit it. Garsensis 
vollständig überein. Durch diese Übereinstimmung bieten B. xüatij- 
plujllus und B. Garsensis ein gewisses Interesse, indem sie ein 
Beispiel dafür sind^ daß zwei nahe verwandte Arten (hier B. obtusi- 
folius und sihestris) mit einer dritten Art (hier B. aquaticus) Bastarde 
bilden können, die in allen Merkmalen vollständig übereinstimmen. 
Daß dies bei den in Rede stehenden Hybriden tatsächlich der Fall 
sein kann, will ich mit folgendem zu erklären suchen. 

B. obtusifolius L. und B. Silvester unterscheiden sich bekanntlich 
durch die Größe der Fruchtperigone und deren Zähnung. Während 
B. obtusifolius große, bis 4 mm lange, beiderseits scharf gezähnte 
Fruchtklappen zukommen, besitzt B. Silvester viel kleinere, schwach 
gezähnte, ja oft ganzrandige Klappen. B. aquaticus L. hat in der 
Regel Yalven, deren Klappen beinahe ganzrandig sind, doch finden 
sich eingestreut auch solche mit deutlicher, wenn auch schwacher 
Zähnung. Betrachtet man nun, welchen Einfluß diese Unterschiede 
auf die erwähnten Hybriden haben können, so findet mau: Eine 
Einwirkung durch die verschiedene Größe der Yalven von B. obtusi- 
folius oder Silvester auf die Hybriden mit B. aquaticus kann des- 
halb nicht in Betracht kommen, da bei Bumex-Erhriden die Frucht- 
perigone an den einzelnen Individuen in der verschiedensten Größe 
vorkommen. Es bleibt also nur die Zähnung der Fruchtklappen 
übrige die allenfalls ein Unterscheidungsmerkmal bieten könnten. 



16 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Aber auch diese Annahme wird hinfällig, wenn man bedenkt, daß 
zwischen B. oMusifolius mit den stark gezähnten und E. aquaticus 
mit den beinahe ganzrandigen Valven eine Menge Abstufungen 
entstehen können, die entweder stärker oder schwächer gezähnte 
Fruclitklappen aufweisen; letztere werden von den Hybriden der 
Kombination Ii (Ußiaticits X Silvester gewiß nicht zu unterscheiden 
sein, wie es eben bei B. platyphjUus und B. Garsensis der Fall ist. 

Ich fand B. Garsensis Ende August bei Gars am Kamp in 
Niederösterreich unter den dort ziemlich häufig auftretenden Stamm- 
eltern, lt. ohtusifol'ms kommt in der ganzen Gegend nicht vor, 
w^odurch die Annahme, B. Garsensis sei doch vielleicht eine Hybride 
zwischen B. aquaticus und ohtusifolius, als unwahrscheinlich fallen 
gelassen werden muß. 

B. Neue Standorte in Niederösterreich weisen auf: 

Gagea pygmaea Salisb. Zerstreut auf sandigen Hügeln bei Maissau. 

Sturmia Loeselii (L.) Kchb. Bisher in Niederösterreich nur aus 
den Rohrsümpfen bei Moosbrunn bekannt, findet sich diese 
Orchidee auch an ähnlichen Lokalitäten bei Siebenbrunn im 
Marchfelde, jedoch nicht häufig. 

Rumex aquaticus L. Am Kamp nicht nur zwischen Hadersdorf und 
Gars, wie in den Florenwerken unseres Kronlandes angegeben 
wird, sondern auch fiußaufwärts bei llosenburg, Altenburg, 
Steinegg usw. 

Hrsnht Pln/fcunia L. Auf sandigen Hügeln bei Jetzelsdorf nächst 
llaugsdorf (Bez. Ober-llolhibrunn). Von allen bislicr in Öster- 
reich beivainitcn Stan(h)rten dieser Art der nördliclistc und 
(li('H(; IMlanze hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze erreichend. 

Ldtltifi ns Ajfhfir/i \j. In Kornf(!ldern ))ei Maria-Lanzendorf nächst Wien. 

Liffhnnn srtihnnii Siiiioiik. T--^ Jj. Salicaria L. X virgatum L.). 
I)i('s(' v(jn llcnii Dr. Karl llechingcr bei Dürnkrut an der 
Man li •A\\\):v[\u\{\('wv, ilyhrich; findet sich gewiß längs der Marcli 
llhcrall unter den Staiiimcltisrn, da ich sie heuer auch bei 
haunipirtcn und Driming beobachtete. 

(hnanfhr IihIhIohu L. Auf SuinpfwicHcn bei Siebenbrunn und Baum- 
Karten im Marchfcldc; an h^tzten;m ()rt(; ganze Gräben voll- 
Htiindi;: auHtllllcnd und alle andere Vegetation verdrängend. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



17 



Bn/pleurum tenuissimmn L. Auf salzigen Weiden bei Zwingendorf 
im Pnlkatale. 

Anagallis Dörfleri Ronniger (== A. arvensis X eoendea). Sehr 
häufig auf Brachen und Stoppelfeldern bei Groß-Kadolz im 
Pulkatale. Dürfte wohl uberall, wo die Stammeltern zusammen- 
treffen, häufig sein. 

Veronica aquatica Bernh. Sehr häufig in sumpfigen Gräben und 
in Lachen bei Baumgarten im Marchfelde. 

Senecio eriicifolius L. In großer Menge auf dem Dirnberge bei 
Nappersdorf nächst Ober-Stinkenbrunn. 

Echinops Büro L. Wurde schon vor einigen Jahren von M. F. 
MtiUner auf dem Dirnberge bei Nappersdorf nächst Ober- 
Stinkenbrunn aufgefunden^ welcher Standort hiermit mit seiner 
Einwilligung veröffentlicht wird. Die Pflanze wächst daselbst, 
wie ich heuer an dem Standorte beobachten konnte, massen- 
haft in Gesellschaft von Sti2:)a capiUata L., Eryngmm cam- 
pestre L., Inula ensifolia L. und anderen Vertretern der 
pannonischen Flora. 

Centaurea Beckiana M. F. Mtilln. (= C. rlienana X pannonica). Mit 
den Stammeltern an Straßenrändern zwischen Horn und Maria- 
Dreieichen im Waldviertel. 

Ausgestellt war durch Herrn Kustos Dr. A. Zahlbruckner 
eine Kollektion von Herbarpflanzen von Kouy-Tscha in China. 



Versammlung am 18. November 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr J. Dörfler hielt einen Vortrag: „Mitteilungen aus 
der Flora Kretas." Der Vortragende berichtete über seine mit 
Subvention der kais. Akademie der Wissenschaften unternommene 
Forschungsreise nach Kreta und legte hierbei eine große Kollektion 
daselbst gesammelter Pflanzen vor. 

Er reiste am 17. Februar 1904 von Wien über Triest nach 
Canea, wo er am 25. Februar anlangte und vom österreichischen 
Generalkonsul J. P int er die liebenswürdigste Unterstützung genoß. 

Z. B. Ges. Ed. LV. 2 



18 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



Die erste Exkursion galt der Halbinsel Akrotiri. Über das Kloster 
Hagia Triadha erreichte der Vortragende Perivolitsa, den klassischen 
Standort von Allium circinnatum und Triadenia Sieben, die seit 
Sieb er nicht mehr gesammelt worden waren^ und tags darauf unter- 
nahm er eine Exkursion über das in einer Felsenschlucht liegende 
Kloster Katholiko bis zum Kap M61eka. Nach Canea zurückgekehrt, 
ging die Expedition mit vier Maultieren über Amudhari im Hoch- 
tal Askiphu zur Südküste nach Sphakia, welcher Ort für längere 
Zeit als Standquartier ausersehen wurde. Von dort aus wurde der 
karstartigen Insel Gavdos ein fünftägiger Besuch abgestattet, während 
ein Besuch der Insel Gavdopula durch den Sturm vereitelt wurde. 
Von Sphakia aus wurden dann noch Exkursionen in die Schlucht 
von Askiphu, nach Frankokasteli und in die Schlucht von Samaria 
unternommen. Am 19. April wurde Sphakia verlassen und die 
Wanderung ging ostwärts nach Selij'i und dann landeinwärts über 
Hagios Joannes o Kaimenos bis nach dem an einem Ausläufer des 
Kedrosgebirges liegende Spili. Von dort aus wurde der 1802 ij/ 
hohe Kedros erstiegen und Ausflüge nach Hagios Galinis und den 
Inseln Paximahdia gemacht, wo es dem Vortragenden glückte, das 
seit 'J'ournofort auf Kreta nicht wieder gefundene Bellium minutuni 
zu finden. 

In der Zeit vom 25. Mai bis 1. Juni wurde das Gebiet des 
Ida, besonders die Hochebene Nidha durchforscht; nach einem 
kurzen Aufenthalt in Canea wurde wieder von Spili aus durch die 
Schhicht K()rdlian6tikon-Phan'mgi das Kloster Pr^veli besucht und 
dann die Weiterreise nach Osten angetreten. Am 30. Juni langte 
N^irtragendcr in ^V)ri an, von wo aus (;r die archäologischen Aus- 
grabungen von Hagia Triadha und Phaest6s in der Ebene Messara 
und auf der Weiterreise nach Pyrgos (bis „Labyrinth des Minotaurus" 
beMUclit«'. Da in l'vrgos k(!ine MauHiere zu erlangen waren, wanderte 
er zu FuC) nach (hm dn-i Tagemärsche entfernten llieräpetra und 
niietet(! unterwrgH .Maultiere, vvchrhe das in Pyrgos zurückgebliebene 
(iepärk abholten. Am ]'.). Juli trat Vortragender eine Exkursion 
durrii die f'mtlicliHtc l'rovinz Kretas, Sitia, an, vom 23.— 20. Juli 
wurde dan LaHHÜhi^'-ebir^-e und später das A|)hendigebirge durch- 
forneht. Am H. Augiisf wurde Kreta an der schmälsten Stelle durcli- 
<|Ucrt und Wätzum NikolAoH erreicht, von wo aus (U^r Vortragende, da 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



19 



der erwartete Dampfer nicht verkehrte, zu Fuß nach Candia weiter 
wanderte. Am 19. August wurde nochmals eine Exkursion zum 
Ida angetreten und nach mancherlei Kreuz- und Querwanderungen 
der 2498 m hohe Hauptgipfel am 22. August nachmittags erreicht. 
Der Abstieg erfolgte über Gurütaes und Arkädhi nach Rettimo, 
von wo aus zur See nach Kanea zurückgefahren wurde. Am 
2. September verließ der Vortragende Canea und kam am 6. Sep- 
tember in Triest an. 

Von den vom Vortragenden vorgelegten Pflanzen seien nach- 
folgende teils sehr seltene^ teils für die Flora Kretas charakteristische 
Arten angeführt: 

Banunctdus Creticus L., Cypriantlie Asiatica Freyn, flor. albis, 
roseis et puniceis, Corydalis unifJora Sieb., Bicotia Cretica B. H., 
Erysimmn Baulini Boiss., Drahn Cretica B. H., Alyssum Idaeum 
B. H., Viola fragrans Sieb., Viola parvula Tin. ß. glahrata Heldr., 
Silene Sihthorpiana Rchb., Silene variegata Desf , Cerastium scaposmn 
B. H., Buffonia strida S. S., Linum arhoremn L., Linum caespitosum 
S. S., Hypericum tricJiocaulon B. H., Triadenia Sieheri Sp., Astra- 
galiis Creticus Lam., Ehenus Cretica L., Cicer ervoides Sieb., Bryonia 
Cretica L., Tamarix Cretica Bge., Cotyledon serratus L., Sedum 
Creticum B. H., Freyera Cretica B. H., Lecohia Cretica Lam., Galium 
Graecum L., Asperula incana S. S., Valeriana asarifolia Dufr., 
ScaMosa Sphaciotica R. Sch. Senecio gnaphalodes Sieb. Typus und 
forma aprica Dörfler. Wuchsform niedrig und gedrungen; die 
Blätter mit einzelnen oder zwei (gegenständigen) kurzen Lappen, 
selten mehrlappig. [Die typische Pflanze ist von schlankem 
Wüchse, die Blätter sind schmal lineal und ungelappt.] Anthemis 
Cretica L., PJiagnalon pumilum S. S. ß. glahrum Boiss., Bellium 
minutum L., Carlina Curetum Heldr., Staehelina arlorescens L., 
StaeJielina fruticosa L., Centaurea raphanina S. S., Centaurea Minoa 
Heldr., Lactuca acanthifolia W., Crepis Sihthorpiana Boiss., Hypo- 
chaeris tenuiflora Boiss., Campanula corymhosa Desf., Specularia 
pentagonia L., Laurentia tenella Biv., Vincetoxicum canescens W., 
Trachystemon Creticum W., Lithospermum Jiispidulum S. S., Celsia 
Arcturus L., Sal/via pomifera L., Scutellaria hirta S. S., Scutellaria 
Sieheri Bth., StacJiys spinosa L., Stachys mucronata Sieb., Phlomis 
lanata W., Nepeta melissaefolia Lam., Origanum Dictamnus L., 

2* 



20 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



Origamim Moru L., Cyclamen repandum S. S. ß. Creticum Dörfler 
[flor. albisi]/) Acantlwlimon Creücim. Boiss., Plantago Cretica L., 
Dapline sericea Vahl, Äristolochia Cretica Lam., Äristolochia semper- 
rlrois L., Ceplialantliera cucidlata B. H., Dracunculus Creticus Sch., 
Arnw Bi/zanfinum B\., Äru^n Creticum Boiss., Crocus Sieberi Gay 
ß. lieterovhromus Hai., Ttdipa Cretica B. H., Tulipta saxatilis Sieb., 
Tulipa Hageri Heldr., Chionodoxa nana K. Seb., Leopoldia maritima 
Heldr., Allktm circinnatiim Sieb., ÄlUum rubrovittatum B. H., Maillea 
crypsoides Boiss., Melica rectiflora B. H., Dactylis rigida B. H., 
Scolopeudrium Hemionitis Sw. 



Bericht der Sektion für Lepidopterolog^ie. 

Versammlung am 4. November 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende legt nacbstehende neuere Publikationen unter 
Hinweis auf die demnäcbst in diesen Vereinsscbriften erscheinende 
au.sriilirHcliere iksprecliung vor: 

Ilorniuzaki, C. v. Analytische Übersicht der paläarktischen 
Lepidopterenfamilicn. (Berlin, R. Friedländer & Sohn, 1904. Mk. 4.) 

Tutt, .]. W. liritish Lepido})tera. Vol. IV (Sphingidae). 

Wheeler, (^eor^^e. The ButtcrHies of Switzerland and the 
AipH of C'cntral Europe. I^ondon, 1904. 

ib rr Ott<» llaljicli macht eine ergänzende Mitteilung zu der 
ktlr/Jicli erscliienenen Beschreibung von Kriogaster Fhilippsi 
liartcl f„lriH", XVH, S. lOj. Er bemerkt, daß er die Art ebenfalls 
auK ilaffa in Anzahl crhaltcjn habe und die Angabc lUrtcLs, daß 
nicli /•>. l'hili/)/tsi von /'>. ICtmlcold unter anderen „durch den 
gUn/.liclM ii M:«ngel des MittcHieckcH der Vorderflllgel" unterscheide, 

I><T Voiirn^fJ'.ndi' führt ;niH, djii; ( hjdanicn repandum juif Kreit;», aiillcr- 
of<lriitlirh hiiiifiK mH, J<-(locli jiiiMHclilic, mit rein vveillen P*l(iten v(h*- 

kotrimc. I>i<- \\\tm \u-^ rot hlllhende l'flaii/c li:il)e w dort nirg-ends gCMclien. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



21 



nicht bestätigen könne, da seine Stücke stets den hellen Mittelfieck 
mehr oder weniger angedeutet zeigen. 

Ferner gibt derselbe die Beschreibung einer neuen 
Noctuide aus Haifa: 

Pseudophia Ha'ifae nov. spec. (cf, 9.) 

Gleichzeitig mit Eriogaster Phüippsi empfing ich eine neue 
Fsetidophia-Art in sechs Exemplaren aus Haifa. 

Dieselbe ist etwas kleiner als lUunaris Hb. var. Sancfa Stgr., 
der sie im ganzen recht ähnlich sieht, doch bei näherer Betrachtung 
treten solche Unterschiede hervor, daß man überzeugt ist, eine neue 
Art vor sich zu haben. 

Zwischen der zweiten Querlinie und der Wellenlinie läuft 
nämlich auf den Vorderflügeln hier ein schwärzlicher Schattenstreif 
der bei Illunaris var. Sancta Stgr. fehlt. 

Ferner ist die Wellenlinie, die bei var. Sancta unter dem 
Vorderrande ziemlich scharf vorspringt, bei diesem Tiere nur sanft 
geschwungen. 

Auffallend sind auch die weißen Ringmakeln und die Saum- 
linie der Fransen, deren Bogen auf den Rippen in je einem rein 
weißen Punkte endigen. 

Die schwarzen Saumbogen von Illunaris fehlen bei der neuen 
Art auf der Unterseite der Hinterflügel gänzlich, auf den Vorder- 
flügeln sind sie nur schwach angedeutet, was übrigens bei var. Sancta 
hier und da auch der Fall ist. 

Ich benenne diese Art nach dem Fundorte Haifa: Ha'ifae. 

Herr Dr. Rebel demonstriert und bespricht eine neue, sehr 
wertvolle Erwerbung der Landessammlung des k. k. naturhistorischen 
Hofmuseums, bestehend in einem Exemplar der seltenen Noctuide 
Liipernia ZolUhoferi Frr., welches von Herrn Intendanten Hofrat 
Stein dachner angekauft und der Landessammlung als Geschenk 
gewidmet wurde. 

Das tadellos erhaltene Stück ist weiblichen Geschlechtes und 
wurde am 23. September 1903 von Herrn Emanuel Krejsa, Lehrer 
in Chodau bei Karlsbad, durch Köderfang erbeutet, worüber der- 



22 



A'^ersammliiiig der Sektion für Lepidopterologie. 



selbe bereits eine kurze Notiz ^) veröffentlichte. Zur gleichen Zeit 
wurde die Art auch bei Dresden durch Herrn Kob. Seiler und in 
England bei Middlesbrough^) gefangen. Ihr eigentliches Verbrei- 
tungsgebiet scheint aber Zentralasien zu sein, woher sie jetzt mehr- 
fach in den Handel gelangt. 

Das vorliegende Stück ist ausnehmend groß (26 nwi Vorder- 
Hügellänge, 54 mm Expansion) und besitzt eine sehr deutliche 
Zeichnungsanlage, welche unter den vorhandenen Abbildungen noch 
am besten mit H errich- Schaff er s Bild 104 (9) übereinstimmt. 
Abgesehen von der bei dem vorliegenden Exemplare bedeutenderen 
Größe ist aber auch die Färbung desselben bedeutend heller, der 
äußere gezackte Querstreifen der Vorderflügel weniger deutlich und 
die dunkle Saumbinde der Hinterflügel weniger scharf begrenzt als 
in Herrich-Schäffers Bild. 

Es hat den Anschein, daß das cf in der Regel schwächer 
gezeichnet ist, wie dies auch aus Herrich-Schäffers Bild 103 
(wovon die Abbildung bei Hofmann-Spuler, Taf. 39, Fig. 22 eine 
Kopie ist) hervorgeht. 

Gut mit dem vorliegenden Exemplar stimmen auch die Text- 
angaben der ersten Beschreibung durch Frey er ^) überein, nur daß 
hier die Unterseite der Vorderflügel einen deutlichen schwärzlichen 
Mittclflcck besitzt, wogegen die Ilintcrflügel daselbst, wie Freyer 
angil)t. zciclinnngslos weißgrau sind. Frey ers Abbihlungen 184 (1,2) 
Kind zu ])reitflügeh'g geraten und stellen schwach gezeichnete Exem- 
plare dar. 

Von den bci(h;n Abbildungen bei Duponchcl ') stellt Fig. la 
offenbar ein geflogenes dar, Fig. 1 b (9j ist aber im Habitus 
und Zeichnung der Vorderflügel ganz unkenntlich. 

Die neueste Abbildung von Barrett (1. c.) bringt ebenfalls 
ein «ehr Hcliwacli gczciclineteK r-^ /ur Darstellung, bei welchem 
namentlich der Hcliwarze Längsstreifen an der Wurzel der Vorder- 
Htlgel vollHtändi^^ fclilt. 

') Kiitoiii. /.«rit.iclir, ((iuix'ii), XVIII (llMMj, S. ^2. 

*) L..flh<MiHi.. .Monfhly .Mag., üMi;;, p. 200; liunctt, lirit. Lq»., IX, 
p.449, ri. 121, Fig. ... 

N- M- HHtriijfc, II, S. M,'.. 
, ,1., IV, n. «8, Fig. 1 a, 1 1). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



23 



Bereits Frey er hebt mit Recht die habituelle Ähnlichkeit von 
ZoUiJiOferi mit Nonagria Typliae Thnbg. hervor. Dennoch kann 
an der generischen Verschiedenheit der beiden Arten kein Zweifel 
bestehen. Die stärkere Frontalbildung bei Typliae. der nach hinten 
fast gerade abgeschnittene Halskragen von ZoUllioferi dessen 
Schuppenbekleiduug lange nicht so haarförmig ist wie bei Typliae, 
der schlankere Hinterleib und die viel schlankeren Beine von 
ZoUiJiOferi schheßen jeden Gedanken an eine generische Zusammen- 
gehörigkeit beider Arten aus. 

Erst reichlicheres Material von Zollihoferi, namentlich auch 
an männlichen Stücken, wird jedoch die Gattungszugehörigkeit 
dieser Art endgiltig klarstellen. 

Derselbe macht ferner unter Vorweisung das bisher unbekannte 
9 von Lignyoptera Tliaumastaria Rbl. bekannt: 

Herr Dr. A. Penther, welcher im heurigen Jahre das Dur- 
mitorgebiet in Montenegro besuchte, fand daselbst am Skakala in 
einer Höhe von zirka 1500 m am 16. August unter einem Steine 
eine nackte dunkelbraune Puppe von 12 mm Länge. Ihr Vorder- 
körper war autfallend gedrungen, wogegen die Abdominalsegmeute 
sich gegen den mit zwei langen, nach außen umgebogenen Borsten 
versehenen Kremaster stark verjüngten. Die Flügelscheiden waren 
(wie auch bei anderen flügellosen Spannerweibchen) breit angelegt. 

Aus dieser Puppe entwickelte sich nun am 2. Oktober 1. J. 
ein gelbbraun gefärbtes Spannerweibchen mit spitzen Flügelrudi- 
nienten, welches im sonstigen Bau, namentlich der Fühler und Beine 
so nahe Verwandtschaft mit Lignyoptera FHmidaria-\\Q\\)Qh.Qn ^eig't: 
daß an der Zugehörigkeit zu derselben Gattung nicht gezweifelt 
werden kann. Mit Rücksicht auf diese Gattungszugehörigkeit, der 
Allgemeinfärbung, Flugzeit und des örtlichen Vorkommens kann 
nicht der geringste Zweifel bestehen, daß es sich um die sehr wert- 
volle Entdeckung des Lignyoptera Tliaumastaria -Weibchens handelt. 

Die Fühler desselben sind ganz ähnlich geformt wie bei Fumi- 
f/orm -Weibchen, die Gliederenden der Geißel treten jedoch etwas 
weniger spitz vor, die Bewimperung fehlt. Die stumpfen^ grob be- 
schuppten Palpen zeigen ^/^ der Augendurchmesserlänge, der Rüssel 
ist dünn, aber entwickelt. Die kräftigen Beine besitzen wie bei 
Fumidaria au den etwas verdickten Hinterschienen zwei Paar 



24 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Sporen. Der rauh beschuppte Thorax ist sehr kurz, die lanzett- 
förmigen, sehr spitz endigenden Vorderflilg-ekudimente zeigen 4 
Länge, sind also beträchtlich länger als bei Fnmidaria, wo sie lappen- 
förmige Fortsätze von nur 1 mm Länge darstellen. Das lange, birn- 
förmige Abdomen endigt in eine kurz beborstete Afterspitze. Die 
Allgemeint arbung ist, wie bereits bemerkt, gelbbraun, Kopf und 
Abdomen etwas lebhafter ockergelblich. Die J'lügelrudimente weisen 
gegen die Spitze dunkelbraune Schuppen auf, das Abdomen zeigt 
seitlich schwache Längsreihen schwärzlicher Schuppen, die sich auf 
der Bauchseite stark verdichten; auch die Schenkel der sonst hell- 
braun gefärbten Beine zeigen einzelne schwarze Schuppen. Gesamt- 
länge von der Stirne bis zur Afterspitze 12 mm (bei Ftimidaria-Q 
bloß 9 mm). Denniach durch bedeutendere Größe, viel längere, spitze 
Flügelrudimente und hellbraune Färbung sofort von dem kleineren, 
bräunlichgrauen Fumldoria - Weibchen zu unterscheiden. 

Das Tier war im Leben sehr lebhaft und lief gestört sehr 
behende im Zuchtkasten umher. 

Es legte, bereits an der Nadel, ein Ei, welches dem auf- 
rechton Längstypus angehört, seitlich deutlich komprimiert ist und 
ein durchaus glattes Chorion von gelbhchgrüner Färbung besitzt. 
Die Länge des Eies beträgt Uber 0*9 mm, seine Breite zirka 0'7 mm. 

Das Auffinden von Lirjnyoptera Thaumastaria in Montenegro 
bestätigt meine in der Fauna Bosniens^) ausgesprochene Vermutung, 
(laß es sich um eine weiter verbreitete Balkanart handeln dürfte, 
an deren montanem Vorkommen nunmehr nicht mehr gezweifelt 
werden kann. 

Ibir hr. Schirna teilt unter P)ezugnahme auf seine vor- 
jäliri^^cn Mitt(;ihin;;('n in der Scktionsversammlung vom 6. November 
V.m fvgl. diese „Vcrliandhingen", Bd. LIII, lieft 10, S. oGG ff.) 
Hcinc im liourigen .Jahre in der Zeit vom :J. bis 14. Juli in Grignano 
hei Triewt ^^eniachtrn Beobachtungen lil)er Pirrls llaptic L. var. 
/.'" ' Stpf. mit: 

iK'li in (hr rni^-clMing \(»n Tricsf w;ir lieiier infolge der 
llit/c lind Trockenheit anfangs Juli I'loia und Fauna bereits viel 

') Aimnlon (Ion k. k. fi;itiirl»iHt. llofmiiK. in Wi<'ii, IWI. XIX, S. 278. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



25 



weiter vorgeschritten als im Vorjahre um die gleiche Zeit. Die 
zwischen den Weingärten auf den zum Meere abfallenden Abhängen 
eingestreuten Wiesenflächen waren bereits abgemäht und ziemlich 
verdorrt. In den ersten Tagen des Juli flog die var. Bossil ziem- 
lich häufig, dagegen die Stammform nur ganz vereinzelt. Die Exem- 
plare der var. Piossri waren meist etwas kleiner als die vorjährigen 
und bedeutend kleiner als die gleichzeitig fliegenden Stücke der 
Stammform. Etwa am 9. Juli verschwand die var. Bossil vollstän- 
dig, höchstens ein oder das andere abgeflogene Stück war noch zu 
entdecken, dagegen begann um dieselbe Zeit die Stammform in 
großer Anzahl zu fliegen, durchwegs in Stücken, welche die var. 
Bossü an Größe bedeutend übertrafen. Dr. Schima weist eine 
Serie von über 30 Stück der var. Bossil in beiden Geschlechtern 
vor. welche die bereits im Voijahre besprochenen charakteristischen 
Merkmale aufweisen und bemerkt, er habe bei Beobachtung an 
Ort und Stelle, insbesondere wegen der scharfen zeitlichen Abgren- 
zung des Erscheinens beider besprochenen Formen und des sehr 
merklich abweichenden Flügelschnittes der var. Bossil (Außenrand 
der Yorderflügel bedeutend mehr gerundet als bei Bapae. wodurch 
Stücke, die nach den übrigen Merkmalen allenfalls zu Zweifeln 
Anlaß geben könnten, auf den ersten Blick zu bestimmen sind), 
sehr zu der Annahme hingeneigt, daß var. BossU eine eigene Art 
sei. Seither habe ihm allerdings HeiT Bohatsch mitgeteilt, daß 
HeiT Calberla, welcher sich gleichfalls mit dieser Form beschäftigte, 
die Afterklappen von Piapae und Bossil untersucht und keinen 
Unterschied gefunden habe. 

Ülnigens hat Dr. Schima zum Zwecke der mikroskopischen 
Untersuchung des Genitalapparates außer den heute vorgewiesenen 
Stücken eine größere Anzahl von beschädigten Exemplaren beider 
Formen aus Grignano mitgebracht, welche er dem Herrn Vor- 
sitzenden zur Verfügung stellen wird. 

HeiT Dr. Egon Galvagni berichtet unter gleichzeitiger Demon- 
stration über seine diesjährige Exkursion im Küstenlande, in Nieder- 
österreich und Obersteiermark. 

GelegentHch eines zu Pfingsten d. J. (22. — 23. Mai) nach 
Grado unteraommenen Ausfluges erbeutete er eine größere Serie 
von Coenonymplia Pamplidus L., welche Art dort unter dem Einfluß 



26 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



der halophytischen Vegetation (Salzwiesen) eine wohl in den Formen- 
kreis der var. 3Iarginata Riilil zu ziehende Lokalrasse ausgebildet 
hat. Durchaus größer (die von 32 — 35 mm, die 9 35 — 38 mm 
Expansion) und feurig rotgelb gefärbt, insbesondere im männlichen 
Geschlechte, welches im Kolorit einer Ep'mephele Ida nicht nach- 
steht; mit auffallend breitem schwarzbraunen Außenrand, welcher 
an den Hinterfliigeln zwischen den Rippen gegen die Fliigelbasis 
oft zu kurzen Saumstrichen vorspringt, auch kann dort mitunter 
eine Reihe von Submarginalpunkten auftreten. Das Auge im Apikal- 
teil der Vorderfltigel meist vergrößert, bisweilen verdoppelt. Unter- 
seits der schwärzliche Wisch am Innenwinkel der Vorderflügel inten- 
siv verdunkelt. Die graue Fläche der Hinterflügel oft violettbraun 
gemischt, meist mit einer Reihe silberglänzender, braun umzogener 
Submarginalpunkte. Mitte September wurde wieder in Grado die Art 
in zweiter oder dritter Generation beobachtet. Diese spät fliegende 
Generation ist wesentlich kleiner (ö' 30 — 32 mm, 9 32 — 34 mm^ 
und bleicher als die Frülijahrsgeneration^ aber noch immer leb- 
hafter gefärbt als die lebhaftesten Stücke aus Niederösterreich. 

Weiters seien noch erwähnt: Leucmiia Scirpi Dup., Grado, 
18. und 20./IX. 1904, aus Scirpiis-hüschen durch Leuchten mehrfach 
in beiden Geschlechtern erbeutet, welche am besten mit Herrich- 
Scliäffcrs Hild 31S (Dffcfylidls) übereinstimmen; die Art ist auch 
aus i\)la bekannt (Prcißecker, Mus. Caes.); Tapinostola Fidva 
ab. /''Iura Tr., Grado, 18/IX. 1904, defektes 9, sowie Äbraxas 
l'autaria L., Aquilea, 20./V. 1904. Die beiden letzteren Arten 
sind für die Fauna des Küstenlandes neu. 

Derselbe macht sodann zwei Arten, eine Stammform und eine 
Aberration l»ekannt, die für die Fauna Niederösterreichs neu sind: 

1. Affrofis hahlii Hl). Ein sicheres, wenn auch schon stark 
;:cfloffene8 c dieser Art im Östron^- nachts an der Acetylenlampe 
erbeutet. Dan StUck stimnit vollkommen mit Stücken aus Lechts, 
KHthland He^r. Frcili. v. Iliicne), in seiner Sammlung. 

2. Tapivoslolti /•'idi fi Hb. Am (>. nnd 7. September 1. .). am 
Winkelaucr Teicli Itd I Icidenreichstein in der Dämmerung in beiden 
(ieHclilccIitcrn nH'lirfacli gefunden. Die Stücke stimmen mit solchen 
auM En^Hand (Vill. Habich i ganz llberciin. Die Art ist neu für die 
^^^anzc dieHHcitigc licicliKhalftc. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



27 



3. Luceria Virens L. Die anscheinend auf den nordwestlichen 
Teil unseres Kronlandes beschränkte Stammform wurde bei Litschau 
und Heidenreichstein in der Zeit vom 1. — 7. September von mir 
mehrfach g-efang-en. Bisher nur in der var. Immaculata Stgr. aus 
Niederösterreich bekannt gewesen, welche Spielart sich auch noch 
in den südHchen und östhchen Teilen des Gebietes (z. B. Eggen- 
burg^ Retz, P reiß eck er) findet. Von Heidenreichstein auch aberrativ 
einen Übergang zur Varietät mit verloschenen Makeln, wie sich 
ebensolche Stücke gelegentlich bei Mödling finden (Mödling, am 
Frauenstein, 6./VIIL 1904, leg. Galvagni). 

4. Emiomos Fuscantaria ab. Effuscaria Ebl. Diese der veil- 
braunen Saumfärbung entbehrende, fast einfarbig gelbe, bisher nur 
aus Siebenbürgen gekannte Form nahm ich am 12./ VIII. 1. J. von 
Gaslaternen des Promenadeweges in Hietzing in zwei männlichen 
Stücken herab; wohl eine Wirkung der diesjährigen abnormen 
Sommertemperatur. 

Derselbe demonstriert ferner eine Reihe von Übergangsstücken 
der Folia Xanthomista Hb. zur var. JSfigrocincta Tr. : Schönau bei 
Litschau, 2. /IX. 1904; Straße von Groß-Pertholz nach Karlstift, 
9. /IX. 1904, an Saumsteinen; dann eine Serie der in Niederöster- 
reich nur selten beobachteten Lar. Firmata Hb., die in Litschau 
und Heidenreichstein vom 1. — 7. September gesammelt wurde. 

Zum Schlüsse legt derselbe ein extremes, auf Ober- und 
Unterseite aller Flügel nahezu einfärbig rauchbraunes Stück der 
Lygris Fopulata ab. Miisauaria Frr. vor, welches in der Nadelholz- 
region des Polsters am Präbichl am 14./VIIL 1904 durch Lichtfang 
f Acetylenlampe ) erbeutet wurde. 

Herr Anton Metzger demonstriert einen geteilten Zwitter 
von Argynnis Fapliia L., dessen linke Hälfte vollständig männlich, 
wogegen die rechte Hälfte weiblich ist. Das frische Stück wurde 
am 20. August 1. J. im Hochschwabgebiet bei Thörl erbeutet und 
befindet sich in der Sammlung des Herrn Metzger. 

Herr Dr. K. Schawerda bespricht unter Vorweisung einige 
interessantere Formen aus seiner heurigen Ausbeute in Tirol und 
Piesting (N.-Ö.j, von welchen besonders Erehia Euryale Esp. ab. 



28 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Ocellaris Stgr. aus dem Karrersee-Gebiet, worüber ausführlichere 
MitteihiDg-en der nächsten Sitzung vorbehalten bleiben, ferner eine 
Coe)iomj}uplta Ipliis Schiff. 9 von Piesting, mit besonders groß ent- 
wickelten, silbergekernten Augenflecken der Hinterflügelunterseite 
und Emnturga Atomaria L. var. Orientaria Stgr. von der Virgl- 
warte bei Bozen hervorzuheben sind. Auch erwähnt derselbe das 
Vorkommen von PMogophora Scita Hb. auf der Hohen Wand in 
Niederösterreich. 

Versammlung am 2. Dezember 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende begrüßt den als Gast anwesenden Herrn Paul 
Landbeck, Beamten der Compagnie von Kasai im Kongostaate, der 
während seines letzten dreijährigen Aufenthaltes am Kongo eine sehr 
interessante und umfangreiche Lepidopterenausbeute gemacht hat. 

Ferner legt derselbe nachstehende PubHkationen mit einer 
kurzen Besprechung vor: 

llöfner, Gabriel. Die SchmetterHnge Kärntens. (Jahrb. des 
naturhist. Museums von Kärnten, Heft XXVH.) 

Fuchs, Ferdinand. Lepidopterologisches. (Jahrb. d. Nass. Ver. 
f. Naturkunde, Jahrg. 57.) 

Herr Dr. Bebel bespricht sodann unter Vorweisung nach- 
stellende Arten : 

1. Mrllfaca Dejone H. G. 

Herr Prof. G. Stange hat am 1. August 1. J. bei Klausen in 
Slldtin») ein Mdif am -M'^nnchen erbeutet, welches zweifellos dieser 
Art anp'lii'irt. Das gcHo^^eno Stück (von 19 mm Vorderfliigellängc) 
hält in (hr Stärke der Kchwarzcu Zeichnung der Fliigclobersc^itc 
die Mitte /wiHchen Hpanischen Stücken von Dcjonf; und jenen der 
Form /Im sali aus deni Walhs, welch letztere von Whecler 

. liiittcrtl. (»f Switz(;rl., p. Hf); mit gutem Kecht als Varietät zu Drjonc 
f^e7/)ti;cn wird. Auch die Unterseite stimmt sehr gut mit var. Ikri- 
fifili. Die Art wurde biHhcr innerhnlh der (irenzen unserer Mon- 
archie noch nicht heohachtet und erreicht in Slldtirol die Ostgrenze 
ihrer hinher hcikannt gewordenen Verbreitung. 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



29 



Herr Prof. Stange überließ in sehr dankenswerter Weise das 
wertvolle Belegexemplar dem k. k. naturhistorischen Hofmuseum. 

2. Plnhalapteryx Tersafa S. V. (? ab. Tetricata Gu.). 

Herr W. Seligmann zog in der zweiten Junihälfte des heuri- 
gen Jahres aus einer bei den Kellern in Bisamberg aus Clematifi 
geklopften Raupe ein weibliches Exemplar von Pli. Tersata, welches 
eine sehr auffallende Aberration bildet. Das kleine Stück (16 mm 
Vorderflügellänge) zeigt auf Vorder- und Hinterflügel eine rein 
graue dunkle Färbung und ist im Mittel- und Saumfelde der 
Vorderflügel gegen die scharf geteilte Spitze zu sogar schwärzUch 
verdunkelt. 

Die Diagnose der aus dem Altaigebiet bekannt gemachten 
var. Tetricata Gu. könnte auf vorliegendes Stück Anwendung finden, 
allein nach der Originalbeschreibung Guenes scheint ihm eine 
weniger scharf gezeichnete Form vorgelegen zu sein. Von Dr. Stau- 
dinger erhaltene Te/nca^a-Stücke aus dem Amurgebiete (Mus. Caes. 
und Coli. Bohatsch) sind nur blässer, sonst aber ebenso bräunlich 
gefärbt als die Stammform, der sie zuzurechnen sind. 

Das interessante Stück wurde von Herrn Seligmann dem 
Hofmuseum freundlichst gewidmet. 

Herr Dr. E. Galvagni demonstriert als neue Vorkommnisse 
für Niederösterreich Äcidalia Fumata Stph. ab. Simplaria Frr. 
(Schrems im Waldviertel, 10./ VH. 1904) und Codonia (Epliyraj 
Linearia Hb. gen. aest. Strahonaria Z. (Hietzing, 28./Vni. 1904j. 

Herr Preißecker bemerkt, daß er Äcidalia Fumata ab. Sini- 
plaria bereits im Vorjahre in Heidenreichstein (Waldviertel) er- 
beutet habe. 

Herr Dr. K. Schawerda bespricht unter Vorweisung von 
zahlreichen Belegstücken eingehend Erebia Furyale Esp. ab. Occl- 
laris Stgr. 

Diese Form, bei welcher die rote Binde in kleiner oder größer 
bleibende Flecke (als Begrenzung der schwarzen Augenpunkte) auf- 
gelöst erscheint, ist in Tirol verbreitet. Sie tritt in Nord- und West- 
tirol — nach freundlicher Mitteilung Prof. Stanges — einzeln unter 



30 



Versaramluiig der Sektion für Lepidopterologie. 



der Stammform auf und wm*de auch im Ortlergebiet (sec Locke) 
und Glocknerg-ebiet (Mus. Caes. und Locke) beobachtet. Im Dolo- 
mitengebiet bildet sie sogar die herrschende Form der Art/) wie 
zahlreiche Stücke aus der Umgebung von Ratzes am Schiern (Ha- 
bicht aus dem Gebiete des Rosengartens (Stange, Schawerda), 
aus dem Pustertal (Stange), Sextental (Stange) und Ampezzotal 
(Gleissner, Stange) beweisen. 

Unter der ab. Ocellaris treten nun einzelne Stücke auf, bei 
welchen die Oberseite der Flügel vollständig zeichnungslos werden 
kann, indem nicht nur die roten Höfe der schwarzen Augenpunkte, 
sondern auch letztere vollständig verschwinden. Diese Stücke zeigen 
auf der Unterseite der Vorderflügel eine verloschene rote Saum- 
binde, in welcher aber ebenfalls die gewöhnlich vorhandenen 
schwarzen Augenpunkte fehlen. Die Hinterflügel sind daselbst zeich- 
nungslos. -Ich nenne diese oberseits vollständig einfärbig schwarz- 
liraun gewordenen Stücke, welche die weitestgehende Grenze der 
in der ab. Ocellaris liegenden Entwicklungsrichtung darstellen, 
alj. Extrema. Ihre Diagnose könnte lauten: Supra unicolor tota 
ui<jra, sfthiHs alis anterioris fascia rufa obsoleta, alis poderions 
in)K)f(ifis. 

Hiervon flng ich am 7. Juli 1. J. zwischen dem Karrersee und 
der Köhierhütte zusammen mit typischen Ocellaris ein ganz frisches 
großes o und am Karrersee selbst am gleichen Tage ein Stück (ö^), 
welches nur bei schräg auflallcndem Lichte oberseits kleine rote 
Pünktchen erkennen läßt. Auch von Corvara im Ennebergertal 
wurde die ab. Exirema bekannt, woher ein von Prof. Stange 
erbeutetes Stück aus dem k. k. natnrhistorischen Ilofmuseum 
vorließ. 

Zahlrciclie f bergänge zwischen der ab. Ocellaris und ab. Ex- 
trema liegen namentlich aus dem Schierngebiete vor. Daß die ab. 
(krllaris hIcIi auch mit der ab. Eurtjaliddes Tngstr. (bei welcher 
nur die whwarzen Augenpunkte verschwinden, die rote Saumbinde 
aber verbleibt i vcr})indcn kann, hat bereits Dr. IJebel (1. c, S. 512) 
erwillint. In melircreii VVieii(;r Samndungen \vurd(^ die ab. Kr/rema 
irrtümlich fllr ab. hluryalnulfn g(;halt(;n. 

•y V(fl. K< Im I in dicHcii ^ Verliaiidhin^en", 18!)2, S. 511— 512. 



Versammlung- der Sektion für Lepiclopterologie. 



31 



Herr Sektionsrat Dr. Scliima macht über naehsteheude Arten 
aus seiner heurig-en Ausbeute, die gleichzeitig- vorgewiesen werden, 
Mitteilung : 

Melitaea Flioehe Knoch. Die Art tritt bei Grignano in helleren 
und lebhafter gefärbten Stücken auf. 

Erebla Medusa F. ab. Hipiwmeäusa 0. Ein cf mit ausnehmend 
stark reduzierten Augenflecken am Schneeberge bei Wien am 16. Juni 
erbeutet. 

Clmjsophanus Hipxwtlw'e L. ab. Conflnens Gerh. Ein asym- 
metrisch ausgebildetes cf dieser Aberration von Gaming-, 10. Juni. 

Chrysophamis Donlis Hufn. 5 niit in Längssti'ahlen zusammen- 
geflossenen schwarzen Flecken im Diskus der Vorderflügel von 
Heinrichschlag in Böhmen am 23. Juli erbeutet. 

Gnoplws Änibiguata Dup. Zwei frische 9 von Gaming, 9. bis 
12. Juni, wovon eines fast einfarbig grau, das andere mit scharfer 
äußerer Querlinie gezeichnet ist. 

Ematurga Atomaria L. var. Chientaria Stgr. Eine schöne Serie 
von männUchen Stücken aus Grignano, ferner ein besonders dunkles 
9 der Stammform von Mödling. 



Beiträg'e zur Kenntnis der Reptilien- und 
Amphibienfauna Bulgariens. 

Von 

W. T. Kowatscheff. 

(Eingelaufen am 10. Mai 1904.) 

Diese zweite Mitteilung verdanke ich zum größten Teile 
meinen Kollegen A. Markowski (Razgrad), D. Dawidoff (Varna), 
D. Batanoff (Eski-Djuma), A. Atunassoff (Tirnova) und einem 
Teile meiner Schüler, welche die Güte hatten, mich mit diesem so 
interessanten Material zu versehen und gleichzeitig neue Fundorte 
für die früher beschriebenen Arten mitzuteilen. Das ganze Material 
wurde von Dr. Fr. AVerner durchgesehen und bestimmt, wofür ich 
ihm besonders zu Dank verpflichtet bin. 



32 Kowatscheff. Beiträge z. Reptilien- ii. Amphibienfauna Bulgariens. 



Eeptilieii. 

Gynwodacfylus Kotscliyi Steind. In den Häusern von Varna. Dr. 

Werner teilte mir mit, daß diese Gekos ihm schon bereits 

von Rustschuk bekannt sind. 
Anguis fragilis L. Bulgarisch „Hepok" oder „Krechar". In den 

schattigen, waldig-en Ortschaften des Kilo- und Rhodopegebirges 

(St. Georgieff), im Rustschuker Kreise, Varna, Orechova, 

gemein. 

Lacerfa viridis Laur., typica. „Zelen Güster." Eski-Djuma. 
Lacerfa nmralis Laur. Tirnova (cT), Sophia (Christowitsch). 
Lacerfa vivipara Jacqu. Kommt sehr oft im Walde von Obratzow- 

Tschiflik („Teketo"), nicht weit von dem Fischbehälter und 

zwischen Gebüschen vor. 
Ahlephariis pannonicus Fitz. Bei der Mündung des Flusses Kamtschia. 
Tropido)wh(s natrix L. „Wodna Zmia." Orechova, Varna. 
Tropidonotus nakix L. var. hilineatus Jan. Orechova, Rustschuk. 
Tropidoiwtus tessellaüis Laur. Razgrad. 
CoroHclla austriaca Laur. Razgrad, Orechova. 
Colidjer aesculapii Host. „Smok." In der Ortschaft „Teketo" bei 

Razgrad. 

Colidjer (juakwrlineatus Lac. var. sauromates Vall. Orechova. 
Zamenis gemonensis Laur. var. caspius Iwan. Zwei junge Exem- 

])larc von Razgrad und Orechova. 
Vipera ammodytes L. „Ussoinitza." Sopot. 

Vipern herus L. var. prester. Razgrad. Neu für die bulgarische 
Faun;». 

Ainpliihien. 

Jfufo vulgaris L. „iJjaba." Rustschuker Kreis, Eski-Djuma, Ga- 
brovo. 

J/ylfi tirhorrd L. „Zc^lcna Djaba." Gabrovo. 

Mnlgf t risfafHs IjUmv. Siiistria, Orechova, EHki-Djuma, Varna, Vratza. 
Sninmdhdrn maculosa Laur. „Dadjdovnik." (iabrovo, Fski-l)jurna, 
in den Gebirgen von Slivuo und Kotel (Skorpil). 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung- Olophrum Er. 33 



Revision der paläarktischen Arten 
der Staphyliniden-Gattung* Olojjhmm Er. 

Von 

G. Luze (Wien). 
(Eingelaufen am 7. Mai 1904.) 



Greniis Olophrum, 

(Er., Kf. M. Brand., I, 622; Gen. et Spec. Staph., 863. — Kraatz, 
Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 938. — Jacqu. Duval, Gen. Col. d'Eur., 
II, 74. — Thoms., Skand. CoL, III, 192. — Fauv., F. g.-rh., III, 
97. — Key, Ann. Sog. Linn. Lyon, 1880, 132. — Gangib., K. M., 

II, 719.) 

Der Kopf ist relativ klein und stark nach abwärts gewendet, 
wenig- uneben, nur innerhalb jeder Fühlerwurzel ± grtibchenförmig 
vertieft. 

Die Nebenaugen sind hoch auf den Scheitel gertickt und weit 
von einander abstehend. Die Schläfen zeigen meist — wie schon 
Mulsant und Rey berichten — eine ähnhche Beschaffenheit wie die 
Arten der Gattung Lathrimaeum: die Chitinschale ist hinter jedem 
Auge schmal und seicht rinnig vertieft, so daß hinter der Vertiefung 
eine von oben nach unten verlaufende Leiste^) entsteht, die (von 
oben betrachtet) als schwacher zahnartiger Vorsprung hinter jedem 
Auge sichtbar wird. Bei drei Arten (assimile, puncticoUe, rofimdi- 
colle) ist keine Orbitalleiste entwickelt. 

Der Halsschild ist besonders charakteristisch, so daß die Er- 
kennungsmerkmale der Art fast ausnahmslos im Baue des Hals- 
schildes Hegen. Er ist hoch (rotundicolle) oder flach gewölbt (puncti- 
coUe), mit sehr breit (piceum) oder schmäler verrundeten (ccmcasicum) 
oder deutlich markierten Hinterwinkeln (piincücolle) , vor diesen 
kräftig (cdpinmn) oder leicht (horecde) oder nicht ausgebuchtet 



^) Gangib au er nennt sie bei Lathrimaeum „Orbitalleiste". 

Z. B. Ges. Bd. LV. 3 



34 



G. Liize. 



(assimile). Eine Art (rotundicolle) besitzt vor der Mitte des Seiten- 
randes je eine deutliclie Ausbuchtung. Innerhalb des Seitenrandes 
des Halsschildes ist jederseits ein deutliches Grübchen sichtbar. 
Der Vorderrand ist in der Mitte ± deutlich vorgezogen und jeder- 
seits hinter dem Auge leicht, aber erkennbar ausgebuchtet. Der 
Vorderrand als solcher erscheint (von der Seite betrachtet) nicht 
oder nur leicht ausgebuchtet, nur bei einer Art (transversicolle) ist 
diese Ausbuchtung augenfällig entwickelt. Die Punktierung des 
Halsschildes ist derb, kaum schwächer als an den Flügeldecken 
(cauvasicum) oder fein und scharf eingestochen (consimile) oder 
aus seichten, w^eitläufig geordneten Punkten gebildet (transversi- 
coUe). In der Längsmitte ist etwas vor dem Hinterrande ein glattes, 
schwach erhabenes Feld sichtbar (fuscum), mitunter auch noch 
jederseits auf der Scheibe ein solches (piceum), so daß der Hals- 
schild drei ± ineinander fließende, glatte Felder aufweist. Mitunter 
erscheint vor dem Hinterrande ein deutliches Grübchen (horeale) 
oder eine ± ausgeprägte Furchung längs der Mitte (rotundicolle). 
Am Hinterrande sowie an den Seiten des Halsschildes ist die Punk- 
tierung meist l)eträchtlich derber als auf der Scheibe und am Vorder- 
rando. 

I)ie rauli punktierten Flügeldecken sind hoch (piceum) oder 
flach gewölbt (fnffcuni), sehr gestreckt (consimile) oder ziemlich 
kurz (aljiinum), vorne jederseits der Naht meist feiner und ge- 
drängter als im übrigen punktiert. 

Das breite, flache, fein und Aveitläufig punktulierte Abdomen 
ist durch dichte, netziiiaschige Grundskulptur matt glänzend, zeigt 
breite, flache Seitenränder und ist gegen das Ende ziemlich jäh 
verHclimäh'rt. 

Die FUlder sind schlank, g(;gcii das Ende nur leicht verdickt 
und weisen \m den eiiizchien Arten nur geringe Unterschiede auf. 

meist li(;llen IJcinc sind schlank, die Tarsen fünfglicdrig, 
die vier liasalglieder des ersten r)einj)aares schwach (9) oder merk- 
lich stärker i'i ) verhreitert. Die drei ersten (Glieder sind zweilappig, 
an den Lappem nden hehorstet, das folgende Glied ist unterseits 
in einen breiten. ah^M;rundeten, b(^vvimp(!rtcn J^appen erweitert, das 
Endglied ist gestreckt und sehwaeh keulig, etwa so lang als die 
drei vorhergehenden Glieder zusammengenommen. Die ziemlich 



Revision d. paläarkt. Arten d, Staphylinideu-Gattung Oloplirmn Er. 



35 



kräftigen Klauen zeigen unter dem Mikroskope an der Wurzel einen 
deutliehen Zahn. 

Wie bei Geodromkus. Anthophagus und Lesfeva läßt sich das 
Geschlecht am Ende des Abdomens an der Oberseite erkennen: 
das achte Segment ist breit abgestutzt, bildet das Ende des Ab- 
domens und läßt meist das Ende der Legeröhre in Gestalt von zwei 
kurzen Dornen hervortreten (9) oder es ist ein neuntes, konisch 
zulaufendes Segment sichtbar ( o^). Das Abdomen der $ ist auch 
etwas breiter, infolge dessen die Flügeldecken bei ihnen etwas 
stärker nach hinten verbreitert erscheinen als bei den o . 

Die präparierten Mundteile zeigen unter dem Mikroskope nach- 
stehendes Bild: Oberlippe lederig. quer, außen verrundet, oben 
jederseits mit längeren Tastborsten besetzt, vorne ausgerandet, da- 
selbst in einen häutigen, am Rande fein und ziemlich lang behaarten 
Lappen übergehend. Mandibeln breit mit scharfer, einwärts ge- 
krümmter Spitze, im Grunde mit einem ± entwickelten Zahn. 

Außenladen der Maxillen schmal, etwas länger als die Innen- 
laden, am Ende kurz und wenig dicht pinselartig behaart, die 
Innenladen breit, gegen das Ende stark verschmälert, an der Spitze 
mit einem stärkeren Zahn bewehrt, hinter demselben schwächer 
gezähnt und barteuförmig gefranst. 

Kiefertaster viergliedrig, das erste Glied kurz, das zweite 
keulig verdickt und leicht gekrümmt, das dritte verkehrt kegel- 
förmig, beti'ächtlich kürzer als das zweite, das Endglied schmal, 
gegen das Ende konisch verschmälert, etwas länger als das zweite 
und fast doppelt so lang als das dritte Glied. 

Lippentaster dreigliedrig, von allmählich abnehmender Dicke, 
das Endglied etwas länger als das erste und mehr als doppelt so 
lang als das zweite Glied, von der Gestalt des Endgliedes der 
Kiefertaster. Die vorletzten Glieder der Kiefer- und Lippentaster 
tragen Tastborsten, erstere je zwei, letztere eine solche. 

Zunge häutig, breit, vorne abgestutzt oder ausgerandet, von 
den zart bewimperten Xebenzungen begleitet. 

Kinn trapezförmig, an der Basis lederig, vorne häutig, in der 
Xähe des scharf begrenzten Überganges jederseits mit einer langen 
Tastborste. 

3* 



36 



G. Luze. 



Der Körper der Olo2)h'i(ni -Arten ist glänzend, äußerst spärlich, 
nur an den Fülilern und Beinen dichter behaart. Die Tiere ver- 
breiten — wahrscheinlich alle — einen intensiven Geruch, der sich 
beim Erfassen den Fingern mitteilt und lange anhaftet. Über den 
Geruch des OJoplmim piceiim berichtet Swale (Ent. Mag., 1894, 16). 

Die Arten dieser Gattung sind in Mittel- und Nordeuropa, im 
nördlichen Asien und in Nordamerika heimisch. 

Sie lieben die Nässe. Einige Arten leben zwischen Moosen 
in oder am Quellwasser, andere am Rande von Schneeflecken oder 
unter Steinen, unter Laub oder anderen faulenden VegetabiHen, an 
den Ufern des Meeres oder von Binnen wässern, in der Ebene und 
im Gebirge. 

Bisnun sind 11 Arten der paläarktischen Region bekannt 
geworden. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Hinterwinkel des Halsschildes ± scharf ausgeprägt (recht- oder 

stumpfwinkelig) 6 

— llinterwinkel der Halsschildes vollständig geschwunden (breit 

verrundet) 2 

2. Halsschihl grol) (nicht oder wenig seichter als die Flügeldecken) 

und weitläufig punktiert, auf der Scheibe mit drei (meist) 
deutlich hervortretenden, glatten Feldern 3 

— Halsschild beträchtlich schwächer als die Flügeldecken und rb 

gedrängt ])unktiert, mit einem glatten Felde hinter der Qucr- 
mittc 4 

3. Flügeldecken wie der llalsscliild hoch gewölbt, dieser (wie der 

Kopf j cinfiirbi;: hell, mit sehr breit verrundeten Hinterwinkcln. 

1. piccum. 

— Flügeldecken wie der llalsHchild flacher gewölbt, mit Ausnahme 

der liiinder dunkel, die 1 linlcrvvinkel mäßig breit verrundet. 

2. caucasicuni. 

i. llalHHcliild mit ncharf eingCHtoehcnen I^unktcn besetzt, am Vorder- 
rande nur Hciclit auHgerandet f) 

llalHHcliild Hciclit und weitliiufig, gegen den Vorderrand erloschen 
punktiert, daHclImt kräftig auHgerandet . f). / ransvcrsirollr 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattuug Olophmm Er. 37 



5. Halsschild kräftig und wenig gedrängt punktiert, nach vorne 

stärker verengt 3. fuscum 

— Halsschild mit feinen, scharf eingestochenen Punkten ziemlich 

dicht besetzt, nach vorne schwächer verengt . 4. hrevicolle 

6. Seitenränder des Halsschildes vor der Mitte geradlinig oder 

konvex verlaufend 7 

— Seitenränder des Halsschildes vor der Mitte ausgebuchtet, da- 

selbst konkav verlaufend 11. rot und ic olle 

7. Seitenränder des Halsschildes vor den Hinterwinkeln nicht aus- 

gebuchtet, Kopf ohne Orbitalleisten 8 

— Seitenränder des Halsschildes vor den Hinterwinkeln deutlich 

ausgebuchtet. Kopf mit Orbitalleisten 9 

8. Flügeldecken kurz (weniger als doppelt so lang wie der Hals- 

schild), verworren punktiert, wie der (meist) helle Kopf ein- 
farbig gelbbraun ö. asslmlle 

— Flügeldecken lang (doppelt so lang wie der Halsschild), an 

der Basis unregelmäßig gereiht punktiert, wie der Kopf 
dunkel^) 7. jjuncticolle 

9. Halsschild nicht oder leicht quer, hoch gewölbt, dicht punk- 

tiert 10 

— Halsschild stark quer (172D3al so breit als lang ), flach gewölbt, 

weitläufig punktiert 8. horeale 

10. Halsschild deutlich quer [Vj^msLl so breit als lang), unregel- 
mäßig und wenig gedrängt, Flügeldecken (mäßig gestreckt 
und) grob punktiert 9. aljunum 

— Halsschild um Geringes breiter als lang, regelmäßig und gedrängt, 

Flügeldecken (sehr gestreckt und) wenig grob punktiert. 

10. consimile. 

Anmerkung. Motschulsky beschreibt ein Ohplmm nigro- 
piceiim (Schrenck, Reiseb.. 1860, 119, Taf. VIII, Fig. lO-, das sich 
durch besondere Länge der Flügeldecken auszeichnet. Die Original- 
beschreibung mag hier folgen: ^^Ohlongum. xoostke dilatatimi, leviter 
convexum, sjxirsim xmmtatum, nitidulum, mgrojiicenm; ore, anten- 
}>anim hasi, elyfr&rimi margine posüce pedibnsciue rufis] tliorace 



^) Unreife Exemplare des puncticolUs sind an Kopf und Flügeldecken 
hell und dann dem assimile sehr ähnlich. 



38 



G. Luze. 



transverso, suhcordato, angulis posticis recüs, subprominulis, lateribus 
lato reflexis, arcuaüs, elytris tJwrace triplo longiorihus, grosso-ptmc- 
tafis, ptwctis fere in striis disposiüs; am trianguläre, infuscato. 

— Long. :> lai. ^/e 7. 

Un peil plus grand que notre Ol. fuscum et surtout plus 
allonge vers les elytres, qui ont leurs cotes lat^raux plus droits. 
Le eorselet est distinctement en cceur et encore plus large que 
chez le fuscfon. Du Kamtschatka." 

1. Olophrum piceum Gryllh., Ins. Suec., 11^ 200. 

Er., Kf. M. Brand., I, 623; Gen. et Spec. Staph., 864. — 
Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 939. — Jacqu. Duval, Gen. 
Col. d'Eur., II, 26 (Fig-. 127). — Thoms., Skand. Col., III, 193. 

— Fauv., F. g.-rh., III, 97. — Key, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
135. — Gangib., K. M., II, 720. 

(Silpha) hlattoides Ahr., Nov. Act. Hall., II, 2, 20 (Tab. 2, 
Fig. 3j. 

Heller oder dunkler braunrot, Tarsen, Basis der Fühler und 
Beine rotgelb. Der Körper hoch gewölbt, die Flügeldecken in 
beiden Geschlechtern nach rückwärts stark verbreitert. 

Halsscliild etwa 1-74 mal so breit als lang, hoch gewölbt, nach 
vorne ziemlich stark verschmälert, die Hinterwinkel sehr breit ver- 
rundet, die Scitcnrändcr breit abgesetzt, der Vorderrand jcderseits 
hinter dem Auge seicht, aber deutlich ausgerandet, die Vorderwinkel 
schwach lappig vorragend. Die Punktierung des Halsschildes ist 
unregelmäßig, der Hinterrand sowie die aufgebogenen Seitenränder 
kaum weniger derb als die Flügeldecken punktiert; die kräftige 
l'unkticning ist inncrhall) der aufgebogenen Seitenränder am 
dichtcHtcn. auf der Schcilx' und gegen den Vorderrand schwächer 
und Heirhtcr. Die Scheibe des I lalssehihles zeigt drei (meist) 
deutbeh her\ f»rtret(;n(h*, ghttte, etwns erhobene Fehhn', die:!- deutlich 
mit einander in \'r rbin(lung Htelien. 

Unter den Arten mit verrnn(h'ten I linterwinkeln besitzt /rke/i»/ 
die gcwölbtcHtc Köriierforni un<l ist durch diese sowie durch die 
helle Färbung gut charakleriHiert. 



Revision tl. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung <Jloph.ro.ru Er. 39 



Länge: 4*ö — 5-5 mm. — Verbreitung: Bisher nur aus Mittel- 
und Xorcleuropa bekannt. — Vorkommen: Im nassen Moose, im 
tiefliegenden, nassen Laube und in anderen Vegetabilien sowie an 
Sümpfen. 

In der Punktierung dem raurasuum Fauv. am ähnlichsten. 
Von diesem durch hocho-ewölbte Gestalt, viel breiter verrnudete 
Hinterwinkel des Halsschildes und durch die helle Färbung ver- 
schieden. 

2. Olophriim caucasicum FauT.. F. g.-rh. i Cat. Syst.. VII). 

In der Xormalfärbung pechschwarz, die Fvänder des Hals- 
schildes, die Hinterränder der Flügeldecken, die Basis der Fühler 
und die Beine rotbraun. 

In der Punktierung mit pkeinn fast übereinstimmend. Der 
Halsschild ist kürzer, die glatten Felder treten deutlicher hervor, 
die Hinterwinkel sind beträchtlich schmäler verrundet und die 
Wölbung — insbesondere der Flügeldecken — ist deutlich schwächer 
als bei inceum. 

In der Färbung mit fuscum. übereinstimmend. Von demselben 
durch etwas gewölbtere Körperform, kürzeren, unregelmäßig und 
derb punktierten Halsschild mit schmäler verrundeten Hinter winkeln 
sowie durch gestrecktere, derber punktierte Flügeldecken ver- 
schieden. 

Länge: 4 — b mm. — Verbreitung: Kaukasus (Helenendorf, 
Letschgum, Lenkoran, Araxestal». 

8. Olophrum fiiscum Srrayli.. Monogr., 211. 

Er.. Kf. M. Brand.. 1, 623; Gen. et Spec. Staph.. 865. — Kr a atz, 
Xat. Ins. Deutschl, 1858^ II, 940. — Fauv.. F. g.-rh., III, 98. — 
Key, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 138. — Gangib., K. M., II, 720. 

0. lahm Mäkl., Bull. Mose. III, 1853, 194. — 0. JatkoUe 
J. Sahlb., En. Fenn., 1876, 211. 

In der Normalfärbung pechschwarz, der Mund, die Beine, die 
Basis der Fühler, die Bänder des Halsschildes, die Hinterränder 
der Flügeldecken und die Schultern rotbraun. 



40 



G. Luze. 



Halsschild etwa P/^mal so breit als lang, mäßig gewölbt, 
iiaeli vorne ziemlich stark verschmälert, die Hinterwinkel sehr breit 
verrundet, mäßig stark und ziemhch dicht punktiert. Vor dem Hinter- 
rande in der Längsmitte befindet sich ein etwas emporgehobenes 
glattes Feld. 

Flügeldecken mäßig stark nach rückwärts verbreitert und 
mäßig stark — aber beträchtlich stärker als der Halsschild — 
punktiert. 

Länge: A—A'bmm. — Verbreitung: Diese Art besitzt die 
größte Verbreitung und ist in Mittel- und Nordeuropa^ in Ostsibirien, 
in der nördlichen Mongolei und in Nordamerika (Alaska) heimisch. 
— Vorkommen: In nassem Moose und in faulenden Vegetabilien. 

Von piccim durch beträchtlich flacher gewölbten Körper, viel 
feiner und dichter punktierten Halsschild, beträchtlich schwächer 
punktierte Flügeldecken sowie durch die Färbung verschieden. 

In Färbung und Skulptur dem hrevicolle Beruh, sehr ähnlich. 
Von demselben durch stärker nach vorne verengten, kräftiger punk- 
tierten Halsschild, flachere Wölbung desselben, gestrecktere Flügel- 
decken und durch etwas kräftigere Fühler verschieden. 

4. Olophram hrevicolle^) Beruh., Münch. Kol. Zeitschr., 

1903, 190. 

Nach Färbung und Skulptur dem fuscum zunächst stehend. 
Von deniHclbcn durch breiteren, nach vorne weniger verschmälerten, 
an den aufgebogenen Seiten rändern schwächer, auf der Scheibe 
gegen den Vorderrand feiner und seicliter punktierten Halsschild, 
durcli kürzere, nach rückwärts schwächer verbreiterte Flügeldecken 
und etwas schlankere h'lililer verscliieden. 

Von raucasicunr - mil dem der Autor die Art vergleicht — 
dnrrli viel weniger nacli vorne verengten llalsschild, beträchtlicli 
breiter verrundete Ilinterwinkcl desselben, seichtere Punktierung 
der Fhlgcldeeken sowie diircli viel dichtere und viel feinere Punk- 
tierung; de» HalKHchildeH zu unl( rsclieiden. 

' Vom Autor hhcIi rinrin cin/cliicii, niclil ^rmi/ (lonnnl prUpariertcüii 
Kx< injil;ir«* hvnchr'wAwu: in <\i v Sriimulinitr l{« ilf( iM \':\u<\i;r\ .sich (Iroi w(;itf5n', 
pAfifiplan-. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattimg Olophrum Er. 41 



Länge: 4-5 — 5 mm. — Verbreitung: Bisher nur aus dem Zentral- 
Altai bekannt und daselbst von Leder gesammelt. 

5. Olophrum tvansversicolle iiov. spec. 
In der Normalfärbung der Kopf schwarz mit hellem Munde, 
die Taster mit Ausnahme der Basis pechschwarz, der Halsschild 
pechschwarz mit rotbraunen Rändern, die Flügeldecken pechbraun, 
Hinterränder, Schultern und Seiten rotbraun, das Abdomen schwarz. 
Die Fühler bis auf die Basis dunkel, die Beine rotbraun mit helleren 
Tarsen. 

Halsschild flach gewölbt, doppelt so breit als lang, mit sehr 
breit verrundeten Hinterwinkeln, nach vorne kaum merkbar ver- 
engt, am Vorderrande kräftig ausgerandet, die sehr breit verrundeten 
Vorderwinkel jederseits breit lappig vorgezogen, w^eitläufig und 
seicht, gegen den Vorderrand erloschen punktiert, nur an den auf- 
gebogenen Rändern und innerhalb derselben mit tiefer eingestochenen 
Punkten besetzt. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, mäßig stark 
punktiert, nach rückwärts ziemlich stark verbreitert und flach 
gewölbt. 

Länge: 4*5 — bmm. — Verbreitung: Osttirol (Taufers, 850 m 
Seehöhe). — Vorkommen: Von mir in (von einem stäubenden 
Wasserfalle) durchnäßtem Moose in 20 übereinstimmenden Exem- 
plaren aufgefunden. 

Durch den Bau des Halsschildes sowie durch die seichte und 
weitläufige Punktierung desselben vorzüglich charakterisiert. 

Nach Habitus und Färbung dem fuscum zunächst stehend. . 
Von demselben durch breiten, nach vorne kaum merkbar verengten 
Halsschild, die sehr breit verrundeten Vorderwinkel, den ausge- 
buchteten Vorderrand, die seichte und weitläufige Punktierung des 
Halsschildes sowie durch flacher gewölbte Körperform verschieden. 

6. Olophrum assimile Payk., Faun. Suec, HI, 409. 

Er., Kf. M. Brand., 1, 624; Gen. et Spec. Staph., 865. — Kraatz, 
Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 942. — Thoms., Skand. Col., HI, 194. 
— Fauv., F. g.-rh., III, 98. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
139. — Gangib., K. M., II, 720. 



42 



G. Luze. 



Gelblichbraun, der Kopf, das Abdomen und die Fühler mit 
Ausnahme der Basis meist dunkler braun. 

Halsschild P/gUial so breit als lang-, nach vorne nur wenig' 
mehr als nach hinten verengt, die Hinterwinkel deutlich markiert, 
stumpfwinkelig, die Vorderwinkel ziemlich breit verrundet, die 
Seitenränder ziemlich breit aufgebogen, daselbst kräftig und weit- 
läufig, im übrigen ziemlich gleichförmig mäßig stark und dicht 
punktiert. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts kräftig verbreitert, mäßig stark und ziemlich regelmäßig, 
etwas stärker als der Halsschild punktiert. 

Diese Art ist durch die helle Färbung, die stumpfen, ziemlich 
scharf markierten Hinterwinkel und durch den Mangel der Orbital- 
leisten vorzüglich charakterisiert. 

Länge: ^•b—4mm. — Verbreitung: In Mittel- und Nordeuropa 
heimisch, auch aus dem Kaukasus (Suramgebirge, Araxestal) bekannt. 
— Vorkommen: In feuchtem Moose und in faulenden Vegetabilien. 

Von hellen Exemplaren des pimcUcolle — mit dem die Art 
verwechselt werden könnte — durch kleinere Augen, stärker ge- 
wölbten Halsschild mit schärfer markierten Hinterwinkeln desselben 
sowie durch die verworrene Punktierung der Flügeldecken zu 
unterscheiden. 

7. Olophruin puncticolle Epp., Verhandl. der k. k. zool.-bot. 
Ges. in Wien, 1880, 212. 

Gangib., K. M., H, 720. 

In der Normalfärbung sind Kopf, Abdomen und Flügeldecken 
pechHchwarz. dir llintcrriindcr der letzteren, die Schultern und die 
Seiten rotbraun, der Halsschild rotbraun m\i einem Stich ins Gelb- 
liche, meist mit ciiicin \ crscliwortmien begrenzten, dunklen Fleck 
in der Längsmittc, hiiiili^- niicli mit dunklerer Umgebung der Seiten- 
grMbrlicn. 

KllldcrbaHiH und lieine sowie die Taster rötlichgelb, meist 
auch die Spitze, des Abdonicns heller. 

llalHHchild nach vorne nur wenig mehr als nach hinten ver- 
engt, die llinterwinkel ziemlich stumpf, doch deutlich markiert,, 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattimg Olophvum Er. 43 



die Vorderwinkel mäßig breit verrundet, unregelmäßig und kräftig 
(^au den wenig aufgebogenen Seitenrändern kaum anders) punktiert. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts mäßig verbreitert, etwas flacher gewölbt als der Halsschild, 
etwas gröber als dieser und vorne unregelmäßig faber doch deutlich 
merkbar) gereiht punktiert. 

Länge: 4 — 4-bmm. — Verbreitung: Ursprünglich aus Stid- 
ungarn bekannt. Später auch in Nordungarn (Neusiedler See), in 
Niederösterreich (Stockerau: Bernhauer), in Kroatien (Apfelbeckj, 
in Bosnien (Apfelbeck), in Kleinasien (Korb) und in Syrien 
(Akbes: Reitter) aufgefunden. — Vorkommen: An den Ufern des 
Neusiedler Sees von den Wiener Sammlern in großer Anzahl in 
faulenden Vegetabilien angetroffen. 

Unreife Exemplare sind nur an Kopf und Abdomen oder nur 
an letzterem dunkler und dann dem assimile sehr ähnlich. Von 
demselben durch größere Augen, flachere, schmälere und gestrecktere 
Gestalt, stumpfere Hinterwinkel des HalsschildeS; stärkere, unregel- 
mäßige Punktierung desselben sowie durch weniger verworrene, 
insbesondere an der Basis ± deutlich gereiht erscheinende Punk- 
tierung der Flügeldecken zu unterscheiden. 

8. Olophfmm hoveale Payk., Mon. Cure. App., 146. 

Payk., Faun. Suec, HI, 411 (cf). — Er., Gen. et Spec. Staph., 
866. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, H, 941, Note. 

In der Normalfärbuug pechschwarz, der Halsschild an den 
JSeitenrändern und die Flügeldecken an den Hinterrändern pech- 
braun, Taster, Beine und Fühler schwarzbraun, das erste Fühler- 
glied, das Ende der Schienen und die Tarsen etwas heller. 

Unverfärbte Exemplare sind an Kopf und Abdomen pech- 
braun, an Halsschild und Flügeldecken heller oder dunkler rotbraun, 
das erste Fühlerglied und die Beine ebenfalls rotbraun. 

Kopf mit deutlichen Orbitalleisten. Halsschild vor den Hinter- 
winkeln deutlich ausgebuchtet, am Vorderrande fast geradlinig be- 
grenzt, die Seitenränder ziemlich breit aufgebogen, vor dem Hinter- 
rande in der Mittellinie mit einem ± kräftigen, grübchenförmigen 



44 



G. Luze. 



Eindrucke, stark glänzend, fein und weitläufig punktiert, die Punkte 
innerhalb der Seitenränder etwas kräftiger als auf der Scheibe. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts wenig erweitert, dichter und beträchtlich stärker 
als der Halsschild punktiert. 

Länge: ob—^nwi. — Verbreitung: Bisher aus dem Norden 
Europas (Lappland, Finland, Norwegen) und aus dem arktischen 
Sibirien bekannt. 

Durch den vor den Hinterwinkeln seicht, aber deutlich aus- 
gerandeten Halsschild und seine feine Punktierung, die dunkle 
Färbung und die flache, nach hinten wenig verbreiterte Gestalt 
vorzüglich charakterisiert. 

9. Olophrum alpinum Heer, Faun. Helv., I, 180. 

Fauv., F. g.-rh., HI, 99. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
14L — Gangib., K. M., ü, 720. 

0. alpestre Er., Gen. et Spec. Stapli., 867. — Kraatz, Nat. 
Ins. Deutschi., H, 941. 

In der Xormalfärbung Kopf, Abdomen und Halsschild schwarz, 
letzterer mit dunkel rotbraunen Rändern, Flügeldecken pechbraun, 
an den Seiten, den Hinterrändern sowie an den Schultern heller, 
hiiufi*r aber einfarbig rotl)raun. 

I'üliler, Taster und IJeinc i)echbraun, die Basis der Fühler 
und die Tarsen heller. 

Ilalsscliild hoch gewölbt, \^j.^mü\ so breit als lang, die Seiten- 
ränder ziemlich schmal und etwas gekehlt abgesetzt, vor den Hinter- 
winkeln kräftig ausgebnchtet, hinter der Ausbuchtung breiter ab- 
gcHctzt als vor derselben, ziendich dicht und etwas unregelmäßig, 
auf der Selieibe kaum anders wie am Ko])fe punktiert. 

I'lilgelderken kaum doppelt so lang als der Halsschild, be- 
Iräehtlieh flaeher als dieser ^-ewJilbt, nach rückwärts kräftig ver- 
bn^iterl, hinter den Sehiiltern I konkav begrenzt, ziemlich dicht 
und derb. etwaH runzelig piinklierl. 

Länjre: h- irhww. V^-rbreitung: Aus den Alpen, Sudeten 
lind aiiK den Pyrenäen bekannt. Vorkcmimcn: In der oberen 
Waldrcgion unter Moos inid an sumpfigen Orten, hochalpin an 



Revision d. i)aliiarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattimg Olophmm Er. 45 



Schneefeldern. Von mir wurde die Art in von Quellwasser über- 
rieseltem Moose auf dem Altvater (Mähren) und am Wechsel TNieder- 
österreich) angetroffen. 

Dem consiniile sehr nahe stehend. Von demselben durch 
deutlich breiteren Halsschild, breiter abgesetzte Seitenränder, weniger 
gedrängte, stärkere und etwas unregelmäßige Punktierung desselben, 
kürzere, beträchtlich gröber punktierte Flügeldecken sowie durch 
robustere Gestalt verschieden. 

10. Olophrum consimile GrylL, Ins. Suec, II, ]99. 

Er., Gen. et Spec. Staph., 867. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 
II, 941. — Thoms., Skand. Col., III, 193. — Fauv., F. g.-rh., III, 
99, Note. ~ Key, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 143, Note. — Gangib., 
K. M., II, 721. 

0. minor J. Sahlb., Col. Nat. Faun, et Flor. Fenn., VIII, 424, 
Nr. 150 (var.). — 0. Umhakmi Mäkl., Öf. Fin. Vet. Soc. Förh., XIX, 
1876/77, 23. 

In der Normalfärbung mit alpinum übereinstimmend. 

Halsschild nur um Geringes breiter als lang, hoch gewölbt, 
mit schmal und etwas gekehlt abgesetzten Seitenrändern, vor den 
Hinterwinkeln kräftig ausgebuchtet, hinter der Ausbuchtung breiter 
abgesetzt als vor derselben, sehr dicht und ziemlich regelmäßig mit 
scharf eingestochenen feinen Punkten besetzt, längs des Hinter- 
randes und an den Seiten etwas stärker punktiert. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts kräftig verbreitert, schwächer als der Halsschild 
gewölbt, hinter den Schultern konkav begrenzt, mäßig stark und 
wenig dicht, bedeutend stärker und weitläufiger als der Halsschild 
punktiert. 

Sehr klein geratene Exemplare des hohen Nordens mit stärker 
verbreiterten, kürzeren Fühlern nennt J. Sahlberg minor}) 

Länge: ^'b—bmm. — Verbreitung^): Norddeutschland, Fin- 
land, Schweden, Norwegen, England, Lappland, Rußland (Jaroslav), 

^) Im Kat. Heyd., Reitt. et Weise 1891 nicht verzeichnet. 
^) Die Art soll nach L etzner auch am Kamme des Eiesengebirges 
vorkommen. Mir liegen eine stattliche Anzahl auf dem Riesengebirge ge- 



46 O. Luze. 

Ostsibirien (Qiiellgebiet des Irkut, Baikal). — Vorkommen: In Europa 
am Strande des Meeres und in der Waldregion (Finland: J. Sahi- 
ber g) aufgefunden. 

Mit alpinmn nahe verwandt. Von diesem durch längeren, 
dichter und regelmäßiger punktierten Halsschild, schmäler abgesetzte 
Seitenränder desselben^ längere, beträchtlich schwächer punktierte 
Flügeldecken sowie durch schlankere Gestalt verschieden. 

11. Oloiyhrum rotundicolle J. Sahlb., Ins. Fenn., I, 281. 

Er., Gen. et Spec. Staph., 866. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 
1858, II, 941, Note. — Thoms., Skand. Col, III, 194. — Gangib., 
K. M., II, 721. 

0. ronvexicolle Lee. Agass., Lak. sup., 21 (PI. 8, Fig. 7). 

Die größte der bekannten paläarktischen Arten. Pechschwarz 
oder pechbraun, die Ränder des Halsschildes und die Hinterränder 
der Flügeldecken heller braun. 

Mund, Taster, Beine und Basis der Fühler rotbraun. 

Halsschikl nur wenig breiter als lang, hoch gewölbt, am 
Vorderrandc jederscits kräftig ausgebuchtet, die Hinterwinkel breit 
verrundet (mitunter wie schräg abgestutzt erscheinend), die Seiten- 
ränder vor der Mitte deutlich ausgebuchtet, daselbst konkav ver- 
laufend, vor und liinter der Ausbuchtung beträchtlich breiter ab- 
gesetzt, ziemlicli kräftig und dicht, merklich weitläufiger als am 
Kopfe punktiert. 

Flligcldeckcn nach rückwärts mäßig verbreitert, etwa do])pelt 
HO lang als der Halsschild, beträchtlich stärker und weitläufiger 
alH dicRcr punktiert. 

Länge: ö'5— mm. — Verbreitung: Schlesien, Lithauen, Ruß- 
land, Finland, Lappland, Norwegen, Nordanicrika (Oberer See). — 
Vorkommen: Von .1. S;i Ii I hcri:- in der Waldrc.üion Unlands ge- 
fangen. 

\)ur( \i iU'u r>aii d(!s 1 lalHscliildcH vorzUglicli charakterisiert und 

iriit l.<i!i(r .'iiidfrcii \rt /ii v('r\v(;chs(;ln. 

".»iiiiii' (Ii I (jlijj>h/u,n <i;iriinf« r aber koiii (?inzif^(!H Stück comimile. DaH 
Vorkoriiiiu-n im Ui«'hcii((ol)ir^^c bedarf wohl iiocli der JicHfiif i^ung-. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung Oloph-mn Er. 47 



Anhang. Für freundliche Beistellung- des Studienmateriales 
sei bestens gedankt den Herren Koleopterologen Bern hau er, 
Gangibauer, Gerhardt, Reitter, Schneider, Skalitzky und 
Wingelmüller. 



Das September-Plankton des Skutarisees. 

Von 

Dr. V. Brehm und Dr. E. Zederbauer 

(Elbogen, Böhmen) (Wien). 
Mit drei Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 29. April 1904.) 



Gelegentlich eines Aufenthaltes an der k. k. zoologischen 
Station zu Triest erhielten die Verfasser durch die Freundlichkeit 
Dr. A. Steuers einige interessante Planktonproben zur Untersuchung, 
worunter sich auch das Material befand, das Dr. Steuer seiner 
Diagnose des Biaptomus scutariensis zugrunde legte. Da Dr. Steuer 
lediglich das Genus Biaptomus'^) untersuchte und auch J. Richard^) 
nur die Entomostraken in Betracht zog, schien es angezeigt, die 
Proben auch auf das Phytoplankton und die Rotatorien hin zu 
untersuchen sowie die schon von Richard bestimmten Cladoceren 
nach den von Burckhardt aufgestellten Gesichtspunkten zu be- 
urteilen. Die jahreszeitliche sowie örtliche Verteilung konnte leider 
nicht studiert werden, da nur Material vom September vorhanden war. 

Das Plankton zeichnet sich durch ein reichliches Vorkommen 
von Ceraüum und Binobryon aus, die geradezu überwiegen, sowie 
durch Arten, die bei uns wärmeres Wasser bevorzugen, Hyalo- 
daphnia, Bosmina longirostris, Rotatorien^ was ja auf die klima- 
tischen Verhältnisse des Sees zurückzuführen ist. 



^) Die Diaptomiden des Balkan etc. (Sitzungsber. der kais. Akad. der 
Wissensch, in Wien, 1900.) 

2) Entomostraces recueillis par W. Steindachner dans les lacs de 
Janina et de Scutari. (Annalen des k. k. naturhist. Hofmus. in Wien, 1897.) 



48 V.Brehm und E. Zederbauer. 

Eine Zusammenstellung der beobachteten Formen mögen die 
folgenden Zeilen geben. 

I. Crustaceen: Biaphanosoma hrachyumm Li6vin, 
Hyalodaphnia cucullata Sars, 9juv. 
Bosmina longirostris Burckh. 
Leptodora liyalina Lilljeb. 

Diaptormis vulgaris Scbmeil var. scutariensis Steuer, 

cT und 9 und Nauplien. 
Cyclops Leuckarti Sars, juv. 
II. Hotatorien: Äsplanchna priodonta Gosse. 

Ämiraea cochlearis Gosse, fast var. tecta. 
Änuraea valga Ebb. 
FolyartJira platyptera. 
NotJwlca longispina. 

Von diesen Formen sind Diaptomus mit seinen Nauplien, 
JJlaplianosoma, Polyarthra und die beiden Anuraeen die vor- 
herrschenden; in je einem Exemplar wurde eine Insektenlarve und 
ein Lynceide beobachtet. 

PMagellatae: Binohryon stipitatum var. havaricum (Imhof) 
Zacharias. 

JJinohryon Sertularia var. thyrsoideum (Chodat) 
Lemmerm. 
P er i (1 i n c a e : (krallum hirundinella. 
I) i a t o m c a e : Synedra delicatissima. 

A dcrionclla grac/illima. 
Malus ira dislans. 
S ( ' 1 1 i / ( » I ) h y c e a e : Anahacna flos aquae. 

Chroococcus minutm. 
C b 1 o r o p 1 1 y c c a c : Pcdiasirum simpler. 

liofryocornis Jiraunii. 

KriiM rliUiiiicii zu cin/rlnen Arten. 

h I II jil, (I no^tniHi hrarh ynru)n. Die, Ex('ni|)larc zeigen recht 
wcitKcheiidc individuelle Variationen. \)'iv. Kndkralle des Abdomens 
zci^^ nianni^ffachen WecbHcl in der Bcwcbrung. Auf die Körper- 



Das September-Plaukton des Skutarisees. 



49 



länge 1000 bezogen, erreicht die Antenne meist eine Länge = 715 
und erreicht den unteren Schalenrand nicht. Ebenfalls auf 1000 
als Köi-perlänge bezogen, erreicht der Augendurchmesser in einem 
Fall 100, wovon 66 Teile auf den Pigmentteil kommen, in einem 
anderen Fall aber nur 14, wovon wieder 41 auf den Pigmentkörper 
kommen. Die KrystaUinsen sind auch bei starker Vergrößerung 
aus 3 — 4 übereinanderliegenden Ebenen zu sehen, so daß man zu- 
erst den Eindruck gewinnt, es sei eine mehrschichtige Lage von 
Linsen vorhanden. Vielleicht sind auf solche Bilder die derartigen 
Angaben, die auch Burckhardt für physiologisch rätselhaft hält, 
zurückzuführen. 

Biaplianosoma ist im Plankton sehr verbreitet und enthält 
zumeist 1 — 2 Embryoneu. 

Bosmina longirostris. Die Bosmina ist nach Form und 
Bewehrung der Abdominalendklaue, nach Form des Rostrum, Insertion 




Fig. 1. 

Bosmina longirostris aus dem Skutarisee. 



der Stirnborsten und nach der in der Augenpartie winkeHg ge- 
brochenen Kontur des Schalenrandes eine typische longirostris im 
Sinne Burckhardts. Als Sommerform charakterisiert sie sich durch 
die Kürze und geringe Incisurenzahl der Tastautenne, wobei jedoch 

Z. B. Ges. Bd. LV. 4 



50 



V. Brehm und E. Zederbaiier. 



auffällt, daß diese keine Riickwärtskrümmung zeigt, sondern vom 
Schild eben weg gerade sicli erstreckt. Ober und hinter dem Auge 
ist die Schale polygonal gefeldert. 

Nachstehend sind die auf die Körperlänge = 1000 bezogenen 
Maße einer Bosmina, die so ziemhch in ihren Dimensionen mit den 
Durchschnittsmaßzahlen übereinstimmt. Das gemessene Exemplar 
hatte wie die meisten Exemplare zwei Embryonen. 



Körperlänge 1000 

Schalenhöhe 757 

Länge des Rostrum (von der Augenmitte 

an gemessen) 214 

Antennenlänge 250 

Mucro 35 

Anzahl der Incisuren 8 

(deutlich nur 7 entwickelt). 



(Hijalo-)Daphnia cucullata ist nur in einem Tiefenfang 
in wenigen, unausgewachsenen Exemplaren vorhanden. Die sehr 
hohe Crista ist an der Spitze merklich dorsalwärts gebogen. Die 
Entfernung der Spitze von der Augenmitte beträgt bei den vor- 
liegenden Exemplaren genau ein Drittel der Totallänge. 

Dlnptomns scutariensis Steuer ist in der eingangs zitierten 
Abhandhing Dr. Steuers vollkommen behandelt. Die 9 trugen 
meist 4, seltener 6 oder 8 Eier. Spermatophoren wurden wenige 
bemerkt. 

('l/rh)j)s Lfuckiirti Sars. Nur selten und in jungen Exem- 
plaren im riaiikton. Das einzige ausgewachsene 9, das ich antraf, 
war etwas kleiner als der typische (1 LmcJcarti. Auch J. Richard 
sagt: ..Forme plus ))etite que le type." Obzwar C. Lmchrrfi, wie wir 
bei Ik'Kprechung des Oardasee Planktons zeigen konnten, wärmeres 
Wasser vorzieht und im Sommer sowie in südlicher gelegenen Seen 
den strrtiuus verdrängt, scheinen die Exenii)lare aus den Medi- 
tcrraidändern kleiner als unsere, also Kunimerformen zu sein. 
Tbcrdies zeigte auch das nidimenlän; Fiißchen des einen mir vor- 
fTfU-frcncn Exmiplars eine vom 'iypus etwas abweichende (iestaltung, 
indem sein Enflsegment l'/^mal so laii^^ war als bc^i unseren Exem- 
plaren. 



Das September-Plankton des Skutarisees. 



51 



Anuraea valga Ehrb. Diese auffällige Form kennzeichnet 
sich, wie die Abbildung zeigt, durch den großen Längenunterschied 
der beiden Endstacheln. Trotz dieser Störung der Symmetrie der 
Lorica ist das Plattenmosaik des areolierten Panzers kaum gestört. 
Nur an der medianen Fazettenreihe erscheinen die seithchen 
Trennungslinien einseitig gefördert oder gehemmt, doch — wie 
die Skizze zeigt — nur in unbedeutendem Maße. In der Form und 
Anordnung der Panzerplatten sind einige geringe Abweichungen von 
der typischen Form zu bemerken. Die Tiere trugen häufig ein Ei. 

Die Längendifferenz der beiden Stacheln ist häufig noch 
größer als in der Skizze angegeben ist. Wiederholt kamen Exem- 
plare vor, wo der größere Stachel mehr als die 
doppelte Länge des kleineren hatte. 

Ob diese Anuraea eine Sommerform oder eine 
Lokalrasse darstellt, können wir leider nicht ent- 
scheiden. Jedesfalls möchte ich sie wegen ihres miß- 
gestalteten Panzers als eine im wärmeren Wasser 
entstandene Kummerform im Sinne Dr. Steuers be- 
trachten. Auch scheint es mir wahrscheinlicher, daß 
A. valga hier Lokalrasse ist, da auch nicht ein Exem- 
plar zu finden war, das annähernd der typischen 
amleata entsprochen hätte. 

Lauterborn macht in seiner jüngsten Publi- 
kation (Der Formenkreis von Anuraea coclilearis, 
II. Teil, S. 598) darauf aufmerksam, daß Anuraea •^^^^^^^^^J'"^^^ 
aculeata bei Dauereibildung sich der valga nähert, 
daß valga als „cyclomorphe" Form der aculeata aufzufassen wäre. 
Unter dieser Voraussetzung wäre auch die Ausbildung der A. valga 
zur Lokalrasse im Skutarisee leicht zu erklären. Da in den leicht 
austrocknenden Tümpeln Dalmatiens, Bosniens und der angrenzen- 
den Länder Anuraea sich öfters zur Dauereibildung genötigt sehen 
dürfte, könnte in jenem Gebiet die damit verbundene Tendenz zur 
Umgestaltung zur valga derart gesteigert worden sein, daß selbst 
in Gewässern, die der Gefahr öfteren periodischen Austrocknens 
nicht unterliegen, valga zur herrschenden Form wurde. 

Auch an der Anuraea cochlearis tritt uns der Einfluß des 
wärmeren Wassers entgegen. Es handelt sich um Formen, die 

4* 




Fig. 2. 



52 Brehm n. Zederbauer. Das September-Plankton des Skutarisees. 



beinahe als fecta anzusprechen wären. Der kleine Endstachel be- 
trägt ^8 Vi2 d^i' Gesamtlänge (den Stachel eingerechnet). 

Ceratinm hirundinella tritt massenhaft im September auf 
und ist nebst Binobryon Sertularia var. thyrsoidemn tonangebend. 
Es hat eine Länge von 150 — 200 ji«, besitzt drei Hörner, ein langes, 
gerades Apikaihorn und zwei in den meisten Fällen parallel stehende 
Antapikalhörner, wie Fig. 3 zeigt. Bisweilen sind die Antapikal- 
hörner etwas auseinanderlaufend und eine ganz schwache Andeutung 
des dritten linken Antapikalhornes. Es steht sehr den Formen aus 
dem Caldonazzosee in Südtirol und denen aus dem 
Vranasee auf Cherso nahe, wo ebenfalls derartige In- 
dividuen vorwiegen, was uns auf den Gedanken 
bringt, daß zwischen einigen südlichen Alpenseen im 
weitesten Sinne in Bezug auf ihr Plankton wenigstens 
in einigen Gattungen Beziehungen existieren, was zum 
Teil auf die gleiche oder ähnliche Beschaffenheit der 
klimatischen Verhältnisse zurückzuführen wäre. 

Binohryon Sertularia var. thyrsoideum 
ist^ wie schon erwähnt, sehr häufig im Plankton und 
manchmal Ceraüum an Masse weit überragend^ wäh- 
rend Binohryon stipitaümi var. havaricum selten ist. 

Änahaena flos aquae ist an einer Stelle des 
Sees, wo Proben entnommen wurden, sehr häufig, 
wälirend sie in anderen am selben Tage ausgeführten 
Pro})cn gänzHch fclilt, was auf eine lokale Verbreitung im See 
sclilicncn läßt. Die übrigen eingangs erwähnten Formen sind ver- 
cinzeh und weisen auf einen flachen See hin, wenigstens Mclosira 
und tcilweiHC auch Syncdra drlimtissima und Ihkyococxm. 

Wennglcicli uns aus dem Skutarisee nur September-Plankton 
vorliegt, ko mag er uns einigen Kinblick in die Verhältnisse eines 
Hlldlichen Sees und in die l'»(/i(l)uni:cn zu einigen anderen süd- 
lichen Seen gewähren. 




Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung- Lathnmaeum Er. 53 



Revision 

der paläarktischen Arten der Staphyliniden- 
Gattung Lathrimaeiim Er. 

Von 

G. Luze (Wien). 
(Eing-elaufen am 20. Mai 1904.) 



Genus Lathrimaeum, 

(Er., Kf. M. Brand., I, 624; Gen. et Spec. Staph., 868. — Kraatz, 
Nat. Ins. Deutschi., II, 943. — Jacqu. Duval, Gen. Col. d'Eur., II, 
75. — Thoms., Skand. CoL, III, 195. — Fauv., F. g.-rh., III, 92. 
— Rev, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 119. — Gang-lb., K. M., 

II, 721.) 

Der etwas nach abwärts geneigte Kopf zeichnet sich durch 
seine Unebenheit aus. Der Quereindruck am Scheitel ist kräftig 
(Frionothorax) oder sehr schwach (Lafhrlmaeiwi ver.) entwickelt. 
Vor den Ozellen befinden sich zwei nach vorne divergierende Schräg- 
eindrücke. Der Seitenrand des Kopfes ist jederseits innerhalb der 
Fühlerwurzel aufgeworfen und innerhalb dieser Randung grübchen- 
förmig vertieft. Die Schläfen sind deutlich entwickelt (Prioiio- 
thora.r) oder fast geschwunden (Lathrmaeum ver.). Alle Arten 
besitzen eine deutliche Orbitalleiste, die (von oben betrachtet) als 
zahnartiger VorspruDg hinter jedem Auge sichtbar ist. 

Der Halsschild ist seitlich hoch aufgebogen und sägezähnig 
begrenzt (Prionothorax) oder flach ausgebreitet und ziemlich glatt- 
randig (LatJirlmaetim ver.). Bei den echten Lathrimaeen erscheint 
derselbe ganz glatt mit deutlich entwickelter Randleiste (melcmo- 
cephaktm) oder leicht angeschnitten (Ganglbaueri), die Randleiste 
ist schwach entwickelt (atrocepJialum) oder fast ganz geschwunden 
(fuscidum). Der Vorderrand des Halsschildes ist tief ausgeschnitten 
(melanocephalmnj oder innerhalb der Vorderwinkel jederseits deut- 



54 



G. Luze. 



lieh (unkolor) oder seieht (airocephakm) ausgebuchtet, die breit 
(afroce2)halu))i) oder schmal (melanoceplialum) verrundeten Vorder- 
winkel beträchtlich (melauoecplialum) oder kaum weiter als die 
Mitte nach vorne gezogen (atroceplialum). Die Punktierung ist 
derb (unkolor) oder fein (icnue), die Seitengrübchen sind allge- 
mein deutlich entwickelt. Längs der Mitte ist die Furchung sehr 
deutlich (melanoceplialum) oder fast erloschen (atroceplialum), der 
grübchen- oder bogenförmige Eindruck vor dem Hinterrande seicht 
(atroceplialum) oder kräftig (melanocephalum) , ausnahmsweise bis 
zu den Seitengrübchen reichend (hamatum), wodurch ein anker- 
förmig gestalteter Eindruck entsteht. 

Die Flügeldecken sind nach rückwärts kräftig (unkolor) oder 
schwach verbreitert (atrocepluiliim), ungefähr doppelt (unkolor) oder 
mehr als doppelt so lang wie der Halsschild (atroceplialum), ziem- 
lich hoch (unkolor) oder flach gewölbt (fusculum), die Seiten- 
ränder breit und hoch aufgebogen (FrionotJiorax) oder mehr oder 
weniger stark gekehlt abgesetzt {Lathrimaeum ver.). Die Hinter- 
ränder sind bei den echten Lathrimaeen in beiden Geschlechtern 
ziemlich gerade abgeschnitten (atroceplialum) oder gemeinsam 
bogenförmig abgerundet und mit lappig ausgezogenem Nahtende 
geziert (metallicum, 9), die Außenenden sind ± breit verrundet. 

Das flache Abdomen zeigt breit abgesetzte Seitenränder und 
ist gegen das Ende ziemlich jäh verschmälert; die Punktierung 
ist sehr fein und weitläufig (melanoceplialum) oder relativ kräftig 
und dicht ( fusrulum ), die Behaarung schwach (melanoceplialum) 
oder dcutlicli sichtbar, als kurze, helle B()rstchen vorragend (fus- 
ridum). 

Die Klllilcr sind krilltig (melanoceplialum) oder in der ßasal- 
liülftc dllmi ( hfinifihnio, ^^(^strcckt, den Hint(*rraiid des Halsschildes 
bctrUclillicli Überragend f i/rdcilicorne) oder kurz, den Hintcrrand 
des HalHKchildcH nidil oder wenig llbcrragend (atroceplialum), das 
erste (»lied stark ( ( Hnnilhaun-i ) oder scliwäclier keulig verdickt 
fatror/'ph/ilum/, das zweite fast kugelig ( (lanißhauerl) oder wesent- 
lich iHnj^er als breit (dtrorrpluilum). das dritte seitlich schwach 
(atrorrjilinlnm ) odf^r stark ( mrldufHcplialum) zusammengedruckt, so 
daß dieses - von der SchmalHeite ))etracht(;t — an der Wurzel 
Hchwach f nfrorrjfhnitnuj oder stark vcrdllimt erscheint (mrlano- 



Revision d. paläarkt. Arten d. Stapbyliniden-Gattimg LathrirrMmm Er. 55 



replialumj. Die Behaarung der Fühler ist sehwach f Ganglbaiieri) 
oder recht deutlich entwickelt fynelanocpplio.lum). 

Die Beine sind durchaus kräftig gebaut (melanocepliahim) 
oder mit zarteren Schienen (hamatumj, die vier Basalglieder der 
Tarsen des ersten Beinpaares kaum T^) oder deutlich (cf; ver- 
breitert; die Verbreiterung bei den letzteren ist schwach (rnelano- 
ceplialum) oder recht kräftig funicohrj. Die Schienen sind mit 
mehreren Längsreihen kurzer, starrer Dornen bewehrt. 

Die haben fast ausnahmslos auf der Unterseite der 
Schienen des ersten Beinpaares eine stärker (melanocexjlialum) oder 
schwächer fatrocephalum) hervortretende stumpf zahnfönnige Er- 
weiterung, die des zweiten Beinpaares sind einfach funicohrj oder 
leicht gekrümmt (melanoceplialiim) oder in der Endhälfte ziemlich 
jäh verbreitert (atrocepTtaluyn), so daß die Schienen daselbst fast 
doppelt so breit als in der Basalhälfte erscheinen. 

Die Schienen der Q sind einfach. 

Das Geschlecht ist in dieser Gattung wie bei Olop>h'um auch 
am Ende der Oberseite des Abdomens erkennbar. 

Die präparierten Mundteile zeigen unter dem Mikroskope 
nachstehendes Bild: Oberlippe quer, lederig, vorne mit einem breit 
und ziemlich tief ausgebuchteten, häutigen Anhange, der mit langen, 
feinen, nach innen gewendeten Haaren bewimpert erscheint. Der 
lederige Teil trägt oberseits lange, ziemlich in einer Querlinie 
liegende Tastborsten. 

Mandibeln kurz und breit mit schwach einwärts gewendeter, 
kurzer Spitze, die rechte Mandibel in der Mitte mit deutlichem 
Zahne, ^) die linke einfach. 

Kiefertaster viergliedrig, erstes Glied kurz, zweites leicht ge- 
bogen und keulig verdickt, fast so lang als das Endglied, drittes 
Glied verkehrt kegelförmig, halb so lang als das zweite, das End- 
glied Tvom basalen Drittel ab - sanft konisch verengt, mehr als 
doppelt so lang wie das zweite Glied. 

Maxillarladen kurz, die Innenlade an der Spitze mit einem 
ziemlich kräftigen Zahn, lederig, der Innenrand häutig, daselbst 

^) Nach Kr a atz und Gangibauer sind die Mandibeln einfach. Meine 
zwei Präparate .stammen von L. atrocephalum und zeigen volle Übereinstimmung. 



56 



G. Luze. 



mit kurzen Zälmchen und Börstchen bewehrt. Außenladen beträcht- 
lieli länger, gegen das Ende verbreitert, lederig, im Außenteile 
häutig, am Ende mit feinen Haaren pinselartig bewachsen, der 
Hinterrand mit einem Büschel längerer, etwas zurückgekrümmter 
Haare geziert. 

Lippentaster dreigliedrig, die Gllieder von allmählich abnehmen- 
der Dicke, das erste Glied wenig länger als breit, etwas kürzer als 
das Endglied, das zweite sehr kurz, breiter als lang-, das Endglied 
schwach konisch zulaufend, mehr^) als doppelt so lang wie das 
zweite Glied. 

Zunge häutig, bis zum Ende des zweiten Gliedes der Lippen- 
taster reichend, am Ende breit und stumpf dreieckig ausgeschnitten, 
von den Nebenzungen in Gestalt zart bewimperter Lappen be- 
gleitet. 

Kinn trapezförmig, lederig, vor der Mitte jederseits mit einer 
längeren Tastborste. 

Die Arten dieser Gattung sind in der paläarkti sehen und 
nearktischen Region heimisch und leben subalpin vorzugsweise in 
Wäldern unter Reisig, Laub oder Moos, an Pilzen, mitunter auch 
am ausfließenden Safte der Bäume, auch an sumpfigen Orten. 

Bis nun sind 11 Arten der paläarktischen Region bekannt 
geworden. 



Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Seiten des Halsschildes (wie die der Flügeldecken) nicht oder 

wenig aufgc})ogen, mit mehr oder weniger glatten Rändern 

(A. Ijithr'ntKionu verum) 2 

— Seit(;?i fies Ilnlsscliildes (wie die der Flügeldecken) hoch empor- 
gröchwungcn, lein sägczähnig begrenzt (B. J*rioHo/horfu: m.). 

1 1. feflr.xum Rcitt. 

2. llaiHHchiM am \ OnlcrnnKlc lief bogenförmig ausgeschnitten, 

die Vf»rderu iiik( l b(;trächtlich weiter als die Mitte nach vorne 
gezogen 

') Nach KrjiJil/. niid ( . :i n h ;i ii c r ihf djis iOnd^^Hicd l ;i,st dnpjx-K ,s(» 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattiing Lathrimaeum Er. 



57 



— Halsschild jederseits ajn Yorderrande mehr oder weniger aus- 

gebuchtet, die Vorderwinkel nicht oder wenig weiter als die 
Mitte nach rorne gezogen 4 

3. Halsschild mit einer Längsfurche in der Mitte, vor dem Hinter- 

rande deutlich grübchenförmig niedergedrückt. Kopf breit, 
Fühler und Schienen kräftig. 1. melanoceplialum Iiiig. 

— Halsschild mit einer Längsfurche, die in Verbindung mit dem 

kräftigen, jederseits scharf bis zum Seitengrübchen vorge- 
zogenen Basaleindrucke das Bild eines Ankers zeigt. Kopf 
schmal, Fühler in der Basalhäfte und die Schienen dünn. 

2. liamatum m. 

4. Halsschild an den Seiten gerundet erweitert, mäßig breit oder 

schmal abgesetzt 5 

— Halsschild an den Seiten stumpfwinkelig erweitert, sehr breit 

abgesetzt b.longicorne Fauv. 

5. Flügeldecken am Ende in beiden Geschlechtern fast geradlinig 

begrenzt, an der Kaht kaum länger als innerhalb der breit 
verrundeten Außenenden 6 

— Flügeldecken am Ende beim 9 (gemeinsam) bogig begrenzt, 

an der Naht beträchtlich länger als an den sehr breit ver- 
rundeten Außenenden, jedes Innenende in einen zahnförmigen 
Lappen ausgezogen 6. metallicum m. 

6. Vorderwinkel des Halsschildes beträchtlich weiter als die Mitte 

nach vorne gezogen 7 

— Vorderwinkel des Halsschildes nicht oder nur wenig weiter 

als die Mitte nach vorne gezogen 8 

7. Flügeldecken relativ fein punktiert, die Punktierung mit deut- 

licher Neigung zur Reihenbildung . . . . o. teniie 

— Flügeldecken derb punktiert, die Punktierung ohne deutliche 

Neigung zur Reihenbildung . . . (4. unlcolor Marsh.) 

8. Halsschild derb punktiert und ziemlich hoch gewölbt . . 9 

— Halsschild relativ fein punktiert und flach gewölbt . . 11 
Seitenränder des Halsschildes regulär begrenzt, zweites Fühler- 
glied wesentlich länger als breit 10 

— Seitenränder des Halsschildes irregulär begrenzt (mehrfach leicht 

augeschnitten ), zweites Fühlerglied kugelig, nur unwesentlich 
länger als breit. Kopf hell .... 8. Granglbaiieri m. 



58 



G. Luze. 



10. Flügeldecken nach rückwärts kräftig verbreitert, doppelt so 

lang als der Halsscliild, dieser wie der Kopf gefärbt. 

4. unicolor Marsh. 

— Flügeldecken nach rückwärts wenig verbreitert, mehr als dop- 

pelt so lang wie der Halsschild. Kopf dunkel. 

7. atroccphalum Gyll. 

1 1 . Halsschild zu den scharfen Hinterwinkeln geradlinig (oder leicht 

ausgebuchtet) verengt, Fühler gestreckt, beträchtlich länger 
als Kopf und Halsschild zusammengenommen. Körper größten- 
teils hell 9. gracilicorne m. 

— Halsschild zu den stumpfen Hinterwinkeln gerundet verengt, 

Fühler kurz, wenig länger als Kopf und Halsschild zusam- 
mengenommen. Körper ganz dunkel . . 10. fiiscidum Er. 

Anmerkung. Die Art longicorne Fauv. wurde nach der Be- 
schreibung in die Tabelle gebracht. 



A. Lathrimaeum verum. 

I. Lathrimaeum melanocephalum Illig., Schneid. Mag., 

V, 596. 

Er., Gen. et Spec. Staph., 8G9. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschl, 

II, 944. — Fauv., F. g.-rh., 92. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 
1880, 125. — Gangib., K. M., H, 722. 

L. (ifrorr/ihdhtm Heer, Faun. Helv., I, 187. 

Körper mit starkem Glänze. Ko])f tief schwarz, der übrige 
Körper gcll)l)rauii. die Fnlil(;r mit Ausnahme der hellen Basis 
schwarzbraun. 

Halsscliild 1 /^nial so breit als lang, Ihich gewölbt, seitlich 
stark ;:crnii(l(t erweitert, dif; breiten Scitenränder etwas aufge- 
borten, vor den llinlcrwinUclii (h;iitlicb auHg(;bu(^htet, diese scharf 
rechtwinkelig, (l(;r Vorderrand breit und tief ausgebuchtet, d'iv. gut 
markierten, schmal verrund(;ten Vorderwinkel b(5trächtlich weiter 
als die Mitte nach vorne gezogen, kräftig und unregelmäßig punk- 
tiert, die Län^rsmittc auf <ler Vorderhiilfte g(;fiircht, vordem llinler- 
randc grIlbchenförmiK eingedruckt. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung- Lathrimaeum Er. 59 



Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts wenig verbreitert, unregelmäßig gereiht punktiert, 
zwischen der groben Punktierung mit Längsreihen feiner Pünkt- 
chen. Gegen das Ende der Flügeldecken ist die Punktierung seicht, 
die Seitenränder sind kräftig gekehlt abgesetzt. Beine und Fühler 
kräftig, das dritte Glied der letzteren seitlich stark zusammen- 
gedrückt. 

ö". Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite kräftig 
stumpf zahnartig erweitert, Schienen des zweiten Beinpaares leicht 
gekrümmt, gegen das Ende normal erweitert, Tarsen des ersten 
Beinpaares schwach verbreitert. 

Länge: D'b—Amm. — Verbreitung i): Mittel- und Nordeuropa. 
— Vorkommen: Unter ÄIoos, in moderndem Laube und an Pilzen 
im bewaldeten Gebirge. 

Eine durch den Bau des Halsschildes, durch Punktierung und 
Färbung sowie durch ihre ansehnliche Größe vorzüglich charakte- 
risierte Art. 

3. Lathrimaeitm hamatum nor. spec. 

Kopf relativ klein, dicht punktiert, am Vorderrande glatt, tief 
schwarz. 

Halsschild P/^mal so breit als lang, wenig gewölbt, seitlich 
kräftig gerundet erweitert, die Ränder daselbst breit und etwas 
aufgebogen, der Vorderrand tief ausgebuchtet, die schmal verrun- 
deten Vorderwinkel beträchtlich weiter als die Glitte nach vorne 
gezogen, braun mit Metallglanz, die Seitenränder rotbraun, mit 
kräftigen und feineren Punkten unregelmäßig besetzt, in der Längs- 
mitte gefurcht. Die Längsfurche mündet in einen tiefen, bogen- 
förmigen Eindruck, dessen Enden in den Seitengrübchen liegen: 
im ganzen das Bild eines Ankers. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts schwach verbreitert, flach gewölbt, mit breit ge- 
kehlt abgesetzten Seitenrändern, braun mit Metallglanz, kräftig 
und ziemlich regelmäßig gereiht punktiert, zwischen den Punkt- 

^) Ein zweifelloses Exemjolar (9) vom kaspischen Meergebiet (Weri) 
liegt vor (Koll. Reitter). 



60 



G. Luze. 



reihen mit Längsreihen kleinerer Pünktchen. Die Punktierung vor 
den Hinterrändern beträchtlich feiner und seichter. Beine und 
Basis der Fühler rotgelb, die mittleren Glieder der letzteren und 
die Schienen dünn. 

cT. Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite schwach 
stumpfzähnig erweitert, die des zweiten Beinpaares leicht gekrümmt, 
gegen das Ende normal verdickt, Tarsen des ersten Beinpaares 
schwach verbreitert. 

Diese Form — in der Sammlung Eppelsheims zu melano- 
cephalmn gestellt — ist zweifellos eine selbständige Art. Von 
diesem — abgesehen von der Färbung — durch kleinen Kopf, 
dünne mittlere Fühlerglieder, zarte Schienen, flachere Gestalt, 
breiter gekehlt abgesetzte Seitenränder der Flügeldecken und 
durch den ankerförmigen Eindruck am Halsschilde verschieden. 

Länge: Amm. — Fundort: Kaukasus (Meskisches Gebirge). 

Nach einem männlichen Exemplare beschrieben. Die Type 
besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

Anmerkung. In dem nachträglieh eingelangten Materialc 
des kais. Rates E. Reitter fanden sich zwei weitere Exemplare 
(1 cT: Meskisches Gebirge und 1 9*. Armenisches Gebirge). Beide 
sind an Halsschild und Flügeldecken bräunlichgelb und zeigen nur 
geringen Metallglanz. 

Lathrimaeuni tenue Kpp., Verhandl. der k. k. zool.-bot. 
Ges. in Wien, 18S0, 507. 

Einfarbig gelbbraun, die Fühler gegen das Ende etwas dunkler, 
der Körper mit gedämpftem Glänze. 

Halsscliihl r'/,inal so breit als lang, seitlich zicmlicli stark 
g(;rundct erweitert, vor den Ilintervvinkeln kurz und leicht aus- 
gebuchtet, die ziemlich br(}it verrundeten Vorderwinkel beträcht- 
lich weiter als die Mitt(; nach vorne gezogen, sei(;ht und ziemlich 
dicht punktiert, auf d(;r Vorderhälfte m\i schwach vertiefter Mittel- 
linie, vor dem Hinterrande bogen fin-in ig niedergedrückt. 

Flllgeldeck(;ii dopix;!! so lang als d(5r Halsschild, nach rück- 
wärts zi(;nilir'li kräftig vcrbrc^itcrt, etwas stärker ;ils der Halsschild 
und nnreg(!hn;Uiig g(;r(Mlit punktiert. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattimg Lathrimamm Er. 61 



c'. Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite leicht 
stumpfwinkelig- erweitert, die des zweiten Beinpaares normal, Tarsen 
des ersten Beinpaares schwach verbreitert. 

Länge: 3 — d'ö mm. — Verbreitung: Kaukasus (Suram; 
SwanetienX 

In der Färbung ziemlich mit unuolor übereinstimmend. Von 
diesem durch breiteren, seitlich stärker gerundet erweiterten Hals- 
schild, tiefer ausgebuchteten Vorderrand desselben, durch beträcht- 
lich feinere Punktierung und durch kleinere, flacher gewölbte Augen 
verschieden. 

4. Lathrimaeum unicolor Marsh.. Ent. Brit., I, 127. 

Fauv., F. g.-rh., 93. — Gangib., K. M., II, 722. 

L. hifeum Er., Gen. et Spec. Staph., 869; Kraatz, Nat. Ins. 
Deutschi., II, 945; Thoms., Skand. Col., IX, 315; Key,' Ann. Soc. 
Linn. Lyon, 1880, 122. 

L. unicolor : diaholicum m. 

In der Normalfärbung einfärbig bräunlichgelb, der Kopf und 
das Abdomen wenig dunkler, die Fühler mit Ausnahme der hellen 
Basis schwarzbraun. 

Körper mit gedämpftem Glänze. 

Halsschild l-^/^mal so breit als lang, ziemlich hoch gewölbt, 
seitlich schwach gerundet erweitert, die Hinterwinkel kurz abge- 
setzt und scharf rechtwinkelig, der Vorderrand jederseits seicht 
ausgebuchtet, die ziemlich schmal verrundeten Vorderwinkel merk- 
lich weiter als die Mitte nach vorne gezogen, stark und dicht 
punktiert. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts kräftig verbreitert, etwas stärker als der Halsschild und ver- 
worren punktiert, die Punkte vor den Hinterrändern seichter, aber 
kaum kleiner werdend. 

z . Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite kräftig 
stumpfwinkelig erweitert, die des zweiten Beinpaares normal, Tarsen 
des ersten Beinpaares kräftig verbreitert. 

Ein ganz dunkles Exemplar mit gelbroter Unterseite der 
Beine und ebenso gefärbten Epipleuren (Kollektion Eppelsheim) 



62 



G. Luze. 



stammt von Merkl ohne nähere Fundortsangabe: L. unicolor: 
(J i ahoi i CK ))i m. 

Länge: 3*25 — 3'b7nm. — Verbreitung: Bisher nur aus Mittel- 
europa, Spanien (Asturien) und aus Portugal bekannt. — Vor- 
kommen: Unter Reisig und Moos, unter morschen Nadelholzrinden 
und in faulenden Pilzen. 

Von melanoceplialum durch den Bau des Halsschildes, die 
kürzeren, verworren punktierten Flügeldecken, durch geringere 
Größe und durch die Färbung, von atroccx)lialum durch breitere, 
robustere Gestalt, breiteren Halsschild mit kurz abgesetzten, scharfen 
Hinterwinkeln, kürzere, nach rückwärts stärker verbreiterte, derber 
punktierte Flügeldeken, durch längere Fühler und von beiden 
durch die iVuszeichnung im männlichen Geschlechte verschieden. 

5. Lathrimaeiim longicorne Faiiv., Rev. d'Ent., 1886, 

15 et 16. 

Verwandt mit unicolor. Etwas größer als dieser und leicht 
l)ronzeschimmernd. Kopf, Brust und Abdomen schwarz, Halsschild 
rötlich, auf der Scheibe gebräunt, an den Seiten heller. 

Flügeldecken pechschwarz, an den Seiten und an der Spitze 
heller durchscheinend. Epipleuren rötlich, After braun. 

Fühler gestreckter, ihre zwei ersten Glieder und die Tarsen 
heller. 

Kopf mit feinerer Punktierung, weniger gerunzelt, vorne bei- 
nahe glatt. 

Die Punktierung des Halsschildes feiner, die Seiten desselben 
viel breiter gerandet, in der Mitte etwas winkelig erweitert, vor 
den Hcharfcn 1 linterwinkcln deutlich ausgebuchtet. 

S('it(;iigrlil)chen sehr deutlich, viel tiefer als bei nulcolor, mit 
eiiiein ]Jings(iindrucke in d(!r Mitte und einem bogenförmigen Ein- 
drucke; vor der Basis. 

Fllig('1dc('k(;n gestnickter, die i'unktiening viel feiner und 
(lichter, auf der Scheibe mit drei oder vier Furchen, (li(; Zwischen- 
räume leicht heraustretend. 

Länge: Vthnnv fnacli Faiivelj. — Verbreitung: Nordal'rika 
•^Teniet cl-Mad . Vorkniuineii : hi eiuem Zedernwalde aufge- 
funden. 



Revision d. palnarkt. Arten d. Stnphyliniden-Gattung Lafhrimaemn Er. 63 



G. Lathrimaeiim metaUicum iior. spee. 

Kopf schwarz mit metallischem Glänze, wenig- dicht und fein 
punktiert. 

Haischild IV/gmal so breit als lang, seitlich mäßig stark ge- 
rundet erweitert, mit breit abgesetzten, etwas aufgebogenen Seiten- 
ränderu, die Hinterwinkel sehr kurz abgesetzt, fast rechtwinkelig, 
der Vorderrand jederseits leicht ausgebuchtet, die schmal verrun- 
deten Vorderwinkel kaum weiter als die Mitte nach vorne ge- 
zogen, flach gewölbt, mäßig stark und unregelmäßig punktiert, 
längs der Mitte mit deutlicher Furche, die in ein wohlentwickeltes 
Quergriibchen mündet: die Seiten breit rotbraun, die Scheibe grün- 
lich metallisch glänzend, 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts mäßig verbreitert, ziemlich regelmäßig gereiht punk- 
tiert, dazwischen mit Reihen feiner Pünktchen, die Seitenränder 
schmal gekehlt abgesetzt, Schultern und Hinterränder gelbrot, im 
übrigen grünlich metallisch glänzend. 

G . Unbekannt. 

9. Flügeldecken rückwärts (gemeinsam) bogenförmig abge- 
rundet, das Nahtende jeder Decke in einen zahnartigen Lappen 
ausgezogen. 

Diese Form — in der Sammlung Eppelsheims zu melano- 
cephahim gestellt — ist durch den Bau des Halsschildes, durch 
flachere Gestalt, viel schmäler abgesetzte Seitenränder der Flügel- 
decken sowie durch die Färbung von melanoceplialum verschieden. 
Das 5 ähnelt in Bezug auf die Bildung der Flügeldecken den 
9 nordamerikanischer Lathrimaeen sowie gewissen, durch ausge- 
zogene Nahtenden der Flügeldecken ausgezeichneten Antlwljium- 
Arten der paläarktischen Region. 

Länge: 4 — Verbreitung: Syrien AkbesV 
Nach einem weiblichen Exemplare beschrieben. Die Type 
besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

7. Lathrimaeiim atrocephalum G^ylL. Ins. Suec, IV, 463. 

Er., Kf. M. Brand., I, 625; Gen. et Spec. Staph., 870. — 
Kraatz, Ins. Nat. Deutschl, II, 946. — Thoms., Skand. Col., HI, 



64 



G. Luze. 



195. — Fauv., F. gvrh., 94. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
128. — Gangib., K. M., II, 722. 

L. melanocephalmn Marsh,, Ent. Biit., I, 127; Jacqu. Duv., 
Gen. Col. d'Eur., II (PI. 26, Fig. 128). — L. ruficoUe Steph., III. Brit., 
V, 340. — L. Bmidii Kraatz, Berl. Ent. Zeit., 1869, 402. — L. 
cicafrb' Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 130. — L. atrocephalum^) 
var. Fauveli Pic, L'Ecliang. Rev. Linn., IX, 1893, 88. 

In der Normalfärbung gelbbraun, der Kopf, das Abdomen 
(ganz oder teilweise) und das Ende der Fühler schwarz oder 
schwarzbraun. 

Halsschild Vj^^msil so breit als lang, seitlich schwach ge- 
rundet erweitert, zu den stumpfen Hinterwinkeln geradlinig oder 
nur sehr leicht ausgebuchtet verlaufend, der Vorderrand jederseits 
seicht ausgebuchtet, die ziemlich schmal verrundeten Vorderwinkel 
kaum weiter als die Mitte nach vorne gezogen, ziemlich hoch ge- 
wölbt, kräftig und etwas unregelmäßig punktiert. Längs- und 
Basaleindruck schwach entwickelt. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts wenig verbreitert, wie der Halsschild punktiert, 
die Punktierung mit deutlicher Neigung zur Reihenbildung. Die 
Punkte vor den Hinterrändern sind merklich seichter, aber kaum 
kleiner als im übrigen. 

rf. Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite ziem- 
lich kräftig stumpfwinkelig erweitert, die des zweiten Beinpaares 
in der Mitte der Unterseite ziemlich jäh erweitert, so daß die End- 
hälftc dieser Schienen fast doppelt so breit als die Vorderhälfte 
erscheint, 'J'arsen des ersten Beinpaares ziemlich kräftig ver])rcitert. 

J^änge: 3-2.') — iVDitun. ■ — Verbreitung: Mittel- und Nord- 
europa, Mittelmeerländcr, Japan, Kalifornien; ferner liegen zweifel- 
lose Stücke der Art aus dem Kaukasus (Mamudly; Zirkassien) 
und aus Kbnnasien vor. Vorkommen: in fnulcndcn Pilzen, unter 
l^aub, Moos und modernden Rinden; von mir auch am ausfließen- 
den Safte der Ulme angetroffen. 

') H<Tr I'ic w.'ir im Zwcird, ob scmiic F(U'iii /ii atroccphalum geliOrt, 
l)i<' UiHflirf^ÜMin^!: cntliiilf tütsiiclilidi kein cliMnikfcriHtisclicH McrkmMl der (i;Or 
iianntni Art. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattnng- Lathi-imaet/m Er. 



65 



Nach Größe, Habitus, Punktierung sowie in Bezug auf die 
Auszeichnung im männlichen Geschlechte dem (j-cotglhaueri m. am 
ähnlichsten. Von demselben durch schwächer verdicktes erstes 
Fühlerglied, längeres zweites Glied derselben, den Verlauf der 
Seitenränder des Halsschildes, minder scharf markierte Hinter- 
winkel desselben, größere, stärker gewölbte Augen und durch die 
Färbung verschieden. 

Die var. 1) Fauveli (aus Nordafrika: Batua) soll sich nach Pic 
durch hellere Färbung, flachere Körperform und seitlich schmäler 
gerundeten Halsschild von der Stammform unterscheiden. 

8. Lathrimcieum Ganglbaiievi nov. spee. 

Einfärbig gelbbraun, Kopf und Fühler meist etwas dunkler. 

Halsschild doppelt so breit als lang, seitlich schwach ge- 
rundet erweitert, die Seitenränder mehr oder weniger deutlich 
irregulär (leicht angeschnitten ), die Hinterwinkel scharf, fast recht- 
winkelig, der Vorderrand jederseits leicht ausgebuchtet, die schmal 
verrundeten Vorderwinkel kaum weiter als die Mitte nach vorne 
gezogen, ziemlich hoch gewölbt, kräftig und etwas unregelmäßig 
punktiert, Mittelfurche und Basaleindruck sehr schwach entwickelt. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts wenig verbreitert, wie der Halsschild punktiert, 
die Punktierung mit schwacher Neigung zur Reihenbildung, die 
Punkte vor den Hinterrändern kaum kleiner, aber etwas seichter 
als im übrigen. 

Fühler ziemlich schlank, fein behaart, erstes Glied stark 
keulig verdickt, zweites Glied kugelig, unwesentlich länger als 
breit, das vorletzte Glied so lang als breit. 

ö . In der Auszeichnung der Schienen des ersten und zweiten 
Beinpaares mit atrocephalum übereinstimmend, Tarsen des ersten 
Beinpaares schwach verbreitert. 

In der Färbung mit unkolor tibereinstimmend. Von demselben 
durch den Bau des Halsschildes, längere, nach rückwärts kaum 
merkbar erweiterte Flügeldecken, beträchtlich schlankere Gestalt so- 
wie durch die Auszeichnung im männlichen Geschlechte verschieden. 



^) Siehe die Note auf S. 64. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 



5 



66 



G. Liize. 



Länge: Snini. — Verbreitung: Stidungarn (Herkulesbad). — 
Vorkommen: Vom Kustos Herrn Gangibauer — dem ich die Art 
dediziere — in einer größeren Anzahl übereinstimmender Exem- 
plare (am Fuße des Kreuzberges) aus abgefallenem Laube gesiebt. 

Unreifen Exemplaren des atroceplialum sehr ähnlich. Von 
solchen durch etwas kürzere, gegen das Ende schwächer verbrei- 
terte Fühler, viel stärker keulig verdicktes erstes und kürzeres 
zweites Glied derselben, durch schärfer markierte Hinterwinkel 
des Halsschildes und die Beschaffenheit seiner Seitenränder, etwas 
kleinere, schwächer gewölbte Augen und durch schlankere Gestalt 
zu unterscheiden. 

9. Lathrimaeum gracilicorne^) nov. spec. 

Kopf schwärzlichbraun, Halsschild, Flügeldecken, Abdomen, 
Beine und Basis der Fühler gelbbraun, letztere in der Endhälfte 
dunkel. 

Halsschild l^sUial so breit als lang, flach gewölbt, seitlich 
schwach gerundet erweitert, die Seitenränder schmal abgesetzt und 
leicht aufgebogen, hinter der Mitte fast geradlinig verengt, die 
Hinterwinkel fast rechtwinkelig, der Vorderrand jederseits sehr 
seicht ausgebuchtet, die schmal verrundeten Vordervvinkel nicht 
weiter als die Mitte nach vorne gezogen, wie der Kopf fein und 
mäßig dicht punktiert, die Seitengrübchen deutlich, aber mäßig 
tief, längs der Mitte seicht und schmal vertieft, vor dem Hinter- 
rande sehr schwach quer niedergedrückt. 

Flligcldccken mehr als doppelt so lang wie der Halsscliild, 
nach rückwärts kräftig verbreitert, die Scitcnrändcr schmal gekehlt 
abgesetzt, kaum stärker als der Halsschild ])unktiert, die Punk- 
ticriiii;;- mit schwacher Neigung zur Keihenbildung. 

Fühler schlank, beträchtlich länger als Ko])f und llalsschild 
zusaTnmciigcnommen, di(; vorhitzten Glieder um (Jeringes länger 
als brril. 

' /. Schi(;neii des ersten iieinpaares anl" der llnierseite schwach 
sliiiiiiifw iiil.clii'- crw eitert, die (h'S zweiten lieinpnares in der Mitte 

l>ieh(; i oi iii laiid .sicli iii der lOp jx; I h Ii c i in hcIicii S;uniriliinf? als 
corne Faiiv., in (licHJ'Ui Kullc (»liiic Zv\(;if<!l siIh iiiitcrHcliohoiieH Kind /ii bcfiiiclitcin. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphylinideu-Gattung- Lathrimaeum Er. 



der Unterseite ziemlieb jäh und mäßig stark erweitert, Tarsen des 
ersten Beinpaares schwacli verbreitert. 

In der Gescblecbtsauszeichnung sowie in der Färbung ziem- 
lich mit atroceplicdum übereinstimmend. Von demselben durch die 
schlanken Fühler, den flach gewölbten Halsschild, die kräftig nach 
rückwärts verbreiterten, flacheren Flügeldecken und durch feine 
i'etwa halb so starke) Punktierung verschieden. 

Länge: 2.2b mm. — Verbreitung: Nordafrika (Hammam R'iza: 
Hauser). 

Nach einem männlichen Exemplare beschrieben. Die Type 
besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

10. Lathrimaeum ftisculum Er., Kf. M. Brand., I, 626. 

Er., Gen. et Spec. Staph., 870. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 
II, 947. — Fauv., F. g.-rh., 94. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 
1880, 13L — Gangib., K. M., II, 722. 

In der Normalfärbung schwarz, die Seiten des Halsschildes 
und die Hinterränder der Flügeldecken rotbraun gesäumt, die Beine 
rotgelb. Unreife Exemplare sind an den Flügeldecken ('mitunter 
auch am Halsschilde) heller oder dunkler rotbraun. 

Halsschild l^j^mdX so breit als lang, flach gewölbt, seitlich 
schwach gerundet erweitert, zu den stumpfen Hinterwinkeln ge- 
rundet verengt, am Vorderrande jederseits sehr seicht ausgebuchtet, 
die schmal verrundeten Vorderwinkel nicht weiter als die Mitte 
nach vorne gezogen, längs der Mitte schmal und seicht vertieft, 
vor dem Hinterrande leicht bogenförmig niedergedrückt (der Ein- 
druck mitunter in zwei Schrägeindrücke aufgelöst), die Seiteu- 
grübchen seicht, aber deutlich, wie der Kopf fein und ziemlich 
dicht punktiert. 

Flügeldecken wenig mehr als doppelt so lang wie der Hals- 
schild, nach rückwärts kräftig verbreitert, seitlich schmal gekehlt 
abgesetzt, etwas stärker als der Halsschild punktiert, deutlich quer- 
runzelig, die gedrängte Punktierung ohne Neigung zur Reihen- 
bildung. 

Abdomen relativ kräftig punktiert und kurz behaart. 

5* 



68 



G. Luze. 



o. Schienen des ersten Beinpaares auf der Unterseite sehr 
schwach stumpfwinkelig erweitert, die des zweiten Beinpaares 
normal, Tarsen des ersten Beinpaares schwach verbreitert. 

Länge: '2.1b mm. — Verbreitung: Bisher nur aus Mitteleuropa 
bekannt. — Vorkommen: Von mir in Osttirol (Taufers) in mehreren 
Exemplaren in moderndem Föhrenreisig angetroffen. 

Durch die dunkle Färbung, den flachen, fein punktierten 
Halsschild, die dicht und etwas runzelig punktierten Flügeldecken 
sowie durch die flach gewölbte Gestalt vorzüglich charakterisiert 
und mit keiner anderen Art zu verwechseln. 

B. Prionothorax^) m. 

11. Lathrimaeum reflextim ßeitt., Wien. Ent. Zeitschr., 

1891, 195. 

Bräunlichgelb, der Kopf gegen den Vorderrand und die Fühler 
gegen das Ende schwärzlichbraun. 

Kopf vor den Ozellen mit kräftiger, bogig verlaufender Quer- 
furche sowie mit deutlichen, winkelig abbrechenden Schläfen. 

Halsschild 172 01^1 so breit als lang, flach gewölbt, seitlich 
kräftig gerundet erweitert, die Seitenränder breit und hoch empor- 
geschwungen, mit feinen, schräg rückwärts gewendeten Sägezähn- 
chen besetzt, hinter der Mitte am breitesten, zu den Hintcrwinkeln 
geradlinig verengt, der Hinterrand innerhalb der llinterwinkcl jedcr- 
seits schwach ausgebuchtet, die Hinterwinkel scharf rechtwinkelig. 
Der Vorderrand jcjdcrseits kräftig ausgebuchtet, die sehr schmal 
verrundeten Vorderwinkel beträchtlich weiter als die Mitte nnch 
vorne gezogen, längs der Mitt(; leicht gefurcht, vor dem Hinter- 
rande leicht bogenförmig niedergedrückt; die Enden des Ein- 
druckes reichen jederseits bis zu den Seitcngrübclien. Fein und 
seicht, etwas w(;itläufiger als der Kopf punktiert. 

1)U:m', Vonn zci^;!, (trotz vicllji(;li(;r Äliiiliclikcitcüi inil, dem Cli.iraktcr 
<lt r l.;itliriiii:icon) in liczug nni' (Ion liuu des SclioitclH, dor Schläfen, der Beine, 
den AiialM(r^mcntCH d(;8 cj «owie in IW.'/ai^ auf den IIjibitnH ho bedcnitendc 
Abweirlinnjfcn von dein ^^cnanntcn (icnns, d.'if) hIcIi Ix'i niiheror llnterHUclmn^? 
d«T .Mnndteile liöfliHi walirMclicinlicli die •^^ciicriMclic Ver.scliicdfüilicif von Ldlhri- 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung Lafhrhnaeum Er. 69 



Flügeldecken doppelt so laDg- als der Halsschild. Dach rück- 
wärts deutlich verbreitert, flach gewölbt, rückwärts geradlinig ab- 
gestutzt, die Außenenden mäßig breit verrundet, die Seiten breit 
(nach hinten allmählich breiter werdend ) abgesetzt und hoch empor- 
geschwungen, an den Schultern leicht sägezähnig, deutlich stärker 
als der Halsschild punktiert, die Punktierung mit schwacher Nei- 
gung zur Reihenbildung, jederseits längs der Naht breit und seicht 
rinnig vertieft. 

Abdomen relativ kräftig und dicht punktiert, deutlich behaart. 

Fühler ziemlich kräftig, länger als Kopf und Halsschild zu- 
sammengenommen, das vorletzte Glied nicht oder sehr leicht quer. 

ö^. Schienen aller Beinpaare einfach, Tarsen des ersten Bein- 
paares kaum erweitert. 

Länge: o mm. — Verbreitung: Turkestan (Taschkent), Bu- 
chara. — Vorkommen: An sumpfigen Orten (von Herrn Willberg) 
aufgefunden. 

Revision der paläarktischen Arten 
der Staphyliniden-Grattung Acidota Steph. 

Von 

G. Luze ( Wien). 
(Eingelaufen am 28. Mai 1904.) 



Genus Acidota (Leach, Zool. Miscell.). 

(^Steph., III. Brit., V, 357. — Er., Kf. M. Brand., I, 620; Gen. et 
Spec. Staph., 860. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 935. 
— Jacqu. Duval, Gen. Col. d'Eur., II, 72. — Thoms., Skand. Col., 
HI, 203. — Fauv.^ F. g.-rh., III, 88. — Key, Ann. Soc. Linn. 
Lyon, 1880, 101. — Gangib., K. M., II, 716.) 

Der relativ kleine Kopf ist rückwärts gesattelt, vorne wulstig 
gerandet (crenafa) oder verflacht (cnie)itataj^ jederseits kräftig 
(cruentata) oder kaum vertieft (crenata). 



70 



G. Luzc. 



Die Allgen sind hoch (crenata) oder flach gewölbt (cruen- 
fata), klein (cruenfaia) oder relativ groß (danclestina), die Orbital- 
leiste weniger deutlich als bei Lathrimaeum entwickelt. 

Halsschild nur um Geringes breiter als lang (crenata) oder 
deutlich quer (cmentata)^ hoch (crenata) oder flach gewölbt (cruen- 
fata)^ ohne (crenata) oder mit kräftigen Längseindrücken jeder- 
seits der Längsmitte (crenulata)^ die Seitenränder sehr breit (cre- 
nata) oder schmal gekehlt abgesetzt (cruentata), innerhalb der- 
selben jederseits mit einem wohl ausgebildeten Grübchen (Lateral- 
grübchen). 

Flügeldecken gestreckt (crenata) oder kurz (quadra)^ auf 
der Scheibe in regulären Längsreihen (crenata) oder ganz ver- 
worren punktiert (quadra). 

Das Abdomen ist deutlich, aber seicht punktiert, zwischen 
den Punkten glänzend glatt (cruentata) oder mit feiner, quer- 
rissiger Grundskulptur zwischen denselben (sculpturata). 

Schenkel und Schienen — insbesondere der Vorderbeine — 
kräftig, gegen das Ende stark verbreitert, die Schienen mit mehreren 
Reihen kurzer, starrer Dornen bewehrt, die Tarsen des ersten Bein- 
paares kaum (q) oder schwach (cf) verbreitert. 

Die Geschlechter sind — wie bei Oloplirum^ Lathrwiaeum etc. 
— auch am Ende des Abdomens zu erkennen. Besondere Auszeich- 
nungen an den Schienen, wie sie die Arten der Genera yirpedkün 
und Ldlhrimaemn zeigen, fehlen dieser Gattung. 

Die Fühler sind lang (crenata) oder kurz (miniiia)^ schlank 
(crotala) oder robust (mwntata)^ das dritte Glied derselben gegen 
das Ende normal (rrenaia) oder stark verbreitert (rruaUala). 

Das Schildchen trägt an der Basis cim^ scharf eingegrabene, 
Iciflil bogig verlaufende sclmialc Qucrfurclie. 

Die ])riiparierten Mundtoilc zeigen unter dem Mikroskope 
nach8tehend('S Bild: 

Oberlippe (pier, lederig, die Vorderwinkel schmal verrundet, 
der Vorderrand fast geradlinig [)egrenzt, die Oberseite in der Nähe 
des Vorderrand(;H mit einer IJeihe hmgc^r (fast in einer (jleraden 
liegender TaHtborsten. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung- Acidota Stepb. 7 1. 



Mandibeln kurz und breit, mit scharfen, wenig nach innen 
gekrümmten Spitzen, die rechte Mandibel in der Mitte mit deut- 
lichem (nach vorne gewendetem) Zahne/) die linke einfach. 

Außenladen der Maxillen etwas länger als die Innenladen, 
lederig, das Ende häutig, daselbst pinselartig behaart. Innenladen 
am Ende mit einem ziemlich kräftigen, geraden Zahne, lederig, 
am Außenrande häutig, daselbst mit kurzen Dörnchen bewehrt 
und mit längeren Haaren bewimpert. 

Kiefertaster viergliedrig, erstes Glied kurz, zweites gegen das 
Ende keulig verdickt, etwas kürzer als das Endglied, drittes ver- 
kehrt kegelförmig, etwa l^^g breit, das Endglied 
stumpf konisch verengt, etwa doppelt so lang als das vorletzte Glied. 

Lippentaster dreigliedrig, erstes Glied etwas länger als breit, 
zweites wenig schmäler als das erste, deutlich breiter als lang, 
das Endglied stumpf konisch verengt, fast so lang als die zwei 
vorhergehenden Glieder zusammengenommen. 

Zunge häutig, bis zum Ende des ersten Gliedes der Lippen- 
taster reichend, vorne tief und breit dreieckig ausgeschnitten, von 
den Nebenzungen in Gestalt zart bewimperter Lappen begleitet. 

Kinn stark quer, trapezförmig, vorne seicht ausgebuchtet, in 
der Nähe des Seitenrandes jederseits mit einer langen Tastborste, 
der Vorderrand mit häutigem, breitlappigem Anhange.^) 

Die Arten dieser Gattung sind über die paläarktische und 
nearktische Region verbreitet, leben unter Laub, Moos und Rinden, 
am Strande des Meeres, an Quellen und Sümpfen, in der Ebene 
und im Gebirge, bis in die alpine Region emporsteigend (crenata). 

Die Larve einer Art (crenata) ist in wenig erschöpfender 
Weise beschrieben worden. 

^) Nach Kraatz und Ganglbaiier sind beide Mandibeln einfach. 
Meine zwei Präparate (von A. crenata) zeigen volle Übereinstimmung. 

^) Diese Bildung des Kinnes — an beiden meiner Präparate deutlich zu 
sehen — scheint den Autoren bisher entgangen zu sein. Erich son gibt 
eine (ungenaue) Abbildung von Kinn, Zunge und Lippentastern (Gen. et Spec. 
Staph., Tat". V, Fig. 28 a), nach Kraatz ist das Kinn „mehr als dreimal so 
breit als lang, nach vorne verschmälert, vorne leicht ausgebuchtet" (Nat. Ins. 
Deutschi., 1858, II, 935). Ganz ähnlich beschreibt Rey: „Menton grand, 
fortement transverse, plus etroit en avant, largement tronque au sommet" 
(Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 102). 



72 



G. Luze. 



Bis nun sind 6 Arten der paläarktischen Region bekannt 
geworden. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Flügeldecken auf der Scheibe mit reihig geordneter Punktie- 

rung, Vorderkörper nicht oder undeutlich behaart ... 2 

— Flügeldecken ganz verworren punktiert, Vorderkörper ziemlich 

dicht und lang behaart 6. qiiadra Zett. 

2. Vorderrand der Stirne in der Mitte verflacht, Seiten des Hals- 

schildes schmäler als die der Flügeldecken abgesetzt, Fühler 
dick 3 

— Vorderrand der Stirne in der ganzen Breite querwulstig er- 

haben, hinter dem Wulste rinnig vertieft, Seiten des Hals- 
schildes beträchtlich breiter als die der Flügeldecken abge- 
setzt, Fühler schlank 1. crenata F. 

3. Abdomen mit kräftigem Glänze, zwischen den Punkten ohne 

Grundskulptur 4 

— Abdomen matt glänzend, zwischen den Punkten mit (feiner, 

querrissiger) Grundskulptur, Halsschild ohne Eindrücke auf 
der Scheibe 5. sc ulptiirata m. 

4. Fühler gestreckt, viertes und fünftes Glied derselben deutlich 

länger als breit, die vorletzten Glieder nicht oder schwach 
({uer 5 

— Fühler kurz, viertes Glied derselben kaum so lang als breit, 

fünftes deutlich, die vorletzten Glieder stark quer, Halsschihl 

oline Eindrücke auf der Scheibe 4. ntiiintd m. 

."). Ilalsscliikl vor dem Ilinterrandc mit glatter Längserhabenheit, 
jederseits derselben deutlich eingedruckt, Augen klein. 

2. rrurnlala Mann Ii. 

— Halsschild vor dem lliiitcrrande ohne glatte Längserhabenheit, 

auf der Scheibe kaum merkbar niedergedrückt, Augen groß. 

3. clauilcsllua m. 

A II III e r k II II g. Motscliulsky beschreibt eine Acldota haica- 
h'Hsis liiill. Mose, 1800, r, 54!)) aus Sibirien, die - insbesondere 
nach der BcMtliancnlieit des Abdomens und der angegebeiK^ii (irößen- 
verhUltnissc zu scliliencn b('»cbHi wahrKcheinlicb keine Ar.ldota 



Revision ä. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung- Acidota Steph. 73 



ist. Die Orig'inalbeschreibung mag hier folgen: .,Ehngata, suh- 
depressa, nitida, picea, elytris, antennamm hasi pedihnsfpie fesfaceo- 
subrufls; fliorace transverso, siihconvexo, sxyarsim fortiter pundato, 
posüce subangulato, laterihis arcuatis; elytris thorace dtiplo longio- 
rünis, fortiter punctatis, punctis ad hasin subseriatim dispositis; 
ahdomine suhnitide, impiinctata. Long. 1 l., lat. ^/j 1. — Forme de 
notre Äc. crenata, mais plus de quatre fois plus petite, avec un 
abdomen moins luisant et sans ponctuatiou. Dans les forets aux 
environs du lac Baical en Siberie Orientale." 



1. Acidota crenata Fabr., Ent. Syst., I, 525. 

Er., Kf. M. Brand., I, 620; Gen. et Spec. Staph., 861. — 
Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 936. — Thoms., Skand, 
Col., III, 204. — Fauv., F. g.-rh., III, 89. — Rey, Ann. Soc. 
Linn. Lyon, 1880, 104. — Gangib., K. M., II, 717. 

A. riifa Gravh., Micr., 115. — .1. castanea Gravh., Mon., 207. 
— Ä. seriata Lee., New Spec. Col., 1863, 55. 

In der Normalfärbung dunkel rotbraun, die Flügeldecken 
etwas heller, Mund, Fühler und Beine rötlichgelb. Ausnahms- 
weise sind Kopf und Halsschild ± geschwärzt. Unreife Exem- 
plare sind hell rötlichgelb. 

Kopf ziemlich dicht mit scharf eingestochenen Punkten be- 
setzt, der Vorderrand der Stirne querwulstig erhöht, hinter dem 
Wulste rinnig vertieft, die Augen hoch, fast halbkugelig gewölbt. 

Halsschild ziemlich hoch gewölbt, schwach quer, nach vorne 
stärker als nach rückwärts verengt, seitlich breit gekehlt (be- 
trächtlich breiter als die Flügeldecken i abgesetzt, die Hinterwinkel 
ziemlich scharf, doch stumpf, die Yorderwinkel breit verrundet, 
vor der Mitte des Hinterrandes leicht niedergedrückt, vor dieser 
Stelle in der Längsmitte mehr oder weniger deutlich geglättet, 
kräftig und ziemlich dicht punktiert. 

Flügeldecken l^/gmal so lang als der Halsschild, flacher als 
dieser gewölbt, nach rückwärts leicht verbreitert, die Seitenränder 
schmal gekehlt abgesetzt, an den Seiten- und Hinterrändern ver- 
worren, auf der Scheibe regelmäßig und kräftig gereiht punktiert. 



74 



G. Luze. 



Abdomen glänzend, etwas schwächer und weitläufiger als der 
Kopf punktiert. Viertes und fünftes Segment mit je zwei (aus 
silbergrauen Härchen gebildeten) Tomenten. 

Fühler ziemlich lang behaart, schlank, gegen das Ende deut- 
lich verbreitert, drittes Glied derselben an der Wurzel nicht auf- 
fallend dünn, die folgenden Glieder am Ende deutlich breiter als 
an der Basis, die vorletzten Glieder nicht oder kaum quer. 

Die Larve dieses Käfers wurde von Beling ( Arch. f. Naturg., 
1877, 50) in allgemeinen Umrissen beschrieben. 

Durch den wulstig erhöhten Vorderrand der Stirne, die ge- 
streckten Fühler, die breiten Seitenränder des Halsschildes und 
durch die starke, geordnete Punktierung der Flügeldecken vorzüg- 
lich charakterisiert. 

Länge: 6 — 7 mm. — Verbreitung: Mittel- und Nordeuropa, 
Sibirien,^) Nordamerika. — Vorkommen: Unter Steinen, Moos und 
Rinden, an sumpfigen Orten, in der Ebene und im Gebirge. Von 
mir am Altvater an der Grenze der alpinen Region in von Quell- 
wasser überrieseltem Moose in Gesellschaft von Lesteva longelytraia 
und /mbcscens angetroffen. 

2. Acidota cruentata Mannerli., Brachel., 55. 

Er., Kf. M. Brand., I, 621; Gen. et Spec. Staph., 862. — 
Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, ü, 937. — Jacqu. Duval, (ien. 
Col. d'Eur., n, 26. — Fauv., F. g.-rh., IH, 89. — Rey, Ann. 
Soc. Linn. Lyon, 1880, 107. — (hinglb., K. M., II, 717. 

J. rnfa Gyll., Ins. Succ, IJ, 228; Thoms., Skand. Col., III, 
204. — J. /'rrrfffjinca Boisd. et Lac; Faun. Ent. Par., I, 477; Er., 
Gen. et Spec. Staph., S62; Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 937. 

Einfarbig gelblichrot. Unreife Exemplare beträchtlich heller. 

Knpf unglci('l)f()rmig 'längs der Mitt(i w(Mtläuliger, an den 
Seilen dichter ) puiikti(!rt, der Wulst d(;r VonIcrstirtHi in der Mitte 
verflacht, Augen klein und lincli gewölbt. 

Ilalssrliild deutlich (pjcr, flach gewicht, die Seitenränder 
schiruil sclnniner mIk die der Flllgeldcckenj g(;kelilt abgeM(5tzt, die 

'j AiiH Ohtf*il(iii( ii fQnclI^'-cbirf di-Hlrkiit; lic^'^t /w(Mr('lloH(!H Kxoin- 
plur (liener Art vor. 



Revision tl. paläarkt. Arten d. Staphylinicleu-Gattimg Acklota Steph. 75 



Hinterwinkel ziemlich scharf, leicht stumpf, die Yorderwinkel 
schmal yerruudet, auf der Scheibe jederseits deutlich eingedrückt, 
zwischen den Eindrücken mit einer geglätteten, schwach erhabenen, 
stumpfen Längsrippe, ziemlich kräftig und ungleichförmig punktiert. 

Flügeldecken an den Seiten- und Hinterrändern verworren, 
auf der Scheibe mäßig stark i etwas stärker als der Halsschild) 
gereiht punktiert. 

Fühler robust, wenig gestreckt, gegen das Ende kaum ver- 
breitert, drittes Glied an der Wurzel dünn, gegen das Ende stark 
verbreitert, die folgenden Glieder an ihrem Ende nur unwesent- 
lich breiter als an ihrer Basis, das fünfte Glied deutlich länger 
als breit. 

Durch den Bau des Kopfes, die Auszeichnung am Halsschilde, 
die Punktierung der Flügeldecken sowie durch die Beschaffenheit 
der Fühler vorzüglich charakterisiert. 

Länge: 4:—h mm. — Verbreitung: Mittel- und Nordeuropa. 
— Vorkommen: Unter Laub und Baumrinden. 

8. Acidota clandestina iiov. si)ec. 

Kopf mit Ausnahme der vordersten Partie schwarz, der übrige 
Körper rotgelb. Beine und Flügeldecken heller. 

Kopf ziemlich breit und quer, mit relativ großen, hochge- 
wölbten Augen, ziemlich eben, innerhalb der Fühlerbasis jederseits 
aufgeworfen, dicht und ziemlich kräftig punktiert. 

Halsschild deutlich quer, seitlich schwach gerundet erweitert, 
die Hinterwinkel scharf, schwach stumpf, die Vorderwinkel schmal 
verrundet, die Seiten schmal gekehlt abgesetzt, wie der Kopf 
punktiert, auf der Scheibe kaum merkbar niedergedrückt, ohne er- 
habene Längsfalte. 

Flügeldecken kaum 1^2 mal so lang als der Halsschild, nach 
rückwärts schwach verbreitert, an den Seiten ziemlich breit (be- 
trächtlich breiter als der Halsschild > gekehlt abgesetzt, an den 
Seiten- und Hinterrändern verworren, auf der Scheibe ( beträchtlich 
stärker als der Halsschild i gereiht punktiert. 

Abdomen so dicht wie der Halsschild, aber merklich seichter 
als dieser punktiert. 



76 



G. Luze. 



Fühler robust, drittes Glied an der Wurzel dünn, gegen das 
Ende stark verbreitert, die folgenden Glieder an ihrem Ende etwas 
breiter als an ihrer Basis, fünftes Glied um Geringes länger als 
breit, die vorletzten Glieder schwach quer. 

Der cruentafa nahe stehend. Durch den dunklen, ziemlich 
ebenen, breiten Kopf, größere Augen und durch den kaum nieder- 
gedrückten Halsschild von derselben verschieden. 

Länge: 4: mm. — Verbreitung: Kroatien [Sljeme-^) Gebirge], 

Nach einem männlichen Exemplare beschrieben. Die Type 
besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

4. Acidota minuta nov. spec. 

Rotbraun, Fühler und Beine bräunlichgelb. 

Kopf ziemlich breit, die Augen mäßig groß, ziemlich flach 
gewölbt, Stirne vorne verflacht, jederseits wulstig emporgehoben, 
innerhalb der Auftreibung jederseits grübchenförmig vertieft, mit 
Ausnahme der Vorderstirne mit kleinen, scharf eingestochenen 
Punkten ziemlich dicht besetzt. 

Halsschild deutlich quer, seitlich schwach gerundet erweitert, 
daselbst sehr schmal gekehlt abgesetzt, vor dem Hinterrande leicht 
niedergedrückt, vor dem Eindrucke mit kurzem, glattem Längs- 
bande, auf der Scheibe ohne Eindrücke, die llinterwinkel ziemlich 
scharf, leicht stumpf, die Vorderwinkel schmal verrundet. 

Flügeldecken 172^^1 so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts leicht verbreitert, die Seitenränder ziemlich schmal (aber 
deutlich breiter als der Halsschild) gekehlt abgesetzt, an den Seiten- 
und Hiiiterrändcni verworren, auf der Scheibe (merklich stärker 
als der Halsschild) wenig geordnet [)unktiert. 

Abdomen merklich weitläufiger und seichter als der Hals- 
schild j)iinktiert. 

I'nlilcr robust, kurz, drittes Glied an der Wurzel dünn, gegen 
das Ende stark verbreitert, viertes Glied kaum so lang als breit, 
flinf((;s deutlich (juer, die vorletzten Glieder \ ^j.,m\\\ so breit als lang. 

Durch die kurzen robusten 1^'llhler, die feiiK; und dichte Tunk- 
ticrun- des llalsschildeH, durcli die wenig geordnete, dichte und 



I{crg^,M-u )»!»«; bei j\\;\-a\u mit dein liöclistcii (V\\)\'v\ I5islr;i, (](>:{(; m). 



Eevision d. paläarkt. Aiteu d. Staphylinideu-Gattung Acidota Steph. i i 



feine Punktierung der Flügeldecken sowie durch die gelinge Größe 
von rJatuJestiua verschieden. 

Länge: Dorum. — Verbreitung: Griechenland (Morea: Cu- 
mani). 

Xach einem männlichen Exemplar beschrieben. Die Type be- 
sitzt das k. k. naturhisToriscbe Hofmiiseum in Wien. 

5. AcUlofa scuJpturata nov. si)ee. 

Rotgelb, der Kopf und die Fühler bräunlichrot. 

Kopf mit verflachter Vorderstirne, innerhalb der aufgewor- 
fenen Seitenränder jederseits mit tiefem Grübchen, kräftig und 
ziemlich dicht punktiert, die Vorderstirne glatt. 

Halsschild ziemlich gewölbt, deutlich quer, seitlich schwach 
gerundet erweitert, sehr schmal gekehlt abgesetzt, die Hinter- 
winkel ziemlich scharf, schwach stumpf, die Vorderwinkel schmal 
verrundet, auf der Scheibe dicht und fein punktiert, innerhalb der 
Seitenränder mit kräftigen Punkten ziemlich weitläufig besetzt, auf 
der Scheibe ohne Auszeichnung. 

Flügeldecken kaum P ^,mal so lang als der Halsschild, nach 
rückwärts leicht verbreitert, die Seitenränder ziemlich breit gekehlt 
abgesetzt, an den Seiten- und Hinterrändern verworren, auf der 
Scheibe ziemlich fein etwas stärker als der Halsschild) gereiht 
punktiert. 

Abdomen so dicht als der Halsschild auf der Scheibe, aber 
beträchtlich seichter als dieser punktiert, matt glänzend, mit feiner, 
querrissiger Grundskulptur. 

Fühler robust, drittes Glied an der Wurzel dünn, gegen das 
Ende stark verbreitert, die folgenden Glieder an ihrem Ende deut- 
lich breiter als an ihrer Basis, die vorletzten Glieder kaum breiter 
als lang. 

Von crueniatü durch gewölbteren Halsschild, durch die 
schmäler abgesetzten Seitenränder desselben, den Mangel der Aus- 
zeichnungen auf der Scheibe, das matt glänzende Abdomen, durch 
etwas gestrecktere Fühler, feiner und dichter punktierte Flügel- 
decken sowie durch schlankere Gestalt verschieden. 

Länge: -k-'o inrn. — Verbreitung: Kaukasus (ohne nähere 
Fundortangabe I. 



78 



G. Liize. 



Nacli einem männlichen Exemplare beschrieben. Die Type 
besitzt das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien. 

6. Acidota quadra^) Zetterst., Faun. Lapp., I, 54. 

Zetterst., Ins. Lapp., 53, Nr. 22. — Fauv., F. gvrh., III, 
89, Note. — J. Sahlb., En. Fenn., 1876, 217. 

A. fßindrafa Zetterst., Ins. Lapp., 53, Nr. 22. — A. (juadra: 
wajor m. 

Einfarbig rotgelb, die Oberseite ziemlich dicht und lang 
rötlichgrau behaart. 

Kopf mit schwach aufgeworfenem Vorderrande, hinter dem- 
selben leicht rinnig vertieft, glänzend, ziemlich fein und mäßig 
dicht punktiert. 

Halsschild leicht quer, nach vorne stärker als nach rückwärts 
verengt, seitlich schwach gerundet erweitert, ziemlich breit (nach 
vorne beträchtlich verschmälert) gekehlt abgesetzt, die Hinter- 
winkel ziemlich scharf, leicht stumpf, die Vorderwinkel schmal 
verrundet, vor der Mitte des Hinterrandes mit schwachem Ein- 
drucke, vor demselben mit kurzem, geglättetem Längsbande, ziem- 
lich dicht und beträchtlich stärker als der Kopf punktiert. 

Flügeldecken 1^4 mal so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts schwach verbreitert, die Seitenränder breit (etwas breiter 
als der Halsschild) gekehlt abgesetzt, mit großen, seichten (wie 
von rückwärts eingestochenen ) ungeordneten Punkten ziemlich weit- 
läufig besetzt. 

Al)domen glänzend, sehr fein und weitläufig punktiert. 

'j Die TrihiiH Ottutliini iin licutif^iüi SiiiiKi bildet hri Z(;ttc!rHic(lt zwei 
(Jencra: A)ilhoph(((fns {}r:iv. und Omalinm Latr. Lcitztcre.s Gonu« unilalit eine 
K<mIic h('t<'io^('iier Klcmiontc, darunter auch das woitvcirbroitcti! Arpcdinm 
(fundriim (iravh., (hin zu Jener Zeit, unter dtsrn Namen Onuäium (piadrum b(v 
kannt war. Audi di(! ()l)en ^jenannt(! Acidota wunle (von /(jttcrwtedt) 
tpiadrutn /genannt und dein GenuH Omalinm zu/ji-eteilt. Da aber dieser Name 
im GenuH Hclion vorkam, linderte der Autor dennelben iuif'litrii;i;'iicb (Ins. Laj)])., 
r>S, Nr, 22) in /fuadraiuw. Nach (Irlindun^'- des NamcsuH Acidoia — die iibri«(!iin 
zu Zf tternteilf H Z<'i(en Hcbori 'i'atHaeh(; war liefet ij^wY k<Mn (Jrujid j;i'^'"en 
die |{eib(;haitun^^ deH urMiMliii^^licben NanuriiH vor. 



Revision d. paläarkt. Arten d. Staphyliniden-Gattung Acidota Steph. 79 



Fühler ziemlich schlank, das dritte Glied dünner, aber nur 
unwesentlich länger als das zweite, die vorletzten Glieder so lang 
als breit. Körper gestreckt und schmal. 

Eine durch die deutlich hervortretende Behaarung, die ganz 
ungeordnete, derbe Punktierung der Flügeldecken sowie durch 
die gestreckte Gestalt ^'orzüglich charakterisierte Art. 

Eine aus Ostsibirien ( Quellgebiet des Irkut) vorliegende Form 
zeichnet sich durch matteren, stärker punktierten Kopf, gestreck- 
tere, robustere Fühler sowie durch beträchtliche Körpergröße aus 
und ist vielleicht eine selbständige Art {A. qiiadra: major m.). 

Länge: 4 — bmm. Verbreitung: Finnland, Schweden, Sibirien. 

Anmerkung. Die Art wurde von Erichson und Kraatz 
irrtümlich mit ferniginea Boisd. et Lac. — der hellen Form der 
cruentata Mannh. — identifiziert. 



Beschreibung neuer Cassididen 
nebst synonymischen Bemerkung^en. 

Von 

Dr. Franz Spaeth. 

V.^) 

(Eingelaufen am 1. Juli 1904.) 
1. Hoplionota Nickerli nov. spec. 

Eiförmig, mit der größten Breite unmittelbar hinter den Schul- 
tern; oben rostrot mit unbestimmt begrenzten helleren Rändern, unten 
schwarz; der Kopf, das Abdomen, die Vorder- und Mittelbeine so- 
wie die Hinterbeine mit Ausnahme der Schenkelbasis rot, die Fühler 
gelbrot, die Basis der Schenkel mehr minder gebräunt. Oberseite 
mäßig glänzend, ziemlich flach. Stirne mit zwei tiefen Furchen, 
die sich vorne und hinten vereinigen und einen beiderseits abge- 
kürzten Mittelkiel einschließen; die Kopfplatte ziemlich groß, vor 

^) Vergl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1901, S. 333. 



80 



Franz Spaeth. 



den Augen so breit als der Abstand der Mittellinien der letzteren, nur 
mäßig' bogig erweitert, vorne abgestutzt, in der Mitte ausgeschnitten; 
die Fühler sehr kurz, bei weitem nicht bis zu den Hinterecken 
des Halsschildes reichend, mit deutlich abgesetzter, nur vierghedriger 
Keule, da das 7. Glied kaum dicker als die vorhergehenden und 
nach außen nicht verdickt ist; das 3. — 5. GKed nur w^enig gestreckt, 
kaum um die Hälfte länger als breit, das 6. und 7. kurz, nicht 
länger als breit; die Glieder der Keule quer, zweimal so breit als 
lang. Halsschild und Flügeldecken an der Basis ziemlich gleich 
breit ; der erstere dreimal so breit als lang, von der Basis nach vorne 
in weitem Bogen gerundet verengt, ober dem Kopf tief dreieckig 
ausgeschnitten, der Ausschnitt ober den Augen beiderseits gebuchtet; 
die Scheibe ist flach gewölbt, über die Seitenteile erhaben, entweder 
fast glatt oder zerstreut mäßig grob punktiert und wird seitlich 
jederseits durch einen schrägen, hinten wulstig begrenzten Eindruck 
abgesetzt; die Seitenflügel sind sehr grob, aber nicht dicht punktiert. 
Flügeldecken hinter der Basis kaum erweitert, ziemlich flach, 
gleichmäßig gewölbt, nach hinten mäßig verengt, die Scheibe mit 
wenig regelmäßigen, durch die Kippen unterbrochenen, ziemlich 
groben Punktreihen; an der Naht bis zur Hockerstclle ein Scutellar- 
streifen, welcher nach hinten in die erhabene Nahtrippe übergeht. 
Auf dem zweiten Zwischenräume befindet sich eine bis zur Spitze 
reichende, hinter der J>asis und hinter der Mitte stärker erhabene, 
vor der Mitte ziemlich flache oder fast erloschene Längsrippe, die 
vielfach winkelig gebogen, hinter der Mitte und im vierten Fünftel 
je eine Rippe zur Naht entsendet; eine starke Querrippe geht von 
ilir in der Mitte zur ScitcndachbrUcke; eine zweite^ weniger deutliche 
Jvängsrippe entspringt an der Schultcrbeulc, läuft schräg nach innen 
fast bis zur ersten ]Jingsripi)e, mit der sie durcli einen kurzen 
niedrigen Querast zusammenhängt, und geht dann größtenteils auf 
dem fünften Zwischenraum nach hint(;n; hierbei wird sie durch 
die früher erwähnte Qu('rripj)e unterbrochen und bildet vor und 
hinter derselben durch Verbindung mit der inneren i^ängsrippe 
mehrere Bauten; sie (irlischt vor der S})itze. Das Seitendach ist 
flach, wenig geneigt, rötlichgelb, heller als die Scheibe; nur der 
liincnteil hinter der liasis und vor der S[)itz(; ist ni(;hr rostrot, 
rarallcl dem -an/cn Kand des Seitendaclies der FKigeldecken und 



Beschreibimo- neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 81 



des Vordaches des Halsschildes läuft eine dichte und starke Punkt- 
reihe, die nur durch den Kopfausschnitt unterbrochen ist; das Pro- 
sternum ist flach, zwischen den Vorderhüften nur mäßig verengt. 

Von den mir bekannten Hojdionota -Arten am nächsten mit 
II. hadia B. verwandt, aber durch den ovalen Umriß, unregelmäßigere 
Punktstreifen auf den Flügeldecken, andere Rippenbildung, helle 
Seitendächer, helles Abdomen, besonders aber durch viel kürzere 
Fühler, deren innere Glieder weniger lang, deren 7. Glied gegen 
das Ende weniger erweitert und deren Keule daher stärker ab- 
gesetzt und deutlich nur viergliedrig ist, verschieden. 

Länge 3'7 mm, Breite 3"2 mm. 

Der verstorbene Afrikareisende Dr. Holub hat zwei Stücke 
dieser Art um Panda-ma-tinka im Zambesigebiete in Südafrika auf 
seiner ersten Reise (1876) gefunden und Herrn Dr. Ottokar Nickerl 
geschenkt; der letztere hatte die Freundlichkeit, mir dieselben zur 
Beschreibung und eines der Exemplare für meine Sammlung zu 
überlassen. 

2. Hoplionota Holuhi nov. spec. 

Länglich-viereckig, rostrot mit hellerer Zeichnung des Hals- 
schildes und des Seitendaches der Flügeldecken. Die schmale und 
lange Stirn e trägt eine ziemlich breite Längsfurche, die durch einen 
feinen Längskiel geteilt ist; die Kopfplatte ziemlich groß, zwischen 
den Augen sehr schmal, vor denselben plötzlich sehr stark erweitert, 
an den Vorderecken verrundet, an der Spitze tief ausgeschnitten, 
so daß sie aus zwei nahezu kreisförmigen Lappen zu bestehen 
scheint. Fühler mäßig schlank, die Hinterecken des Halsschildes 
kaum erreichend, das 3. — 6. Glied ziemlich lang gestreckt^ das 
7. nach außen verdickt, das 8. — 10. l^l^msX so breit als lang. Hals- 
schild quer viereckig, etwa dreimal so breit als lang^ mit recht- 
winkeligen Hinter- und vollständig verrundeteu Vorderecken, ober 
dem Kopf kurz dreieckig ausgeschnitten, so daß nur der äußerste 
luuenrand der Augen von oben sichtbar ist ; der Ausschnitt an seiner 
Basis etwas erweitert, der Hinterrand des Halsschildes jederseits 
des Schildchens gebuchtet, dann in ein spitzes Zähnchen ausgezogen, 
schließhch schräg zu den Hinterecken gerichtet; Scheibe sehr flach 
gewölbt und über die Seitenflügel erhöht^ uneben, glänzend, mit 
verhähnismäßig feinen, in Klümpchen stehenden Punkten nächst 

Z. B. Ges. Bd. LV. 6 



82 



Franz Spaeth. 



dem Kopfausschnitt und vor dem Schildchen, sonst glatt; die Seiten- 
flügel sehr grob, tief und ziemlich dicht punktiert; die Oberseite 
ist rostrot, nur das Vordach beiderseits neben der Kopfausrandung 
und der äußerste Seitenrand sind heller rotgelb hyalin. Das drei- 
eckige, hinten abgestutzte Schildchen ist matt^ glatt. Die Fltigel- 
d ecken sind an der Basis breiter als der Halsschild, erweitern sich 
kaum nennenswert zur Mitte, von wo sie sich ebenso schwach 
verengen, und sind an der Spitze abgestutzt verrundet. Die Scheibe 
ist ziemlich grob punktiert; die Punkte sind viel gröber wie jene 
auf der Scheibe des Halsschildes, aber feiner als die auf den Seiten- 
flügeln; längs der Rippen sind sie in Reihen geordnet; die Naht 
ist vom Ende des Scutellarstreifens an kielig- erhaben; auf jeder 
Scheibe sind mehrere Kiele, die sich untereinander verbinden und 
hierbei rautenförmige oder fünfeckige Figuren bilden. Im Prinzip 
ist die Lage dieser Kiele die gleiche wie bei H. Nicherli: ein sehr 
unregelmäßiger Längskifel auf dem zweiten Zwischenräume sendet 
nach innen drei, nach außen 4—5 Querkiele aus^ von denen sich 
die inneren mit dem Nahtkiel, die äußeren mit einem zweiten, im 
Außenteil der Scheibe verlaufenden, schwachen, stellenweise unter- 
brochenen Längskiel verbinden. Das Seitendach ist flach aus- 
gebreitet, spärlicher und gröber als die Scheibe punktiert, größtenteils 
hell durchscheinend rötlichgelb, nur ein hinten schräg abgestutzter 
Hasalast, eine mit der Scheibenzeichnung zusammenhängende runde, 
den Außenrand nicht erreichende Makel an der Seitendachbrücke 
und ein breiter, hinterer Randast sowie die Nahtspitze sind rostrot 
wie die Scheibe. 

Länge 5*5 mm, Breite 4 5 mm. 

Ebenfalls von Dr. Ilolub auf seiner ersten Reise in Südafrika, 
walirsclieinlich um i*aiida-ina-tinka gefunden und mir von Herrn 
Dr. Ottoknr Nick(!rl gütigst überlassen. 

y>. Die (Jattuiig Porphyr as])is, welche von mir in diesen 
^ Vcrliandhingcn", Jahrg. li)01, S. in I'^mpfrochrür und /W- 
/>hlir(is/>fs zerhrgt worthni ist, wurde von lIo])e ((UA. Man., HI, 154) 
auf Cassif/fi cryihrocfra Germ, aufgestellt. Eh muß daher der Name 
/'nrjt/n/rtif^/tis jener (iattung v(;rbleifKni, zu der (!(iss. rri///tr()rf;r((, ^ 
ripnif'd Say gehört; demgemäß hat für ICmprrochcla S[)a(;th der 
iiltere Name J'or/Jtyraspis lU)\)(i einzutreten. Für die als Por/thyr- 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 83 



aspis von mir zusammengefaßten Arten schlage ich den alten Kata- 
logsnamen Hemispliaerota vor. 

Für Bia Weise (Deutsche Entom. Zeitschr., 1896, S. 31) hat 
der ältere Name Oxynodera Hope (1. c, p. 184) einzutreten; beide 
Gattungsnamen wurden auf Cassiäa variegata Fahr, aufgestellt. 

4. Spilophora litterifera nov. spec. 

$. Ovalis, modice coni'exa, nitida, dilute flava, antennis hasi 
excepta nigris, elytris macidi communi magna coendea litteram 
W-f(yrmante; prothorax transversus angidis anticis late rotundatis, 
posücis rectis, disco laevis, hasi margin ihn scpie min us crehre sat pro- 
funde pundatis; elijtra stiltilifer striaiopunctata, striis posüce evane- 
scentihiis, protedo sat crehre et profunde vage pundato. 

Long. 6-5, laf. 4-5 mm. — Coli. Spaetli: Amazonas (Manaos). 

9. Eiförmig, glänzend, rötlichgelb, die Fühler vom dritten 
Ghed an schwarz, eine breite, W-förmige, gemeinsame Zeichnung 
hinter der Längsmitte der Flügeldecken schön blaumetallisch. In 
der Körperbildung mit Sj). speciosa Balv nahezu übereinstimmend. 
Halsschild klein, quer, kaum halb so lang als breit, mit recht- 
winkehgen Hinter- und abgerundeten Yorderecken: der Vorderrand 
ober dem Kopfe sehr schwach vorgezogen, die Scheibe glatt, die 
Seiten und die Basis, außer vor dem Schildcheu, ziemlich grob, 
narbig, zerstreut punktiert. Schildchen an der Spitze breit ver- 
rundet, nach hinten wenig verengt. Flügeldecken an der Basis 
doppelt so breit als der Halsschild, die Schulterecken nicht vor- 
gezogen, verrundet, aber durch sehr kleine, spitze Zähnchen an- 
gedeutet, die Seiten bis zur Mitte erweitert, dann kurz zugerundet; 
die Scheibe sehr regelmäßig fein gereiht punktiert, die Punkte nach 
hinten schwächer, die 8. — 10. Punktreihe etwas verwon-en; die 
Zwischenräume sehr breit, glatt, eben; das Seitendach gröber als 
die Scheibe unregelmäßig punktiert. Die blauviolette Makel der 
Flügeldecken beginnt am Rande des Seitendaches und verbreitert 
sich gegen die Naht; die Spitze bleibt von ihr frei. 

Von Sp. spedosa Baly außer der ganz anderen Zeichnung der 
Flügeldecken durch helle Fühler, verhältnismäßig breiteren^ an 
den Vorderecken stärker verrundeten Halsschild, hinten nicht aus- 
geschweiftes Seitendach der Flügeldecken und viel feinere Punk- 
tierung der letzteren verschieden. 

6* 



84 



Franz Spaeth. 



5. Spilophora peruana Erichs, nov. var. aequatoriensis. 
Bei der Stammform ans Peru haben die Flügeldecken vorne 

eine gemeinsame, in der Mitte vorne tief ausgebuchtete und hinten 
eine quere, vorne abgestutzte violette Makel. 

R. Haensch hat in Ekuador, S. Inez, in Mehrzahl eine Rasse 
gefangen, bei welcher die vordere Makel in zwei weit getrennte 
schräge Makeln aufgelöst und die hintere Makel viel schmäler und 
vorne abgerundet, daher rund ist. 

d^, 9 in meiner Sammlung; 9 von Herrn Dr. Dohm erhalten. 

6. Spilophora Bohemani var. annulata nov. var. 

Aus Juraty, Brasilien, hat seinerzeit Herr Dr. Dohm eine 
Spiloplwra erhalten, die Sp. Bohemani Baly nur durch andere 
Zeichnung der Flügeldecken abweicht und daher kaum von ihr 
spezifisch verschieden sein dürfte. Bei derselben (cf) sind die Flügel- 
decken gelb und haben einen gemeinsamen schwarzgrünen metal- 
lischen Kreis; sein Außenrand beginnt in der Mitte der Basis einer 
Decke, tritt bald auf das Protectum über und verläuft hinten nahezu 
})arallel dem Außenrande; der Innenrand beginnt an der Schildchen- 
spitze; die Fühler sind vom zweiten Gliedc an schwarz, der übrige 
Körper gelb. 

Sp. Bohemani, wovon mir aus der Sammlung des Stettiner 
Museums durch die Güte des Herrn Dr. Dohm ein und ein 9 
zum Vergleiche vorlagen, stimmt in der Körperbildung mit der obigen 
Spilophora vollkommen überein, auch die äußere Begrenzung der 
jiictallischcn Makel ist die gleiche; nur ist diese Makel lebhaft 
viohitt und schließt keine helle Makel ein. 

7. (Udop('])l(t Bohemaniana Stfil (Herl. Entom. Zeitschr., 
186;^, S. ofi; ausgegeben im Juni 1863) ist synonym mit (l Mouhoti 
Baly fJourn. of Ent., II, 1803, p. 7; ausgegeben im Jänner 1803). 
Stäl hat nicssinggriin(!, Baly hlaugriine Stücke beschrieben; die 
Art variiert in alU^n nK^talHschcn Farben. 

X. (" her die (lattung Calliaspis Boh. 

Bohenian hal Mon., I, p. 81 — 81) unter CalllasjNs neben sechs 
HlidanicrikaniHchen Arten eine Art (('. rufma) aus Java aufgezählt, 
wch'he b<'r(!itH früher von (iU(';rin als (!rj)h((l(drla rassi(/oi(lr.s hc- 
Hchrieljcn worden war. Diese Art, (h;ren Zug(;hörigkeit zum Oenus 
('(illias/ßiH Hchitu Bohenian ho aulfiinig war, (hiß er - mit Un- 



Besclireibuuy neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 85 



reelit — die Richtigkeit der Vaterlandsaügabe bezweifelte, kann 
bei dem obigen Genus nicht verbleiben. 

Die amerikanischen Ccdlicis])is sind außerordentlich ausge- 
zeichnet durch nur lOgliedrige Fühler, welches auffällige und bei den 
Cassiden sonst noch nicht beobachtete Merkmal soAvohl von Bohe- 
man wie von Chapuis tibersehen wurde: denn beide geben die 
Fühler als llgliedrig an. Das erste und zweite Glied sind glänzend, 
wenig dicker als die folgenden, diese sind matt, spärlich anhegend 
behaart, nicht skulptiert, eng aneinanderstoßend, das dritte ist kaum 
P/2nial so lang als das zweite, die folgenden bis zum neunten 
nicht wesentHch an Länge verschieden, das 10. länger und dicker 
als das neunte, zugespitzt. Die dicke Kopfröhre tritt weit aus dem 
unten tief ausgeschnittenen Halsschild heraus, der Kopf ist senk- 
recht gestellt, so daß der Mund unter den Augen liegt und der 
Scheitel von oben sichtbar ist; der Halsschild tritt beiderseits vor 
und schließt den Kopf seitlich ein. Die Mundteile hegen frei. 
Schildchen breit dreieckig. Das Prosternum ist sehr kurz und flach. 
Die dicken Schenkel sind etwas plattgedrückt, das Abdomen ist 
tiach wie bei der Gattung Himaüdium, in deren nächste Verwandt- 
schaft Calliaspis gehört. 

Bei C. cassidoicles GiiGw. für die ich die Gsittimg Bhinocassis^) 
errichte, sind die Fühler llgliedrig, fadenförmig, jenen von Ej^i- 
siictia ähnlich; das erste und zweite Glied sind viel dicker als die 
folgenden, diese grob längsrissig, die inneren mit rundem, die 
äußeren mit elliptischem Querschnitt, die einzelnen Glieder etwa 
doppelt so lang als breit, nach außen nicht verbreitert, eng anein- 
andergefügt; das dritte GHed ist gut um die Hälfte länger als das 
zweite, das 11. zugespitzt, verflacht, gewölbt. 

Die Kopfröhre tritt nur kurz aus dem unten mäßig tief aus- 
geschnittenen Halsschild heraus, der Kopf ist senkrecht gestellt 
und ragt vor dem Halsschild vor, der Scheitel ist daher von oben 
sichtbar; die Mundteile liegen frei und unterhalb der Augen; die 
Taster sind viel schlanker als bei CaUiasjns, die Stirne ist zwischen 
den Augen in eine kurze Nase erweitert, an die sich die Fühler 
in der Kuhelage anlegen. Kopfschild in eine kurze, dreieckige 



^) Siehe Nachselirift. 



86 



Franz Spaeth. 



Platte ausgezogen. Der Halsschild schließt an den Seiten den Kopf 
nicht ein, ist quer und fast dreimal so breit als lang. Schildchen 
schmal, lanzettförmig, hinten abgerundet. Die Epimeren der Hinter- 
brust sind mit den Episternen nicht verschmolzen. 
Calliaspis andicola nov. spec. 

Ohoucdis, convexa, nitida, verüco nigro, antennis flavis, pro- 
tlwrace, sctdello elytrisque coeruleis, prothorace cmguste riifoma/irgi- 
nato, siihtiis lurida, prosterno interdum piceo; prothorax transverso- 
trapesoidalis, disco sublaevis, laterihus sparsim profunde pundatus, 
elytra striatopunctata, striis exterioribus profundiorihus, interstitiis 
siihtilissime pundidatis . 

cT. Latior, hrevior, sternito idtimo emarginato. 

Long. 5' 3 mm, lat 3' 5 mm. — Coli. Spaeth: Peruvia, provincia 
Huallaga, Rio Mixiollo (VII.— VIII. 1900 a dorn. Cr. Ä. Baer 
coli.). — Coli. Clavareau : Feruvia (Schneider). 

Verkehrt eiförmig, glänzend, ziemlich gewölbt. Fühler rötUch- 
gelb mit gebräunter Spitze, Kopf schwarz, Halsschild, Schildchen 
und Flügeldecken metallisch schwarzblau, die Seiten des Hals- 
schildes schmal rötlich gesäumt, Unterseite bis auf das zuweilen 
schwarze Prosternum trüb rötlichgelb. Scheitel sehr fein und zer- 
streut, ziemlich tief punktiert; Halsschild quer trapezoidal, mit 
der größten Breite in den Hinterecken, die Seitenränder fein ge- 
randet, nach vorne stark gerundet verengt, ohne falsche Vorder- 
ecken, die Hinterecken scharf, etwas spitzwinkelig, der Vorderrand 
ol)er dem Kopfe buchtig vorgezogen, der llinterrand beiderseits 
gebuchtet, in der Mitte gegen das Schildchcn in llachcm l>ogen 
erweitert, an den Ecken und vor dem Schildchcn zicndicli dick 
gerandet; die Scheibe sehr fein und sparsam, die Seiten alhnählich 
stärker, an den IJändern grob und zerstreut, dazwischen sehr fein 
punktiert. Schildch(;n groß, lanzettförmig, glatt. Flügeldecken 
;in der last abgestutzten Basis kaum breiten- als der llalsschild, an 
(lens( lb(;n in der seitlichen Pundung nahezu anschließend, bis hinter 
die Mitte verbreitert, an (l(;r Spitze kurz zugerundet, gleichmäßig ge- 
wiilbt. mit nieht vortretenden verrundeten Schultercckcn und heraus- 
tretenden Selnilterbeulen; auf der Scheibe eine kurze Suturalreihe 
und M) re;<('lrn;ißi;:e runklstreilen, von denen di(5 innercMi lein, die 
äußeren gröber siml und deren sehr breite Zwischenräume unregel- 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 87 



mäßige, stellenweise verdoppelte Reihen äußerst kleiner Punkte 
tragen; die erste Punktreilie hinter der Mitte strichförmig, die an- 
deren zur Spitze kaum feiner werdend. An der Basis neben dem 
Sehildehen ist eine flache kleine Grube, neben der Höckerstelle 
eine tiefere und größere, hinter der Schulterbeule eine flachere. 
Das Seitendach ist sehr fein punktuliert, fast glatt. Prosternum 
zwischen den Vorderhüften breit, nach vorne verengt, nach rück- 
wärts verbreitert, am Ende abgestutzt, oberseits flach mit Längs- 
rissen. Abdomen ganz flach, deutlich chagriniert und dazwischen 
fein punktiert. Das cT ist merklich kürzer, breiter, stärker gerundet 
als das Das letzte Sternit ist beim cT an der Spitze ausge- 
randet, beim $ einfach gerundet. 

Calliaspis hrevicornis nov. spec. 

Ovata, antice suMruncata, apice late rotundata, nitida, con- 
vexa, nigra, antennis, ore, pedibus ahdomineque nifotestaceis ; an- 
tennae hrevissimae, arümlis internis latitudine hreviorihus, idtimo 
acuminato, duplo longim^e; profJiorax transverso-subquadratm, an- 
gulis posticis suhrectis, disco stihlaevis, laterihus sat profunde, spar- 
sim punctatus; elijtra convexa, subgihhosa, protJiorace hasi liaud 
latiwa, lateribus perparum dilatatis, suMiliter et regiäariter punc- 
tatostriata, interstitiis suMilissinie seriatim puncttdatis. 

Long. 4-3 mm, lat. 3' 5 mm. — Coli. Spaeth: Brasilia, Sao 
Paolo (Lange). 

Eiförmig, mit der größten Breite vor der Mitte, gewölbt, 
schwarz, die Fühler, Mundteile, Beine und der Hinterleib rötlich- 
gelb. Scheitel der Länge nach eingedrückt, glatt. Fühler sehr 
kurz^ kaum bis zu den falschen Vorderecken des Halsschildes 
reichend, die mittleren Glieder breiter als lang, das letzte Glied 
länger als die zwei vorhergehenden zusammen. Halsschild fast 
quer rechteckig, gut dreimal so breit als lang, an der Basis am 
breitesten, nach vorne nur mäßig verengt, ober dem Kopfe tief aus- 
gerandet, die Seitenränder winkelig gebogen, nach hinten schwach 
gerundet erweitert, zur Basis fast rechtwinkelig, so daß neben 
den durch die Kopfausrandung gebildeten verrundeten (echten) 
Vorderecken noch sehr stumpfe, verrundete (falsche) Vorderecken 
und rechtwinkelige Hinterecken entstehen. Der Hinterrand vor 
dem Schildchen breit buchtig erweitert; an den Seiten und vor dem 



88 



Franz Spaeth. 



Schildclien g-eraiidet, die Scheibe glänzend, glatt^ die Seiten zer- 
sti-eut gTob, aber seicht punktiert. Schildchen groß, dreieckig, 
glatt. Flügeldecken an der Basis so breit als der Halsschild, 
an denselben anschließend, zur Mitte schwach erweitert, dann zur 
Spitze kaum mehr als zur Basis verengt, endlich breit abgerundet, 
hinter dem Schildchen schwach buckelig gewölbt mit nach vorne 
und hinten geradlinig abfallendem Profil. Schulterbeulen wenig 
niedriger als der Mittelhöcker. Die regelmäßigen feinen Punkt- 
streifen sind im Basaldreieck verloschen, ihre sehr breiten Zwischen- 
räume haben je ein bis zwei Reihen sehr feiner Pünktchen; der 
Nahtstreif ist von der Mitte an tief eingegraben. Neben dem Höcker 
ist je eine sehr kleine und seichte, hinter den Schulterbeulen eine 
größere Grube. Seitendach innen glatt, außen sehr fein, wenig 
dicht punktuliert. 

Durch die kurzen Fühler, den queren Halsschild und die 
buckelig gewölbten Flügeldecken sehr ausgezeichnet. In Hinsicht 
der Halsschildbildung offenbar den mir unbekannten C. funeraria 
und hicolor B. nahestehend, von der ersteren durch kürzere Fühler 
verschieden. 

9. Canistra Dohrni nov. spec. 

rotundata, 9 subrotundata, sat convexa nitida, nigra, plagis 
duahus prothoracis, 10 elytromm, femorihus medio plagisque non- 
nidlis in pectore et ahdomine miniatis; prothorax suhtilissime remote 
punctulatus, elytra punctis sat profundis, valde remotis, seriaiis, 
puncMisque minimis sat remotis capillatis. 

n : Jjong. 14:6 mm, tat. mm. ^: Long. Ifrf) mm, tat. l.'}-f> mm. 
//fih.: Pard; cT in collect, mus. civic. Stettinensi, 9 w mea collect, 
(d /)r. hohrn henemle communicata). 

Im Habitus der ()scidatii Guer. sehr ähnlich, aber schmäler 
bei lilcicljcr Liin^^c und in der Zeiclinung und Punktierung ganz 
verfichiedcn. 

krcisrniid, , liiiigliclirmid, sehr stark, oberscits hicknrtig 
glänzend, Hchwarz, zw(!i große, schräg ovale Flecken auf dem ilals- 
Bchildc, fUnf große Flecke auf jeder Flllgeldecke, je ein solcher 
Fleck auf 'den Iliriterhilften, die Mitten der Sclieidu^l und je ein 
(\\\c\('Y Kh'ck l)(;i(lerH(;itK auf d(;ii Ab(lomiiials(5gm(Miten miiiiumrot. 
\ Oll (l( II Flecken auf den Flllgehh^cken Hiehen drei runde hinter- 



Beschreibung- neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 89 



einander neben der Naht, zwei elliptische, schräg nach innen und 
hinten gerichtete teils auf dem Seitendache, teils auf dem äußeren 
Teil der Scheibe; der erste, kleinere hinter der Schulterbeule, der 
zweite, größere, in der Mitte zuweilen eingeschnürte und daher wie 
aus zwei Flecken zusammengeflossen erscheinende knapp hinter der 
Mitte. Die Flecke des Seitendaches sowie jene auf dem Halsschild 
sind auch unterseits sichtbar. Fühler sehr schlank, die äußeren 
sechs Glieder etwa 2 — 3 mal so lang als dick. Halsschild dem 
von C. Osculaüi ähnlich gebildet, mit leicht aufgebogenem Seiten- 
rand; in der Mitte glänzend mit eingegrabener Mittellinie und beider- 
seits derselben mit einem eingestochenen Punktgrübchen; dicht 
chagriniert, äußerst fein und zerstreut punktuhert, an den Seiten 
matt. Die Flügeldecken glänzend mit sehr zerstreuten Gruben- 
punkteU; daneben mit sehr feinen, in der Chagrinierung fast ver- 
schwindenden, ebenfalls sehr zerstreut stehenden Pünktchen, welche 
ganz kurze gelbe Härchen tragen, die besonders gegen die Spitze 
deutlich sind; das Seitendach viel weniger flach ausgebreitet als 
bei C. Oscidaüi, undeutlich quer-gerunzelt. Prosternum vorne mäßig 
ausgerandet, daneben beiderseits in zwei kurze, stumpfe Spitzen 
ausgezogen, hinter der Spitze seicht quer eingedrückt, an der Unter- 
seite abstehend spärlich behaart. 

10. Über die Gattung Calaspidea Hope und verwandte 
Gattungen. 

Die bisher in das Genus Calaspidea eingereihten Arten ge- 
hören zweien, durch die Bildung der Tarsen, des Prosternums, des 
Halsschildes und der Fühler sehr verschiedenen Gattungen an: 
(Maspklea Hope und Agemjsa m. (nov. gen.). 

Bei Calaspidea, als deren Typus von Hope die Cassida 
grossa F. betrachtet wurde, sind die Tarsen sämtlicher Beine breit, 
flachgedrückt oder an der Oberseite sogar beiderseits etwas konkav, 
matt, rauh chagriniert, mit einzelnen sehr kurzen gelben Börstchen 
besetzt; das zweite und dritte Glied sind nach außen flügelartig 
erweitert, die Flügel fast so breit als (ohne Stiel) lang, die des 
dritten Gliedes nach der Basis stark geschwungen verengt; die 
Borstenkränze der Sohle treten über die Oberseite nicht hinaus und 
sind daher von oben nicht oder kaum sichtbar. Das Klauenglied 
ist auf dem Rücken in der Mitte fein längsgefurcht, beiderseits 



90 



Franz Spaeth. 



winkelig erweitert, an der Spitze breit abgestutzt und kapuzenartig 
über die Klauen übergezogen, so daß diese von oben gar nicht 
oder nur wenig sichtbar sind; jede Klaue trägt an der Basis einen 
breiten Lappen, der zahnförmig vorspringt. Das Prosternum bildet 
eine schmale, oben verrundete Kante und ist auch hinten kaum 
verbreitert und hier niemals gefurcht oder vertieft. Die Fühler sind 
dick, walzenförmig, die einzelnen Glieder schließen eng und ohne 
sichtbare Stiele aneinander an ; das dritte Fühlerglied ist stets etwas 
länger als das vierte. 

Agenijsa m., als deren Typus die Cassida discors Oliv, (cae- 
demadeus Licht.) zu betrachten sein wird, hat viel schlankere, 
glänzendere, oberseits gewölbte, mit langen Tastborsten besetzte 
Tarsen; die Flügel des zweiten und dritten Tarsenghedes sind 
schmal, vielmals länger als breit^ die des dritten Gliedes sind nach 
außen nur sehr schwach und in leicht geschwungener Linie er- 
weitert; die Wimperkränze der Unterseite treten weit vor und sind 
daher von oben gut sichtbar; das Klauenglied ist schlanker, nach 
außen nicht winkelig erweitert, oben nicht fein gefurcht, höchstens 
breit flach eingedrückt, an der Spitze weniger kapuzenartig er- 
weitert, kaum über die mit einem breiten kräftigen Basalzahn 
versehenen Klauen vorgezogen. Der Prosternalfortsatz ist an der 
Spitze stets verbreitert, nicht dachförmig, sondern flach und stets 
mit einer seichten Längsgrube. Die Fühler sind schlanker, die 
einzelnen Glieder lockerer und mit kurzen Stielen aneinander ge- 
reiht; das dritte Glied ist nie länger als das vierte. 

Auch in der Form des llalsschildes ist vigenysa von (kdaspldea 
verschieden. Bei yirjntysa ist derselbe quer rechteckig oder selbst 
quer verkehrt trapezförmig, etwa zweimal so breit als lang; die 
größte B>reite liegt stets vor der Mitte, die Kopfausrandung ist 
deutlich g(!buclitet; die Vorderecken sind wohl verrundet, aber in 
der Anlage vorlianden; der Seiten und der Vorderrand (mit Aus- 
nahmen der KopfauKbuchtiingi sind fein gerandet. liei ('(drtsjndrff, 
sind zwei 1 lan))ttorm(!n des ilalsscdiildes zu unterscheiden; beiden 
ist gemeinsam, daß eine Handung des Vorder- und Seitenrandes 
fehlt. Die gewöliidichc IIaiiptr()nu ist die einer (juer lieg(Miden 
Scheibe, 'J'/^^nial ho hreit als huig, mit vollständig verrundeten, 
auch nicht ang<;dcuteten Seitenecken; die größte Breite liegt in der 



Beschreibimg neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 91 



Mitte; ober dem Kopfe ist die Scheibe aufgebog-en und erscheint 
hierdurch, von oben gesehen, schwach ausgerandet. Diese Hals- 
schildform besitzen die meisten Calaspidea -Arten. Bei C.columhuma 
Boh. und nach Baly (Trans, ent. Soc, 1872, p. 61) auch bei den 
mir unbekannten C. alurna Westw. und C. contacfa Baly besitzt 
der Halsschild deutliche recht- oder stumpfwinkelige Hinterecken, 
die jedoch meist unter der Schulterecke verborgen sind. Der des 
$ ist breiter, jenem der anderen Calasjndea -Arten ähnlich, jedoch 
sind die Yorderecken viel stärker verrundet und die größte Breite 
ist mehr nach hinten gerückt; beim o' ist der Halsschild viel 
schmäler, kreissegm entförmig, nahe der Basis am breitesten, schmäler 
als bei den anderen Arten, nur 1^2 mal so breit als lang. 

C. columhiana weicht übrigens auch durch spitzere Zähne der 
Klauen und durch andere Rückenwölbung der Flügeldecken ab. 
Während bei anderen Arten die höchste Erhebung in der Mitte 
der Flügeldeckenlänge, also weit hinter der Körpermitte liegt und 
steil nach hinten abfällt, ist sie bei C. columhiana weiter vorne, 
bald hinter dem Schildchen, in der Körpermitte, also an jener Stelle, 
an der sich bei vielen Cassiden der Höcker befindet. Der Abfall 
ist sanft gewölbt, weniger steil, das Seitendach an der Spitze breit 
abgesetzt. Durch diese Merkmale unterscheidet sie sich insbesonders 
auch von der ihr im Aussehen sehr ähnlichen C. Bacchus Baly, von 
der mir durch die Herren Dr. Staudinger und Bang-Haas eine 
Anzahl Exemplare aus Marcapata in Peru vorliegen; bei dieser fällt 
die Wölbung nach hinten steil in gerader Linie ab, der höchste 
Punkt Hegt hinter der Körpermitte, das Seitendach ist an der Spitze 
schmäler abgesetzt, der Halsschild wie bei C. grossa gebildet. 

Von den bisher beschriebenen Arten gehören zu Ägenysa: 
caedemacleus Licht., comiectetts Baly, pareUina B., Desmaresü Boh., 
guianensis B., ferner wahrscheinlich die mir unbekannte signati- 
collis B. Die übrigen Arten bleiben bei Ccdasjnclea. 

Durch die Klauenbildung nähert sich C. columhiana dem Genus 
Miocalasjns Weise (Archiv f. Naturg., 1899, S. 270), bei dem die spitz- 
winkeligen Klauenzähne fast die halbe Länge der Klauen erreichen. 
Miocalasxm stimmt im übrigen in Hinsicht der Tarsenbildung mit 
Agemjsa m., dagegen bezüglich der Bildung der Fühler, des Pro- 
sternums und des Halsschildes mit Calaspidea überein. Charakte- 



92 



Franz Spaeth. 



ristisch ist für diese Gattung auch die Behaarung des Prosternal- 
fortsatzes. In der einzigen bisher beschriebenen Art, Miocalaspis 
conspersa Weise (Archiv f. Naturg., 1899, S. 270), welche in Peru 
(Canchomajo) und Bolivia (Yungas de la Paz) nicht selten ist, glaube 
ich die Cyrfonofa gentüis Erichs. (Mesomphalia Boh.) wieder zu 
erkennen. Die Worte Erichsons: „elytris posterius fornicatis^ 
weisen ganz entschieden auf ein Calaspidea -siYÜgeB Tier, nicht aber 
auf eine Mesomplialia hin; auch sonst paßt die Beschreibung gut 
auf die Weise 'sehe Art. Da sich die Type Erichsons im Berhner 
Museum befinden soll, dürfte es Herrn Weise möglich sein, die 
Stichhältigkeit meiner Ansicht zu bestätigen. Die Synonymie hat 
sonach zu lauten: Miocalaspis genülis Er. = Mioc. conspersa Ws., 
Cyrt. gentilis Er., Mesomph. genfilis Boh. 

Zwei andere Miocalasjns -Arten sind: 

Miocalaspis biplagosa nov. spec. 

Verkehrt dreieckig, hoch gewölbt, oben mäßig, unten stärker 
glänzend; Unterseite und Fühler schwarz, Oberseite stahlblau, mit 
je einer großen gelben Makel in der Mitte des Seitendaches der 
Flügeldecken; dieselbe ist vorne und innen abgestutzt, außen und 
hinten gerundet und nimmt mit Ausnahme eines schmalen Außen- 
randes die ganze Breite des Seitendaches ein; sie bildet ein breites, 
sehr wenig überhöhtes Netzwerk, in welchem 8 — 10 blaumetallische 
Punkte stehen; die Ränder sind durch die eintretenden Punkte 
unregelmäßig ausgezackt. 

llalsschild klein, quer, mehr als doppelt so breit als lang, 
mit verrundeten Ecken, ober dem Kopfe ausgcrandet, die Scheibe 
beiderseits mit einem flachen Eindruck, in der Mittellinie glatt, 
iiacli (1(11 Seiten zu, besonders in den Eindrücken allmählich stärker 
1111(1 (lichter ])niiktiiliert. Die Flügeldecken haben Aveit vorge- 
zogene Seliiilt(!re('keii und sind l)is zur Mitte, wo sie reichlich 
doppelt HO lireit ;ils der llalsschild sind, erweitert, dann in starkem 
P»ogen verengt und in eine gemeinschaftliche Spitze ausgezogen, 
oben stark gewicht; die höehste VVijlbung lic^gt hinter der Mitte, 
die l'rofillinic fällt Hcliräg und gerade zur schmalen Seitendaclispitze 
ab; die N;ilit ist dachförmig erhaben. Die Scheibe ist mit einem 
flaelKMi. müßig [»reiten, ziemlich grob punktierten, wenig glänzenden 
Netzwerk bedeckt, welches hinten verlischt, aber in der Mitte auch 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 93 



auf das Seitendacli übergreift; die eingeschlossenen Felder sind 
klein und matt. 

Von Miocalaspis gentilis Er. außer der anderen Färbung und 
Zeichnung durch höhere AVölbung, stärker dachförmig abfallende 
Naht, die Punktierung des Halsschildes, tiefere Ausrandung des- 
selben ober dem Kopfe usw. verschieden. 

Länge 15 mm, Breite 13*5 mm. 

Ein Q in meiner Sammlung aus Bolivia, Yungas de la Paz 
(Rolle). 

Miocalaspis latevittata nov. spec. 

Kreisrund, oben halb matt, seidenglänzend, unten glänzend; 
schwarz, nur das Seitendach der Flügeldecken mit einer nach hinten 
verschmälerten gelben Längsbinde; die Fühler ganz schwarz. Hals- 
schild quer, scheibenförmig; die verrundeten Ecken liegen im 
ersten Längsviertel vor dem Schildchen, von denselben verläuft nach 
vorne der Rand in schräger, fast gerader Linie bis zur Abstutzung 
ober dem Kopfe, während nach hinten der Halsschild zur Basis 
kurz verengt ist; die Entfernung der Ecken von der Basis ist kaum 
ein Drittel so lang als jene bis zur Abstutzung ober dem Kopfe. 
Die Scheibe ist matt, nur in der Mitte schwach glänzend, unpunk- 
tiert; vor der Basis an den Seiten ist je ein strichförmiges Längs- 
grtibchen. Flügeldecken an den weit vorgezogenen, fast spitz- 
winkeligen Schulterecken gut doppelt so breit als der Halsschild, 
sie erweitern sich noch ganz bedeutend bis zur Mitte und sind von 
hier in starkem Bogen verengt; die Basis ist in weitem Bogen 
ausgeschnitten, die Scheibe ist mäßig gewölbt, vor der Mitte am 
höchsten, matt und mit einem ziemhch flachen und breiten Ader- 
netz überdeckt, das an der Basis glatt, vom ersten Viertel an aber 
grob punktiert ist, hinten verschwindet und ziemlich große, äußerst 
fein und undeutlich punktierte Netzfelder einschheßt; die Naht ist 
glänzend, etwas erhaben. Das breite Seitendach ist am äußersten 
Rande von der Mitte bis zur Spitze aufgebogen, seine Oberseite ist 
im inneren Teile ziemlich fein und seicht punktiert, im äußeren 
glatt; die gelbe Längsbinde läßt die Basis, einen breiten Saum 
am Seitenrande und die Naht frei, außenseits ist sie regelmäßig 
begrenzt, innen aber einige Male sehr tief unregelmäßig ge- 
buchtet. 



94 



Franz Spaeth. 



Von 31. gentilis Er. außer der anderen Zeichnung in folgenden 
Punkten verschieden. Sie ist stärker, besonders breiter, die größte 
Breite des Halsschildes liegt nicht in der Mitte, seine Ecken sind 
nicht unter der Schulter wink el der Flügeldecken verborgen; die 
höchste Wölbung der letzteren liegt vor, bei den anderen beiden 
Arten aber hinter der Läugsmitte, das Seitendach ist breiter, am 
Rande aufgebogen, hinten weniger spitz ausgezogen; die Retiku- 
lation der Scheibe ist viel kräftiger. 

Länge 19 mm, Breite IS'b mm. 

Ich kenne von dieser Art nur ein von R. Haensch in Santa 
Inez (Ekuador) gefangenes Stück aus der Sammlung des Herrn Dr. 
Ottokar Nickerl. 

Agenysa crassicornis nov. spec. 

Größer und breiter als Ä. caedemadeus, oberseits mit Ausnahme 
der ziemlich breiten gelbroten Randung beiderseits des Kopfes ein- 
färbig dunkel olivengrün, unterseits schwarz, die Basis der Fühler 
mehr minder rötlich. Die Fühler dicker als bei den anderen Arten; 
der Halsschild nach hinten verengt, ober dem Kopfe ziemlich tief 
ausgerandet, die Vorderecken weit verrundet. Die Scheibe der 
Flügeldecken mit Ausnahme der Spitze sowie das Seitendach außer 
an der Basis und Spitze gleichfärbig, leicht erhaben genetzt, die 
Netzung schmal, oben glatt, an ihren Seiton grob punktiert, die 
eingeschlossenen Felder sehr dicht chagriniert und mit sehr feinen 
eingestochenen Punkten sparsam bestreut. Auf dem Seitendach ist 
die Netzung ßacher und breiter; dasselbe ist in der ganzen Aus- 
dehnung ieistenförmig gerandet. Das ist breit verkehrt dreieckig, 
Iii Ilten kurz verrundet, das V bedeutend länger und verhältnismäßig 
sclihmker, hinten mehr zugespitzt. 

r/: Länge \b-b mm, Breite ]4mm; 9: Länge 17*;')— 18 mm, 
Breite 14-7 — H) mm. 

Ich b(;sitze A. craffsicornis in Mehrzahl ans Kolumbien dnrch 
die Herren Dr. Staudinger und liang-Ilaas, fern(!r aus Brasilien 
ohn(; nähere; Fundortangabe; von K. Haensch bei Archidona und 
Coca in Kkuador gefangene StIIcke (coli. Dr. Dohm) zeigen an 
finzclnen AuHliiuf(;rn der Netzung auf dem Sf'it(;n(ia('lie eine ganz 
niiniiiiale Neigung zum Rufinismus. 



Beschreibung neuer Cassididen nebst sj^nonymischen Bemerkungen. V. 



95 



11. Pseudomesomphalia Brunni nov. spec. 

9. In die nächste Verwandtschaft der bekannten Fs. im- 
pluviata Mnnh. gehörend und mit derselben in Größe und Höcker- 
bildung-, mit Ps. clialyhaea in der Färbung und Punktierung der 
Oberseite übereinstimmend. Eiförmig, hinten zugespitzt, mäßig 
gewölbt, sehr schwach und stumpf gehöckert, metallisch blaugrün, 
oben matt, unten glänzend, die äußeren sechs Fühlerglieder und 
die Tarsen schwarz. Halsschild hinten mit Ausnahme des Basal- 
lappens abgestutzt, die Hinterecken stumpfwinkelig, nicht scharf; 
die Seiten nach vorne schwach erweitert, dann sehr schräg kon- 
vergierend, der Vorderrand sehr wenig ausgerandet; die breiteste 
Stelle liegt weiter nach rückwärts und der Basis viel näher als 
bei den beiden verglichenen Arten; Vorder- und Seitenrand leicht 
aufgebogen, Scheibe nahezu glatt. Flügeldecken und Seitendach 
fein und ziemlich dicht punktiert, ohne Spuren von Grübchen; je 
eine dreieckige Makel im Basaldreieck und eine breite Binde gelb- 
filzig behaart; die letztere beginnt hinter der Schulterbeule, läuft 
neben dem Außenrande der Scheibe bis zu zwei Drittel der Flügel- 
deckenlänge und ist innen sehr schwach ausgebuchtet. 

Länge 13 mm, Breite 12 mm. — Brasilien: Sao Paulo. 

Ein 9 in der Sammlung des Hamburger Museums, von Herrn 
Direktor Dr. v. Brunn zur Beschreibung freundlichst mitgeteilt. 

12. Pseudomesomphalia lugens nov. spec. 

rotundata, 9 ovata, modice convexa, stibkis nigra, nitida, 
supra o])aca, nigrocoemlea vel nigroviridis, antennarum hasi rufo- 
testacea, elytris macidis nonnullis irregularihtis alhoflavis; protliorax 
hrevis, hasi diiplo (d") vel dimidio (^) longihidine latior, apice sat 
angustatiis, suhlaevis; elytra leviter gibhosa, hasi impressa, hreviter 
Xnlosa, suhtilissime, aequaliter sat dense puncttdata. 

cT: Long. 13—15, tat. 11-7—13 mm; 9: Long. 16' 5— 17-5, 
lat. 12' 6 — 18' 5 mm. — Coli. SpaetJi: Bolivia, Yungas de la Fas 
(Piolle); coli. Clavareau: Feruvia, Canchomajo (Schneider); Mus. 
Illing.: Feruvia, Marcapata (Dr. Standing er). 

In die Gruppe der Fs. hipustidata L. gehörig, annähernd von 
derselben Körperform, aber größer; oben blauschwarz wie Fs. Erkli- 
soni Ws. oder schwarzgrün, matt; unten schwarz, glänzend. Der 
Halsschild sehr spärlich und kurz, die Flügeldecken schräg ab- 



96 



Franz Spaeth. 



stehend, etwas länger und viel dichter, kurz geschoren greis be- 
haart; die Härchen entspringen aus kleinen Pünktchen, die in der 
dichten, nicht feinen Chagrinierung nur schlecht wahrnehmbar sind. 
Halsschild klein, nahezu halbkreisförmig, ohne Andeutung von 
Vorderecken, ober dem Kopfe ziemlich tief ausgeschnitten, der 
Rand des Ausschnittes an den Seiten rötlich; die rechtwinkeligen 
Hinterecken treten als kleine Zähnchen nach hinten vor. Die 
Flügeldecken an der Basis beim cT etwa zweimal, beim 9 gut 
1^2 mal so breit als der Halsscliild, sehr stumpf und schwach ge- 
höckert, im Basaldreieck eingedrückt, die vom Höcker zu den 
Hinterecken des Halsschildes abfallenden Kanten des Basaldreieckes 
nur nächst dem Höcker deutlich, nicht durch Querrunzeln unter- 
brochen; die Naht glänzend, etwas erhaben. Auf jeder Flügel- 
decke sind einige unregelmäßige Flecke weißgelb geblieben, ohne 
Pigment; nämlich: 1: klein, neben dem Höcker nahe der Naht; 
2: ebenso, mehr hinten, in der Quermitte der Scheibe; 3: hinter 2, 
im zweiten Längsdrittel, größer, sehr unregelmäßig, schräg; 4 und 5: 
auf dem Seitendach, im ersten und zweiten Drittel der Länge, der 
vordere kleiner, der hintere größer; alle, besonders 3 und 5 oft in 
einzelne Flecken aufgelöst. 

Beim sind die Flügeldecken von der Basis an schräg er- 
weitert, am Ende kurz dreieckig zugespitzt; die hierdurch gebildete 
Ecke des Seitendaches ist etwas mehr verrundet als bei den 
von hqmstulata; die 9 sind ähnlich den 9 von bipustulata, viel 
länger und schmäler als die cf, an den Seiten weniger erweitert, 
hinten länger zugerundet. 

Die Fühler kurz und außen verdickt wie bei der verglichenen 
Art. Von dieser außer der Färi)ung durch tiefere Eindrücke im 
liasaidrcieck, d;«iin durch die viel feinere, gleichmäßige Punktierung 
und dichtere lichaarung der Flügeldecken, schmäleren und ver- 
häUnisniäßig längeren, nach vorne rascher verengten Halsscliild 
verHcliieden. 

Zw(M und 9 in meiner Sammlung von Bolivia, Yungas de 
ja l'a/.. vrMi ll(;rrn Bolle erhalten. In der Sammlung des Herrn 
Ciavarcau in rirüHKcl ein Stück von l'eru: Cancliomajo. Im 
ungariHclu-n Natifuiabnuscuni ein ' von Peru: Mnrcapata fDr. 
Staudingerj. 



Beschreibung neuer CassicUdeu uebst synonymischen Bemerkungen. V. 



97 



13. Poecilaspis Steindachneri nov. spec. et var. haema- 
ptera nov. var. 

c gerundet, i schwach eiförmig. Schwarz, die Basis der 
Fühler, die vordere Hälfte des Halsschildes und die Flügeldecken 
ziegelrot, die letzteren hei der Stammform mit Reihen sehr kleiner 
dunkler Grübchen, bei der Varietät eintarbig. Der Halsschild in 
der Mitte des Vorderrandes abgestutzt oder in stumpfem Winkel 
ausgerandet: die Hinterecken in der Anlage rechtwinkelig, aber 
verrundet, die Oberseite sehr fein chagriniert. in der Mitte etwas 
glänzender, an den Seiten matter, das Vordach, besonders an den 
Seiten, mit sehr zerstreuten und feinen Punkten besetzt; die schw^arze 
Färbung der hinteren Hälfte erweitert sich in der Mitte bogen- 
förmig. Schildchen schwarz. Flügeldecken viel breiter als der 
Halsschild, beim c kürzer und breiter als beim 5^ glänzend, samt 
dem Seitendache ziemKch grob, aber nicht sehr dicht punktiert. 

Bei der Stammform stehen die kleinen dunklen Grübchen in 
zahlreichen undeutlichen Reihen mäßig dicht sowohl auf der Scheibe 
wie auf dem Seitendache: die dazwischen liegenden Partien er- 
scheinen als sehr flache und breite Retikulierung. — Unterseite 
bis auf die roten Seitenmakelu der Abdominalsegmente schwarz. 

Das cf hat die Schulterecken nicht ausgerandet. 

cT: Länge 10-b nn/L Breite 9m)}i: 2: Länge 12-5 — Vdmm, 
Breite 9 — 9*5 min. 

Das Wiener Hofmuseum besitzt sowohl von der Stammform 
wie von der Varietät mehrere Pärchen, welche Herr Intendant Dr. 
Steindachner, dem ich mir erlaube, die Art zu widmen, mit 
anderen Koleopteren aus Agua-dulce in Kolumbien dem Museum 
zum Geschenke gemacht hat. 

Von P. nigrojyicta B.. wovon die Typen im Wiener Hofmuseum 
sind, durch breiter vortretende Schultern, stärkeren Glanz, gröbere 
Punktierung, kleinere, viel undeutlichere Makeln der Flügeldecken, 
andere Färbung des Halsschildes und der Unterseite verschieden. 
Der Rand des Seitendaches bleibt bei P. StelndacTinerl ganz rot, 
bei P. nigro2)kta dagegen reichen die schwarzen Makeln bis auf 
denselben. Von P. pohjsüda Boh. durch kleinere Gestalt, die Fär- 
bung des Halsschildes, nach hinten weniger verbreiterte, zerstreuter 
punktierte Flügeldecken, ^'on P. Boggianü m. (Ann. Mus. Genova, 

Z. B. Ges. Bd. LV. 7 



98 



Franz Spaeth. 



1900, p. 577) durch viel kleinere und schmälere Gestalt, nicht er- 
haben gerandetes, aufgebogenes Seitendach der Flügeldecken, nicht 
gerundeten Vorderrand des Halsschildes sowie andere Punktierung 
der Flügeldecken verschieden. 

14. Cistudinella rufitarsis nov. spec. 

eist notatae B. simillima, protedo elytrorum laevi, scutello 
2)lerumqtie fermgineo, tarsis tibiisque rufis; stibroümdata, 9 ovata, 
modice convexa, nitida, rufotestacea, antennis extus, prosterno pectore- 
(ßie nigris, dbdomine niyromaculato ; elytris mediocrlter punctato- 
striatis, singtdo mamlis nonmdlis in series ducis coUocatis nigris. 

cT; Long. 6 — 6' 5 mm, lat. 4'5 — 5 mm; 9-* Long. 7' 5 — 8' 5 mm, 
lat. 5 — fromm. — Mtis. Viennens.: Brasilia (a dorn. Natter er co- 
piose coli.); Mus. Bnixell.: Brasilia; Coli. Spaeth: Brasilia. 

Unter Cistudinella {Clielymorpha Boh., vgl. Spaeth in diesen" 
„Verhandlungen", 1898^ S. 277) notata Boh. dürften vielfach zwei 
äußerst ähnliche Arten konfundiert sein: 

a. Cistudinella notata Boh. : Seitendach der Flügeldecken 
punktiert (bald nur mit einigen Punkten besetzt, bald dicht 
punktiert oder mit einer Punktreihe neben der letzten Reihe || 
der Scheibe), Schildchen schwarz^ Tarsen mit Ausnahme der 
Basis des Klauengliedes gebräunt oder schwarz, Schienen außen 
schwärzlich oder pechbraun. 

ß. Cistudinella rufitarsis m. : Seitendach glatt, Schildchcn 
wenigstens an der Basis rötlich, Tarsen und Schienen rot. 
Eine Ausnahme hiervon bilden nur ein und ein 9 ^ies 
Wiener Museums, ebenfalls von Natterer gesammelt, bei denen 
das Schildchen ganz schwarz ist, die aber wegen des glatten Sciten- 
daches und der hellen Tarsen zweil'ollos zu rufitarsis gehören. 

Pjcide Arten stimmen im übrigen im Umriß, in der sonstigen 
Körperbildimg und in (l(!r Zeichnung vollkommen libercin und 
variieren in gleicher Weise in der Kin-pergröße, Färbung des Ab- 
domens sowie in der Zahl und (Jn>ße der Fliig(!l(l(!('Uenmakeln; 
Bohcman zäblt von letzteren anf jcjdem Ueckschilde 5 — 7; es 
kommen Jedocli bis zu acht vor, nändicli auß(T den von IJolieman 
angegcbencMi noch eine fllnft(; in der iiußeren Keilie. Die cT haben 
im allgemeinen nieiir und größere Makeln als die V- i^ci 



Beschreibung: neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 99 



tams sind häufig" die Flüg-eldecken gröber punktiert-gestreift und 
das Abdomen ist ausgedehnter rot als bei C. notata. 

Bohemans Beschreibung kann nur auf die hier als C. notata 
bezeichnete Art bezogen werden, da er die pechschwarzen Tarsen 
ausdrücklich erwähnt; das Schildchen wird in der Diagnose ,,nlgri(m'', 
in der Beschreibung aber .,rufotestaceiim" , das Seitendach in ersterer 
y,ol)solete jmnctatum^' , in letzterer „laeve'' genannt; es scheint ihm 
also auch C. rufitarsis vorgelegen zu haben. 

Beide Arten kommen in Brasilien vor, nähere Fundortsangaben 
fehlen aber. 

Das von Boheman anmerkungsweise als fragliche neue Art 
erwähnte Stück aus dem Wiener Hofmuseum ist ein großes 9 von 
C. notata. 

15. Cistudinella lateripunctata nov. spec. 

Plus (^) mlnusve (d^) ovata, nitida, convexiiisctda, hrunnea, 
elytris pundis fimäo piceis aulatis, antennis apice nigris: protliorax 
fere semicircularis, angtilis j^osticis retrorsum productis acutis, supra 
suhtiliter minus dense piinctulatus, ante hasin medio leviter trans- 
verso-impressiis, loho hasali non inflaio; elytra protJiorace haudlatiora, 
medio vix ampliata, aequaliter eonvexa, sat profunde striatopunc- 
tata, interstitiis suhplanis, suhtilissime punctulatis, protecto profunda 
sat crehre punctato. 

d latior, protliorace hreviore, laterihus magis rotundatis. 

cf: Long. 7 mm, lat. 5 mm] 9- Long. 8' 3 mm, lat. 5 mm. — 
Hah.: Coli. Spaetli: Uruguay (d"), Paraguay ('^); Mus. Genucus: 
Piepuhlica Argentina, Pesistencia (Balkan, 188.) (2 Q). 

Der C. ohdticta B. sehr ähnlich, aber kleiner und viel schmäler, 
besonders das 9 viel schlanker, seitlich stärker gewölbt, mit etwas 
feineren, weniger dichten Punktreihen und flacheren Zwischen- 
räumen; vor allem aber durch die grobe Punktierung des schmä- 
leren, steiler geneigten Seitendaches der Flügeldecken verschieden. 
Rotbraun, die letzten fünf Fühlerglieder schwarz. Der Halsschild 
beim d viel breiter als beim 9, bei ersterem fast doppelt so breit 
als lang, beim 9 um die Hälfte breiter; beim cf sind die Hinter- 
ecken etwas weiter von einander entfernt als die gegenüberliegenden 
Schulterecken, der Halsschild erscheint daher breiter als die Basis der 
Flügeldecken. Seiten- und Vorderrand sind in einem gleichmäßigen 

7* 



100 



Franz Spaetli. 



Bogen gerundet, die Ränder von der UDmittelbar ober den sehr 
schwach eingezogenen Ecken gelegenen größten Breite an sofort zu- 
sammenlaufend. Beim 9 sind die Hinterecken schwächer eingezogen, 
von einander so weit entfernt als die gegenüberliegenden Schulter- 
ecken, die Rundung ist vorne stärker als an den Seiten, welch 
letztere daher anfangs w^eniger schnell nach vorne verengt sind. Die 
Oberseite, vor dem Schildchen flach quer eingedrückt, ist überall, 
besonders vorne über dem Kopfe ziemlich fein zerstreut punktiert, 
Basallappen nicht beulig aufgetrieben. Flügeldecken beim cT 
nicht ganz zweimal, beim 9 2^/3 mal so lang als der Halsschild, mit 
stumpfen, verrundeten Schulterecken, zur Mitte beim d" kaum, 
beim 9 schwach erweitert, ohne Spur einer Höckerbeule. Die mit 
dunkelbraunen Höfen versehenen Punkte in den Reihen stehen 
spärlich^ meist gruppenweise zu zwei und drei, sind grob und tief, 
die inneren und besonders die hinteren viel feiner; die Zwischen- 
räume flach, sehr fein chagriniert und mit zerstreuten feinen 
Pünktchen besetzt. Der erste Streif ist hinten furchenartig vertieft. 

C. apiata ist durch die stumpf gehöckerten Flügeldecken^ die 
grübchenförmigen Vertiefungen und groben Punktstreifen auf den 
Deckschilden, viel kürzeren und breiteren Halsschild mit beuligem 
Basallappen usw. weit verschieden. 

1(3. Cistudinella peruana nov. spec. 

cT rotundata, 9 ooata, convexa, nitida, rufotestacea, antennis 
r/xt/rorsum, prosterno, pectore, ahdomine(iue nigris, hoc testaceo-mar- 
ginato; prothorax transversus, hasi latissimiis, antice late rotundatus 
(Q) vd suht/rmicaius (d), angulis posticis acuiis, retrorsum diictis, 
supra laevisi, loho hasali inflato; elytra, prothorace liaud latiora 
humeris ohUf/uis, tum pa/rum (^) aut sat (d) (xmpliata, suhgihhosa, 
hasi non rciiisa, disco nigro-scriatojmndata, jderumque niamla parva 
rommmd nigro-])icm ante medium; proiecto lacvi. 

(j : Long. lal. ii— 7'') mni; 9" Long. !l-r> - 10 mm, 

lat. (i'ft '7 mm. ( !oU. Sj)ar/h : Vcruvia, Marcapala (Dr. H lau- 
ding er): Hio 'l oro ( lloll(t). 

bif'it ;;('run(l('t, 9 cifijrmig, «glänzend braungclb, Kopf und 
\W\\\c hiMiin. (Ims l'rostcrnuni, die liriiKt, (i(!r llinlcrh'jb mit Aus- 
iialiiiif' des letzten Stcrnitrs und der Audenränder dcM* vorliorgehen- 
deii. dann die |"iil)lei- vom vierten (iiied an schwarz. llalHSchild 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 101 



sehr kurz, mehr als doppelt so breit als lang-, beim 9 von den 
spitzwinkelig* nach hinten vortretenden Ecken nach vorne gleich- 
mäßig gerundet, beim d" von den v^^eniger spitzwinkeligen Ecken 
nach vorne zuerst fast parallel^ dann in sehr flachem Bogen gerundet; 
Oberseite glatt oder sehr fein punktiert, der Lappen vor dem 
Schildchen besonders beim beulig aufgetrieben, oft heller rotgelb. 
Flügeldecken an der Basis so breit als die Halsschildbasis, die 
Schulterecken sehr stumpfwinkelig, hinter die Basis etwas zurück- 
tretend, schräg abgestutzt^ die Seiten bis zur Mitte beim o stärker, 
beim 9 schwächer erweitert, zur Spitze beim breit verrundet, 
beim 9 mehr zugespitzt. Die Oberseite hoch gewölbt, nicht deutlich 
gehöckert. die einzelnen Deckschilde gleichmäßig gewölbt, ohne 
grubenförmige Eindrücke, mit ganz regelmäßigen, rückwärts feineren 
Punktreihen, deren Punkte ziemlich tief eingestochen, meist voll- 
kommen rund, im Grunde schwarz sind; die Zwischenräume der 
Punktreihen ganz flach; an der Höckerstelle befindet sich meist 
eine größere gemeinschaftliche schwarze Makel, die jedoch, besonders 
beim 9, oft auch klein oder wischartig wird oder ganz verschwindet. 
Das Seitendach ist spiegelblank, schräg abgesetzt. 

C ist u (Ii Hella cqnata B. ist von der neuen Art durch schmäleren 
Halsschild mit weniger spitzwinkeligen Hinterecken, oben nicht 
gleichfönnige Wölbung der Flügeldecken, weniger regelmäßige 
Punktreihen mit gröberen, aber flacheren, weniger runden Punkten, 
grubenförmige Eindrücke auf den Deckschilden (einem runden 
zwischen der dritten und vierten Reihe in der Mitte, einem lang- 
gestreckten zwischen der fünften und sechsten Reihe), grob punk- 
tiertes Seitendach, helles Abdomen usw. verschieden. C. ohdiicta B. 
unterscheidet sich durch andere Form von Halsschild und Flügel- 
decken und hierdurch begründete mehr parallele Gestalt, gröbere 
Punktreihen mit gewölbten Zwischenräumen, den Mangel der Beule 
auf dem flalsschildlappen sowie des gemeinsamen Fleckes an der 
Höckerstelle, andere Färbung der Unterseite usw. 

Am nächsten verwandt der C. periiana dürfte die mir un- 
bekannte, nach nur einem beschriebene C. foveolata Champ. 
(Biol. C. A., VI, p. 165, PI. 8, Fig. 8) aus Panama sein. Ich kann 
jedoch meine Art nicht darauf beziehen, da C. foveolata schmäler 
zu sein scheint, der Halsschild nur zweimal so lang als breit sein 



102 



Franz Spaeth. 



soll und nach Champion der Halsschild und die Flügeldecken in 
fortlaufender Linie gerundet sind, während sie bei C. pernana 
deutlich in einem einspringenden Winkel zusammenstoßen; auch 
würde Champion die auffällige Beule auf dem Basallappen sowie 
die gemeinsame Makel nächst der Höckerstelle jedenfalls erwähnen, 
wenn sie sich bei C. foveolata finden würden. 

17. Cistudinella plagicollis nov. spec. 

cT rohmdata, comexiuscula, nitida, subtus nigra, clypeo, hasique 
antennarum testaceis, supra lurida, elytrorum disco satiiratiore, 
scutello, sutura marginihusque nigris, prothorax piceo-himacidatas, 
transversus, semicircularis, angulis posticis acutis retrorsum pro- 
mimdis, hast medio leviter transverso-impressus, suhtilissime punctu- 
latus, protecto laevi; elytra non gihhosa, mediocriter seriatopunctata, 
punctis non infuscatis, interstitiis planis, subtilissime punctulatis; 
protecto laevi, reticulato. 

Long. 8 mm, lat. 0'7 mm. — Coli. Spaeth : Feruvia, Chancha- 
majo (Schneider). 

cj" gerundet, mäßig gewölbt, stark glänzend; Unterseite schwarz, 
mit Ausnahme des Kopfschildes, der Spitze des ersten und des 
2. — 4. Fühlergliedes, welche gelbrot sind; Oberseite trüb rötlicbgelb, 
die Scheibe der Flügeldecken gesättigter orangegelb, der Seiten- 
und Basalrand des Halsschildes, der Basal- und vordere Seitenrand 
der Flügeldecken sowie die Naht schmal schwarz gesäumt, das 
Scliildchen schwarz, zwei größere Makeln an der Iksis des Hals- 
schildes vor dem Schildclien sowie der Basalla])pcn ])cchschwarz. 
Halsschild quer, mehr als zweimal so breit als lang, der Hinter- 
rand ))eidcrscits zweimal ge})uchtet, die Hintcrwinkel sehr spitz 
iiacli liintcn vortretend, die Scitenränder von denselben an nach 
vorne mäßig verengt, der Vorderrand abgestutzt, die Scheibe flacli, 
sehr zerKtrcut fein ))unktiert, vor der l>asis hnclit (juer eingedrückt, 
der liasallappen niclit beulig aufgetrieben, das Vordach glatt, durch- 
scljcinend n'tikuli(;rt. Fl ügeldeck(;n an der lUisis kaum l)reiter 
alK d(;r HalsHcliild, fein schwarz krenuliert; die Schullerecken sehr 
Htumpfwinkcilig, schriig abgestutzt, weiter nach rückwärts liegend 
alH die Hasis. Die Seiten zur Mitt(! mäßig erweitert, zur Spitze 
breit verrnndef; die Scheibe gleichmäßig gc^wölht, ohne Huckel und 
ohne Kindrileke, mit mäßig feinen, aber aus sehr weit von ein- 



Beschreibimg neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V, 103 



ander entfernt stehenden Punkten gebildeten Punktreiben, die 
Punkte nicbt geböft und nicht dunkler als ihre Umgebung-, die 
Zwischenräume ganz flach, zerstreut punktuliert; die neunte Reihe 
bis zur Seitendachbrücke und die 10. in der ganzen Ausdehnung viel 
dichter als die inneren. Seitendach glatt, durchscheinend retikuHert. 

Von allen anderen Arten durch die Färbung und die eigen- 
ttimHche Punktierung der Flügeldecken verschieden; in der Körper- 
form der C. peruana am nächsten, der Halsschild ist aber an den 
Seiten gleichmäßiger verrundet, hat keine Basalbeule und die Flügel- 
decken sind gleichmäßig gewölbt. 

18. Charidotis fulviventris nov. spec. 

BoUinäata, valde convexo, supra hirida vel testacea annulo 
maximo usqiie ad apicem extenso nigro, suhtus fulvofJava, capite, 
prosterno, pectore, trochanteribusque nigris; protlwrax sidjellipticus, 
disco suhtilissime punctidatö, elytra hasi prothorace liaud lafiora, 
regulariter suhtiliter striatopundata, interstitiis latis laevilus, protedo 
deflexo laevi. 

Long. 6 mm, lat. ö'ö mm. — 3Ius. dv. Stettinens.: Brasilia, 
Bahia; Mus. Brüx.: Brasilia; Coli. Spaetli: Columhia. 

Vom Aussehen einer Charidotis hidnda B., aber viel größer, 
ohne schwarze Naht und mit anderer Kopfbildung. Kreisrund^ 
hoch gewölbt, mit vorne geradlinig ansteigendem, hinten konvexem 
Profil, glänzend, oberseits ocker- oder strohgelb^ mit einem dem 
Halsschild und den Flügeldecken gemeinsamen großen, ziemHch 
kreisförmigen schwarzen Bing, unten gesättigt gelb, der Kopf 
(außer Mundteilen und Fühlern), das Prosternum, die Vorder- und 
Mittelbrust und die Trochanter der gelben Beine schwarz. Fühler 
sehr lang und kräftig, das zweite Glied kurz, kaum länger als dick, 
das dritte nicht einmal halb so lang, das 4. — 10. lang gestreckt, 
gut dreimal so lang als dick^ das 11. noch länger, zugespitzt. 
Stirn e sehr schmal, die großen Augen daher sehr genähert, Kopf- 
schild dreieckig, sehr spitz, gegen die Fühlerwurzel stark verengt 
und leicht ansteigend, oben glatt mit einem weiten Längseindruck. 
Halsschild kurz, querelHptisch, mit schmalen, aber vollständig 
verrundeten, in der Längsmitte liegenden Seitenecken; Scheibe 
gewölbt, fein zerstreut . punktuliert, vor dem Schildchen mit zwei 
divergierenden Schrägeindrücken, vom Vordache beiderseits durch 



104 



Franz Spaeth. 



eine seichte Querlinie abgesetzt. P^ltigel decken an der Basis 
scbmäler oder kaum breiter als der Halsschild. Scbulterecken kurz 
vorgezogen, spitz-, aber nicht scharfwinkelig; die Seiten bis zur 
Mitte erweitert, zur Spitze breit verrundet; hoch, etwas buckehg 
gewölbt, aber im Basaldreieck nicht eingedrückt; Scheibe mit neun 
mäßig feinen, schmalen Punktreihen, der 10. Streif ist aus tiefen, 
nur an der Spitze aus feineren Grubenpunkten gebildet. Zwischen- 
räume flach, vielmals breiter als die Punkte. Seitendach kaum 
weniger geneigt als die Scheibe, vorne mäßig breit, hinten leisten- 
förmig, oberseits glatt. Die ringförmige Zeichnung nimmt vom 
Halsschild die ganze Scheibe ein und ist vorne in gleichmäßigem 
Bogen gerundet, an der Basis der Flügeldecken reicht sie vom 
Schildchen, welches hell bleibt, bis zum 10. Punktstreifen, zieht 
sich dann auf das Seitendach hinüber, so daß von dem letzteren 
in der Mitte nur ein schmaler Saum gelb bleibt und der Innenrand 
des Ringes die achte Punktreihe erreicht, sie geht dann bis zur 
äußersten Spitze der Scheibe, hier nur die Randleiste freilassend. 

Prosternum zwischen den Vorderhüften breit, der erweiterte 
Fortsatz hinten gerundet. Klauen kräftig, ungezähnt, das Klauen- 
glied an der Spitze zahnförmig einspringend. 

Das 9 ist etwas schlanker als das cT; die Schulterecken der 
Flügeldecken langen nicht ganz bis zu den Halsschildecken und 
können sich nicht, wie beim cT, vollständig anschließen ; es entsteht 
daher ein kleiner einspringender Winkel, in dem das Ende der 
Basis des llalsschildes frei liegt. 

19. Cassida picta nov. spec. 

Kurz elliptisch, mäßig gcw<)ll)t, stark glänzend, rötlichgell) 
oder ziegelrot, mit etwas helleren Rändern der Oberseite, die Spitze 
des 1).. das 10. und 11. Fühlerglied sowie mehrere Makeln auf dem 
llalsschild und den Flügeldecken schwarz. Der dreieckigem Kopf- 
Hchild tritt iiixr die Mihlcrvvurzcil zapfcnförmig hoch hinaus und 
ist glatt. An den Fühlern ist das Tllied am längsten, das 4. 
nur wenig kürzer, die folgenden bis zum S. noch kürzer, das 9. 
und 10. wiedcT länger. Kaisschild schwach querelliptisch mit 
hinter der Längsmitte liegenden abgesturnpffen, unter den Schiiltcr- 
ccken versteckten Fcken; Vorder- und S(;it(;nrand sind geuHiinsam 
in keine Spur einer Ecke zcMgemnden IJogcn verrundet, stärker als 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 105 



der z\yeimal gebuchtete Hinterrand gebogen; Oberseite ganz glatt, 
das Vordach beiderseits durch eine tiefe Bogenlinie abgesetzt und 
aufgebogen, ober dem Kopfe nur seicht eingedrückt und schwächer 
aufgebogen ; am Basah'ande neben dem Schildchen zwei große runde 
schwarze Makeln, schräg außer denselben in der Mitte jeder 
Scheibenhälfte je eine kleinere, runde. Schildchen dreieckig, glatt, 
rot. Flügeldecken kaum um die Hälfte länger als breit, in den 
sehr stark verrundeten, wenig vorgezogenen Schulterecken deutlich 
(etwa um ^e) breiter als der Halsschild, zur Mitte kaum erweitert, 
an der Spitze breit verrundet; Basalrand stark gezähnelt, Scheibe 
gleichmäßig gewölbt, ohne Eindruck im Basaldreieck, regelmäßig, 
grob, aber wenig tief punktiert-gestreift, der 3. und 4. Streif vor 
der Mitte, der 5. und 6. hinter derselben, der 1. und 2. auf dem 
Abfall tiefer; die glatten Zwischenräume sind vielmals breiter als 
die Punktstreifen und schwach gewölbt. Die schw^arzen Makeln 
auf den Flügeldecken haben folgende Anordnung: zwei gemeinsame, 
die erste groß, spieß- oder herzförmig, nach hinten verengt, hinter 
dem Schildchen, die zweite an der Spitze, klein; je drei an der 
Basis, davon die erste auf dem Seitendache, groß, die zweite inner 
der Schulterbeule, ebenso groß, die dritte neben dem Schildchen, 
klein; ferner je eine längliche am Außenrande der Scheibe vor der 
Mitte^ eine runde hinter der Mitte neben der Naht, eine wenig 
kleinere runde hinter der vorigen und eine große quer auf dem 
rückwärtigen Seitendache und dem Außenteil der Scheibe; das 
Seitendach ist nur schwach geneigt, glatt, mäßig dick gerandet. 
Unterseite einfarbig, Klauen einfach, Prosternum leicht gewölbt, 
zwischen den Vorderhüften mäßig breit, nach hinten lanzettförmig- 
erweitert, mit seichtem Grübchen. Kopfröhre seitlich steil abfallend. 
Länge 7 mm, Breite 5*75 mm. 

Im Habitus den zur Verwandtschaft der Cassida 20-pimdata 
gehörigen Arten ähnlich, von denselben jedoch durch den schmäleren 
Kopfschild, näher stehende Augen, das wie bei Laccoptera gebildet« 
Ende der Kopfröhre, außen nicht längsgefurchte Schienen, stärker 
verrundete Schulterecken usw. verschieden. 

Madagaskar. Von Herrn Dr. 0. Nick er 1 in zwei Exemplaren 
zur Beschreibung mitgeteilt; das eine hiervon wurde für meine 
Sammlung gütigst überlassen. 



106 



Franz Spaeth. 



20. Cassida rugosicoUis nov. spec. 

Subrotundata, suhopaca, nifotestacea, articulk opicalihus anten- 
narum nigris, elytris dorso fernigineis, hrunneo-variegatis ; prothorax 
eUipticus, hasi leviter longitudinaliter aciculatus, apice minus crebre, 
sat fortiter pundatus; elytra prothorace dimidio laüora, humeris 
disfantihus subangidatis, valde convexa, hast retttsa ihique sutura 
elevata, ptrofimde pumctatostriata, Interstitiis 2^, 4^ et 6^ suhelevatis, 
ruga commtini rufotestacea dorscdi, nommllisque rugtdis discoidalihus 
itideni coloratis, protedo sat deflexo, rugtdoso. 

Long. (y5 mm, lat. rrSmm. — Coli. Spaeth: Madagascar (a dorn. 
Dr. Nickerl henev. commtm.), exempl. unic. 

Im Umriß schwach gerundet, die Flügeldecken fast triangulär, 
hoch gewölbt; gelbbraun, die vier letzten Fühlerglieder schwarz, 
die Scheibe der Flügeldecken rostrot mit braungelber Zeichnung. 
Kopfschild ganz flach, nahezu glatt, nur mit wenigen eingestochenen 
Punkten; die tiefen Stirnlinien entfernen sich an der Fühlerwurzel 
von den Augen und treffen nahezu geradlinig zusammen, wobei 
sie ein fast gleichseitiges Dreieck einschUeßen; die Fühler reichen 
bis zu den Halsschildecken, sind sehr Avenig nach der Spitze ver- 
dickt, die ersten sechs Glieder glänzend; das 2. etwas verdickt, 
doppelt so lang als breit, das 3. um die Hälfte länger, viel schlanker, 
das 4. kürzer als das 3., die folgenden an Länge nicht wesentlich 
verschieden, doppelt so lang als breit. Halsscbild quer elliptisch, 
um die Hälfte länger als breit, mit breit verrundeten, in der Längs- 
mitte liegenden Ecken; Oberseite fast flach, der innere Teil der 
Scheibe seicht längsgerunzclt; die liunzeln umschließen ein nahezu 
regelmäßiges liccliteck, das bis an den Vorderrand reicht und ebenso 
wie die Seiten grob, aber nicht tief und dicht punktiert ist. Flügel- 
decken um die Hälfte hreiter als der Ifnlsschild, an der Basis 
seicht ansg('schnitt(;n, mit mäßig vorgez()g(!ii(;n, aber seitlich weit 
iiixr die I lalsschildecken vortretenden, fast s])itzwinkeligen, nur 
an der iiiißcrsten Spitze abgcjstutztcn Schulterccken, von denselben 
bis zur Mitte schwach erweitert, dann breit verrmidet; die Scheibe 
hoch gewfilbt, im {»asaldreieck h(;iderseits der liinausgehobenen 
Naht tief eingedrückt, ab(n- ohnv, deutlichen llöeker, nach hinten 
in weiter lio^rcnlinie aljfallend. Mit Ausnahme d(;s grob verworren 
punktierten liaHaldn ieekcH regelmäßig und tief j)unkticrt-gestreift, 



Beschreibung- neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 107 

die schmalen Zwischenräume kielförmig. der 2. und — aber 
schwächer — der -4. und 6. höher erhaben. Von der Höckerstelle 
geht eine glänzende, erhabene, dicke, bräunlichgelbe Schwiele zum 
zweiten Kiel, gabelt sich dort und verläuft einerseits als Begrenzung 
des Basaldreieckes zur Basis, andererseits nach hinten auf dem 
zweiten und dritten Zwischenräume. Außer dieser Schwiele sind 
noch die Umgebung der Seitendachbrücke, eine schräge, vielfach 
unterbrochene, von der Schulterbeule zur Xahtmitte reichende Binde 
und eine zweite hinter dieser liegende, ebenfalls schräge Binde 
gelb und stärker schwielig. Seitendach ziemlich steil geneigt, un- 
deutlich runzelig punktiert. Unterseite einfärbig braungelb, Ab- 
domen grob punktiert. Prosternum zwischen den Vorderhiiften breit 
und flach, an der Spitze beiderseits sehr stark erweitert. Klauen 
einfach, winkelig gebogen, mit am Ende zahnförmig vorspringendem 
Klauenglied. 

21. Cassida pubescens nov. spec. 

Der vorigen nahe verwandt, aber, abgesehen von der anderen 
Färbung, durch die Behaarung der Oberseite, die Skulptur der 
Flügeldecken und stumpfwinkelige Halsschildecken verschieden; in 
Färbung und Zeichnung auffällig au Cassida fosfa Kl. erinnernd. 

Unterseite gelbbraun, die letzten vier Flihlergheder schwarz, 
Uberseite pechschwarz, der Vorderrand des Halsschildes, dann auf 
den Flügeldecken eine dreieckige Randmakel in der Mitte des 
Seitendaches, die Spitze sowie der äußerste Rand des letzteren 
weißgelb-hyaliuj je eine runde, undeutlich begrenzte Makel beider- 
seits des Schildchens sowie einzelne Runzeln braunrot. Kopfschild 
flach, nahezu glatt, glänzend: die Stirnlinien Heg'en unmittelbar 
neben den Augen. Fühler gegen die Spitze ziemlich verdickt, die 
ersten fünf Glieder glänzend: das 2. Glied sehr kurz, das 3. und 4. 
fast doppelt so lang, die folgenden bis zum 10. doppelt so lang 
als breit. Halsschild quer trapezförmig mit weit vor der Längs- 
mitte liegenden stumpfwinkeligen Ecken; der Hinterrand beiderseits 
des Schildchens erst ziemlich gerade, dann sehr schräge zu den 
Ecken laufend; eine in der Mitte sehr tief nach hinten ausgebuchtete 
Bogenlinie, die beiderseits fast bis zur Schulterbeule reicht, trennt 
die Oberfläche in zwei Teile, von denen der rückwärtige fein längs- 
gerunzelt, der vordere undeutlich runzelig punktiert ist; über der 



108 



Franz Spaeth. 



Mitte des Vorderrandes entsteht hierbei eine ähnliche glatte ein- 
gedrückte Stelle wie bei der vorigen Art. Schildchen gleichseitig 
dreieckig. Flügeldecken an der Basis wenig breiter als der 
Halsschild und an denselben in gemeinsamer Kundung anschließend; 
die Basis seicht ausgeschnitten, die Sclmlterecken mäßig vortretend, 
die größte Breite liegt in der Mitte; hoch gewölbt, sehr schwach 
stumpf gehöckert, nach hinten in gleichmäßigem Bogen abfallend. 
Die Naht im Basaldreieck erhaben, dahinter zu einem stumpfen 
Höcker ausgebildet, von welchem Querschwielen ausgehen, die sich 
einerseits auf dem zweiten Zwischenraum zur Basis wenden und 
hier einen stumpfen Höcker bilden, der nicht niedriger ist als jener 
an der Naht, andererseits nach hinten sich verästen, die Punktreihen 
der Flügeldecken durchbrechen und auf dem vierten Zwischenraum 
gegen den Abfall einen sehr niedrigen und stumpfen Höcker bilden; 
Punktreihen der Scheibe tief und regelmäßig, aber vielfach durch- 
brochen, Zwischenräume schmal, kaum breiter als die Punkte, 
schwach gewölbt. Seitendach innen steil, außen ziemlich flach 
ausgebreitet, runzelig. Prosternum zwischen den Vorderhüften flach 
und breit. Klauen einfach, Klauenglied an der Spitze zahnförmig 
verdickt. 

In der Sammlung des Herrn Dr. Ottokar Nickerl ein Stück 
aus Madagaskar. 

22. Cassida granulicoUis nov. spec. 

Subrotmidata, modice convexa, suhopaca, flavotestacea, antennis 
aplcc fmcis, prothorax tramverso-ellipticus, angidis rotundatis, densc 
(/ranidatus; elytra ad medium ampliafa, humeris vix prominulis, 
rrrhrf, profunde suhseriato-punetata, carinulis hinis suhelevatis, pro- 
Ircfo rfif/tdoso. 

LoiKf. :")■:'} lat. i'') mni. — (M. S/xtefh: M(it(nnhi(iMe 

( /! i fi / 1 a J. I sp er hu. 

Kinfarbi^ gelb (im Loben wahrsclieinlich grün), nur die drei 
b'tztcii Fllhlcrglicdcr gcliräunt; Kopfschild flnch, fein zerstreut 
pniikticrt, mit feinen, dem Augeiiraiide parallel laufenden, bogcn- 
fr»nnig Hich vereinigenden Stirnlinicn, Stirnc nach der Filhlerwurzel 
kaum verengt; Filhhir kaum bis zu den I Inlsschildecken reichend, 
die Kndglic'der stark verdickt, die Kcehs HasalgliedcM- glänzend ; das 
2. (i\k'(\ kurz, wenig dicker als lang, das 3. — 0. ziemlich schlank, 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 109 



das o. kaum um die Hälfte länger als das 2., das 4. — 6. kürzer, 
das 8.— 10. so lang- als breit. Halsscliild quer elliptisch, doppelt 
so breit als lang, mit vollständig verrundeten, etwas hinter der 
Längsmitte liegenden Seitenecken; der Vorderrand bildet einen 
weiten Bogen, der Hinterrand ist beiderseits des breiten, kurz vor- 
gezogenen Basallappens ziemlich gerade und erst außerhalb der 
Schulterbeulen nach vorne gerichtet; die ganze Oberseite ist bis 
auf eine sehr kurze und schmale Mittellinie dicht und grob gekörnt; 
am Vorderrande werden die Körnchen kleiner. Flügeldecken 
an der Basis wenig breiter als der Halsschild, an die Rundung 
desselben anschließend, um die Hälfte länger als breit, an der 
Basis fein schwarz krenuliert, mit schwach vorgezogenen Schulter- 
ecken, zur Mitte mäßig erweitert, dann kurz verrundet; die Scheibe 
gleichmäßig gewölbt, sehr dicht, tief und grob punktiert, die Punkte 
stellenweise, besonders außen und hinten an der Naht gereiht, die 
Zwischenräume sehr schmal, viel enger als die Punkte; der zweite 
und vierte rippenartig angedeutet, der letzte vorne bis zur Seiten- 
dachbrücke sehr breit; die letzte Punktreihe viel gröber als die 
anderen, in der Mitte bogig nach innen geschwungen. Seitendach 
vorne breit, hinten stark verschmälert, ebenso stark geneigt wie 
die Scheibe, fein gerunzelt. Die Beine, besonders die Schenkel 
sowie die einfachen Klauen sehr kräftig; Prosternum flach und breit. 

Ich kann diese durch die Skulptur des Halsschildes sehr aus- 
gezeichnete Art mit keiner anderen bekannten in nähere Verwandt- 
schaft bringen. 

23. Cassida (Odontionycha) Pentheri nov. spec. 

Mäßig gewölbt, vom länglich-eiförmigen Umriß der C. nebulosa, 
oben matt (nur nicht vollständig ausgefärbte Stücke etwas glänzend), 
rostrot, die vier letzten Fühlerglieder schwarz, die erhabenen 
Runzeln auf den Flügeldecken oft heller als der Grund, rötlich 
oder gelb. Kopfschild ganz flach, sehr stark glänzend, einzeln und 
fein punktiert, mäßig breit, nach der Fühlerwurzel stark verengt, 
die Stirnlinien fein, bogig zusammenstoßend; an den Fühlern ist 
das 2. Glied wenig länger als breit, schwach verdickt, das 3. nahezu 
doppelt so lang, wesentlich länger als das 4. und die folgenden, 
das 8. — 10. schwach keulig. Halsschild quer, um die Hälfte 
breiter als lang, mit mäßig stumpfwinkeligen, sehr wenig hinter 



110 



Franz Spaetli. 



der Läiigsttiitte liegenden Ecken; der Hinterrand ist außerhalb des 
kurzen, breiten Basallappens bis gegenüber der Schulterbeule fast 
gerade, sodann schräg nach vorne gerichtet, der Vorderrand bildet 
einen gleichmäßigen flachen Bogen; der Hinterrand ist vor dem 
Schildchen wulstig gerandet; Oberseite matt, unpunktiert, die 
Scheibe stark gewölbt, vor dem Schildchen fein gerunzelt oder 
gekörnt. Die Fitigeldecken an der Basis kaum breiter als der 
Halsschild, schließen an diesen mit den vorgezogenen, spitz-, aber 
nicht sehr scharfwinkeligen Schultern vollkommen an; ihre größte 
Breite liegt in der Mitte. Die Scheibe ist sehr wenig gewölbt, mäßig 
grob und dicht, bis zum 4. Zwischenraum ganz unregelmäßig, 
vom 5. — 10. gereiht punktiert, mit zwei Rippen (auf dem 2. und 
4. Zwischenraum); von denen die innere vor der Mitte einen un- 
deutlichen Ast zur Naht sendet; die Zwischenräume der Punkt- 
streifen sind schmäler als diese, nur der letzte viel breiter. Basal- 
dreieck sehr schwach eingedrückt, der Höcker kaum angedeutet. 
Seitendach schwächer geneigt als die Scheibe, sein Außenrand so- 
gar flach ausgebreitet, die Oberseite viel feiner als die Scheibe 
runzelig punktiert. Bei manchen Stücken zeigen sich auf der Scheibe 
Spuren von zwei schräg nach hinten und innen gerichteten braun- 
roten Fleckenbinden. Unterseite einfarbig gelbrot, Klauen hakig 
gebogen mit großem l^asalzahn. Prosternum hinter den Vorderhüften 
sehr kurz und breit lanzettförmig erweitert. 

Das ist etwas breiter und kürzer als das 9. 

Länge 6-5 — 75 mm, Breite 5 mm. 

Das Museum der königl. Zoologischen Gesellschaft in Amster- 
dam hat von dieser Art neun Stücke, welche von Bradshaw 1878 
am Zambesi erbeutet wurden, ebenso sind sieben Stücke im Wiener 
Hr)friiusonm, die von Dr. A. Penther in Südafrika (die nähere 
Fuiidortangabc ist leich^r in Verlust geraten) gefunden wurden; 
endlich lag mir bei der IJcHchreibung noch ein von Dr. Frnil 
Hol üb auf seiner ersten südafrikanischen Expedition gefundenes 
Stück aus der Sainndun^^ des Herrn Dr. Otlokar Nickerl vor. 

24. Durch die Freundlichkeit des Herrn Rev. (Jorliam^ welcher 
mir die Typen mehrerer von ihm beschriebener ('assiden zur An- 
Hicht einHcndete, bin ich in der La^-e, die folgenden Ricliiigst(;llungen 
zu geben: 



BeschreibiiDg neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. III 



Cassida fuscopunctata Gorh. (Proc. of Zool. Soc. London, 
1892. p. 95) vom Aruwimy-Tal in Zentralafrika und aus Old-Calabar 
ist identisch mit Aspldomorxilia chlor ina Bob. 

Cassida strlgosa Gorh. (1. c.), ebenfalls vom Aruwimy-Tal, 
ist gleichfalls eine As])idomorplia und synonym mit der später 
(1896) beschriebenen Äspid. piUfera Weise, welche sonach den 
Namen strlgosa Gorh. künftig- zu führen hat. 

25. Chirida natalensis nov. spec. 

Regelmäßig elliptisch, leicht gewölbt, stark glänzend, gelb; 
das Prosternum, die Brust und die Mitte des Abdomens schwarz, 
der Kopf rot; Halsschild und Flügeldecken mit kleinen schwarzen 
Makeln. Stirne eben, mit sehr tiefen Stirnfurchen, welche gerad- 
linig schräg aufeinander laufen und sich vor der Fühlerwurzel zu 
einer auf dem Scheitel fortgesetzten Mittelrinne vereinigen. Die 
schlanken Fühler überragen weit die Halsschildecken; das dritte 
Ghed gut doppelt so lang als breit, das vierte nur wenig kürzer, 
die äußeren deuthch länger als breit. Halsschild schwach quer 
eUiptisch mit breit verrundeten, in der Längsmitte liegenden Ecken; 
die Scheibe ist äußerst fein zerstreut punktuliert, an der Basis stehen 
drei kleine schwarze Makeln, die seitlichen kommaförmig, vor der 
vierten Punktreihe der Flügeldecken, die mittlere strichförmig, öfters 
verloschen. 

Flügeldecken deutlich breiter als der Halsschild, an der 
schwarz krenulierten Basis beiderseits gebuchtet, die Schulterecken 
mäßig vorgezogen, weit verrundet; die Seiten kaum erweitert, die 
Spitze breit verrundet: die Punktreihen stärker als bei den ver- 
wandten afrikanischen Arten, aber nicht sehr dicht, so daß die 
Abstände der Punkte 2 — 4 mal so lang sind als die Punkte; die 
zweite Punktreihe an der Basis verworren; Zwischenräume glatt. 
Auf jeder Scheibe stehen vier Reihen kleiner pechschwarzer Makeln, 
die erste, regelmäßigste neben der Naht, die folgenden etwa auf 
dem 4., 7. und 9. Zwischenraum; die 1. Reihe beginnt ein Stück 
hinter dem Schildchen, die 2. an der Basis, die 3. auf der Schulter- 
beule; häufig fehlen, besonders in den äußeren Reihen, einzelne 
Makeln. Klauenzahn groß, rechteckig, Fühlerrinnen von gewöhn- 
hcher Länge. 



112 



Franz Spaeth. 



Von Herrn Marshall zu Estcourt-Ivere (Port Natal) im Jän- 
ner 1897 gesammelt und von Herrn Rev. H. S. Gorliam in vier 
Stücken zur Beschreibung eingesendet. 

26. Chirida Gorhami nov. spec. 

Oval, glänzend, gelb, das Prosternum, die Brust und der 
Hinterleib mit Ausnahme der Ränder pechschwarz, die Stirne pech- 
braun, zuweilen gegen die Fühlerwurzel Hchter. Die Fühler kurz, 
wenig Uber die Halsschildecken reichend, die äußeren Glieder wenig 
länger als breit, von den inneren das dritte und vierte am längsten, 
aber kaum \^l.^m2^ so lang als breit; die Stirne breit, zur Fiihler- 
wurzel in leichtem Bogen verengt, ohne jede Spur von Stirnlinien, 
an den Seiten gewölbt, oben etwas flach gedrückt, ziemlich glänzend, 
äußerst fein chagriniert. Halsschild nur um breiter als lang, 
daher kaum mehr quer elliptisch, der Hinterrand bildet einen sehr 
schwachen, der Vorderrand einen viel mehr gerundeten Bogen; die 
Seitenecken sind sehr breit verrundet und liegen im ersten Viertel 
vor dem Schildchen; das Vordach ist nur durch einen sehr feinen 
Bogen abgesetzt, die Scheibe ist fein chagriniert, äußerst fein und 
nicht sehr zerstreut punktuliert. Schildchen gleichseitig dreieckig; 
Flügeldecken an der Basis wenig breiter als der Halsschild, bis 
zur Mitte in leichtem Bogen erweitert, an der Basis beiderseits 
gebuchtet, sehr fein schwarz krenuliert; die verrundeten Schulter- 
ecken treten kaum nach vorne vor. Die Scheibe hat je 10 regel- 
mäßige, feine, aber doch tiefere Punktstreifen als bei den verwandten 
Arten, die Punkte in den Reihen stehen ziemlich dicht, so daß die 
Abstände der einzelnen Punkte wenig länger sind als die Punkte 
selbst. Die Zwischenräume sind tlach, 3— 4 mal so breit als die 
Streifen, glatt, äußerst fein chagriniert, der letzte von der Basis 
bis zur Seitendachbrücke breiter als die übrigen. Die Fliblcrrinncn 
sind außen von einer sehr scharfen langen Kante begrenzt, der 
Zahn ;in der i>asis der Khiuen ist kl(;in und sehr stumpf. 

\'oii alhtu anderen bekaiiiitcii afrikanischen (Jhir Ida -Arien 
durch <l(;n Man;:-el (U;r Siirnlinicn, die kurzen Fühler, längere FUhler- 
rinnen und die; sehr kleinen und stumpfen Klauenzähnc verschieden; 
von Ch. /Inripnmis tu. (Ann. Soc. Fnt. liclg., 11)02, p. 4()0j, der sie 
sonst am nächsten steht, llberdies durch die scidanke, ovale Gestalt, 
breitere, f;cw('»lbtcre Stirne, längeren, rückwärts viel weniger weil 



Beschreibung- neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 113 



umschlossenen Halsschild, nicht vorspringende Schulterecken, tiefere 
und dichtere Punktstreifen zu unterscheiden. 
Läng-e 4-5 mm, Breite 3'5 mm. 

In Estcourt (Port Natal) von Herrn Marshall im Jänner 1897 
in Mehrzahl gesammelt und von Herrn Rev. Gorham mir zur Be- 
schreibung sowie für meine Sammlung gütigst mitgeteilt. 

27. Aspidomorpha laevigata nov. spec. 

Der Ä. miitata B. sehr ähnlich, aber bedeutend größer und 
außer der Färbung der Oberseite in folgenden Punkten davon ver- 
schieden: Der Halsschild ist vorne in flacherem Bogen gerundet, 
er ist daher in der Mittelaxe kürzer, an den Seiten verhältnismäßig- 
länger und mehr parallel; die Schulterecken sind viel schärfer ge- 
winkelt und treten weiter über die Halsschildbasis hinaus^ so daß 
die letztere etwa in der Hälfte des Seitendaches (bei A. mutata 
in ^/g) die Basis der Flügeldecken trifft. Der Seitenrand der letz- 
teren ist hinter den Schulterecken sehr schwach eingebuchtet, da- 
hinter wenig (c?) oder gar nicht (9) erweitert, von der Mitte nach 
hinten breit verrundet. Der Höcker ist viel höher und spitzer als 
bei A. mutata, weiter nach vorne gerückt, bei seitlicher Ansicht 
oben deutlich eckig, bei A. mutata dagegen leicht abgerundet; 
nach rückwärts fällt er bei beiden Arten in konkaver Linie ab. 
Die Scheibe der Flügeldecken ist regelmäßiger und in deutlicheren 
Reihen punktiert; wie bei A. mutata sind die Punkte außen gröber, 
rückwärts feiner oder verschwindend. Die Unterseite ist hell rötUch- 
gelb, die zwei letzten Fühlerglieder sind schwarz; das Vordach des 
Halsschildes und das Seitendach der Flügeldecken sind glashell, 
kaum genetzt; die Scheibe des Halsschildes ist kirschrot, in der 
Mitte oft dunkler; die Scheibe der Flügeldecken ist ähnlich gefärbt 
oder holzbraun, ein breiter Basalast, die Basis beiderseits des 
Schildchens, ein Wisch an der Außenseite, zuweilen auch die Spitze 
der Scheibe sind dunkler, schwärzlich oder rotbraun. Schildchen 
und Höcker sind heller rotgelb. Durch diese Färbung erinnert die 
neue Art an A. ditlckula B. von den Sunda-Inseln, doch ist letztere 
durch viel spitzeren und höheren, mehr nach vorne geneigten, seitlich 
weiter ausgedehnten Höcker und schärfere, weiter vorgezogene 
Schulterecken sofort zu trennen. Von A. suhmutata Weise ist A. 
laevigata außer der anderen Färbung durch hinten viel weniger 

Z. B. Ges. Bd. LV. 8 



114 



Franz Spaeth. 



erweiterte Flügeldecken und den Besitz von zwei schwarzen Ftihler- 
gliedern zu unterscheiden. 

Sehr aulfällig ist die Bildung der Klauen, an welchen die 
inneren Kämmchen sehr kurz, fast verkümmert, die äußeren kaum 
wahrnehmbar sind. 

Länge 9 — 9'b mm, Breite 8 mm. — Westafrika: Gebirge von 
Kamerun. 

Von den Herren Dr. Staudinger und A. Bang-Haas in 
10 Exemplaren zur Beschreibung freundlichst mitgeteilt. 

28. Aspidomorpha Nickerli nov. spec. et var. scitula 
nov. var. 

Der Ä. suhmdata Weise äußerst ähnlich, von derselben durch 
zwei dunkle Endglieder der Fühler, nach vorne etwas steiler ab- 
fallenden Höcker, schmälere, zur Mitte weniger erweiterte Flügel- 
decken, nicht bis an den Außenrand reichenden Basalast, weniger 
verrundete Schulterecken verschieden; von Ä. midata B. leicht 
durch den viel höheren Höcker, aber auch durch den schmäleren, 
längeren, also weniger queren Halsschild sowie durch die l^ildung 
des Basalastcs zu unterscheiden. 

Sehr glänzend, länglich-rund, gelb, die Scheibe des Halsschildes 
gesättigter, die Scheibe der Flügeldecken und der Basalast braungelb, 
die zwei letzten Fühlerglieder schwarz, das Vordach des Halsschildes 
und das breite Scitendach der Flügeldecken weiß durchscheinend. 
Halsschild halbkreisförmig, kaum zweimal so breit als lang, die 
Flügeldecken an der Basis bedeutend breiter als der llalsschild, 
mit nach vorne kaum vortretenden, verrundeten Schultereckcn, zur 
Mitte sehr schwach erweitert, zur Spitze breit verrundet; der Höcker 
ist spitz, nach vorne steil, nach hinten in einer tief gebuchteten 
Bogenlinie abfallend; die Scheibe hat sehr feine Pnnktstreifcn, die 
nach außen ;;röl)('r werden und auf dem Abfall verschwinden; die 
I'unkte lijihcn meist dunklen (jlrund. Vom Schulterhöcker läuft 
gewiiliiilicli am Außciirjuidc der Scheibe ein dunklerer Wisch; d(;r 
Bandast nimmt die Basis selbst (;in, erreiclit aber nicht den Seiten- 
rand und ist nach hinten in einen kurz(!n Zipl erweitert. 

Län^e I hmm, l>reite I bmm. 

Das ist nur merklich kürz(;r und l)reil<;r als das V- 
.Madagaskar: Diego Siiarez. 



Beschreibung neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 115 



Von Herrn Dr. Ottokar Nickerl in Mehrzahl erhalten und 
ihm dankbarst gewidmet. 

Ein von Herrn Dr. Nickerl eingesendetes cf (var. scihäa m. 
noY. var. ) stimmt zwar in der Höckerbilduug und der Färbung der 
Fühler mit A. jSlcl'erli überein, hat aber auch hinten je einen Rand- 
ast und zeichnet sich durch breitere, zur Mitte stärker erweiterte 
Flügeldecken aus; ob dasselbe etwa eine andere Art bildet, kann 
ich wegen Mangel an Material vorläufig nicht entscheiden. 

^9. Aspkhmorplia hignitata var. Bertolonii (nom. nov.). 

Wie ich mich nunmehr überzeugte, hatte Herr Weise Eecht, 
als er (Deutsche Ent. Zeit., 1896, S. 21) die Aspidomorpha hioculata 
Wagener zu A. fenesfrafa Oliv, als synonym zog; meine gegenteilige 
Bemerkung (in diesen „Verhandlungen", 1901, S. 350) war durch die 
falsche Determination Fairmaires eines Stückes des Wiener Hof- 
museum veranlaßt, infolge deren ich A. higitttata F. für A. fenestrata 
Oliv, hielt; die von mir 1. c. angegebenen Unterschiede zwischen 
A. fenestrata und A. hioctdata sind daher richtig auf A. higuttata F. 
und A. hioctdata AVag. (= fenestrata Oliv.) zu beziehen. Auf Stücke 
der A. higuttata, bei welcher die rückwärtige helle Randmakel er- 
loschen, der Rand des Seitendaches daher einfarbig schw^arz ist, 
wurde die Aspidomorpha fenestrata Bertoloni (Mem. Aq. Sc. Ist. 
Bologna. 1876, VH, 3, p. 267) aus Mozambique aufgestellt, deren 
Name wegen fenestrata Olivier in Bertolonii zu ändern wäre. Diese 
an sich unbedeutende Varietät, die sich unter der Stammform in 
Usambara und ükami findet, ist deshalb erwähnenswert, weil sie 
in der Zeichnung der westafrikanischen A. himaculata F. ähnlich 
wird; sie ist jedoch von derselben durch den viel höheren, nach 
hinten schwach konkav abfallenden Höcker, weniger verrundete 
Schulterecken, schwarze Brust und die an der Basis (beiderseits 
des Schild chens) und hinter der Mitte nicht schwarz gerandete 
Naht der Flügeldecken zu unterscheiden. 

30. Laccoptera atrata nov. spec. 

9 : Ovalis, sat convexa, suhopaca, atra, prothorace antice utrin- 
que angiiste flavomarginato, capite, antennarum artictdis duohus ha- 
salihus snhtus unguictdisqiie ritfopiceis; prothorax qiiadrangtdaris 
laterihus antice sat angiistatis, supra vage aciculattis; elytra pro- 
thorace latiora, pone hasin dilatata, versus apicem angustata, leviter 



116 



Franz Spaeth. 



gibhosa, crebre striatopunctata, interstitiis nitidiorihus, irregulariter 
(mißnentibus, secundo magis elevato. 

Long. 7 mm, lat. 5' 3 mm. — Mus. Caes. Vienn.: Äfrica Orient 
hritann. (Thomas coli.). 

In die Gruppe der echten afrikanischen Laceoptera (sensu 
Weise) gehörig, von allen bekannten Arten schon durch die Färbung 
verschieden. 

Kohlschwarz, der Vorderrand des Halsschildes beiderseits 
schmal gelb gesäumt, der Kopf und die Unterseite des ersten und 
zweiten Fiihlergliedes braunrötlich. Halsschild quer trapezförmig, 
an der Basis doppelt so breit als lang, nach vorne schräg, fast 
ohne Rundung verengt, vorne abgestutzt; die nach hinten etwas 
zahnförmig vorspringenden Hinterecken liegen weit hinter der Längs- 
mitte; das basale Mittelfeld der Scheibe ist kaum stärker erhaben 
als die Seitenfelder, grob, aber nicht tief und dicht längs- und un- 
mittelbar vor dem Schildchen quergerunzelt, das vordere Mittelfeld 
ist flach, fast glatt^ nur mit einzelnen Punkten; die Seitenfelder 
und das Seitendach sind grob, das Vordach feiner quergerunzelt, 
letzteres mit schmaler glatter Mittellinie. Flügeldecken hinter 
den Schulterecken ziemlich stark verbreitert, indem die Schultern 
zwar weniger als bei L. intrkoia, aber viel mehr als bei L. lacta 
heraustreten; dementsprechend ist />. atrata auch nach hinten mehr 
als letztere Art verengt. Die Scheibe wie bei L. mtricata gehöckcrt, 
die i'rofillinie vorne gerade ansteigend, hinten konvex. Die Punkt- 
reilien der Scheibe sind tief, im Grunde ganz matt, ziemlich regcl- 
nuißig, sie werden jedoch durch die netzförmigen, glänzenderen 
Querverbindungen der Zwischenräume vielfach unterbrochen; ins- 
besonders am dritten und vierten Streifen bilden dieselben unregel- 
miißige iJingsgrIibchcn, welche je eine Anzahl l^inkte in sich 
s(lili( f{(*n. Der zweite Zwischenraum ist durch einen dicken Quer- 
wiil^t mit «Icjii I liW'ker vcrbniideii und bis zur S[)itze h()her erhalxui, 
niclit iintcrhroclicn ; das stciil geneigte ScitciKlncli ist ruir/,(^hg und 
'jriildi: punktiert, nicht g(!leistet. rrosterniini läiigsgefnrelit. 

(t/rn/ft ist neh(;ii />. hir/a VV(;ise zu st(!Hen, ist aber d(;n 
we.stalriknniHelien />, h/lri((r/(r und modcsUi m. im llmiiß iilinlicli. 
Von di(\sen ist sie durch den trapezförmigen, vorne abg(!stutzt(5n, 
obcrncitH viel gn'»ber gcninzclt(!n llalHschihi, den Mangel eines Kicilcs 



Beschreibung- neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. V. 117 



auf dem vierten Zwischenraum, viel weniger vortretende Schultern, 
steiler geneigtes Seitendach, von L. laeta durch die stärker vor- 
tretenden Schultern und stärkere Verengung nach hinten sowie 
ebenfalls durch die Bildung des vierten Zwischenraumes und andere 
Skulptur des Halsschildes verschieden. 

31. Laccoptera Fruhstorferi nov. spec. 

In die VerAvandtschaft von Lac. eliinensis, 4-macidata und 
13-punctata, welche wahrscheinlich sämtlich nur Lokalrassen einer 
Art sind, gehörig, von denselben durch schärfere Schulterecken, 
den Besitz eines Querkieles auf dem Seitendache, schwarze Unter- 
seite und die scharf umgrenzten, tief schwarzen Makeln der Flügel- 
decken verschieden. 

Flügeldecken und Halsschild weißlichgelb mit schwarzen 
Zeichnungen, Unterseite schwarz, der Kopf und der Außenrand der 
Abdominalsternite weißgelb, die Fühler mit Ausnahme der vier 
letzten Glieder und die Beine gesättigter gelb. Halsschild längs- 
runzelig, mit zwei kleinen pechschwarzen Makeln. Flügeldecken 
mit regelmäßigen Punktstreifen und kielförmigen inneren Zwischen- 
räumen, von denen der zweite und vierte stärker erhaben sind. 
Die scharfwinkeligen Schulterecken sind durch einen Querkiel mit 
der Schulterbeule verbunden. Eine gemeinsame Makel auf dem 
Höcker, die Nahtspitze^ je zwei kleine Makeln hinter der Mitte 
auf dem zweiten Zwischenräume und eine oder mehrere unregel- 
mäßigere weiter vorne auf dem vierten und den äußeren Zwischen- 
räumen, endUch je zwei scharf begrenzte Querbinden auf jedem 
Seitendach glänzend schwarz; von den letzteren ist die vordere 
außen breiter, innen schmäler, vorne durch den Querkiel begrenzt 
und setzt sich noch am Außenrande der Scheibe nach hinten fort, 
während die rückwärtige gleich breit ist und ebenfalls kurz auf 
die Scheibe übergreift. Klauen innen lang gekämmt, außen nur 
sehr fein und kurz gezähnelt. 

Länge 8*5 mm. Breite 7-5 mm. 

Die zwei cf meiner Sammlung, welche von Herrn Fruhstorfer 
auf seiner letzten großen Reise nach Südostasien gesammelt wurden, 
tragen die Fundortbezeichnung: Tenasserim, Tandong^ 4000', Mai. 



118 Fr. Spaeth. Beschreib, neuer Cassididen nebst synonym. Bemerk. V. 



Nachschrift. Während der Drucklegung* dieser Arbeit ist 
das zweite Heft des Jahrganges 1904 der Deutschen entomologischen 
Zeitschrift erschienen, woselbst Herr J. Weise (S. 433) auf Calliaspis 
cassidoides Gu6r. die Gattung Miliinaspis errichtet, welcher Name 
sonach vor Bliinocassis m. die Priorität hat. Ob zu der gleichzeitig 
aufgestellten neuen Gattung Cyanaspis Weise etwa eine der von 
mir hier beschriebenen CalUas^ns -Arten gehört und inwiefern sich 
Cycmaspis Weise von Calliaspis Boh., deren Arten ja ebenfalls nur 
lOgliedrige Fühler haben (ich kenne von älteren Arten cinnaharina, 
porplujrio und resplendens)^ überhaupt unterscheidet, kann ich vor- 
läufig nicht beurteilen. 



Beitrag* zur Invertebratenfauna von Korfu. 

Von 

G. Paganetti-Hummler. 

(Eingelaufen am 5. Dezember 1901.) 

Mollusken.^) 

Anläßlich meiner Durchforschung der Insel Korfu vom 1. März 
l)is lö. Juni 1903 fand ich dort folgende Spezies: 

Daudchardia rufa Drp. Unter Eichenlaub an der Berglehne bei 

Stavros und im Parke der Villa Reale. 
Daudebardia brevipes Drp.^) Im Parke der Villa llealc unter 

feuchten Lorbeerblättern. 
(ilandina. algira Brug. var. romprrssa Mouss. An alten Mauern bei 

Kastrades. 

I'ittnhi inf()))iaca Drp. Aus feucliten Lorbeerblättern bei der Villa 
Pcale, Kastrades, gesiebt. 

Ihrr I)r. Stiunny vom k. k. nnturliiHtoriscIicu ilolmuHcnim in Wi(ui 
hatt(; die (iiite, di(^ Determination deH MatcüiahiH dureliznfiilircn. Die Jiele^;- 
Mtllckc für die an^eflilirtcn SjM'zieH befindcin nieli in d(^r Sammlung- den ob- 
gcnannten MiiKcuniH. 

») Die lilr di<* l"';iini;i rienen Arten sind diireli feltc^n Druck liervor- 
gehoben. 



Beitrag zur Iiivertebratenfauna von Korfu. 



119 



Amalia carinata Leach. Auf Feldern bei Kastrades. 

Gonostoma corcyrensis Fer. In Olivenwäldern weit verbreitet, in 
Anzahl in dem Wäldeben am See Kalichiopulo. 

CartJiusiana olivieri Fer. Im Olivenwald bei Palaeokastrizza. 

CarfJiusiana cartJiusiana Müll. Unter Steinen an Feldrändern im 
Sumpfe bei der Stadt Korfu. 

Campylaea subsonata Mouss. var. distans Blanc. Kastrades. 

Pomatia aspersa Müll. In feuchten Gärten in Kastrades und an 
den Felswänden der alten Befestigungswerke Korfus. 

Fomaüa aperta Born. Im Sumpfe bei Korfu unter Steinen und 
faulen Opuntienblättern sehr häufig; bringt, wenn sie erschreckt 
wird, durch rasches Zusammenziehen ein eigentümHches Ge- 
räusch hervor. 

XeropJiüa profuga A. Schm. Kastell und Sumpf bei Korfu. 
XeropJiila acuta Müll. Zu Tausenden unter Steinen und faulen 

Opuntienblättern im Sumpfe Kalichiopulo. 
BuUmimis ptipa Brug. Villa Reale, Kastrades. Einzelne Exemplare 

unter trockenem Laub. 
Hypnopliila zacijnthia Roth. An Feldrändern bei Stavros, in dem 

Sumpfe bei Korfu, am Eingange einer Höhle des Mt. San 

Salvadore. 

Clonella folliculus Gron. Park der Villa Reale, unter Laubschichten. 

Modicella philippii Cantr. An Felswänden oberhalb Ipso. 

Charadrohia cylindracea da Costa var. umhilicus Roth. Unter Laub- 
schichten im Parke der Villa Reale häufig, seltener unter 
Olivenlaub in Kastrades. 

Isthmia strobeli Grdl. Im Parke der Villa Reale unter Lorbeer- 
blättern und am Fuße von Olivenbäumen. 

Serrulina collasi Sturany (Nachrichtsblatt der Deutschen Malako- 
zool. Gesellsch., 1904, Nr. 3). Im Innern einer schwer zugäng- 
lichen Höhle des Mt. San Salvadore an feuchten Tropfstein- 
wänden sehr selten. 

Belima lamellata Rossm. Palaeokastrizza, Villa Reale, Mt. San Salva- 
dore, unter Steinen im Sumpfe Kalichiopulo. 

Älbinaria naevosa Fer. var. corcyrensis Mouss. Einzeln an Fels- 
wänden bei Palaeokastrizza, Mt. San Salvadore. Mt. Santi 
Decca, Villa Reale. 



120 



G. Paganetti-Hummler. 



FapüUfera hidens L. An Häusern und alten Mauern in Kastrades, 

Villa Reale, Kastell und im Sumpfe Kalichiopulo. 
Alinda biplicata Mont. Unter Moos bei Gasturi. 
Acme lineata Drp. var. corcyrensis Bttgr. Gasturi, Mt. Santi Decca. 
Cyclosioma elegans Müll. In alten Olivenwäldern und Gärten an 

trockenen Stellen gemein. 
Pomatias tesselakis Rossm. und var. moussoni Bttgr. Villa Reale, 

Kastrades, Mt. San Salvadore, Stavros; die var. moussoni Bttgr. 

auch bei Palaeokastrizza an Felsw^änden und Mauern längs 

dem Strande. 

Limnaea truncatula Müll. In den Wassergräben im Sumpfe 
Kalichiopulo. 

Bythinia rubens Mke. (?) Im Sumpfe bei Scripero. 
Alexia biasolettiana Küst. Unter Genist am Strande des Sees 
Kalichiopulo. 



Außer diesen sind noch folgende Arten in der Literatur von 
Korfu bekannt: 

(jrlandina algira Brug. var. dUataia Mouss. 

Zouites verticillus F6r. var. corcyrensis Bttgr. 

Polifa corcyrensis West. 

(J((nfpylae(( sp. cf. planospira Lm. 

Macidaria vermiculata Müll. 

M. crassd Pfr. 

M. jumtorratoris Bröninic. 

/*onfaHa scMae/lii Mouss. var. praestans Blanc. 

I*. ff)nhi()n(( Mouss. 

Xcrojthdd profn(f(i i\. Schni. var. (illica Bttgr. 

A'. profufjn A. Sciim. var. nierldiomdis Mouss. 

A'. varie(/affi Mouss. 

A'. rarirffdla MouHS. var. irifdus West. 

A'. nrciKiht Zgl. 

(kiec.dinnclla jaul de IW^tln. 

C. snlfH/txnnn Ugf. 

7or(/uUla (franurn Drp. 

ModiccUa arcnacca Brug. 



Beitrag zur luvertebratenfaima von Korlu. 



121 



Isthmia claustralis Grdl. 

Delima pantocratoris BttgT. 

D. itala G. Mts. var. corcijrensis West. 

D. itala G. Mts. var. pJiaeaca West. 

D. conspersa Parv. 

D. invalida Bttgr. 

Z). Kiist. 

Älhinaria naevosa Fer. var. castrensis Parr. 

Pomaüas scalarinus Villa. 

CTw'o lielenae Dronet. 

Limnaea (Linmophysa) paliistris Müll. 

Planorhis (Tropidiscus) umhilicatus Müll. 

Physa fontinalis L. 

Bythinia leaclii Shepp. var. graeca West. 
Digyreidum renei Let. 
D. corcyrense Let. 
D. servainianum Let. 
D. ?;mV?e Let. 



Referate. 

V Mouograph of the British Desmidiaceae by W. West and G. S. West. 
Vol. I. London, 1904 (Ray Society). XXXVI -[- 224 p., 32 PI. 

Die beiden Autoren, derzeit wohl die gründlichsten Kenner der britischen 
Silßwasseralgen, haben es unternommen, eine Monographie der britischen 
Desmidiaceen zu verfassen, welche in 3 Bänden mit ungefähr 120 Tafeln die 
Beschreibung und bildliche Darstellung von ca. 700 Spezies und 450 Varietäten 
enthalten soll. Der erste, mit .32 Tafeln ausgestattete Band dieses Werkes, dem 
auch ein ausführliches Literaturverzeichnis beigegeben ist, bringt zunächst 
eine knapp gehaltene allgemeine Einleitung über die Morphologie, Anatomie 
und Physiologie der Desmidiaceen, über ihre phylogenetischen Beziehungen, 
ihr Vorkommen, Aufsammeln und Bestimmen und behandelt dann die Gattungen 
Gcmtozygon De Bary (.5 Arten, 4 Varietäten), Genicularia De Bary (2 Arten), 
Spirotaenia Breb. (14 Arten, 1 Varietät), Mesotaenium Naeg. (10 Arten, 3 Varie- 
täten, 3 Formen), Cylindrocystis Men. (6 Arten, 2 Varietäten), Netrium Naeg. 
(4 Arten, 3 Varietäten), Penium Breb. (28 Arten, 15 Varietäten, 10 Formen), 
Roya West (3 Arten, 1 Varietät), Closterium Nitzsch (60 Arten, 30 Varietäten, 
8 Formen), Docidium Breb. (3 Arten, 1 Varietät, 1 Form), Pleurotaenium Naeg. 
(9 Arten, 12 Varietäten, 4 Formen) und Tetmemorus Ralfs (4 Arten, 5 Varie- 
täten, 1 Form). 



122 



Referate. 



Die systematische Einteilung- der Spezies in Subfamilien, Tribus und 
Genera trägt den Ergebnissen der neuesten Untersuchungen Rechnung und 
weicht daher in manchen Punkten von der bisher üblichen ab; so wurden z. B. 
von der Gattung- Penium Breb. vier Spezies abgetrennt und als Genus Netrium 
in die Tribus der Spirotaenieen g-estellt. Leider gingen die Autoren nicht 
ganz konsequent vor, indem sie eine Anzahl von Spezies provisorisch in der 
Gattung Penium Breb. beließen, welche nicht dorthin gehören, und es wäre 
in diesem Punkte eine nachträgliche Richtigstellung wünschenswert. 

Die Definitionen der Subfamilien, Tribus und Gattungen sowohl als 
jene der Arten, Varietäten und Formen sind korrekt und genügend ausführlich, 
der Beschreibung jeder einzelnen Spezies ist nebst einem Verzeichnis der 
britischen Standorte auch ein Überblick über die geographische Verbreitung 
angefügt. 

Ganz besonderes Lob verdienen die fast durchwegs nach Original- 
zeichnungen von G. 8. West in Farbendruck ausgeführten Tafeln, sowohl 
wegen der äußerst sauberen und korrekten Linienführung als auch wegen der 
natürlichen Wiedergabe der Chlorophoren, die bei den früheren Werken meist 
sehr mangelhaft war. J. Lütke müller. 

Maiwald, T. Geschichte der Botanik in Böhmen. (Wien und Leipzig, 
bei C. Fromme, 1904.) 

Eine sehr tüchtige und gründliche Arbeit liegt uns hier vor, auf welche 
der Verfasser einen ganz erstaunlichen Fleiß und sehr viel Mühe verwendet 
hat. Das Schwergewicht der Arbeit liegt in der Darstellung der Anfänge 
botanischer Forschung und der Fortentwicklung derselben in der älteren Zeit 
und sind diese Kapitel ebenso interessant zu lesen als lehrreich. Besonders 
liervorzuheben sind die Kapitel über „die Pfianzenpflege der früheren Jahr- 
hunderte" und „die Entwicklung des botanischen Unterrichtes in Böhmen", 
welche von weit mehr als lokalem Interesse sind. Mit großer (üründlichkeit 
und Qnellenkcnntnis ist die Opizische Periode behandelt, bezüglich welcher 
der Verfasser schon früher eine sehr schöne Monographie veröftentlicht hatte. 
Die Geschichte der Botanik in den letzt(!n Dezennien ist nicht so ausfiilirlieli 
beliaiidclt, wie die übrigen Absclinitte, doch haben äußere Umstände den 
\'ertasH« r gezwungen, sich hier kürzer zu fassen als er beabsichtigt hatte. 
Die Anordnung des Stoffes .in diesem Kapitel beeinträchtigt etwas die flber- 
Hichtliclikeit und läßt d<in roten Faden der historischen Fortentwicklung nicht 
HO deutlich erkennen, wie in den früheren Abschnitten. 

Eh ist nidit möglich, hier (iinen Auszug aus dem überaus r(!ichen Jidialte 
des JiuchcH zu geben, jjidcinfalls muß es als eine hervorragende Erscheinung 
auf dem wenig kultivierten (iebi(ite der (fCHcliiclitc der Botanik bezeichnet 
werden und ist die in Htiller Klosterzelle gediehene Arb(!it (\vh Vcirfassers 
umso höher zu l)(!wert(;n, als derselbe; f(!rn von groß(;n Bibliothekcm sich das 
reiche biograjihiseh«' und hibliograi»hisrh(; Materialc sehr mühsam beschatren 
mußte. V. Schiffner (Wien). 



Referate. 



123 



Gau^lbauer, Ludwig. Die Käfer von Mitteleuropa. IV. Band, 1. Hälfte: 
Derniestidae, Bijrrhidae, Nosodendridae, Georyssidae, Dryopidae, Hetero- 
ceridae, Hydrophilidae. 286 S. mit 12 Holzschnitten im Texte. Verlag von 
Carl Gerold's Sohn, Wien, 1904. Geh. 11 Kr. — Systematisch-koleo- 
pterologische Studien. (Münchener Koleopterologische Zeitschrift, 
1. Jahrg., 1903, S. 271—319.) 

Von Gangibauers groß angelegtem Werke „Die Käfer von Mittel- 
europa" liegt nach mehrjähriger Pause die erste Hälfte des IV. Bandes vor, 
worin die oben angegebenen Familien behandelt werden. Der Autor hat seit 
dem Erscheinen des dritten Bandes sich eingehend mit Studien über die 
Systematik der Käfer befaßt und das Ergebnis in der Münchener Koleoptero- 
logischen Zeitschrift unter dem obigen Titel veröffentlicht. 

Mit Eücksicht auf die fundamentale Wichtigkeit dieser letzteren Arbeit 
und nachdem durch dieselbe das in den früheren Bänden der „Käfer von 
Mitteleuropa" vorgeschlagene System einerseits seine Begründung, andererseits 
aber auch einige Abänderungen erfahren hat, erscheint es notwendig, dem 
Referate über den IV. Band eine kurze Inhaltsangabe der erwähnten Studien 
vorauszuschicken . 

Der Verfasser bespricht zuerst die Koleopterensysteme von Leconte 
und Horn, von Sharp, Lameere und Kolbe sowie das* von ihm selbst in 
den „Käfern von Mitteleuropa" dargelegte und entwickelt sodann die Grund- 
züge eines neuen Systemes. 

Die Koleopteren werden nach dem Flügelgeäder, dem Bau der Hoden 
und Ovarien und der Tarsalbildung der Larven in zwei Unterordnungen zerlegt: 
in Ädephaga und Polyphaga, den letzteren wird die phylogenetisch höhere 
>>tellung zuerkannt. Die Ädephaga entsprechen nach Zurechnung der Cupedidae 
dem Umfange der Caraboidea, wie er im I. Bande vom Autor begrenzt wurde. 
Es gehören also dazu: die Familien der Carahidae, Dytiscidae, Baliplidae, 
Gyrinidae, Mhysodidae, Cupedidae und Paussidae. Die Polyphaga werden in 
sechs gleichwertige Familienreihen zerlegt: Staphylinoidea, Diversicornia, 
Heteromera, Phytophaga, Bhyncophora und Lamellicornia, zu welchen als 
siebente die im IV. Bande auf die Familie der Hydrophilidae aufgestellte 
und zwischen die Staphylinoidea und Diversicornia eingeschobene Familien- 
reihe der Palpicornia kommt. Unter die Familienreihe der Staphylinoidea 
werden dieselben Familien wie im II. und III. Bande zusammengefaßt; da- 
gegen wurde die im zweiten Teile des III. Bandes aufgestellte Familienreihe 
der Clavicornia, für die einen gemeinsamen Charakter anzugeben sich aller- 
dings schon damals der Autor außer Stande erklärt hatte, als solche wieder 
fallen gelassen und mit den Serricornia sensu Leconte und Horn zu der 
Familienreihe der Diversicornia vereinigt. Die Trennung der einzelnen Familien- 
reihen geschieht in erster Linie auf Grund des Flügelgeäders. Von selbem 
werden drei Typen unterschieden und abgebildet; hiervon ist der erste Typus 
der Unterordnung der Ädephaga eigentümlich; der zweite findet sich bei den 
Staphylinoidea, der dritte bei allen übrigen Familienreihen. In einzelnen 



124 



Referate. 



Fällen wird der dritte Typus dem zweiten ähnlich, doch ist der zweite Typus 
nie vom dritten abzuleiten. 

Die Keihung und Begrenzung der Familien innerhalb der einzelnen 
Familienreihen erfolgt bei den Adephaga und Staphylinoidea wie in den 
„Käfern Mitteleuropas"; in den in zahlreiche Familien zerfallenden Familien- 
reihen der Diver sicornia und Heteromera dürfte sie noch manche Änderung 
erfahren. Die Phytophaga werden in die Familien der Cerambycidae, Chryso- 
melidae und Lariidae (Briichidae), die Rhyncophora in Anthribidae, Brenthidae, 
CurcuUonidae und Ipidae (Scolytidae) zerlegt und die Reihung der Familien 
in aufsteigender Ordnung nach deren phylogenetischer Stellung eingehend 
begründet. In der Familienreihe der Scarabaeidae werden die Scarahaeidae 
als einzige Familie und die Lucaninae, Passalinae, Scarabaeinae und Melo- 
lonthinae als gleichwertige Unterfamilien betrachtet. 

Im IV. Bande behandelt der Autor die restlichen Familien der Clavi- 
cornia, wie er sagt, weil er dieselben nach Abschluß des III. Bandes zu- 
erst vorgenommen hat; nach dem neuen Systeme würden aber gerade jene 
Familien, die der Autor ursprünglich als Serricornia nach dem Vorgänge von 
Leconte und Horn zusammenfassen wollte, als phylogenetisch tieferstehend 
vorangehen und die in der zweiten Hälfte des III. Bandes behandelten Clavi- 
cornia den Schluß der Familienreihe bilden. 

Die Ausscheidung der Hydrophilidae aus der Familienreihc der Diversi- 
cornia wird begründet einerseits mit dem Vorkommen von Cercis an den 
Larven der meisten (Gattungen, andererseits mit der hoch differenzierten Fühler- 
l)ildung der Imagines. Das erstere Merkmal, welches die Hydrophilidae mit 
den Caraboidea und Staphylinoidea gemein haben, gestattet nicht ihre Ab- 
leitung von Diversicorniern, deren Larven keine gegliederten Cerci haben, 
während das zweite die Ableitung der Diversicornia von den llydrophilidcn 
unmöglicli macht. Die letzteren werden daher als terminale Äste eines früh 
abgezweigten und bis auf diese Äste erloschenen Stammes der Koleoptercn 
betraclitet und die Familienreihc der Palpicornia aus ihnen gebildet. 

Von den l)ehandelten Familien werdc^n in Unterfamiiien zerlegt: die 
JJryojjidae in Jhyopinae und Heiminthinae. die 1 1 ydrophiUdae in IJelophorhiae, 
llydraeninae, Spercheinae, Hydrophilinae, und Sphaeridiinae. Diese Unter- 
familien zerfallen zum Teile ebenso wie die Familien der Byrrhidae und 
Dcrmeslidne in Tribus. Für die (Jattung Nomdcndron, welche wegen der ganz 
verHrhicdeiKMi Larvenforni von den Hyrrhiden aiiMgescliieden wird, l)il(let der 
N'crfaMHcr die Faniilir (l(!r Nosodendridae. 

Neu anfgcHtellt sind f(!rner die (iattung Kntomolrogus auf Trogodvrma 
ttugntomoidcH litfr. und die Arten: Simplocaria nivalis ans Siidtirol, Ksolus 
Sülarii uuh Ligiiric^n, Jjalelmis subopaca aus Oberitalieii und Limnebim Paga- 
lU'Aln von ( 'astrinuovo. 

IJe/.liglicli Anlage und 1 chliilnMMg der Arbeit genügt es zu sagen, 
<lalj hI«' in (\vy gleich voi/iigliehcn WciHc. ww in den rnilicrcii l'änden 
erfolgen. 



Referate. 



125 



Große Verdienste hat sich auch der Autor um die Sichtung der zahl- 
losen von Kuwert in den Familien der Dryopiden, Heteroceriden und Hydro- 
philiden aufgestellten haltlosen Arten erworben. 

Wir können schließlich nur dem Wunsche Ausdruck geben, es möge 
dem vielbeschäftigten Verfasser möglich sein, baldigst an die Vollendung des 
IV. Bandes und an eine beschleunigte Bearbeitung der folgenden zu schreiten. 

Dr. F. Spaeth. 

Aschersoii und (xraebiier. Synopsis der mitteleuropäischen Flora. 
II. Band, 2. Abteil. Leipzig, W. Engelmann, 1902—1904. 

Endlich liegt wieder ein Band dieses so wichtigen Werkes vor, 
welcher die Cyperaceen, Palmen, Araceen, Bromeliaceen, Commelinaceen 
und Juncaceen enthält. In der Gattung Carex zeigt sich ein leiser Versuch, 
mit der alten unnatürlichen Einteilung auf Grund äußerlicher Merkmale 
zu brechen, doch findet man noch immer einige der alten unnatürlichen 
Zusammenstellungen, wie die Vereinigung von (Jarex Buxbaumii mit den 
Atratae. Sehr erfreulich ist hingegen die detaillierte Behandlung einiger 
polymorpher Formenkreise, wie von C. muricata, acuta u. a. Warum aber 
die Autoren, die bezüglich der Nomenklatur auf dem strengen Prioritäts- 
prinzipe stehen, manche wohl begründete, sogar von Abbildungen begleitete 
Schkuhrsche Namen verwerfen, wie C. polygama Schk., C. Lachenalii Schk., 
während sie ganz richtig für C. ustulata Wbg. den älteren Namen atrifusca 
akzeptieren, ist Referent nicht klar. Bei den übrigen Cyperaceen fällt vor 
allem der weite Gattungsbegriif auf, dem die Autoren huldigen. Nicht nur 
alle die neuerdings von Scirpus abgetrennten Gattungen werden wieder ver- 
einigt, sondern sogar Trichophorum noch als Sektion zugezogen, wodurch die 
Bildung des neuen Namens Scirpus trichophorum für Trichophorum alpinum 
nötig wurde. Auf die von Palla vorgeschlagene Teilung der Cypereen in 
Eucypereen und Chlorocypereen gehen die Autoren begreiflicherweise nicht 
ein-, auch einen Hinweis auf die von Lindberg fil. angebahnte Trennung von 
Scirpus palustris in mehrere, hauptsächlich durch anatomische Unterschiede 
charakterisierte Arten vermißt man, obwohl eine der von Lindberg fil. auf- 
gestellten Formen vom Referenten bereits für das Gebiet nachgewiesen wurde. 
Bei den Palmen sind die Kulturgewächse denn doch vielleicht in allzu großem 
Umfange berücksichtigt; werden doch nicht weniger als 30 Arten angeführt-, 
dasselbe gilt auch bezüglich der Araceen, Commelinaceen und Pontederiaceen. 
Die Bearbeitung der Juncaceen lehnt sich eng an Buchenaus treffliche 
Monographie an und bietet nicht viel Bemerkenswertes. 

Beim Gebrauch des Buches ergibt sich oft noch die Schwierigkeit, daß 
bei den Unterabteilungen A, a, I. etc. die Gegensätze oft schwer zu finden 
sind; in jenen Fällen, wo diese durch viele Seiten von einander getrennt sind, 
wäre da oft ein Hinweis auf die betreffende Seitenzahl sehr wünschenswert. 

Im ganzen muß man sagen, daß sich dieser Band völlig gleichwertig den 
Irüheren zur Seite stellt und für jeden, der sich wissenschaftlich mit der Flora 
Mitteleuropas beschäftigt, einen unentbehrlichen Behelf abgibt. Hayek. 



126 



Referate. 



Schulz, Dr. Richard. Monographie der Gattung Phyteuma. Geisen- 
heim a. Rh., Druck und Kommissionsverlag- von J. Schneck, 1904. 

Der Verfasser faßt die Gattung viel enger als es Schön 1 and (in 
Englers Nat. Pflanzenfamilien) getan hat, indem er von dessen Sektionen 
nur Hedranthum allein in der Gattung Phyteuvia beläßt, die übrigen aber, 
nämlich Cylindrocarpa {Phyteuma Sewerzoivi Reg.), Petromarula {Ph. pinna- 
tum L.), Podanthum (hierher u. a. Ph. canescens W. K.) und Synotoma {Ph. 
comosum L.) als eigene Gattungen abtrennt. 

Nach einer kurzen Erläuterung der morphologischen und blütenbio- 
logischen Verhältnisse und der geographischen Verbreitung der Arten gibt 
Verfasser einen sehr interessanten Versuch einer Entwicklungsgeschichte der 
Gattung. Verfasser nimmt an, daß zu Ende der Tertiärzeit bereits 10 Arten 
der Gattung in den Alpen lebten, nämlich Phyteuma spicatum, hetonicifolium, 
cordatuin, orbiculare, corniculatum, Sieberi, hemisphaericum und pauciflorum, 
ferner die Stammarten von Ph. Charmelii und serratum und von Ph. pede- 
montanum und globularifolium. Von diesen Arten waren Ph. hemisphaericum, 
cordatum und die Stammart von P/i. Charmelii nur im Westen, Ph. Sieberi, 
corniculatum und serratum nur im Osten verbreitet, die restlichen im ganzen 
Zuge der Alpen. Im Verlaufe der Glazialzeiten entwickelten sich dann aus 
diesen Stammformen die heute bestehenden Arten. In der ersten Eiszeit 
trennte sich von Ph. spicatum im Norden und Osten Ph. nigrum und tetramerum 
ab, wahrscheinlich in der ersten Interglazialzeit Ph. Ilalleri; in der zweiten 
Eiszeit erst entstand in den Pyrenäen Ph. Pyrenaicum, in Siebenbürgen Ph. 
Vagneri, während von Ph. nigrum sich Ph. gallicum abzweigte. In ähnlicher 
Weise gingen auch aus den übrigen Stammarten im Verlaufe der Eiszeiten 
weitere Spezies hervor. Ph. cordatum und Sieberi blieben unverändert, von 
Ph. orbiculare trennten sich Ph. hispanicum und ienerum ab, die Stammform 
von Ph. Charmelii und serratum spaltete sich in diese zwei Arten, von er.sterer 
zweigte dann noch Ph. Villarsii ab. Von Ph. hemisphaericum wurden Ph. 
humile und hedraeanthifolium abgetrennt, die Stammform von Ph. pedemon- 
tanum und globularifolium spaltete sich in diese zwei Arten. Aber auch heute 
ist dieser Artbihlungsiirozeß noch nicht abgeschlossen, wie das Auftreten 
zalilreicher Subspezies und Formen beweist. 

In dem nun folgenden syatematischen 'J\!ile gelaugt der Verfasser zu 
folgender (iliederung: 

Sectio I: Spicata. Series 1: (>'or<lifolia. 1. Pliyleuma spicatum L. 
(Mitt<Oeuropa), Subsp. oc/tro/eucum i->öll. (im (j(r))i('fe d(ir Art), Subsp. .ymmwntw 
U. Schulz r.Iura), Subsp. occidentnlr U. Sch. (rraiikr(Mcli), Sub.sp. coeruleum 
U, Sch,, var. alpinum \i. Sch. (Westalpeu), var, coerulescens Jiogeuli. (Nieder- 
ÜHtcrrcich, HoHnien, Schweiz); 2. Phyteuma Ilalleri All. (Pyrenäen, Alpen, 
Illyrieii, Apentiinen); '.\. l'ltyicumn Vagneri A.K^iVw. (östliche Karpaten, Sieben- 
hlirgeii); \. J'hytnivia pyrmnicurn U. Sch. (Pyrenäen, CnntabriHclKiS Gebirge, 
Sierra de (iuadarnima), SubHp. cordifolium \L S(;h. (zentrah; und öHtlicho 
Pyrenäen;, Subnp. bclonicoidcH i(. ScIi. (weHtliche l'yrenäen, Cantabrisches 



Referate. 



127 



Gebirge). — Series 2: Lanceolata. 5. Phyteima nigrum Schmidt (nördliches 
Mitteleuropa) ; 6. Phyteuma gallicum R. Sch. (Gebirge von Mittelfrankreich). — 
Series 3; Tetramera. 7. Phyteuma tetramerum Schur (siebenbürgische Kar- 
paten). — Series 4: Angustifolia. 8. Phyteuma hetonicifoUum Vill. (Alpen, 
fehlt in den nordöstlichsten Alpen); 9. Phyteuma scaposum R. Sch. (alpine 
Region der westlichen Alpen); 10. Phyteuma scorzonerifoliuni YiW. (Apenninen, 
Westalpen); 11. Phyteuma Michelii All. (Westalpen); 12. Phyteuma persiei- 
folium Hoppe (Ostalpen). — Series 5: Fagopyrifolia. 13. Phyteuma cordatum 
Balb. (Seealpen) 

Sectio II: Capitata. Series 6: Orbicularia. 14. Phyteuma orbiculare h. 
(Mitteleuropa), Subsp. pratense R. Sch. (östliche Alpen, mitteldeutsche Gebirge, 
Ungarn, Rußland), Subsp. montanum R. Sch. (östliche Alpen, mitteldeutsche 
Gebirge), Subsp. austriacum Beck (Ostalpen), Subsp. delphinense R. Sch. (Alpen, 
besonders Westalpen), Subsp. depauperatum R. Sch. (Westalpen, Apenninen), 
Subsp. flexiiosum R. Sch. (südöstliche Alpen, Bosnien, Karpaten); 15. Phyteuma 
tetierum R. Sch. (Westeuropa), Subsp. Anglicum R. Sch. (England, Frankreich), 
Subsp. ibericum R. Sch. (iberische Halbinsel); 16. Phyteuma hispanicum R. Sch. 
(östliches Spanien). — Series 7: Latifolia. 17. Phyteuma ohtusifolium Freyn 
(Dinarische Alpen); 18. Phyteuma pseudoorhiculare Pant. (Dinarische Alpen); 
19. Phyteuma Sieben Spr. (südliche Kalkalpen). — Series 8: Saxicola. 20. Phy- 
teuma corniculatum Gaud. (= Ph. Scheuchten DC.) (West- und südliche Ost- 
alpen), Subsp. charmelioides (Biroli) (im Gebiete der Art in tieferen Regionen), 
Subsp. Scheuchzeri (All.) Gaud. (Westalpen); 21. Phyteuma Charmeiii Vill. 
(Spanien, Südfrankreich, Italien, südliche Schweiz); 22. Phyteuma Villarsii 
R. Sch. (Provence); 23. Phyteuma serratuni Viv. (Korsika). — Series 9: Alpina. 
24. Phyteuma hemisphaericiim L. (Alpen); 25. Phyteuma hedraeanthifolium R.Sch. 
(Oberitalien, Südschweiz, Südtirol); 26. Phyteuma humile Schi, (penninische 
und rhaetische Alpen). — Series 10: Lingulata. 27. Phyteuma pauciflorum (L.) 
Sternbg. und Hoppe (= Ph. confusum Kern.) (Ostalpen, Siebenbürgen, Gebirge 
der Balkanhalbinsel); 28. Phyteuma globularifolium Sternbg. und Hoppe (= Ph. 
pauciflorum Aut.) (östliche Zentralalpen); 29. Phyteuma pedemontanum 'R. Sch. 
(Westalpen). 

Ferner werden 15 Hybriden beschrieben. Bei jeder Art sind nicht nur 
eine genaue Diagnose, ein Synonymenverzeichnis und detaillierte Verbreitungs- 
angaben, sondern auch die Unterscheidungsmerkmale von den Verwandten 
gegeben. Leider hat Verfasser nicht alle neueren Literaturangaben berück- 
sichtigt, so ist es ihm auch entgangen, daß für Phyteuma persicifolium Hoppe 
ein älterer Name in Phyteuma Zahlbruchieri Vest in Steierm. Zeitschr., III, 
S. 159 (1821) existiert, worauf Referent erst kürzlich aufmerksam gemacht 
hat. Ob die Wiedereinführung des Namens Ph. pauciflorum für Ph. confusum 
gerechtfertigt ist, will Verfasser dahingestellt sein lassen. 

Auf 30 Tafeln sind in photographischer Reproduktion die Arten der 
Gattung nach Herbarexemplaren dargestellt, drei Karten geben in allerdings 
wenig übersichtlicher Weise die geographische Verbreitung der Arten wieder. 



128 



Referate. 



Im ganzen muß man die Arbeit als eine sehr interessante und gründ- 
liclie Studie bezeichnen, welche nicht nur in systematischer Beziehung in dem 
Formengewirr der Gattung Phyteuma Ordnung geschaffen hat, sondern auch die 
phylogenetischen Beziehungen der Arten zueinander klarzulegen versucht. 

Hayek. 

Publikationen über Lepidopteren. 

(Referent Dr. H. Rebel.) 

Hormuzaki, K.t. Analytische Übersicht der pal äark tischen Lepido- 
pteren fa m i 1 i e n. Berlin, R. Friedländer & Sohn, 1904. (8^. 68 S., 45 Textfig.) 
Die vorliegende, sehr verdienstvolle Arbeit entspricht gewiß einem 
Bedürfnisse zahlreicher Lepidopterologen, die über die wichtigsten Merkmale 
der paläarktischen Lepidopterenfamilien in einer leicht zugänglichen Publi- 
kation Aufklärung suchen möchten. Der Hauptteil der selbständig erschienenen 
Publikation besteht aus einer analytischen (respektive synthetischen) Tabelle, 
worin die Merkmale dichotomisch angeordnet zu den Familienbegriifen führen, 
zu deren näheren Erläuterung zahlreiche Geäderskizzen in den Text auf- 
genommen sind. Letztere sind durchaus klar und stellen bei den Makro- 
lepidopteren großenteils vom Verfasser hergestellte, sehr gelungene Original- 
zeichnungen dar. 

Wie selbstredend ist die Aufeinanderfolge der Familien in der Tabelle 
eine ganz verschiedene von jener der dritten Katalogsauflage, mit welcher die 
vorliegende Publikation sonst in enger Fühlung steht. 

Sehr bemerkenswert, auch für den Fachmann, sind die in der „Ein- 
leitung" (S. 1 — 19) gemachten Bemerkungen, sofern sie auf eigenen Unter- 
suchungen des Verftissers beruhen und Abweichungen von herrschenden 
systematischen Ansichten darstellen. 

In dieser Hinsicht sei hervorgehoben, daß Verfasser speziell in Bezug 
auf das Fliigelgeäder keine Ähnlichkeit zwischen Notodontiden und Si)hingiden 
wahrzunehmen vermag, daß sich auch ihm besondere Schwierigkeiten bei der 
Abgrenzung der Arctiiden von den Noctuiden ergaben, daß er aber nach 
zahlreichen Untersuchungen ein halbwegs sicheres Unterscheidungsmerkmal 
gefunden zu haben glaubt. Dasselbe besteht darin, daß alle Noctuiden unter- 
hall) der Analader einen von der Wurzel ausgc^henden deutlichen Ast (A.2) 
besitzen, weicher den Arctiiden vollständig fehlt. Eine in dieser Hinsicht 
scheinbare Ausnahme bildet die von Meyrick und mir zu dc^n Arctiiden 
gr-stellte Gattung l\seudoslcrrha,^) aber wohl mit Unrecht, da diese (Gattung 
(wie auch Herr l'iingeler brieflich sich mir g(^genilb(ir iiulierte) besser als 
abweichender Noctui<l('ntypus aufgefalit wird, womit dann die 'a\vv\ Analadern 
der VorderHiigel libenMUHtiuimeii. 

Die „('ymhidae'' W(!rden wiedc^r in „(.lilorphoridae''' und „Sarrolhri]iidae^' 
ttiifgcNiHt, für die Noctuidengatlungeii J'anfhcu Hl)., 'J'riclioscu (irotc; und 
JJemas Stph. wird i'.\ur, (eigene Snltfaniili(5 ^(Jalocasiinae'^ errichtet. 

Als kurzes Kf)mp('ndiuu) d(!r Systematik kann das iiandliclu; liiiclilein, 
welcheH durch di(; Beigabe eines Index noch g(!W()unen li;itt(!, allseitig Ixisten» 
empfohlen werden. 

CoiiC (lie.c „Verhandlungen", 1902, S. r.dli r,7o, Tig. 1. 



Friedrich Moritz Brauer. 

Von 

Anton Handlirsch. 



Es war zu Sylvester des Jahres 1904, als man Fr. Brauer zu 
Grabe trug. Über die Stätte des Friedens feg'te Schneesturm ; sein 
Brausen und Stöhnen schien die gewaltige Totenklage der Xatur 
um den Forscher, der ihr sein ganzes Leben geweiht hatte. 

Es war ein langes Leben, reich an Müh' und Sorge, reich 
an Kampf und Arbeit, aber nicht minder an Erfolg, Anerkennmig 
und reiner Freude, wie sie nur einem Menschen gegönnt sein 
kann, dessen Leben idealen Zielen zustrebte. 

Friedrich Moritz Brauer als Forscher, als Lehrer, Beamter 
und Privatmann kennen zu lernen, seine Entwicklung zu ver- 
folgen und die Bilanz seines TVirkens zu ziehen, sei die Aufgabe 
dieser Zeilen. ^) 

Als Sohn des im Jahre 1817 aus Oldenburg nach Osterreich 
eingewanderten wohlhabenden Kaufmannes Anton Justus Brauer 
und dessen zweiter Frau Louise, geb. Baum, aus Hannover am 
12. Mai lb32 in Wien, Mariahilferstraße Xr. 335 (alt) geboren, 
erhielt Brauer in der nach evangelischem Ritus (A. C.) vollzogenen 
Taufe die Vornamen Friedrich Moritz. 

Das im heutigen Handels- und Industriezentrum Wiens ge- 
legene Geburtshaus war die damalige Sommerfrische der Familie, 
welche den Winter in der von den alten Festungsmauern um- 
gebenen inneren Stadt am Lugeck, später in der Wollzeile zu- 
brachte. 

Dem ländlichen Charakter des damaligen „Mariahilf" ent- 
sprechend, befanden sich hinter jedem Hause große Gärten und 

Z. B. Ges. Bd. LY. 9 



130 



A. Handlirsch. 



liier empfing der Knabe Friedrich die ersten für seinen Lebens- 
lauf entscheidenden Eindrücke: Er begann „im Garten Insekten 
zu fangen und beobachtete die in den Zisternen des Regenwassers 
sich herumtummelnden Tiere, über die er von seiner Umgebung 
keine Aufschlüsse erlangen konnte. Eines Tages band er die 
Gläser, in welchen er die Tiere hielt, mit Leinwand zu und fand 
am Morgen zahlreiche Mücken an der Leinwand sitzen und im 
Wasser viele Häute von ausgekrochenen Puppen derselben. Er 
wußte nun, woher die Mücken kommen und was jene munteren 
Tiere im Wasser waren. Friedrichs erster Lehrer Schmiedhuber 
wußte aber wenig Bescheid darüber, da er eigentlich nur schön 
zu schreiben und gute Federn zu schneiden verstand." „Im Jahre 
1838 kam der Zeichenlehrer Anton Low in das Haus, der mit 
Kindern vorzüglich umzugehen verstand und außerdem sich mit 
Insektensammeln abgab." Auch Friedrichs Vater und Onkel 
Daniel Baum zeigten lebhaftes Interesse für Insekten, der Bruder 
Theodor sammelte und züchtete Schmetterlinge, der Lehrer Low 
jedoch liebte nur Koleopteren und Lepidopteren, aber „das Sam- 
meln von Heuschrecken, Bienen, Fliegen, Libellen etc. schien ihm 
unangenehm. Friedrich wollte jedoch eine Insekten Sammlung 
haben und nicht nur diese beiden Ordnungen sammeln; er setzte 
auch seinen Willen durch." 

Im April 1831) starb Friedrichs Vater; im Sommer dieses 
Jahres wurde dann zum letzten Male das Haus in Marialiilf von 
der Familie bezogen und das folgende Jahr führte den Knaben 
mit seiner Mutter und den Geschwistern Albert und Louise „mittels 
lOxtrapost" zu den Verwandten nach Deutscliland. „184! wurde 
(jinc Sommerwohnung in Döbling (Hirschgasse) bezogen und dort 
war es, wo Friedrich mit Low viele Sainmelexkursionen unternalnn. 
Hauptsächlich war es der damnls ilpl)ig bewachsene Krottenbach 
rjetzt cingewcilbt) und der Kahlenberg, wohin gesteuert wurde." 

..Im Jnhre \H^'2 verluMratete sich seine Mutter wieder, und 
zwar mit dem bekannten Steinoperateur Dr. Viktor Ivanchich." 
„Die Sommerszeit ("August und September) wurde; von jetzt an 
meiHt in der Urllhl hei MiWlling zugebracht, was durch die; <'hen 
eriWliKitc; Slldbalin erleichtert wurde." Low erschien wöchentlich 
einmal alH Flihrcr für „griUlere" Exkursionen, die sich bis Kalt(!n- 



Friedrich Moritz Brauer. 



131 



leatgebeu erstreckten. ..Besonderes Interesse erweckte da einst 
der bei der breiten Föhre - ) in Anzahl schwärmende, für Lehrer 
und Schüler gleich rätselhafte Ascalaplius macaronlus." 

Durch Ivanchichs Einfluß wich der Lehrer Schmiedhuber dem 
bessereu Regensburger, ..der die Kinder in den deutschen Klassen 
begleiten sollte." Im Jahre 1<S45 machte Friedrich die nähere 
Bekanntschaft Gustav Gözsys, der damals die zweite Gymnasial- 
klasse besuchte, also demselben Jahrgange wie Brauer angehörte. 
„Gözsys Vater, seit 1842 Hausarzt der Familie, beredete die Eltern, 
auch Friedrich öftentlich studieren zu lassen, umsomehr, als Friedrich 
schon 1843 vorbereitet worden war. Eegensburger besorgte das 
weitere, so daß Friedrich bei den .. Piaristen ^' über die erste und 
zweite Klasse geprüft werden konnte." I\un begannen für den an 
die Öffentlichkeit nicht gewohnten und, wie die meisten Kinder 
wohlhabender Wiener Familien, wohl auch verwöhnten Knaben 
(bei schlechtem Wetter wurden z. B. die Kinder in einer Sänfte 
getragen u. s. w.) schlimme Stunden, denn ..er hatte lange zu 
kämpfen, um in der Schule sich einen guten Platz zu erringen". 
„Die Vorliebe für Naturwissenschaften steigerte sich indes trotz 
des Gymnasialunterrichtes bei Friedrich immer mehr und haupt- 
sächlich waren es Gottl. Tob. Wilhelms Unterhaltungen aus der 
Xaturgeschichte, welche ihn lebhaft fesselten." Da in diesem 
Buche die zoobiographische Richtung in den Vordergrund tritt, so 
kann man wohl sagen, daß dieses Werk Brauers Forschungs- 
richtung fürs ganze Leben bestimmte. 

Es war im Jahre 1846 als der damals 14jährige Jüngling 
und Schüler der dritten Gymnasialklasse eine kleine Sammlung- 
exotischer Insekten erhielt, deren Bestimmung er erreichen wollte. 
Da Onkel Baum und die Mutter den damaligen Kustos Vinzenz 
Kollar kannten, wurde Friedrich demselben empfohlen, wodurch 
die erste Berührung mit dem Hofmuseum zustande kam. Brauer 
bestimmte, von Kollar angeleitet, die Insekten; seine freie Zeit 
führte ihn infolgedessen nun oft in die Räume des alten Xaturalien- 
kabinetes am Josefsplatze und „man kann sagen, daß man ihn 
dort auf das liebenswürdigste unterstützte". ,.Er besah am Museum 
alle Insektenladen und wurde durch diese gute Methode in allen 
Ordnungen bald oberflächlich bekannt. Kollar besorgte dann für 

9* 



132 



A. Handlirsch. 



ihn ein Exemplar von Burmeisters Handbuch, welches er zu stu- 
dieren begann und mit Eifer durchlas, obschon vieles für ihn noch 
unverständlich bleiben mußte." „Der naturwissenschaftliche Unter- 
richt ließ in den unteren Klassen fast alles zu wünschen übrig. 

„Im Jahre 1848 trat Brauer in die fünfte Gymnasialklasse, 
die sogenannte Poesie. Die Ereignisse dieses Jahres vom März 
an waren aber nicht geeignet zur poetischen Richtung und rissen 
alles mit sich. Brauer brachte mit Ausnahme des Monats August 
das ganze Jahr in Wien zu. Die Schulen wurden im Mai mit 
der Prüfung für das zweite Semester geschlossen. Zu jung, um 
an den Ereignissen der Politik oder Revolution teilzunehmen, war 
dieses Jahr dennoch so recht für seine Passionen geschaffen. 
Täglich wurde gesammelt und gezeichnet und namentlich trugen 
sich Brauer und Gözsy mit der Idee, ein Werk über Libelluliden 
zu verfassen" (mit 16 Jahren!) „wie jenes von Charpentier war. 
Die Jugend faßt ja stets unausführbare Pläne." 

„Im Hause war die Politik obenan, der Stiefvater ein Ungar 
mit ganzer Seele, die Brüder Nationalgardisten. Durch diese Um- 
gebung wäre es leicht gewesen, Brauer auf Abwege zu bringen, 
aber sein Hang zur Naturwissenschaft schützte ihn vor dummen 
Streichen. Die Sammlung (welche er bis zu seinem Tode besaß) 
baute sich zum gr()ßten Teile aus Generationen des Jahres 1848 
auf und an manches Insekt knüpften sich politische Erinnerungen, 
z. B. wie es oftmals nicht möglich war in die Stadt und nach 
Hause zu kommen, weil die Tore geschlossen worden waren 
u. a. m." 

Dieser Passus aus Brauers Autobiographic zeigt uns so recht 
deutlich, wie iuti^nsiv schon damals sein Hang zu den Naturwissen- 
Hcliaft(;n war: so tief, <laß daneben keine Neigungen anderer Art 
aufkommen konnten. Daß die Politik ihn in einem Alier, in dem 
andere, bereits hinter (l(;n iJarrikaden standen, gar nicht berührte, 
mag woiil aut V(;raidagung ])eruht haben, denn Brauer hatte bis 
zu seinem Lc^liensende wcsnig Vcirstilndnis für Politik, was sich 
im geKclligen Verkehre oft äußerte. 

Mit der naeii dem Jahr(; 1848 eingefUhrten Gymnasiah'eforni 
be;:ann fllr lirauer eine ii(;ihe von Schwierigkeiten, „dcinn der 
Liiterricht wecliHeite iu riesigen Dimensionen". War es ihm auch 



i 



Friedrich Moritz Brauer. 



133 



gelungen, die beiden letzten Jahrgänge glücklich zu überstehen, 
„so erhob sich die Maturitätsprüfung als untibersteigbare Wand 
vor ihm, während anderseits sein ganzer Geist den zoologischen 
Forschungen, die am Gymnasium für minderwertig galten, zugetan 
war". — In diese Zeit fallen nun Brauers erste Publikationen. 

„Im Sommer 1849 wohnte Brauer wieder in der Brühl und 
sammelte und beobachtete insbesondere Netzflügler, namentlich 
die Arten der Gattung Chrysopa. Er ließ die Tiere in der Ge- 
fangenschaft Eier legen und studierte die bei den einzelnen Arten 
sehr verschiedenen Larven. Da er die Arten nicht alle nach Bur- 
meisters Handbuch bestimmen konnte, so verfaßte er Beschreibungen 
derselben und der Larven und verfertigte auch Zeichnungen. Etwa 
im Mai desselben Jahres lernte er den Sekretär des Baron Laudon, 
Herrn Georg Frauenfeld kennen, der ein eifriger Zoologe und Bota- 
niker war. Dieser führte Brauer in die Sitzungen der Gesellschaft 
der Freunde der Naturwissenschaften ein, des einzigen damals 
erlaubten, von W. Haidinger gegründeten naturwissenschaftlichen 
Vereines in Wien. Frauenfeld sah die Arbeiten Brauers und beredete 
ihn im Winter 1849/50, dieselben in einer Sitzung vorzulegen. Das 
geschah denn auch im April 1850 und W. Haidinger faßte sofort 
den Entschluß, diese Arbeit (des kaum Achtzehnjährigen) als vierte 
Abteilung des IV. Bandes der Naturwissenschaftlichen Abhandlungen 
aufzunehmen und die Tafeln von der k. k. Staatsdruckerei in Farben- 
druck herstellen zu lassen." So erschien Brauers Erstlingsarbeit in 
einer für damalige Zeiten luxuriösen Ausstattung. „Trotz vieler 
Fehler flößte sie den Fachmännern besonders aus dem Grunde 
Respekt ein, weil darin auch schon Mitteilungen über andere bis 
dahin in Bezug ihres Aussehens und ihrer Entwicklung noch ganz 
unbekannte Larven (Ascalaphus und Osmylus) enthalten waren." 

Der jugendliche Forscher hat sich durch diese für die da- 
malige Zeit sehr gründliche erste Publikation bereits als scharfer 
Beobachter und begabter Zeichner erwiesen. Angeeifert durch 
den ersten Erfolg stellte er sich nun die Aufgabe, die Metamor- 
phose bei allen jenen Neuropterengruppen zu erforschen, bei denen 
in Burmeisters Handbuch der Vermerk „Metamorphose unbekannt" 
stand und er hat diese Aufgabe durchgeführt, wenn auch in 
einigen Fällen erst nach jahrelangen mühevollen Beobachtungen. 



134 



A. Handlirsch. 



„Bei Osmylus war das schnell gegangen. Brauer wußte die 
Plätze, an welchen das Insekt im Sommer häufig zu finden war, 
und wanderte eines Tages sammelnd längs des Grinzingerbaches. 
Er hatte kaum angefangen am Ufer Steine umzudrehen, als er 
auf eine sehr aulfallende Larve aufmerksam wurde, deren Kiefer 
wie die Stoßzähne eines Elefanten gebogen waren und die sonst 
einer großen Chryso2)a-LsiYye ähnlich sah. Mit Recht vermutete 
er in dieser die Larve von Osmylus und ein Zuchtversuch be- 
stätigte auch bald seine Ansicht." Brauer berichtete über diese 
Entdeckung in der Gesellschaft der Freunde der Naturwissen- 
schaften und beschrieb und zeichnete die Larve für Wiegemanns 
Archiv. In dasselbe Jahr fällt auch noch die Entdeckung der 
Larve von Fanorpa. „Brauer erzielte dieses Resultat dadurch, 
daß er Imagines lebend in einem Glase beobachtete, ihre Nahrung 
entdeckte und sie zur Kopula und zum Eierlegen brachte. Als 
die durch das Glas in der Erde sichtbaren Eier nahe dem Aus- 
kriechen waren, saß Brauer in Aufregung dabei, um sofort die 
Gestalt der noch unbekannten Larve zu sehen. Die Überraschung 
war groß, denn es war eine kleine Raupe (ohne Saugzangen), aber 
mit großen halbkugeligen Augen, die aus vielen kleinen Ozellen 
zusammengesetzt, scheinbar wie P^azettenaugen den größten Teil 
der Kopfseiten einnahmen." Diese Larven haben erst viel sj)ätcr 
eine größere Bedeutung erlangt, weil durch sie festgestellt wurde, 
daß die Panorpiden in eine ganz andere Entwicklungsreihe ge- 
hören als die Ncuroptereii. Eine Arbeit ül)er diese Beobachtungen 
wurde einer Publikation in den Sitzungsberichten der Akademie ' 
der Wissens(;haften wert befunden (18;")!). 

Im Juli bis September unternahm dann Brauer mit seinen ij 
Aiigcliöri^cn eine Reise nach Adclsberg, Triest, Venedig und; 
Tirol, die ilin aber weiter nicht wissensclinftlich beschäl'tigtc, weil 
sicli vermutlich keine Gelegenheit zu zoologischen Beobachtungen 
ergeben \v.\\\v,. I'nld darauf g(;Iang es Jcidoch dem eifrigen l^'orsclier 
wieder (;ine n(;ue Entdeckung zu machen, indem er durcli Er- 
zielung der Eierablagc bei Mantisp((> pa<fana feststellen konnte;, 
daß die Jvarve di(;K(;H InKektes eine Saugzange besitze. (Wiege 
inannH Archiv, \^W2). Auf (Jrund all (li(;H(;r Entdeckungen machte 
dann Brauer in der Stettiner Entoniologischen Zeitung (I852j den 



i 



Friedrich Moritz Brauer. 



135 



durchaus gelungenen Versuch einer neuen Gruppierung* der Gat- 
tungen in der Zunft PlanijJennia Burm., eine Arbeit, die auch der 
ältere und viel Aveiter vorgeschrittene H. A. Hagen in Königsberg 
als Basis für seine systematischen Ansichten benützte. 

Alle diese Arbeiten fallen in Brauers Gymnasialzeit, „deren 
letzte Jahre ihm sehr sauer gemacht wurden". Unglückseliger- 
weise war die Nachricht von seinen wissenschaftlichen Leistungen 
bis in die Räume des Gymnasiums gedrungen, wo sie bei einigen 
Lehrern keine günstige Aufnahme fand. „Man fürchtete, Brauer 
werde zu eingebildet und man hatte auch kein Urteil über den 
Wert der Arbeiten." Diese Anfeindungen veranlaßten die Eltern, 
Brauer an ein anderes Gymnasium zu schicken — was insoferne 
mißlich war, als kein einheitlicher Lehrplan bestand — und führten 
schließlich im März 1852 zu einer Reprobierung bei der Matura I 
Auch im September 1852 konnte das Reifezeugnis nicht erlangt 
werden. „Es war dies wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß 
bei dieser Prüfung hauptsächlich die Beantwortung der Fragen 
und nicht die wirkliche geistige Reife maßgebend war und daß 
gerade auf Zoologie und Naturgeschichte überhaupt ein geringer 
Wert gelegt wurde." 

„Zur Erholung von dieser Erniedrigung wurde Brauer ge- 
stattet, im Oktober eine Reise zu seinem brieflichen Freunde Dr. 
H. Hagen nach Königsberg antreten zu dürfen. Mittlerweile beriet 
man in Wien, ob Brauer nicht zum Kaufmanne ausgebildet werden 
sollte, oder ob er von einem Gesuche an den Unterrichtsminister 
Hilfe erwarten dürfe, da ja gleichzeitig die kais. Akademie in 
Wien und auswärtige Journale von demselben Arbeiten angenommen 
hatten, während ihn das Gymnasium für unreif zum Universitäts- 
studium erklärte I Das Gesuch, vom damaligen Schulrat Becker 
unterstützt, fand volle Berücksichtigung bei dem Minister Leo 
Thun und Brauer durfte nach zwei kleinen Prüfungen aus Mathe- 
matik und Latein im Sommer 1853 die Universität beziehen. 

Wie alle, welche zu jener Zeit Zoologen werden wollten, 
wandte sich auch Brauer dem Studium der Medizin zu und frequen- 
tierte mit großem Eifer die Kollegien von Hyrtl, Brücke, Kner, 
Zippe, Fenzl, Schroff, Unger, Rokitansky, Redtenbacher, Oppolzer, 
Schuh, Skoda und Dumreicher. „Von seiner Mutter aber erhielt 



136 



A. Haiidlirsch. 



er das damals seltene und sehr teure Werk von I. 0. Westwood — 
Introduction to tlie modern Classification of insects — das für ihn 
ein Vademecum wurde und dem zu Liebe er mit Lust englisch 
lernte." 

„Im Mai 1854 verlor Brauer seine liebe Mutter, kam unter 
Vormundschaft seines Bruders Albert und wohnte allein, da der 
Stiefvater das Hauswesen nicht in der alten Weise weiterführte." 
„Brauer führte nun ein Gasthaus und Kaffeehausleben", welches 
jedoch dem an die Familie gewöhnten jungen Manne nicht be- 
hagte, „und so verlobte er sich schon früh mit der Tochter Leon- 
tine des Rechtskonsulenten Gallus Boschetty." Nach dem Tode 
der Mutter hatte er seinem Bruder das Versprechen gegeben, nicht 
vor seinem 24. Jahre zu heiraten und wurde hierauf großjährig 
erklärt. " 

Um diese Zeit (1854) trat nun Brauer in nähere Beziehungen 
zu Dr. R. I. Schiner, den er schon von den Haidinger-Abenden her 
kannte, und zu dessen Freunde, dem Hofwundarzte Dr. Joh. Egger. 
„Mittlerweile hatte sich auch die Bildung des zoologisch-botanischen 
Vereines, zu dessen Gründern Brauer gehörte, vollzogen (1851). 
Es ist interessant zu bemerken, daß Schincr zu dieser Zeit Orni- 
thologe und Botaniker war und Dipteren gar nicht kannte. Frauen- 
feld, Egger und Schiner übten sich damals im ersten Bestimmen 
dieser Tiere nach Meigens Werk, wozu auch Brauer seine Samm- 
lung hergab. „Da die Erstgenannten die Larven der interessanten 
(Hiionea arawoidrs großziehen konnten, so veranlaßten sie Brauer, 
die anatomische Untersuchung der Fliege und Larve vorzunehmen, 
was ihm sehr gut gelang, so daß in dem gemeinsam publizierten 
Aufsatze eigentlich Brauer das Ilauptverdienst zukommt." So 
entstand l)rauers erste Arbeit auf dipterologischem Gebiete (Zool.- 
bot. Ver., 1854 ). 

Eifrig mit dem Studium der Anatomii; und Biologie der Ncu- 
roptcren beschäftigt, v(;rr)n(!ntli('.lite Brauer nebst einigen khiinercn 
Arbeiten im Jahre; 1855 ein griUicniH ICIaborat: ,. lieiträge zur 
KcnntniH des iniicrcii Baues und der Verwandlung der Neuro- 
pteren", mit fllnf '1 afein, in (l(;n V(!rh. des zool. -bot. Vereins. Seine 
(licHbezllglichen ( JnterKUchung(Mi (M'Ktreckten sich auf Bhryganid(!n, 
ranor[)iden, MantiHj)iden, llemerobiiden und Myrmeleoniden und 



Friedrich Moritz Brauer. 



137 



brachten eine Fülle neuer Tatsachen. Im Anhange daran ver- 
öffentlichte Brauer ein Verzeichnis der um Wien aufgefundenen 
Neuropteren. 

„Schon im Jahre 1854 und 1855 hatte sich Brauer innig an 
Dr. Joh. Egger angeschlossen, zahlreiche Exkursionen mit dem- 
selben gemacht und dadurch die Dipteren hinreichend kennen ge- 
lernt", als im Juli 1856, fast gleichzeitig mit Brauers Hochzeit, 
durch Herrn K. Lang im Prater zufällig ein Exemplar des Oestrus 
pidus Mg. aufgefunden wurde. Dadurch wurde Brauers Aufmerk- 
samkeit nun auf die Ostriden gelenkt, auf jene interessante 
Dipterengruppe, deren Larven parasitisch in Säugetieren leben. 
Eifrig verfolgte er von nun an „planmäßig" das Studium dieser 
Gruppe, ohne jedoch deshalb gleich die Neuropteren zu vernach- 
lässigen, und schon im folgenden Jahre faßte er seine reichen 
Erfahrungen auf letzterem Gebiete in einem „Neuroptera austriaca" 
betitelten Handbuche zusammen, an welchem ein (medizinischer) 
Kollege Brauers, Franz Low, durch Bearbeitung der Psociden teil- 
nahm. Dieses bis heute viel benützte Buch (80 Seiten in 8'^ mit 
fünf Tafeln) erschien selbständig bei Gerold und bot mehr als 
der Titel angab, denn es enthielt außer den nach der analytischen 
Methode bearbeiteten, bis dahin im „Erzherzogtum Osterreich" auf- 
gefundenen Neuropteren- und Pseudoneuropteren Arten auch eine 
Charakteristik aller europäischen Genera. Schon damals zeigte 
sich die an Geringschätzung grenzende Abneigung Brauers gegen 
„kleine" Insekten, eine Abneigung, die er auch in seiner späteren 
Laufbahn nie vollständig überwand, und es war ein glücklicher 
Zufall, daß sich in der Person F. Löws, welcher bekanntlich zeit- 
lebens gerade die entgegengesetzte Neigung hegte, ein Mitarbeiter 
für obiges Werk fand. Gewiß war es nicht die Scheu vor dem 
Mikroskope, welche Brauer von den „kleinen" Insekten abhielt, 
denn er verstand sich mindestens so gut wie Low auf die Hand- 
habung stärkerer Vergrößerungen. 

Nun aber mußte Brauers Jugendliebe — die Neuropterologie 
— einem gefährlichen Rivalen — den Östriden — weichen, denen 
er auf längere Zeit seine ganze Kraft widmete. Da galt es zu- 
nächst alle einschlägigen Arbeiten zusammenzubringen, was bei 
dem damaligen Stande der öffentlichen Bibliotheken keine geringe 



138 



A. Handlirsch. 



Sache war. Dann wurde eine ausgebreitete Korrespondenz erölfnet 
und vor allem fleißig' beobachtet, wobei wieder Freund Egger mit- 
wirkte. So brachte schon das erste Arbeitsjahr reiche Früchte, 
indem durch häufigen Besuch der Wildfutterplätze im Prater und 
im kaiserlichen Tiergarten die Ostriden des Hochwildes (ZooL- 
bot. Ver., 1858) alle erbeutet und gezogen werden konnten. 
Durch glückliche Funde Rogenhofers und Prof. P. C. Zellers 
sowie durch Benützung der Sammlung des Hofmuseums und jener 
des berühmten Dipterologen H. Low (den Brauer 1855 auf dem 
Schneeberge kennen gelernt hatte) kam Brauer bald in die Lage, 
mehrere neue hochinteressante Formen zu beschreiben, wie Hypo- 
derma Satynis, Cex^flialomyia purpurea, Hypoderma lineakim, Gastro- 
pliilns inermis und laüventris, deren Wohntiere jedoch meist erst 
viel später festgestellt werden konnten (Zool.-bot. Ver., 1858). 

Noch einige wertvolle Beiträge über „Oestrus liominis'^, über 
die Larven der exotischen Gattung Cuterehra und andere Formen 
wurden im Jahre 1860 veröffentlicht, als Brauer, kurz nachdem 
er nach siebenjähriger Studienzeit sein erstes medizinisches Rigo- 
rosum mit ausgezeichnetem Erfolge abgelegt hatte, von einem 
schweren Typhus befallen wurde, der nach Brauers eigener, wieder- 
holt geäußerter Meinung von wesentlichem Einflüsse auf seine 
fernere Laufbahn war: „Brauer hatte eine lange Rekonvaleszenz j, 
durchzumachen und alle Lust zum Studium auf das zweite Rigo- 
rosum verloren. Aus Mangel an Energie entschloß er sich, 
einen langwierigen und anfangs sehr undankbaren Weg zu gehen 
und nahm im Oktober 18(U eine Stelle für außerordentliche wisscii- 
scliaftliclie Dienstleistung am sogenannten Naturalienkabinett an, 
nachdem vv eine Zeitlang die Stelle eines Assistenten an der 
zoologischen Lehrkanzel d(;s Prof. Kner bekleidet hatte." 

Dl) nun wirklich diese Krankheit für die weitere liaufhahn 
Brauers so entscheidend war, wie er glaubte, läßt sich heute 
wohl nicht mit Sicherheit sagcni. Jedenfalls S})ielte hier auch sein 
ganz(;H, j(;deni Zwange; abholde Naturell eine; liolle, denn wir 
H(;hcn, daß sein Studiengang trotz der eminenten Begabung durch 
die AuHllbung der I^issioncn um (;twa fUnf Jahre v(;rz()gert worden 
war: Mit 20 Jahren Matura, mit 28 Jahren erstes Rigorosuni. 
Daß ein Familienvater in seinem Alter endlich nach einer minder 



Friedrich Moritz Brauer. 



139 



glänzenden Karriere griff, um eine gesicherte Existenz zu ge- 
winnen und ein lästiges Studium abzuwälzen, ist wohl auch ohne 
Eingreifen des Typhus als „vis major" erklärlich. — Übrigens 
hatte, wie wir schon sehen werden, weder Brauer noch das 
Museum oder die Wissenschaft diesen entscheidenden Schritt zu 
bedauern, denn, obwohl er nun in seiner neuen Stellung durch 
16 Jahre wenig Gelegenheit fand, sich auf seinem eigentlichen 
Arbeitsfelde auch von amtswegen zu betätigen und obwohl er ge- 
zwungen war, sich der Konchyliensammlung zu widmen, blieb 
Brauer doch reichlich Zeit, um auf entomologischem Gebiete weiter- 
zuforschen, so daß in seiner Publikationstätigkeit gar keine Pause 
eintrat. 

So wurde zunächst noch eine Reihe kleiner Arbeiten über 
Ostriden veröffentlicht, bis das Studium dieser Gruppe 1863 durch 
Jene herrliche Arbeit zum vorläufigen Abschluß kam, welche noch 
heute allgemein als Muster einer Monographie gelten muß, was 
selbst Brauers Feinde nicht in Abrede stellen können. Heraus- 
gegeben von der k. k. zool.-bot. Gesellschaft und ausgestattet mit 
zehn zum Teil kolorierten, von Brauer selbst entworfenen Kupfer- 
tafeln umfaßt dieses Werk auf 291 Oktavseiten eine solche Fülle 
von Tatsachen und genauen Beobachtungen, wie sie eben nur 
ein genial veranlagter Forscher in so kurzer Zeit zuwege bringen 
kann. 

Gelegentlich der Besprechung der Ostriden und ihrer Larven 
hebt Brauer zum ersten Male hervor, daß sich die Dipteren nach 
der Art wie sich die letzte Häutung der Larve vollzieht in zwei 
Hauptgruppen einteilen lassen, u. zw.: „1. Diptera orthorrhapha", 
bei denen sich die Larvenhaut bei der letzten Häutung mit einem 
Längsrisse auf der Rückenseite in der Mittellinie von Segment 
^—4, zu welchem am vorderen Ende ein Querriß hinzukommt, 
öffnet, und „2. Diptera cyclorrhapha", bei denen die Larvenhaut 
bei der Verpuppung nie abgestreift, sondern zu einer sogenannten 
Tonne umgewandelt wird, die durch Tracheen in vitaler Verbin- 
dung mit der Nymphe bleibt. Nach Ablauf des Nymphenstadiums 
öffnet sich hier die Tonne stets in der Richtung von Bogennähten 
mit einem oder zwei abfallenden Deckeln. Dadurch war der 
Grundstein zu einem neuen System der Dipteren gelegt, welches 



140 



A. Handlirsch. 



Brauer später weiter ausbaute und welches sich trotz vieler An- 
feindungen, auf die wir später zu sprechen kommen werden, 
bis jetzt, wenigstens der Hauptsache nach, siegreich behauptet 
hat. Außerdem war durch diese Entdeckungen auch eine syste- 
matische Bearbeitung der Dipterenlarven angebahnt. 

Nun kam wieder eine bessere Zeit für die Neuropteren, denn 
Brauer hatte die Bearbeitung des von der „Novara"-Expedition 
mitgebrachten Materiales übernommen. Er dehnte dadurch seine 
Studien, die sich bisher vorwiegend auf europäische Formen er- 
streckt hatten, auch auf Exoten aus. Das Novaramateriale allein 
hatte 90 neue Arten und 11 neue Gattungen geliefert, die nach 
vorläufiger Publikation in der zool.-bot. Ges. in dem bekannten 
Novarawerke (1866) veröffentlicht wurden.^) Gleichzeitig bear- 
beitete Brauer auch noch andere Ausbeuten und Sammlungen, 
z. B. jene von Kaup, Ransonnet, Semper und vom Museum Godef- 
froy, und veröffentlichte eine Reihe kleinerer Arbeiten über Neu- 
ropteren und Ostriden. Auch hatte Brauer nunmehr hinlängliche 
allgemeine Kenntnisse, um eine Serie von populären Vorträgen 
über entomologische Themen im Vereine zur Verbreitung natur- 
wissenschaftlicher Kenntnisse zu eröffnen, als deren ersten wir 
den am 6. März 1865 gehaltenen „Über Insektenmetamorphose" 
hervorheben. Außerdem wurde er mit der Berichterstattung über 
die Leistungen in der Naturgeschichte der Insekten für Wioge- 
manns Arcbiv betraut (1867 — 1871). 

leinen weiteren Schritt in der Neuropterologie machte er dann 
mit seinem „Verzeiclinis der bis jetzt bekannten Ncuro))tcrcn im 
Sinne Linnes", weh;hes eine Bcstinnnungstabcllc und Charakteristik 
jillcr liölieren (iruj)pen und Genera enthält (Zool.-bot. Ges. 1868), 
und mit der Entdeckung der liochinteressanten Metamorphose von 
Maniispa (XHiW)). 

' Im Jahre 1869 veröffentlichte Brauer unter dem Titel „Kurze 
Cliarakteristik d(;r Dipterenlarven zur Bekräftigung des neuen von 
Dr. Sdiiner entworfenen DipterensyRtenis" (Zool.-})ot. Ges.) eine 
weitere AuHfUlirung jenes Systems, zu dessen Entstehung seine 
<)\)i',]i erwiümt(;n Beobachtungen den Impuls gegeben hatten. In 
der Einleitung'- steht ;ius(lrlleklieli : „Auf (Jnnid der von mir vor- 
gcHehlagenen Linteilung (l(;r Dipterenlarven nach ihrem V(;rpuppung8- 



Friedrich Moritz Brauer. 



141 



prozesse in Ortliorrliaplia und Cydorrhaplia hat Dr. Schiner ein 
System der vollkommenen Insekten entworfen. Dieses System 
erweist sich aber besonders darum als natürlich, weil die dort 
aufgestellten Unterabteilungen in den obgenannten zwei Haupt- 
gruppen durch nachträgliche Untersuchungen einer großen Zahl 
Larven ihre volle Berechtigung gefunden haben. Da ich durch 
Dr. Schiners umfassende dipterologische Kenntnisse auf mehrere 
besonders zur Beobachtung für die Systematik wichtige Formen 
aufmerksam gemacht wurde, so dürfte mit dieser vorläufigen 
Charakteristik der Larven mit Rücksicht auf deren Entwicklung 
und deren Imagines der Grundstein zu einem wirklich natür- 
lichen Systeme der Zweiflügler gegeben sein." Durch diese Be- 
merkung ist der Anteil der beiden Forscher an dem neuen Systeme 
wohl zweifellos klargestellt: Grundidee von Brauer — Ausbau 
von Schiner; und eine später aufgetauchte Behauptung, das natür- 
liche Dipterensystem sei eigentlich von Schiner, muß daher ent- 
schieden zurückgewiesen werden, um so mehr, als Brauer im Laufe 
der Jahre noch manche Korrekturen und Erweiterungen an dem- 
selben vornahm.^) 

Durchdrungen von den damals noch jugendfrischen darwini- 
stischen Ideen, suchte Brauer seine reichen Erfahrungen und Be- 
obachtungen über Insektenmetamorphose nunmehr in diesem Sinne 
zu verwerten. Fritz Müllers und Häckels Ideen über den phylo- 
genetischen Wert der Zoea brachten Brauer zu der Annahme einer 
analogen Urform für die Insekten, die er in der Campodea ge- 
funden zu haben glaubte. Er stellte die Ca?)2^i:>oc7ea-Ähnlichkeit 
vieler Insektenlarven fest und kam zu dem Schlüsse, daß jene 
Insekten, bei welchen das neugeborene Tier und die Imago einander 
und der Campodea am ähnlichsten sind {Ferlidae, Epliemeridae, 
Forficididae, Blattidae, lermitidae etc.), als alte, dagegen jene, bei 
welchen ein großer Unterschied zwischen der ersten Jugendform 
und der Imago eintritt (z. B. Hymenopteren, Lepidopteren, Di- 
pteren etc.), als jüngere zu betrachten seien. Diese und viele andere 
Ideen, z. B. die mit Häckel in Widerspruch stehende Ansicht 
über die heterophyletische Abstammung der Tracheaten (S. 307), 
finden wir in gedrängter und bescheidener Form in einem Auf- 
sätze: „Betrachtungen über die Verwandlung der Insekten im 



142 



A. Handlirsch. 



Sinne der Deszendenztheorie" niedergelegt (Zool.-bot. Ges., 1869 
und Fortsetzung 1878). Brauer selbst mag damals wohl noch nicht 
geahnt haben, daß seine Campodea-Theorie, zu welcher ein Jahr 
später und ganz unabhängig auch J. Lubbock gelangte, später durch 
lange Jahre geradezu als Grundlage für alle phylogenetischen Ar- 
beiten auf entomologischem Gebiete gelten werde. 

Freilich begann man in jüngerer Zeit, als die darwinistischen 
Anschauungen ihre Sturm- und Drangperiode überwunden hatten 
und allmählich eine nüchterne Kritik platzgriff, auch an der Cam- 
podcd -Theorie zu rütteln. Und Brauer selbst fand das selbstver- 
ständlich. Es ist daher leicht erklärlich, daß die ungerechtfertigt 
heftigen Angriffe, welche J. E. V. Boas in den Zoologischen Jahr- 
büchern I8ÜÜ gegen seine Arbeiten schleuderte, ihn aufs tiefste 
kränkten. 

So war denn Brauer aus dem Rahmen der Detailforschung 
bereits glücklich herausgetreten, als er sich 1871 entschloß, das 
zweite medizinische Kigorosum zu absolvieren, nicht etwa, um 
sich durch Ausübung der Praxis eine Erwerbsquelle zu schaffen, 
sondern um durch Erlangung des Doktortitels die Qualifikation 
zur lloclischulkarriere zu besitzen. Die Habilitation erfolgte dann 
an der philosophischen Fakultät (1872) unter der Ägide Schmardas, 
der sowohl die Bedeutung der Entomologie als Wissenschaft, als 
auch jene Brauers richtig erkannt hatte. Zwei Jahre später er- 
hielt liraiier den Titel eines außerordentlichen Professors. 

Um diese Zeit hat sich Brauer vorübergehend biologischen 
Beobachtungen über Phyllopoden zugewendet, deren er viele in 
Afjuarien züchtete. Der Wert dieser Arbeiten ist aus Ad. Steuers 
Bemerkung in der Festschrift der Zool.-bot. Ges. (1900) zu ent- 
nchincn: ..Unter den (CnistMccen ) Arbeiten aus dem Wiener 
il<»rinnH(iun nehmen die UnterHuchungen Brauers inlialtlich den 
ersten Itang ein." 

In der l'^7<) (n-HchicnencMi Jubiliinnisschrift der Zool.-bot. Ges. 
crHchien dann Brauers letzte zusammenfassende vVrbeit \\\h)v Neu- 
n)pteren unter dem Titel: Die Neuroptercn Europas und ins- 1 
beHondere OHterreieliH. Iiier linden wir außer vielen Nachträgen 
und ein(;r Ptcvision der „Neuroptera austriaca" in synonymischer! 
IlinHieht auch einen Katalog der (turopäischen Arten. Bald darauf 



Friedrich Moritz Brauer. 



143 



erschien auch die Bearbeitung der Odonaten in Fedtschenkos 
Reisewerk. 

Wie schon oben erwähnt, war Brauer seit seiner Anstellung 
im Hofmuseum der Molluskenabteilung zugeteilt, wo er sich durch 
viele exakt durchgeführte Bestimmungs- und Ordnungsarbeiten 
sehr verdienstvoll betätigte. Eine Deutung der Bornschen Originale 
(erschienen 1878) ist wohl die einzige wissenschaftliche Publikation, 
die aus diesem Zweige seiner Tätigkeit hervorging. Nachdem 
durch den in rascher Folge eingetretenen Tod der Entomologen 
Frauenfeld (1873), Ferrari und Redtenbacher (1876) die Reihen 
der Musealbeamten gelichtet waren, wurde endlich ein passendes 
Plätzchen für Brauer frei, so daß er, der hervorragendste Entomo- 
loge seiner Zeit, nunmehr eine seinen Fähigkeiten und Neigungen 
entsprechende Stelle einnehmen konnte. Diese Veränderung in den 
äußeren Umständen zeigte sich dann auch bald in einer lebhafteren 
Publikationstätigkeit Brauers auf dipterologischem Gebiete, denn 
es war ihm nunmehr möglich, an der Hand der reichen Sammlungen 
von Winthem, Wiedemann, Egger und Schiner, die sich alle im 
Naturalienkabinette befanden, größere systematische Arbeiten zu 
unternehmen. Ungefähr um diese Zeit wurde Brauer auch zum 
Kustos (1876), zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der 
Wissenschaften (1878) und zum Ehrenmitgliede mehrerer Vereine 
ernannt. 

Als erste Nummer einer unter dem Titel „Die Zweiflügler 
des kaiserlichen Museums in Wien" herauszugebenden Publikations- 
reihe erschien bereits im Jahre 1880 in den Denkschriften der 
kaiserlichen Akademie eine Tabelle mit dem weiteren Ausbau des 
Brauerschen Dipterensystems und eine Bearbeitung der euro- 
päischen Arten der Gattung Tahanus mit sechs meisterhaft gezeich- 
neten Tafeln. Bald folgte die zweite Nummer mit einem Versuche 
einer Charakteristik der Gattungen der Notacanthen, der mit Sce- 
nopinus verwandten Dipteren und mit vergleichenden Untersuchungen 
über das Flügelgeäder der Dipteren nach Adolphs Theorie. 

Zu jener Zeit war es, als Schreiber dieser Zeilen, damals 
noch ein Student, Schmetterlinge sammelnd in Gesellschaft seines 
Bruders Adam zum ersten Male mit Brauer auf dem Gipfel des 
Eichkogels zusammentraf. Dort stand er unbeweglich mit seinem 



144 



A. Handlirsch. 



Netze, wie der Jäger, wenn er auf dem „Anstände" ein edles 
Wild erwartet : Es galt dem Oestrus purpureus, einem der wenigen 
Ostriden, in deren Lebensgeheimnisse zu blicken dem Forscher 
bis dahin noch nicht gelungen war. Anfangs beobachtete Brauer 
gegenüber den Eindringlingen in sein Revier eine gewisse Zurück- 
haltung, die aber bald einer milderen Stimmung wich, als es sich 
zeigte, daß die zwei Jungen nicht ausschließlich dem Schmetterlings- 
sport huldigten und sogar über gewisse Kenntnisse auf Brauers 
Lieblingsgebiete verfügten. Da war denn bald das Eis gebrochen 
und Brauer hatte im Nu zwei ergebene Anhänger und eifrige 
Schüler gewonnen. Es folgten häufigere Zusammenkünfte in der 
Umgebung Mödlings, gemeinsame Sammelexkursionen und endlich 
auch ein freundschaftlicher Verkehr in der Familie. Brauer machte 
damals äußerlich bereits den Eindruck eines alten Mannes, wozu 
wohl außer dem weißen Haar viele „Altwiener"-Anklänge in Tracht 
und Benehmen beitrugen, doch verdeckte die alte Hülle nur not- 
dürftig einen noch jugendlichen frischen Kern: voll Humor und 
Lebenslust, rasch in seiner Auffassung, energisch in der Bekämpfung 
seiner Widersacher und in der Ausführung wissenschaftlicher Pläne, 
war Brauer damals eben in seiner Vollkraft. Unvergeßlich werden 
dem Verfasser jene heiteren Stunden bleiben, die er mit Brauer 
und dessen Kindern Richard (zur Zeit Techniker, jetzt Baurat) und 
Ludiiiilhi fj(;tzt Frau Oberinspektor Wurth) in der lliddrichsmühle 
(Hinterbrinil ) zubrachte. Da gingen manchmal die Wogen der 
Untcrlialtung so hoch, daß sich der „alte Herr" an das Klavier 
setzte und die Jugend durch den Vortrag selbstgedich toter Lieder 
oder eigener Kompositionen, die von musikalischer Begabung 
zeugten, erfreute. Es folgten dann Nestroy -Erinnerungen und 
sclili(;ßlicli ein kleines Ballet, in dem er selbst die Rolle der ])rima 
ballcrina iibernalini. 

\ Oll ihiiis ans „gcni Iii lieh" veranlagt, mit einem ausgesprochenen 
llan/^^ zur 1 Icilcrkcit, konnte l>rauer auch sehr unnngenelini werden, 
wenn ilnn irgend cIw.'ih in die Quere kam, gleichviel ob es eine 
^böHC" Kritik oder die, Ungeschicklichkeit eines Kellners war. 
AnHtrc-ngungen li(;l)te (;r nicht und vermied sie, außer wenn sie 
mit Hcinen IjeblingHarlxjitcn in Zusammenhang standen. In der 
Verteidigung seiner Ideen iiikI Arl)eiten den Kritikern gegenüber 



Friedrich Moritz Brauer. 



145 



verstieg" er sich oft in der ersten Aufregung zu wahren Brandreden, 
witterte böse Absicht auch dort, wo eine solche sicher nicht be- 
stand. Demgemäß arteten die im ersten Anlaufe verfaßten Ent- 
gegnungen meist in ein ungebärdiges Umsichschlagen aus, um 
jedoch bald auf das richtige Maß herabgedrückt zu werden. Und 
so trug die „Gemütlichkeit" meist den Sieg über den Zorn davon. 

So unangenehm ihn jeder Angriff berührte, war er doch 
selbst immer etwas agressiver Natur und liebte es, in seinen Ar- 
beiten so manchen wohlgezielten Seitenhieb anzubringen. Dabei 
war Brauer keineswegs hochmütig oder mit einem Unfehlbarkeits- 
dünkel behaftet, im Gegenteil, eher zu bescheiden und er verstand 
es nicht oder verschmähte es auch, für seine Leistungen irgend 
eine Propaganda zu machen. Doppelt freute es ihn daher, wenn 
spontan eine Anerkennung oder Auszeichnung sich einstellte. Am 
lebhaftesten äußerte sich jedoch seine Freude über jeden glück- 
lichen Fund, über jede gelungene Beobachtung, auch wenn sie 
einer seiner zahlreichen Schüler oder Freunde machte. 

So nahm er regsten Anteil an der Entdeckung der Meta- 
morphose von Hirmoneura obscura durch meinen Bruder Adam, 
die zu jener Zeit in Mödling erfolgte. Er förderte die Arbeit 
dieses seines jüngsten, damals kaum 18 jährigen Lieblingsschülers, 
den er kaum einige Wochen kannte, nicht nur durch werktätige 
Mitwirkung an den notwendigen umfangreichen Erdaushebungen, 
sondern auch durch Beistellung der meisterhaft gezeichneten Abbil- 
dungen für die Publikation. 

In diese Blütezeit Brauers fällt auch eine Reihe schöner und 
grundlegender Arbeiten, von welchen wir in erster Linie jene 
über das „Segment radiaire Latreilles" (Sitzungsber. Wien. Akad., 
1882), welche für die Morphologie des Insektenthorax von Be- 
deutung war, und dann die dritte Nummer der „Zweiflügler des 
kaiserl. Museums" mit einer durch fünf schöne Tafeln erläuterten 
Bearbeitung der Dipterenlarven hervorheben. Die letztere Publi- 
kation wird noch für lange Zeit ihren Wert behalten, denn sie 
enthält eine Fülle neuer Tatsachen und einen weiteren Ausbau des 
Dipterensystems. ^) 

Als nach dem Rücktritte Schmardas (1883) die eine Lehr- 
kanzel für Zoologie frei geworden war, klagte Brauer oft über die 

Z. B. Ges. Bd. LV. 10 



146 



A. Handlirsch. 



Interesselosigkeit und die Geringschätzung, welche von maßgebender 
Seite der Systematik, speziell der Entomologie entgegengebracht 
wurde, und entschloß sich, für diese Richtung eine Lanze einzu- 
legen. Er wollte jenen beweisen, daß die Systematik in seinem 
Sinne eine vollwertige Wissenschaft sei und nicht nur ein „Hilfs- 
mittel" zur leichteren Orientierung oder eine Art „Registratur", 
wie man sie in einer Sitzung des Professorenkollegiums genannt 
hatte. So entstanden die „Systematisch- zoologischen Studien" 
(Sitzungsber. Wien. x\kad., 1885), deren reicher Inhalt wohl genügt 
hätte, um einsichtsvolle und vorurteilsfreie Gegner davon zu über- 
zeugen, daß Brauers Systematik die Resultierende aus allen 
Zweigen der Zoologie und nicht nur eine bloße Hilfswissenschaft ist. 

Das erste Kapitel der „Systematisch-zoologischen Studien" 
gibt uns ein klares Bild von den zwischen System und Stamm- 
baum bestehenden Beziehungen und präzisiert sowohl den Begriff 
als auch die Aufgaben der modernen Systematik im Sinne Darwins. 
Hierauf gelangen im zweiten Kapitel die „unvermittelten Reihen" 
in der Klasse der Insekten zur Besprechung und der Verfasser 
gelangt dniin durch Berücksichtigung der gesamten Organisation, 
Entwicklung und Paläontologie zu der Aufstellung eines neuen 
Insektensystems. Er vertritt die Ansicht, daß die jetzt lebenden 
Insektenordnungen wahrscheinlich nicht voneinander, sondern 
von miteinander näher verwandten Urformen abstammen. In den 
fossilen Resten sei keine einzige transitorischc Type zwischen den 
lebenden Ordnungen mit Sicherheit nachzuw^eisen. Ausgehend von 
der (^fUHpodra-TheoriG^ betrachtet er die ab origine ungeflügelten 
Insekten als tiefer stehend und bringt sie als Ahterygogenca" 
(y/tgsfinurn etc.) in einen Gegensatz zu den „JHerygogenea'^ (den 
geflrig('lt(;n oder s(;kun(lär ungcJl (igelten Eormen), die ihrerseits in 
H) unvermittelte Ueilien zerlallen: \. Drrmaptera, 2. Kphemcridae, 
'.). (hloiidhi, \. PIficopfrra, 5. (hthoptera genuina, 6. Corrodmtia, 
7. 7'hysfih(fj)/rrff , S. Jlhynchofa , 9. Neuroptara , 10. Fanorpata, 
II. 7'r/rli(j/)/rr(i, Ijcp'ulojtirra, 13. Diptcra, 14. Hiphonapiera, 
\'.). ( 'nlroplrra lind 10. J lymmoptcra. Zwischen der achten und 
neunt(;n Reihe macht Brauer einen Strich, welcher die Metabolen 
von d(;n Anietaholen, resp. Ilemiinetabolen trennt und uns zeigt, 
(laß Brauer, der ja selbst schon Irliher auf die parallele Entwick- 



Friedrich Moritz Brauer. 



147 



I lung vieler Charaktere in verschiedenen Verwandtschaftsreihen auf- 
merksam gemacht hatte, noch nicht so weit ging, auch die Meta- 
morphose als Konvergenzerscheinung zu deuten. ^ ) 

Brauers Insektensystem hat sich in kurzer Zeit allgemeine 
Geltung verschafft und mit Recht Eingang in viele moderne Hand- 
bücher gefunden, denn es zeichnet sich von allen früher gebräuch- 
I liehen Systemen sehr vorteilhaft durch die Trennung künstlich 
zusammengeworfener Formengruppen, wie der Parnopaten, Tricho- 
pteren von den Neuropteren oder der Apterygogenen von den 
Orthopteren aus. Brauer selbst war nicht eitel genug, um sein 
System als Dogma zu betrachten und unterstützte später eifrigst 
i die Bestrebungen seines Schülers, welcher auf Grund paläonto- 
logischer und morphologischer Studien vielfach zu entgegengesetzten 
Ansichten gelangte. Er sah eben ein, daß seine im Jahre 1886 
' veröffentlichten „Ansichten über die paläozoischen Insekten", eine 
j Gelegenheitsarbeit, hervorgerufen durch einige vage Spekulationen 
\ Scudders und Brongniarts, zu wenig gründlich durchgearbeitet 
I waren, um als genügende Basis für phylogenetische Betrachtungen 
zu dienen und war davon überzeugt, daß der erfolgreichen Speku- 
lation immer eine gründliche systematische Bearbeitung des Mate- 
rials durch Spezialisten vorausgehen müsse. In diesem Sinne be- 
teiligte er sich auch an einer Bearbeitung der Insekten aus der 
Juraformation Ostsibiriens (1889). 

Es war wohl zum Teile dem Eindruck, den die systematisch- 
zoologischen Studien gemacht hatten, zu danken, wenn Brauer 
im Jahre 1884 zum ordentlichen Professor an der Universität und 
1888 zum wirklichen Mitgliede der Akademie der Wissenschaften 
ernannt wurde. 

In diese Periode fällt nun die Übersiedlung des alten Natura- 
Uenkabinettes in das neue Hofmuseum. Sie stellte unter anderem 
durch die damit verbundene Errichtung einer neuen Schausamm- 
lung für das Publikum große Anforderungen an die Kraft der 
Beamten. Brauer aber war durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, 
durch seine Lehrtätigkeit an der Universität und Hochschule für 
Bodenkultur sowie durch Familienereignisse, wie den Tod seiner 
ersten Frau und seine Wiedervermählung mit Ludmilla von Kornigg 
zu sehr in Anspruch genommen, um an jenen großen Arbeiten 

10* 



148 



A. Handlirsch. 



regen Anteil zu nehmen. Als alle anderen Beamten mit den 
Mnsealarbeiten vollauf beschäftigt waren, begann Brauer im Vereine 
mit J. Y. Bergenstamm eine große, breit angelegte Arbeit über die 
Muscarien, deren erster Teil als vierte Nummer der „Zweiflügler 
des kaiserl. Museums" gerade im Erölfnungsjahre des Museums 
zur Publikation gelangte. 

„Vorarbeiten zu einer Monographie der Muscaria schkometopa 
(excl. Äufliomyidae) von Prof. Dr. Fr. Brauer und J. Edl. v. Bergen- 
stamm" betitelt sich dieses Werk, welches eine ganz neue und 
durchaus originelle Bearbeitung der Gruppen und Genera dieser 
formenreichsten Dipterengruppe auf Grund der Untersuchungen 
der im Museum vorhandenen Typen von Schiner, Egger, Wiede- 
mann, Meigen u. a. sowie der Typen von Robineau-Desvoidy und 
Rondani — letztere aus der Sammlung Bigots und Bergenstamms 
— enthält. Das Vorhandensein dieser wertvollen Typen in Bergen- 
stamms Privatsammlung trug wohl in erster Linie dazu bei, daß 
sich Brauer mit dem wissenschaftlich nicht hochstehenden, zu 
wenig ernsten Bergenstamm zu gemeinsamer Arbeit verband, denn 
es handelte sich ersterem darum, diese reichen Schätze für die 
Wissenschaft zu verwerten, was letzterer allein mit Aussicht auf 
Erfolg nie hätte unternehmen können. Das Hauptverdienst und 
die geistige Urheberschaft an der ganzen Arbeit gebührt unstreitig 
Brauer, der auch die höchst wertvollen Abbildungen (11 Tafeln!) 
allein angefertigt hat. Viele Ungleichheiten und Irrtümer in dieser 
Arl)eit sind wohl auf das etwas unnatürliche Zusammenwirken 
zweier so verschieden veranlagter Autoren zurückzuführen. 

Bis zum Jahre 1 894 vollauf mit der Fortsetzung seiner Mns- 
carieiiarbeit Ijcscliäftigt, blieb Brauer nur wenig Zeit für andere 
Pul)likaii()n('n, unter d(;nen einige wertvolle Nachträge zur Mono- 
graphie; der Ostriden und die Abwehr verschiedener AngrilVe die 
erste Rolle Hpicicii. Mit dieser Tätigkeit war seine Kraft er- 
Hchöpft; (tr bc^rann sichllich zu allc^rn und die; Hände;, die es bis 
dahin ni(;iHt(;rhalt verstanden halten, den SiiCl zu führen, versagten 
durch Htarkc« Zittern «h-n hienst. 

Eh befhirfte jetzt sehon eines krä(tig(!r(;n Impulses, um Hrauer 
zu <;iner neuen entoniolo^^iHchen Unternehmung zu bring(;n. Ein 
Holclier InijjulH war z. 1». die Ankunft eines Jungen indischen 



Friedrich Moritz Brauer. 



149 



Elephanteu in der Schönbrunner Menagerie. Noch vor wenigen 
Jahren hätte dieses Ereignis Brauer keine Minute ruhen kssen, 
nun aber bedurfte es schon einiger Überredungskunst von Seite 
des Schreibers, um Brauer zum Besuche des neuen Ankömmlings 
zu bewegen. Als dann die erste Larve der Cohholdia eJepliantis 
giiicklich erbeutet war. erwachte noch einmal die alte Begeisterung 
und hielt so lange an. bis eine stattliche Anzahl Elephantenmagen- 
fliegen, hervorgegangen aus in Indien gelegten Eiern, in dem 
Arbeitszimmer Brauers das Tageslicht erblickten und bis diese 
schönen Tiere gezeichnet und beschrieben waren (Denkschriften 
Wien. Akad., 1896). 

Einige Nachträge zur Muscarienarbeit, eine kleine Studie 
über die von 0. Simony auf den kanarischen Inseln gesammelten 
Neuropteren, ein sehr wohlwollend gehaltener warmer Nekrolog 
auf seinen langjährigen Gegner Mik war das Resultat seiner letzten 
Arbeitszeit, die er mit dem Kapitel ..Dipteren" in der -Geschichte 
der Zoologie in Österreich** i Festschrift zool.-bot. Ges. ) abschloß. 
Er konnte wohl dieses Kapitel leicht schreiben, denn es behandelte 
ja doch genau jene Zeit, in welche seine eigene Wirksamkeit fiel: 
1850—1900. 

Urteilskraft und Gedächtnis begannen nun rapid zu schwinden, 
was dem durch den Tod seiner zweiten Frau schwer getrofienen 
Greise zu mancher bitteren Bemerkung Anlaß gab. Das Gefühl, 
nicht mehr kampffähig zu sein, wirkte geradezu niederschmetternd 
und es war ein trauriges Bild, als Brauer sieh hinsetzte, um auf 
die Verunglimpfungen zu antworten, mit welchen sein alter Gegner 
Osten-Sacken ihn im Jahre 1903 bedacht hatte. Nach vielen ver- 
geblichen Anläufen entfiel ihm die Feder, wie dem schwerver- 
wundeten Krieger die "Waffe und nur die Versicherung seiner 
Anhänger, den Kampf an seiner Stelle ausfechten zu wollen, konnte 
ihm die Ruhe wiedergeben. 

Zu spät war Brauer 1 1898» zur Leitung der zoologischen 
Abteilung des Museums gelangt, um in dieser Stellung eine seinen 
guten Intentionen entsprechende Tätigkeit entfalten zu können ; 
zu spät waren viele der hohen Auszeichnungen erfolgt, um von 
Brauer voll gewürdigt zu werden, ^^i Im Hause seiner Tochter 
aus zweiter Ehe, Laura, und deren Gatten, dem Malakologen Stabs- 



150 



A. Handlirsch. 



arzt Dr. A. Wagner erlöste ihn der Tod am 29. Dezember 1904 
von langem, quallvollem Siechtum. 

In Fr. M. Brauer verschwand eine Charakterfigur aus dem 
wissenschaftlichen Leben Wiens. Durchaus originell als Privat- 
mann sowie als Gelehrter, hat er es verstanden, sich einen Ehren- 
platz in der Geschichte der Wissenschaft zu erringen, den ihm 
niemand streitig machen kann. Seine Charaktereigenschaften, vor 
allem sein biederer Sinn, seine Aufrichtigkeit, Herzensgute und 
Bescheidenheit ließen gewisse Schwächen oder Schrullen und mit- 
unter eine gewisse äußerliche Rauheit bald vergessen und machten 
jeden, der Gelegenheit fand ihm näher zu treten, zum Freunde. 
Seine eminente wissenschaftliche Begabung, verbunden mit Zähig- 
keit und Ausdauer ließen ihn bedeutende Resultate erreichen, die 
für die Forschung auf manchem Gebiete geradezu richtunggebend 
waren und ihm schon in jungen Jahren einen Weltruf verschafften. 
Gewiß trugen seine Arbeiten viel dazu bei, wenn die Entomologie 
in jüngerer Zeit wieder an Ansehen gewann. Und wenn sich die 
Kritik seiner Werke bemächtigte, so war daran meist der Umstand 
Schuld, daß Brauers Temperament, namentlich in späteren Perioden, 
es ihm unmöglich machte, allzuviel Zeit für die systematische 
Detailarbeit zu verwenden. Um Wochen und Monate hinter mono- 
tonen, mehr oder minder mechanischen, schablonenhaften Spezies- 
beschreibungen, bibliographischen oder sonstigen Kompilations- 
arbeiten zu sitzen, dazu war der Flug seiner Gedanken zu hoch. 
Dieser Umstand erklärt es auch, das Brauers wissenschaftliches 
Leben sw(;rk hinter jenem vieler Zeitgenossen dem Umfange nach 
zurücksteht, denn er hat keine dicken, vielbändigen Werke gc- 
schriehcn. 

Was er uns g(idnickt hinterlassen hat, ist jedoch nur ein 
'l'cil Kein(;r LciKtinigen, denn nicht zu unterschätzen ist jene 'J'ätig- 
keit, welche er als L( lir(;r entfaltete. Zahlreiche Schüler haben 
in seinen Vorlcsuiif^f^n iji)er Entomol()«;ie und l'iergcogrnphie an 
der rniversität, lib(;r Zoolo^i^ie an der Hochschule für Hodenkultur 
wertvolle Kenntnisse erworben, die es ihnen ernirj^^lichen, im Sinne 
des Lehnü-K weiter /ii foisdien. '•'') 

Wi(! auf jenen stürm vollen Sylvesterabend, an dem iii;m die 
llllllc dieses starken (jlcistcH zu (Jrabe trug, ein schöner Neujahrs- 



Friedrich Moritz Brauer. 



151 



morgen folgte, so möge nun auf den Kampf der Friede folgen, 
ein Friede, bedingt durch die zahlreichen Siege Fr. M. Brauers 
über Vorurteil und Unwissenheit I 

Aniuerkuiigen. 

1. Die Daten zu diesem Lebensbilde sind zum Teile handschriftlichen 
Aufzeichnungen des Verstorbenen entnommen, welche er dem Verfasser vor 
\ier Jahren behufs Verwendung in einem Nekrologe übergab. Diese Daten 
reichen nur bis zum Jahre 1861. Nachdem der Verfasser erst 20 Jahre später 
mit Brauer und dessen Familie in freundschaftlichen Verkehr trat, mußte die 
Periode von 1861 — 1881 aus mündlichen Überlieferungen ergänzt werden. Was 
aus Brauers eigenen Aufzeichnungen entnommen wiu'de, ist durch 
gekennzeichnet. 

2. Die breite Föhre, ein uraltes, typisch schirmförmig entwickeltes 
Exemplar von Pinns austriaca steht heute noch als Naturdenkmal, ist aber 
nun von der zu Hochwald herangewachsenen jungen Generation derselben 
Spezies derart eingeschlossen, daß für Äscalaphiis kein Eaum mehr bleibt. 

3. An dem damals unter Hofrat Schreibers stehenden Naturalien- 
kabinete lernte Brauer außer Kollar auch Natterer (den Bruder des Reisen- 
den), Diesing. Fitzinger, Eedtenbacher und Hekel kennen. „Ganz be- 
scheiden nahm die Insektensammlung nur einen Teil des ersten Stockes mit 
dem Balkon am Josefsplatz ein." 

4. Auch an dem Hofmuseum war das Jahr 1848 nicht spurlos vorüber- 
gegangen: „Als im Oktober 1848 das Dach des Museums und die oberen 
Stockwerke abgebrannt waren, trat eine Veränderung ein und die Insekten- 
sammlung wanderte anfangs der Fünfzigerjahre in das oberste Stockwerk, in 
einen gegen die Bastei und den äußeren Burgplatz sehenden Eaum, die ehe- 
malige Wohnung des Hofrats Schreibers. Zugleich erfolgte die Pensionierung 
des letzteren und die Stellung der drei Kabinete für Mineralogie, Botanik und 
Zoologie unter je einen besonderen Direktor. Für das zoologische Museum 
wurde Vinzenz Kollar als Direktor bestellt und dadurch erhielt die entomo- 
logische Sammlung einen wesentlichen Aufschwung, Ankauf der Collectio 
Winthem etc. in Hamburg." 

5. Für die Bearbeitung der Novara-Neuropteren wurde Brauer durch Ver- 
leihung der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet i 1867). 

6. Um später darauf hinweisen zu können, sei hier die von Brauer 
und Schiner vorgeschlagene Einteilung kurz wiedergegeben: 

Orthorrhaph a. 
A. Nematocera. 

1. Trib. OUgonenra (Cecidomf/idae). 

2. „ Eucephala (Mycetophilidae, Bibionidae, ühtjphidae. Si- 

nmUidoe, Chironomidae, Blepharoceridüe, CuJicidae, 
Psychodid ae, Pt ych up teridae). 



152 



A. Haiidl irsch. 



3. Trib. Polyneiira (Limnobidae, Tijnilidae). 
B. Brachycera. 

4. Trib. Cyclo cera. 

a) Notacantha (Stratiomyidae, Xylophagidae, Coeno- 

myidae). 

b) Tanystoma (Tahanidae, Leptidae). 

5. „ Orthocera. 

a) Polytoma (Therevidae). 

b) Procephala (Äcroceridae, Bomhyliidae, Nemestrinidae, 

Midasidae, Asilidae, Empidae, DoUchopodidae). 
G. „ Acroptera (LoncJiopteridae). 
Cy clorrhapha. 

A. Proboscidea. 

7. (1.) Trib. Pseiidoneura (Syrphidae). 

8. (2.) „ Eumyidae (Muscidae) ( Conspinae, Pipunculinae, 

Platypezinae, Muscinae). 

B. Eproboscidea. 

9. (3.) Trib. Pupipara (Hippoboscidae, Nycteribidae). 

7. Dort lieißtes: „Er beginnt damit, unter anderem einen Auszug gewisser 
Partien von Fr. Müllers ,Für Darwin' anzuführen, dessen Auschauungen er 
sich anzuschließen scheint. Im weiteren Verlaufe der Darstellung vermißt man 
aber sehr die Klarheit und Schärfe Fr. Müllers und stößt auf manche irrige 
Auffassung, z. B. wenn er die bei Karaben u. a. auftretende Larvenform {Cam- 
podea-Yorm) als eine Wiederholung eines phylogenetischen Stadiums auffaßt. 
Das ist durchaus unrichtig: die Larvenformen der holometabolen Insekten 
haben alle lediglich eine adaptive Bedeutung; sie sind durch Rückbildung 
der hcmimetabolen Larven entstanden und sofern einzelne unter ihnen eine 
Ähnlichkeit mit niedrigstehenden, flügellosen Insekten besitzen, so ist dies 
eine; bloße Analogie. Mit Kecht leitet er dagegen seine Raupenforni von der 
,( 'ampodea-F orm^ als eine sekundäre Anjjassungsgestalt ab. Höchst merkwürdig 
klingt es, wenn Brauer von der Kutwickhing gewisser Dipteren sngt, daß 
8ie ,8chon an die; Metngenese streift'; dieselbe hat absolut nichts mit Meta- 
genese zu tun. Wenn er die Stapliylinen als ,eine der ältesten Käferformen' 
bczeichnctt, weil Larve und Inmgo ein;inder ähnlich sind, so ist dies ein gründ- 
lichcH Mißverständnis; dieser Ähnlichkeit ist durchaus oberflächlich nnd be- 
rechtigt nifht zu irgend welch(!U) Schluß. Ich könnte unschwer noch nndere 
Hchiefe Auffassungen in der lirau ersehen Schrift hervorheben, welche 
übi'rlianpt in meinem Augen nicht wesentlich die tiefere; Kinsiclit in die Meta- 
inorpli(»H<; der In>iekten gefördert hat, was umso ülxMraschender ist, als d(u* 
VerfaMHer durcli Heine umfassenden Kenntnisse auf dicseiui (Jcibielc. für die 
Aufgabe ho wohl vorbereitet war." 

Kine Hcharfe Kntgegnung Brnners würdevoll der Uedaktion der Zoo- 
logiwehen .lahrbiielier ztiiliekgewie'Hen und l»li(0) ungeehnckt, was r>rau(5r sehr 
Übel aufiiuiim. Einige Sätze dicHer Lntgegniing mög(;n hier am I'latzü sein: 



Friedrich Moritz Brauer. 



153 



„Bei dem jetzigen raschen Fortschritt der Wissenschaften schreibt man eine 
Kritik über Betrachtungen (nicht Tatsachen!) mit Rücksicht auf die Zeit, in 
welcher sie gemacht wurden, oder wenigstens mit Rücksicht auf alle seither 
von demselben Autor in dieser Richtung erschienenen Arbeiten. Ich habe 
meine Betrachtungen auf einen von Haeckel aufgestellten Satz in Verbindung 
mit der ausgezeichneten Arbeit Fr. Müllers ,Für Darwin' aufgebaut und die 
Stammform der Insekten unter der heute lebenden Gruppe der Thysanuren 
zu finden geglaubt." 

„Das ist damals allen klar und verständlich gewesen und jeder hat 
sich seine Ansicht pro oder contra längst gebildet, ohne es für notwendig zu 
finden, einen persönlichen Angriif gegen meine wissenschaftliche Integrität 
zu machen. Als einen solchen muß ich aber die Bemerkung Boas' über meine 
Ansicht der Metagenese auffassen, über welche Herr Boas mich belehren will." 

„Herr Boas scheint nicht zu wissen, daß vor 30 Jahren die Metagenese 
nicht so charakterisiert wurde wie heute, daß Heterogenie von ihr noch nicht 
unterschieden war und daß schließlich das , Streifen der ^Metamorphose gewisser 
Muscarien an Metagenese' sich auf Weismann bezieht, der 1862 noch mit 
guten Gründen diese Verwandlung von Metagenese zu unterscheiden für not- 
wendig fand und ein besonderes Kriterium dafür aufstellte." 

„Was die Zoea-Theorie Müllers betrifft, so hat erst nach 1869 Claus 
festgestellt, daß die Zoea kein phyletisches Stadium darstelle wie der Nauplius, 
sondern als aus mehreren Stadien zusammengezogen zu betrachten sei, also 
auch nicht als Stammform gelten könne." 

„Es ist ganz irrig, daß die Larven der holometabolen Insekten eine 
lediglich adaptive Bedeutung haben, sie haben auch eine phylogenetische, und 
zwar, wie ich das in meiner zweiten Abhandlung 1878 und in den Systematisch- 
zoologischen Studien 1885 gezeigt habe, für den Nachweis der in eine Familie 
gehörenden Formen." 

„Wenn Boas zu dem Schlüsse über meine , schiefen Auffassungen' 
kommt, so basiert das auf der Unkenntnis aller meiner späteren Arbeiten; 
überdies ist er mir in dem Vergleiche des Subimaginalstadiums der Ephemeren 
mit dem Nymphenstadium holometaboler Insekten ganz gefolgt.'' 

-Was Herr Boas aber mit seinem Aufsatze anderes beweisen will, 
als ich längst durch die in den einziehen Wachstumsprozeß eingeschobene 
Rückbildung erklärt habe, ist mir ganz unverständlich." 

„Der Versuch, die Welt darüber belehren zu wollen, daß alles außer 
von Fritz Müller und Miall über die Verwandlung der Insekten Geschriebene 
wertlos sei, kann nicht ernst genommen werden." 

8. Brauer unterscheidet nunmehr folgende Gruppen: 

I. Subordo Orthorrhapha. 

Sectio 1. Ortliorrlmplia nematocera. 

Tribus 1. Eucephala (Fam. MycetopliiUdae, Bibionidae, Chirono- 
midae, Cidicidae, Blepharoceridae, Simuliidae, Fsycho- 
didae, Ftychopteridae, Bhyphidae). 



154 



A. Handlirsch. 



Tribiis 2. Oligoneiira (Farn. Cecidomyidae). 

„ 3. Polyneura (Farn. Limnohidae, TipuUdae). 
Sectio 2. Orthorrhapha hrachycera. 

Tribus 1. Äcroptera (Fam. Lonchopteridae). 

„ 2. Platygenya. 

1. Gruppe Homoeodactyla. 

a) NotacantJia (Fam. Stratiomyidae, Xylophagidae). 

b) Tanysioma (Fam. Tdbanidae, Äcanthomeridae, Leptidae). 

c) Bomhylimorpha (Fam. Acroceridae, Nemestrinidae). 

2. Gruppe Heterodactyla. 

a) Procephala (Fam. Mydaidae, Äpioceridae, Äsilidae, Bom- 

bylidae). 

b) Polytoma (Fam. Therevidae, Scenopinidae). 
'Tribus 3. Orthogemja (Fam. Empidae, Dolichopoda). 

II. Subordo Cyclorrhapha. 

Sectio 1. Aschiza (Becher). 

Tribus 1. Syrphidae (Fam. Syrpliidae, PipuncuUdae). 
„ 2. Hypocera (Fam. Phoridae, Platypezidae). 
Sectio 2. Schizophora (Becher). 
Tribus 1. Eumyidae. 

1. Gruppe Schizometopa {Calyptrata oh'm). 

2. „ Holometopa {Acalyptrata et Conopidae olim). 
Tribus 2. Pupipara. 

0. Erst kurz vor seinem Ableben hat er sich jedoch in dieser Richtung 
den Ansiclitcn des Schreibers dieser Zeilen angeschlossen und war erfreut 
dariil)er, daß nunmehr ein Hindernis beseitigt sei, welches er selbst schon 
damals sehr unliebsam empfunden hatte. 

10. Der gelegentlich der feierlichen Eröffnung des neuen Hofmuseums 
durch den Kaiser verliehene Orden der eisernen Krone III. Klasse ist demnach 
wohl als Anerkennung für die wissenschaftliche Leistung aufzufassen. 

11. 2. Teil 1801, 3. Teil 1893, 4. Teil 189'1, kurz vor dem Tode Ikn-gen- 
htamnis, dessen Sammlung durch testamentarische Verfügung nunmehr dem 
Ilofmuseum zufiel. 

12. Um dieses Verspreclien zu erfüllen, will ich es versuchen, hier 
einige jener zahlreidum Hiebe zu parieren, welche Osten-Sackens gewandte 
F<'der gegen den vernKiiiitlichen Rivalen führte;: 

In HcincMii „\i('C(m\ ol' jny lifciwoik in (nitomology", s(;iner gjinz(5n An- 
lage nach in erster Linie; dazu bestimmt, Osten-Sack ens eigene Verdienste, 
die ja wohl von Niemandem und am wenigsten von Brauer in Zweifel ge- 
«tcllt wonien waren, in ein mogliclist gr(;nes und vorteilhaftes Liclit zu stellen, 
verHeliiiiiihte es der A utobiograph nicht, di(; V(;rdienste (;in(!s anderen herunter- 
zudrücken. Dies geHehah nicht nur durch hödiHt (;ins(;itig(; und (;ngli(;rzigo 
Beurteilung von lirauers L(;iHtungen und Fiihigkeiten, sondern auch durch 
KnUteihing von T;if .^;if h( ii. höchst ciiiHeiiig niui; man (;h nennen, wenn 



Friedrich Moritz Brauer. 



155 



Brauer von rein spezialistischem Standpunkte beurteilt und ganz außer acht 
gelassen wird, wie befruchtend viele seiner allgemeinen Arbeiten auf die 
Wissenschaft gewirkt haben. So finden wir in Osten-Sackens Ausführungen 
über die systematisch-zoologischen Studien Brauers nur den einzigen Passus: 
„About this thesis (i.e., daß Nemocera \md Brach ycera keine natüriichen Gnippen 
sind) Brauer wrote a long dissertation (Sitzuugsber. Wien. Akad., 1885, 
p. 385 — 413) which is rather heavy reading, and consists of a compilation of 
most startling propositions." Über die stattliche Serie der „Zweiflügler des 
kais. Museums'* finden wir den Passus: „In 1880 began the publication of 
his quartos, in which he displayed his entire incapacity for systematic diptero- 
logy, and thus, for a mirage of ambition. marred his fame for a brillant and, 
in its way, uuique career in the biology of iusects!" 

Wir können wohl begreifen, daß Brauer über diese Behandlung seiner 
Arbeiten, speziell des sehr interessanten Kapitels über täuschende und wahre 
systematische Ähnlichkeiten, auf welche sich der erstere Passus bezieht, em- 
pört war, umsomehr, als ihm seinerzeit Osten-Sacken den Empfang seiner 
Publikationen in schmeichelhaften Briefen bestätigt hatte. 

Bemerkungen dagegen, wie „elated by excessive praise, amounting to 
adulation, of his friends" oder die Stelle über die Gründe von Miks anerken- 
nenden Äußerungen (p. 166) erzielten bei Brauer selbst sowie bei allen, die 
Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse hatten, nur einen Heiterkeitserfolg, 
denn niemand war weniger eitel als Brauer und niemand weniger unter- 
würfig und abhängig als Mik. 

Es ist weder möglich noch notwendig, hier auf alle Einzelheiten jenes 
geradezu sonderbar eigentümlichen Elaborates einzugehen, doch dürfen wir 
nicht versäumen, in Kürze den Kern der ganzen Sache herauszuschälen. Dieser 
besteht in dem Streite um das natürliche Dipterensystem, welches Brauer 
1863 durch Errichtung der zwei Hauptgruppen: Orthorrhapha und Cyclor- 
rhnpha begründet hatte. Osten-Sacken hat dann später, 1892, selbst ein 
Dipterensystem vorgeschlagen, welches sich in vieler Beziehung an jenes von 
Brauer anlehnte, konnte aber dadurch nicht hindern, daß doch allgemein 
Brauer als der Begründer des natürlichen Dipterensystems genannt wurde, 
umsomehr, als sich die von Osten-Sacken vorgeschlagenen Änderungen 
zum Teil nur auf Namen bezogen und als er selbst eine seiner Hauptgruppen 
eine künstliche nennt. 

Nachdem alle sachlichen Argumente versagt hatten, suchte endlich 
Osten-Sacken in dieser Schmähschrift seine Zuflucht und bemühte sich, 
seinen Rivalen durch Anführung unwahrer Daten zu erdrücken: Unwahr ist 
es, wenn Osten-Sacken p. 169 sagt: His Cyclorrhapha with their peculiar 
barrel-sliaped pupa were long ago defined by Latreille and called Atheri- 
cera (Fam. Nat., 1825, p. 495, nec 425!), denn Latreille hat in seine Gruppe 
Athericera die Pupiparen nicht eingeschlossen, welche in Brauers Cyclor- 
rhaphen enthalten sind, und außerdem das Charakteristikon der Cyclorrhapha 
— die Tonne mit ihren Deckeln — nicht mit einem Worte erwähnt. Folglich 



156 



A. Handlirsch. 



sind Cyclorrhapha nicht = AtJiericera. — Unrichtig ist es ferner, daß die 
„Nemocera"' eine natürlichere Gruppe bilden als die Cyclorrhapha; unwahr ist 
es auch, wenn Osten-Sacken sagt, Schiner habe sich schon 1848 mit Di- 
pteren beschäftigt, denn die ersten von ihm gesammelten Dipteren stammen 
aus dem Jahre 1850/51; unwahr ist, daß Brauer mit dem Lobe der Abbil- 
dungen von Van der Vulp eine captatio benevolentiae beabsichtigte und 
unwahr ist es endlich, wenn Osten-Sacken behauptet, Brauer habe die 
Festschrift der zoologisch-botanischen Gesellschaft dazu mißbraucht, um in 
erster Linie seine eigenen Leistungen zu glorifizieren, denn er verwendete dort 
nicht viel mehr als 40 Zeilen auf seine Person, ein Raum, verschwindend klein 
im Vergleiche zu jenen vielen Seiten „Record", welche der gewiß nicht be- 
deutendere Osten-Sacken seinem eigenen Lobe widmet. — Unwahr ist es, 
wenn Osten-Sacken sagt, er habe Brauers Notacanthenarbeit „demolished", 
denn er hat nur einige unbedeutende Ergänzungen und Korrekturen daran 
vollzogen. Unwahr ist, daß Brauer den III. Teil seiner Zweiflügler in der 
Festschrift nicht erwähnt, „weil er sich schämte, den Zusammenbruch seines 
Systems einzugestehen", denn er hat diese Arbeit ausdrücklich S. 346 erwähnt 
und gewiß keinen Grund gehabt, sich zu schämen, umsomehr, als sein System 
allgemein akzeptiert worden war. Zu schämen brauchte sich wohl nur der, 
welcher sich unlauterer Mittel bedient, um seine eigenen Leistungen zur Gel- 
tung zu bringen. 

Osten-Sacken mag übrigens seine Verdienste noch so sehr heraus- 
streichen, es wird ihm doch nicht gelingen, Brauers Ruhm zu schmälern, 
denn die Stärke dieses Mannes lag nie auf jenen speziellen Gebieten, auf denen 
Osten-Sacken zu glänzen vermochte, sondern um eine Stufe höher: Brauer 
war eben vollwertiger denkender Zoologe, der von der Ansicht ausging, daß 
die wahre Wissenschaft dort beginne, wo der Geist eine Erklärung der Er- 
scheinungen versucht, während Osten-Sacken nach eigener Angabe (p. 203) 
sich mit dem Titel eines „mere dilettante" begnügt, der von der Meinung aus- 
geht, „all i)henomena of life and organic growth to be susceptible of beeing 
described, but not explained". 

Brauer war Mitglied der Leopold.-Carol. Akademie (1869), Ehren- 
mitglied des Bicmenzüchter -Vereins in Wien (1859) und des Entomologischen 
Vereins in Berlin (1870), korrespondierendes Mitglied des Nassauischen Ver- 
eines (187G), Ehrenmitglied der Soc. Entom. Rossica (1896), der Societas pro 
Fauna et Flora Fennica (1896), der k. k. zoologisch-botanisduin Gesellschaft 
(1896), d(rr American entomological Society (1897), der Entoniol. Eöreningen 
in Stockholm 0898), der Allgemeinen Entomologisch(!n (i!(!.sellschalt (1899), 
der Nederi, Entomolog. Vereen. (1900), der Entomological Society of London 
(1900), der SfK-iete entomolog. de France (1901), der Soci6t6 entomolog. de 
B('lgi(jue (1904). — 1868 (ehielt er die; goldene Medaille für Kunst und Wissen- 
Hchaft, 1889 d(!n Orden der (nsrrnen Krone 3. Klassi!, 1894 das U,itterkreuz 
dcM königl. VerdienHtftrdciiH der ))ayr. Krone, 1902 den I lofrafstitcil und knapp 
vor »einem Tod«; dan Komtlinrkrciiz (Ich l'rariz .Josepli.s-Ordens. 



Friedrich Moritz Brauer. 



157 



14. Auch liebte er es nicht, große Mengen von Insekten zu sammeln 
und benützte seine Exkursionen stets mehr zu Beobachtungen. Größere Reisen 
zu wissenschaftlichen Zwecken hat er nie unternommen, man müßte denn jene 
zwei Exkursionen nach Tirol, die er 1889 mit Adam und 1890 mit Anton 
Handlirsch unternahm, als solche bezeichnen. Den Schneeberg erstieg 
Brauer auf der Suche nach Hypoderma Satyrus wohl an die 30 Male. 

15. Von Brauers Schülern seien hier nur einige erwähnt: Dr. Th. Aden- 
samer t, Dr. Ed. Becher f, Jos. Bischof, Dr. R. Dewoletzky, Prof. Dr. K. Fritsch, 
Dr. E. Galvagni, Ludw. Gangibauer, Dr. Thad. Garbowski, Dr. Adam Hand- 
lirsch t, Anton Handlirsch, Dr. K. M. Heller, Dr. P. Kempny, Dr. A. König, 
Dr. Frid. Krasser, Dr. L. Lorenz v. Liburnau, Ernst Marno f, Dr. A. Penther, 
Prof. Dr. H. Rebel, Jos. Redtenbacher, Dr. Fr. Spaeth, Dr. Ad. Steuer, Dr. R. 
Stummer v. Traunfels, Dr. Rud. Sturany, Dr. Fr. Werner. 



I Yerzeichnis der Publikationen. 

1. Beschreibung und Beobachtung der österreichischen Arten der Gattung Chry- 

sopa. In: Naturw. Abhandl. v. Haidinger, IV (4), S. 1—12, Taf. 1, 2. 1850. 

2. Über die Verwandlung verschiedener einheimischen Arten Fiorfliegen. In: 

Haidinger, Berichte, VII, 125. 1850. 

3. Über die Verwandlung des Osmylus maculatus. In: Haidinger, Berichte, VII, 

153. 1850. 

4. Über die Stellung einiger Neuropteren-Gattungen. In: Haidinger, Berichte, 

VII, 174. 1850. 

5. Beobachtungen über die Verbreitung der Libellulinen in der Umgebung von 

Wien. In: Haidioger, Berichte, VII, 178. 1850. 

6. Über die Nahrung einiger Neuropten. In : Haidinger, Berichte, VII, 197. 1850. 
|7. Über die Larve von Panorpa communis. In: Verh. z.-b. Ver., I, 23 — 24. 1851. 
j8. Verwandlungsgeschichte des Osmylus maculatus. In: Wiegm., Arch., XVII, 

255—258, Taf. 3. 1851. 
!9. Entwicklungsgeschichte der Panorpa communis L. In: Sb. Akad. W., VII, 
S. 408—411, Taf. 16. 1851. 

0. Verwandlungsgeschichte der Mantispa pagana. In: Wiegm., Arch., XVIII, 

1—2, Taf. 1. 1852. 

1. Über den Farbenwechsel von Chrysopa vulgaris. In: Verh. z.-b. Ver., II, Sb., 

12—13. 1852. 

2. Über eine unbestimmte Insektenlarve. In: Verh. z.-b. Ver., II, Sb., 33—35. 1852. 

3. Versuch einer Gruppierung der Gattungen in der Zunft Planipennia, mit be- 

sonderer Rücksicht auf die früheren Stände. In: Stett. Ent. Z., XIII, 
71—77, Taf. II. 1852. 

4. Über Myrmecoleon-L^Yven. In: Verh. z.-b. Ver., III, Sb., 144—145, Taf. II. 1853. 

5. Über die Lebensweise des Bittacus tipularius. In: Verh. z.-b. Ver., III, Sb., 

151. 1853. 

' 6. Chrysopa pallida bei Wien. In: Verh. z.-b. Ver., IV, Sb., 102. 1854. 



158 



A. Handlirsch. 



17. Beiträge zur Kenntnis des inneren Baues und der Verwandlung der Neuro- 

pteren. In: Verh. z.-b. Ver., IV, 463—472, 3 Taf. 1854. 

18. Anatomie des Insektes und der Larve (von Chionea araneoides). In: Verh. 

z.-b. Ver., IV, 611—615, 1 Taf. 1854. 

19. Über eine Podure auf Schnee. In: Verh. z.-b. Ver., V, Sb., 22—23. 1855. 

20. Beiträge zur Kenntnis der Verwandlung der Neuropteren. In: Verh. z.-b. Ver., 

V, 479—484, 1 Taf. 1855. 

21. Beiträge zur Kenntnis des inneren Baues und der Verwandlung der Neuropteren. 

In: Verh. z.-b. Ver., V, 701—726, 5 Taf. 1855. 

22. Beiträge zur Kenntnis der Verwandlung der Neuropteren. In: Verh. z.-b. Ver., 

V, 777-786, 1 Taf. 1855. 

23. Verzeichnis der im Kaisertume Österreich aufgefundeneu Odonaten und Per- 

lideu. In: Verh. z.-b. Ver., VI, 229-234. 1856. 

24. Vergleichende Beschreibung von Sialis fuliginosaV. und lutaria L. In: Verh. 

z.-b. Ver., VI, 397-398. 1856. 

25. Rückblick auf die im Jahre 1850 beschriebenen österreichischen Arten der 

Gattung Chrysopa Leach., nebst Beschreibung der Chrysopa tricolor n. 
sp. In: Verh. z.-b. Ver., VI, 703—708, 1 Taf. 1856. 

26. Biologische Mitteilungen über zwei Insekten. In: Verh. z.-b. Ver., VII, Sb., 

131—133. 1857. 

27. Beiträge zur Kenntnis der Verwandlung der Neuropteren. In: Verh. z.-b. Ver., 

VII, 69—70, 1 Taf. 1857. 

28. Chrysopa tricolor, verglichen mit der Beschreibung von CJir. gracilis und 

stenoptila. In: Verh. z.-b. Ver., VII, 201—204. 1857. 

29. Bemerkungen über die kurzflügeligen Formen einiger Perlidcnarten. In: Verh. 

z.-b. Ver., VII, 205-206. 1857. 

30. Neuroptera austriaca. Die im Erzherzogtum Österreich bis jetzt aufgefundenen 

Neuropteren nach der analytischen Methode zusammengestellt, nebst einer 
kurzen Charakteristik aller europäischen Neuropteren-Clattungen (unter 
Mitarbeitung von Franz Low). 8". 80 S. mit 5 Taf. Wien, (Jerold, 1857, 

31. Über die (iattung Oedemagena Latr. In: Verh. z.-b. G., A^llI, Sb., 92. 1858. 

32. Über Hypuderma Satyrus. In: Verli. z.-b. (i., VIII, Sb., 99. 1858. 

33. Die ('ystriden (Dasselfliegen) des Hochwildes, ncibst einer Tabelle zur Bestim- 

mung aHcr europäischen Arten dieser Familie. In: Verh. z.-b. G., VlII, 
385— 4 H, Taf. 10, 11. 1858. 
31. N<'nc Beiträge zur Kenufnis der euroi);iis(lien Ostridcui. in: Verl), z.-l). (J., Vlll, 
4'V.)—410. 1858. 

35. (Jber den HOgenannt(ni (Jesims hominis und die ol'tmals berichteten Verirrungcn 

von ÖMtriden der Säug(!ti(!r(i zum Mensclien. In: Verh. z.-b. (J., X, 57 -72. 
1860. 

36. Nejie ]{('i(räg(; zur Kcimliiis <\ci (tuntpäischcn Ostrideii. In: Verl), z.-b. (J., X, 

611 i>:,X. 1860. 

.';7. JtiltaciiH J/tigcni, <;iiie neue «luropäische y\rt. lu: V'crli. z.-l>. (J., X, 691—696, 
'J'af. 12. 1860. 



Friedrich Moritz Brauer. 



159 



(;8. Über die Larven der Gattung- Cuterebra. In: Verh. z.-b. G., X, 777—786, 
i Taf. 2. 18Ö0. 

!;9. Über Oesirus leporimis Fall. In: Verh. z.-b. G., XI, 311 — 314. 1861. 

:0. Ein Beitrag zur Lösung der Frage, wie die Hypodermen-Larven unter die 

Haut ihres Wohntieres gelangen. In: Verh. z.-b. G., XII, 505—510. 

1862. 

U. Cephemomyia Ulrichii, die Eachenbremse des Elenntieres. In: Verh. z.-b. G., 
I XIL 973—976. 1862. 

:2. Therobia, eine neue Gattung aus der Familie der Östriden. In: Verh. z.-b. G., 

XII, 1231—1232. 1862. 
r3. Die Larven der Hypodermen, ein Beitrag zur Lösung der Frage, wie dieselben 

unter die Haut ihres Wohntieres gelangen. In: Areh. f. Nat., XXVIII 

(1). 210—214. 1862. 

:4. Über den Mauersegler, Cypselus apiis. In: Zool. Garten, III, 1862, 277—278. 

:5. Beitrag zur Kenntnis des Baues und der Funktion der Stigmenplatten der 

i GosfrMS-Larven. In: Verh. z.-b. G., XIII, 133—136. 1863. 

|t6. Beiträge zur Kenntnis der Panorpiden-Larven. In: Yerh. z.-b. G., XIII, 307 — 
324, Taf. 13, 14. 1863. 

t7. Bogenhofera, eine neue Gattung aus der Familie der Östriden. In: Verh. z.-b. 
G., XIII, 325—326. 1863. 

18. Monographie der Östriden. Herausgegeben von der k. k. zool.-botan. Ges. 8°. 
292 S. mit 10 z. T. kolor. Kupfertaf. und 1 Titelbild. Wien, 1863. 
Die Östriden des Hochwildes. In: Jagdzeitung, VII, Nr. 1, 1—8. 1864. 
. Erster Bericht über die auf der Weltfahrt der kais. Fregatte „Xovara" gesam- 
melten Xeuropteren. In: Verh. z.-b. G., XIV, 159—164. 1864. 

1. Entomologische Beiträge. In: Verh. z.-b. G., XIV, 891-902, Taf. 21. 1864. 

2. Zv'eiter Bericht über die „Novara^-Neuropteren. In: Verh. z.-b. G., XV, 415 

—422. 1865. 

3. Dritter Bericht etc. Ibid.. 501—512. 1865. 

4. Vierter Bericht etc. Ibid., 903—908. 1865. 
" Fünfter Bericht etc. Ibid., 975—978. 1865. 

Bericht über die von Herrn Baron Ransonnet am Roten Meere und auf Ceylon 
gesammelten Xeuropteren (L.). In: Verh. z.-b. G., XV, 1009—1018. 1865. 
.7. Über Östriden-Larven. In: Zoolog. Garten, VI, Nr. 11, 410—413. 1865. 

Über die Abstammung des Larvenschweines. In: Zoolog. Garten, VI, 413 — 415. 
1865. 

Über Insektenmetamorphose. In: Sehr. Yer. Verbr. nat. Kenntn., V, 163 — 195. 
1865. 

Über Trichinen. In: Verh. z.-b. G., XVI, Sb., 22—29. 1866. 
L'ber eine für Österreich neue Feldmaus. In: Verh. z.-b. G., XVI, Sb., 106. 
1866. 

Beschreibungen neuer exotischer Libellen. In: Verh. z.-b. G., XVI, 563—570. 
1866. 

Über Oestromyia leporina m. Fall. In: Verh. z.-b. G., XVI, 647—648. 1866. 



160 



A. Handlirsch. 



64. Pharyngohohis africanus m. Ein Östride aus dem Eachen des afrikanischen 

Elephanten. Naclitiag zur Monographie der Östriden. In: Verh. z.-b. G., 
XVI, 879-884, Taf. 19. 1866. 

65. Zusätze und Berichtigungen zu Hagens Hemerobidarum Synopsis synonymica 

und Beschreibung einerneuen Nymphiden-Gattung: Myiodactylus osmy- 
loides aus Australien. In: Verh. z.-b. G., XVI, 983—992, Taf. 19. 1866. 

66. Neuropteren. In: Reise der öst. Fregatte „Novara". Zoo)., II. 104 S., 2 Taf. 1866. 

67. Beschreibung neuer exotischer Libellen aus den Gattungen Neurothemis, Lihel- 

lula, Biplax, Celithemis und Tramea. In: Verh. z.-b. G., XVII, 3—26. 1867. 

68. Die Larve von Hypochrysa nohilis Heyd. In: Verh. z.-b. G., XVII, 27 — 30, 

Taf. 9. 1867. 

69. Beitrag zur Kenntnis der Mantispiden-Gattungen. In: Verh. z.-b. G., XVII, 

281—286. 1867. 

70. Bericht über die von Herrn Dir. Kaup eingesendeten Odonaten. In: Verh. z.-b. 

G., XVII, 287-302. 1867. 

71. Beschreibung neuer Neuropteren aus dem Museum GodefFroy und Sohn in 

Hamburg. In: Verh. z.-b. G., XVII, 505—512, Taf. 14. 1867. 

72. Über Myrmeleon sinuatum Oliv, als Beitrag zur Kenntnis der Myrmeleoniden- 

Genera Palpares, Stenares und Äcanthaclisis. In: Verh. z.-b. G., XVII, 
519—520. 1867. 

73. Die Einwendungen Dr. Gerstäckers gegen die neue Einteilung der Dipteren 

in zwei große Gruppen. In: Verh. z.-b. G., XVII, 737—742. 1867. 

74. Acrophylax n. g. Zerberus n. sp. In: Verh. z.-b. G., XVII, 742—744. 1867. 

75. Neue exotische Odonaten. In: Verh. z.-b. G., XVII, 811—816. 1867. 

76. Beschreibung und Verwandlung des Dendroleon pantheriniis Fbr. und Ver- 

gleich der bis jetzt bekannten Myrmeleoniden- und Ascalaphiden-Larvcn. 
In: Verh. z.-b. G., XVII, 963—966, Taf. 14. 1867. 

77. Über den Dimorphismus der Weibchen in der Libellulinen-Gattung Neuro- 

themis. In: Verh. z.-b. G., XVII, 971—976. 1867. 

78. Über (Astriden und Hypudaeus campestris. In: Zoolog. Garten, VIII, 76. 1867. 

79. Über Da.sselflit'gen. In: Zoolog. Garten, VIII, 113—114. 1867. 

80. Über die Dasseiliiegen. In: Allg. Land- u. Forstw.-Zeitg., 813-817. 1867. 

81. Über einen blauen Astaciis ßuviatilis. In: Verh. z.-b. G., XVIII, Sb., 69. 1868. 

82. Neue und wenig bekannte, von Herrn Dr. Semper gesammelte Odonaten. In: 

Verh. z.-b. G., XVIII, 167-188. 1868. 

83. Zwei neue Myrmeleon -Ar tan. In: Verh. z.-b. G., XVIII, 189—190. 1868. 

84. Neue, von Herrn Dr. (J. Semper gesammelte Neuropteren. In: Verh. z.-b. (i., 

XVIII, 263-268. 1868. 

85. Verz<;icliniH der l)iH jetzt bekannten Neuropteren im Sinne Liimes. In: V(;rh. 

z.-b. XVIII, I. AbHchn., 359—416; 2. Abschn., 711-742. 1868. 
90, Dritter lieridit über (Vu- von Herrn G. Semper mitgeteilten, von dessen Bruder 
;inf den rhilippiij(;n gcKummcilten Neuropteren und Beschreibung einer 
ncu«n Lib(!ll(;n-(iattung aus (l<jm MuH(!uni Godclfroy in Hamburg. In: 
Verli. z.-b. (;., XVill, 541- 558. 1868. 



Friedrich Moritz Brauer. 161 

187. Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insekten während des 
! Jahres 1867/68. In: Arch. f. Naturg., XXXIV, (II), 343-492. 1868. 

jSS. Beschreibung neuer Neuropteren aus dem Museum Godeffroy in Hamburg, 
In: Yerh. z.-b. G., XIX, 9—18. 1869. 

89. Betrachtungen über die Verwandlung der Insekten im Sinne der Deszendenz- 

Theorie. In: Verh. z.-b. G., XIX, 299-318, Taf. 10. 1869. 

90. Eine neue Art der merkwürdigen Gattung Japyx Haliday. In: Verh. z.-b. G., 

XIX, 557—558. 1869. 

91. Beitrag zur Biologie der Acroceriden. In: Verh. z.-b. G., XIX, 787—740, 

Taf. 13. 1869. 

92. Beschreibung der Verwandlungsgeschichte der Mantispa styriaca Poda und 

• Betrachtungen über die sogenannte Hypermetamorphose Fabres. In: 
Verh. z.-b. G., XIX, 831—836, Taf. 12. 1869. - Übers, in: Soc. Ent. Fr. 
und Ent. M. Mag. 

93. Kurze Charakteristik der Dipterenlarven zur Bekräftigung des neuen, von Dr. 

Schiner entworfenen Dipterensystems. In: Verh. z.-b. G., XIX, 843 — 
852. 1869. 

94. Beitrag zur Verwandlungsgeschichte der Regenbremse (Haematopota pluvialis 

L.). In: Verh. z.-b. G., XIX, 921—922, Taf. 13. 1869. 

95. Über Ähnlichkeit und Verwandtschaft, die Grundlagen eines natürlichen Sy- 

stems der organischen Eeiche. In: Sehr. Ver. Verbr. nat. Kenntn., X, 
221—260. 1870. 

96. Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insekten während des 

Jahres 1869. In: Arch. f. Naturg., XXXVI, (II), 45—220. 1870. 

97. Über die Hydropsychiden-Gattung Xiphocentron. In: Verh. z.-b. G., XX, Sb., 

66. 1870. 

98. Über zwei neue, von Prof, D. Bilimek in Mexiko entdeckte Insekten. In: Verh. 

z.-b. G., XXI, 103—106. 1871. 

99. Beiträge zur Kenntnis der Lebensweise und Verwandlung der Neuropteren 

(Micromus variegatus, Panorpa communis, Bittacus italicus, Bittacus 
Hageni). In: Verh. z.-b. G., XXI, 107—116, Taf. 2—3. 1871. 

00. Insektenleben im Winter. In:. Sehr. Ver. Verbr. nat. Kenntn., XI, 357—381. 1871 . 

01. Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insekten während 

des Jahres 1870. In: Arch, f. Nat., XXXVII, (II), 161—280. 1871. 

02. Beiträge zur Kenntnis der Phyllopoden. In: Sb. Akad. W., LXV, (1), 279— 

291, Taf. 1. 1872. 

03. Die europäischen Arten der Gattung Lepidurus Leach., nebst einigen biolo- 

gischen Bemerkungen über Phyllopoden. In: Verh. z,-b, G., XXIII, 
193—200. 1873, 

Ol, Vorläufige Mitteilungen über die Entwicklung und Lebensweise des Lepi- 
durus productus Bosc. In: Sb. Akad. W., LXIX, (1), 130—140, Taf. 1, 
2. 1874, 

05, Beschreibung neuer und ungenügend bekannter Phryganiden und Östriden, 
In: Verh. z.-b. G,, XXV, 69—78, Taf, 4. 1875. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 11 



162 



A. Haucllirsch. 



106. Die Neuroptereii Europas und insbesondere Österreichs mit Riicksiclit auf ihre 

geographische Verbreitung. In: Festschrift der k. k. z.-b. G., 263—300. 
1876. 

107. Odonata. In: Reise nach Turkestan von Fedtschenko. 4^ 9 S. 1877. 

108. Beiträge zur Kenntnis der Phyllopoden. In: Sb. Akad. W., LXXV, (1), 588 

—614, mit 8 Taf. 1877. 

109. Betrachtungen über die Verwandlung der Insekten im Sinne der Deszendenz- 

theorie. II. In: Verh. z.-b. G., XXVIII, 151—166. 1878. 

110. Über einige neue Gattungen und Arten aus der Ordnung der Neuropteren. 

In: Sb. Akad. W., LXXVII, (1), 193-206. 1878. 

111. A'erzeichnis der Neuropteren Deutschlands und Österreichs. Auszug aus „Die 

Neuropteren Europas". In: Entom. Nachr., IV, Nr. 6, 69—90. 1878. 

112. Bemerkungen über die im kais. zoologischen Museum aufgefundenen Original- 

Exemplare zu Ign. V. Borns Testaceis Musei Caes. Vindob. In: Sb. Akad. 
W., LXXVII, (1), 117—192. 1878. 

113. Bemerkungen über die Metamorphose von Lytta vesicatoria. In: Verh. z.-b. 

G., XXIX, Sb., 32—33. 1879. 
IM. Kritik über Bucheckers Systema Entomologiae. In: Ent. Nachr., V, 24—2(5. 
1879. 

115. Eine unbewußte Entdeckung Fritz Müllers und die Verwandlung von Blepharo- 

cera fasciata. In: Zool. Anz., III, 134—135. 1880. (Übers. Ent. M. M.) 

116. Verzeichnis der von Fedtschenko in Turkestan gesammelten Odonaten. In: 

Verh. z.-b. G., XXX, 229—232. 1880. 

117. Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums zu Wien. I. (1.) Die kaiserliche, 

Winthemsche, Wiedemannsche und Eggersche Sammlung. (2.) Syste- 
matische Übersicht. (3.) Die Ta&am^s-Arten der europäischen, medi- 
terranen und sibirischen Subregionen. In: Denkschr. Akad. W., XLII, 
105-216, 6 Taf. 1880. 

1 1>^. Biologisches über blutsaugende Insekten, mit besonderer Berücksichtigung ihrer 
Mundt(!ile. In: Sehr. d. Vor. z. Verbr. nat. Kenntn., XXI, 255—293. 1881. 

119. Si/mpi/cna paedüca m. Zur Richtigstellung dieser neuen Art. In: Verh. z.-b. 
(;., XXXII, 75—76. 1882. 

I Jd. I'bcr die Verwandtschaft und systematische Stellung der lilcpharoccriden. In: 
Wr. Ent. Z., I, 1-4. 1882. 

121. i':ber da« Segment mediaire Latreilles. In: Sb. Akad. VV., LXXXV, (1), 218— 
242, 3 '1 af. 1882. 

r.'L'. über Latn'illes Segment m6diaire und das Metathoraxstigma der Dii)teren. 
In: Z<.ol. Anz., V, 306—307. 1892. 

Ij;',. I»ic ZwcilKlgicr des kaiHcrlichcn Muscmiuih zu Wic^ii. II. (1.) VerHuch (siner 
(JhHrakt<;ri8tik der (Jattungen der Notacantlien, mit Rücksicht auf die 
irn kHls.MuHcurn b(^/indlich(!n, von Schiner aIlfgeHt(^IIt('ll iiciu n ( J.iKungcu. 
(2.) Vergleichende lJnt(!rHueliung<!M des Flügcilgeiiditrs der Dipteren nach 
Adolphn riH'ori«*. (3.) ( 'liarakh-riHtik der mit, Scniopium verwandleu 
Dipteren l aMiilien. In: Denk.schr. Ak;id. W., XLIV, 2 Taf. 1882. 



Friedrich Moritz Brauer. 



163 



|J4. Biologisches aus der Insektenwelt. In: Sehr. d. Ver. z. Verbr. nat. Kenntn,, 
I XXII, 485—507. 1882. 

*5. Entwicklungsgeschichte der Fliege Eirmoneura ohscura. In: Verh. z,-b. G., 

XXXIII, Sb., 19. 1883. 
;6. Ergänzende Bemerkungen zu A. Handlirschs Mitteilungen über Hirmoneura 

ohscura Mg. In: Wr. Ent. Z., II, 25—26. 1883. 
17. Beiträge zur Kenntnis des Flügelgeäders der Dipteren nach Adolphs Theorie. 

In: Wr. Ent. Z., II, 27—30. 1883. 
J8. Über die Gattung Isopogon Loew. In: Wr. Ent. Zeit., II, 53—56. 1883. 
19. Erklärung. In: Wr. Ent. Z., II, 86. 1883. 
50. Vermüeo Degeeri Macqu. In: Wr. Ent. Z., II, 114. 1883. 
>1. Über die Stellung der Gattung Lohogaster Phil, im Systeme. In: Sb. Akad. 

W., LXXXVII, (1), 92—94. 1883. 
J2. Zur näheren Kenntnis der Odonaten-Gattungen Orchitliemis, Lijriotliemis und 

Ägrionoptera. In: Sb. Akad. W., LXXXVII, (1), 85-91. 1883. 
}3. Offenes Schreiben als Antwort auf Herrn Baron Osten-Sackens ,.Critical Ke- 

view" meiner Arbeit über die Notacanthen. Wien, Selbstverl, des Aut. 

8°. 11 S. 1883. 

}4. Beleuchtung der Ansichten des Herrn Oberförsters F. A. Wachtl über Hirmo- 
neura ohscura Meig. Wien, Holder. 8". 7 S. 1883. 

^5. Über einige schmarotzende und parasitische Insekten. In : Sehr. d. Ver. z. Verbr. ' 
nat. Kenntn., XXIII, 405—420. 1883. 

)6. Zwei Parasiten des Uhizotropus solstitialis aus der Ordnung der Dipteren. In: 
Sb. Akad. W., LXXXVIII, (1), 865—877, Taf. 1, 2. 1883. 

i7. Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums zu Wien. III. Systematische Studien 
auf Grundlage der Dipteren-Larven, nebst einer Zusammenstellung von 
Beispielen aus der Literatur über dieselben und Beschreibung neuer 

, Formen. In: Denkschr. Akad. W., XLVII, 1—100, 5 Taf. 1883. 

J8. Entomologische Beiträge. In: Verh. z.-b. G., XXXIV, 269—272, Taf. 10. 1884. 

)9. On the Peepsa, a small Dipterous Insect, injurious to man in Anam. In: Proc. 
Asiat. Soc. Beng. 1884. 

to. Neuroptera. In: Fauna von Hernstein in Niederösterreich. II. Teil, 2. Halbband 
der mit Unterstützung Sr. kais. Hoheit des durchl. Herrn Erzherzogs 
Leopold von M. A. Becker herausgegebenen Monographie „Hernstein 
in Xiederösterreich", S. 19—27. Wien, 1885. 

H. Systematisch-zoologische Studien. In: Sb. Akad. Wien, XCI, (1), 237—413, 
1 Taf. 1885. 

[2. Vorläufige Mitteilung (Oestrus purpureiis). In: Wr. Ent. Z., V, 275. 1886. 

13. Nachträge zur Monographie der Östriden. I. Über die von Frau A. Zugmayer 

und Herrn F. Wolf entdeckte Lebensw^eise des Oestrus purpureus. In: 

Wr. Ent. Z., V, 289—304, Taf. 4. 1886. 
4. Über die Östriden-Gattung Microcephahis. In: Wr. Ent. Z., V, 345. 1886. 
.5. Ansichten über die paläozoischen Insekten und deren Deutung. In: Annal. 

Hofmus. Wien, I, 87—126, Taf. 7, 8. 1886. 



164 



A. Haiidlirsch. 



14o. Bezielmngeu der Laivenformen der Tiere zur Abstammung. In: Sehr. d. Ver. i 
z. Verbr. nat. Kenntn., XXVI, 249-272. 1886. . 

147. Über Artemia und Branchipus. In: Zool. Anz., IX, 364—365. 1886. i 

148. Über die Verwaudliiug- der Meloiden. In: Yerh. z.-b. G., XXXVII, 633-642. 

1887. I 
140. Beitrag zur Kenntnis der Verwandlung der Mantispiden-Grattung Symphrasis 
Ug. In: Zool. Anz., X, 212-218. 1887. ' 

150. Nachträge zur Monograpliie der Östriden. II. Zur Charakteristik und Ver- 

wandtschaft der Östriden-Gruppen im Larven- und vollkommenen Zu- 
stande. In: Wr. Ent. Z., VI, 4—16. 1887. | 

151. Nachträge etc. III. Zusätze und Verbesserungen zur Literatur der Östriden. I 

In: Wr. Ent. Z., VI, 71-76. 1887. 
15'2. Naditräge etc. IV. Über Cobboldia elephantis. In: Wr. Ent. Z., VI, 217—223, 
Taf. 3. 1887. 

15::;. Ein veraltetes Insektensystem Newraans. In: Ent. Nachr., XIII, 329—332. 1887. 
154. Beziehungen der Deszendenzlehre zur Systematik. In: Sehr. d. Ver. z. Verbr. : 

nat. Kenntn., XXVII, 577—614. 1887. i 
ir,5. — und Jos. Kedtenbacher.) Ein Beitrag zur Entwicklung des Fliigelgeäders 

der Insekten. In: Zool. Anz., XI, 443—447. 1888. 

156. Bemerkungen zur Abhandlung des Herrn Prof. Grassi über die Vorfahren der 

Insekten. In: Zool. Anz., XI, 598—600. 1888. 

157. Fehl.'jchlüsse »ind Wahrheiten aus der Biologie. In: Sehr. d. Ver. z. Verbr. nat. 

Kenntn.. XXVIII, 693—727. 1888. 

158. Über Lausfliegen. In: Verh. z.-b. Ges., XXXIX, Sb., 25. 1889. 

159. Beitrag zur Kt'iintnis der Psychopsis- Arten. In: Annal. llofmus. Wien, IV, 

Notizen, 101- 102. 188!). 

160. Neuroptera et Di|)tera. In: Beitrag zur Insektenfauna der östlichen Khir- 

l^isennteppe von Heyden. In: llorae Soc. Ent. Ross., XXIII, 88—111. 1889. 

161. (— , Jo». Kedtenbacher und L. (Jangibauer.) Fossile Insekten aus der Jura- 

formation Ost.sibirien.s. In : Meu). Akad. St. P6tersb., XXXVI, (15). 22 S., 
2 Taf. 1889. 

1»;'J. ' - und J. Kdl. V. Bergrnstanini.) Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums 
zu Wien. ]\'. Vorarbeiten zu einer Monograpliie der Muscaria schizo- 
metopa (exkliinive Anthumyidac). In: Denkschr. Akad. W., LVI, 69— 
180, 11 Taf. 1889. 

\0S. Ober die Verblndung.Hgliedrr zwiHcheu (Wu (»rlhonliMphen und cyclorrliaphen 

Diptfrrn und Holrhen zwiHclu-n Syrpliidcn und Muscarien. In: Verii. z. b. 

(»., XL, 273-275. 1890. 
H^, Zur Abwehr! Bemerkun^fen zu Beauregards „Insectes Vesicantes". In: Verh. 

x. b. (L, XL, 276- 278. 1H90. 
\t\U. VhvT dif FrMnt4'lhing den WolintiereH der Hypodnma linmta Vill. <iur( h Dr. 

Ad. llnndliffM-h und andere llntcrMuchungen und Beobachtungen an 

<H»frid»'n. In: V<Th. z.-b. (i., XL, 50!»— 516. 1890. 
U'^. Tbrr Dipteren Fnmilien. In: Verh. z. b. (i., XLI, Sb., 36. 1891. 



Friedrich Moritz Brauer. 



165 



IT. Das organische Leben in periodischen Wassertümpeln, In: Sehr. d.Ver. z.Verbr. 

nat. Kenntn., XXXI, 227—262. 1891. 
'»8. (— und J. Edi. v. Bergenstamm.) Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums 

zu Wien. V. Vorarbeiten zu einer Monographie der Muscaria schizo- 

meiopa. Pars II. In: Denkschr. Akad. W., LVIII, 305—446. 1891. 
" Über das sogenannte Stillstandstadium in der Entwicklung der Östridenlarven. 

In: Verh. z.-b. G., XLII, 79—84. 1892. 
0. (— und J. Edl. v. Bergenstamm.) Berichtigung. In: Wr. Ent. Z., XI, 108—109. 

1892. 

'1. Über die aus Afrika bekannt gewordenen Östriden und insbesondere über 
zwei neue von Dr. Holub aus Südafrika mitgebrachte Larven aus dieser 
Gruppe. In: Sb. Akad. Wien, CI, (1), 4—16, Taf. 1. 1892. 

■'2. Ansichten über die Gattung Pachystißum Macqu. und Eückblicke auf die 
in den Denkschriften der kais. Akademie erschienenen „Vorarbeiten zu 
einer Monographie der Muscaria schizometopa'' . In: Sb. Akad. W., CI, 
(1), 594-607. 1892. 

j'S. Reicherts neuer Zeichenapparat. In: Z. f. wiss. Mikrosk., VIII, 451—453. 1892. 
'4. Besprechung der „Vorarbeiten zu einer Monographie der Muscaria schizo- 

metopa''. In: Verh. z.-b. G., XLIII, 447—525. 1893. 
'5. (— und J. Edl. v. Bergenstamm.) Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums 

zu Wien. VI. Vorarbeiten zu einer Monographie der Muscaria schizo- 

metopa. Pars III. In: Denkschr. Akad. Wien, XL, 89—240. 1893. 
(6. (— und J. Edl. v. Bergenstamm.) Die Zweiflügler des kaiserlichen Museums 

zu Wien. VII. Vorarbeiten zu einer Monographie der 3Iuscaria schizo- 

metopa. Pars IV. In: Denkschr. Akad. Wien, LXI, 537—624. 1894. 
"7. Neue Beobachtungen über die Einwanderung der Hypodermen-Larven in ihre 

Wohntiere. In: Sehr, d, Ver. z. Verbr. nat. Kenntn. 1894. 
]"8. Bemerkungen zu einigen neuen Gattungen der Muscarien und Deutung einiger 
I _ Original-Exemplare. In: Sb. Akad. W., CIV, (1), 582- 604, Taf. 1. 1895. 
;('9. Über Cohboldia elephantis. In: Anz. d. Akad. W., Xr. XVII, 180—181. 1896. 
j^O. Beiträge zur Kenntnis außereuropäischer Östriden und parasitischer Muscarien. 

In: Denkschr. Akad. W., LXIV, 259—282, 1 Taf. 1896. 
M. Beiträge zur Kenntnis der Muscaria schizometopa und Beschreibung von 

zwei Hypoderma- Arten. In: Sb. Akad. W., CIV, (1), 329—382, Taf. 1. 

1897. 

12. Beiträge zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. In: Sb. Akad. W., CVII, 
(1). 493-546. 1898. 

^3. Über die systematische Stellung der Muscanen- Gattung Aulacocephala. In: 

Anz. d. Akad. W., Nr. XVIII, 238—239. 1899. 
54. Beiträge zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. In: Sb. Akad. W,, CVIII, 

(1), 495—529. 1899. 

\h. Über die von Prof. 0. Simony auf den Kanaren gefundenen Neuroptera und 
Pseudoneuroptera (Odonata, Corrodentia et Ephemeridae). In: Sb. Akad. 
W.. CIX, (1), 464—477. 1900. 



166 



A. Haiullirsch. Friedrich Moritz Brauer. 



186. Mesothemis niithroides ii. sp. In: Von Ihrer kgl. Holieit der Prinzessin Tho 

rese von Bayern auf einer Reise in Südamerika gesammelte Insekten. 
(Berl Ent. Zeitschr., XLV, 266. 1900.) 

187. Nekrolog Jos. Miks. In: Wr. Ent. Z., XX, 1-7. 1901. 

188. Über die Fliegenkrankheit. In: Wiener mediz. Wochenschr., Nr. 50. 1901. 

189. Geschichte der Zoologie in Österreich von 1850—1900. Dipteren. In: Botau. 

n. Zool. in Ost. (Festschrift der k. k. zool.-bot. Ges., 344—348. 1901.) 



Bericht der Sektion für Lepidopterolog^ie. 

Versammlung am 3. Februar 1905. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende legt ein Exemplar des kürzlich erschienenen 
II. Teiles seiner „Studien über die Lepidopterenfauna der Balkan- 
liinder'^. umfassend „Bosnien und Herzegowina", als Geschenk au 
die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft vor. 

Derselbe macht hierauf Mitteilung über ein Gesellschafts- 
f^espinnst der llaupe von Vlodia Interpunctella Hb. 

Herr Dr. liehel demonstriert und bespricht nämlich ein von 
Herrn liaron Ilicliard Dräsche v. Wartimberg eingesendetes zu- 
»ammenbängciidcs weißes Gespiniist in der Ausdehnung von bci- 
liinfi«: Dr. welcbes am H). Novend)er v. J. auf Maishaufeii am 
Schllttboden des Outes Tolna (Ungarn) gefunden wurde und au- 
fl^eblich von (l<r mit Maiskolben eingetragenen Kaui)e des Hirse 
zllnslerH, I'i/rdHs/d Xiihihills Hb., licrriihren sollte. 

Inzwisclicn ciit wickelte sieli vor einigen 'i'agen aus rui)peii, 
welclie in Falten des (lesjjiinistes verborgen waren, der Falter, 
welclicr iiiclit /.ii der ;:( ii;nmteii Art, sondern zu Flodia Interpunr 
t'Un Hb. --eliürt, l ud mit der Lebensweise letzterer Art stiiiiuil 
aiieli (be Anle^Ming eiiieK gemeinsamen Oberlliichengespinnstes, um 
da« OH Hieb in dem vorliegcn(b ii Fnlle handelt, gut llberein, so dnli 
kein Zweifel obwalten kann, daß es sieh iiielil um einen erst :Viseli 
v'\\\\i^i'\Tin^it\\{'\\, Hondern walirKclumdieb selion auf (bu) SeJiHtthödeii 
in 'l'obia ein^^eniKlcten Seliiidling liandelt, der sieh aber erst in 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



167 



'letzterer Zeit dort stark vermehrt haben dürfte. Die Raupe vou 
Plodia Inferpimcfella wurde — sowie die der naheverwandten 
Ephestien — schon wiederholt an getrockneten Früchten mannig- 
facher Art, zumeist allerdings an Südfrüchten, aber auch an Quäcker 
Oats, als Schädling* beobachtet und richtet namentlich in Droguen- 
handlungen und Apotheken großen Schaden an. 
: In Amerika ist die Art schon seit Langem als Schädling von 
Maismehl bekannt und hat bereits von Fitch (1856) den Xamen 
Tinea Zeae erhalten. 

Zu diesen Mitteilungen bemerkt Herr Dr. E. Galvagni, daß 
die Raupen von Plodia Interjnmctella in der Reisschälfabrik von 
St. Andrä bei Triest wiederholt großen Schaden angerichtet haben. 

Herr Fritz Wagner demonstriert ein männliches Exemplar 
von Satijrus Äntlielea Hb. var. Amalthea Friv., welches von Herrn 
0. Leonhard bei Duzi in der Herzegowina am 1. Juli 1903 er- 
beutet wurde. Das Stück stimmt mit solchen aus Athen im Hof- 
museum überein. Die Art ist neu für die Monarchie und erreicht 
in Duzi den westlichsten Standort ihrer Verbreitung. 

Herr Dr. Rebel bemerkt hierzu, daß er lebhaft bedauere, nicht 
früher Kenntnis von dem Vorkommen dieser interessanten Art in 
der Herzegowina erhalten zu haben, wodurch es möglich gewesen 
wäre, die Art wenigstens in den Nachträgen der heute vorgelegten 
Arbeit über Bosnien und die Herzegowina aufzunehmen. Herr 
Leonhard habe kürzlich die Freundlichkeit gehabt, 2 vom 
gleichen Fundorte dem Hofmuseum zu widmen. 

Herr Dr. Alfred Kolisko teilt im Anschlüsse an seine in der 
Jännersitzung 1904 gemachten Mitteilungen über Inzucht von 
Dil Ina Tiliae die Resultate der heuer fortgesetzten Inzucht mit. 

Während im Jahre 1903 nur eine kleine Anzahl von Puppen 
vorhanden war, ergab deren Nachzucht aus ca. 100 Eiern 62 Puppen, 
aus denen im Jahre 1904 in der Zeit vom 24. April bis 20. Juni 
52 Falter schlüpften. Die weitaus größte Mehrzahl hiervon waren 
normal entwickelte Tiere, welche auch keine autfallenden Ab- 
weichungen in der Gestalt der Mittelbinde zeigten. 15 Stücke er- 



168 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



gaben die Abart hrunnescens Stgr., was darauf zurückzuführen ist, 
daß die Stammutter und der Vater dieser Abart angehörten. 

11 Stücke aber ergaben äußerst auffallende Abweichungen in 
der Zeichnung. 

Bei den beiden der Stammform am nächsten stehenden Stücken 
zeigt sich die Mittelbinde in zwei Flecke aufgelöst^ von denen der 
am Innenrande kleiner, der Costalfleck aber größer und — was be- 
sonders hervorzuheben ist — vom Vorderrande durch die Grund- 
farbe breit getrennt erscheint (ab. Maculata Wallgr.). 

Bei ferneren sieben Stücken ist die Mittelbinde auf einen 
genau in der Mitte liegenden, meist dreieckigen, größeren oder 
kleineren Fleck reduziert (ab. Centripuncta Clark, ab. TJlmi Stgr.). 

Bei einem weiteren Stücke ist dieser Fleck bis auf einen 
kleinen Punkt verschwunden, während das letzte Stück überhaupt 
keine Spur eines Mittelfleckes mehr zeigt (ab. Exünda Stgr., ab. 
Ohsolefa Clark, ab. Immaculata Bartel). 

Eine andere Abweichung zeigt das der Generation 1903 an- 
gehörige cT, von welchem die heurige Zucht abstammt; es zeigt 
statt der Mittelbinde auch nur einen, jedoch ziemlich großen und 
hart am Vorderrande befindlichen Fleck und zugleich vollständig 
braune Färbung (ab. Costijmncta Clark). 

Von den übrigen vorerwähnten Stücken sind drei bräunlich, 
alle iil)rigen grün. 

Während die der obigen Zucht angehörenden, normal gezeich- 
neten Tiere sowie auch die sämtlichen hrunnescens normal ent- 
wickelt sind, zeigen die aberrativen Stücke deutliche Degencrations- 
incrkniale. indem sie kleiner, teilweise verkrüppelt und dünn be- 
schu})j)t sind. 

I)('i (;in( ni Stücke zeigt sich diese mangelhafte Beschu])pung 
lianptsiichlicli auf den 1 linterflligeln, welche bis auf den vollständig 
normal gezeichneten Kand glashcll erscheinen und dadurch an die 
Klil^el von I/rnifiris fuci/ormis erinnern. 

In J. W. 'J'utts „Tiie Kntoniologist's Kecord and Journal of 
Variation", Vol. I, ]8<.K)— ISIM, {>. 327, sind eine Heihe von in der 
Natur vorgofundcMien 7'/7/V/r -Aberrationen })eschrieben und abgebildet. 

Vergleicht man die obigcui ZuchtcrgebnisHe mit diesen Abhil- 
dnngen, m findet man, daß beinahe sämtliclK; dort beschriebenen 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



169 



Aberrationen vollkommen übereinstimmend auch hier vertreten sind. 
Auch die dort erwähnte abweichende Gestalt des Außenraudes 
findet sieh mehr oder weniger auch bei den hier vorgezeigten 
^Stücken. Ebenso auch die dort erwähnte asymmetrische Zeichnung, 
indem bei einigen Stücken der Zeutralfleck auf dem einen Flügel 
irrößer ist als auf dem anderen und ein Stück auf der einen Seite 
Exündü, auf der anderen rirni ist. 

Es scheint also erwiesen, daß man die in der Natur vor- 
kommenden Aberrationen auch durch Degeneration, auf dem Wege 
fortgesetzter Inzucht, hervon'ufen kann. 

Die Annahme ist daher naheliegend, daß auch die in der 
Natur vorkommenden Aberrationen ebenfalls durch Degeneration 
entstanden und die verschiedenen T/Z/a^ -Aberrationen daher nur 
degenerative Erscheinungen seien. 

Diese Degeneration muß nicht gerade auf Inzucht beruhen, 
sondern kann ihre Entstehung auch ungünstigen Lebensverhältnissen 
im Raupenzustande verdanken. Ein Beispiel dafür ist ein den 
früher besprochenen Aberrationen analoges Stück, das im Jahre 
1888 aus einer auf Saliia officinaVis gefundenen und damit weiter 
gefutterten Raupe erzogen wurde und hier ebenfalls vorgezeigt wird. 

Es soll übrigens in letzterer Beziehung ein abschließendes 
Urteil um so weniger ausgesprochen werden, als der Versuch noch 
fortgesetzt wird, welcher weitere interessante Ergebnisse um so mehr 
erhoffen läßt, als derzeit Puppen in größerer Anzahl von zwei der 
Generation 1904 angehürigen Paaren vorhanden sind, von denen 
eines ein normales J/7/r/^-Paar ist. während das andere der ab. 
Brunnescens angehört. 

Herr Dr. Rebel bemerkt bezüglich der Nomenklatur der 
Dilina TiUae-Yovmeu. daß Tutt im III. Bande seiner ..British 
Lepidoptera". p. 403 — 407 diesen Gegenstand erschöpfend behan- 
delt hat und vor Besprechung der in der Literatur bereits vorhan- 
denen Namen eine tabellarische Übersicht von 24 Tiliae-FoYmen 
gibt, welche durch Kombination der wechselnden Grundfarbe mit 
der mehr oder weniger vollständigen Zeichnung erhalten werden. 
Tutt gibt auch den unbenanuten derselben neue Doppelnamen, 
z. B. für die Fomi mit bleichgrauer Grundfarbe und verloschenem 



170 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Costalteil der dunklen Mittelbinde der Vorderflügel = ab. 2^allida- 
marginepuncta. Rothschild et Jordan haben sich in der Sphin- 
g'iden-Monographie (p. 307) gegen dieses Prinzip der Namengebung 
ausgesprochen und auch beanständet, daß Tutt nur die wechselnde 
Grundfarbe der Vorderfliigel und nicht auch jene der damit oft 
nicht übereinstimmenden Hinterflügel in Betracht gezogen hat. 

Dr. Kebel sieht die Unterscheidung Tutts als zu weitgehend 
an und möchte sich bei einer Katalogisierung auf nachstehende 
Formen, respektive Namen als Kategorien beschränken: 

Mimas (Bilina) Tiliae L. (Grundfarbe mehr oder weniger mit 
grün gemischt [selten grau], mit vollständiger oder unterhalb 
der Mitte nur schwach durchbrochener Mittelbinde der Vorder- 
flügel.) 

a) ab. Brimnea Bartel (= Brunnescens Stgr.). Grundfarbe durch- 
aus rotbraun, ohne grün, Zeichnung wie die Stammform 
oder mit ab. h) bis e) kombiniert. 

h) ab. Macidata Wallgr. Die Mittelbinde der Vorderflügel ist in 
zwei Flecke aufgelöst, wovon jener in der Mitte meist 
keilförmig erscheint und auch vom Vorderrande durch die 
Grundfarbe breit getrennt wird. Grundfarbe wechselnd. 
Biptincta Clark sind nur extreme Stücke dieser Aberration 
mit sehr kleinem Mittelfleck. 

r) ab. Cofitipunda Clark. Der Costalteil der Mittelbinde ist in 
voller Stärke erhalten und reicht bis an den Vorderrand, 
der Dorsaltcil der Binde fehlt vollständig. Grundi'arbc 
wechselnd. 

(l) Jil). Mar()im]>mi('ia Tutt. Nur der Dorsalteil (Inncnrandtcil) 
der Mittelbindc ist erhalten. Grundfarbe wechselnd. 

(■) al). (knlripuncta (Jlark IJlmi Bartel, Stgr.). Die Mittel- 
l)iii(l(; ist auf einctn khiinen, meist dreieckig geformten 
MitlclfJeck beschränkt. Grundfarbe wechselnd. 

/ ) ab. (fh^olrfn (^lark ( - Imnianila/a Bartel — hhimvht Stgr.). 
Die \'nnlcrllii^^(;l vollständig ohne S|)iir der Mittelbindc;, nur 
mit \ ci waKchciKüi (iiicrlinicii. I)i(; Vonlerdiigel nach aulJeii 
stc.tH •rrCnilicii gcfiirbf, die 1 liiif('rllll;;('l iiicist n»it nWlicli- 
P'ibfMii .Saiinic, 



Versanimliing der Sektion für Lepidopterologie. 



171 



Wohl besser nicht als eigene Kategorien wären in Zukunft 
die sehr seltenen Aberrationen Feclimamii Hartm. und Suffusa Clark 
zu behandeln. Erstere zeigt zeichnungslose braungrüne Vorderflügel, 
nur der Saum ist heller grau; ein Schulterfleck sowie die ein- 
tarbigen Hinterflügel sind rotgelb. Ab. Suffusa besitzt fast normal 
gefärbte Vorderflügel, aber auffallend verdunkelte Hinterflügel. 

Herr Dr. K. Schawerda weist nachstehende aberrative 
Falter vor: 

a) Ärgynnls Fapliia ab. Conjuncta. cT, 9 mit zusammengeflosse- 
nen schwarzen Flecken der Oberseite. Ein interessantes Pro- 
dukt von Temperaturexperimenten aus Zürich. 

h) Erebia Aetliiops Hb. 9, von Walter v. Khautz in Piesting er- 
beutet. In der strohgelben Saumbinde der Vorderflügel stehen 
nicht weniger als sechs weißgekernte Augenflecke. 

c) Lycaena Bafon Brgstr. Auffallend großes $ der zweiten Gene- 
ration von Piesting (4. Juli 1904) mit fast 16 mm Vorderfltigel- 
länge. 

d) Lycaena Icarus Rott. Mehrere aberrative $. 



Die Crocisa-Aitm Afrikas. 

Von 

H. Friese 

in Jena. 
(Eingelaufen am 30. Juli 1904.) 

Die Bienengattung Crocisa tritt in Afrika in zahlreichen meist 
recht bunt gefärbten Arten auf, die oft auch eine bedeutende Größe 
(15 — 16 mm) erreichen und mit zu den schönsten Bienenarten zählen. 
Erst in den letzten Jahrzehnten kamen größere Sammelausbeuten 
nach Europa, so besonders durch Dr. Fülleborn vom Nyassa-See 
an das Museum in Berlin, deren Bearbeitung ich vor einiger 
Zeit übernahm. Inzwischen (1903) publizierte auch Herr J. Vachal 



172 



H. Friese. 



in Argentat in seinen ,,Hym6nopteres du Congo frangais"^) IP) 
neue Crocisa -Arten, deren Vergleichung mir daher oblag. Der ver- 
dienstvolle Autor fügte seiner Bearbeitung auch eine systematische 
EinteiluDg dieser Gattung bei^ die mir so wertvoll erschien, daß 
ich sie im folgenden zu Grunde legte und weiter auszubauen ver- 
suchte. 

Mir liegen zur Zeit an 160 Exemplare von afrikanischen 
Crocisa vor und prüfte ich sie, so gut es gehen wollte, vom syste- 
matisch-morphologischen Standpunkte aus, ohne jedoch zu einem 
durchaus befriedigenden Resultat zu kommen. Die Crocisa -Arten 
sind äußerst schwer zu sichten und zeigen offenbar große Ver- 
änderlichkeit in Form und Habitus, was wohl bei einer Schmarotzer- 
gattung, die noch dazu über weite Ländergebiete sich erstreckt, 
nicht weiter Wunder nehmen darf. 

Für die Artunterscheidung ist als grundlegend wohl die von 
Radoszkowski^) und Vachal hervorgehobene Bildung des Scu- 
tellums zu betrachten, ferner die Art der Behaarung und beim 
das Analsegment (dorsal wie ventral!). 

Die Farbe der Behaarung scheint dagegen bei vielen Arten 
von blau bis weiß zu ändern, ebenso scheinen die Flecke vom 
Thorax und Abdomen öfters durch Abreiben zu verschwinden. 

Crocisa ist fast über die ganze Erde verbreitet und fehlt nur 
in Nord- und Südamerika.^) Ihr Hauptverbreitungsgebiet scheint 
in der äthiopischen und australischen Region zu liegen. 

drocka ist eine Schmarotzerbiene, die bisher nur bei Äntho- 
phora -Arten gefunden wurde, also auch wohl in Afrika von diesem 
Genus abhängig ist. Genauere Daten liegen bisher nicht vor. 

Zum Schlüsse möchte ich aber noch betonen, daß hier ebenso- 
wenig wi(; bei Badoszkowski und Vachal schon etwas Ab- 
geschlossenes in der systematischen Bearbeitung dieser Gattung 

In Auu. S(.c. (Mit. d(; France, 1903, Vol. 72, p. 370—382. 
^) \'on H auO^(^fiilirt('ij Arten sind zwei von Lc^peletier mid Iv.'idosz- 
kow Hki l)(w)iri('l»( ii und die drifte ^ (Jr. calcarata Vach. (v^H. Notiz, p. 't 00) 
von Peru. 

In I',tdl. Soe. n.'iturallHt. de MoHcon, 1803, Vol. CG, p. 172—173. 
liier wird drocim durrli die (^.•ittun^'- Meüorheira nnd Melecta dureli 
Meliftm und NCrw.'indte vertreten. 



Die Crocisa -Arten Afrikas. 



173 



geboten werden kann, sondern nur ein Versuch, der uns in dem 
Chaos der Formen zurecht finden lassen soll. Erst mit vereinten 
Kräften, die besonders durch in Afrika heimische Sammler zu be- 
schaffen sind, dürfte etwas dauernd Brauchbares geschaffen werden. 

Aus besagter Schwierigkeit der Artunterscheidung ergibt sich 
wohl ohne weiteres zur Genüge, daß uns Einzelbeschreibungen von 
Arven ohne Angabe der Verwandtschaft und ohne gründUche Kennt- 
nis des vorhandenen Stoffes nicht vorwärts bringen können. Ich 
habe deshalb derartig beschriebene neue Arten in den Anhang 
verwiesen. 

Zum Schlüsse möchte ich noch einigen zur Zeit in Afrika 
rastlos tätigen Sammlern, denen ich auch den größten Teil meines 
Materiales verdanke, öffentUch meinen herzlichen Dank aussprechen. 
Es sind dies: 

Dr. Hans Brauns in Willowmore, der besonders durch metho- 
disches Sammeln, Blumenaussaat und Nestzucht tadelloses Material 
beschafft. 

Missionär Junod in Shilouvane (Nord-Transvaal). 

Schulinspektor Ertl, ihm verdanke ich gutes Material von 
Kigonsera (Ost -Afrika). 

Dr. Stau ding er, er sandte mir viele Stücke von Ukami 
(Ost-Afrika). 

Max V. Stefenelli, der bei Old-Calabar Hymenopteren sam- 
meln läßt. 



Systematisclie tibersicM der Crocisa -AiIqh Afrikas. 

1. Gruppe: alhomactilata. 

1. Cr. alhomactilata Deg. 

caffra Lep. 

2. Gruppe: picta. 

2. Cr. picta Sm. 

3. Cr. guineensis Rad. 

4. Cr. histrio F. 

nubica Lep. 
sejuncta Sauss. 
vßlida Mor. 



174 



H. Friese. 



5. Cr. africana Rad. 

6. Cr. scotaspis Vach. \ 

7. Cr. pretexta Vach. > = V jnc^a var. 

8. Cr. axillaris Vach. | 

9. Cr. lanosa Friese. 

10. Cr. hraunsiana Friese, 
o. Gruppe: splendidula. 

11. Cr. splendidula Lep. 

12. Cr. fasciata Friese. 

13. Cr. interrupta Vach. 

14. Cr. houyssoui Vach. 

15. Cr. arcuata Vach. 

16. Cr. delumhata Vach. 

17. Cr. liyalinata Vach. 

18. 6V. tschoffeni Vach. 

19. 6V. carinata Friese. 

20. Cr. excisa Friese. 

21. Cr. vachali Friese. 

22. Cr. ahyssinica Rad. 
2.3. Cr. calceata Vach. 

24. Cr. meripes Vach. 
4. Gruppe: 6- fasciata. 

25. 6V. quimjue fasciata 8m. 

suhcontinua Sauss. 

A uhaiif^: 

26. CV. forhcsi Kirby. 

27. Cr. uniform is Kirby. 



Tabelle zur Bestimmung der Arten. 
» ojbchcii. 

I. Sciitclliim liiiilcii ('iiil';icli /^-auR^eschiiillcn 2 

— Scutclliiiii mit liu-nii;; ^C8chwun;j;;cncii Seilen des Aus- 

Hcbiiittcs 7 

— Sculcnuiii Ihicli Jiu8^craii(b'l. liilngc^ 12 

( !r. a l h tu a r u lata \)v ^, 



Die Croci.sa -Arteu Afrikas. 



175 



'2. Ventralsegment 5 einfach, nur an der Spitze gekielt . . 3 
Ventralsegment 5 groß, der ganzen Länge nach stark gekielt. 

Cr. guineensis Rad. 

3. Zeichnungen blau 4 

— Zeichnungen weiß 6 

4. Bauch blau gefleckt, Flügel schwarzbraun, 15 — 17 mm . 5 

— Bauch einfarbig schwarz, Flügel mit hyalinen Flecken, Haar- 

flecken des Körpers lang, wollig. Länge 12 mm. 

Cr. lanosa Fr. 

(Wenn Bauch und Metatarsus schwarz sind, so vergleiche 
man pretexta Vach. ) 
0. Scutellum mit blauem Haarfleck Cr. picta Sm. 

— Scutellum ungefleckt Cr. scotaspis Vach. 

(5. Grosses Tier, 14 — 15 mm, Zeichnungen weiß Cr. nuhica Lep. 

(Vergleiche Cr. sejuncta, africana, valida.) 

— Kleineres Tier, 9 — 11mm . . . Cr. hraiinsiana Friese 

7. Segmente seitlich blau oder blauweiß gefleckt .... 8 

— Alle Segmente mit ganzen, kaum mitten unterbrochenen, blau- 

weißen Haarbinden .... Cr. quinquefasciafa Sm. 
(Vergleiche Cr. suhcontinua.) 

8. Scutellum unterhalb am Endrande ohne oder mit schwarzer 

Franse 9 

— Scutellum unterhalb mit weißer Franse 10 

9. Segment 1 mit zwei fast vollständigen Binden. Länge 12 bis 

14mm Cr. splencUdiila Lep. 

(Vergleiche Cr. louyssoui Vach.) 

— Segment 1 nur an der Basis mit vollständiger Binde. Länge 

10mm Cr. fasciata Friese 

— Segment 1 mit großem blauen Seitenfleck, Thorax blau gefleckt. 

Länge 12 — 1?> mm Cr. inierrupta Vach. 

10. Scutellum mit Haarflecken auf der Scheibe 11 

— Scutellum ohne Haarflecken auf der Scheibe 12 

11. Scutellumflecke jederseits auf der Scheibe und auf den Seiten- 

lappen. Länge 10 — 11 mm . . . Cr. clelumhata Vach. 

— Nur drei Scutellumflecke, zwei auf den Seitenlappen und einer 

am Ausschnitt. Länge 11 — ll'b mm . Cr. vacliali Friese 

12. Kleinere Tiere, Zeichnungen oft weiß. Länge 10—11 mm 13 



176 



H. Friese. 



I 



— Größere Tiere, Zeichnung-en meist bläulich. Länge 14—15 mm 14 

13. Ventralsegment 2—3 gelblich gefleckt, Metatarsus außen hell ■ 

und blau behaart Cr. calceata Vach. 

— Ventralsegment und Metatarsus schwarz behaart. 

Cr. meripes Vach. ] 

14. Ventralsegment 5 am Ende gekielt. Länge 13 — 14 mm. \ 

Cr. carinata Friese 

— Ventralsegment 5 ohne Kiel, aber verlängert 15 

15. Scutellum meist braun behaart, jederseits mit einem großen blau- 

weißen Haarfleck. Länge 15 mm . . Cr. arcuata Vach. 

— Scutellum ohne autfallende Behaarung. Länge 14 mm. i 

Cr. excisa Friese 

Männclieii. 

1. Scutellum hinten einfach y\- ausgeschnitten 21 

— Scutellum mit - — förmig geschwungenen Seiten des Aus- 1 

Schnittes 5 

— Scutellum flach ausgerandet, Zeichnungen weiß. Länge 1 1 mm. 

Cr. alhomaculata Deg. 

2. Analsegment (7.) sehr breit, fast viereckig, Antennenglied 3 

172^1^1 so lang wie das vierte. Länge 15 — 16 mm . . 3 ; 

— Analsegment zugespitzt, klein, AntennengHed 3 so lang wie das ' 

vierte. Länge 11 — 13 mm 4 

3. Analsegment jederseits gezähnt, mitten fast gerade. 

Cr. guineensis Rad. 

— Analsegment dreidornig, mittlerer Dorn sehr breit Cr. picta Sm. 

4. Analsegment ausgeschnitten, nur Scutellum und Seitcnlappen 

blauweiß behaart, ebenso die Körperflecke. Länge \2mm. 

Cr. lanosa Friese, i 

— Analsegment mitten in der Ausrandung gerade, Sciitcllumfläche i 

und Seitcnlappen weiß behaart, ebenso die Körpcrflocko. 
Länge U — 10 m.m. TV. hratiusutud Friese 

5. Alle Segmente seitlicli bhui oder blauweiß gefleckt 6 l| 

— Alle Segmente mit schmahMi, kaum unterbrochenen Hiiideii, 

AnalKcgment mit zwei Dornen, dazwischen gerade. Länge 

11— 12?//w/ (Jr. (luirKfUc l'asciata Sn». 

(Vergleiche CV. subconlinua Sauss.) 



Die Crocifd -Arten Afrikas. 



177 



6. Scutellumendrand unten mit schwarzer Franse oder Franse 

fehlend 7 

— ^?cutellumrand unten mit weißer Franse 8 

7. Segment 1 mit zwei blauen, fast vollständigen Binden, Anal- 

segment dreidornig oder doch mitten vorragend (7.). Länge 

II— l'd mm Cr. sjjlendidula Lep. 

( Vergleiche Cr. hoiiyssoui Vach.) 

— Segment 1 mit nur einer vollständigen Basalbinde, Analsegment 

abgestutzt (7.). Länge 10 mm . . Cr. fasciata P^riese 

— Segment 1 jederseits mit großem blauen Fleck, Analsegment 

ausgerandet (7.). Länge 10 — 11 mm Cr. interrupta Vach. 

8. Letztes Ventralsegment grubig vertieft 9 

— Letztes Ventralsegment eben und flach 10 

9. Metatarsus oben weiß behaart, Scutellum mitten gefleckt. 

Cr. Ityalinafa Vach. 

— Metatarsus ohne Angabe, Scutellum mit drei Querflecken. 

Cr. tschoffeni Vach. 

10. Analsegment ausgerandet (7.), mitten aber gerade ... 11 

— Analsegment ausgeschnitten (7.)^ Zeichnungen fast weiß, An- 

tenne sehr dick, Glied 3 so lang wie das vierte. 

Cr. exclsa Friese 

11. Kleinere Tiere. Länge 10 — \l mm. 12 

— Großes Tier. Länge 14 — 15 mm. Scutellum jederseits blauweiß 

gefleckt, ebenso die Segmente. Erstes Segment mit ganzer 
Binde Cr. arcuata Vach. 

12. Scutellum oben ohne Behaarung, höchstens die beiden Seiten- 

lappen behaart 13 

— Scutellum oben auf der Scheibe mit behaartem Fleck. Länge 

10 mm Cr. (hl umhat a Ysicli. 

13. Metatarsus und Bauch mehr oder weniger weißlich oder bläu- 

lich behaart, Analsegment mit zwei Dornen, dazwischen 
gerade, letztes Ventralsegment mitten unbehaart. 

Cr. calceafa Vach. 

— Metatarsus und Bauch schwarz behaart, Analsegraent ausge- 

buchtet (7.), letztes Ventralsegment überall behaart. 

Cr. meripes Vach. 



Z. B. Ges. Ed. LV. 



12 



178 



H. Fliese. 



9. Crocisa lanosa Friese. cT, 9- 

1905. Cr. lanosa Friese in: Z. syst. Hym., Dipt., Vol. 5, p. 1. 

9. Nigra, alho-caeruleo-mactdata, ut Cr. picta, sed minor, 
thorace et abdomine longissime pilosis, scutello immaculafo, segmento 
centrali 5 apice carinato, venire nigro. 

cT ut femina, sed segmento anali acuminato, apice exciso. 

9- Wie Cr. picta, aber kleiner, Thorax und Abdomen lang 
behaart, besonders die blauweiße Behaarung lang-, Scutelluni sehr 
tief ausgeschnitten, Linien gerade, Haarbüschel im Ausschnitt sehr 
lang und weiß, sonst Scutellum ohne helle Behaarung, nur die 
Seiteniappen weiß. Segment 1 mit großem blauweißen Haarfleck, 
2 — 5 mit kleineren; Ventralsegment 5 am Ende gekielt. Bauch 
schwarz; Beine und Metatarsus blauweiß gefleckt. Flügel gebräunt, 
am Ende der markanten Zellen mit hyalinem Fleck. — Länge 
11 — 12 mm. 

cT wie 9, Analsegment zugespitzt, schräg ausgeschnitten (6.), 
lang schwarz behaart. — Länge 11 mm. 

cf, 9 von Kigonsera (unweit vom Nyassa-See). 

10. Crocisa braunsiana Friese. cT, 9- 

1905. Cr. braunsiana Friese in: Z. syst. Hym., Dipt., Vol. 5, p. 1. 

9. Nigra, alho-hirta et alho-maculata, scutello triangularitcr 
exciso, alho-maculato, venire pedihusque albo-maculaiis ; alis fuscis, 
hyallno-maculatis. 

cT. Segmento anali acuminato truncatoque. 

V. Schwarz mit weißer Haarzeichnung, Scutellum cinfacli 
dreieckig ausgeschnitten, die Seitenlinien gerade, Seiteniappen und 
ein Fleck jederseits des Ausschnittes weiß behaart, unterhalb des 
AuHHchnittes lang weiß behaart. Segmente jederseits mit großem 
weißen liaarßeck, Segment 1 an der liasis und am Endrande mit 
solchem Fl(;ck, die seitwärts znsarnmciilließcn. liaiicli und IJeinc 
Kamt MetatarsuH weiß gezeichnet. Filigel gebräunt, mit vielen 
liyalinen Flecken. Liinge 9- 1 1 

wie 9, AnalHegm(;nt verjüngt, breit und gerade al)gesintzt. 
i>ängc 9 10 mm. 



Die Croci.m -Arten Afrikas. 



170 



und 9 bei Willowmore i Kapland) im Dezember und Jänner 
von Brauns beobachtet; im Museum in Berlin auch von Südwest- 
Afrika, Togo und vom Nyassa-See. 

12. Crocisa fasciata iior. spec. o, 9- 

9. Nigra, caeruleo-maculata, ut Cr. splendidida, sed mhwr, 
segmento 1 hasin imifasciato; segmento ventrali 5 apice carinafo, 
farsis nigro-liirtis. 

d. Segmento anali acuminato, truncato. 

9. Wie Crocisa splendidida, aber kleiner und die biuden- 
artigen Flecke am Endrande des Segments 1 fast fehlend, Basal- 
binde aber sehr breit; Scutellum ganz schwarz, schwarz behaart, 
auch der Hinterrand, Ausschnitt des Scutellums sehr flach, aber mit 
CO -föimig geschwungenen Seiten. Abdomenseiten mit blauen Flecken, 
Ventralsegment 5 auf der Eudhälfte gekielt. Beine blau gelleckt, 
Tarsen schwarz behaart. Flügel schwarzbraun. — Länge 10 — 11 mm. 

d ebenso, Analsegment (7.) zugespitzt, abgestutzt. — Länge 
10—11 mm. 

West -Afrika, 9 von Acra, d von Old-Calabar (v. Stefenelli). 

15. Crocisa arcuata Yaeli. 

„d. Maculae hiuae scufelli la.teri et pteromaü nigro contiguae, 
fascia hascdis segmenti 1 integra, amhifus scidelU magis arcucdiis. 
— Long. 15 mm.^ 

d . Ecusson ayant l'echancrure en voüte plus ou moins sur- 
baissee avec une coche mediane qui determine 2 sailhe, en sorte 
que la ligne de Fangie apical au fond de la coche est en S-. Ecusson 
avec une frange blanche sortant sous son bord posterieur, macule 
laterale du segment 2 prolongee sur le cote vers la base. Ecusson 
avec, sur son disque propre, une ou plusieurs macules depoils päles. 

9 wie d , Thorax samt Scutellum anhegend schwarzbraun 
behaart, mit blauen Haarflecken. — Länge lomm.. 

9 von Ondonga ( Südwest -Afrika i. 

19. Crocisa carinata iiov. spee. 9 

9- Nigra, caeruho-macidata, ut Cr. arcuata. sed scutello nigro- 
hirto; segmento ventrali 5 apice carinato, ventre nigro-lürto. 

12* 



180 



H. Friese. Die Crocmi- Arten Afnl<:as. 



9. Wie Cr. arciiata, aber Scutelliim samt Seitenlappen ohne 
helle Behaarung, nur unten am Ausschnitt weiß behaart, Segment 1 
jederseits mit halbmondförmigem blauweißen Fleck, Segment 6 
mit breiter, ausgehöhlter Mittelfurche; Ventralsegment 5 mit ge- 
kieltem Ende, Bauch schwarz behaart. Beine blau gefleckt, Tarsen 
schwwz behaart. Flügel violett schimmernd. — Länge 13 — 14 mm. 

West -Afrika, 9 von Sierra Leone, 25. August 1895 (Stau- 
dinger), 9 von Old-Calabar (v. Stefenelli). 

20. Crocisa excisa 110 v. spec. cT, 9. 

9. Nigra, alho- mit alho-caeruleo-maculata, tit Cr. arcuata, 
sed scutello disco immaculato, segmento ventrali incarinato; alis fuscis, 
violaceo-micantihns. 

9. Wie Cr. arcuata, aber Scutellum nur im Ausschnitt unten 
hell behaart, Seiten des Ausschnittes CO -förmig geschwungen; Ventral- 
segment 5 ohne Kiel. Flügel schwarzbraun, violett schimmernd. 
— Länge 14 — 15 mm. 

cT wie das 9, aber Antenne auffallend dick^ nach hinten und 
unten die einzelnen Glieder vorspringend und ausgehöhlt; Anal- 
segment ausgeschnitten, Ventralsegment 5 — 6 lang schwarz be- 
borstet. — Länge 14 m.m. 

West-Afrika, 9 von Acra und Old-Calabar, von Shilouvanc 
(Junodj, im Dezember. 

21. Crocisa vachali iiov. spec. 9- 

9. Nigra, alho-caeruleo-maculata, ut Cr.delumbala, sed sculcMo 
disco immaculato, f<rgmento ventrali 5 apice carinato, venire utrlmiue 
maculato. 

9. Wie Cr. dclumhata, aber Scutcllumscheibe ohne blaue 
llaarflccke, diese nur auf den Seitenlapi)cn des Scutellums und in 
der Ausrandung, Scutellum lang weiß befranst. Abdomenfleckc 
sehr groß, fast hindcnartig, Venlralscgnicnt 5 am Fnde gekielt, 
r>auch JederseitH uui weißblaueni llaarlleck. Flügel schwarzbraun 
mit hyalinen Flecken. — Länge 11 — 11 -5 mm. 

9 von Ondonga (Südwest-Afrika). 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns ii. d. Okkupationsgebietes 1903. 181 



Ornithologische Literatur 

Österreich -Ungarns und des Okkupationsgebietes 1903/) 

Von 

Viktor Ritter v. Tschusi zu Schmidhoifen. 

(Eingelaufen am 10. August 1904.) 



A. D. Vom Vogelzug- (bei Graz). — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 4, 

S. 70-71. (Stelerm.) 
Aiclielburg, Gf. Arthur. Dva vcelojedi vzäfi 1903 u Neustupova 

zastfeleni.^) (Zwei Pernis apivorus im September bei Neustupov 

erlegt.) — Lov. Obzor, VII (1903), p. 10. (Böhm.) 
A. J. Eine für Ungarn neue Adlerart (Nisaetus fasciatus, im Toron- 

taler Komitat erlegt). — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 13, S. 235 

—236. (Ung.) 

A. N. Aus dem südlichen Ungarn. — Mitteil. d. österr. Reichsb. f. 
Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, III, 1903, Nr. 3, S. 26—27; Nr. 4, 
S. 37; Nr. 5, S. 50; Nr. 6, S. 60; Nr. 7, S. 69; Nr. 8, S. 79; 
Nr. 10, S. 100; Nr. 12, S. 119. (Ung.) 
— Meine ornithologischen Beobachtungen auf meiner Urlaubsreise 
vom 4.— 20. August 1. J. — Ibid., III, 1903, Nr. 12, S. 119. 
(Kroat.) 

Anzinger, F. Unsere Meisen. — Gef. W., XXXII, 1903, H. 34, 
S. 265—266; H. 35, S. 273—274; H. 36, S. 281—282; H. 37, 
S. 289—290; H. 38, S. 297—298; H. 39, S. 305—306; H. 40, 
S. 313—314. 

Aphaltrern, A. Bar. Aus Ägypten. (Aberration von Ferdix perdix 
bei Stein erlegt.) — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 1, S. 12. 
(Steierin.) 

^) Vergl. diese „Verhandlungen", Bd. LIV, 1904, S. 487—507. 

^) Die Angaben in ungarischer Sprache wurden größtenteils von Herrn 
Th. Kormos, die in czechischer von Herrn Oberlehrer K. Knözourek und die 
in kroatischer und slovenischer von Herrn Steuer-Oberinspektor Dr. J. Po- 
nebäek geliefert. 



182 



V. Ritt. V. Tseliusi zu Schmidh offen. 



Aquila. Supplementum ad Tom. IX (1902). — Budapest, 1903. 25 S. 

— Magyar ornithologiai központ. — Zeitschrift für Ornithologie. 
E edigiert von 0. Her man. Budapest, 1903. Jahrg. X. Gr. -4". 
320 S., 1 Taf. (Ungarisch und deutsch.) 

Arrigoni degli Oddi, Conte E. MateriaU per una Bibliographia 
ornitologica italiana. — Atti R. Istituto veneto di sc, lett. ed 
arti, LXII, 1902/3, P. II, p. 803— 853. (Triest, Südtirol, part.) 

Au st, A. J. Ein Eulennest (im Ofenkamin). — Waidmh., XXIII, 
1903, Nr. 13, S. 237. (Steierm.) 

Bau, Alex. Die Eier unserer Muscicapa -Arten. — Zeitschr. f. Ool., 
XII, 1903, Nr. 10, S. 153-156 (Schluß). (Yorarll)., Ung.) 

— Antwort an Herrn Dr. Kurt Floericke. 1903. 8^ 4 S. (Selbst- 
verlag.) 

— Antwort an Herrn Dr. Lutz. — A. d. Heimat, XVI, 1903, 
Nr. 1, S. 27—28. 

— Der Eichelheher als Eierdieb. — Zeitschr. f. Ool., XIII, 1903, 
Nr. 4, S. 50—53. (Vorarlb.) 

— Erithaviis cairii-titys. — Orn. Monatsber., XI, 1903, Nr. 7—8, 
S. 113-114. (Vorarlb.) 

— Ornithologisches und Biologisches aus Vorarlberg. — Orn. Jahrb., 
XIV, 1903, Nr. 5-6, S. 176—193. 

Besserer, L. Freih. v. Zwei Herbsttage am Mostarsko blato. — 

Deutsch. Jag., XXV, 1903, Nr. 26. (Okkup.-Oeb.) 
Bock, J. Rauhfuß])astarde (bei Kl.-Neusiedl). — Waidmh., XXIII, 

1903, Nr. 9, S. 160. (N.-Ö.) 
Bod, Pet. Az okos fecskepar. (Das kluge Schwalbenpaar.) — Tcr- 

m6sz., VH, 1903, Nr. IV, p. 45-46. (IJiig.) 
Boy er, K. Vogelleben im niederr)sterreichischen AValdviertel. — 

iMitt. d. österr. Beichsb. f. Vogolk. u. Vogelsch. in Wien, III, 190:), 

Nr. 10, S. 96-98. (N.-Ö.) 

— Die WachholdcrdrosKel (/rurdus jnl(irin) r)rutv()gel im Wiener- 
wald. Ibid., III, 1903, Nr. s, S. 101. (N.-Ö.) 

Biir-slalhn-, .j. Wildtauben bei Millstatt (am 2H./XII. 1902). — 
Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 4, S. 71. (Kämt.) 

^adiL V. Dfemlik. (Merlintalkc am lO./VIII. \W2 im llavraiio- 
liradcccr Revier erbeutet.; Lov. ObzcM-, VI, 1903, p. 27. 
(Millir.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns n. d. Okkupationsgebietes 1903. 183 



Oadil; F. Mnozstvi sink otavnich. (Viele Bekassinen [14] erlegt und 
vier Gal. gallinula erbeutet im September 1902 im Novoverer 
Revier.) — Ibid., VI, 1903, p. 27. (Mähr.) 

— Sluka stredni hnizdi se na jezere „Zabdk" se Lanzhota. (Mittel- 
schnepfe brütet am Zabäk-See bei Landshut.) — Ibid., VI, 
1903, p. 27. (Mähr.) 

— Divokä husa (Anser segetum) am 6./X. 1902 in Gesellschaft 
unter den Hausgänsen beim Landshuter Hegerhaus erlegt. — 
Ibid., VI, 1903, p. ?. (Mähr.) 

Capek, W. Meine Kuckucksfunde in der Saison 1903. — Zeitschr. 
f. Ool., XIII, 1903, Nr. 7, S. 105-106. (Mähr.) 

— Zwei Herbsttage auf den Namiester Teichen. — III. österr. 
Jagdbl., XIX, 1903, Nr. 11, S. 170—171; Nr. 12, S. 181—182. 
(Mähr.) 

Cerva, Fr. Ein gemütliches Kompagniegeschäft. (Gemeinsames 
Brüten von Mehlschw^albe und Sperling in einem Neste ersterer.) 
(Ungarisch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 255 — 257. (üng.) 

Chernel v. Chernelhaza, Stef, Die kurzzehige Lerche (Älmida 
hrachydactyla Leisl), eine neue Erscheinung in der Ornis Un- 
garns. (Ungarisch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 250 — 
251. (Siehenb.) 

— Das Vorkommen der schwarzköpfigen Schafstelze (Motacilla 
melanocepliala Licht.) jenseits des Kiralyhägo-Gebirges. (Unga- 
risch und deutsch.) — Ibid., X^ 1903, p. 253. (Siebenh.) 

— Wendehals und Fäustling (darin brütend). (Ungarisch und 
deutsch.) — Ibid., X, 1903, p. 254—255, mit Abb. (Ung.) 

Csörgey, T. Fünf Monate in Spalato. — Aquila, X, 1903, p. 66 

— 103. (Ungarisch und deutsch.) (Dahn.) 
C. W. Eingewandertes Auerwild (Suben — St. Florian). — Waidmh., 

XXm, 1903, Nr. 13, S. 237. (O.-Ö.) 
Deditius, K. Mitteilungen aus dem Riesengebirge {CJiaradrius 

morineUtis brütend). — Orn. Monatsber., XI, 1903, Nr. 11, 

S. 166—167. (Böhm.) 
Dessewffy, Gy. A szärnyasok viläga telen. (Die Vogelwelt im 

Winter.) — VadäszL, XXIV, 1903, p. 35. (üng.) 

— Ragadozo szdrnyasaink pusztitäsäröl. (Über das Vertilgen un- 
serer Raubvögel.) — Ibid., XXIV, 1903, p. 87. (üng.) 



184 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Dessewffy, Gy. A vadkacsa mint madarpusztitö. (Die Wildente 
als Vög-elvertilg-er.) — Ibid., XXIV, 1903, p. 280. (Uiig.) 

D. Gy. Szarnyasok vilaga az Al-Duna mell6k6n. (Vogelwelt an der |: 

unteren Donau.) — Ibid., XXIV, 1903, p. 368. (Uii^.) 
Donner, E. Aus dem Leben des Baumfalken. — Mitteil. d. österr. 
Reichsb. f. Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, III, 1903, Nr. 4, S. 38. 
(Känit.) 

Drbal, Wenzel. Vzacne ülovky. (Seltene Jagdbeuten: Weiße Dohle, 
gelber Hausspatz, zwei Clangtda glaucion und ein Rotfußfalke, 
ad., erlegt.) — Lov. Obzor, VI, 1903, p. 90. (Böhm.) 

Drvota, R. Co umi krahujec? (Was kann ein Sperber? — 15 Klein- ; 
Vögel in seinem Horste gefunden.) — Lov. Obzor, VI (1903), ' 
p. 74. (Böhm.) 

Dusek, Rud. Datei prostfedni. (Pictis medius in zwei Exemplaren 
im August 1902 im Hodonicer Revier erbeutet.) — Lov. Obzor, 
Vn, 1903, p. 11. (Mähr.) 

—er. Fidica atra, das Bläßhuhn, am Zuge (Wienerwald). — 
Hugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 9, S. 279-280. (N.-Ö.) 

— Von der Sommer (Wald) schnepfe. — Ibid., XLVI, 1903, Nr. 12, 
S. 353—356. (N.-Ö.) 

Ernst, Fr. Seltsames Verhalten des Wildes. — Mitteil, des Jagd- 
und Vogelsch.-Ver. in Außig, 1903, Nr. 12, S. 16—17. (Böhm.) 
Ertl, G. Ornithologische Mitteilungen. (Ungarisch und deutsch.) 

— Aquila, X, 1903, p. 257—258. (Un?,-.) 

E. W. Eine Rohrdommel (Botaunis stellaris) (bei Saaz erbeutet). 

— Jägerz. P>. u. M., XIX, 1903, Nr. 23, S. 635. (Bölim.) 
Fäbiän, G. T61i madan'iszok. (Die Vogelfänger im Winter.) — 

Tcrmcsz., VI, 1903, Nr. XI, ]). 11. (V>\i^.) 

— A sarga rig6 f(iszkc a letert valo kuzdelemben. (Das Nest des 
Pirols /OriolKS galhula] im Kampfe ums Dasein.) — Ibid., 
VI, 1903, Nr. xVlII, p. 9— 10. (IJii«'.) 

— ErdekcH fcszkek. fIriteresHante Nester.) — Ibid., VI, 1903, 
Nr. VI, p. 67-69. (Ln^g 

V. d. Fladnitz. Die Lobaucr Kormoraii-Kolouic. — Der Jagdfr., 

III. 1903, Nr. 47, S. 737— 739. (N.-Ö.) 
I'iccki, II. Zur Frage der SchädlicliUcit des Mäusebussards. — 

Der Ja^^dlV., IIL 1903. Nr. 40, S. 632. (TinM.) 



Ornithol. Literatur Österr. Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1903. 185 



Floericke, C. Zur Baumlaubvogelfrag-e (Phylloscoptis nifus syl- 
vestris Meisn. ). — Gef. W., XXXII, 1903, Nr. 8, S. 59—60. 
(üng., part.) 

Fndel, M. D. Verschiedenes (Singschwäne am Serethfluße erlegt). 

- Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 1, S. 15. (Bukow.) 
Foldyna, J. Sluka na stromö. (Die Waldschnepfe auf dem Baume.) 

— Lesni Sträz, I, 1903, p. 174. (Böhm.) 

Forgäch, K. Gf. Ciconia ciconia (L.). Früher Durchzug. (Unga- 
risch und deutsch.) — x^quila, X, 1903, p. 261. (üng.) 

Führer, L. v. Zur Kenntnis unserer Raubvögel. I. Der Bart- oder 
Lämmergeier {Gypaettis harhakis L.). — Der Jagdfr., III, 1903, 
Nr. 9, S. 129—131; Nr. 11, S. 161—164. (Siebenb., Bosn., 
Herzeg.) 

Führer, Nik. A vereb. (Der Sperling.) — Termesz., VI, 1903, 
Nr. XVII, p. 2-6. 

— A szarka. (Die Elster.) — Ibid., VI, 1903, Nr. XXI, p. 9—10. 
Gaal, G. v. Beiträge zur Vogelfauna des Balaton-Sees. (Ungarisch- 
deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 215—218. (Uiig.) 

Gabnav^ Fr. v. A madarak vonuläsa es az idöjaräs. (Der Vogel- 
zug und der Wettergang. j — Term. közL, XXXV, 1903, p. 47 
—48. (üng.) 

Genthner, R. Die erste graue Bachstelze. — Waidmh., XXIII, 1903, 
Nr. 7, p. 124. (N.-Ö.) 

— Die erste Schwalbe (am 24./III. bei Neustift). — Ibid., XXIII, 
1903, Nr. 8, S. 144. (N.-Ö.) 

Glück, Steph. Retisasok honaban. (In der Heimat des Haliactus 
aTbiciUa) — Termesz., VI, 1903, Nr. XVIII, p. 2—5. (Ung.) 

Grüne, Ph. G. Haubentaucher (bei Dobersberg erlegt). — Waidmh., 
XXIII, 1903, Nr. 13, S. 236. (N.-Ö.) 

Günther, Konr. Tazne plactvo na odletu. (Die Zugvögel auf dem 
Zuge.) — Sv6t zvirat, VIII, 1903, Nr. 102, p. 3. (Böhm.) 

G. V. W. Ein Rackelhahn (in Walster bei Mariazell erlegt). — 

Hugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 12, S. 377—378. (Steierm.) 

H. Hüttenjagd {Falco aesalon, d ad., im Grazer Feld erlegt). — 

Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 4, S. 69. (Steierm.) 

— Vom Herbstzuge. — Ibid., XXIII, 1903, Nr. 21, S. 382. 
(Steierm.) 



186 



y. Ritt. V. Tschusi zu Sohmidh offen. 



Haas, Aug*. Frühlingsboten. (Ringeltaube am 5. /II. bei Weidlingaü.)i 

— Mitt. d. n.-ö. Jagdschutz-Ver., 1903, Nr. 3, S. 108. (N.-Ö.); 
Halla, J. Dytik. (Oedicnemus oedicnemus am 15. /IX. 1903 bei| 

Hrotovic erlegt.) — Lov. Obzor, VII, 1903, p. 10. (Mähr.) | 
Hanika, H. Vom Vogelzuge. — Waidmb., XXIII, 1903, Nr. 7, 

S. 123. (Bosii.) 1 
Hanusz, Stepb. A madarak 61et6böl. (Aus dem Leben der Vögel.) 

— Termesz., VI, 1903, Nr. XVIII, p. 7-9. (Ilng-.) 

— A madarak belyv41toztatäsa. (Der Ortwechsel der Vögel.) — j 
Ibid., VI, 1903, Nr. XIII, p. 2-4. (üiig-.) I 

Hauptvogel, Ant. Ein Wort über die Abnahme der Vögel. — Mitt. 

d. Jagd- und Vogelsch.-Ver. in Außig, 1903, Nr. 12, S. 23-27. 
Helm, F. Ornithologische Beobachtungen an den Teichen von| 

Wittingau. — Orn. Monatsber., XI, 1903, S. 161—163. (Böliiu.) ' 
Hegyfoky, K. Der Vogelzug im Frühling des Jahres 1901 und 

die Witterung. (Ungarisch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, 

p. 188—199. (üng.) I 

— Hirundo rustica. Ankunft und Wegzug. (Ungarisch und deutsch.) \ 

— Ibid., X, 1903, p. 26.5. (Uiig.) I 

— Bericht über die Tätigkeit der kroatischen ornithoh)gischen | 
Zentrale. Referat. (Ungarisch und deutsch.) — Ibid., X, 1903, 
p. 2«4— 289. (Kroat., Slavoii.) 

Hegymeghy, D. v. Andere auffallende Nistfälle. (Ungarisch und 
deutsch.; — Aquila, X, 1903, p. 257. (Ung.) || 

Herman, 0. Nutzen und Schaden der Vögel. Deutsch von J. C. 
Rihsler. — Gera Untermhaus, 1903. Gr.-8". 16 + 332 S. mit 
100 Abbild. 

— Ein P>li('k auf die zehnjährige Tätigkeit der ungarischen onii- 
tliologisclien Zentrale. (Ungariscli und deutscli.) — A(iuila, X, 
1903, p. 1—34. (Dng.) 

— Der Kalilrabc ((hronficffs rrnnifn)^ sein Denkmal in Ungarn. 
(Ungarisch und deutsch.; — Ibid., X, 1903, p. 35 65, mit 
1 Taf. (Liij;.) 

— Ernährung d(;r Vr)g(;l mit IMIcksicht auf Nutzen und Schaden. 
nJngariHch und deutsch.; — Ibid.,X, 1903, p. 21*)— 220. (lliig;.) 

— (''l)or Mnsru(ij)fi parva liochst. (Ungarisch und deutsch.) — 
Ibid.. X. 190.",. p. 252-253. (Vnv;.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns ii. d. Okkupationsgebietes 1903. 1>^7 



Herman, 0. Madaräsz, Dr. Jul. v.: Die Vögel Ungarns. (Ungarisch 
und deutsch.) Referat. — Ibid., X, 1903, p. 266—284. (Ung-.) 

— Tarvarjü. (Über Gerontkus eremita.) — Term. közl., XXXV, 
1903, p. 413—414. (Ung.) 

H. K. Ankunft der Schwarzplättchen bei Meran. — Gef. W., XXXII, 

iy03, H. 15, S. 119. (Tirol.) 
Hlavac. Wilde Schwäne. — Der Jagdfr., III, 1903, H. 6, S. 88. 

(Kroat.) 

Hofmann, Gust. Tetrevec strelen u Mnisku. (Tetrao medins bei 

Mnisek unweit Prag erlegt [Bar. Schirnting]). — Lov. Obzor. 

VI, 1903, p. 91. (B^öhiu.) 
Horst. Brutschnepfen im Ernstbrunner Walde. — Hugo's Jagdz., 

XLVI, 1903, Nr. 16, S. 491. (X.-Ö.) 
Hrabär, Alex. Az urali bagoly feszkelese hazänleban. (Das Nisten 

der Uraleule in unserem Laude.) — Term. közl., XXXV, 1093, 

p. 522^523. (üiig.) 
Jablonowski, J. v. A cinkek ktilönös furfangjaröl. (Eigentümliche 

Spitzfindigkeit bei den Meisen.) — Term. közl, 1903, XXXV, 

p. 517-520. (Uiig.) 
Jäger. Seltenheit (Eisseetaucher in Hall, 8. /XII. 1902). — Waidmh., 

XXIII, 1903, Nr. 3, S. 50. (Tirol.) 
Jäobnicky, Fr. Bartmeisen (Fannrus hiarmicus) in Mähren. — 

Orn. Jahrb., XIV, 1903, H. 3, 4, S. 145. (3Iähr.) 
Jelinek, Ant. Ornithologicke pozorovani z okoli Mnisku. (Ornitho- 

logische Beobachtungen aus der Umgebung von Mnisek bei 

Prag.; — Vesmir, XXXII, 1903, p. 183 flP. (Böhm.) 
— Jos. Husy polni 1 $, 1 juv. jednou ranou. (Zwei Änser segetum 

auf einen Schuß am lO./X. 1903 bei Malsovic bei Königgrätz 

erlegt.) — Lov. Obzor, VL 1903, p. 27. (Böhm.) 

— Ostralka, vodous rudonoh}' a rohäe velk}' na OrHci u. Kr. Hra- 
dec stfeleny. (Spießente, Rotschenkel und großen Steißfuß am 
Adlerflusse bei Königgrätz im April geschossen.) — Ibid., VI, 
1903, p. 109. (Böhm.) 

— Orel ricni. (Pandion haliaetits bei Roudnicka bei Königgrätz 
erlegt.) — Ibid., VI, 1903, p. 109. (Böhm.) 

— Z toulek po reviru. (Streifzüge durch das Revier: 5 Totemus 
filareola mit einer Doublette geschossen. — Sferna nigra bei 



188 



V. Ritt. V. Tschusi zu Sclimidhoffen. 



Malsovic bei Königgrätz am 18./IX. 1903 erlegt.) — Ibid., VIT, 

1903, p. 11. (Böhm.) 
J. H. Aus Nordmähren (Tischnowitz). — Mitt. d. österr. Reichsb. 

f. Vog-elk. u. Vogelsch. in Wien, III, 1903, Nr. 7, S. 69. (Mähr.) 
J. T . . . . r. Vom großen Würger. (Schädlichkeit ) — Der Jagdfr., 

III, 1903, Nr. 39, S. 617. (Tirol.) 
J. W. Ein seltenes Schußresultat (Buh'o huho im Ober-Inntale). — 

Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 7, S. 105. (Tirol.) 
K. Über Albinismus bei den Rabenvögeln. — Der Jagdfr., III, 

1903, Nr. 49, S. 776—777. (Tirol.) 
k. Eine Trappe in Böhmen erlegt. — Jägerz. B. u. M., XIV, 1903, 

Nr. 8, S. 218. (Bölim.) 
Keleti, Franz. Fekete ibisz a Zala folyö 6s a Heviz völgy6ben. 

(Ihis falcinellus im Tale der Zala und des H6viz.) — Term6sz., 

VI, 1903, Nr. XXII, p. 6—7. (Ung.) 
Keller, F. K. Die Stockente (Anas hoscas). Ornithologisch -jagd- 
liche Skizze. — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 4, S. 57-61; Nr. 5, 

S. 75—80; Nr. 6, S. 93—96; Nr. 7, S. 114-117; Nr. 8, S. 135 

—139; Nr. 9, S. 153—158. 

— Frühlingsboten. — Ibid., XXIII, 1903, Nr. 7, S. 123-124. 
(Österr.) 

Kleinschmidt, 0. Einige Bemerkungen zu dem Artikel von Sp. 

Brusina im vorigen Hefte dieser Zeitschrift. — Journ. f. Orn., 

LI, 1903, II. I, S. \2ij-i2H. (Kroat., part.) 
Knöi^.ourek, Karl. Sokol stöhovavj^. (Wanderfalke zweimal bei 

CVislau erlegt: Ende Jänner und am 1. März.) — Lov. Obzor, 

VI, 1903, p. 91. (Böhm.) 

— Nasi j)ravi lundci. (Unsere echten Milane.) Biologisches. — 
Ibid., VI, 1903, p. V (Böhm.) 

— () neph'itclicli koroptvi. (('Iber die Feinde unserer Rebhühner.) 

— Ibid., VI, 1903, p. V (Böhm.) 

— Vräna po|)elav{i a OcrnL (Ober die Nebel und Ral)enkrähe.) 

— Ibid., VI, 1903, p. 129. (Köiiiii.) 

Knotek,J. Vögel des zoologischen Kabinetts. In: Jahresber. 
d. höh. Forst-Lehninst. 1". d. österr. Alpcndänder zu Bruck a. d. 
M., P.K)2/3, S. 48-61. 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungarns ii. (1. Okkupationsgebietes 1903. 189 



Knotek, J. Ornithologische Seltenheiten aus Mähren. — Orn. 
Jahrb., XIV, 1903, H. 3-4, S. 145—146. (3Iähr.) 

— Ornithologische Notizen aus Obersteier. — Ibid., XIV, 1903, 
H. 5-6, S. 223—226. (Steierm.) 

Koch-Sternfeld, J. Ritt. v. Wann tritt der Birkhahn die Henne V 

— Hugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 11, S. 345—346. 

— Zum „Eheleben des Birkhahnes". — Weidm., XXXIV, 1903, 
Nr. 30, S. 478—479. 

Kollibay, P. Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt Dalmatiens. — 
Orn. Jahrb., XIV, 1903, Nr. 1,2, S. 21—44. (Dalin.) 

— Reisebericht. — Journ. f. Orn., LI, 1903, H. I, S. 138—139. 
(Dalm.) 

Kosir, AI. Steinadler samt dem Eisen entwischt. — Waidmh., 
XXIII, 1903, Nr. 11, S. 201. (Krain.) 

Kraus, Jos. Cap cerny. (Clconia nigra, cf ad., bei Dobris in Süd- 
west-Böhmen erlegt.) — Lov. Obzor, VI, 1903, p. 27. (Böliiu.) 

— Orel ricni. {Fandion halia'etus am 8. /VIII. 1902 ebenda erlegt 
[Samuel Graf Colloredo-Mannsfeld].) — Ibid., VI, 1903, p. 27. 
(Böhm.) 

— Dfemlik. (Falco aesalon am 2./XI. 1902 bei Dobris geschossen.) 

— Ibid., VI, 1903, p. 27. (Böhm.) 

— potäplicich morskych. (Über die Seetaucher [Colymhidae].) 

— Ibid., VI, 1903, p. 54. (Böhm.) 

— potapkäch nasich vod. (Über die Familie Fodicipidae unserer 
Gewässer.) — Ibid., VI, 1903, p. 103. (Böhm.) 

— Potäplice mala, morcak bily (pärek). {Colyinbus septentrionalis 
und ein Paar Mergus alhelhs im November 1903 bei Dobris 
erlegt.) — Ibid., VII, 1903, p. 11. (Böhm.) 

— Brkoslavi. (Seidenschwänze in der zweiten Hälfte November 
1903 bei Dobris erschienen.) — Ibid., VH, 1903, p. 11. 
(Böhm.) 

Krbeczek, J. Ankunftsdaten einiger Vögel im oberen Mtihlviertel. 

— Hundesp. u. Jagd, XVIH, 1903, Nr. 15, S. 485. (Ob.-Ö.) 

— Der Rückgang des Birkwildes. — Ibid., XVIII, 1903, Nr. 34, 
S. 958—959. (Oh.-Ö.) 

Krejöa, Jos. Drzost krahujcova. (über die Frechheit des Sperbers.) 

— Lov. Obzor, VI, 1903, p. 109. (Böhm.) 



190 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Kubelka, E. V. Lanitts collurio. Jagdlich-ornithologisclie Skizze. 

— Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 47, S. 744—745. 
Kukuljevic, Jos. Madärv6delmi ültetvenyek. (Vogelschutzanlagen. 

— Termesz., VI, 1903, Nr. IV, p. 39—41. 

Kulesza, v. Die Avifaima des Riesengebirg-es (Vortrag). — Zeitschr. 
f. Orn. u. prakt. GeflUgelz., XXVII, 1903, Nr. 3, S. 33—38. 
(Böhm., part.) 

Lakatos, K. v. A vaijüfel6k pusztitäsi modjairol. (Uber die Ver- 
tilgungsarten der Krähen.) — Termesz., VI, 1903, Nr. XVI, 
p. 8-10; Nr. XVII, p. 8—10. (Un^.) 

Laznia, Fr. Ph. Eine seltene Beute (südamerikanischer Schrei- 
bussard bei Brunn a. G.). — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 24, 
S. 436. (N.-Ö.) 

Leber, M. Aus den Vorbergen des Riesen — Isergebirges. — Mitt. 
d. österr. Reichsb. f. Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, III, 1903, Nr. 7, 
S. 69; Nr. 8, S. 79. (Böhm.) 

— Etwas über den Wert der Nebelkrähe. — Ibid., III, 1903, 
Nr. 9, S. 81. (Böhm.) 

Lendl, Ad. Faunistische und Zugdaten. (Ungarisch und deutsch.) 

— Aquila, X, 1903, p. 262. (Ung.) 

Lendenfeld, R. V. Eine nordböhmische Mövenbrutstätte. — Monats- 
schr. „Deutsche Arb.", II, 1903, H. 5, S. 371—375. (Böhm.) 

Lindner, P. (K.) Reminiszenzen an eine ornithologische Reise durch 
Österreich-Ungarn und Bosnien im Jahre 1902. — Orn. Monats- 
schr., XXVIII, 1903, Nr. 5, S. 209—223. (Österr.-Ung., Bosn.) 

Lisum. Seltene Beute {(rrufi grus bei Bohuslawic erlegt). — Der 
Jagdfr., III, 1903, Nr. 52, S. 825. (Böhm.) 

Löns, H. Die Einwanderung der Nebclkrähc. — Ilundcsp. u. Jagd, 
XVIII, 1903, Nr. 36, p. 1019. (TiroL) 

Loos, K. Etwas über die Vertilgung von Engerlingen durch Krähen. 

— Orn. Monat88chr.,XXVIII,1903,Nr. 1,2, 8.76—77. (Böhm.) 

— ("her die Erniiliriing der Kister. — Forst- u. .lagd/. d. Vor. 
deutsch. Forstl. lü.liin., III, 1903, S. 1-12. (Böhm.) 

— Ist der Kuckuck nützlich V — Orn. Monatssclir., XXVIII, 1903, 
Nr. 3, S. 135—138. 

— Beobachtungen über den (IrMUSjX'elil lK;i iU)v NiKtli()lilenl)(M*ei- 
tung, beim UrulgcKchäft und Ix^i der Aufzucht der .Jungen. 



Ornitbül. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1903. 191 



— Ibid, XXVIII, 1903, Nr. 4, S. 166—172; Nr. 5, S. 180- 
198; Nr. 6, S. 231-239. (Böhm.) 

Loos, K. Zur Frage über die Beurteilung der Geschwindigkeit und 
die Entfernung fliegender Vögel. — Orn. Monatsber., XI, 1903, 
Nr. 4, S. 49—56, mit 1 Abbild. (Böhm.) 

— Etwas über den Schwarzspecht. — Orn. Beob., II, 1903, Nr. 37, 
S. 289—290. (Böhm.) 

— Anhaltspunkte zur Bestimmung der Vogelnahrung. Gesammelt 
auf Grund eigener Erfahrung. — Österr. Forst- u. Jagdz., 1903, 
S. 309. (Böhm.) 

j — Einige Beobachtungen über die Nahrungsaufnahme der Vögel 
aus dem Jahre 1902. — Mitteil. d. österr. Reichsb. f. Vogelk. u. 
Vogelsch. in Wien, III, 1903, Nr. 11, S. 109. (Böhm.) 

— Für oder wider den Eichelheher? — „St. Hubertus", XXI, 
1903, S. 457. (Böhm.) 

— Etwas über die Blauracke in der Umgebung von Liboch. — 
Orn. Beob., II, 1903, Nr. 45, S. 354—355. Berichtig. S. 368. 
(Böhm.) 

— Noch etwas vom Grauspechte. — Orn. Monatsschr., XXVIII, 
1903, Nr. 11, S. 457—460, mit 4 Textabbild. (Böhm.) 

— Der Star in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung. — Forst- 
und Jagdz., III, 1903, Nr. 12. (Böhm.) 

— Über Waldwirtschaft und Vogelwelt. — Mitteil. d. Jagd- und 
Vogelsch.-Ver. in Außig, 1903, Nr. 12, S. 9—13. (Böhm.) 

Lösy, J. Positive Daten zur Lebensweise des Rebhuhnes [Ferdix 
2)erdix (L.)]. (Ungarisch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, 
p. 221—249. (üng-.) 

M. A kis örgebicsröl. (Über Lanius minor Gm.) — Termesz., VI, 
1903, Nr. XXIII, p. 10. (Uiig.) 

Madaräsz, J. v. Magyarorszäg madarai. (Die Vögel Ungarns.) A 
hazai madärviläg megismeresenek vezerfonala. — Budapest, 
1903. 4^ Lief. XI (ungarisch), Lief. XII— XV, deutscher Aus- 
zug. (Ung.) 

Mal och. Franz. Drohne zprAvy o ptäcich zokoli Flanö. (Kleine 
Notizen über die Vögel aus der Umgebung von Pilsen.) — 

— Vesmir, XXXII, 1903, p. 131. (Böhm.) 



192 



V. Ritt. V. Tscliusi zu S c Ii midh offen. 



Marek, M. Zum Schnepfenzug in Süddeutschland im Frühling 
1902. — Hundesp. u. Jagd, XVIII, 1903, Nr. 8, S. 209—211. 
(Österr.-Ung'., part.) 

— Zum Schnepfenzug an der Donaustraße im Frühjahre 1902. — 
Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 13, S. 19G— 197. (Österr.-Ung.) 

— St. Josef (19. März), der Schnepfenheilige. — „St. Hubertus", 
XXI, 1903, Nr. 11, S. 138—139. (Österr.-Üng-., part.) 

— Zieht die Waldschnepfe einzeln oder in größeren Gesellschaften? 
— Hundesp. u. Jagd, XVIII, 1903, Nr. 14, S. 397—399. 

— Über die Ankunft der Mehlschwalbe [Chelidonaria urbica (L.)] 
in Kroatien. — Orn. Jahrb., XIV, 1903, H 5, 6, S. 226— 23i. 
(Kroat.) 

Martinek, Fr. Koroptve na stromech. (Rebhühner auf den Bäumen 

und zwei davon bei Rot-Pecek bei Kolin erlegt.) — Les. Str42, 

I, 1903, p. 148. (Böhm.) 
Mascha, E. Der Besuch einer Mövenbrutstätte (in Hirschberg). — 

Gef. W., XXXII, 1903, Nr. 34, S. 269—270; Nr. 35, S. 277. 

(Böhm.) 

M. E. Ritka madärvendeg N6met-Bogsänban. (Seltener Vogelgast: 
Tichodroma muraria in Neniet-Bogsan.) — Term6sz., VI, 1903, 
Nr. XX, p. 9—10. (Viv^.) 

Mßl'iöka, F. VzAcn}^, obrovsky tazni ptdk uloven v ÖechAch. (Ein 
seltener, riesiger Zugvogel wurde in l^()hmen erbeutet: (rr/zs 
fjrus bei Nachod-Bohuslavic.j — Svöt zvifat, VII, 1903, Nr. 109, 
p. 5. (Böhm.) 

Merkl, Ed. N6hany 8z6 a saskeselyürol. (Einiges über (Ujpa'i'tm 
hnrimhfs Cuv.) — Tcrm6sz., VI, 1903, Nr. XXII, p. 9—10. 
(Sicbcnb.) 

Merlin. Oktober-Kuckucke. — Ilugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 2l> 
S. 617. (X.-O.) 

Merten, Rob. ( Scliildliclikeit dcH Würgers.) — Mitleil. d. i)stcrr.| 
Reichsb. f. Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, HI, 1903, Nr. 10, S. 100. 
(MUhr.) 

Mitteilungen des .lagd- und VogclKchiitz-Vereines in Außig. .lubi- 
läuniKauHgabe zum 2r) jiilirigcn GriindungHlcste. — Außig, 1903. 
Nr. 12. Gr.-8". 36 S. Mit Porträt. 



Ornitliol. Literatur Österr.-Ungarns u. d. Okkupationsgebietes 1903. 193 



Mitteilung-en des ÖsteiTeiclnscben Eeichsbundes für Vogelkunde und 
Vogelschutz in Wien. Schriftleiter Karl Boy er. — Wien, 1903. 
III. 4". 12 Hefte, 124 S. 

Moravec. Friedr. Morcäk prostredni a labut zpövuä. (Ein 2Iergns 
serrafar am 13. /XL 1902 bei Miröschau erlegt und ein Sing- 
schwan im November 1902 bei Rokycan in Südwestböhmen 
lebend gefangen.) — Lov. Obzor, VI, 1903, p. 27. (Böhm.) 

— Slepka zelenonohä. {Gallinida chloropus am Telegraphendrahte 
verletzt und gefangen.) — Ibid., VI, 1903, p. 27. (Böhm.) 

— Lupic s nevinnou tväri. (Ein Räuber mit unschuldiger Miene: 
Wasserstar.) — Ibid., VI, 1903, p. 156. (Böhm.) 

Motal. Balt. Dremlik. {Falco aesalon bei Kunovic am 14. /X. 1903 
erlegt.) — Lov. Obzor, VII, 1903, p. 27. (Mähr.) 

Musil, Emil. Düvernost ptactva k lidem. (Über Zutraulichkeit eines 
Vogels zu den Menschen : Ein junger Kuckuck im Bachstelzen- 
neste auf dem Hausdache.) — Lov. Svetozor, I, 1903^ p. 239. 
(Böhm.) 

Nehut^ Fr. hnizde moudivläckove. (Über das Beutelmeisennest.) 

— Vesmir. XXXII, 1903, p. 25. 

Niezabitowski, E. L. Materyaly do fauny Kregowcöw w Galicyi. 
Zwierzeta Kregowe okoHc Rytra. (Materialien zur Fauna der 
Wirbeltiere Galiziens. Die Wirbeltiere der Umgebung von Rytro.) 

— Spraw. kom. fiz. Akad. Krak., XXXVII, 1903, p. 1-14. 
Mit 2 Taf. (ealiz.) 

Noggler. Seltene Wintergäste (ÄmjjeUs garndus im Lungau). — 
Gef. W., XXXIL 1903, Xr. 51, p. 406—407. (Salzburg.) 

Xoväk, K. Jespäk pisecn}' o v let. sate a dytik u Horazdovic. 
(Calidris arenaria d' im Sommerkleide am 8./X. 1902 und 
Oedknemus oedknemus am lO./X. 1903 bei Horazdovic in 
Südböhmen eiieg-t. ) — Lov. Obzor, VI, 1903, p. 10. (Böhm.) 

r n i t h 1 g i s c h e s J a h r b u c h . Organ für das paläarktische Faunen- 
gebiet. Herausgegeben und redigiert von V. Ritt. v. Tschusi 
zu Schmidhoffen. — Hallein, 1903. XIV. Lex.-8^ 8-}- 246 S. 

Pagitz, V. Aus dem Leben des Bussards. — Waidmh., XXIII, 
1903, Nr. 14, S. 255. 

Parall, G. StorchenHebe. — Waidmh., XXHI, 1903, Xr. 13, S. 237. 
(üng.) 

Z. B. Ges. Bd. LY. 13 



194 



V.Kitt. V. Tschusi zu Schmidh offen. 



Pascolotti, J. Aus dem Ktistenlande (Ardeapurx)urea). — Hundesp^ 
u. Jagd, XVIII, 1903, Nr. 26, S. 740. (^radiska.) 

Payer, Arth. Karvalymegfigyel6s. (Sperberbeobachtung-.) — Ter- 
m6sz., VI, 1903, Nr. X, p. 11. (üiig.) 

Peträcek, Aut. Vzacn^ ülovek. (Seltene Jagdbeute: Großer Brach- 
vogel im Dobriner Revier erlegt.) — Ceskd Myslivost, VII, 
1903, p. 126. (Böhm.) 

Pfennigb erger, Jos. Der Würgfalk {Falco sacer Briss.). (Unga- 
risch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 263. (üng.) 

Pich 1er, A. Prilozi Avifauna Okolice Mostarske. (Beiträge zur Kennt- 
nis der Avifauna der Umgebung von Mostar.) — Sep.-Abdr. aus 
Jahresprogr. d. Staats-Obergymn. in Mostar, 1902/3. (Herzeg.) 

Ponebsek, J. Vogelschutz im österreichischen Parlamente. — Orn. 
Monatsschr., XXVIII, 1903, Nr. 5, S. 178—179. 

— Ein in Slavonien erlegter Adlerbussard. — Orn. Jahrb., XIV, 
1903, H. 3—4, S. 144; Orn. Beob., II, 1903, Nr. 28, S. 221— 
222. (Slavon.) 

Preidl, A. Die Krähen und die Rebhtihnereier. — Der Jagdfr., 

III, 1903, Nr. 38, S. 601. (Böhm.) 
Raab, F. Ritt. v. Vom Waldkauz (Schädhchkeit desselben). — 

Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 24, S. 439-440. (N.- u. Ob.-Ö.) 
Rasser, Ferd. Junger Kuckuck (im Rotkehlchenneste). — Waidmii., 

XXIII, 1903, Nr. 15, S. 274. (Steierm.) 
Reiser, 0. Neue und seltene Arten der Vogel weit Bosniens und 

der Herzegowina. — Orn. Jahrb., XIV, 1903, II. 3—4, S. 113 

—118 (Bosn.-Hcrzeg.) 
Riegler, W. Schnepfensegen im Wienerwalde. — Hugo's Jagdz., 

XLVI, 1903, Nr. 20, S. 613-614. (N.-Ö.) 

— Vom denkwürdigen Ilerbststrich im Wienerwalde. — Wild u. 
Hund, IX, 1903, Nr. 48, S. 762. (N.-Ö.) 

— Schnopfcnsegen im Wienerwalde. — D. Deutsche Jäg., XXV, 
1903, Nr. 34, S. 408—409. (N.-Ö.) 

llgl. Der Wettersturz vom 9. April in der Vogclwclt. — Waidmh., 

XXIII, 1903, Nr. 9, S. 162. (N.-Ö.) 
KöHl(;r, J. C, vgl. Ilerman, O. 

RöHKlcr, K. Ein Auwllug in die Obodska bani. — Mitteil. d. östorr. 
J'tcicliHb. f. Vogclk. u. VogclHch. in Wien, III, 1903, Nr. 4, S. 35 



Ornithol. Literatur Österr.-Ungariis ii. d. Okkupationsgebietes 1903. 195 



—36; Nr. 5, S. 48—49; Wild n. Hund, IX, 1903, Nr. 22, 
S. 339—340. (SlaTon.) 
Rössler, E. Hrvatska ornitoloska centrala. (Kroatische ornitho- 
logische Zentrale.) IL Godrsnji izvjestaj (II. Jahresbericht). — 
Soc. histor.-natural. croatica, XIV, 1903. Sep.-Abdr., Agram, 
1903. Gr.-8^ 241 S. (Kroat.-SlaYon.) 

— Noch einige Bemerkungen zu dem Artikel von Sp. Brusina im 
IV. Heft des L. Jahrganges dieser Zeitschr. — Journ. f. Orn., 
LI, 1903, Nr. HI, S. 405—407. (Kroat.-SlaTon.) 

Roth. K. Einige Daten über Vogelzug, Hahnenbalz und Schnepfen- 
strich (Mühlkreis). — Weidm., XXXIV, 1903, Nr. 29, S. 462. 
(Ob.-Ö.) 

Schaffe r, Alex. Ornithologisches aus Mariahof. — Orn. Jahrb., 
XIV, 1903, Nr. 3—4, S. 143—144. (Steierm.) 

Schebesta, L. Eine interessante Brutstätte (Kuckuck bei Rot- 
schwänzchen). — Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 29, S.459. (Tirol.) 

— Etwas über den harmlosen Mäusebussard. — Ibid., III, 1903, 
Nr. 28, S. 440—441. (?) 

Schenk, J. Ciconia ciconia (L.). Lokale Einflüsse auf den Zug 
und auf die Ernährung. (Ungarisch und deutsch.) — Aquila, 
X, 1903, S. 259—261. (Ung.) 

— Die Frage des Vogelzuges. (Ungarisch und deutsch.) — Ibid., 
IX, 1902. Supplement (1903), p. 1—25. 

Schiebel, G. In welchem Monat bekommt der schwarzstirnige 
Würger (Lanius minor Gm.) sein Alterskleid? — Orn. Jahrb., 
XIV, 1903, Nr. 3—4, S. 140—143. (Kraiii.) 

— Die Phylogenese der Lanius -Arten. — Orn. Monatsber., XI, 
1903, Nr. 7/8, S. 105—112. 

Schlabitz, L. Seltene Doubletten {Aquila clanga, fulva etc.). — 
Himdesp. u. Jagd, XVIH, 1903, Nr. 36, S. 1018. (Okkup.-aeb.) 

Schröder, C. Ein Kampf in den Lüften {Nisaetus fasciatus im 
Torontaler Komitat ). — D. Jäg.-Zeit., XLH, 1903, S. 146. (üng.) 

Schulz, Ferd. Ein Adlerbussard in Krain erlegt. — Orn. Jahrb., 
XIV, 1903, Nr. 1,2, S. 62—63. (Krain.) 

Schuster, W. Aus dem ornithologischen Teil der „Ehre des Herzog- 
tums Krain". — Orn. Monatsschr., XXVIII. 1903, Nr. 10, S. 432 
-434. (Krain.) 

13* 



196 



V. Ritt, V. Tschusi zu Sclimidhoffeii. 



Seidl, F. Känö mysilov. (Der Mäusebussard und sein Nutzen.) — i 
Lov. Obzor, VI, 1903, p. 74. (Böhm.) 

— Job. drozdu zpövnem. (Über die Singdrossel.) — Närod. i 
Politika vom 6./X. 1903. (Böhm.) ; 

Siedler, M. Abnahme der Sperlinge in den Straßen von Wien. — I 
Orn. Monatsschr., XXVIII, 1903, Nr. 9, S. 390—391. (N.-Ö.) 
Siegel, L. Der Frübjahrszug am böhmisch-mährischen Urgebirge. ! 

— Der orn. Beob., II, 1903, Nr. 15, S. 116-117. (Mähr.) 

— Frühjahrszug im Zeitraum vom 21. März bis 4. April 1903. — 
Ibid., II, Nr. 17, S. 131—132; Nr. 21, S. 164—165; Nr. 24, 
S. 189-190. (Mähr.) 

— Bericht aus Znaim. — Ibid., II, 1903, Nr. 28, S. 224. (Mähr.) I 

— Herbstzug in Znaim. — Ibid., II, 1903, Nr. 40, S. 316—317. 
(Mähr.) 

Skala. Vylihnuti potapky mal6 ve svötnici. (Ausschlüpfen eines 
Zwergsteißfusses im Zimmer.) — Sv6t zvirat, VIII, 1903, Nr. 102, 
p. 7. (Böhm.) 

Solyom. (Pseud.) Vizi szarnyasaink harcairol. (Über die Kämpfe 
unserer Wasservögel.) — Vadaszl., XXIV, 1903, p. 140. (üiig.) 

— Vdndormadarak leg6rdekesebb megfigyelö helye. (Die inter- 
essanteste Beobachtungsstelle der Zugvögel.) -- Ibid., XXIV, 
1903, p. 329. (Iliig-.) 

So6s, Viktor v. A h6jar61. (Über den Habicht.) — Termesz., VI, 

1903, Nr. XXII, p. 7. 
Spiess, A. R. v. Steinadler durch elektrischen Schlag getötet. — 

Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 25, S. 394. (Siebeiib.) 

— Vom Bartgeier der transsylvanischen Alpen. Ibid., III, 1903, 
Nr. 33, 8.517—520. (Sieheiih.) 

Stein Walter, Kdm. Vadkacsa az crdöben. (Wildente im Walde.) 

Term6sz., VII, 1903, Nr. IV, p. 44. (Uns».) 
Strojiiigg, J. Frechheit eines Habichts. - Waidmh., XXIII, 1903,. 
Nr. 4, S. 71. (Steienii.) 

— .Jagd ZOO logisch es vom Sperber ( As/ur nlsm). — Ibid., WIM, 
1903, Nr. 13, S. 223 226. (Steicrin.) 

— Larus (jlauruH lirllun. bei .ju(l(;iihiirg in Steiermark erlegt. — 

- Orn. Jahrb.. XIV, 1903, II. 5, 6, S. 231—232; Waidmh., 
XXIIl. 1903, Nr. 22, S. 399. (Siolenii.) 



Ornithol. Literatur Osterr.-Ungarns ii. d. Okkupationsgebietes 1903. 197 



Talsk^', Jos. Die ornithologische SammluDg des Fürst Liechten- 
steinsclien Forst- und Jagdmuseums zu Mährisch -Aussee im 
Jahre 1902. — Verh. d. Forstw. Mähr. u. Schles. Brünn, 1903. 
54. Jahrg., H. 2, S. 149—158. (Mähr.) 

Tschusi zu Schmidhoffen, Vikt. Ritt. v. Ornithologische Kollek- 
taneen aus Österreich-Ungarn und dem Okkupationsgebiete, IX. 
(1900). — Orn. Monatsschr., XXVIII, 1903, Nr. 1, 2, S. 59-67. 

— Uber paläarktische Formen. III. Der Weidensperling {Passer 
Jiispaniolensis Temm.) und seine Formen. — Der italienische 
Sperling [Passer italiae (Vieill.)]. — Orn. Jahrb., XIV, 1903, 
Nr. 1, 2, S. 1—21. (Österr., part.) 

— Lasurmeisen in Böhmen. — Ibid., XIV, 1903, Nr. 1, 2, S. 64. 
(Böhm.) Vgl. Orn. Monatsber., XI, 1903, Nr. 5, S. 71. 

— Eine ornithologische Fälschung. — Beilage z. Orn. Jahrb., XIV, 
1903, Nr. 1, 2. 8^ 4 S. (Dalm.) 

— Zoologische Literatur der Steiermark. Ornithologische Literatur 
1901, 1902. — Mitteil. d. Naturw. Ver. Steierm., 1902, S. LVIII 
— LXII. (Steierm.) 

— Über paläarktische Formen. IV. — Orn. Jahrb., XIV, 1903, 
H. 3—4, S. 137—140. (Dalm., part.) 

— Ornithologische Kollektaneen aus Osterreich- Ungarn und dem 
Okkupationsgebiete. X (1901). — Orn. Monatsschr., XXVIII, 
1903, Nr. 7, S. 297—306. (Österr.-Ung-.) 

— Ornithologische Literatur Österreich-Ungarns und des Okku- 
pationsgebietes 1901. — Verh. d. k. k. zool.-bot. Ges. in Wien, 
LIII, 1903, H. 5-6, S. 271—285. (Österr.-Ung.) 

Tuma, Jos. Nöco ze zivota krahujec. (Etwas aus dem Leben des 

Sperbers.) — Les. Sträz, I, 1903, p. 148. (Böhm.) 
Un t erg u gge nb er g er, S. Am Adlerhorst (bei St. Lorenzen). — 

Mitteil. d. n.-ö. Jagdschutz- Ver., 1903, Nr. 8, S. 299. (Kämt.) 
Unterkreuter. Vom Stein- und Haselhuhn (in Zwickenberg bei 

Oberdrauburg). — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 16, S. 292. 

(Kämt.) 

U. 0. C. Heidelbeerfressende Lestris parasitica. (Ungarisch und 
deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 262—263. (Uiig.) 
~ Zur Krähenfrage. (Ungarisch und deutsch.) — Ibid., X, 1903, 
p. 263—265. (Ung.) 



198 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Yecsani. Seltenes Waidraannsheil (zwei Äquila fulva in Slavkor 
erlegt). — Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 17, S. 307. (Uii^.) 

Vezenyi, A. Der Vogelzug- in Ungarn im Frühjahre 1901. 
(Ungarisch und deutsch.) — Aquila, X, 1903, p. 109—187. 
(üiig.) 

Wächter, J. Von der Rabenkrähe (SchädHchkeit). — Der Jagdfr., 

III, 1903, Nr. 43, S. 682. (01}.-Ö.) 
Walch. (See-)Adler und Fischotter. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.- 

Ver., 1903, Nr. 4, S. 146; Waidw. u. Hundesp., VIII, 1903, 

Nr. 186, S. 12—13. (üiig.) 
Weber, E. Noch einmal der Kuckuck. — A. d. Heimat, XVI, 1903, 

Nr. 4, S. 105. 

Weselsky, F. Lappen tauch er (von einer Tanne herabgeschossen). 

— Waidmh., XXIII, 1903, Nr. 24, S. 439. (Böhm.) 
Wilde, E. Erlegter Goldregenpfeifer (KHtschin). — Jägerz. B. u. 

M., XIV, 1903, Nr. 19, S. 525. (Böhm.) 
Woditschka, T. Adlerjagd in Naßreith. — Waidmh., XXIII, 1903, 

Nr. 16, S. 288. (Tirol.) 
Zdobnicky, F. Hühnervögel (insbesondere Bonasia bonasia) des 

Rickatales. — IV. Ber. u. Abh. d. Klubs Naturk. Brünn, 1901/2. 

Brünn, 1902. 8^ S. ? (Mähr.) 

Anonym. 

Ein ausgehobener Adlerliorst. — Weidw. u. Hundesp., VIII, 1903, 

Nr. 101, S. 17; Der Jagdfr., HI, 1903, Nr. 28, S. 440—441; 

Hugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 14, S. 441; Natural-Kabin., 

XV, 1903, Nr. 14, S. 218. (Tirol.) 
Waidmanns-Hcil (A(/uila fhlva im Lammertal erlegt). — Salzb. 

Volksbl. vom 18./ VII. 1903, 33. Jahrg., Nr. 160, S. 3. (Salzb.) 
Adlerjagd n^egcHtal bei Naßreit). — Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 30, 

S. 472 (Tirol.) 

Ein Steinadkir. — Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 44, S. 69(5. (Scabies.) 
Einen Soeadk-r fbei ;^Jcbj vergiftet. — Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 46, 
S. 732. (MJHir.) 

Ein seltener kaiihvogcl fChimango bei lirium a. i\. (wh^i). — 
Weidw. II. lliin.k'Hp., Vni, Hi03, Nr. 201, S. 19. (N.-O.) 



Omitliol. Literatur Österr.-Un^ams u. d, Okkupationsgebietes 1903. 199 



Abzug der Turmschwalben aus Wien. — Weidw. u. Hundesp., VIII, 

1903, Xr. 195, S. 16. (X.-Ö.) 
Die Krähen und die Rebhiihnereier. — Jägerz. B. u. M., XIV, 1903, 

Xr. 17, S. 467. (Böhm.) 
Krammetsvögel. ~ „Wiener Abendpost" vom 12. /I. 1903^ Nr. 8, 

9, 10. 

Lasurmeisen in Böhmen. (Aus „Orn. Jahrb.") — Orn. Monatsber., 

XI, 1903, Nr. 5, S. 71. (Böhm.) 
Rackelhahu erlegt. — D. Jag., XXV, 1903, Nr. 2, S. 19. (Böhm.) 
Wachtelregen in Ungarn (Groß-Becskerek). — Hugo's Jagdz., XLVI, 

1903, Nr. 19, S. 586; Der Jagdfr., III, 1903, Nr. 40, S. 632; 

Jägerz. B. u. M., XIV, 1903, Nr. 19,- S. 526; Weidw. u. Hundesp., 

VIII, 1903, Nr. 197, S. 21; „Diana", XXI, 1903, S. 142; Na- 

tural.-Kab., XV, 1903, Nr. 19, S. 309-310. (Ung.) 
Eine seltene Jagdbeute {Grus grus bei Bosublawitz erlegt). — Jägerz. 

B. u. M., XIV, 1903, Nr. 23, S. 638. (Böhm.) 
Seltene Jagdbeute (Fidica aira am Schneeberg gefangen). — 

Jägerz. B. u. M., XIV, 1903, Nr. 23, S. 637. (N.-Ö.) 
Brutvogelbeobachtungen (Waldschnepfe, Mistel- und Wachholder- 

drossel im Wienerwald). — Hugo's Jagdz., XLVI, 1903, Nr. 13, 

S. 407. (N.-Ö.) 

Erlegter Eisseetaucher (in Kautzen). — Jägerz. B. u. M., XIV, 1903, 

Xr. 23, S. 637. (N.-Ö.) 
Verirrte Seemöve (Larus ridihundus bei Mauterndorf gefangen). — 

N. Wr. Tagbl. vom 24./V. 1903, Nr. 143, S. 9. (Salzb.) 
Aus dem südlichen Ungarn. — Mitt. d. österr. Reichsb. f. Vogelk. 

u. Vogelsch. in Wien, HI, 1903, Nr. 4, S. 37. (Cng-.) 
Ornithologisches aus Feld und Wald. — Ibid., III, 1903, Nr. 8, S. 78 

—79. (Mähr.) 

Ungarisch. 

A vandonnadarakrol. (Über die Zugvögel.) — Vadäszl, XXIV, 
1903, p. 361. 

Uj fajta sas. (Eine neue Adlerart: Nisaetus fasciatus in Ungarn.) 

— Ibid., XXIV, 1903, p. 230. 

A heja kärtekonysägähoz. i^Zur Schädlichkeit des Habichts. ) — 

— Ibid., XXIV, 1903, p. 230. 



200 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



A hamvas varjü mint facaürablö. (Der Corviis corone als Fasanen- 

räuber.) — Ibid., XXIV, 190B, p. 336. 
S61yomvadaszat Tuzs6ron. (Falkenjagd in Tuzs6r.) — Ibid., XXIV, 

1903, p. 31. 

Tömeges maddrvomelas. (Massenhafter Vogelzug in Kolozsvär.) — 

Ibid., XXIV, 1903, p. 135. 
Liba a gölyaf6szekben. (Eine Gans im Storcbenneste, Komitat Szat- 

mdr.) — Ibid., XXIV, 1903, p. 242. 
Golya-szerelem. (Storchenliebe, beobachtet im Komitat Temes.) — 

Ibid., XXIV, 1903, p. 283. 
Egböl potyogö vandormadarak. (Vom Himmel gefallefie Zugvögel, 

Komitat Arad.) — Ibid., XXIV, 1903, p. 374. 
Makkot evö madarak. (Eicheln fressende Vögel.) — Term. közl, 

XXXV, 1903, p. 168. 
Fr)lhiväs maddrtani kerd6sek erdek6ben. (Aufruf im Interesse orni- 

thologischer Fragen.) — Ibid., XXXV, 1903, p. 775. 
A fenyves madär. (Über Turdus pilaris.) — Term6sz., VI, 1903, 

Nr. XI, p. 1—3. 

Egy uj sasfaj a magyar orniszban. (Ein neuer Adler: Nisactus fasciatus 
in der ungarischen Ornis.) — Ibid., VI, 1903, Nr. XIX, p. 5. 

A magyarorszägy sasok elterjed6s6r61. (Über die Verbreitung der 
ungarischen Adlerarten.) — Ibid., VI, 1903, Nr. XX, j). 1— 2. 

Czechisch. 

Morcak velky c/, racck boufni a 7 hoholü, 9 , d". (Mergus merganser, 
Jjirns cartHs und 7 (Jlangula gUmrion am l./XII. 1902 auf der 
iMoldau l)ei liöhm.- Budwcis beobachtet.) — Lov. Obzor, VI, 
190:;, j). 21. (Höliin.) 

Morr^ak bily V tamt^-A. {Mcrgm alhdhiü 9 am 8./XI. 1J)02 bei 
liöhm.-liudweis gesehen.) — Ibid., VI, 1903, ]). 27. (Köhm.) 

PoslovY^ jara. f FrllhlingHbotcn : Stare, J^uchfinkenmännchen und 
FcldlcrcluMi bei Kohn.) — N4r. Folitika vom 13./1I. 1903. 
(liöhiii.) 

lloHt6 / Jiliu. ((Jiistc vom Süden: I.orclicii, I5ncli(inkcn, llilnflinge 
und Stare bei Kolin, .licin, Slörclui und Kiebitze bei Wittinguu, 
IJudwciH.) - \i\x. I'olilika vom 2()./II. 1903. (Höhin.) 



Ornithol. Literatur Österr.-Ung-arns u. d. Okkupationsgebietes 1903. 201 



Hejno cäpü. (Eine Storchenschar bei Wittinöves [Jicin] am lo./I^O 

— När. Politika vom 17./IV. 1903. (Böhm.) 

Lovecka vzäcnost. ( Jagdseltenheit: Polarseetaucher bei Schtitten- 
hofen erlegt.) — Ceskä Myslivost, VII, 1903, p. III. (Böhm.) 
N6co ze zivota dravce krahujec. (Aus dem Leben des Sperbers.) 

— Les. Straz, I, 1903, p. 106-110. (Böhm.) 

Orei skalni a jeho pribuzni. (Der Steinadler und seine Verwandt- 
schaft.) — Ibid., I, p. 171—174. (Böhm.) 

Cäpi hnizda v Polabe. (Storchennester in der Elbeebene bei Smiric, 
Königgrätz, Bohdanec, Kolin, Nimburg^ Podöbrad.) — När. 
Politika vom 7./VII. 1903. (Böhm.) 

►Sokol stöhovav}', cf ad. (Ein Wanderfalke am Spitzberge im Böhmer- 
walde am 2./VIL 1903 erlegt.) — När. Politika vom l./IX. 
1903. (Böhm.) 

Kormorän obecny. (PJialacrocorax carlw am 19./VII. am Basnicer 
Teiche bei Horic erlegt.) — När. Politika vom l./IX. 1903. 
(Böhm.) 

Hnizdo vlastovci na reflektoru elektrick6 lampy. (Ein Schwalben- 
nest auf dem Reflektor einer elektrischen Lampe im Hausgange 
[Hoch-Weseli]). — När. Politika vom l./IX. 1903. (Böhm.) 

Tahy ptactva. (Vogelzüge.) — När. Politika vom lO./IX. 1903. 
(Böhm.) 

Cäpi odletöli, (Störche sind weggeflogen.) — Svöt zvifat, VII, 1903, 

Nr. 103. (Böhm.) 
Vzäcny ülovek (Seltene Jagdbeute: Ein Flußadler am Karlstein 

am 27./IX. erlegt.) — När. Politika vom 30./IX. 1903; Lov. 

Sv6tozor, I, 1903, p. 285. (Böhm.) 
Capi soudy. (Störchengerichte.) — Lov. Svötozor, I, 1903, p. 239. 

(Böhm.) 

Opozdgnä vlastovka. (Eine verspätete Hausschwalbe Ende Oktober 
im Böhmerwalde gesehen.) — När. Politika vom 27. /X. 1903. 
(Böhm.) 

Bilä vlastovka. (Weiße Rauchschwalbe am 6./X. in Sadskä beob- 
achtet.) — Sv6t zvirat, VII, 1903, Nr. 105, p. 8. (Böhm.) 

Mladä kukacka. (Ein junger Kuckuck am 2./X. bei Skvorec ge- 
schossen.^ — Cas vom 4./X. 1903; Lov. Obzor, VII, 1903, p. 10. 
(Böhm.) 



202 V. Ritt. V. Tschusi zu Schraidh offen. Ornithol. Literatur etc. 

Orel moJskJ'. (Ein Seeadler juv. am 28. /X. in der Tupadler Fasa- 
nerie bei Cäslau erleg-t.) — N4r. Politika vom 2./XL 1903; 
Lov. Obzor, VII, 1903, p. 11. (Böhm.) 

Znaji Ii ptäci pocitati vejce? (Können die Vögel ihre Eier zälilen?) 
— Sv6t zvifat, VII, 1903, Nr. 106. (Böhm.) 

Poslov6 krut6 zimy. (Die Boten eines strengen Winters: Seiden- 
schwänze im Iser- und Riesengebirge.) — N4r. Politika vom 
22./XI. 1903. (Böhm.) 

Bild koroptev. (Weißes Rebhuhn am 10. /IX. bei Unter-Zdhori er- 
legt.) — Lov. Obzor, VII, 1903, p. 10. (Böhm.) 

Skalni orel. {Äquila fulva wurde bei Schlan erbeutet.) — Ibid., VII, 
1903, p. 10. (Böhm.) 

Manzelskä vörnost cäpova. (Über eheliche Treue des Storches.) — 
Ibid., VII, 1903, p. 27. (Böhm.) 

Cervenky jako poslov6 jara. (Rotkehlchen als Frühlingsboten.) — 
Sv6t zvifat, VII, 1903, Nr. 91, p. 12. (Böhm.) 

Ü^.asne ubyvdni krepelek v nasich revirech. (Kolossale Abnahme 
der Wachteln in unseren Feldrevieren.) — Ibid., VII, 1903, 
Nr. 97, p. 8. (Böhm.) 

Skfivan podhorni. {Otocorys alpestris am 16./II. 1903 in 14 Exeni 
plaren bei Brünn auf „Cerna pole" beobachtet.) — Vesmir, 
XXXII, 1903, p. 132. (Mähr.) 

Koroptve v möstech. (Feldhühner in den Städten.) — Lov. Obzor, 
VI, 1903, p. 28. (Mähr.) 

Pozor na „nö". (Achtung auf „sie". — Waldschnepfen.) — Ibid., 
VI, 1903, p. 145. 

Kräl noci a lov s nim. (Der Nachtkönig [Uhu] und die Jagd mit 
ihm.j — Ibid., VI, 1903, p. 100. 

BoJ (•«^i})ü. (Ein Storchenkrieg bei Bfezhrad unweit Königgrätz.) — 
Svet zvifat, VII, 1903, Nr. 99, p. 10. (Böhm.) 

Hozunin^' chov zpövn^ho ptactva v klccich ncni proti ochranö zvifat. 
fEinc vcnillnftigc Liebhaberei der Singvögel ist nicht dem 
Vogcischutze zuwider.; - Ibid., VII, 1903, Nr. 100, j). 4. (Böhm.) 



Beiträofe zur Pilzflora Tirols. 



203 



Beiträge zur Pilzflora Tirols. 

Von 

Emil Diettrich-Kalkhoff 

in Arco. 

(Eingelaufen am 25. Oktober 1904.) 



Nachstehende Zusammenstelhing' enthält die von mir in den 
Jahren 1899—1904 im Hoehpustertal ^Niederdorf) und in Arco ge- 
sammelten oder beobachteten Pilzarten. 

Das Niederdorfer Sammelgebiet liegt durchschnittlich 1200 bis 
1500 m ti. d. M., während das hier in Betracht kommende Gebiet 
\ron Arco sich nur 90 — 300 7n ü. d. M. erhebt. Beide Örtlichkeiten 
haben, trotzdem sie geographisch nicht sehr weit von einander ent- 
fernt liegen, ganz verschiedene kUmatische und dementsprechend 
auch andere Vegetationsverhältnisse. 

Die im Hoehpustertal gesammelten Pilze stammen größtenteils 
aus den Wäldern, welche die Berghänge sowie auch teilweise die 
alten Schotterbette der Bäche in der Talsohle bedecken. Die Pilze 
v^on Arco wachsen meist auf feuchtem Gartenland, Acker- und Brach- 
land in den Campagnen und Olivenhainen sowie auf Grasplätzen 
in den Gärten, hier oft in der Nähe der daselbst zahlreich kulti- 
vierten Koniferen. 

Der Untergrund ist in Arco durchwegs Kalk, während in 
Niederdorf Glimmerschiefer und KalkgeröUe das Substrat bilden. 
Die Sammelzeit war in Niederdorf stets von Mitte Juli bis Mitte 
September, in Arco der Herbst (Winter) und der Frühling. 

Im Jahre 1903 gab es in Niederdorf wie fast Uberall in Mittel- 
europa eine Unmenge von Stein- und Herrenpilzen, im Jahre 1904 
waren sie dagegen sehr selten. Die in der zweiten Hälfte August 
and Anfang September im Hoehpustertal reichlichen Niederschläge 
brachten aber auch in diesem sonst so trockenen Sommer eine 
50 üppige und artenreiche Pilzflora hervor, wie ich sie noch in 
keinem der vorhergehenden Jahre beobachtet hatte. 



204 



Emil Diettrich-Kalkhoff. 



Fast alle von mir gesammelten Arten habe ich noch frischi 
an Se. Hochwiirden Herrn J. Bresadola in Trient zur Bestimmung 
geschickt und bin ich demselben fiir dessen freundlichem Entgegen- 
kommen und die aufgewandte Mühe zu großem Danke verpflichtet. 



I. ISTiederdorf. 

Tul)eraeeae. • , 

ElapJiomyces asxm'uhis Vitt. Wald am Eggerberg, 1300 selten 
(Aug. 1904). 

Discomycctes. 

Helvella infulä Schaeff. f. minor. Nasse Erde, Schießstandwald, 

I2mm (Aug. bis Sept. 1904). 
Spatlmlaria flavida Schaeff. Maistätter Wald, \2bOm- Bruneck, 

900 m. 

Pejsim (Sphaerosxmra) trechispora Berkel et Br. Nasse Erde in den 

Wäldern, 1200— 1600 m (Aug.). 
Dasyscypha WillJcommii Hartig. An Lärchenbäumen in den Kienz- 

an lagen. 

JIdotmm virgultormn (Wahl) K. Am Grunde von Grünerlen in den 
Ri enzanlagen. 

(jiisteromycetcs. 

(Jrucilmlum vulgare Tul. An altem Holz, Eggerberg wald (1904). 
(ieciftter Sehmiddii Vitt. Eggerbergwald, \ 400 ni (ein Exemplar li 
Aug. 1904). 

Jililzopogon j)rovmp:i(ilis Tul. Kienzanlai^cn (1904 häufig). 
Ly(())K'rdon plriforwr. Schaell. Wälder, häufig. 

r.rriindifoniir Scop. Wald, lirlickclc bei Altprags, \bbO w (1901). 

Ilymoiiomycetes. 

Anumild /lor/^huKi Kr. Eggerbergwald, selten (Aug. U)04). 
A. umsrarift Vvjh. \Väl(l(;r, häufig (Aug. bis Sept.). 
A. raglndld liull. Wälder ( Aug. bis Se[)t.j. 
Lf/fiofa finiinvfhma Scop. SchicßKtandwald (^Aug.). 
/>. tnrdifirifis l'ers. Scliießst:ni(l\\ ;iM, iiiclil selten (Aug.). 



Beiträge zur Pilzflora Tirols. 



205 



L. echinata (Roth) Quel. Rienzanlagen (Sept. 1904). 
L. crisfata Alb. et Sehn. Wiesen- und Feldraine (Sept.). 
Arm 'dlnria mellea Vahl. Wald bei Bad Maistatt, 1250 m (Sept. 1904). 
i. imperialis Fr. Maistätter Wald und Brück ele, 1200 — 1600w^ 
(Aug. 1904). 

Tricholoma sapenaceuDi Fr. Eggerberg-- und Maistätter Wald (Aug. 
1904). 

T. melaleucum Fr. Rienzanlagen. 

T. eqiiestre L. Eggerbergwald (Sept. 1904). 

T. vaccinuni Pers. Maistätter Wald (Sept. 1904). 

T. terreum Schaeff. Brückele bei Altprags, 1550 Rienzanlagen 

und Schießstandwald (Sept.). 
Clitocyhe infitudihidlformis Schaeff. Wälder, häufig. 
a odora Bull. Maistätter Wald (Aug. 1900). 
C. laccata Scop. Feuchte Waldplätze, häufig. 
ü. laccata var. amethysüna. Feuchte Stellen im Maistätter Wald. 
ü. candicans Fr. Rienzanlagen, häufig. 
C. expallens Fr. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

C. expallens Fr. var. trivicdis Fr. Rienzanlagen, selten (Aug. 1904). 

ö. einer ascens (Bull.) Bres. Eggerbergwald (Sept. 1904). 

C. cerussata Fr. Maistätter Wald (Aug. 1899). 

CoUyhia tnherosa Bull. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

Mycena pura Pers. Maistätter Wald (Aug. 1900). 

J/. lufeo-alba Fr. und 31. rosella Fr. Wald. Bad Ratzes bei Seis 
in Stidtirol (Sept. 1904).] 

Omphalia jjyxldata Bull. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

0. campanella Bartsch. Maistätter Wald (Sept. 1899). 

Pholiota unicolor Fl. Dan. AYälder (Sept. 1904). 

P/<. sqiiarrosa Müll. An der Straße zwischen Niederdorf und Tob- 
lach (Sept. 1904). 

Inocyhe dulcamara Fr. Schießstandwald (Aug. 1904). 

T. praetcrisca Quel. Schießstandwald (Aug. 1904). 

Z. geophylla Bull. Wälder (Aug. bis Sept. 1904). 

L cincinnata Fr. Maistätter Wald (Aug. 1904). 

Hehehma versipelus Fr. Rienzanlagen (Aug. 1904 häufig). 

U. alatiim Fr. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

U. mussivum Fr. Eggerbergwald (Aug. 1904). 



206 



Emil Diettrich-Kalkhotf. 



Gdlera tenera Pers. Schießstandwald, Rienzanlagen, zwischen Grasi 
(Aug. 1904). 

Psalliota angusta Fr. Eg'gerbergwald, selten (Aug. 1904). 
Hijplioloma appendiculata Bull, Rienzanlagen (Aug. 1904). 
Paneoliis campanulatiis L. Auf Mist. Niederdorf, 1200 Brückele 

bei Altprags, 1550 m (Aug. 1904). 
P. acmninatus Pers. Auf Mist. Brückele bei Altprags, 1550 m (Aug. 

1904). 

Cortinarius traganus Russ. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

C. varicolor Pers. Wälder. (Aug. 1900). 

a fulgens Alb. et Sch. Wälder (Aug. 1900). 

C. cinnamomeus L. Wälder, häufig. 

C. claricdlor Fr. Maistätter Wald. 

C. cinereo-violacetis Fr. Maistätter Wald (Aug. 1904). 

C. collinitus var. muscosus Fr. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

C. uraceus Fr. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

C. a/rmeniacus Fr. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

C. anomalus Fr. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

C. candelaris Fr. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

0. delihatus Fr, Maistätter Wald (Sept. 1904). 

C. venetus Fr. Maistätter Wald (Sept. 1904). 

C. firmus Fr. Maistätter Wald (Aug. 1899). 

Gomphidius viscidus L. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

Hygrophorus agathosnius Fr. Maistätter Wald (Sept. 1904). 

//. conicus Scop. f. coccinea. Rienzanlagen, Schießstandwald. 

Piusmda sa/rdonia Fr. Wälder. 

11 adasta Pers. Maistätter Wald (Aug. 1904). 

//. dcrolorans Fr. Maistätter Wald. 

//. fortcns Fr. Maistätter Wald, häufig. 

Jt. mustellina Fr. Wälder, häufig. 

Paxilhis (dro-lornc.nUmiH Batsch. An einem Baumstrunk. Wald- 

anlagen am E;,^gcrl)erg, 1250 m (Aug. 1904). 
LarUiriusi sfrohiculatus Fr. Wälder, liäufig. 

rrllmm Fr. Wälder (Aug. 1904j. 

ftdiglnoms Fr. Maistätter Wald (Aug. 1904). 
Ij. sidHltdrls Uiill. VViilder, lliiIl^i^^ 
Jj. torminoHUff Schacff. Scliießstaiidwald (Aug. 1901). 



Beiträge zur Pilzflora Tirols. 



207 



L. aurantiacus Fr. Wälder. 

L. delkiosus Fr. Wälder, häufig. 

L. cüicwides Fr. Eieuzanlagen (Aug. 1904). 

L. rufus Scop. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

CoprUuis comatus Fr. An Dungstätten. 

C. liemerohius Fr. Rienzanlagen (Aug. 1904). 

Cantiiarellus cibarius Fr. Wälder, sehr häufig. 

C. infundihuliformis Scop. Wälder, häufig (Aug. bis Sept. 1904). 

Marasmius scorodonius Fr. Wälder, häufig. 

M. perforans Hoffm. Eggerb ergwald, sehr häufig (Aug. bis Sept. 1904). 
Lenziies sepiaria Fr. An alten Brettern und Balken. 
Boletus edidis Bull. Wälder, meist nicht selten. 
B. ciscidus L. Wälder, Rienzanlagen, häufig. 
B. olivaceus Schaeflf. Wälder. 

B. gramdafus Beruh. Rienzanlagen. häufig (Aug. bis Sept. 1904). 

B. pipjeratus Bull. Eggerbergwald (Aug. 1904). 

B. elegans Fr. Wälder und Waldwiesen, sehr häufig. 

Boleünus cavipes Klotzsche. Wälder, häufig. 

B. cavq)es var. aureus. Maistätter Wald (Sept. 1904). 
Polijporus confluens Pers. Wälder, häufig. 

P. ovinus Fr. Wälder. 

P. sulsfpiamosus Fr. Eggerbergwald, selten (Aug. 1904). 
P. horealis Fr. An Baumstrünken. Brtickele bei Altprags, 1550 m 
(Aug. 1904). 

P. Schceinitzii Fr. Ein großes Exemplar im Eggerbergwalde, 

ca. I300w? (Aug. 1904). 
P. osseus Kalkbr. Maistätter Wald. 
Uydnum imbricatmn L. Wälder, sehr häufig. 
ET. auranüacum Bartsch. Eggerbergwald (Aug. 1904). 
E. cyathy forme Schaeff. Wälder. 
E. suaveolens Scop. Maistätter Wald (Aug. 1904). 
E. ferrugineum Fr. Maistätter Wald (Aug. 1904). 
E. miraVde Fr. Eggerbergwald, häufig. 
E. rexmndum L. Wälder, häufig (Aug. 1904). 
Craferellus davatus Pers. Maistätter Wald, häufig. 

C. Intescens Fr. Wälder. Bei Maistatt, Toblacher See, Wildbad 

Innichen, 1250—1350 m (;Aug. 1904). 



208 Emil Diettrich-Kalkhotf. 

Thelephora caryophyllea Scliaelf. Rienzaulagen, häufig*. 
Ciavaria formosa Pers. Wälder, sehr häufig. 
C. falcata Des. Zwischen Moos am Wege nach Prags, selten (Aug. 
1900). 

G. flava Schaeff. Wälder. 

(7. flava f. sanguinea Schaeff. Eggerb erg^v^ald (Aug. 1904). 

a Botrytis Pers. Wälder. 

a alhida Schaeff. Wälder (Sept. 1904). 

[C. ahietina Pers. Wälder bei Bruneck, 900 m (Aug. 1904).] 

C. ligula Schaeff. Eggerberg- und Maistätter Wald. 

Treiuellini. 

Calocera viscosa Pers. Wälder. 

Gnepinia rnfa Fr. Wälder. Rienzanlagen, Maistatt, Wildbad Innicheii, 
bei St. Cassian (Abteital), 1200—1500 m, häufig. 

Dacryomyces spathulatus Nees ab Es. An Baumstrünken. Egger- 
bergwald (Aug. bis Sept. 1904). 

Oymnoasci. 

Erineum alneum. Auf Blättern von Älntis viridis, häufig. 

Urediiieae. 

Melampsora populina Lev. Auf Pappelblättern. 

Fuccinia poarum Nielsen. Auf l^lättern von Tussilago farfara. 

Pliysaraceae. 

Fuligo sepiim Hall. f. lute((. An Baunistriinken. Maistätter Wald, 
\2:)()nf, lirlickcle bei Altprags, m (Aug. 1904). 

Tricliiaeeae. 

Ly(<,(l(iJ(i rpldrndroH Fr. An einem Haumstrunk in den IJicii/anlagcn 
(Au-. 1904j. 

13. A.rco. 

!*> reiKMiiyceteH. 

J/yj)(>.iyl(,n (()((ni(inu WwW. An alten liiunrKin. 



Beiträge zur Pilztlora Tirols. 



209 



Discomycetes. 

Morchella csculenta Pers. Buschwälder der Hligelregion (April). 
M. conica Pers. Buschwälder der Hügelregion (April). 
Uelvella sulcata Fr. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 1904). 
Leotia liibrica Pers. Auf einem Baumstrunk. Gebüsch am Fuße 

des Mt. Vastre im Sarcatal (Okt. 1904). 
Fedza (Sphaeros2)ora) trecJiispora Berkel. Feuchter Sand zwischen 

Equisetum am Ufer der Sarca (Mai). 
Discina venosa (Pers.) Rehm. Feuchte Erde an Wassergräben 

(April bis Mai 1904). 

Ascoinycetes. 

Phleospora Morl (Lev.) Sacc. Auf Maulbeerblättern (Herbst). 
Phyllosticta pirina Sacc. Auf Birnblättern (Herbst). 
Botrytis epigea Lmk. var. rosea Sacc. Feuchte Erde der Campagna 
(Okt.). 

Cercospora violae Sacc. Auf Blättern von Viola odorata. 

Gfasteromycetes. 

CyatJius striatus Willd. Feuchte Erde. 

Phallus impudicus L. Feuchte Erde in Gärten (Okt. 1902). 

Tulostoma mammosuni (Mich.) Fr. Zwischen Moos auf steinigen 

Hügeln. (Bei der „Steineiche" und „Casa bianca".) 
Geaster hygromeiricus Pers. Gebüsche bei St. Paolo (April 1904). 
Scleroderma Bovista Fr. Grasplätze in Gärten (Okt. 1904). 
Gautiera morchellaeformis Vitt. „Braila" am Nordabhang des Mt. 

Stivo. Buschwald, ca. 500—600 m (März 1904). 

Hymenomycetes. 

Amanita vaginata Bull. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 1904). 
Lepiota naucina Fr. Grasplätze: Ohvenhain, Gärten (Okt. 1904). 
L. cristata Alb. et Sehn. Grasplätze, Gartenland (Okt.). 
ArmiUana mellea Vahl. Brachland: Gärten, Olivenhain (Okt.). 
Triclioloma paneolum Fr. Gärten, Campagna (Okt. 1904). 
T. melaleimim Pers. Erde in Gärten (Okt.). 

Z. B. Ges. Bd. LV. 14 



210 



Emil Diettrich-Kalkhoff. 



T. columhetta Fr. Eichenwäldeben bei Mazza (Okt. 1904). 
T. murinaceum Bull. Eicbenwäldeben bei Mazza (Okt. 1904). 
T. hrevipes Bull. Grasplätze in Gärten (Okt. 1902). 
Trichoma sordidum Fr. Gebüscb am Fuße des Mt. Vastr6. Sarca- 
tal (Okt. 1904). 

Clitocyhe dealhata Ton. Zwischen Moos. Eichenwäldchen bei Mazza 
(Okt. 1904). 

G. pJiyllophila Bull. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 1904). 

Collyhia aerina Quel. Feuchte Erde in Gärten (Okt. 1904). 

Mycena gracilis Quel. Feuchte Erde in Gärten (Okt. 1904). 

M. galericidata Scop. Am Grunde von Baumstrünken. Busch- 
wäldchen bei St. Martino (Okt. 1904). 

Om]}lidlia umhratilis Fr. Zwischen Moos im Olivenhain, selten 
(Okt.). 

0. pyxidata Bull. Grasplätze in Gärten (Okt.). 

Pluteus Diettrichii Bres. nov. spec. Campagna, hinter dem 

„Pomer'-. Ein Exemplar (Okt. 1904). 
Pholiota hicifer Lasch. Campagna (Okt.). 
Inocyhe destricta Fr. Campagna (Okt. 1904). 
/. hiulca Fr. f. ohesa. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 

1904). 

1. grata Weinm. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 1904). 
Heheloma sinapimns Fr. Buschwäldchen bei St. Martino (Okt. 

1904). 

//. mesophaeum Fr. Garten unter Koniferen (Okt.). 
//. rrtistuliniformis Bull. Wiesen ober Bolognano (Okt. 1904). 
Nancoria horizontalif; Bull. An einem Birnbaum im Garten (Herbst). 
N. vervadi Fr. Grasplätze in Gärten (Okt.). 
Gahra tenuisswia Weinm. Wegrand im Garten (Sept. 1904). 
(i. antipuü Lasch. Campagna (Okt.). 
Psfdiioffi cainjK'HlriH L. Olivenhaine (Okt.). 
J/yj)ltol(f)}ffi ('audollr(in7nn Fr. Campagna fOkt. 1904). 
PsUor,/hr hnllarrn \\\\\\. Auf Mist (Okt. 1904). 
I'fDtrfthis j)(i/HJi()H(i(rHs liiill. (^ampagiia (Okt. 1904). 
PsnlhyrrUd gracdis Fr. ( iartcnland (Sept. hin Okt.). 
/^ dimminata PerH. rv-nchte Erde;. Oanijiagna, Gärten (Okt.). 
i>r<t}i'i Kr. r>ni(lil;nid im ()Iiv(uiliaiii (Nov.). 



Beiträge zur Pilzriora Tirols. 



211 



Hygroplioi'iis conicus Scop. f. coccinea. Olivenhain bei Varig-nano 
(Sept. 1899). 

Cartinarius casfaneus Bull. Buschwäldclien bei St. Martino (Okt. 
1904). 

Riissida emefico Fr, Eichen wäldclien bei Mazza (Okt. 1904). 
Coprinus micaceiis Fr. Campag-na (Okt.). 

Marasniius foetidus Son. Baumstrunk. Buschwäldchen bei St. Mar- 
tino (Okt. 1904). 

M. epodius Bres. Grasplätze in Gärten (Okt. 1904). 

SclnzopliyTlum commune Fr. An Bäumen und Sträuchern häufig. 

Lenzites sepiaria Fr. An altem Holz. 

L. ahiefina (Bull.) Fr. f. resupinata. An alten Brettern. 

Boletus lideiis L. In Gärten unter Koniferen (Okt. 1904). 

B. suhtomentosus L. In Gärten unter Koniferen (Okt. 1900). 

Polyporus hrionalis Pers. An alten Baumstämmen bei Bolognano 
(Mai 1904). 

P. hirsuhis Wulf. var. marginaüis. An Bäumen (Pappeln). 
P. varüis Fr. An Holzpfählen in der Campagna (Okt. 1904). 
P. versicolor Fr. mit f. nigricans. An Baumstrünken. 
P. crispus Pers. An Bäumen (Pappeln an der Sarca). 
Stermm purpureum Pers. f. resupinata. An Laubbäumen und Pfählen 
häufig. 

S. hirsutum. Fr. An Laubbäumen. Buschwäldchen bei St. Martino. 

Tremellini. 

Äuricularia sambucina Mart. An Pfählen in der Campagna. 

Uredineae. 

Puccinia suaveolens Pers. Auf Cirsium arvense, häufig. 



14* 



212 



Auton Nosek. 



Die Arachniden der herzegowinischen Höhlen. 

Von 

Anton Nosek, 

Gymnasialprofessor in Caslau. 
(Eingelaufen am 10. November 1904.) 

Aus den AufsammluDgen des Herrn G. Paganetti-Hummler 
liegen mir folgende Tiere vor: Höhle bei Gluha smokwa: Stalita 
pidlus, augenlos, eine blinde LejMiyphantes- Art ^ unentwickelt, Cicu- 
rina ckur in Menge; Höhle Svötenica: Stalita spec. inv. (hercego- 
vinensis?); Höhle bei Zawala: Meta Meriannae Scop., Stalita her- 
cegovinensis n. sp.; Höhle bei Jasen: Liohunum spec., Tegenaria i 
laeta Kulcz. n. var. Paganettii Nsk. Die Belegexemplare befinden 
sich im k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien. 

Uattung Stalita Sehiödte. 

Bis jetzt sind vier Arten beschrieben worden : Stalita taenaria 
(4) Sehiödte, Stalita Scliiödtei (5) Thoreil {St. taenaria Keys., 1), 
Stalita gracilipes Kulcz. (2), Stalita spinosissima Kulcz. (2) und Sta- 
lita mrdzehi Nsk. (3). Nur von einer einzigen Art, St. taenaria, ist 
das Männchen bekannt. Die Arten sind zienüich zweifelhaft und \ 
bedürfen einer gründlichen Revision, welche nur derjenige durcli- 
füliren kann, dem ein größeres Material von cT und V Ver- 
fügung stehen wird. In erster Linie handelt es sich um die Art 
Stalita taenaria Keys, oder St. Schiödtei Thor., welche Arten frag- 
lich sind. Es ist siclicr, daß diese Art von der echten St. tamaria 
verschieden und möglicherweise mit einer der obenerwähnten Arten 
identisch ist. Diese Frage läßt sich gegenwärtig nicht entscheiden. 
Ks fehlt eine Vergleichung mit den ']\y])en Keyserlings und Tho- j 
rclls sowie das Voriiandensein der Männchen, wenn man auf das ! 
Vorkommen der Augen geringes Gewicht legt. Ich hemcn-ke, daß 
die Kxemphire aus Krain, Kroatien und Montenegro blind, die | 
dalniatinischcn und hcr/cgowinisclK^n mit S(!chs winzigen Augen | 
versehen sind. Die Bestjuhelung der Kllßc variiert nicht nur an 
einem iiii'l «lemselhen Individuum, sondern auch je nach dem Alter. 



Die Arachniden der herzegowinischen Höhlen. 



213 



Stalita hercegovinensis nov. spee.^) 

Der Cephalothorax ist 4-1 mm lang, zwischen dem 2. und 
3. Beinpaare 3*1 mm breit, vorne gerundet. Der Kopf ist 2*2 mm 
breit und wenig verlängert, ziemlich flach und nach vorne und 
hinten allmählich abfallend. Die Oberseite ist sehr fein netzartig 
(stärker vergrößert) und spärlich mit feinen Körnchen besetzt und 
schwach glänzend. Bei schwacher Vergrößerung scheint die Stelle 
ringsum den Borsten glatt. Die Seitenfurchen sind breit und seicht, 
die Rückengrube wenig scharf begrenzt. Am Kopfe sind 6 winzige 
Augen entwickelt, die vorderen Mittelaugen fehlen. Die 4 hinteren 
(oder oberen) Augen stehen in einer schwach nach hinten ge- 
bogenen (procurva) Linie, welche länger ist als die vordere. Die 
oberen Mittelaugen sind kleiner als die Seitenaugen und vonein- 
ander nur halb so lang als von den seitlichen entfernt. Die unteren 
Seiten äugen sind von den oberen so weit als die oberen Mittelaugen 
voneinander entfernt. Die ziemlich langen Mandibeln (1*9 mm) 
sind nach vorne geneigt, schwach knieartig gebogen, im ganzen 
glatt und mäßig glänzend. Die Klauenfurche sehr seicht und gegen 
die Basis beiderseits mit je 2 kurzen und stumpfen Zähnchen be- 
waffnet. Sternum kurz und breit, hinten sehr stumpf zugespitzt. 
Die Maxillen und das Labium wie bei den übrigen Arten. Das 
Abdomen ist 6-2 mm lang, länglich- eiförmig. Die Palpen wie 
bei St. mrdseki, nur mit Borsten besetzt. 

Die Femora P) an der Vorderseite haben 3 Reihen von 9 
bis 10 (auch 11!) Stacheln, welche sämtHch am Ende des Gliedes 
angehäuft sind. Die Stellung einzelner Stacheln variiert etwas, 
manchmal konvergieren 2 Reihen nach vorne. Die erste (obere) 
Reihe zählt wie die zweite 3 oder 4 Stacheln; die dritte unterste 
Reihe besteht aus 1 — 3 weit voneinander entfernten Stacheln, von 
denen der erste meistens sehr schwach ist. Inmitten der 2. und 
3. Reihe (je 3 Stachel !) steht oft ein unpaarer und starker Stachel. 

^) Ich beschreibe als vordere Seite der Füße jene Seite, welche bei 
nach seitwärts gerichteten Füßen vorne ist, wenn man das Tier vom Kücken 
und mit dem Beobachter zugekehrtem Abdomen betrachtet. An den vorderen 
Füßen ist die vordere, dem Cephalothorax zugekehrte Seite eine innere, an 
den Hinterfüßen die vordere wieder eine äußere. 

^) Die des ersten Beinpaares. 



214 



Anton Nosek. 



An der Hinterseite sind 2 Reihen, von denen die obere 5 — 6, die 
untere 2—3 weit hintereinander stehende Stacheln zählt. Die Pa- 
tellen I, die Tarsen I und jene des II. — IV. Paares sind stachel- 
los. Die Tibien sowie die Metatarsen der zwei vorderen Paare 
sind nur oben beborstet. Die Tibien I und II haben ungefähr in 
der ersten Hälfte des Gliedes unten je 3, die Metatarsen I und II 
unten je 2 Paare Stacheln. Am Ende der Metatarsen II bemerkte, 
ich oben eine längere Borste (ein Hörhaar?). Die Schenkel II 
besitzen oben und vorne eine Längsreihe von 5 — 7 Stacheln. Am 
Ende des Gliedes sind zwei genäherte Stacheln (1.1), die unterste 
Reihe hat nur 2 schwache, weiter voneinander entfernte Stachehi; 
auf der Hinterseite in der Mitte ist eine Reihe von 2 — 6 schwachen 
Stacheln. Zahlreicher und stärker sind die hinteren Beinpaare be- 
stachelt. An dem Femur III oben sieht man 2 Reihen je 5—0 
hintereinander gestellter Stacheln, nächst der Basis oben steht ein 
unpaarer Stachel, welcher auch fehlen kann; die unteren 2 Reihen 
bestehen aus je 2 — 3 schwachen Stacheln. Zwischen der oberen und 
unteren Reihe am Ende des Gliedes bemerkt man 2 — 3 schwache 
Stacheln, welche oft fehlen. 

Die Tibien III besitzen oberseits vorne 3, hinten 4 kurze 
Seitenstacheln. Die zwei unteren Seitenreihen haben je 4 sehr lange 
Stacheln. Das letzte Paar am Ende. Unten in einer Mittellinie 1 . 1 
(manchmal sehr schwach und neben den ersten Stachel gestellt) 
1.1 Stacheln. Die Oberseite der Metatarsen III mit 3 Paaren, 
die Unterseite derselben mit 4 Stachel paaren. Die Schenkel IV 
sind im Rücken vorne mit 5—0, hinten mit 7 — 8 in zwei Reihen 
gestellten Stacheln versehen. Nächst dem Grunde des Gliedes sind 
3—5 liintereinander gestellte dorsale Stacheln. Die unteren zwei 
Reihen bestehen aus je 3 langen Stacheln. Am Ende des Gliedes 
zwischen der oberen und unteren Keilic steht beiderseits ein Stachel, 
wclclier auch fehlen mag. Die Tibien IV haben oben 2.2.2.*^, 
initcii 2.2.2.2.2 Stachehi. in der Mitte oben stehen 1.1, unten 
1.1.1.1 ungleiche Stacheln. Die Metatarsen IV haben oberseits 
reihcnwciHC vorne 4—5, hinten 4 Stacheln. Die unteren zwei Reihen 
bcHtchen auH 4—5 Stacheln. 

Die Tarsen sind HtaclnilloH und unt(;n dicht mit Härchen 
(H('()])\\\ii) besetzt. Diese Scopula erstreckt sich noch an das Ende 



Die Arachniden der herzegowinischeu Höhlen. 



215 



der Metatarsen. Die Füße sonst mäßig beborstet. Der ganze Körper 
ist mit Härchen besetzt. Der Cephalothorax ist bornartig-, gelblich- 
braun, am Kopfe und an den Seiten dunkel angelaufen. Das Ab- 
domen ist graugelb, an einem Exemplar bläulich. Die Epigyne 
besteht aus einem hinten leicht gerundeten Vorsprunge, auf welchem 
zwei Querleisten zu bemerken sind. 
Länge der Fußglieder: 

I. f.4:-\b7nm, p. 2*5 mm, t. 3'6 mm, mt. S'3 mm, t. 0'9 mm 

II. f. 3-9 „ p. 2-35 t. 3-5 „ mt. 3 4 „ t. 0-9 „ 

III. f. 2-9 „ p. 1-5 „ t 2-8 „ mt. 3-5 „ t. 9 „ 

IV. f. 4-3 „ p. 2 „ t. 3-9 mt. 4 7 „ t. 11 „ 

Länge der Füße: IV. 16 mm, I. 14-4:0 mm, IL 14 Ob mm, 
III. 11'6 mm. 

Aus der Grotte Zawala in mehreren Stücken, von welchen 
nur 3 vielleicht ganz erwachsen erscheinen. Die anderen sind nicht 
entwickelt. 

Anmerkung 1. Ein junges Exemplar zeigt folgende Be- 
stachelung: Femur I: am Ende des Grliedes 5—6 Stacheln in 
2 Reihen. Femur II: 5 Stacheln vorne in der oberen Reihe, welche 
schon am Grunde des Gliedes beginnt. Femur III oben vorne mit 
4 — o, hinten mit 5 Stacheln. Die unteren Reihen fehlen wie bei 
Femur IV, w^elches oberseits vorne 4—5, hinten 6 — 7 Stacheln 
besitzt. 

Tibia I nur unten vorne 3, hinten 4, Tibia II vorne und 
hinten je 4 Stacheln. Die Tibien III oben vorne 3, hinten 4, unten 
2.2.2.2 Stacheln. In der Mittellinie unten sind 1 • 1 Stacheln. 
Die Tibien IV zeigen oben vorne 4 — 5, hinten 4, unten vorne 
4—6, hinten 5 — 6 und darüber, in der Mitte der unteren Reihen 
1.1 Stacheln. 

Die Metatarsen I und II nur unten mit 2.2 Stacheln. Die 
Metatarsen III auf der Rückenseite mit 6—8 Stacheln in 2 Reihen, 
auf der Unterseite 2.2.2.2 Stacheln. Die Metatarsen IV haben 
oben 8—10, unten 8 Stacheln in 2 Reihen. 

Anmerkung 2. Ein halberwachsenes Exemplar aus der 
Sv^tenica-Höhle zeigt etwas abweichende Bestachelung, wie folgt: 
Die Vorderseite der Femora I hat in der oberen Reihe 2, in der 



216 



Anton Nosek. 



unteren Reihe 3 und noch nach unten 1 — 2 Stacheln. Die hintere 
Seite besitzt nur einen feinen Stachel. Die Metatarsen I und II 
haben nur unten vorne 2, hinten 2 — 3 Stacheln. Die Femora II 
vorne mit einer Reihe von 4 Stacheln, unter welcher noch 1 — 2 
Stacheln sind. 

Oben an der Femora III vorne 5 — 6, hinten 4 — 6 Stacheln; 
unten vorne 1, hinten 1 — 2 Stacheln. Die Tibien III haben oben 
und unten, vorne sowie hinten je 4 Stacheln, zusammen 16 Stacheln. 
In der unteren Mittellinie treten noch 2 andere Stacheln dazu. Die 
Metatarsen III besitzen oben 3.3, unten 3 — 4.4 Stacheln, unten 
zwischen beiden Reihen wieder 1 . 1 Stacheln. 

Die Oberseite der Femora IV zeigt vorne 5, hinten 7 Stacheln 
und nächst der Basis einen unpaaren Mittelstachel; an der Unter- 
seite bemerkte ich vorne nur 2, hinten nur 1 Stachel. Die Tibien IV 
zählen oben 4.4, unten 5.5 Stacheln. In der Mitte der Unterreihen 
1.1.1 Stacheln. Die Metatarsen IV haben oben vorne 4, hinten 3, 
unten vorne 4, hinten 5 Stacheln; an der Unterseite fehlen die 
mittleren Stacheln. Sonst stimmt dieses Stück mit der oben be- 
schriebenen Stalita hercegoviniensis tiberein. 

Tef/enaria laeta Kiilczyi'iski nov. var. JPaganettii m.^) 

Diese gute Varietät unterscheidet sich nach der gefälligen 
Mitteilung des Herrn Prof. M. Kulczynski in Krakau von der 
typischen Art nur durch die andere Zeichnung und größere Pro- 
])ortionen des Körpers und der Beine. 

In der Form der Ej)igync und der Bestachelung, welche nur 
geringe Abweichungen von der typischen Form aufweist, stimmt 
sie vollkommen. Meine Varietät ist größer, ('eidialothorax 2-75 mm, 
Abdomen 3 4 lang (ungarische Exemplare 2*5 + 2 U 

Länge der Beine: 

I. f. 2 S mm, \). \ ww, t. 2 i) mm, ml 2' 2 mm, t. 18 mm 

II. f. 2-55 „ p. (Hi5 „ t. 2-3 „ mt. 23 „ t. 1 65 „ 

III r. 20 „ p. 0!» „ t. 2-25 „ mt. 2 () „ t. 1-35 „ 

I \ . f 3-3 „ p. O l) „ t. 313 „ int. 3-,') „ t. 1 O „ 

Zu Klircii (l<'M llcn ii ( ;. 1* n ^^n ii c 1 1 i - II ii in ni I (; r, SclirirtHlolh'r in 
VöHlau fNicrleröHtcrn-iclij, lH'ii;iiiiif. 



Die Arachniden der herzegowinischen Höhlen. 



217 



Die Tibien des IV. Paares sind etwas länger als der Ceplialo- 
thorax. 

Der Cephalothorax ist oben gelblichbraiin, am Kopfe rußartig 
gefärbt, der Rand ist breit blaßgelblich gesäumt. Die schwärzlichen 
Strahlenlinien fehlen. Das Abdomen ist oben dunkelbraun mit 
blassen paarigen Flecken, welche gelblichbraun gefärbt sind. Auch 
die Stelle, wo das Herz zu liegen pflegt, ist von derselben Farbe. 
Beiderseits dieser Stelle sind 2 Paar Flecke, welche völlig ab- 
getrennt sind; das erste Paar ist länglich rund und größer als das 
zweite Paar, dann folgen noch 4 Paar Flecke, welche miteinander 
mehr oder weniger deutUch durch eine Winkellinie verbunden sind. 
Die feinste Querlinie ist die letzte oberhalb der weißHchen Spinn- 
wärzchen. Die dunkle Rtickenseite ist außerdem sehr fein gelblich 
getüpfelt. Die Bauchseite ist licht gelblichbraun, einfärbig, ohne 
Zeichnung. 

Höhle bei Jasen, wo zwei entwickelte Weibchen gefangen 
wurden. 

Liohumim spec. In derselben Höhle, wo die oben beschrie- 
bene Varietät von Tegenaria laeta erbeutet wurde, fand Herr Paga- 
netti-Hummler zwei Weibchen, die leider schlecht konserviert 
sind und welche vielleicht eine neue Art darstellen. Sie sind durch 
sehr geringe Größe des Augenhügels auffallend. Herr Prof. Kul- 
czynski hat sie gütigst mit allen ihm bekannten Liobunen (z. B. 
L. Blachuallii, rotimdum, limhatum, Doriae und ru])estre) ver- 
ghchen. Er hält es mit Rücksicht auf den schlechten Konser- 
vierungszustand nicht für ratsam, die Tiere als neue Art zu be- 
schreiben. Die Zeichnung ist gänzlich verschwunden, ein Stück ist 
vollkommen blaß, das andere ist gelbbraun; hier und da zeigt sich 
eine Zeichnung von dunkelbrauner Farbe. Die Füße sind braun, 
die Schenkel und Patellen besonders oben dunkler, die Tibien gegen 
das Ende weißlich, die Metatarsen und Tarsen licht gelbbraun. Die 
Mandibeln sind schlank und außen am Grundgliede der Quere nach 
leicht gerippt (Stridulationsorgan?); die zwei übrigen Glieder sind 
leicht nach innen gekrümmt. Die PalpengUeder messen: Schenkel 
1*3 mm. Patella 0'75 mm, oben leicht gewölbt, Tibia 0*8 mm und 
Tarsus 1*8 mm. Die Glieder sind besonders unten mit steifen 
schwärzlichen und kurzen Borsten besetzt, ebenso die Hüften der 



218 



Anton Nosek. 



Beine, welche sonst glatt und hier und da dunkelbraun gefleckt 
sind. Die Schenkel sind mit kurzen Stacheln bewaffnet, sonst be- 
borstet. An der Unterseite der Tarsen sind dichte, stellenweise 
unterbrochene Börstchen. Die Länge des zusammengeschrumpften 
Körpers ist über 4 mm, jene der Beine: 1. 4 cm, II. 5*6 r?m (auf- 
fallend dünn!), III. 4*1 cm und IV. 5cm. 

Stalita taenaria Schiödte. 

Ich sammelte im Monat August eine Anzahl von entwickelten 
Weibchen und Männchen in der Adelsberger Grotte (am meisten 
unter dem Kalvarienberge). Ich ergänze an dieser Stelle die Be- 
schreibung Schiödtes.^) 

9- Cephalothorax 3*2 — 3*6 mm lang, der Kopf 1*5 mm breit, 
die Brust 2-9 mm breit (zwischen den 3. und 4. Hüften). Sternal- 
platte 16 — 2 onm lang und l'Ömm breit, nach hinten kurz und 
stumpf ausgezogen. Abdomen 3*8 mm lang, länglich oval, wie bei 
dem Männchen kurz behaart. 

Die Länge der Beine zeigt folgende Proportionen: 







f. 


p. 


t. 


mt. 


t. 


Zusammen 


Paar 


I. 


3-5 


1-95 


2-76 


31 


0-9 


1 2- 21 mm, 


» 


II. 


3-75 


1-4 


3-1 


3 


1 


12-25 „ 




IIL 


2-94 


11 


2 25 


3-2 


0-9 


10-39 „ 




IV. 


3-65 


1-56 


3 


41 


M 


13-41 „ 



Das 4. Beinpaar ist das längste, das 3. das kürzeste. Die 
Bestachcluug der Beine variiert. Die Stacheln sind zahlreich, stark 
und ziemlich lang, zwischen denselben ist dichte und lange weiß- 
liche lichaarung, besonders an den Metatarsen und Tarsen. 

Die; Fcmora I und II sind nur auf der Seite bewehrt. Die 
vor(i(trc Seite der Fcmora I hat 12 —14 Stacheln, von denen d'w 
letzten 7 — 9 Stacheln in 2—3 Beihen geordnet sind, die anderen 
sind hintereinander gestellt. Die hintere Seite ist mit zwei Stachel 
reihen bcKctzt, die obere; zählt 7 — 10 (von welchen manchmal 2 
oben außer der I»(!ihe gestellt sind), die untere 7—9 Stachehi^ am 

.). Scliiödtc, Jiidru^'- til den inidürjonliHkci l'uiina. (Vidi^n.sU. Sclsk. 
Skr., 5. \i'.\c]u', iiaturv. nfr nmth. Afd., 2. lid., 1851.) 



Die Arachniden der herzegowinischen Höhlen. 



219 



Ende ist noch ein unpaarer Zwischenstachel. Die Patellen I haben 
r.ur außen einen Stachel. Die Oberseite der Tibien I zählt vorne 
8, zwei Drittel des Gliedes einnehmende Stacheln, hinten 6. Von 
|den unteren Reihen zählt die vordere 4 Stacheln (bei der Basis 
■^anz unten steht ein Stachel, die übrigen sind nach vorne hinter- 
leinander gestellt), die hintere 6. An der Rückenseite stehen 1 . 1 
.Stacheln, einer am Grunde, einer am Ende des Gliedes; unten an 
|der Basis steht ein unpaarer Stachel. Die Metatarsen I und II er- 
scheinen stachellos, nur an einem Beine unten an der Vorderseite 
jfand ich einen Mittelstachel. Die Tarsen wie auch die Metatarsen 
!sind stark und dicht beborstet. Die Scopulen nur an den Tarsen 
dicht, sonst an den Metatarsen sehr licht. Die Vorderseite der 
Femora II hat oben 1, die Hinterseite oben 5 — 6 Stacheln, vorne 
jam Ende steht ein Stachel. Unten vorne sind 1 — 2 weit vonein- 
ander gestellte Stacheln; unten hinten stehen 4 — 6 Stacheln. Die 
iPatellen II vorne mit 3 Stacheln, von welchen einer fehlen kann, 
bewaffnet. Die Tibien II an der Oberseite vorne mit 6 — 7 (bei 
der Basis ein Stachel mehr nach unten gerückt), hinten mit 3 — 4 
Stacheln. Unten vorne stehen 6, hinten 5 Stacheln der ganzen 
Länge nach. Die Femora III oben mit je 5 — 6 (der erste manch- 
mal sehr schwach) Stacheln in zwei Reihen. Auf der Rtickenseite 
ragt eine Reihe von 5 — 7, bis auf die zwei ersten manchmal nebenan 
gestellten und hintereinander angeordneten Stacheln empor. Die 
Unterseite hat vorne 1 — 3, hinten 2 Stacheln. Die Patellen III 
vorne mit 2—3, hinten mit 1 Stachel. Oben an den Tibien III 
vorne 4—5, hinten 5 Stacheln. Die untere Mittelreihe besteht aus 
2 an der Basis und am Ende befindhchen Stacheln, die vordere 
Unterreihe aus 4 — 6, die hintere aus 6 Stacheln; von diesen 6 Stacheln 
sind 3 mehr am Grunde, 3 mehr gegen das Ende gestellt. Zu- 
sammen unten 12 — 14 Stacheln. Die Metatarsen III sind oberseits 
vorne mit 3, hinten mit 2 — 3 in der ersten Hälfte des Gliedes 
stehenden Stacheln; unten vorne stehen 2, hinten 1 — 2 Stacheln. 

Die Femora IV besitzen oben in der vorderen Reihe 5, in der 
hinteren 6 Stacheln, unterseits zählt die vordere Reihe 3, die hintere 
4 schwache Stacheln. Inmitten der Rückenseite stehen 4 — 5 hinter- 
einander gestellte Stacheln. Die Patellen IV sind vorne mit 4, 
hinten mit l Stachel versehen. 



220 



Anton Nosek. 



Die Tibien IV haben auf der Vorderseite oben 7 (1 mehr! 
seitwärts außer der Reihe), unten 6 Stacheln. Die Hinterseite hat 
oben 4, unten 6 Stacheln. Auf der Rückenseite ein Stachel nächst 
der Basis, ein anderer fast in der Mitte des Gliedes. Die Metatarseii 
vorne, oben und unten je 3, hinten, oben und unten je 2 Stacheln. 
Sämtliche Tarsen entbehren der Stacheln. Die Scopula besteht aus 
lichten, langen Borsten, welche auf die letzte Hälfte der Metatarsen 
übergehen. Onychium gut entwickelt, mit 3 Klauen. 

Die Männchen gleichen in der Gestalt und Größe fast den 
Weibchen. Cephalothorax 3 — 3*3 mm, Abdomen 3 mm. j| 

Auch die Bestachelung ist ähnlich. Die vordere Seite der 
Femora I ist mit 13 — 14 Stacheln besetzt; am Ende des Gliedes 
hat die 1 . schiefe Reihe 2 (linkes Beinpaar) — 3 (rechtes Beinpaar), 
die 2. 4 (rechts und links), die 3. 2 Stacheln; dann folgen 5 Stacheln 
hintereinander. Die hintere Seite hat links 4 Reihen (je 2, 8, 2, 7, 
von oben nach unten gezählt), rechts nur 3 Reihen (je 7, 1 und 7) 
Stacheln, zusammen hinten 15—19 (bei den Weibchen vorne 12— 14,|i 
hinten 14 — 19) Stacheln. Die Patellen I haben nur hinten 1, welcher 
auch fehlen kann, so daß nur das rechte Bei» bewaffnet ist, das 
linke ist stachellos. 

An Tibien I vorne 13 Stacheln, 10 in der oberen Reihe von 
der Basis bis zum Ende des Gliedes, 3 in der unteren Reihe in 
der ersten Hälfte des Gliedes. Die hintere Seite ist stärker W 
waffnet; hier zählt man 16 Stacheln, von denen 9 oben in 2 biß 
3 Reihen und 7 unten (2 an der ]5asis, von denen einer ganz unten, 
1 am Ende des Gliedes) stehen. Die Metatarsen und Tarsen der ; 
ersten zwei Beinpaarc ohne Stacheln, nur dicht, lang und weißlichli 
})eborstet wie di(; anderen ikine. Die Femora II an der Vorder-' 
Hcitc mit 9 Stacheln in drei Reihen: die oberste Reihe l)esteht aus 
7 (links; oder 1 (rechts), die mittlere aus 1 (links) oder 7 (rechts 
und die untere l^eihe aus 1 Stachel. Die llinterseite oben hat (>, 
unten 4 (rechts; oder 7 (links) Staclnsln. Die Patellen II haben. ; 
vorne 1—3, hinten 1 Stachel. Die Tibien II sind vorne oben mit I 
6—7, unten mit 4—5, hinten oben mit G— 7, unten mit 5—7 Sta- 
cheln versehen. Die Metatarsen und Tarsen sind stachellos. Die j 
Femora III sind an der Rlickenseite mit 5- 7, an der Vorderseite 
f.ben iriit 5 0, uiit(;n mit 2 3 und an der 1 linterseitc oben mit 6, i| 



Die Araehuideu der herzegowinischeu Höhlen. 



221 



unten mit 2 — 3 Stacheln bewaffnet. Die Patellen III vorne mit 
3 — 4, hinten mit 1 Stachel. Die Tibien III haben an der Oberseite 
vorne 3—4, hinten 4 — 5, an der Unterseite vorne 5 (^1 an der Basis 
!und 1 am Ende des Gliedes), in der Mitte nebeneinander 2 und 
hinten 4 — 5 Stacheln. Die Metatarsen III besitzen oberseits vorne 
'3—4, hinten 1—3, imterseits vorne und hinten je 2—3 Stacheln. 
|Die Femora IV hat an der vorderen Oberseite 6 ('manchmal auch 
nur 4^) bis 7, an der hinteren ebensoviel Stacheln; unten vorne 
sind 2 — 3, hinten 3 Stacheln. Inmitten der Rückenseite 1.1.1.1 
oder nur 1 . 1 nächst der Basis) Stacheln. Die Patellen IV hinten 
'mit 1, vorne mit 2 (linke P. i oder 4 (rechte P.) Stacheln. Die vordere 
Seite der Tibien IV hat oben und unten 5 Stacheln. Die Hinter- 
seite zeigt oben 4 — 5, unten 5 Stacheln. Au der Basis der Unter- 
:seite 2, gegen die Mitte 1 und manchmal vorne noch 1 Stachel. 
Die Metatarsen IV haben oben vorne 3, hinten 2 Stacheln. Die 
Unterseite vorne besitzt 2 — 3, hinten 2 Stacheln, sämtlich in der 
ersten Hälfte des Gliedes. Die Palpen sind mit Borsten besetzt. 
Länge des Femurs 1-d nm, der Patella O'l imn, der Tibia OS mm 
und des Tarsus 1'2 mm.. Die männlichen Kopulationsorgane stimmen 
mit der Zeichnung Schiödtes. Die Epygine des x stellt eine mäßig- 
gewölbte homartige Platte vor, au welcher die iuneren Teile auf 
Art des Buchstabens T durchscheinen. 

Literatur über Stalita -Arten. 

1. Keyserling. Eug. Beschreibung einer nenen Spinne aus den Höhlen von 

Lesina. (Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. in Wien, Bd. XIII, 1863. 
S. 540—541.) 

2. Chyzer. K. und Kulczyüski. Wl. Arachneae Hungariae. Tom. II. 1897. 

p. 214. 

3. Nosek, Ant. Arachnoidea montenegrina. (Sitzuugsber. der kgl. böhm. Ges. 

d. Wissensch, in Prag, mathem.-naturw. KL. Jahrg. 1904.) 

4. Schiödte. C. J. Bidrag til den underjordiske Fauna. (Vidensk. Selsk. Skr., 

5. Eaehe, naturv. og math. Afd.. 2. Bd.. 1851.) 

5. Thoreil, T. Eeniarks on Synonjnis of European Spiders, 1870 — 1873. 

Pp. 543. 



*) Dann in der Mitte nur 4 Stacheln. 



222 



V. B r e h ra und E. Z e d e r b a u e r. 



Beiträge zur Planktonuntersuchung 
alpiner Seen. 

Von 

Dr. V. Brehm und Dr. E. Zederbauer 

(Elbogen, Böhmen) (Wien). 

III. 

Mit 7 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 30. November 1904.) 



Bevor wir, die von uns untersuchten Südtiroler Seen ver- 
lassend, uns dem Kärntner Seengebiet zuwenden, sei noch einiger 
Seen Erwähnung- getan, die in einem geographisch gut abgegrenzten 
Gebiete liegen, nämlich der Seen in den Dolomiten. Zur Unter- | 
suchung kamen bis jetzt bloß Fänge, die im Juli 1903 ausgeführt | 
wurden ; zudem vereitelte das überaus ungünstige Wetter eine Reihe ' 
in diesem Gebiete geplanter Fänge; solche hoffen wir später noch 
nachtragen zu können. 

9. Toblachersee. 

Der Toblachersee, 1 259 m, ist ein seichtes, wenig bewachsenes 
Becken, das außer einigen Fäden von Zygnema spec. am 3. August |i 
1903 kein Plankton enthielt. 

10. Dürrensee. 

Der Dil rreusee, 1410»/, in der Nähe der drei Zinnen, isl 
e})CiifallH ein sehr Hcichtcs Pocken, das im Sommer fast austrocknol 
und dann in d(;r stark von Algen (Zyfinema spec.) durchwuchcrioii 
zurllckbleibcnden WasseranHanindung eine reiche Tierwelt belicr 
bergt, die allerdings nicht als pclagisch bezeichnet werden kann. 

Fänge am 3. Angnst 1903, 'iV'mp. d. W. f 10". 

Lynceidcn hcrrHchcn vor, dniin ist Srajt/whheris ntucronald 
var. frnnh' farri häufig und endlich Irill uns Daphnia hyalina hmckh. 



Beiträge zur Planktoniiiitersuchuug- alpiner Seen. III. 223 

entgegen, und zwar in Formen, die der Sektion mkrocepliala an- 
ofehören und des langen, stark konkaven Rostrums wegen als Foreli 
bezeichnet sein mögen. Das fast alljährliche Austrocknen dieses 
iSees hat eine interessante Folge nach sich gezogen. Die Kolonie 
des Dürrensees wird im Hochsommer zur Dauereibildung gezwungen, 
die mit dem Auftreten von zahlreichen Männchen verknüpft ist. 
iWar uns dieser neuerliche Fall des Auftretens von Männchen der 
j 2). hyalina im Alpengebiet an sich schon von Interesse, so war 
dies umsomehr der Fall mit Rücksicht auf die jahreszeitlichen Ver- 
hältnisse und auf den Umstand, daß an allen diesen Männchen keine 
jSpur von Nackenzähnen zu sehen war. (Vgl. Brehm: Zusammen- 
' Setzung, Verteilung und Periodität des Geoplanktons im Achensee, 
[S. 59 und 60.) Weiters wurde abermals bei Männchen und Weibchen 
I beobachtet, daß die Verlängerungslinie der Spina dorsal vom Auge 
zu liegen kommt, daß die Spina öfters direkt in die Verlängerung 
|des Schalenrückenrandes fällt, daß somit in unserem Fall nur die 
I Divergenz der processus abdominalis die Bestimmung als hyalina 
\ ermöglichte. 

Nachstehend die auf eine Körperlänge = 1000 bezogenen 
Maße: 

1. Männchen der DapJmia hyalina f. Foreli: 

Körperlänge = 1000 
Breite = 455 

a = 63 

ß = 67 

/ = 46 

11. Misurinasee. 

Der Lago di Misurina oder Moosrainersee liegt 1755 m hoch. 
Die Fänge wurden am Abend des 3. August 1903 bei einer Wasser- 
itemperatur von -{-10° nördlich von der Insel ausgeführt; daher 
waren die Oberflächenfänge ebenso planktonreich wie die tieferen 
i Fänge. Überhaupt erzeugt, nach den vorhandenen Proben zu urteilen, 
der Misurinasee unter den Dolomitenseen die größten Plankton- 
quantitäten. Seiner bedeutenden Höhenlage entsprechend, ist die 
weitaus häufigste Art 



224 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



Diaj)tomiis denticornis Wierz., der in wenigen Minuten 
in zahllosen, intensiv roten Exemplaren den Eimer des Netzes füllte. 
Die Weibchen übertrafen an Zahl die Männchen weitaus. Die 
Färbung- des konservierten Materiales ging im Formaldehyd alsbald 
in ein reines Blau über. 

Außer diesem Copepoden war in den Proben nur noch Daphnia 
liyalina vorhanden, und zwar ziemlich häufig. Es handelt sich 
abermals um Formen aus der microce^/^a^a-Keihe, etwa der Form 
Foreli entsprechend. 

Wenn wir die Körperlänge der ausgewachsenen Weibchen, 
die meist vier Embryonen trugen, = lOOü setzen, bekommen wir 
folgende Maße: 



Körperlänge == 


1000 


Schalenlänge = 


800 


Schalenbreite = 


545 


Spina = 


560 


a = 


60 


ß = 


80 




50 


d = 


185 



Abdominalzähne 11 — 13. Die Schale fein retikuliert. 

Die bisher erwähnten Seen gehören zum selben Flußsystem j| 
und sind talaufwärts immer um llöhenstufen von 200 oder 300 m \ 
getrennt. p]s war unser Plan, auch den letzten dieser Scenkette, ' 
den fast 2000 m hoch gelegenen Sorapißsee, abzufischen. Schnee- 
wetter verhinderte dies aber. 

12. Pragsersee. 

Der Pragser Wildsee, 149() m, entbehrt fast ganz der fiacheron 
Ufer. Speziell im Süden ist er von Steilabstiirzen des Seekofcls , 
abfi^eHchloHKcn. iieini Fange entpuppte sich der Filhrnianu als ein 
in l'lanktondingen erfahrener Mann. Er berichtete, daß er für ein( 
hier belindliclH; Fisclizuclitanstalt nachts Plankton fange, das aus 
(Jydvjts und J)fi/)lini(r bcKtelie, und daß man bei Tage; nichts er 
beute; in (U\r Tat waren die Obcrdäclicnfiingi! belanglos, während 
die 'J'icfcnfänge ein nionotones r'//r/oy>.s- Plankton ergaben. Wir 



Beiträge zur Planktommtersuchuug- alpiner Seen. III. 



225 



'müssen daher aimehmen, daß das Phänomen der Vertikalwauderiing- 
hier sehr deutlich ausgesprochen ist. Da der Misurinasee größere 
Mengen an Plankton und noch dazu große Dicqjtomus- und Daphnia- 
jArten beherbergt, wäre in Fischereikreisen vielleicht die Frage zu 
.'erörtern, ob der Misurinasee für Fischzuchtanstalten nicht dem 
Pragsersee vorzuziehen sei. 

Fänge am 4. August 1903. — Temp. d. W. + 10". 

Der Cyclops des Pragsersees ist Cydox)s stremms; sonst fanden 
jsich in den Tiefenfängen nur Bruchstücke einer Baphnia und maze- 
rierte Exemplare, allem Anscheine nach wieder Daplmia hyalina 
f. Foreli, die wir somit als die Dolomitendaphnie bezeichnen könnten. 

Im Oberflächenfang fanden sich neben jungen Exemplaren des 
genannten Cyclops zwei mazerierte Bosmina cornuia Jurin6, ferner 
Ceratmm lärundineUa, 160 /u. lang, mit zwei fast parallel laufenden 
Hörnern, sehr selten. 



Die folgenden fünf Seen liegen im Kärntnerseengebiet und 
erreichen eine ziemliche Größe, besonders die drei letzteren, der 
Millstätter-, Ossiacher- und der Wörthersee, welcher eine Oberfläche 
von nahezu 20 hn^ besitzt. 

13. Weißensee. 

Der Weißensee liegt in der Nähe von Greifenburg in einer 
Höhe von 926 m. Sein Abfluß, der Weißenbach^ ergießt sich in 
die Drau. Von diesem See steht uns ein Fang vom 12. August 
1900 zur Verfügung, Das Plankton charakterisiert sich durch den 
Mangel an Phytoplankton und Rotatorien; es ist ein typisches 
Crustaceenplankton, an dessen Zusammensetzung vorzugsweise 
Cyclops, Bosmina, Cerioclaplmia und Biciplicinosoma teilnehmen. 
Sonst fällt nur noch Äsp)lanchna auf. 

Der durch viele eiertragende Weibchen (Eizahl meist jeder- 
seits 6) repräsentierte Cyclop^s ist typischer Cyclops Letichartl. 

Ceriodaplinia q^uadrangula ist am zahlreichsten vertreten; 
der Körperumriß wechselt bedeutend. Fast kreisrunde Formen sind 
selten, die meisten sind annähernd rechteckig, doch ist die kurze 
Spitze, durch die Stingelin die Sommerform bezeichnet, stets deut- 
lich entwickelt. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 15 



226 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



Bosmina longirostris erscheint mit ziemlich geraden An- 
tennen, wie wohl in allen alpinen Seen. Obwohl sonst die Schalen- 
skulptur wegen ihrer Veränderlichkeit nicht als Merkmal in Betracht 
gezogen wird, erscheint an den Bosminen des Weißensees gerade 
diese ausnahmslos spezifisch ausgeprägt. Alle Exemplare zeigen 
in der Nackengegend eine so markante polygonale Felderung, daß 
diese Schalenpartie ein fast borkenartiges Aussehen bekommt. 
Charakteristisch ist vielleicht auch die Stellung des mäßig ent- 
wickelten Mucro, der nie gekerbt erscheint. Der vom ventralen 
Schalenrand und dem geraden Hinterrand eingeschlossene Winkel 
wird nämlich von der Richtungslinie des Mucro halbiert. Die Anzahl 
der Incisuren beträgt durchschnittlich neun und unterliegt nur ge- 
ringen Schwankungen. 

Auf eine Körperlänge = 1000 bezogen, bekommen wir fol- 
gende Maße: 

Länge = 1000 
Breite = 715 
A = 115 
B = 100 
C = 108 
D = '2i)0 
JDiaplianosoma hrachyunim ist selten. 
Asplanclina priodonta bot insoferne Interesse, als im Darm- 
kanal Peridineen und Diatomeen sich fanden, während sonst im 
Material Phytoplankton nur in Spuren vorkam. Asjjlcmc/ma scheint 
Phytoplankton in Mengen zu fressen. Auch in Asplanchnen eines 
russischen Sees fand ich einmal Diatomeen in Menge, während der 
mit einem weitmaschigen Netz ausgeführte Fang gar keine enthielt. 
Man wird daher l)ei der botanischen Untersuchung der Plankton- 
probcn den y\s/dauclma-'Mi\}^cn sein Augenmerk zuwenden müssen 
iuhI (hii iii nianches aufgestapelt finden, was das Netz passieren ließ. 

Crrd/iinn h irund Inella, 150- IHOjU lang, (50 — Ii) fi breit, 
von phimp(^m Ausscilien. In einer Abbandhing wurde auf diese 
Form bingewicHcn, als auf eine Form, welche mit der in den 

*) K. Zndcrl».'! II er, ('rrnlium hirimdinrUa in den ostürrciclii.sclicn Al|)( ii- 
Heüii (Ö»t<'rr. hc^fan. ZeitMclir., l'.M)'!, Nr. 4 und T»). 



Beiträge zur Plauktonuntersuchuug- alpiner Seen. III. 



227 



Kärntner Seen verwandt und von ihr abzuleiten ist, da das ganze 
plumpe Aussehen dem der Formen aus den Kärntner Seen am 
meisten ähnlieh ist und nur die Hörner etwas verlängert sind, was 
Tür die Formen in den höher gelegenen Seen (vgl. Priburgersee, 
kurze Vegetationszeit, aber sehr warmes Wasser) vorteilhaft ist. Das- 
selbe scheint auch bei dem im Feldsee bei Villach (742 m) von 
jKeißler^) gefundenen Cercitium hinmdinella der Fall zu sein. 

Dinohryon divergens ziemlich häufig. 

Chroococcus minutus häufig. 

14. Presseckersee. 

Besonderes Interesse beansprucht das Plankton dieses Sees, 
der hinsichtlich seiner Entstehung eine Sonderstellung einnimmt. 
^Diesbezüglich sagt Fritz Frech^): „Selten erscheinen im Inneren 
ider Alpentäler Seenbildungen, die auf unregelmäßige Arbeit der 
normalen Erosion und Aufstauung der Bäche und Flüsse zurück- 
zutuhren sind. Solche Seen, zu denen z. B. der Presseckersee 
( 567 m) bei Hermagor im Gailtale gehört, fehlen in den Zillertaler 
und ötztaler Alpen." 

Die Fänge wurden im Jahre 1900 am 14. August ausgeführt. 

Man wird daher auch die Fauna dieses Seebeckens nicht ohne 
weiteres mit der der Nachbarseen vergleichen dürfen. Die erste 
Durchmusterung des Planktons ergab, daß neben Bosmina longi- 
rostris, Cerioäaphma und jungen Cyclops hauptsächlich Asx)lanclma 
und ein Biaptomiis in großer Menge vorkommen. Die Bestimmung 
ergab überraschenderweise Diap)tomus graciloides; da diese Spezies 
nordisch ist, tauchte zuerst der Gedanke auf, es möchte sich um 
eine Verwechslung handeln ; es könnte ein Parallelfall zur Varietät 
padana vorliegen. Um zu entscheiden, ob der Pressecker Biaptomus 
mit graciloides identisch sei, mußte ein Vergleich mit nordischem 
Material vorgenommen werden. Mein Freund Sven Ekman über- 
ließ mir Material, das er auf seiner letzten Lapplandreise im Nakeri- 

^) K. V. Keißler, Einige Phmktonfänge aus dem Brennsee bei Feld in 
Kärnten (Österr. botan. Zeitschr., 1904, Nr. 2). 

^) Über das Antlitz der Tiroler Zentralalpen. cZeitschrift des D. ii. ü. 
Alpenvereins, 1903, S. 11.) 

15* 



228 



V. Biehni und E. Zeder bau er. 



järvi sammelte, einem in Torne Lappmark unter 68" 10' n. Br. in 
540 m Seeböhe bereits in der Birkenregion gelegenen See. Die ver- 
gleichende Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen; ich war im 
Gegenteil gezwungen, noch weiteres stideuropäisches Material heran- 
zuziehen und hoffe in einiger Zeit über die gracüoides-'ähnWchen 
Formen berichten zu können. Doch kann ich schon jetzt mit Sicher- 
heit behaupten, daß der Pressecker Diaptomm, wenn nicht mit dem 
nordischen identisch, so doch wenigstens eine Form ist, die dem 
typischen graciloides viel näher steht, als alle bis jetzt aus dem 
mittleren Europa bekannten und dem graciloides zugerechneten 
Formen. 

Daß die lappländischen Tiere größer sind (das Größenverhältnis 
ist 19 : 23), war eine von vorneherein zu erwartende Erscheinung; 
es ist dies für viele Kruster und Rädertiere schon wiederholt fest- 
gestellt worden. Kleine Differenzen in der Größe des Seitendornes 
des zweiten Gliedes des Exopoditen des rechten fünften Beines 
des cf sowie im Umriß der Glieder des Basipodits beim fünften | 
Beinpaar des 9 sind, selbst wenn es in den untersuchten Fällen 
sich nicht um individuelle Bildungen gehandelt haben sollte, kaum 
genügend, um den vorliegenden Diaptomus nicht als graciloides | 
gelten zu lassen. i 

Jedenfalls gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist unser j 
Diaptomus mit dem nordischen graciloides identisch oder es ist [i 
eine dem graciloides überaus ähnliche Varietät des vulgaris, die i 
dann in den dem Südrand der Alpen folgenden Verbreitungsgürtel 
der graciloides-ähnWchen Formen padana, intermedia, transsilvanh ii 
einzufügen wäre und hier für den lückenlosen Zusammenhang | 
des padana- und Intermedia -Arculi^ wenigstens teilweise sorgen 
würde. 

Ceratium hirundinella, 150 — 165 lang, 60 — 10 fj, breit, 
meist vier llcMMier, dem in den Wörtlicr-, Ossiacher- und Millstätter- ^ 
Kce vorkommenden sehr ähnlich, nur mit dem IJnterscliiede, daß 
die hinteren Ilörncr etwas länger sind, sonst aber den plumpen 
Bau zeigen wie bei dem erwähnten, zu (Iciii es auch gerechnet | 
werden muß. 

ChroococcuH minutus sehr häufig. 



Beiträge zur Planktonuntersuchung alpiner Seen. III. 



229 



15. Millstättersee. 

Der Millstättersee in Kärnten liegt in einer Höhe von 580 w, 
langgestreckt so wie die beiden anderen größeren Seen Kärntens. 

Er wurde von uns einmal des Jahres besucht, wo wir am 
Westende des Sees Planktonfänge ausgeführt haben. ^) 

Fänge am 3. September 1902. 

Oberfläche. Ceratium hirundinella häufig, FragiUaria croto- 
nensis, Asterionella gracillima wenig, selten Binohryon Sertularia, 
Ämirea cocJilearis, Cladocerenfragmente, Detritus. 

2 m. Dieselben Formen wie im vorigen, aber etwas reich- 
licher, dazu treten noch Äsplanchna priodonta, Gyclops juv., selten 
Nauplien. 

5 m. Ämirea cochlearis häufig, Polyarthra platyptera, Cyclops 
juv., Leptodora liyalina, Hyalodaphnia, Notholca longispina, Mastigo- 
cera spec. und Diaphanosoma hracJiyurum. Ceratium hirundinella^ 
noch sehr häufig, selten Asterionella, Fragilla/ria und Dinohryon. 

10 m. Zooplankton noch mehr in den Vordergrund tretend, 
Anurea cochlearis auch mit Ei, Phytoplankton etwas abnehmend. 

Steuer hat in der eingangs erwähnten Arbeit das Vorkommen 
von Polyphemus, Bijthotrephes und Biaptomus castor für den Mill- 
stättersee konstatiert, so daß unsere Liste um diese drei Spezies 
zu vermehren wäre. Daß Polijphemus in unserem Materiale fehlt, 
kommt wohl davon, daß er die üfernähe liebt und so dem Plankton 
größerer Seeflächen fehlt (vgl. unsere Erlaufsee -Arbeit). Daß Bytho- 
treplies fehlt, hat seinen Grund darin, daß die tiefste auf ihr Zoo- 
plankton hin untersuchte Probe ein 10 m-Fang war, also die Bytlio- 
^rep/?e.s-Region nicht erreichte. Ob Biaptomus castor der Jahreszeit 
und geringen Tiefe der Fänge wegen oder aus örtlichen Gründen 
fehlte, ist nicht zu entscheiden. Am wahrscheinlichsten ist das letzte, 
d. h. diese Dia^^om«<s-Spezies scheint der freien Seefläche fremd 
zu sein und mehr seichte Buchten zu bewohnen.^) Man wird inner- 



^) Vgl. K. V. Keißler, Das Plankton des Millstättersees in Kärnten 
(Österr. botan. Zeitschr., 1904,- Nr. 6). 

^) Auch Schmeil rechnet T). castor zu den nicht pelagischen Formen. 



230 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



halb des Genus Diaptomus hochpelagische von TUmpelformen unter- 
scheiden müssen; zu ersteren wäre D. gracilis zu rechnen, zu letzteren 
z. B. D. vulgaris, der im Flußgebiet des Inn kleinere Tümpel, 
stag-nierende Arme des Flusses bewohnt, jedoch in keinem See 
dieses Flußgebietes als Planktonbestandteil nachgewiesen werden 
konnte. 

Tritt vulgaris im Plankton größerer Seen auf, so ist es nicht 
die typische Form, sondern es handelt sich dann um Varietäten, 
die in manchen Charakteren sich dem hochpelagischen gracilis 
nähern, so beim D. graciloides, beim D. graciloides var. padana 
und anderen Formen, die nach Steuers und Burckhardts Unter- 
suchungen von D. vulgaris abzuleiten sind. 

Es ist von Interesse zu sehen, daß diese Annäherung an gracilis 
zumeist darin besteht^ daß das rechte fünfte Fußpaar durch stärkere 
Entwicklung des Innenastes eine Oberflächenvergrößerung und Ge- 
staltung erfährt, die den Reibungswiderstand beim Absinken be- 
deutend erhöht. (Vgl. W. Ostwald, Zur Theorie des Planktons. 
Biol. Zentralbl., XXII.) 

Die im 5 m-Fang angetroffene Hyalodaphnia stimmt mit den 
Formen der zweiten Kolonie des Ossiachersees überein^ ist also 
ungehelmt. 

Ceratium hirundinella, im September eine Länge von 
100 — 130^, GO |it breit, plumpes Aussehen; im Frühjahr sollen nach 
Keißler 150 a lange Individuen vorkommen.^) Sehr liäufig. 

Asterionella gracillima, lö (.l lang, ziemlich häufig. 

Fragillaria crotonensis, 75 — 90^ lang, ziemlich häufig-. 

Dhiohrgon Sertularia Ehrbg., selten. 

16. Ossiachersee. 

Der ÜHHiaclicrRCc in Kärnten, in einer Höhe von 494 gc 
legen, erstreckt sich von Südwest nacli Nordost und steht mit der 
Drau in Verbindung-, worin sich sein Abfluß ergießt. Er wurde im 
September l'.»()2 und I)ezem))er 1901 besuclit und bei Sattendori 
AufHaniMihingen gemacht. 

') V^^'i. Kcililcr. Dmh l'l.iiiUfoii (l»',s .MillHfiitterHCCH, I.e.. und 10. Ze(^o^ 
bauj-r, darnliiim in den oMh'ircicliiHfdicn A l|(('nH(M'n, I.e. 



Beiträge zur Planktonuntersnehung alpiner Seen. III. 



231 



Fänge am 2. September 1902. 

Oberfläche. Cijdops und XotJwlca häufig, seltener Xauplien, 
einzelne Bosmina und Anurea cocldearls. Ceraüum liirundiueUa 
und FragiUaria crotonensis häufig, einzelne Melosira granidata. 

2 m. Äsplauchna und D'iaplianosoma kommen hinzu, doch 
letzteres noch spärlich. Ceraüum und FragiUaria häufig, Jlelosira 
nrnnidaia und Binohryon siijyifatum weniger häufig. 

b m. CycloxJS, Xauplien und Pö??/a;'f/?;-ö vorherrschend. Häufig 
\ Asplanchna, minder oft Bosminen und Biaplianosoma : seltener 
Hyalodaplinia, Auuraea cocMearis, Xotholca und Jlastigocera. Jlelo- 
sira gramdata sehr häufig. Ceraüum IdrundineTla und Binohryon 
I stipitahun nicht selten. 

\0 m. Cyclops und Xauplien in großer Anzahl, Biajyluoiosoma 
häufig, sonst wie bei 5 m, nur treten hinzu Biapfomus gracdis, 
Lej)todora JiyaUna und ab und zu Ceriodajdtrtia. Phytoplankton 
I abnehmend, Jlelosira granulata noch häufiger als Ceraüum liirun- 
dineJla. 

Fänge am 28. Dezember 1901, 10—11^ V. M. — Temp. d. L. 
+ 4^ d. W. — 4^ 

Oberfläche. NaupUen, viel Asplanclina und Auuraea cocldearis. 
seltener Xotholca. vorwiegend Asferionella graciUima, häufig Bi)w- 
hryon süpitahnn und divergens und Tahularia flocculosa. Boü'yo- 
coccns Braunii selten. 

2 7)1. XaupHen. sehr viel Biaptomus und Asp>lanch)ia; letztere 
auch mit Winterei beobachtet. Seltener CycJops. Bosmina, Xotholca 
hngispina mit Ei, Auuraea cochlearis. Phytoplankton wie im vongen 
Fang. 

5 m. Vom vorigen Fang kaum verschieden. Jlelosira granu- 
lata in einigen Exemplaren. 

10 m. Überhandnehmen von Biaptomus, der häufig Eier i zu- 
meist 8) trägt. Bosminen mit Embryonen, Triarthra mit Ei ist 
selten: ebenso ?>^\X^n Auuraea aculeata, Cyclops strenuus und Helio- 
zoen. Vom Phytoplankton AsterioueUa besonders häufig, sonst den 
vorhergehenden gleich. 



232 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



Beiuerkiiugeii zu den einzelnen Spezies. 

Das Genus Cyclops scheint in 2 — 3 Spezies vorhanden zu 
sein. Sicher zu bestimmen war nur der hier seltenere Cyclops 
sirenuus; daneben kam eine Unmenge kleinerer Cyclopen vor, zu- 
meist noch unreif. Mag darunter auch eine Anzahl unausgewachsener 
s^mw/^^s-Exemplare sich befunden haben, so waren andererseits 
sicher auch Chaetophoren aus der Sektion der Bifida vertreten.^) 
Steuer^) gab seinerzeit aus dem Ossiachersee Cyclops oitJionoides 
var. hjalina Rehberg an. Die wenigen ausgebildeten Exemplare 
aus unserem Material waren so von Epistylis bewachsen, daß eine 
zuverlässige Bestimmung gar nicht möglich war. Sicher jedoch war 
bei diesen Tieren am rudimentären Füßclien die Medialborste lateral 
inseriert, was für Cyclops LeucJcarti spräche. 

1. Änuraea coclilearis. Zum erstenmale können wir hier aus 
unseren Alpenseen von der weitgehenden temporalen Variation dieses 
Rädertierchens berichten, die zuerst Lauterborn ^) aus dem Rhein- 
gebiet bekannt gemacht und genauer studiert hat. Zugleich bestätigen 
unsere Untersuchungen Lauterborns Angaben volHnhaltlich. 

Änuraea coclilearis ist im Winter durch den macrantha-Ty\im, 
im Sommer durch kurzstachelige, sowohl der irregularis- als aucli 
der lnspida-\i(i\\\Q angehörige Formen vertreten. Die Veränderungen 
des Plattenmosaiks illustrieren die beiden Skizzen, die Größenver- 
änderungen nachstehende Zahlen. 

Län<i:(! dos Län<j:e des Länge Qes'imt 
mittleren eigentlichen des ^]jiii<re ß*"^*^*' 
Vorderdorns Panzers Hinterdorns ' ^ 

hisinda vom 2./IX. . . 23 95 47 165 68 

irrerjidaris vom 2./IX. . 23 95 35 153 70 

warraniha\om2H.IXl\. 25 115 82 222 74 

Alle Größen in 

') A. (iraetcr, Die ( I^jx-podcn der IJnigeltniig von liaMel. (Keviie suisse 

dr YjuAofr'u', Vol. XI, \mi) 

A. Steuer, Kin Beitrag zur Kenntnis der OiadocercMi- nnd C(>])(r))()den- 
faiina KiirntenH. (Verb. d. zool.-bot. Ges. in Wien, lid. XLVII.) 

^) Ii. Ljiuterborn, Der KornKMikreis von Änuraea cochlenris. (Verli. d. 
naturw.-nied. Ver. Hcddeiberg, l'JO.'j.) 



Beiträge zur Planktonuntersuchung alpiner Seen. III. 



233 





Die Tabelle bestätigt weiters den von Lauterborn, 1. c., 
S. 537 aufgestellten Satz: „Die Größe des Panzers von Anuraea 
cocJilearis verhält sich umgekehrt propor- 
tional der Höhe der Wassertemperatur." 

Unter den Cladoceren fällt Bos- 
mina durch Saisondimorphismus auf, und 
zwar nicht blos B. hngirostris, sondern 
bemerkenswerterweise auch B. coregoni. 

Da Bosmina coregoni sonst über- 
aus konstante Kolonien bildet, darf es 
nicht überraschen, wenn auch hier der 
! Dimorphismus eigenthch nur die Körper- 
größe betrifft, diese jedoch in hervor- 
, ragendem Maße. Die Kolonie kenn- 
zeichnet sich durch kurze, gerade Anten- 
|nen, die fast steif erscheinen und die 
Inzisuren sehr undeutlich zeigen; sie ist 
[Burckhardts B. longispina zuzuzählen. 

Bosmina longirostris mit stark gekrümmter Antenne, die 
deutliche Inzisuren zeigt; Nacken mit polygonaler Felderung. Bei 
dieser Form äußert sich der Saisonpolymorphismus nicht bloß im 
Größenunterschied der Sommer- und Winterindividuen, sondern auch 
in der Inzisurenzahl (im Winter 12, im Sommer 8) und am Mucro 
(im Winter meist mit zwei Kerben, im Sommer auf einen Knopf 
reduziert). 



Anuraea 
cochleayns : ir- 

regulai'is. 
Ossiachersee. 



Anuraea 
cochlearis, der 

macrantha 
sich nähernd, 
Ossiachersee. 







Körper- 


Schalen- 


A + B 


C D 


Mucro 


Inzi- 






länge 


höhe 








suren 


Vom 


28./XII. 


425 


350 


95 


60 150 


40 


11 


Vom 


2,/IX. . 


285 


200 


55 


35 65 


kaum 
meßbar 


8 



HyalodapJinia cuciillata 
erscheinungen wie im Wörthersee. 
material — wohl zufälligerweise — 
Exemplare, um die Parallele mit 
durchzuführen. Trotzdem werden 
einstimmung zur Genüge zeigen, 
fällige Verkleinerung von A infolge 
an die Mediane. 



zeigt genau dieselben Variations- 
Leider fanden sich im September- 
- keine mit Embryonen versehene 
den Wörtherseetieren vollständig 
die mitgeteilten Zahlen die Über- 
Die Winterform zeigt eine auf- 
einer Annäherung der Helmspitze 



234 V. Brehm und E. Zederbauer. 

Im Dezembermateriale fanden sich viele junge Hyalodaphnien \ 
ohne deutliche Christabildung; da sie durch gar keine Übergangs- 
formen mit den gehelmten Exemplaren verbunden waren (ja gerade 
die jungen Hyalodaphnien schon immer beträchtliche Helmbildungen 
aufwiesen), glauben wir annehmen zu müssen, daß diese rund- 
köpfigen Tiere nicht zum selben Zeugungskreis wie die helm- 
tragenden gehören, so daß im Ossiachersee höchst wahrscheinlich 
zwei voneinander unabhängige Kolonien von Hyalodaphnien exi- 
stieren. Zwar erscheint uns diese Annahme etwas befremdend, doch 
die einzige Möglichkeit einer anderen Erklärung, nämlich die An- 
nahme, daß diese rundköpfigen von den hochgehelmten Tieren ab- 
stammen, ist nicht weniger unwahrscheinlich; es wäre ein so krasser 
Saisonpolymorphismus in unseren Alpenseen ein geradezu einzig 
dastehender Fall. Weiters spricht gegen die letztere Annahme der 
bereits erwähnte Mangel an Zwischenformen sowie der Umstand, 
daß man gezwungen wäre anzunehmen, daß im Winter gleichzeitig 
helmtragende und helmlose Formen entstehen. Aus diesen Gründen 
erscheint es uns wahrscheinhcher, daß hier zwei verschiedene Kolo- 
nien vorliegen. Doch ist es uns unmöglich, den Variationsgang der 
zweiten Kolonie anzugeben, da zu den rundköpfigen Wintertieren 
keine korrespondierenden Formen im Sommerplankton gefunden 
werden konnten. (Jedenfalls darum, weil zu wenig Ticfenmatcrial 
vorhanden war.) 

Die in fx ausgedrückten Maßzahlen sind nach der beim Wörther- 
see angegebenen Methode ermittelt worden: 

llyalodaphnia cmnllata. I. Kolonie. 

KörperUinj^e Spina 

Vom 2./IX., jung 800 450 

älter, doch noch unreif . . . 1000 V 

!il)K''l>roclion 

Vom 28./XII., mit Embryo . . . 1:^)50 V 

ni/(fl(f(/((/)/iiti((. II. Kolonie. 

K(irp(5rläu;^e Spina 

Vom 28./XI1.. mit Kmbrvo «00 InO a =- 70 

()' II 



A n 
15;-) m 

145 :J5() 



Beiträge zur Planktonuntersuchung alpiner Seen. III. 



235 



Bei der zweiten Kolonie wurde die Messung nach der von 
Burckhardt für Baplinia vorgeschlagenen Methode vorgenommen, 
weil keine Helmspitze vorhanden war. Der Mangel des Pigment- 
fleckes nötigte dazu, ß ^ y m einem Stücke zu messen. 

Ceratium Mrundinella, 115—130^ lang, 50—60^ breit. 
Apikaihorn stumpf, kurz, meist gerade, selten etwas gebogen, die 
hinteren Hörner in der Zweizahl vorhanden, selten drei oder das 
dritte nur angedeutet. Nur im Sommer vorhanden^ in den Fängen 
im Winter war keines zu finden. 

Ästerionella graciUima, 60—70^ lang. Im Dezember vor- 
wiegend, im September fast gar nicht. 

Fragillaria crotonensis, 90 ^.l lang. Im September nicht be- 
sonders häufig. 

Melosira granulata (Ehr.) Ralfs. Im September sehr häufig, 
im Dezember hingegen sehr selten. 

Tdbularia flocculosa. Im Dezember nicht selten. 
Botryococcus Braunii. Selten. 

Dinohryon stipitatum und divergens. Im Dezember und Sep- 
tember nicht selten. 

17. Wörthersee. 

In der Nähe von Klagenfurt in Kärnten liegt der Wörthersee 
in einer Meereshöhe von 439 m, wohl der größte der Kärntnerseen. 
Wir besuchten ihn zu zwei verschiedenen Jahreszeiten und machten 
I Aufsammlungen in der Nähe von Pörtschach. 

Fänge am 3. September 1902. 

Die Oberflächenfänge sind beim Transporte verloren gegangen. 

2 m. Fragillaria crotonensis und Ceratium hirundinella sehr 
häufig und vorwiegend, daneben Ästerionella gracillima, Nauplien 
und nicht ausgewachsene Exemplare von Cyclops strenuus. Seltener 
Biaplianosoma hrachyunmi, ebenso Baplmia cticullata Sars, häufiger 
: Bosmina coregoni. Von den Rotatorien ist Notliolca longispina am 
häufigsten^ Äsplanchna priodonta am seltensten, Anuraea cochlearis 
sowie PolyartJira platyptera sind mittelmäßig verbreitet. 

5 m. Fragillaria und Ceratium noch sehr häufig, wenig Äste- 
rionella. Zooplankten zunehmend. Dieser Fang unterscheidet sich 



236 



V.Brehm und E. Zederbauer. 



vom vorigen durch viel häufigeres Vorkommen von Hyalodaplmia^ 
cmidlata Sars und durch das Auftreten von Leptodora hyalina. \ 
10 m. Phytoplankton sehr zurücktretend, sonst wie der vorige I 
Fang-. Zooplankton nicht wesentlich unterschieden von dem desi 
vorigen Fanges, ganz vereinzelt Mastigocerca capuc'ma. Ein Bior 
^j>fo??ms-Exemplar, von dem es unsicher blieb, ob es frisch oder! 
abgestorben ins Netz geriet. l 

Fänge am 28. Dezember 1901. 

Oberfläche. Temp. d.W. + 6^ d. L. +5°. Vorherrschend 
Nauplien und Diaptomus gracilis, seltener Cyclops strenuus, Asplamlim 
lyriodonta, NotJiolca longispina. Fragillaria crotonensis und Ceratium 
Jdrundinella sind nicht so häufig wie in den Fängen vom September, 
sondern treten mehr in den Hintergrund. ^ 

2 m. Temp. d. W. -[- 6 Fragillaria und Ceratium ebenso 
häufig wie im vorigen Fang, Asterionella gracillima vereinzelt. 
Nauplien und Diaptomus, Cyclops, Asplanclma, NotJiolca seltener, ili 
Cladoceren fehlen. | 

5 m. Temp. d. W. +4". Phytoplankton zurücktretend. Zoo- 
plankton vorwiegend, Nauplien und Diaptomus; Cyclops selten, nicht 
gerade selten sind Bosmina coregoni, Asplanchna, Notholca und |j 
Triarthra longispina . 

10 Temp. d. W. -}-4°. Phytoplankton sehr zurücktretend. 
Nauplien und J)iaptomus, Cyclops; ob die häufigen Exemplare von ) 
Jfyaloda])]inia frisch oder abgestorben ins Netz gerieten, konnte ! 
nicht entschieden werden. Triartlira, Notholca, Asplanchna, Bosmina. 

BeiiierkiiTi^eii über die einzelnen Spe/ies. 

liosmiua coregoni J^aird. Obwolil diese Spezies nicht zur Ij 
Teni|)oralvariation neigt, sind in der voHicgcnden Kolonie doch | 
zwischen den Exemplaren des Septembers und Dezembers beträcht- j 
liehe Größcnidiflcreiizen, während die K(')rper])r()portionen weniger j 
auffällige Differenzen zeigen. Ans (^iner griißeren Serie von Mes- ; 
Hungen ergab sich, daß sich die (hnThHchnitiliclie K(')rj)erlänge der ( 
in Fortj)flaii/ung bc^grilfcncn liosniinciu aus den Septeniherl'äugeu zu ^ 
derjenigen der Winterexcmphirc wie; 7 : verhält. 



Beiträge zur Planktonuntersuchung alpiner iSeen. III. 



237 



Ferner fiel an den September-Exemplaren auf, daß in mehreren 
Fällen die eine Antenne bedeutend verkürzt erschien, so daß sie nur 
bin Drittel der Normallänge der anderen erreichte. Die Ausbildung- 
ier Inzisuren war so undeutlich, daß ich verläßliche Angaben über 
^iie luzisurenzahl des normalen und verkümmerten Antennenastes 
leider nicht zu geben vermag. Burckhardt berichtet über zwei 
l^anz gleiche Vorkommnisse aus dem Titi- und Sempachersee und 
betrachtet sie als Rückschlagbildung. Mit Rücksicht darauf, daß 
Rosmlna coregoni eine Kaltwasserform ist, wofür das Orößenver- 
hältnis der Sommer- und Wintertiere aus dem Wörthersee neuer- 
dings spricht, weiters darauf, daß diese einseitige Antennenrück- 
bildung im Sommer zu konstatieren war und unter Bezugnahme 
auf die Antennenveränderung bei der saisondimorphen Bosmina 
ilongirostris cornuta (vgl. über letztere Steuers Donauarbeit) glaube 
ich annehmen zu dürfen, daß solche Fälle nicht als Atavismus zu 
ideuten sind, sondern eher als „prospektive Varietäten", die unter 
^dem ungünstigen Einfluß des wärmeren Klimas sich bildeten, wo^ 
mit natürlich nicht gesagt sein soll, daß diese Einzelfälle als Varie- 
täten im Sinne der Systematik aufgefaßt werden können. Daß 
solche Krüppelformen unter Umständen faktisch zu Varietäten werden 
können, zeigt Änuraea valga, über die wir erst kürzlich in dieser 
Hinsicht berichteten. 

Auch hinsichtlich der Schalenskulptur trat ein Unterschied 
zwischen den September- und Dezember-Bosminen hervor. Die Schale 
der letzteren ist hinter dem Auge sehr deutlich längsgestreift, was ich 
bei den Herbsttieren vermisse. Somit dürfte sich die Schalenskulptur 
nicht einmal zur Charakterisierung einer Kolonie verwenden lassen. 

Trotz dieser Unterschiede zeigt die folgende Tabelle, daß auch 
hier Bosmina coregoni keinen Saisondimorphismus zeigt, sondern 
daß sie eine in wesentlichen Punkten unveränderliche Lokalrasse 
darstellt, wie auch in anderen Seen. 

Bezüglich der Einordnung dieser Form ergeben sich wieder 
Schwierigkeiten, ob sie der BoUfusi- oder Ceresiana-(jx\r^^Q zuzu- 
rechnen wäre. Mit letzterer stimmt sie in allen Punkten überein, 
bis auf die Länge des Mucro und die Streifenskulptur, welche beide 
Merkmale eher für BoUfusi sprächen. Die Inzisurenzahl ist für 
beide Gruppen zu gering. 



238 



V.Brehm und E. Zeder bauer. 



Dezember 



r I. Mit 2 
^ [ II. Mit 4 



2 Embryonen 
cö [ II. Mit 4 Embryonen 1000 



Körper- 


Sclialen- 


Schalen- 


Mucro 


A 


ß 


c 


D 


In/. 


länge 


länge 


höhe 














1000 


725 


870 


100 


150 


50 


125 


370 


11 


1000 


685 


810 


90 


115 


40 


110 


800 


11 


1000 


670 


760 


100 


135 


35 


90 


330 


'j» 


1000 


676 


780 


85 


130 


35 


95 


300 


11 



(Hyalo-)Daplinia cucullata Sars. Bei dieser Form treten 
gleichzeitig bemerkenswerte Alters- und Temporalvariationen auf, 
die durch beistehende Abbildungen und Zahlen charakterisiert sind. 




Jiiii{;(!r(! Winterform. Ältere Winterlbrni. 

Alterß- iiiifl t('iiij)or;il(; V:iriati()ii der Daphnia cucullata im Wörthcrsec. 

Zur /iflcrniilßigcüi FcKthigung bediente ich mich folgender Methode. 
I)iir( h (laH Auge denken wir uns eine Gerade gelegt, wch*hc die 
(hm Aii-c /unädiHf licgciKh ii runktc des dorsalen und ventralen 



Beiträge zur Planktonuntersuchuiig alpiner Seen. III. 



239 



ivopfraudes verbindet. Auf diese „Horizontale" fällen wir von der 
Kopfspitze eine Senkrechte. Die dadurch gegebene Entfernung der 
Helmspitze von der Horizontalen ist im folgenden mit B bezeichnet, 
|:iie Entfernung des Augenmittelpunktes vom Schnittpunkt dieser 
beiden Geraden mit A. Unter Zugrundelegung dieser Maßmethode 
ergibt sich: 

1. Für die Septemberfänge: Die jungen Tiere haben einen 
jbreiten, rückwärts gebogenen Helm; dieser wird bei mittleren Exem- 
plaren bedeutend länger und verliert die Neigung zur dorsalen Um- 
biegung, ja bei den meisten ausgewachsenen Tieren gewinnt das 
Endstück der Helmspitze eine merkliche Biegung nach vorwärts, 
^0 daß trotz des beträchtlichen Anwachsens der Grröße B, A anfangs 
konstant bleibt, später sich sogar verringert. 

2. Für das Dezembermaterial: Die Umformung des Kopf- 
konturs ist dieselbe; die Länge der Helmspitze und daher B ist 
verhältnismäßig etwas kleiner als an den September-Exemplaren. 
Ferner kommt sie mehr in die Mediane des Körpers zu liegen, so 
idaß — und hierin äußert sich die jahreszeitliche Variation in unserem 
Falle am bedeutendsten — A beträchtlich kleiner erscheint als im 
September. 

I Setzen wir die Körperlänge = 1000, so bekommen wir für 
iiie in der Entwicklung verschieden weit fortgeschrittenen Indi- 
jviduen folgende Daten: 

1 Körperlänge Spina A B 

I.September: 1. 1000 600 215 240 
2. 1000 500 145 300 
I 3. 1000 ? 85 340 

! Die wirkhchen Körperlängen dieser als Beispiele gewählter 
Tiere verhielten sich wie 3:4:6. 

Körperlänge Spina A B 

[1. Dezember: 1. 1000 ? 60 135 

2. 1000 50 300 

3. 1000 10 285 

Die wirklichen Körperlängen dieser drei Exemplare verhielten 
sich wie 7 : 10 : 22. 



240 Brehm u. Zeder bau er. Beitr. zur Planktouunters. alpiner Seen. III. 



Die untersuchten Exemplare der Polyartkra platyptera gehören 
der var. euryptera Wierz. an; auf eine = 100 gesetzte Körper- 
länge zeigte z. B. ein Exemplar eine Breite von 65, eine Ruderlänge 
von 68 und eine Ruderbreite von 25. Fast alle gemessenen Exem- 
plare zeigten gleiche Verhältnisse. 

Diaptomus gracilis fiel durch seine eigentümliche temporale 
Verteilung auf. Während in den Septemberfängen Diaptomus mit 
Sicherheit nicht nachzuw^eisen v^ar, w^ar er im Dezember eine der 
häufigsten Formen des Planktons. Das massenhafte Auftreten im 
Winter im Gegensatze zum Herbst deckt sich ganz mit Burck- 
hardts Beobachtungen, der im Winter das Maximum, im Herbst 
das Minimum konstatierte. Das Fehlen des Diaptomus in unserem 
Falle ist aber, da ja Diaptomus perennierend ist, ein so befremdender 
Befund, daß man durch neuerliche Untersuchungen erst eine Be- 
stätigung finden könnte, da vielleicht tiefer ausgeführte Fänge doch 
das Vorhandensein hätten feststellen lassen, v^^enn auch die in den 
anderen Alpenseen gemachten Erfahrungen gegen ein so ausschheß- 
liches Vorkommen in der Tiefe sprechen. 

Ceratium hirundinella hat eine Länge von 100 — löO//, 
ist gedrungen, das Apikaihorn stumpf, kurz, meist gerade, selten 
etwas gebogen, drei Apikalhörner vorhanden, zugespitzt, voneinander 
abstehend, manchmal gespreizt, das dritte linke Antapikalhorn sehr 
klein oder gar nicht vorhanden. Im Winter und Sommer vorkom- 
mend. Im Dezember waren sie 120 — 150^ lang, während sie im 
September eine Länge von 100 — 130 hatten.^) 

Asfrr 'ionella gracillima hat eine Länge von 70— 80 und 
kommt im Dezember und September vor, doch nicht in großen 
Mengen. 

I'' t'ff (j llhir ia crofonrnsls, 80 — 100 // lang, k(mimt im llcrhsl 
Kchr häufig vor, im D(!zembcr weniger häufig. 

*) Verß^l. Yj. /('(Ici ha ikt, ('cnUtuju hirundindla in den ö.sterreicliiNclicn 
AIpcnHcen. ((Mterr. hotan. Zeitnclir., Nr. \ und ü.) 



Die paläarkt. Arten der Staphyliniden-Gattungen Deh'phrum Er. etc. 241 



Die paläarktischen Arten der Staphyliniden- 
Gattung'en Deliphrum Er., Phyllodrepoi- 
dea Granglb. und Mannerheimia Mäkl. 

Bearbeitet von 
G. Luze (Wien). 
(Eingelaufen am 22. Dezember 1904.) 



I. Genus Deliphrum, 

Er., Kf. M. Brand.; Gen. et Spec. Stapli., 872. — Kraatz, 
Nat. Ins. Deutschl., 1858, II, 951. — Jacqu. Duval, Gen. Col. d'Eur., 
II, 73. — Thoms., Skand. Col., III, 197. — Fauv., F. g.-rb., III, 
95. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, XXVII, 1880, 110. — Mäklin, 
Ofvers. Finsk. Vetensk.-Soc. Förliandl., XXII, 1879/80, 80. — 
Gangib., K. M., II, 723. 

Kopf mäßig nach abwärts geneigt, hinter den Ozellen mit 
schmaler, scharf eingegrabener Querfurche, vor den Ozellen jeder- 
seits mit einer ungefähr gegen die Fühlerbasis verlaufenden Schräg- 
furche, die Stirne über der Fühlerwurzel jederseits leicht aufgeworfen, 
hinter den Augen mit wohl entwickelten (Arpediopsis) oder ohne 
eigentliche Schläfen (Deliplirum ver.), in diesem Falle aber — wie 
bei den Arten der Gattung Lathrimaeum — mit deutlich entwickelter 
Orbitalleiste. 

Halsschild schwach (algidum) oder stark quer (tedum), die 
Vorderwinkel deutlich (frigidum) oder nicht weiter als die Mitte 
des Vorderrandes nach vorne gezogen (tedum), die schwach 
(tedum) oder kräftig gerundet erweiterten (frigidum) Seitenränder 
schmal gekehlt abgesetzt, jederseits mit deutlichem Lateralgrübchen, 
jhinter demselben leicht (tedum) oder kräftig rinnig eingedrückt 
(frigidum). Zwischen diesem Längseindrucke und dem Seitenrande 
ist eine stumpfe Falte (Lateralfalte) ± deuthch erkennbar, ein 

Z. B. Ges. Bd. LV. 16 



242 



G. Luze. 



ziemlicli augenfälliges und gutes Charakteristikon der paläarkti- 
schen^) Arten der Gattung. 

Flügeldecken nach rückwärts =fr kräftig verbreitert, etwa 
doppelt (frigidum) oder mein- als doppelt so lang wie der Hals- 
schild (technn), stark (frigidum) oder ziemlich matt glänzend 
(tecium), die Hinterränder in beiden Geschlechtern ziemUch gerad- ' 
linig abgestutzt, die Seitenränder schmal (tectum) oder breit gekehlt 
abgesetzt (frigidum). Die Kandung verschwindet innerhalb der ,| 
Rundung am Hinterrande der Flügeldecken, diese daselbst mit i 
kurzen weißen, mikroskopischen Börstchen bewimpert. " 

Abdomen mit breit und flach abgesetzten Seitenrändern, gegen 
das Ende jäh verschmälert, zwischen der zarten, weitläufigen Punktu- 
lierung mit feiner, querrissiger Grundskulptur. Aus den Pünktchen ; 
entspringen kurze weiße Börstchen. Fünftes Segment der Oberseite 
mit zwei silberhellen Tomenten. Die Segmente zeigen jederseits 
neben den verbreiterten Rändern einen narbigen Eindruck in Gestalt 
einer flach grübchenförmigen Vertiefung. 

Fühler wenig gestreckt, gegen das Ende deutlich verdickt, i 
den Hinterrand des Halsschildes wenig überragend {JDdiplmim ver.) 1 
oder sehr gestreckt und gegen das Ende kaum verbreitert, fast die " 
Quermitte der Flügeldecken erreichend (Ärpediopsis) . 

Beine kurz, die Schenkel stark verdickt, die Schienen mit 
mehreren Längsreihen kräftiger, starrer Dornen bewehrt, dazwischen 
behaart, die Tarsen des ersten Beinpaares nicht (9) oder deutlich 
(cf) erweitert, die Endglieder der Tarsen aller Bcinpaarc gestreckt, 
das Basalglied am zweiten und dritten Paare nur wenig länger als I 
das folgende Glied. Die ziemlich kräftigen Klauen zeigen unter 
dem Mikroskope an der Basis eine deutliche stumpf zahnartigc 
Erweiterung. 

Die ({csclilechter sind — wie bei Lathrimaeum, Olophrwii de. 
— auch am Ende der Oberseite des Abdomens^) erkennbar. 

Wir liättcn oh mit (mikmii ( iutt lln^,^slIK'rklll;^l(; /ii lim, fjill.s ;ui(li <li< 
von CaH(;y (1803) IxjflcliriolxüMüi k.'iliforiiiHclicn Arten (aequicollc, occidmm) || 
dic8C8 ganz cif^onartigc Merkmal aufwiciBcn. (| 

«) Hclion Zcttorflt(!(lt (IS'IO) unterHchicd die (jieselileclif er miiI" diese 
WHho. Kr Helireibt bei /). (Omnlium) tcclmii „Muh.: mim» neiilo, piloSO. 

Fl'Iii.: ano blMtyiato" (Iuh. l.appoii., 50). 



j Die paläarkt. Arten der Staphvliniden-Gattimgeu Dellphrian Er. etc. 243 

I 

Xacli der Bildung der Mundteile — insbesondere der Lippen- 
raster — dem Genus Lafhrimaeum nahe stehend, 
i Die präparierten Mundteile zeigen unter dem Mikroskope 
I nachstehendes Bild : Die (ziemlich nierenf örmig gestaltete) Oberlippe 
i stark quer, lederig, die Außenenden verrundet, der Vorderrand breit 
iund seicht ausgebuchtet, mit einer häutigen Membrane, die jeder- 
iseits dicht mit längeren, nach innen gewendeten Haaren^) geziert 
ist. Hinter dem Yorderrande zeigt sich eine Querreihe langer Tast- 
borsten. 

Außenladen der Maxillen kurz, gegen das Ende nur leicht 
verbreitert, etwas länger als die Innenladen, der Basalteil lederig, 
der Endteil häutig, daselbst am Innenrande mit kurzen Härchen 
I dicht, am Außenrande mit längeren divergierenden Haaren mäßig 
dicht besetzt. 

Innenladen der Maxillen mit schmal lederigem Innenteile und 
breiterem häutigen Außenteile, wenig kürzer und schmäler als die 
Außenladen, am Ende mit einem ziemlich kräftigen, geraden Greif- 
zahne, hinter demselben mit Dörnchen und Börstchen bewehrt. 

Mandibeln kurz und breit mit scharfer, schwach nach innen 
gekrümmter Spitze, die rechte Mandibel (vor der Mitte) mit 
schwacher, stumpf zahnartiger Erweiterung, die linke an der korre- 
spondierenden Stelle mit einer seichten Ausbuchtung. 
; Kiefertaster viergliedrig, das erste Glied kurz, das zweite 
jleicht gebogen und gegen das Ende verdickt, deutlich kürzer als 
idas Endglied, drittes Glied verkehrt kegelförmig, etwa I72iöal so 
lang als breit, das Endglied leicht konisch verengt, am Ende mit 
einigen kurzen Tastbörstchen, weniger als doppelt (etwa l^/^mal) 
iso lang wie das vorletzte Glied. 

' Zunge häutig, vorne breit, fast geradhnig abgestutzt, in der 
plitte schmal dreieckig ausgeschnitten,^) bis zum Ende des zweiten 
jGliedes der Lippentaster reichend, von den Nebenzungen in Gestalt 
bewimperter Lappen begleitet. 

Ähnlich, aber viel gedrängter als bei Geodromicus behaart. Dr. Kraatz 
beschreibt diese Behaarung als „verästelt". Meine drei Präparate (vonD. tectum) 
zeigen keine derartige Eigentümlichkeit. 

^) Ist das Präparat nicht straff ausgebreitet, so erscheint die Zunge am 
Vorderrande der ganzen Breite nach zb ausgeschnitten. 

16* 



244 



G. Luze. 



Lippentaster dreigliedrig, die Glieder an Dicke wenig von- 
einander verscliieden, erstes Glied deutlich länger als breit, etwas 
länger als das Endglied, das zweite sehr kurz, deutlich quer, erstes 
und zweites Glied mit je einer Tastborste, das konisch verschmälerte 
Endglied mit einigen kurzen Tastbörstchen an der Spitze. 

Kinn quer, trapezförmig, lederig, am Vorderrande ziemlich 
schmal häutig gesäumt. 

Die wenigen Arten dieser Gattung bewohnen das mittlere 
und nördliche Europa, Sibirien und Nordamerika (Kalifornien). Sie 
leben im Vorfrühlinge (oft auch im Spätherbste) unter Moos, Laub 
und Rinden, an Pilzen und ausfließendem Safte der Bäume im 
Gebirge, daselbst mitunter (tedum) hoch emporsteigend. 

Bisnun sind drei paläarktische und zwei nearktische Arten 
der Gattung bekannt geworden. 



Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Kopf ohne eigentliche Schläfen, Fühler gedrungen, gegen das 

Ende deutlich verdickt, ihre vorletzten Glieder höchstens so 
lang als breit (Deliplirum verum) 2 

— Kopf mit deutlichen Schläfen, Fühler schlank, gegen das Ende 

kaum verdickt, alle Glieder länger als breit (Arpcdiopsis). 

3. algidum Er. 

2. Vorderrand des Ilalsschildes jederseits sehr seicht ausgebuchtet, 

die Vorderwinkel nicht weiter als die Mitte des Vorderrandes 
nach vorne gezogen, FHigeldcc-ken dicht und fein punktiert, 
die Seitenränder der letzteren sehr schmal gekehlt abgesetzt. 

2. tectum Tayk. 

— N'orderrand des 1 lalsschikles jederseits deutlich ausgebuchtet, 

die Vordervvinkel weiter als die Mitte des Vorderrandes nach 
vorne gezogen, Flügeldecken kräftig und wenig dicht ])unk- 
ti(;rt, die Seitenränder der letzteren breit gekehlt abgesetzt. 

1. friß i du 711 J. Sali 1 hg. 



Die palaarkt. Arten der Stapliyliuiden-Gattimgeu iJdiphram Er. etc. -45 



A. Deliphrum verum. 

1. Delij^hnmi frigicliim J. Salilbg:.. Sveusk. Vet. Ak. HauclL, 
1880, Bd. 17, 4, 108. 

Kopf, Abdomen und Halsschild schwarz, letzterer mit deiit- 
Hebem Erzglanze, Basis der Fühler, die Ränder des Halsschildes, 
die Spitze des Abdomens sowie die Flüg-eldecken rotbraun. 

Vorderrand des Halsschildes jederseits deutlich ausgebuchtet, 
die Vorderwinkel weiter als die Mitte des Vorderrandes nach vorne 
gezogen, die Seitengrübchen kräftig, hinter denselben jederseits 
mit breiter Längsrinne, die Lateralfahe wenig augenfällig, die Hinter- 
i Winkel breiter verrundet als die Vorderwinkel, wie der Kopf ziem- 
! lieb kräftig und wenig gedrängt punktiert. 

j Flügeldecken kaum doppelt so lang als der Halsschild, nach 
! rückwärts kräftig verbreitert, die Seitenränder breit i^uach rückwärts 
' allmähhch breiter gekehlt abgesetzt, kaum schwächer glänzend 
als der Halsschild, etwas stärker und dichter als dieser punktiert. 

Abdomen fein und weitläufig punktuliert, zwischen den 
Pünktchen mit zarter, querrissiger Grundskulptur. 

Fühler etwas länger als Kopf und Halsschild zusammengenom- 
men, gegen das Ende verdickt, das vorletzte Glied schwach quer. 

d. Tarsen des ersten Beinpaares deutlich verbreitert. 

Von fecfum durch stärkere und weitläufigere Punktierung. 
I größereu Glanz der Flügeldecken, breit und kräftig rinnig vertiefte 
I Seiten des Halsschildes sowie durch kürzere, seitlich breit gekehlt 
I abgesetzte Seitenränder der Flügeldecken verschieden. 

Länge: o-b mm. — Verbreituug: Ll'sprünglich aus Xordwest- 
Sibirien, später aus dem Altai i Koll. Reitter ) bekannt geworden. 

2. Deliphrum tecturn Payk.. Mon. Staph., 68. 

Er., Kf. M. Brand., 1, 627 ; Gen. et Spec. Staph., 872. — Kraatz, 
Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 952. — Thoms., Skand. Col., III. 107. 
— Fauv., F. g.-rh.. III, 95. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
117. — Gangib., K. M., II, 723. 

Z). (OmaUi(m) laeve Gravh., Mou. Col. Micr., 211. 

In der Färbung mit frlgidum übereinstimmend. 



246 



G. Luze. 



Halsschild jederseits am Vorderrande ausgebuclitet, die Vorder- 
winkel nicht weiter als die Mitte des Vorderrandes nach vorne ge- 
zogen, hinter den Seitengrttbchen seicht rinnig eingedrückt, die Lateral- 
falte jederseits deutlich entwickelt, glänzend, wie der Kopf dicht und 
fein punktiert, längs der Mitte schmal linienförmig niedergedrückt. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang wie der Halsschild, 
nach rückwärts kräftig verbreitert, die Seitenränder schmal gekehlt 
abgesetzt, mit Fettglanz, deutlich schwächer als der Halsschild 
glänzend, etwas stärker und dichter als dieser (aber immerhin noch 
fein) punktiert. 

Fühler etwas länger als Kopf und Halsschild zusammengenom- 
men, gegen das Ende verdickt, das vorletzte Glied schwach quer. 

Von frigidtim durch dichtere und feinere Punktierung, seicht 
eingedrückte Seiten des Halsschildes, deutlichere Lateralfalten des- 
selben^ durch längere, matt glänzende, seitlich schmal gekehlt ab- 
gesetzte Flügeldecken sowie durch schlankere Gestalt verschieden. 

d. Tarsen des ersten Beinpaares schwach verbreitert. 

Länge: S'b~4mm. — Verbreitung: Mittel- und Nordeuropa, 
Ostsibirien (Quellgebict des L'kut). — Vorkommen: Im Vorfriihlinge 
und Spätherbste unter Moos, Laub, an Pilzen und am ausfließenden 
Baumsafte, bis an die Grenze der alpinen Region emporsteigend. 

B. Arpediopsis Gangib. (Subgenus.) 
JJelipJtrum algidiim Er., Gen. et Spcc. Staph., 874. 

Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 1858, II, 95:5. — Fauv., F. g.-rb., 
III, — Picy, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 115. - (Janglb., 
K. M., H, 724. 

Kopf, llalsscliild und vXbdoinen schwarz, l^'liigeldcckcn riUlicli- 
braun, das (M'ste Fiibicrglied und die Ijcine rotgelb. 

Kopf hinter den Augen mit kurzen, aber deutlichen Scldäfcn, 
HalsHcliild schwach (picr, seitlich sanft gerundet erweitert, am Vorder 
randc jcdcrscilK seicht ausgebuchtet, di(5 Vorderwinkcl nicht weiter 
als die .Mitte des Vorderrandes nach vorne gezogen, wie der Kopl 

') Von mir in Kiirnicn fOliii) in der Niilic der r.;iiiMi;;i('ii/«' iinlri' I/HiIi 
in (IcMt;llHcliaft (Ich TarhinuH Inliusculus Ki<!M\v. üii^nitronion. 



Die paläarkt. Arten der Staph3iiniclen-Gattmig-en Beliplivum Er. etc. 247 



fein und wenig- dicht punktiert, hinter den SeitengTübchen schmal 
' rinnig vertieft, die Lateralfalte jederseits deutlich entwickelt, die 
Hinterwinkel kaum so breit als die Vorderwinkel verrundet. 

Flügeldecken nach rückwärts mäßig verbreitert, mehr als 
, doppelt so lang wie der Halsschild, die Seitenränder schmal gekehlt 
i abgesetzt, mehr als doppelt so stark (und dichter) als der Halsschild 
j punktiert, außerdem (wenig augenfällig) mit fast zu (drei) Längs- 
! reihen geordneten großen Punkten weitläufig besetzt, rückwärts in 
beiden Geschlechtern^) ziemlich geradlinig abgestutzt. 

Abdomen sehr fein und weitläufig punktuliert, im Grunde mit 
zarter, querrissiger Skulptur. 

Fühler lang behaart, gegen das Ende kaum merkbar verdickt, 
sehr gestreckt, fast die Quermitte der Flügeldecken erreichend, alle 
i GHeder länger als breit. 

cf. Tarsen des ersten Beinpaares kräftig verbreitert. 
Durch die gestreckten Fühler sowie durch die Schläfenbildung* 
vorzüglich charakterisiert. 

Im Habitus einem Ärpedium recht ähnlich. Von solchem 
durch die Lateralfalte jederseits am Halsschilde schon äußerlich zu 
unterscheiden. 

Länge: 4 — b mm. — Verbreitung: Bisher aus Thüringen, 
Bayern, Savoyen, vom Harz (v. Heyden), aus Kärnten (Dobratsch: 
Reitter) und aus Niederösterreich (Lunz: Hab er fein er) bekannt. 
— Vorkommen: Im Vorfrühling und Spätherbst an Schneelagen 
im Laube. 



II. Genus Phyllodrepoidea Ganglb. 

(Käfer Mitteleur., II, 724.) 

Diese Gattung enthält nur eine Art, die Gangib au er auf 
Grund augenfälliger äußerlicher Merkmale von Deliplmim — welchem 
Genus Erichson die Art zugeteilt hatte — trennte. 

^) Nach der Original beschreibimg Erichsons sowie nach der Diagnose 
von Kraatz sind die Flügeldecken des § am Ende schief abgestutzt. Mir 
liegen nur zwei männliche Exemplare der Eppelsheim sehen Sammlung, 
ferner ein und ein 9 der Sammlung Keitter vor. Einen Unterschied 
zwischen ^ und 9 in genannter Eichtung kann ich nicht bestätigen. 



248 



G. Luze. 



Kopf schwach nach abwärts geneigt, hinter den großen Augen 
jederseits eingeschnürt. Die Einschnürung verschwindet bei den 
Ozellen oder setzt sich als sehr unbedeutende Andeutung einer 
solchen quer Uber den Scheitel fort. Durch diese Scheitelbildung 
unterscheidet sich Pliyllodrepoidea wesentlich von dem Genus Beli- 
plirum, stimmt jedoch in der Stirnbildung mit diesem überein. 

Das für Dellplirum charakteristische Seitengrübclien sowie die 
Lateralfalte jederseits am Halsschilde fehlen dieser Gattung. 

An den Flügeldecken dagegen sind die Ränder derselben von 
den Schultern bis zum Nahtwinkel deutlich gerandet, während bei 
Deliplmnn die Eandung innerhalb der Rundung verschwindet. 

Schienen wie bei Beliphrum mit mehreren Längsreihen kräftiger, 
starrer Dornen bewehrt. 

Fühler den Hinterrand des Halsschildes etwas überragend, 
gegen das Ende deutlich verdickt, die vorletzten Glieder aber immer 
noch so lang oder etwas länger als breit. Ganz merkwürdig schmal 
und klein ist das vierte Fühlerglied, seiner Masse nach kaum halb 
so bedeutend als das fünfte GHed. 

Durch die genannte Fühlerbildung unterscheidet sich die 
Gattung wesentlich vom Genus Fhijllodrepa, mit dem sie im Habitus 
große Ähnlichkeit aufweist. 

Das Abdomen trägt am vierten Segmente der Oberseite zwei 
silberhelle Tomente, ein Merkmal, das auch dem Genus Fhyllod/repa 
zukommt. Die Segmente zeigen jederseits neben den verl)r(Mterten 
Rändern einen narbigen P^indruck in Gestalt einer fiacb grübchcn- 
nirmigcn Vertiefung. 

Die präparierten Mundteile zeigen unter dem Mikroskope nach- 
stehendes Rild: Die (ziemlicli nicrenf()rniig gestaltete) ()berli|)pe 
stark (juer, lederig, vorne mit /iemlich breitem, liäutigeni, tief aus- 
gebuchtetem Saume, am Vorderrandc jederseits mit langen, nach 
innen gewendeton Haaren dicht besetzt, oberseits am lederigon 
'J'cih; mit (H)) ziendich in eine Querreihe g(!stellten langen, am 
häutigen Tcih! mit (()) kürzeren 'i'astborsten. Innerhalb der ver- 
rund(!ten Auß(;nend('n befinden sich überdies noch jederseits zwei 
iein(; lange; und eine kürzere) 'l'astborsten. 

Man(lil)eln kräffi;;', jede; derselben mit langer, Hcharfer, nach 
innen -ckclirler Spitze, die nchle Mandihel an der Kriiniiniiiig mit 



Die paläarkt. Arten der Staphyliniden-Gattuugen DdipJinim Er. etc. 249 



kurzer, stumpfer, zahnartiger Erweiterung-, die linke einfach, beide 
im Grunde dicht bebartet. 

Außenladen der Maxillen lederig, am Außenende häutig, am 
Ende mit einigen kurzen, stumpfen Zähnchen bewehrt, dazwischen 
kurz pinselförmig behaart^ der Innenrand wie der Außenrand mit 
längeren, leicht gekrümmten Haaren undicht besetzt. 

Innenladen der Maxillen außen lederig^ der Innenteil häutig, 
am Ende mit einem kräftigen, leicht gekrümmten Greifzahne, hinter 
demselben mit einigen kürzeren Zähnen bewehrt, hinter der Be- 
zahnung mit längeren Haaren dicht bewimpert. 

Kiefertaster viergliedrig, sehr schlank, erstes Glied kurz, das 
' zweite leicht gebogen, gegen das Ende keulig verdickt, beträchtlich 
, kürzer als das Endglied, zweites Glied verkehrt kegelförmig, l^/gmal 
so lang als breit, das Endglied schlank, in der Endhälfte leicht 
konisch verjüngt, mal so lang als das vorhergehende Glied, so 
j lang als die zwei vorhergehenden Glieder zusammengenommen. 
' Lippentaster dreigUedrig, die Glieder von abnehmender Dicke, 
j erstes Glied 1^/^mal so lang als breit, zweites fast so lang als breit, 
j halb so lang als das erste, das Endglied gestreckt eiförmig, doppelt 
so lang als das vorletzte Glied. 

Zunge häutig, bis zum Ende des zweiten Gliedes der Lippen- 
taster ragend, der Vorderrand tief bogig-winkelig ausgerandet (die 
Kurven konvex verlaufend), von den Nebenzungen in Gestalt zart 
bewimperter Lappen begleitet. 

Kinn quer, trapezförmig, lederig, der Vorderrand ziemlich breit ^ 
häutig gesäumt, der lederige Teil jederseits mit einer langen Tastborste. 

Die Mundteile dieser Gattung zeigen mehrfach (Oberlippe, 
I Lippentaster, Zunge) große Ähnlichkeit mit denen des Genus Oma- 
! Uum, so daß bezüglich dieser die Gattung dem Genus Omalkwi 
näher steht als dem Genus Belipliriim. 

Thylloärepoiclea crenata^) Crravh., Micr., 114. 

Er., Gen. et Spec. Staph., 873. — Kraatz, Nat. Ins. Deutschi., 
1858, II, 954. — Jacqu. Duval, Gen. Col. d'Eur., H, PI. 21, Fig. 131. 

^) Gozis will (ganz unnützer Weise) den Namen crenata in creaforis 
abändern (Rech, de l'esp. typ., 1886, 15). 



250 



G. Luze. 



— Faiiv., F. g.-rh., III, 96. — Rey, Ann. Soc. Linn. Lyon, 1880, 
112. — Gangib., K. M., II, 724. 

In der Normalfärbung Kopf und Abdomen pecbscbwarz, Hals- 
sebild und Flügeldecken peebbraun, Mund, Basis der Fübler und 
Beine rötlicbgelb. Oft ist der ganze Käfer bis auf Kopf und Fühler 
braun, häufig die Scheibe des Halsschildes dunkler als die Ränder 
desselben. 

Augen groß, mäßig hoch gewölbt. Kopf hinter den Augen 
mit konisch verengten Schläfen, hinter diesen jederseits einge- 
schnürt. Die Einschnürung reicht nach innen bis zu den Ozellen, 
verschwindet daselbst oder setzt sich als schwache Andeutung einer 
Einschnürung quer über den Scheitel fort. Stirn e vor den Ozellen 
jederseits mit schmalem, vertieftem Schrägeindruck, innerhalb der 
Fühlerwurzel aufgeworfen und grübchenförmig vertieft. 

Halsschild 1^2 mal so breit als lang, vor der Mitte am breitesten, 
nach vorne und rückwärts fast geradlinig verengt, die Vorderwinkel 
schmal verrundet, die Hinterwinkel scharf, fast rechtwinkelig, die 
Seitenränder vorne schmal, nach rückwärts allmählich breiter ab- 
gesetzt, auf der Scheibe öfter mit grübchen förmigen Eindrücken, 
zwischen der feinen, ziemlich weitläufigen Punktierung fein chagri- 
nicrt, wodurch der Ilalsschild etwas matt glänzend erscheint. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, nach rück- 
wärts mäßig verbreitert, die Ränder von den Schultern bis zum 
Xalitwinkel schmal gekehlt abgesetzt, glänzend, die Punktierung 
dichter und mehr als doppelt so stark wie am Ilalsschilde, mit 
stumpfen Liingsrippen auf der Scheibe. Zwischen diesen Erhaben- 
heiten erscheint die Punktierung zu unregelmäßigen Längsreihen 
geordnet. Die I liiitcrränder der Decken erscheinen unter dem 
Mikroskojx' mit kurzen weißcui liörstchen bewimpert. 

Abdomen selir fein und weilläufig punktuliert, im Grunde 
mit feiner, (pierrissiger Skulptur, wodurch das Abdomen (wi(i der 
llalsscliildj matt gliinzeud crKchcint, viertes Segment der Oherseite 
mit zwei Hilbcrhellen 'I'omcmtcii. 

Flllilcr den Ilintcrrand des llalsscliildeH (itwas iihcrnigeud, 
die vorletzt(!n Glieder so lang als ])r(;it, das vierte (^lied kaum 
liall) so groß alH das fUnric. 



Die paliiarkt. Arten der Staphyliniden-Gattungen Deliphrnm Er. etc. 251 



Endglieder der Tarsen des letzten Beinpaares deutlich kürzer 
als die vier vorhergelienden Glieder zusammengenommen. 

cf. Tarsen des ersten Beinpaares deutlich erweitert. 

Bezüglich der Färbung sowie nach der Skulptur der Flügel- 
decken der PJiyUodrepa Salicis Gyllh. recht ähnhch. Von derselben 
außer anderen Merkmalen durch den Bau des Kopfes und der Fühler 
schon äußerlich wesentlich verschieden. 

Länge: 4-5 — bm^n. — Verbreitung: Mittel- und Südeuropa. 
Die mir vorliegenden Exemplare stammen aus der Walachei, aus 
Ungarn, Kroatien, Bosnien, Frankreich (Bordeaux), Italien (Toskana), 
Griechenland (Morea). Fauvel konstatiert das Vorkommen der Art 
in Deutschland, der Schweiz, auf Korsika und Sizilien. — Vor- 
kommen: Im Vorfrühlinge unter Rinden von Eichen, Pappeln und 
Nadelhölzern. 



III. Genus Mannerheimia') Mäklin. 

Mäkl., Svensk. Akadem. Handling., 1880, Bd. 18, Nr. 4, 39. 
— Gangib., K. M., II, 725. 

Kopf leicht nach abwärts geneigt, Scheitel ziemlich eben, 
Ozellen sehr verflacht und klein (unter der Lupe kaum erkennbar), 
vor denselben sehr leicht vertieft, innerhalb der Fühlerwurzel jeder- 
seits schwach aufgebogen und mit einem seichten, länglichen 
Grübchen geziert. Schläfen konvergent. Orbitalleisten fehlen. 

Augen ziemlich hoch (arcüca) oder flach gewölbt (diver gens). 
Fühler mäßig gestreckt, den Hinterrand des Halsschildes beträchtlich 
(arcüca) oder wenig überragend (clivergens), das vierte Glied viel 
(aber nicht in so hohem Maße wie bei FliyUoclrepoidea) kleiner als 
das fünfte, die vorletzten Glieder noch deutlich etwas länger als 
breit (arcüca) oder schwach quer (diver gens). 

^) Mannerheimia wurde von Mäklin als Genus g-egründet. Im Katalog 
(Heyd., Eeitt. et Weise, 1891, 119) erscheint dieser Name der (^attung 
Deliphrum Er. untergeordnet. Die Mäkl in sehen Typen (Homalium diver gens, 
affine, confusum und saginatum) befinden sich im Museum zu Stockholm. Wie 
mir Herr Dr. John Sahlberg berichtet, hat er dieselben seinerzeit gesehen. 
Mir war es nicht möglich, genannte Typen zur Einsicht zu erhalten. 



252 



G. Luze. 



Halsscliild quer, die Vorderwinkel schmal verruiidet, die Seiten- 
ränder hinter der Mitte stärker (arcticum) oder schwächer (divergens) 
niederg-edriickt, ausgerandet (arctimm) oder gerundet bis zu den 
Hinterwinkeln verlaufend (divergens), diese selbst schmal (arcticim) 
oder ziemlich breit verrundet (divergens). 

Flügeldecken etwa doppelt so lang als der Halsscliild, nach 
rückwärts stark (arcticum) oder schwach (divergens) verbreitert, 
von den Schultern bis zum Nahtwinkel gerandet, die abgestutzten 
Hinterränder überdies mit kurzen weißen, mikroskopischen Börstchen 
bewimpert. 

Abdomen breit, zum Ende jäh verschmälert, fein punktulicrt, 
im Grunde mit netzmaschiger Skulptur^ fünftes Segment der Ober- 
seite mit zwei schwach sichtbaren (aus wenigen silberweißen 
Börstchen gebildeten) Tomenten, die Segmente jederseits nahe den 
verbreiterten Rändern mit einem (variablen) narbigen Eindrucke, 
der (zumeist) als kleines Höckerchen neben einer flach grübchen- 
förmigen Vertiefung sichtbar ist. 

Die präparierten Mundteile zeigen unter dem Mikroskope nach- 
stehendes Bild: Die nierenförmige Oberlippe dreimal so breit als 
lang, seitlich halbkreisförmig gerundet, lederig, der Vorderteil häutig^ 
daselbst seicht und mäßig breit ausgerandet, jederseits in der Aus- 
randung mit längeren, nach innen gewendeten Haaren geziert, 
()])erseits mit einer Querreihe langer, an der Grenze zwischen dem 
lederigen und häutigen Teile mit kürzeren Tastborsten besetzt. 

Mandibeln breit, mit ziemlich langer, nach innen gewendeter, 
scharfer Spitze, die rechte Mandibel hinter der Mitte mit einem 
scharfen Zahne, die linke einfach. 

Aiißciiladcii der Maxillen schmal, lederig, am Ende i)inscl- 
föniiig bcliaart, am Außenrande mit (wenigen) zurückgekrümnitcn 
Haaren gezi(n"t. 

Innenladen etwas länger als die Außenladcn, größtenteils 
ledcrig, am Ende mit einem ziendich kräftigen, geraden Greif/ahno, 
hinter demselben mit kürzeren Zillinclien und Dörnchen bewehrt. 

Kief(;rtaKler vicM'giiedrig, (;rst(!H (ülied kurz, zweites gegen das 
Ende keulig verdickt, beträclillicli kiirz(;r als das Endglied, drittes 
(Flierl verkehrt ke/relfiM'mig, l'/|i"Jd so lang als breit, d;is Endglied 



Die paläarkt. Arten der Staphyliniden-Gattnngen Deliphmm Er. etc. 253 



in der Mitte am breitesten, im letzten Viertel ziemlich stark verengt^ 
mehr als doppelt so lang wie das vorhergehende Glied. 
! Zunge häutig, vorne breit und seicht dreieckig ausgerandet, 
! jederseits am Vorderrande mit leicht gekrümmten Haaren bewimpert, 
I von den fein bewimperten Nebenzungen bis zu den Außenenden 
begleitet. 

Lippentaster dreigliedrig, die Glieder von allmählich abnehmen- 
der Dicke, das erste Glied kaum so lang als breit, etwas kürzer 
als das Endglied, zweites Glied deutHch quer, das Endglied gestreckt 
eiförmig. 

Kinn mäßig quer, trapezförmig, lederig, mit konvex bogig 
begrenztem Vorderrande. 

Die Gattung umfaßt drei Arten, die bis jetzt in dem hohen 
Norden der paläarktischen Region, im südlichen Alpengebiete, in 
Turkestan sowie im Altai-Gebirge aufgefunden wurden. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Halsschild an den Seiten vor den Hinterwinkeln nicht ausge- 

buchtet, diese ziemlich breit verrundet 2 

— Halsschild an den Seiten vor den Hinterwinkeln ± ausge- 

buchtet, diese schmal verrundet . . . . l. arctica Er. 

2. Augen klein und flach, Flügeldecken kräftig und dicht punk- 

tiert 2. divergens Mäkl. 

— Augen größer und gewölbter, Flügeldecken fein und weitläufig 

punktiert 3. 7nicros Fslmy. 

1. Mannerheimia arctica Er., Gen. et Spec. Staph., 873. 

Thoms., Skand. Col., IH, 198. — Gangib., K. M., H, 725. 
M. affinis Mäkl., Ofvers. Finsk. Vetensk.-Soc. Förh., 1876/77, 
27. — M. confusa Mäkl., ibid., 27. — M. saginata Mäkl., ibid., 28. 

Glänzend, rotbraun, flach gewölbt. Kopf und Abdomen 
schwärzlich, Fühler (oder nur ihre Basis), Mund und Beine bräun- 
lichgelb. Mitunter erscheint die Scheibe des Halsschildes ± ge- 
bräunt; manche Exemplare sind einfärbig rotbraun. 

Augen ziemlich hoch gewölbt, Kopf breit, wenig uneben, fein 
und ziemlich dicht (gegen vorne erloschen) punktiert. 



254 



G. Luze. 



Halsscliild deutlich quer, die Punktierung variabel (meist be- 
träcbtlich feiner als die der Flügeldecken), in der Mitte mit (oft 
deutlich hervortretendem) glattem Längsbande, jederseits hinter der 
Mitte kräftig (und schräg) niedergedrückt, vor den Hinterwinkeln 
± deutlich ausgerandet, diese in der Anlage fast rechtwinkehg und 
sehr schmal verrundet. 

Flügeldecken etwa doppelt so lang als der Halsschild, flacher 
als dieser, längs der Naht meist etwas niedergedrückt, nach rück- 
wärts stärker (9) oder schwächer (d^) verbreitert, die Außenränder 
schmal gekehlt abgesetzt, die Hinterränder fein, aber deutlich ge- 
randet, stärker als der Halsschild, auf der Scheibe deutlich weit- 
läufiger als im übrigen punktiert, die Punkte ab und zu mit merk- 
licher Neigung zur Reihenbildung. 

Abdomen mit feiner netzmaschiger Grundskulptur und sehr 
weitläufiger Punktulierung. 

Beine schlank. Fühler den Hinterrand des Halsschildes deut- 
lich überragend, schlank, gegen das Ende mäßig verbreitert, die 
vorletzten Glieder so lang oder etwas länger als breit. 

cf". Tarsen des ersten Beinpaares einfach. 

Von divergens durch die Fühlerbildung, den Bau der Augen 
und des Halsschildes, durch die (auf der Scheibe viel weitläufigere) 
Punktierung der Flügeldecken, spärlichere Punktulierung des Ab- 
domens sowie durch breitere Gestalt hinlänglich zu unterscheiden. 

Länge: 2-5 — 3 mm. — Verbreitung: Schweden, Norwegen, 
Finnland, Lappland, arktisches Sibirien, südliches Alpcngebict.') 
— Vorkommen: Im Alpengcbicte ali)in an feuchten Bändern von 
Schncclagern. 

2. Mannerheimda divenjens MäkL, Ofvers. I^'insk. Vet(uisk.- 
Soc. F()rhandl., 1 870/77, 20. 

Mäkl., Svcnsk. Akadem. Ilandling., LSSO, Bd. IS, Nr. 4, p. :3{). 
71/. rirarift ,]. Sahlbg. i. 1. 

In (h'i- Färbung mit den dunklen Formen der (wclka llbcr- 
cinKtiiiiiiH'iKl. 

'y rr.M|»riiii;,Hir|i muh L;i|»)»I;iii(| l)<-k;iiiiil . Von llciiii KiihIos L. 
baiMT im .Soiiiiik t IüOI in ^TolW-r Z.ilil Sliir.scr Jodi (in den Milden von 



Die paläarkt. Arten der Staphyliniden-Gattungen Deliphnira Er. etc. 255 



Augen flach gewölbt, Kopf ziemlich schmal. Halsschild seit- 
lieh zu den Hinterwinkeln sauft gerundet verengt, jederseits leicht 
\^schräg) niedergedrückt, die Hinterwinkel ziemlich breit verrundet, 
vor der Mitte des Hinterrandes mit kurzem glatten Längsbande, so 
stark oder merklich schwächer als die Flügeldecken punktiert. 

Flügeldecken dicht (gegen das Ende etwas seichter) punktiert, 
! jederseits der Naht leicht rinnig eingedrückt; an diesen Stellen zeigt 
jdie Punktierung eine schwache Neigung zur Eeihenbildung. 
! Fühler kurz, den Hinterrand des Halsschildes nur wenig über- 
I ragend, gegen das Ende beträchtlich verdickt, die vorletzten Glieder 
i deutlich quer. 

Abdomen im allgemeinen (insbesondere an den vorderen Seg- 
menten) deutlich punktuliert. 
j cT. Tarsen des ersten Beinpaares einfach. 
' Von arctica durch flach gewölbte Augen, kürzere, stärker 
, verbreiterte Fühler, den Bau des Halsschildes, beträchtlich dichtere 
Punktierung der Flügeldecken, deutlichere Punktulierung des Ab- 
domens soAvie durch schlankere Gestalt verschieden. 

Länge: 2*5 — ^mm. — Verbreitung: Die vorliegenden Exem- 
plare stammen aus dem arktischen Sibirien (Tolstoinos, Polowinka, 
Samarovo), aus Schweden (Jemtland) und aus dem Altai- Gebirge 
(Koll. Reitter). — Vorkommen: In Schweden von Dr. John Sahl- 
berg alpin erbeutet. 

3. 3Iannerheimia micros Faiiv., Rev. d'Ent.^ 1900, 222. 

Halsschild und Abdomen mit Ausnahme ihrer Seitenränder 
schwarz, im übrigen mit divergens übereinstimmend. In der stärkeren 
Wölbung der Augen der arctica ähnlich, im Baue des Halsschildes 
der divergens näher stehend, die Hinterwinkel aber noch breiter 
verrundet und leichter niedergedrückt. Die Punktierung von Kopf 
und Halsschild etwas weitläufiger als bei letzterer. 

Flügeldecken fein und weitläufig, kaum stärker als der Hals- 
schild punktiert. Durch dieses Merkmal unterscheidet sich die Art 
wesentlich von divergens. 



Rindern) erbeutet; daselbst schon früher (28. Juli 1872) von Dr. Eppelsheim 
in einem männlichen Exemplar aufgefunden (2720 m Seehöhe). 



256 G. Luze. Die paläarkt. Arten der Staphyl.-Gattungen Bellphrum etc. 



Abdomen dichter und deutliclier punktuliert, Beine nierklicli 
gestreckter als bei letzterer. 

Länge: 2'b mm. — Turkestan, Berg Alai. Zwei Exemplare. 

Anmerkung. Die Art wird in der Origiualbeschreibung mit 
arctica verglichen, von der sie sich auch durch kürzere und dün- 
nere Fühler unterscheidet. Das mir durch die Güte des Autors 
vorliegende typische Exemplar präsentiert sich fühlerlos. 



Referat. 

Schulz, W. A. Hymenopteren-Studien. Leipzig, Engelmaiin. (8''. 147 S. 
mit 13 Abbildungen. 1905.) 

Verfasser übergibt in diesen Studien drei inlialtlicli voneinander ganz 
unabhängige Arbeiten der Offen tliclikeit: 

I. Beiträge zur Kenntnis der Hymenopterenfauna Afrikas. 
II. Neue Gattungen und Arten der Trigonaliden. 
III. Hymenopteren Amazoniens. (II.) 

Die erste Arbeit umfaßt die Bearbeitung melirerer Reiseausbeuten aus 
Äthiopien, Marokko, Algerien, Tunesien und von den Kanarischen Inseln. 
Sie enthält viele interessante Daten über bereits bekannte Arten, Berichtigungen 
und Ergänzungen zu den Beschreibungen, synonymische und geographische 
Bemerkungen nebst mehreren neuen Arten. 

In der zweiten Arbeit wird die liochinteressantc und noch wenig be- 
kannte Familie der Trigonaliden eingehend behandelt. Es werden drei Unter- 
familien unterschieden: Trüpnalinae Cam. (mit Trlgonalys und Orlhogonalys 
n. g.), Plaiygontilinae n. subf. (mit IHatygonalys n. g.) und Nomadininae Cani. 
(mit Nomadina Westw. und Lioba Cam.). Zweifellos erscheint nunmehr fest- 
gestellt, dafj die Trigonaliden in Wespennestern schmarotzen. 

Die dritt(! Arbeit enthält viele wertvolle Angaben über den Nestbau 
siidanicrikanischer Wespen n(!bst deskrii)tiven und anderen Notizen. 

A. llandlirsch. 



Bericht der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 20. Jänner 1905. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Bei der zu Beginn der Sitzung stattfindenden Neuwahl für 
das Jahr 1905 wurden die bisherigen Funktionäre der Sektion 
wiedergewählt. 

I Herr Emanuel Rogenhofer hie^^ einen Vortrag: „Über 
variationsstatistische Untersuchungen an Gentiana verna 
L. und Gentiana Tergestina Beck." Der Vortragende behan- 
delte zunächst in kurzen Zügen die historische Entwicklung der 
Variationsstatistik insbesondere auf botanischem Gebiete, auf dem 
isie namenthch durch die Untersuchungen von Ludwig und H. de 
IVries der Wissenschaft schon manchen Dienst geleistet, und führte 
an der Hand klarer Beispiele die wichtigsten variationsstatistischen 
Methoden und Probleme vor. Hauptsächlich besprach er die ver- 
schiedenen Arten der sogenannten Variationskurven, die er bei 
iscinen Untersuchungen auch mit Erfolg angewendet. In eingehender 
Weise schilderte er seine Messungen, die er an der Länge und 
jBreite der Rosettenblätter der beiden Gentiana -Arten^ namentlich 
juit Berücksichtigung der durch die geographische Verbreitung 
gegebenen Grenzstandorte, wie Laibach und Adelsberg, ausführte. 
Infolge derselben war es ihm nicht nur möglich, die Variations- 
i-ähigkeit der beiden Spezies genau durch Kurven zur Darstellung 
;5U bringen, sondern auch wichtige Anhaltspunkte für den phylo- 
l^enetischen Zusammenhang und die Art und Weise der Entstehung 
ier einen Art aus der anderen zu geben. 

Herr Dr. 0. Forsch hielt einen Vortrag: „Über den Wert 
les Zeichnungstypus der Orchideenblüte als phyletisches 
Merkmal." 

z.B. Ges. Bd. LV. 17 



258 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Die befriedigenden Ergebnisse, welche ein vergleichendes 
Studium der Variation der Blütenzeichnung bei den einheimischen 
Galeopsis -Arten ergab/) veranlaßte den Vortragenden, gelegentlich 
der Bearbeitung der Orchideenausbeute der im Jahre 1901 unter 
Leitung Prof. v. Wettsteins unternommenen Expedition der kais. 
Akademie der Wissenschaften nach Südbrasilien bei Gattungen mit 
reich entwickelter Blütenzeichnung die systematische Bedeutung 
der letzteren zu untersuchen. Seine Untersuchungen erstreckten 
sich auf die Gattungen Masdevallia, Fletirotliallis und Oncidium, 
von denen er einige der auf die erste und letzte Gattung bezüg- 
liche Untersuchungsergebnisse mitteilte. 

Während innerhalb der Gattung Oncidium die Blütenzeichnung 
ausgezeichnete Speziescharaktere abgibt, ist bei Masdevallia die 
Konstanz des Zeichnungstypus für die Abgrenzung der Arten einer 
ganzen Sektion charakteristisch, so für M. paidensis Barb. Rodr., 
M. sessilis Barb. Rodr. und der vom Vortragenden neu aufgestellten 
M. zebrina Forsch. Sämtliche drei Arten sind durch gelbe oder 
grüne Grundfarbe der Sepalen und durch eine purpurbraune Fleckung 
derselben charakterisiert, wobei die Flecken die Tendenz zeigen, 
am dorsalen Sepalum sich in Querreihen, auf den seitlichen Sepalen 
sich in Längsreihen aufzulösen. 

Besonderes Interesse verdient nach dieser Richtung hin die 
artenreiche Gattung Oncidkim, weil hier der schier endlosen 
Variationsweite in Ikzug auf die Abtönung der Grundfarbe und 
die morphologischen Merkmale der Blütcnhiillhlätter eine auffallende 
Konstanz des Zeiclinungsty])us entgegensteht. Von den vom Vor- 
tragenden daraufhin untersuchten Arten seien hier bloß einige wenige 
angeführt. 

Bei (). innnilmn Lindl., wo der Vortragende auf Grund der 
reichen AufHammlungen der Expedition und hei der Kciclihliitigkeit 
der InflorcHzenzen di(;ser Art mehrere tauscndc lebender l^lllten 
zu untersuchen Gehjgenlicit hatte, besitzen die Sepalen und PcJulcn 
eine; grüne bis goldgisüx; Grundfarbe. WeiterH sind sie durch den 
liesitz purj)urhrauii(;r bis fcu(;rrot(;r Fleckchen ausgezeichnet. Daß 

V^'l. O. I'orscli, Die, ÖMlcncichiHclH'ii (lalcopHis- der Hilter- 
^fattiiMK Tclrnhil Kcichl». ( Al»li;in(il. <l. U. k. y.ool. hot.'Ui. (ioHollHcli. in Wien, 1008.) 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



259 



[ dreilappig-e Labelliim dagegen besitzt bei maximaler Farbstoff- 
ablageruDg in der Außenhälfte der Seitenlappen einen konstant 
parallel dem Anßenrande verlaufenden Längsstricb. Bei geringerer 
I Farbstoffproduktion treten an Stelle dieses Striches zwei oder drei 
Fleckchen, welche sich nicht nur in ihrer Längsstreckung, sondern 
auch in ihrer gegenseitigen Lage deutlich als Bestandteile dieses 
i Längsstriches erweisen. Bisweilen findet sich bloß ein einziger 
Fleck, aber auch in diesem Falle ist derselbe in der Richtung des 
Längsstriches verlängert. Konstant ausgeschlossen dagegen 
erscheint jede andere Verteilung mehrerer Flecke außer- 
halb des Verlaufes des Längsstriches sowie jede Fleckung 
der Innenhälfte der Seitenlappen oder des Mittellappens, 
obwohl gerade die Fleckung des Mittellappens bei an- 
Ideren Arten der Gattung Speziescharakter ist und die 
'Blüte, wie die reiche Fleckung der Sepalen und Fetalen 
jzeigt, über eine große Menge Farbstoffes verfügt. 
! Dieselbe Konstanz des Zeichnungssystems gilt für 0. ptdvi- 
\natinn Lindl., 0. crispum Lindl., 0. longkornu, 0. Hoo'keri u. a.. 
welche der Vortragende an der Hand farbiger Abbildungen und 
Zeichnungen ausführlich erörterte. 

Ein weiteres interessantes Vorkommen betiifft 0. hiflorum 
^Barb. Rodr., weil hier der seltene Fall einer geographischen 
Gliederung vorliegt, welche sich in der Zeichnung der 
jBlüte ausspricht. Diese Art erscheint in drei geographischen 
Rassen, welche der Vortragende als „Küstenforin", „Savannenform" 
und „Form des subtropischen Regen waldes" unterschied. Wie sich 
Prof. V. Wettstein am natürhchen Standorte überzeugen konnte, 
wiesen diese drei Rassen in der Färbung und Zeichnung der Labellar- 
warzen und ihrer Umgebung, dem Ton der Grundfarbe, der Breite 
der braunen Querbinden, der Blütengröße und der Berandung der 
1 Säulenflügel deutliche Rassenunterschiede auf, welche sich in einer 
idreijährigen Kultur bisher konstant erhalten haben. 
I Zum Schluße wies der Vortragende auf die phylogenetische 
'Bedeutung der Konstanz des Zeichnungstypus hin. Bei dem im 
allgemeinen relativ geringen Insektenbesuche und der häufigen 
Autogamie vieler Orchideen dürfte es sich hier um erbliche 
Fixierung ehemals als Merkmale der Anpassung an die 

• 17* 



260 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Fremdbestäubung' erworbener Merkmale handeln, die gegen- 
wärtig zum größten Teile der Anpassungsnotwendigkeit 
entzogen, leicht konstant bleiben können. Es wären also 
Beispiele für die neuerdings von Wettstein betonte Umprägung 
von Anpassungsmerkmalen in phyletische Merkmale.^) 

Dagegen dürfte der Fall von 0. hiflorum wohl im Sinne einer 
adaptiv belanglosen bloßen direkten Bewirkung seitens der in 
den verschiedenen Verbreitungsgebieten einwirkenden veränderten 
äußeren Daseinsbedingungen zu erklären sein. Eine ausführliche 
Darstellung dieses Gegenstandes an der Hand zahlreicher farbiger 
Abbildungen enthält die demnächst in den Denkschr. d. kais. Akad. 
d. Wissensch, erscheinende Gesamtbearbeitung der Orchideen durch 
den Vortragenden. 

Herr Dr. A. v. Hayek demonstrierte die ersten zwei Liefe- 
rungen der von ihm herausgegebenen „Flora Stiriaca exsiccata". 



Versammlung am 17. März 1905. 
Vorsitzender: Herr Dr. E.Y. Haläcsy. 

Herr H. Freih. v. Handel-Mazzetti sprach über die Sektion 
„Ta/raxaca rhodotricJia" der Gattung Taraxacum. Dieselbe umfaßt 
10 in nahem phylogenetischen Zusammenhang stehende Arten, zu 
denen unter anderen auch Taraxacum scroünum (W. K.) Poir. und 
7'. hrssarahicum (Fisch.) DC. {= T. leptoceplialum Rchb.) gehören. 
Näheres darüber in einer demnächst erscheinenden selbständigen 
Arbeit. 

Herr .J. Nevole besprach die Vegetationsverhältnissc 
von Weichselboden, der Kräutcrin und des Ebenstein in 
OberRtcicrmark. 

Der Vorfra^'-(!ndc hat ansclilit^ßend an die Kcluni früher (hncli- 
gefllhrten karlograpliiscJicn Aurnalinicn (h>.s Ölsclicr nnd Diirrcnstcin 
in Nicderöstcrreich nnnmelir H(;ine Arb(Mi in Obersteiermark fort- 
^'C8ct/t nnd ziiciKf niif (h r Kriint(!rin (11)20»/) nnd einem Teil der 

V^,H. V. Wctt stein, I l:iii<lliiicli d. Hyntciii. l'.ol.-iiiiU, I, IIMII, S. .'{7--.S8. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 261 

HochschwabgTuppe (Ebenstein, 2224 7n, und Brandstein, 2003 m) 
, begonnen. 

' Die Gliederung' in Pflanzenregionen ist in diesem Gebiete die- 
i selbe wie im angrenzenden Niederösterreich, mit der alleinigen 
Ausnahme, daß die Gipfel der Hochschwabgruppe in die Hochalpen- 
regiou reichen. 

Der Vortragende unterscheidet folgende Regionen und For- 
mationen : 

I. Voralpine Waldregion. 
a) Fichtenformation. 
h) Buchenformation. 

c) Föhrenformation. 

d) Mischwälder. 

e) Hochmoore. 

f) Sumpfwiesen. 

g) Erlenauen. 

h) Alpine Enklaven. 
II. Krummholzregion. 

a) Formation von Pinns montana. 
h) Alpenmatten. 
c) Geröllflora. 

III. Alpine Region. 

a) Hochalpine Matten. 

h) Formation der Felsenflechten. 

IV. Kulturland. 
a) Bergwiesen. 

h) Getreidefelder und Äcker. 

Bei der Besprechung der Waldformationen wurde vom Vor- 
tragenden besonders auf die Höhengrenzen der Holzpflanzen Rück- 
sicht genommen und die Ergebnisse der Messungen mit älteren und 
neueren Autoren tabellarisch verglichen. Auch die außerordenthch 
vielen Einflüsse, auf welche schon ältere Pflanzengeographen, wie 
Kerner und Sendtner, hingewiesen, wurden kurz besprochen. 
Es seien unter diesen Einflüssen besonders die Exposition, die 
Feuchtigkeits Verhältnisse, Licht und Wärme und endlich die mecha- 



262 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



nisch-cliemische Beschaffenheit des Bodens erwähnt. Unter den 
Mischwäldern wurde des am Fuße des Brand- und Ebensteines in 
einem Erosionskessel eingelagerten „SchifFwaldes" als Urwaldes mit 
eigentümlicher Vermischung von Krummholz und voralpinem Wald 
Erwähnung getan. 

Bei den Formationen der Hochmoore und Sumpfwiesen wurden 
die für diese Gegend charakteristischen sehr kalten Quellenfluren 
hesprochen, welche hei sehr niedriger Wassertemperatur (Schieser- 
quelle bei Wildalpen, 5*5 ^ C. etc.) einen Verband von bestimmten 
Gewächsen zeigen. 

Von der Krummholzregion wurde die räumliche Ausbreitung 
des weiteren erläutert und auch die untere und obere Höhengrenze 
derselben (letztere nur am Hochschwab bestehend) besprochen. 

Die Alpenmatten, welche sich nach den tonangebenden Ge- 
wächsen in weitere Unterabteilungen trennen lassen, wurden mit 
ihren für diesen Florenbezirk charakteristischen Arten (Valeriana 
celtica, Gentiana Bavarica etc.) besprochen. 

Als tiefste Stufe der Vegetation in hohen Regionen kann die 
„Felsenflcchtenflora" genannt werden, welche aus charakteristischen 
Arten bestehend, sich mit dem nackten Fels begnügt. 

Herr Dr. A. v. Hayek demonstrierte schHeßlich das von der 
kgl. ungarischen Samenkontrolstation herausgegebene Exsikkaten- 
werk „Gramina hungarica exsiccata". 



Bericht der Sektion für Zoolog'ie. 

Versammlung am 10. Februar 1905. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

/iiiiiiclist hält der Vorsitzciub^ (h'.rn vcrstorbciicii I^ihrcniiiil- 
glicdc llofVat Vvoi'. Dr. Kricdricli liraiicr einen c.lirendeii Naclinir. 

Sofbmii (lf'm()iistri(;rtc, Herr Kustos Dr. Ludw. I^orcnz Kitt. v. 
IJInirii;iii das Skelett einer Dronte {DiduH incptm L.), welches 
kllr/lifh dein k. k. iialnrliislorisclicii I loliimscinii von (hassen Inten- 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



263 



idanten Herrn Hofrat St ein da ebner zum Geschenke gemacht worden 
war. Der Vortragende knüpfte daran einige Mitteilungen über den 
merkwürdigen Vogel, von welchen wir hier folgendes in Kürze wieder- 
geben. Schon die Portugiesen, welche anfangs des 16. Jahrhunderts 
die Insel Mauritius entdeckten, berichteten über das dortige Vor- 
kommen eines großen, des Fluges unfähigen Vogels, den sie als 
iDoudo bezeichneten. Genauere Berichte erhielt man aber erst später, 
jals zu Ende des genannten Zeitabschnittes und in der ersten Hälfte 
Ides 17. Jahrhunderts die Holländer wiederholt nach der Insel kamen 
und dieselbe besetzten. Durch sie gelangten Zeichnungen von dem 
I „ Walch vogel", auch „Dodars" und „Dronten" genannt, nach Europa 
und es wurde auch ein oder das andere Exemplar lebend nach 
Hause gebracht. Das Tier erregte allgemeines Interesse und der 
holländische Maler Savery hat den Walch vogel, offenbar nach dem 
Leben, auf verschiedenen seiner Bilder zur Darstellung gebracht. 
Ein solches befindet sich auch in unserem kunsthistorischen Hof- 
museum. Noch eine zweite bildliche Darstellung wurde in Wien in 
der kais. Privatbibliothek aufgefunden und G. v. Frauenfeld hat 
darüber eine Abhandlung geschrieben, welche 1868 durch die k. k. 
zoologisch-botanische Gesellschaft separat veröffenthcht wurde. Dieses 
[vom Niederländer Hoefnagel ausgeführte Bild ist jedenfalls auch 
nach der Natur gemalt und stellt nach des Vortragenden Meinung 
einen noch jungen Vogel vor; es wurde von anderer Seite die Ver- 
mutung ausgesprochen, daß derselbe vielleicht in dem Vivarium des 
Kaisers Eudolf II. lebend gehalten worden war. Im Jahre 1850 
fand man im Prager Museum ein Stück eines Schädels auf, das ein 
Rest dieses Exemplares sein könnte. 

Aus England liegen zwei Berichte vor, die dartun, daß dort 
Dronten lebend zu sehen waren, und zwar zu Oxford 1634 und in 
London 1638. Newton vermutet, daß das letztere Exemplar jenes 
sei. das später einige Zeit im ausgestopften'* Zustande in Oxford 
sich befand, dann aber über Auftrag vernichtet wurde, bis auf den 
Kopf und den rechten Fuß, welche noch heute einen wertvollen 
Schatz des Universitätsmuseums von Oxford bilden. Diese Reste, 
ferner ein linker Fuß im British Museum und ein Schädel im 
Museum von Kopenhagen bildeten lange Zeit die einzigen Reliquien 
der Dronte. 



264 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Erst 1865 wurde eine Anzahl Knochen in einer Uferbank auf- i 
gefunden, die dann das Materiale für die Untersuchungen Owens | 
bildeten, welcher die schon von Brodrip und Strickland ausge- ! 
sprochene Ansicht, daß die Dronte die nächsten Beziehungen zu 
den Tauben darbiete, bestätigte. Im Jahre 1889 wurden neuer- 
dings in größerer Menge Reste des Vogels ausgegraben, die nach 
Cambridge in Newtons Hände kamen. ' I 

Das für das Hofmuseum neu erworbene, schön montierte 
Skelett befindet sich im Ganzen in sehr gutem Zustande; es fehlen 
ihm jedoch die Schädelkapsel, die Schlüsselbeine, einige Flügel- 
knochen und mehrere Zehenglieder, die zum Teile durch künst- 
liche naturgetreu ersetzt sind. 

Außerdem war der Vortragende in der Lage, Abgüsse der 
vorerwähnten, in Prag, London und Oxford konservierten Reste || 
sowie zahlreiche Abbildungen des ganzen Vogels vorzulegen. 

Zum Schlüsse hielt Herr Dr. Viktor Pietschmann den an- 
gekündigten Vortrag: „Reisebilder aus Island." 



Versammlung am 10. März 1905. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Als Gast der Gesellschaft hielt Herr stud. phil. Gustav Stadler 
einen Vortrag über „Leuchtorgane bei Arthropoden". ^ 

Nach einigen einleitenden Worten, mit denen die Anpassungs- | 
vcrliältnisse der Tiere an das lieben in unbelichteten Regionen und j 
die Verteilung der leuchtenden Formen auf Land- und Wassertiere 
erörtert wurden, kam der Vortragende auf das eigentliche Thema, 1 
die Leuchtorgane der (Gliederfüßer zu sprechen und erläuterte hier i 
Hystematisch fortschreitend das Leuchten, wie es in den einzelnen 
Familien und Ordnungen beobachtet wurde. 

An (l(;r Hand von Tafeln und Priij>arat(Mi gab der Vortragende, l 
(h'.n verKcdiiedcncii diesbezüglichen Ansichten Rechnung tragend, 
eine Seliildening d(;r Organe und des LenelitphänornenH vom rnorplio 
j)hyKio- und biologischen Standpunkte aus, insbesondere bei !)<' 
Hprcchung der Euj)liauHiden, bei denen eben die Jicuchtorgane, di< 



! 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 265 

trotz ihrer Augenälinlichkeit nur als modifizierte Drüsen zu deuten 
sind, zur höchsten Ausbildung gelangten. 

Unter den Landarthropoden, die gleichfalls zur Besprechung 
i kamen, haben, wie der Vortragende ausführte, von den ehedem 
: allgemein als selbstleuchtend angenommenen Tieren nur wenige ein- 
gehenden Untersuchungen mit voller Entschiedenheit standgehalten, 
und zwar Vertreter der Malakodermata und Elateriden unter den 
Käfern und die Geophiliden von den Chilopoden. 

Bei den ersteren ist die Erscheinung an Organe gebunden, 
die ihrem Bau und Ursprung nach dem stets mächtig entwickelten 
Fettkörper gleichzuhalten wären, während das Leuchten, das viel- 
fach bei Geoplülus electricus bemerkt wurde, durch das Sekret der 
Bauchdrüsen hervorgerufen werden soll. 

Herr Universitäts -Assistent Dr. Mario Stenta referierte sodann 
über „Leuchtorgane bei höheren Tieren". 

Der Vortragende erläuterte zunächst im Anschluß an die Aus- 
führungen A. Brauers den Bau der Leuchtorgane der Tiefsee- 
teleostier. 

Es lassen sich hier aus einem einfachen Typus die kompli- 
zierteren Typen durch Differenzierung ableiten. 

1. Als Ausgangsform kann man die, ihrem Bau nach, als nach 
außen offenen Hautdrüsen erscheinenden sogenannten Tentakel- 
organe der Ceratiiden betrachten. Diese Organe stellen einen kuge- 
ligen Sack dar, dessen Wände von Drüsenzellen (Leuchtzellen) aus- 
gekleidet sind. Eine glänzende Reflektorhülle umgibt diese. An der 
Außenseite wird der Reflektor von einer Pigmentschichte umsäumt. 

2. Von dieser Form sind die als geschlossene Drüsen er- 
scheinenden, bei Stomiatiden vorkommenden Leuchtorgane abzu- 
leiten, welche im Jugendzustand noch eine Kommunikation nach 
außen aufweisen. Eine mittlere kugelige Drüsenmasse mit Reflektor 
und Pigmentschichte kommt hier vor. Die Pigmenthülle ist an der 
äußeren (freien) Seite unterbrochen. Als weitere Differenzierung 
tritt ein am Rande des Organs inserierender Muskel hinzu, wodurch 
das Leuchtorgan gedreht werden kann. 

3. Eine weitere Ausbildung haben wir in solchen Fällen vor 
uns, in denen (z. B. bei Malacosteus) die lateral gelegenen unter den 



266 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Driisenzellen nicht als Leuchtzellen, sondern im Zusammenhang mit 
einer Umwandlung ihres Inhaltes als dioptrisches Medium, als Linse, 
fungieren. Neben Leuchtzellen, Reflektor, Pigmentschichte ist also 
hier noch eine Linse entwickelt. 

In diese Kategorie von Leuchtorganen fallen die durch Zahl, Form 
sowie besondere Anordnung der einzelnen Teile komplizierter gebauten 
Leuchtorgane von Argyropelecus hemigymnus, die der Vortragende 
auf Grund der Untersuchungen von Hendrick genauer erläuterte. 

Aus der Gruppe der Selachier wurde dann Etmopterus spinax 
(Sp'max Öliger) besprochen. Die bei Etmopterus vorkommenden 
Leuchtorgane erscheinen, nach den Angaben von Johann, als Ein- 
senkungen von Epidermiszellen in die Cutis. Leuchtzellen, Linsen- 
zellen und Pigmenthülle kommen vor, doch ist der Bau dieser Leuclit- 
organe von denen der Teleostier verschieden. 

Die Innervierung der Leuchtorgane erfolgt bei Etmopterus wie 
auch bei Argyropelecus von Hautnerven aus, was auch dafür spricht, 
diese Organe als im Zusammenhang mit der Sekretion eines Leucht- 
stoffes modifizierte Hautdrüsen zu betrachten. 

Zum Schluße erwähnt Vortragender die in den Mundwinkeln 
der Nestjungen australischer Prachtfinken (Foephila Gouldii) vor- 
kommenden Leuchtorgane. Nach einer genaueren Untersuchung 
Chuns handelt es sich hier nicht um selbständig phosphoreszierende 
Organe, sondern um einen das äußere Licht reflektierenden Apparat, 
wodurch der atzenden Mutter ermöglicht wird, im dunklen Neste 
die Mundr>ffnung der Jungen zu erkennen. 

Bericht der Sektion für Lepidopterolog'ie. 

Versammlung am 3. März 1905. 
VorKit/eiKh^r: Herr Prof. H. Bebel. 

Der VorsitzcncU', gibt die 'rraucrnacliriciit, daß das langjiilirii;c 
VercinH- und ScktioiiHiriitglied Herr iVlilitiirrccIinungHrat I leiiiric-li 
lütter V. MitiH am 7. Kcbniar d. .). in Mautern a. d. I). niwh kur/ciii 
Leiden verHchicdcn int. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



267 



Heinrich R. v. Mitis entstammt einer alten uiederösterreichi- 
schen Adelsfamilie und wurde am 28. März 1845 in Linz als ältester 
iSohn des Fostdirektors Wenzel R. v. Mitis geboren. Er verlor bereits 
in früher Kindheit seinen Vater, worauf seine Familie nach Wien 
tibersiedelte. Hier verbrachte er in Währing im Hause des Statt- 
haltereirates Fuchs, welches mit einem großen Garten versehen 
war, seine Jugend. Gefördert durch letzteren Umstand, entwickelte 
jsich bereits damals bei ihm die lepidopterologische Sammellust, 

iwelche bis an sein Lebensende uno-eschwächt anhielt. Nach Absol- 
i . 

jvierung des Piaristengymnasiums wandte sich v. Mitis naturwissen- 
^schaftHchen Studien an der Wiener Universität zu, mußte aber 
durch Familienverhältnisse gezwungen sich bald der Militärbeamten- 
laufbahn widmen und trat im Jahre 1865 in die damals bestandene 
Kriegsbuchhaltung ein. Später fand er seine Zuteilung in der Fach- 
rechnungsabteilung des Reichskriegsministeriums, wurde im Jahre 
1881 zur Intendanz des Generalkommandos nach Sarajevo versetzt 
und kehrte im Jahre 1882 wieder nach Wien zurück. Er erkrankte 
lim Jahre 1886 an Typhus und konnte sich von den Folgen dieser 
schweren Krankheit niemals mehr ganz erholen. Im Sommer 1901 
suchte er um seine Pensionierung an, bei welchem Anlasse ihm 
der Titel eines Militärrechnungsrates verliehen wurde. 

Während seines Wiener Aufenthaltes hatte v. Mitis seit dem 
Jahre 1874 in Penzing gewohnt, von wo aus er regelmäßige Sammel- 
ausflüge in den Wienerwald unternahm. Nach seiner Pensionierung 
übersiedelte er in das abgelegene Mautern a. d. D. Herr v, Mitis 
war verehelicht, aber kinderlos, er hinterließ nur seine Gattin und 
einen Bruder. 

H. V. Mitis gehörte zu den begeistertsten und kenntnißreichsten 
Lepidopterologen Wiens. Er beschränkte sich nicht auf die heimische 
Fauna, sondern sammelte mit gleichem Eifer auch exotische Lepido- 
pteren und erwarb sich namenthch für letztere sehr detailHerte 
Literatur- und Formenkenntnisse, welche durch eine gewählte Privat- 
bibUothek, die auch seltene Werke, wie Cramers Papillons exo- 
tiques, Feld er s Novarawerk u. a., enthielt, wesentlich unterstützt 
wurden. Dazu kam noch ein außergewöhnliches Talent zur bild- 
lichen Darstellung von Lepidopteren, welches er namenthch für 
Tagfalter zu einer wahren Meisterschaft ausbildete. Seine mit einer 



268 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



selbst konstruierten Kamera entworfenen Abbildungen sind auch 
in der korrekten Auffassung morphologischer Verhältnisse, nament- 
lich des Flügelschnittes, unübertrefflich und von überzeugender 
Naturtreue. Er stellte solche Abbildungen zu seinem Privatgebrauche 
in großer Anzahl her und entlehnte häufig interessante Stücke aus 
fremden Sammlungen, um sie abzubilden. 

Aber auch Kopien von Abbildungen exotischer Tagfalter aus 
ihm nicht zugänglichen Werken fertigte er in Anzahl an und ver- 
einigte die Tafeln zu einem Atlas in Quartformat. Nicht bloß zahl- 
reiche heimische PubHkationen erfuhren im Laufe der Jahre durch 
seine Meisterhand in uneigennützigster Weise einen sehr wertvollen 
Bilderschmuck, sondern auch auswärtige Lepidopterologen, wie Dr. 
Staudinger und L. de Nic6ville, ersuchten ihn zuweilen um 
Originalabbildungen von Stücken aus Wiener Sammlungen. So lange 
Felders reiche Sammlung sich in Wien befand, war er eifrig be- 
strebt, nicht abgebildete Typen aus derselben im Bilde festzuhalten. 
Auch am Hofmuseum war v. Mitis viele Jahre ein regelmäßiger 
Besucher der wissenschaftlichen Sammlung und beteiligte sich da- 
selbst in sehr nützlicher Weise an den Aufstellungsarbeiten. Ihm 
verdankt der Schreiber dieser Zeilen auch die erste Einführung in 
den anfangs verwirrenden Reichtum exotischer Formen. Dabei war 
V. Mitis trotz seiner gründlichen literarischen Kenntnisse gegenüber 
Fachleuten von einer oft zu weitgehenden, aber stets aufrichtigen 
Bescheidenheit, die sich auch bei fortgesetztem Verkehre nicht ver- 
inindcrtc. Er selbst trat nur ungern mit seinen Kenntnissen an die 
Öffentlichkeit. Eine briefliche Mitteilung an Kustos Jiogenhofcr 
über Lcpidopterenvorkommnisse in P>osnien wurde ohne sein Wissen 
publiziert und bildet die erste faunistischc Nachricht für die Okku- 
))ationslän(lcr (Publ.-Verz. Nr. \). Wie sehr v. Mitis unter Umständen 
berufen gewesen wäre, ))ublizistisch tätig zu sein, })eweist seine 
gründliche Bevisioii der Tieridengattuiig Ddias (Publ.-Verz. Nr. 2), 
zu (htrcn Publikation (^r sich erst nach vielem Drängen (^ntscliloß. 
\V(;nn auch Heith(;r eine große Anzahl von neu(;n Formen dieser 
ciiarakteristiHchen Gattung entdeckt wurde;, besitzt v. Mitis' llevision 
doch durch die; gelungene; ()rupp(;neinleilung und kritische Behand- 
lung der ält(;ren Literatur einen bleibenden hohen Wert und bildet 
ein ehrende» Zeichen seiner lepidoptcrologischen 'J'ätigkeit. 



Versammhing der Sektion für Lepidopterologie. 



269 



H. V. Mitis hinterließ eine iimfangTeiche. aber nicht streng ge- 
ordnete Sammlung, welche durch die Aufnahme zahlreicher schad- 
hafter exotischer Stücke und beengte Einreihung des Materiales 
keinen günstigen Eindruck hervorrief. Für Mitis ^Yar die Samm- 
lung eben mehr Studienmaterial als ein Objekt zur Befriedigung 
fremder Schaulust. Auf Grund eines von ihm oft geäußerten Wunsches 
ist nicht bloß eine Auswahl von Stücken aus seiner Sammlung an 
das k. k. naturhistorische Hofmuseum als Widmung gelangt, sondern 
auch die Gesamtheit der von ihm angefertigten Lepidopteren- 
Abbildungen wurde der Bibliothek desselben übergeben. 

Das Andenken an v. Mitis wird im Kreise seiner lepidoptero- 
Icgischen Fachgenossen, denen er so zahlreiche Gefälligkeiten durch 
seine künstlerische Veranlagung erwiesen hat. gewiß in dankbarster 
Erinnerung bestehen. In der Nachwelt wird sein Xame durch die 
gedachte schöne Revisionsarbeit fortleben. Ihm zu Ehren wurde 
auch von Dr. Staudinger eine neue DeJias -Art benannt. 

Nachstehend das Verzeichnis seiner Publikationen : 

1. 1882. Beitrag zur Falterfauna Bosniens, i Wiener Entom. Zeit., I, 

S. 22, briefliche Mitteilung.) 

2. 1893. Revision des Pieriden-Geniis Deilas. (Deutsche Entom. 

Zeitschr. Jris", VL S. 97—153, Taf. II und III.) 

3. 1896. Über Varietäten und Aberrationen von Schmetterlingen 

und deren Bedeutung für die Deszendenzforschung. 
(VI. Jahresber. d. Wr. Ent. Ver., 1895, S. 29—38.) 

4. 1899. Über J.jMf^rrfl -Varietäten und Aberrationen. (IX. Jahresber. 

d. Wr. Ent. Ver., 1898, S. 45—54, Taf. 1.) 

5. 1900. Vanessa Xantliomelas Esp. aberr. Chehjs. (X. Jahresber. 

d. Wr. Eüt. Ver., 1899, S. 77—81, Taf. 1, Fig. 3.) 

6. 1901. Über einige Rhopaloceren -Aberrationen. (XI. Jahresber. 

d. Wr. Ent. Ver., 1901, S. 113—115, Taf. 1, Fig. 3—9.) 

Die Anwesenden bekunden ihre aufrichtige Teilnahme an dem 
Tode V. Mitis" durch Erheben von den Sitzen. 

Der Vorsitzende legt hierauf — unter Hinweis auf ein in diesen 
„Verhandlungen ~ erscheinendes Referat — vor: Oberthür, Gh., 
Etudes de Lepidopterologie comparee, Fase. 1. (Rennes, 1904.) 



270 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Derselbe demonstriert ferner nachstehende Arten: 

a) Chrysoplianus Fhlaeas-Eleus ab. Coerideopunda Strand von 
Duzi aus der Herzegowina (24./VL 1903, ex coli. Leonhard). 

h) Gonodontis Bidentata Cl. 9 ab. von Koricna aus Bosnien 
(5./ VI. 1904, Hilf-Leonhard). Das auffallende Stück zeigt das Mittel- 
feld der Vorderfltigel schwarzbraun verdunkelt, wogegen dessen 
Begrenzung gegen das Basal- und Saumfeld durch ziemlich breite, 
licht bräunUchgelbe Querstreifen gebildet wird. Die Hinterfliigel 
führen nach deren dunklen Mittelpunkt eine schwärzliche, ziemlich 
breite Mittelbinde, welche auch auf der Unterseite wie der äußere 
Querstreifen der Vorderflügel in gleicher Schärfe auftritt. Die Zahn- 
bildungen am Flügelrande sind etwas schwächer als bei normalen 
Stücken. Mit der kürzlich durch v. Hormuzaki^) aus der Buko- 
wina bekannt gemachten Aberration hat vorliegendes Stück keine 
nähere Beziehung. 

c) Gnophos Atnbiguata Dup. var. Vepretaria Spr. Ein in Lem- 
berg am 28. /VL an Licht erbeutetes weibliches Exemplar wurde 
von Prof. Kieme nsiewiecz dem Hofmuseum gewidmet. Die Form 
ist dicht dunkelgrau bestäubt, so daß die Querlinicn nur schwer zu 
erkennen sind. 

Herr Sektionsrat Dr. Scliima bespricht unter Vorweisung 
Stücke von Zygaena Brizae Esp., welche im verflossenen Jahre 
in I>ruck a. L. erbeutet wurden. Dieselben weisen zum 'Peil eine 
EinscliiiUrung des dritten roten Fleckes der Vordcrfliigcl, zum 
'J'cil aucli die Spuren eines roten Hinterleibsgürtels, namentlich in 
den Seiten des Abdomens, auf. Auch fanden sich darunter einige 
kleinere Stücke mit mehr gerundeten Vorderiliigebi, welche zur Form 
(Umjria Stgr. gezogen werden kiinncn. 

Weiters wird von denis(;ll)en ein männliclies Exem])lar von 
Larrulia l)rü(jn<U(t Hott, voiri Wiener Schneeberge (10. /Vi. 1904) 
v(»rg(;wi(;sen, wcilcliCH das Mittelfeld der Vorderfltigel braun aus- 
g(;fliih zeigt. 

Ilcir V . l'Icischniann weist einige, Kalter vor, wie ('oliaa 
PaUmw var. /jn-o/totnr Esp., Mrlihira IHclyuna JOsp., Ar(jynnif< 

\yr\, ,|irHc ^V< ili:nMllMii-cii", .l:lln•^^ 11)01, S. 'Ii:). 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



271 



ÄrsilacJw Esp. und Lycaena Optilete Kn., welche in Alt-Melon im 
Waldviertel von ihm erbeutet wurden und zum Teil hier ihre Stid- 
grenze in Niederösterreich finden. 

Herr Robert Spitz demonstriert eine Anzahl aberrativer Exem- 
plare aus seiner Sammlung, und zwar: 

a) Heteroptenis Morpheus Pall. $ aus dem Rohrwalde (Juli 
1904) mit einer deutlich ausgeprägten gelben Fleckenbinde auf der 
Hinterfliigeloberseite. 

h) Beüephüa Euphorbiae L. aus dem Prater (e. 1.), bei welchem 
die rosenrote Färbung der Hinterflügel der schwarzen Begrenzung 
nach außen entbehrt. 

c) Cenira Bifida Hb. aus dem Prater (e. 1. 9) mit vollständig 
schwärzlich ausgefüllter Mittelbinde. 

d) Zanclognatlia Tcwsipennalis Tr. von Neuwaldegg (e. 1. 9), 
bei welchem auf den Vorderflügeln nur der äußere Querschatten- 
streif vorhanden ist. 

e) Fohjploca Flavicornis L. vom Bisamberg (März 1904) mit 
schwärzlich verdunkeltem Mittelfelde. 

f) Nola Albida Schiff., ein normales, in der inneren Stadt 
am 20. Juli 1900 erbeutetes Stück. 

g) Parasemia Plantaginis L. aus dem Rohrwalde (ex ovo cT) 
mit auf Vorder- und Hinterflügel stark verdüsterter gelber Färbung. 

h) Hipocrita Jacobaeae L. aus MödKng (e. 1. 1896), bei welchem 
die Hinterflügel bis auf eine schmale, rot bleibende Saumbinde 
vollständig schwärzlich verdunkelt sind. 

Herr Dr. K. Schawerda weist ein durch Temperaturexperi- 
mente in Zürich erzieltes schönes Stück der Pijrameis Atalanta ab. 
Klemensiewicsi Schille vor. 



Versammlung am 7. April 1905. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke unter Hinweis 
auf die in den Vereinsschriften erscheinenden eingehenderen Refe- 
rate vor: 



272 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Frionnet, C. Clienilles de Macrolepidopteres francaises. Geometrae. 
(Aus den M6moires de la Soci6t6 des Lettres, des Sciences, 
des Arts, de TAgriculture et de l'Industrie de St. Dizier, 1904.) 

Herz, Otto. Lepidoptera von Korea. Noctuidae et Geometridae. 
(Annuaire du Mus6e zoologique de l'Academie imperiale des 
Sciences de St. Petersbourg, l./IX. 1904, mit Taf.) 

Mendes d'Azevedo, C. Lepidopteros de Portugal. 1. Lepidopteros 
dos Arredores do CoUegio de S. Fiel. (Lisboa, 1903.) 

Rougemont, Fred. de. Catalogue des L6pidopteres du Jura neu- 
cbätelois. (Bull, de la Soc. Neucbäteloise des Sciences natu- 
relles, Tom. XXIX et XXXI, mit 2 kolor. Taf. Neuchatel, 1904.) 

Der Vorsitzende macbt ferner unter Vorweisung eine für 
Niederösterreich neue Tagfalterart bekannt, nämlich Erehia 
Nerine Frr. 

Herr Heinrich Kolar, Fachlehrer in Wr. -Neustadt, erbeutete 
nämlich am 10. August 1903 beim Aufstieg vom Erlafsee auf den 
Ötscher, bereits nahe dem Schutzhause, ein vorliegendes, bereits 
geflogenes Erehia -Weibchen^ welches vollständig mit iVmwe-Stücken 
aus Krain tibereinstimmt. Das Stück wurde dem Hofmuseum freund- 
lichst überlassen und bildet derzeit das einzige Belegexemplar für 
das Vorkommen in Niederösterreich dieser östlich von Salzburg noch 
nicht ])Cobachteten Art. Erst eine größere Anzahl von niederöster- 
reichischen Stücken, namentlich auch des männlichen Geschlechtes, 
wird erweisen, ob diese (istliche Form nicht zur kleineren, dunkleren 
var. Morula Spr. zu ziehen ist. 

Der genannte Herr Kolar hat noch nachstehende, für unser 
Kronland bemerkenswerte Funde gemacht: 

J*(irnasslus Mncmosync L. Wr. -Neustadt. 

Ar<fynnls l^andora Schiff*. Ncubau-Kreuzstetten. 

Lyr.dnui Dawon Schiff", nbcrr. Aichbüchl bei Wr.-Ncnstadt 
aa./VH. 1904, o^, Muh. Cacs.j. Aufch-r llnterHcite affer FHigei ohne 
Auf^enpunkte. Die VordcrffUgel daseJhst nur mit dem schwarzen 
MittcJniond, di(; llinterllii;;(;l niif (h;r w(;in(;n iJingsstrieme. Eine 
nur auf (b r llintcrflll^^^ehinterscite augc^nlose AI)erration dieser Art 
wird n;Hli IVcinKniclKM' iMitieihin^^ (1(!H Herrn (). Bohatsch dem- 
niichHi rliir(li Herrn L. v. Aign(;r (BiuhipcHt) als ab. (Uirca in 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



273 



der Zeitschrift „Rovartani Lapok" bekannt gemacht werden. Herr 
Bohatsch erbeutete letztere schon wiederholt in beiden Ge- 
schlechtern auf dem Eichkogl bei Mödling und überHeß auch ein 
im Juli 1885 in St. Egyd a. N. von ihm gefangenes frisches cT Herrn 
Aigner, wornach die Benennung erfolgen soll. 

Ocneria Biihea F. Hütteldorf. 

Ägrofis Flammatra F. Wr.-Neustadt. 

Cdlamia Ltitosa Hb. Döbling und Hütteldorf. 

Leucania Vitellina Hb. Hütteldorf. 

Cirrlioedia Xerampelina Hb. Krapfenwaldl. 

Sfenia Stigmosalis H.-S. Döbling, an Lampenlicht. Von dieser 
interessanten Hydrocampine lag das Belegexemplar im Hofmuseum 
zur Bestimmung vor (Rbl.). Die Art ist neu für Niederösterreich 
und wurde innerhalb unserer Monarchie bisher nur von Agram 
(Mus. Caes.) bekannt. Vielleicht handelt es sich bei dem Wiener 
Fang nur um ein zufällig importiertes Stück dieser östlichen Art. 

Der Vorsitzende weist hierauf ein melanotisches weib- 
liches Exemplar von Äporia Crataegi L. vor. Es ist auf den 
Hinterflügeln vollständig rauchschwarz gefärbt, auf den Vorder- 
flügeln nur im Diskus etwas aufgehellt. Es wurde bereits vor Jahren 
von Herrn kais. Rat F. Machek in Paternion in Kärnten während 
einer starken Flugperiode der Art erbeutet und kürzlich dem Hof- 
museum gewidmet. 

Nach freundlichen Mitteilungen des genannten Spenders wurde 
von ihm ein ganz gleiches Exemplar auch am Galitzinberge bei 
Wien gefangen und gelangte in die Sammlung des Herrn Rech- 
nungsrates Bartsch. Solche geschwärzte Exemplare sollen in jeder 
starken Flugperiode des Falters einzeln vorkommen. 

Das vorliegende Exemplar stimmt vollständig mit einem von 
Herrn Aigner im III. Bande der Illustrierten Zeitschrift für Ento- 
mologie, S. 359 (1898) beschriebenen und abgebildeten, ebenfalls 
weiblichen Crafaegi-Stück überein, welches bei Orsova erbeutet 
wurde. Herr Aigner beabsichtigt, in der ungarischen Zeitschrift 
„Rovartani Lapok" dieser geschwärzten Crafae^i -Aberration dem- 
nächst den Namen ab. Koyi zu geben. 

Geschwärzte Exemplare von Aporia Crataegi werden auch von 
Meeß und Spuler in der Lepidopterenfauna des Großherzogtums 

Z. B. Ges. Bd. LV. 18 



274 



Versaminlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Baden, S. 17 1) (Berlin, 1898) und von Prof. Spuler, Schmetter- 
linge Europas, 3. Aufl., S. b^) erwähnt. 

Herr Dr. E. Galvagni bemerkt hierzu, daß im X. Jahres- 
berichte des Wiener Entomologischen Vereins (1899, S. 5) von Herrn 
G. Knab mitgeteilt wird, er habe im Juni 1893 bei Wola justowska 
(in der Umgebung von Krakau) ein sehr verdunkeltes, gleichmäßig 
ziemlich dunkel rauchbraun gefärbtes Exemplar von Aporia Cra- 
taegi gefangen. 

Ferner teilt Herr Dr. Galvagni mit, daß die heute vorgelegte 
Publikation von Mendes in der portugiesischen Zeitschrift „Pro- 
teria" erschienen sei. 

Derselbe legt weiters aus der k. k. Universitätsbibliothek eine 
neue Publikation betreffend die Seidenzucht vor: Quajat, E., Dei 
Bozzoli piu pregevoli che preparano i lepidotteri setiferi. Padova, 1904. 

Schließlich demonstriert Herr Dr. Galvagni ein in Hietzing 
(Promenadeweg) am 6. März 1. J. gefangenes cf von Anisoptenjx 
Äesctdaria Schiff., bei welchem die Mittelbinde der Vorderfliigel 
beträchtlich verengt und verdunkelt erscheint; ihre äußere Begren- 
zung ist breit weiß angelegt und entbehrt namentlich unterhalb 
des Vorderrandes des spitzen Einsprunges normal gezeichneter Stücke. 

Herr Dr. K. Schawerda bespricht unter Vorweisung einige 
Neueinläufe seiner Sammlung, darunter: 

('(dias Ju/usa F. ab. liclice Hb. 9 aus Syrien; rein weiß, 
namentlich ist auch der Mittelflcck der Hintcrfltigcl hier gelblich- 
weiß fstatt orange) gefärbt. 

Apafm-a Jlla Schiff., transit ad var. Vimjm aus Eperies ( Dabi- 
st römj; dürfte durch 'I'em])oraturexj)eriment erzielt sein. 

Codonia (K})hyr<i) Punrfarla L., ein auffallend stark rot ge- 
färbtes Stück, gezogen, von Mannersdorf. 

Ihn- Dr. Galvagni bemerkt liiru'zu, daß er ebenso rein weiß 
;refiirl)t( /A7/r/"-Stiieke in Istrien (Tbeutet habe. 

„Kill raiiclibniimcH lOxciiiplar fing- l'\ Mayer im khiiiien Wic^seiitaJ." 
■) „Kill raiiclibiMiiii librr^'-ossriicH wiinh; in Kiinacli ^^craii^eii, in der 
HamtDlun^ M. Daiib."* 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



275 



Herr Dr. Alfred Kolisko legt ein aberratives weibliches Exeni- 
})lar von Heteropferns Morpheus Fall, vor, welches von ihm am 
?j. August 1902 in Weidling bei Klosterueuburg erbeutet Avurde. 

Ein derselben Aberrationsrichtung angehöriges weiteres weib- 
liches Exemplar wird von Herrn Robert Spitz neuerlich vorge- 
wiesen; es wurde anfangs August 1904 im Rohrwalde gefangen.^) 

Beide Exemplare zeigen auf der Oberseite der Hinterflügel 
in Zelle 2 — 6 eine Reihe von fünf gelben, gegen die Basis (radiär) 
verlängerten Saumflecken, was dem Tier ein sehr buntes Aussehen 
verschafft. Auch basalwärts im Diskus machen sich in Zelle 2, 3 
und 5 schwächere gelbe Flecke bemerkbar. 

Herr Dr. Kolisko bringt für diese auffallende weibliche Aber- 
ration, deren Diagnose lauten könnte: „Alis post. mactiUs 5 ante- 
marginalihus oblongis flavis", den Namen ab. „Radi ata" in 
Vorschlag. 

Über das Kiemenfilter und die Nahrung 
adriatischer Fische. 

Von 

Dr. Adolf Steuer 

in Innsbruck. 
Mit 25 Abbildungen im Texte. 
(Eingelaufen am 2. Jänner 1905.) 

Die vorliegenden Untersuchungen verdanken ihre Entstehung 
dem Aufsatze von Enoch Zander, „Studien über das Kiemen- 
filter bei Süßwasserfischen" (1903). Den Aufbau und die Funktion 
dieses eigenartigen Filterapparates bei den Fischen der Adria spe- 
ziell näher zu untersuchen, kam mir sehr gelegen, weil ich schon 
seit Jahren über die natürliche Nahrung der adriatischen Fisch- 
fauna mir gelegentlich Aufzeichnungen machte. Unvorhergesehene 
Verhältnisse privater Natur — meine Übersiedlung in eine Universi- 



^) Vgl. Sitzung vom B. März 1. J. 



18* 



276 



Adolf Steuer. 



tätsstadt im Binnenlande — veranlassen mich, die diesbezüglichen 
Arbeiten, noch bevor sie namentlich in ihrem histologischen und 
entwicklung'sgeschichtlichen Teile zum Abschlüsse gebracht werden 
konnten, zu veröffentlichen. 

Die Siebfortsätze stellen im Prinzipe zapfenartige Wuche- 
rungen der Eachenschleimhaut an den inneren Eändern der 
Kiemenbögen dar, deren bindegewebiger Kern vielfach durch kleine 
Knochenelemente gestützt wird; diesen können sich in den peri- 
pheren Partien noch kleinere oder größere Zäh neben, Stacheln etc. 
hinzugesellen. 

Wenn wir zunächst nach dem ersten Auftreten siebfortsatz- 
ähnlicher Gebilde an der Innenwand der Kiemenhöhle bei den 
Chordaten fragen, so mag zunächst, ohne damit auf weitere phylo- 
genetische Spekulationen eingehen zu wollen, kurz darauf hin- 
gewiesen werden, daß schon bei den Ascidien gewisse Quer- 
und Längsfaltungen des Innenepithels der Kiemen zu 
beobachten sind, die jedenfalls zunächst den Zweck haben, zur 
Vergrößerung der respiratorischen Oberfläche beizutragen. Es wäre 
aber, sagt 0. Seeliger (1893), auch möglich, daß sie den Zweck 
hätten, „das reine Atmungswasser möglichst lange in den Kiemen 
fest verschlossen zurückzuhalten, wenn durch irgend welche Umstände 
das umgebende Medium vorübergehend getrübt und zur Atmung 
untauglich wird" (S. 403). 

Neben diesen Faltungen treffen wir aber bei Ascidien auch 
noch in das Kiemendarnilumen vorspringende zapfenartige Erhe- 
bungen fPapillcn oder Seiten zapfen), in deren Inncrem sich 
stets lakunäre Blutbahnen vorfinden. Diese Papillen haben nach 
0. Sceliger (1893, S. 417) in erster Linie die Aufgabe, die atmende 
Kiem(;]ifläclic zu vcrgrr)ßern. „Nebenbei m(')gen sie auch dadurch 
von (Miiigcr Bedeutung sein, daß sie in den Kiemendarm eingetretene 
Nalirungstiere zurückhalten (h\vt wenigstens deren Wiederaustritt 
erschweren." 

Wir Heiicai also, daß sich schon bei (Um Ascidien Einrichtungen 
vorfinden, denen, wie bei (hin Fisclicn, eine doppelte Aufgabe zu- 
fällt: nämlich eincjHteils die Kiemen vor Verunreinigung zu schützen 
\u\(\ ;ni(lcrnt(Mls dem NMlirungsbcdilrfniHse d(!r betreffenden Orga- 
nisnien zu (ii(;nen fFig. I ). 



über das Kiemenfilter und die Nahrung adriatischer Fische. 277 

Bei Amphioxus und den Cyclostomen (Fetromyzon marinus) 
scheinen siebfortsatzartige Gebilde — wohl infolge der Lebens- 
weise dieser Tiere — zu fehlen. 

Auch die Kiemenbögen der untersuchten Rochen (Torpedo 
und Baja) waren glatt, ^) während sich bei Squatina vulga/ris Risso 
(Fig. 2) bereits fast mikroskopisch kleine Papillen an der Innen- 
seite der Kiemenbögen nachweisen ließen. Im Übrigen scheint 




Fig. 1. Kiemenkorb der Ciona intesti- Fig. 2. Linke Hälfte des 

nalis von innen gesehen (35 : 1). Kiemeukorbes von Squa- 

p Papillen oder Seitenzapfen des Kiemendarmes. UfiQ^ vulgaris RisSO. 

(Nach 0. Seeliger in Bronn, Tierreich, Tuni- {^j^ Xiat. Gr.) 

cata, Tal 20, Fig. 1.) 



aber schon bei den Squaliden bezüglich der Größe und des Baues 
der Siebfortsätze große Mannigfaltigkeit zu herrschen: bei Miistelus 
suchte ich sie vergebens, bei Scyllium (Fig. 3) haben sie die Gestalt 
kleiner Höcker und Zapfen, und zwar sind schon hier gewöhnlich 
die „vorderständigen", um den Zanderschen Terminus (1903, 
S. 238) zu gebrauchen, größer und auch zahlreicher als die „hinter- 
ständigen". Bei Lamna und Frionodon sind die Siebfortsätze zapfen- 
und kugelförmig, bei Acanthias sollen sich nach Hertwig (1874, 
S. 363) an den Kiemenbögen „Zähnchen" vorfinden, und als 
Beispiel mächtiger Entwicklung der Siebfortsätze bei Selachiern mag 
auf die Untersuchungen Turners an Selaclie maxima (1879) hin- 
gewiesen sein. 

Unter den Ganoiden sind, wie schon Troschel (1849) erwähnt, 
die Kiemenbögen von Äcipenser mit je zwei Reihen ineinander- 
greifender „dreieckiger Blättchen" bewaffnet (Fig. 4). 



^) Nach Leydig (zitiert Hertwig, 1874, S. 263) besitzt Baja clavata 
Zäbnchen an den Kiemenbögen. 



278 



Adolf Steuer. 



Mit dem Studium der Siebfortsätze der Teleostier befaßten 
sieh in letzter Zeit vorzüglich zwei Forscher, nämhch L. Popta 
(1901), der, hauptsächhch nach systematischen Gesichtspunkten, 
eine größere Anzahl von mari- 
nen imd Süßwasser-Fischen unter- 
suchte, bezüglich des biologischen 
Wertes dieser eigenartigen Filter- 
apparate sich indessen mangels 



Fig". 3. Linke Hälfte des Kicmen- 
korbes von Scyllium catulm M. 
et IL nat. Gr.) 

eigener Untersuchungen mit Zita- 
ten aus anderen Werken und theo- 
retischen P>()rterungen begnügen 
mußte, sowie der schon eingangs 
erwähnte P^noch Zander (1903), 
dem indessen neben der Arbeit Sustas (1888, s. E. Walter, 
1903) auch Poptas Abhandlung entgangen zu sein scheint. 

Nachdem schon Troschel (1849) darauf hingewiesen hatte, 
„daß man die in Ilcde stehenden Organe niclit mit entscheidendem 
Krfol;; wird zur Familienunterscheidung ])eniitzen können", daß aber 
(\h\ iicwalfnung der Kicmenbogen Charaktere liefert, „die mit Erfolg 
liir die sicliere Unterscheidung von Gattungen und Arten Bedeutung 
haben und in zw(!ifelliaften Fällen den Aussclilag geben köuiieii", 
verHUchte Zander, die verscbiedenartige (iestalt und Anonlnuiig 
der Siebfortsätze der von ihm unterHUcht(;n Sllßwasserfisch(; auf 
CniiHl der ncucHten eingeliend(!n UnterHuchungcin Arnolds (1901) 
in l><*/iehung zur Nahrung und nacli diesen ( JeKichlKpunkt(^n ge- 
ordnet in ein System zu bringen. 




über das Kiemenfilter und die Nahrung- adriatisclier Fische. 279 



Zander unterscheidet: 

I. Fische ohne Siebfortsätze, aber mit reichem Zahn- 
besatz auf der Innenseite der Kiemenbogen (Beispiel: 
Esox und Liicioperca)'. Bewohner klarer Gewässer, die 
nur große Beutestücke angreifen. 
IL Fische mit Siebfortsätzen. 

A. Siebfortsätze an beiden Kanten der Kiemenbogen gleich 

stark entwickelt. 

1. Siebfortsätze einfache, rundliche Höcker, mit Zähn- 

chen besetzt, alternierend, ineinandergreifend; Zu- 
gang zu den Schlundtaschen ein wellenförmiger 
Spalt. (Beispiel: Perca, Acerina, Lofa.) Mehr oder 
weniger gefährhche Räuber, die sich ausschließ- 
lich (Lota, Acerina) oder doch wenigstens die 
längste Zeit ihres Lebens (Perca) von den Be- 
wohnern der Schar ernähren. In der Jugend 
auf kleine Plankton- oder Uferentomostraken an- 
gewiesen, greifen sie mit zunehmender Größe 
hauptsächlich Insektenlarven, Crustaceen, später 
auch Fische und Frösche an. 

2. Siebfortsätze stark entwickelt, zahlreich, spezifisch 

verschieden gestaltet und angeordnet. Zwischen 
den Fortsätzen unregelmäßiges Poren- und Lücken- 
system (Beispiel: Cypriniden). Bewohner der 
Schar, Schlammwühler. Nahrung vegetabiHscher 
und animalischer Herkunft. 

B. Siebfortsätze nur an der vorderen Kante der Kiemen- 

bogen stark entwickelt, messerartig, mit feinen 
Zähnchen besetzt, Gitter vor den Schlundspalten 
bildend. (Beispiel: Chipea, Coregonus, Osmerus.) 
Konstante Planktonkonsumenten. 

Wenn wir es nun unternehmen, die zirka 35 untersuchten 
adriatischen Teleostierspezies in ähnlicher Weise nach dem Vor- 
handensein oder Fehlen und der verschiedenen Gestaltung der 
Siebfortsätze zu ordnen, so nötigen uns vor allem die Mannig- 
faltigkeit der fraglichen Gebilde zur Aufstellung zahlreicherer 



280 



Adolf Steuer. 



Gruppen, die sich aber, wie wir sehen werden, nicht scharf von- 
einander scheiden lassen. 

I. Fische ohne Siebfortsätze an den Kiemenbögen. 

a) Kiemenbögen ganz oder fast ganz nackt. 

Als Beispiel führe ich an: Änguilla vulgaris Flem., von dem 
schon Popta (1901, S. 202) erwähnt: „Pas d'appendices sur les 
arcs." Weiters gehört in diese Gruppe: LopJiius piscatorius L. Im 
Gegensatz zu den erwachsenen Tieren, deren Kiemenbögen tat- 
sächlich vollkommen glatt zu sein scheinen (siehe auch Cuvier 
und Popta), konnte ich an den Kiemenbögen der pelagisch lebenden 
Jungfische dieser Art kleine, ziemlich unregelmäßig in zwei Reihen 
angeordnete Papillen wahrnehmen. 

h) Kiemenbögen ohne Siebfortsätze, doch mit Knochenplatten 
belegt. 

Als Ausgangspunkt wählen wir Xiphias gladius L., von dessen 
Kiemenbögen Popta (S. 168) sagt, sie seien „completement garnis 
avec des plaques veloutees". Unter dem Mikroskope erscheinen diese 
Knochenplatten dicht- besetzt mit winzig kleinen Zähnchen. Weder 
in ihren Umrissen noch in der Art der Verteilung lassen diese 
„plaques" irgend welche Gesetzmäßigkeit erkennen. 

An den Kiemenbögen von Lepidopus caudatus Euphras. ist in- 
sofern ein Fortschritt zu bemerken, als hier die bczahntcn Knochen- 
j)latten deutlich iu zwei Reihen angeordnet sind, und zwar liegen 
am äußeren Rande aller Kiemenbögen größere Platten, die si)itze, 
nach außen gerichtete Zäline tragen, von denen gewöhnlich einer 
die übrigen an (Iriißc bedeutend überragt (Fig. 5). Zwischen diesen 
Platten liegen, den Kiemen genähert, kleinere Platten mit wesentlich 
geringerer Zahl kleiner Zähnchen. Ähnliches scheint nach Popta 
flJHJl, S. IG;}) auch bei einem anderen Vcn'treter der Trlvhkindiw, 
nämlich bei 'JldjmUcs aluni Euphras. vorzukommen. Auch bei 
J/irkin finden wir die bczahntcn Knochenplatten in ähnlicher Weise 
an jeder Seite der Kiemenbr)gen in zwei Reihen angeordnet, doch 
ti(;l('n hier bereits am ersttsn Kiemenbögen vorderständige, lange, 
])Iattg(;drHcktc und hezalinte Siebfortsiltze auf und dadurch ist der 
Obergang zur näcliHt(;n ()ru|»|)(' gegeben. Diese Siebfortsätze enden 
bei l/uiiid fi)ni(i ]j. spitz, hei l/irh'uf glfrHcft L. (I^'ig. i')) mit einer 
verbreiterten l'lalte. 



über das Kiemenfilter imd die Nahrung adriatischer Fische. 281 




Fig. 5. Knochenplatteu mit Stacheln 
vom ersten Kiemeubogen von Lepi- 
dopus caiidatus Eiiphras. 

(Vergr. Keicbert, Ok. 2, Obj. 1 a, auf 2/3 verkl.) 



Fig. 8. Sieb- 
fortsatz von 
Zeus faber L. 

(Vergr. Reich., 
Ok. 2, Obj. la, 
auf -/s verkl.) 



IL Fische mit Siebfortsätzen an den Kiemenbögen. 

A. Siebfortsätze fast nur vorderständig- und auf allen Kiemen- 
bögen annähernd gleich klein, ohne Zähnchen. Hierher gehört 
Pleuronecfes platessa Lacep. (Fig. 7), während die Siebfortsätze 
von FJiomhus maximus Cuv. mit Zähnchen 
besetzt sind. Dasselbe gilt von den Sieb- 
fortsätzen des Zeus faher L. (Fig. 8), der 
ja nach den neuesten Unter- 
suchungen von O.Thilo (1902) 
und G. A. Boulenger (1904) 
mit den Pleuronectiden nahe 
verwandt ist. Zeus faber hat 
überdies am ersten und zweiten 
Kiemenbögen auch einige we- 
nige hinterständige Siebfort- 
sätze. Daß und inwiefern die 
Asymmetrie der Pleuronectiden 
auch bezüglich der Anzahl der 
Siebfortsätze in der rechten 
und linken Hälfte des Kiemen- 
korbes zum Ausdruck kommt, 
soll später besprochen werden. Kiemenkorbes 

Als stark aberrante Form 

ci 1 1 .1 nectes platessa 

mag zum Schlüsse Orthago- j^^p 

risctfs mola L. (Fig. 9) ange- Vorderansicht 

führt w erden, der zwar neben (nat. Gr.). 





Fig. 7. Rechte 
Hälfte des 



Fig. 6. Endstück eines 
vorderständigen Sieb- 
Ibrtsatzes des ersten 
Kiemenbogens von 
Licliia (jlauca L. 

(Vergr. ßeicb., Ok. 2, Obj. 4b, 
obne untere Linse, auf =/, 
verkl.) 



282 



Adolf Steuer. 



vorderständigen auch hinterständige Siebfortsätze besitzt^ doch sind 
dieselben wenig zahlreich (im Maximum nur 4!); sie sind nach 




Fig. 9. Linke Hälfte des Kiemen- 
koi lx.'.s von OrthcKjüriscus mola L. 
Vorderansicht. 
(Etwa Va der nat. Gr.) 




Fig. 10. Rcclito 
Hälfte des Kie- 
nienkorbes von 
Fierasfer actis 
Brünn. 

(4 : 10, nach C. Kinery 
11880], Taf. VI.) 



Popta (UK)l, 8. 203) „sans dents", doch „Ics cotx's des arcs sont 
rüdes". Dies kann ich nanientHch bezJidich der Händer der l)eiden 




Fig. 1 1. Sicidoi l.siit/c des crHlcn 
Ki<*ni(!nl)og(!nH von Fierasfer 
acuH Jirlinn. 

(V.TKr. K'-icli., Ok. -i, Obj. \ 1. ) 




Fig. 12. H("<'lit(; Hälfto des 
Ki(!iti(!nkorl)('.s von Trußa 



h't/,t(',n Kiciiic.nliW'licr l»(;sl;ili;;('n, wo icli :nicli kicjiie Zäliiiclicii sclioii 
mit rrcieiii Auge waliniclimcii koii^ilc Ol) di('S(;ll)(;n nicht doch 



über (las Kieuienfilter und die Nahrung- adriatischev Fische. 



283 



vielleicht hier und da auf die Siebfortsätze übergehen, unterließ ich 
leider nachzusehen. 

B. Siebfortsätze vorder- und hinterständig, mit Zähnchen 
l)esetzt; die vorderständigen Siebfortsätze des ersten Kiemenbog-ens 
iirößer als die übrigen. 

Dieser Typus ist, wie schon Popta (1901, S. 206) hervorhebt, 
der weitaus häufigste. Bei Fierasfer (Fig. 10) sehen wir bereits 
drei (oder vier) der vorderständigen Siebfortsätze des ersten Kiemen- 
bogens bedeutend in die Länge gestreckt, während alle übrigen 
Siebfortsätze noch kleine Höcker darstellen; die Zähnchen sind noch 
sehr klein und spärlich (Fig. 11). Trigla (lineata L. und hinmdo Bl.) 
(Fig. 12) sowie Pagellus {erytlirinus Cuv. et Val.) stellen insoferne 
einen Fortschritt dar, als hier bereits fast alle vorderständigen Sieb- 
fortsätze des ersten Kiemenbogens mehr minder langgestreckt sind. 

Anhangsweise möchte ich hier auf die eigenartigen Siebfort- 
sätze von Ltivarus imperkäis Rafin (Fig. 13) hinweisen; auch hier 
sind die des ersten Kiemenbogens die größten. Sie haben die Form 
abgestutzter Kegel, sind mit vielen langen und dünnen Stacheln 
besetzt und sind sonderbarer Weise unpaar. An den beiden Seiten 
des Kiemenbogens werden sie von zwei Reihen kleinerer, ebenfalls, 
wenn auch späi'licher, bestachelter Papillen begleitet. 

Aus der großen Zahl jener Fische dieser Gruppe, deren vorder- 
ständige Siebfortsätze des ersten Kiemenbogens normal lang sind, 
mögen nur einige Vertreter, nach dem Boul enger sehen System 
geordnet, aufgezählt werden. Unter den Peresoces erwähnen wir 
Belone viridis Flem. und Atlierina liepseins L. (Fig. 14 und 15), 
unter den Anacantliini Gadus euxinus Nordm., aus der formen- 
reichen Gruppe der Acantliopterygii als Perciformes: Lahrax liipus 
Cuv. (Fig. 16 a, b), Maena vidgaris Cuv. et YaL, Box salpa L., 
Heliastes cliromis L., als Vertreter der Scomhrlformes: Scomher 
scomher L. (Fig. 17), endlich als Beispiel der Taeniosomi den seltenen 
Trachypferus taenia Bl. Schließlich würde hier auch Bfdisfes capris- 
cus L. als Vertreter der PlectognatJil anzuschließen sein. 

Da es zu weit führen würde, die Filterapparate der einzelnen 
untersuchten Arten genau zu beschreiben, möge im folgenden nur 
an einigen Beispielen die Mannigfaltigkeit in der Anordnung und 
Gestalt der Siebfortsätze veranschaulicht werden. 



284 



Adolf Steuer. 



Bei Ätherina stellen die vorderständigen Siebfortsätze des 
ersten Kiemenbogens lange, bezahnte Stäbe dar, alle übrigen 
dagegen kleine, dreieckige Platten. „Die Basis der Zäbnchen ist in 




Fig. 13. Siebfortsätze des Fig. 15. Hiiiterstiindige Siebfortsätze 

ersten Kiemenbogens von des ersten Kiemenbogens von Ätlie- 
Luvarus imperialis Rafin. rina liepsetus L. 

(Nat. Gr.) (Vergr. Reicliert, Ok. 2, Obj. 4b, auf % verld.) 



kleine Knochenkegel eingelassen" (Zander, 1903, S. 238). Wir werden 
später Formen kennen lernen, denen diese Knocbenkegel fehlen. 

bei Atherina die am 



Die Zähnchen selbst zeigen 



häufigsten 



vorkommende Gestalt; bei Scomher sind sie auffallend lang und 




Fi-. 11. 

t,iiil.tii(k i'itich voriicrhUiKliK''» 
Hi<'bfortBftt/,»!M d«!H crhtfin Kiiimoti- 
bogcriM von AHur'ma hrjiMrInii \i, 
{Sfttir. R^ichnrl. Ok. 4, Obj, 4 b, 
»iiic LiiiHn, tiuf Vi vcrkl.j 




Fig. K; a. I'1g. Ki b. 
R('('lif(^ lliilftc (1(!H KiciiKMikorlx'H von 
Jjihrax hijms ('iiv. und l'iiidutiick väuvh 
vordiMHiändigcn Sic^bfortHützoH ih'H or- 
Mlfii KicniciiliogciiH, Htärk(^r vci'grolic.rt. 



über das Kiemeufilter und die Nahrung adriatischer Fische. 



285 



spitz; an den vorderständigen Siebfortsätzen des ersten Kiemen- 
bogens von Lahrax stehen sie dicht gedrängt wie die Borsten 
einer Bürste. 

C. Siebfortsätze vorder- und hinterständig, mit Zähnchen 
besetzt; die vorderständigen Siebfortsätze des ersten und zweiten 
Kiemenbogens größer als die übrigen. 

Hierher gehört Ceiwla nihescens L., von der schon Troschel 
berichtet: .,Bei Cepola nihescens ist die erste Reihe des ersten und 
die erste Reihe des zweiten Bogens stachelartig. Die übrigen 
Reihen bestehen aus kurzen Fortsätzen. Eine solche Reihe befindet 
sich auch am Rande des Schlundknochens." Die Zähnchen, die 



den Siebfortsätzen aufsitzen, sind ziemlich stumpf und werden eben- 
falls von kleinen Knochenkegeln getragen. Ähnlich gebaut sind 
auch die Siebfortsätze von Tracliinus draco L. 

D. Siebfortsätze vorder- und hinterständig, mit Zähnchen 
besetzt, beiderseits annähernd gleich gut entwickelt. 

Am Kiemenkorb der Mugiliden (Fig. 18) wird die Mundhöhle 
wohl in vollendetster Weise gegen die Kiemen zu geschlossen. 
Die Siebfortsätze stellen lange, platte und fein bezahnte Stäbchen 
dar. Die Breitseiten sind einander zugekehrt. Die vorderständigen 
Siebfortsätze sind an den drei ersten Kiemenbügen größer als die 
hinterständigen, am vierten indessen gleich groß. Besonders lang 
sind hier auch die Siebfortsätze des fünften Kiemenbogens, „die 
denen des vierten Kiemenbogens gegenüberstehen und mit ihnen 
vortrefflich die letzte Kiemenspalte verschließen" (Troschel, 1849). 




Fig. 17. Zähnchen an den Siebfortsätzen 
von Sconiber scortiber L. 

(Vergr. Eeich., Ok. 2, 0bj.4b, eine Linse.) 



Fig. 18. 
Linke Hälfte des Kiemen- 
korbes von Mugil sp. 




286 



Adolf Steuer. 



Mit Ausnahme des ersten Kiemenbogens liegen alle Siebfort- 
sätze in einer Ebene, bilden so eine geschlossene Wand, während 
die vorder- und hinterständigen des ersten Kiemenbogens mit Rück- 
sicht auf die speziellen Raumverhältnisse, um die Mundhöhle an 
der Vorderseite zu verschließen, zueinander in einem spitzen Winkel 
gestellt sind. Die Zähnchen, die den Jungfischen noch fehlen, sind 




:iuf ' , vorkl. I Scit.CllJUliSicllt . auf V;. VOlkl.) 



in verliiilliiisMiiilli;^ dicke Kpitbclscliichlcii (;iiii;('la.i;(!rl. Ich mik'htc 
nocli bemerk« II, dall bei M>tf//I der (JaunKsnpoIster besonders stark 
entwickelt iHt. 

K. SicbfortHiltze last nur an der vordeniu Kante (b'r Kiemen- 
bo^^cn stark entwick(;lt, mcsscrarti^^, mit i'v'uww Ziihncben besetzt. 

Die hierli(;r^^cliörif;cn (lupciden (Hcispiel: ( Jlupra s<mUna Kisso 
und Mona, nihß/iris Val.) Ii.ilx'ii iiiicbsl (Ivu Mugin(b'ii (Ivu knnst- 



über das Kiemenfilter und die Nahrung adriatischer Fische, 



287 



vollsten Filterapparat (Fig. 21, 22). Die Siebfortsätze sind wie bei 
diesen lang, messerartig, plattgedrückt; zuweilen {Clupea, Fig. 19) 
findet man an ihnen Pigmentzellen. Die Zähnchen, bei Clupea 
stumpfer als bei Älosa (Fig. 20), sitzen keinem Knochenkegel auf. 
Bei Clupea sind die am basalen Teile der 
Siebfortsätze sitzenden am Ende gezähnelt 
(Fig. 23). 

F. Siebfortsätze vorder- und hinter- 
ständig, überall fast gleich groß, höchstens 




Fig. 23. 
Zähnchen von der 
Basis eines Sieb- 
fortsatzes von Clu- 
pea sardina Risso. 

(Vergr. Keichert, Ok. 2, 
Obj. 7 a.) 




Fig. 24. 
Linke Hälfte des Kiemen- 
korbes von Cyprinodon 
calaritanus Bon. 
(5:1). 



Fig. 25. Vorderständiger 
Siebfortsatz des ersten 
Kiemenbogensvon Cypri- 
nodon calaritanus Bon. 

(Vergr. Reichert, Ok. 2, Obj. 4b.) 



die vorderständigen des ersten Kiemenbogens etwas größer; ohne 
Zähnchen. 

Wir können diesen Typus am besten an den Kiemenbögen 
von Cyprinodon calaritanus Bonn. (Fig. 24) studieren. Die vorder- 
ständigen Siebfortsätze des ersten Kiemenbogens sind wieder die 
größten. Sowohl die der Mundhöhle zugewendete Seite der Kiemen- 
bögen als auch die einzelnen Siebfortsätze selbst sind von einem 
dicken, welhgen, polsterartigen Epithel überzogen. An frischen 
Präparaten sehen wir in den Siebfortsätzen zu beiden Seiten des 
Skelettstabes ein Blutgefäß (Fig. 25). Im Prinzipe gleich gebaut 
sind die Siebfortsätze von Hippocamjms, Crenilahrus und Golnus, 
doch sind die Polster hier viel schwächer ausgebildet. Bei Creuilahrus 
sind die spateiförmige Gestalt der Siebfortsätze sowie die Länge 
der Skelettstäbe bemerkenswert. 



288 



Adolf Steuer. 



Über die Naliriiiig' adriat isolier Fische, 

Bevor ich zur Besprechung der an 40 Arten im Laufe der 
letzten sechs Jahre vorgenommenen Darmuntersuchung-en übergehe, 
mögen hier zunächst einige Bemerkungen über die Ernährungs- 
verhältnisse der adriatischen Tierwelt überhaupt vorausgeschickt 
werden. Da sich bekanntlich die Fauna südlicher Meere durch 
Artenreichtum und Individuen armut von der der nordischen Meere 
unterscheidet, wird es uns nicht wundern, wenn uns nach den 
Darmuntersuchungen die Nahrung der adriatischen Fauna vergleichs- 
weise erheblich mannigfaltiger erscheint. Dazu kommt noch die 
Ungleichmäßigkeit der Verbreitung der einzelnen Arten auch auf 
anscheinend ganz gleichförmig gestalteten Örtlichkeiten. Die Dredge- 
züge zeigen uns, daß die Individuen einer Art oft nur in sehr 
beschränkten Bezirken massenhaft vorkommen, an anderen Stellen 
derselben Lokalität gar nicht oder nur spärlich. Wenn wir daher 
im Darm eines Tieres nur eine gefressene Art finden, dürfen wir 
nicht etwa schließen, daß diese Art vor anderen als Nahrung „be- 
vorzugt" wurde, sondern wir müssen annehmen, daß das beute- 
suchende Tier eben zufällig einen Platz gefunden hatte, auf dem 
diese eine Art massenhaft vorkommt; so können wir uns zum 
P>cispiel erklären, warum in den untersuchten Stören das cinemal 
nur Ämphioxus, ein anderes Mal nur Philine, ein drittes Mal nur 
(rcbia, und zwar immer in vielen Exemplaren gefunden wurde. 
Ganz ähnlich verhält sich, nebenbei bemerkt, die pelagischc Fauna. 

Größere Ikutestückc werden lieber genommen als kleinere, 
zahlreich vorkommende, auch wenn sie kleiner sein sollten, lieber 
als seltene, langsam flüchtende eher als rasches Wild. Nur bei 
recht wenigen Tieren läßt sich aus konstantem Vorkommen einer 
Tier- oder Pßanzenf(>rm in zahh'cichen Fällen schließen, daß eine 
Art vor anderen als Nahrung bevorzugt wird; so fand ich zum 
IVispicl bei 'I'rfln/s fiwhria/a regelmäßig fH./II. 181)9, 2i)./XI. IHIM», 
l'.t.lW. n«02) als Darniinlialt viele kleine Ophiuridcn und in allen 
biHhcr in der Adria geraiigeiieii und untersuchten Mondfischen 
wurden aiissehließlieh (^ujilleii als Nahrung gefunden fnach 
r. Sehienien/ |1'.K)2, S. Hil] sollen im Miltelmeer auch Aallarvcn 
im M;i;.'-f'n Her Mondfische ^a'liinden worden S(Mnj. 



über (las Kiemenfilter und die Nahruno- adriatischer Fische. 289 



Ich möchte noch erwähnen, daß kaum eine Tiergruppe, mag 
sie auch noch so gut vor Feinden geschützt sein, als Nahrung ver- 
schmäht wird. Graeffe sagt (1880) von den Echinodermen, daß 
„die erwachsenen Stachelhäuter keine Feinde zu haben scheinen" 
und erklärt die gelegentlichen Funde von Echinodermenresten in 
dem Magen der größeren Seeraubtiere, als Fische (Trigla, Miigil), 
Crustaceen oder Mollusken, als „wohl mehr zufällig mit anderer 
Beute heruntergeschluckt". Gegen diese Ansicht sprechen die 
eben erwähnten Befunde an TetJiys, die gelegentlichen Beobach- 
tungen in Aquarien, daß Seesterne von Murex -Arien angefressen 
werden, sowie unter anderem die Angaben von P. Schiemen z 
(1902, S. 180), daß ältere Fleuronedes passer im Westen von Rügen 
Ophiuren fressen.^) ÄhnUch wie die Echinodermen verhalten sich 
auch die Spongien. Mit Rücksicht auf die Bemerkung E. Rausch en- 
plats (1901, S. 91): „Man darf jedoch keineswegs aus dem Vor- 
handensein einzelner Spongiennadeln im Darm auf Spongienfraß 
schließen", möchte ich als Kuriosum das Ergebnis der Darminhalts- 
untersuchung einer großen Thalassochelys caretta L. (6. /VII. 1901) 
erwähnen. Die Faeces dieser Schildkröte, große, grünliche Kugeln, 
bestanden fast ausschließlich aus Nadeln von Tethya lyncurium 
und Suberites; daneben fanden sich nur spärlich Seeigelreste und 
Stücke von FUistra. Eine große Euspongia wurde, wie aus der 
folgenden Zusammenstellung zu ersehen ist, auch einmal im Darm 
eines Fuchshaies gefunden. 

Von den von Rauschenplat (1901, S. 86) angegebenen 
vier Methoden zur Ermittelung der Nahrung wurde aus leicht be- 
greiflichen Gründen nur die letzte (Darmuntersuchungen) als „die 
weitaus exakteste" benützt und nur gelegentlich konnten Beobach- 
tungen im Aquarium und Fütterungsversuche zum Vergleiche heran- 
gezogen werden. Die Mängel der Methode der Darmuntersuchungen 
wurden schon so oft und eingehend besprochen, daß ich sie als 
bekannt voraussetzen kann. 

Im folgenden gebe ich nun in Form einer Tabelle die Ergeb- 
nisse der Untersuchungen über die Nahrung adriatischer Fische; 
nicht eigene Beobachtungen sind als solche kenntlich gemacht. 



^) Über die Feinde der Seewalzen siehe Bronn, Klassen und Ordnungen. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 19 



290 



Adolf Steuer. 



Zalili Datum 



S p e z i e 



Diaro- I 



Cera- 



Größere 
Meerespflanzen 



Spongie' 



10 
11 
12 

13 
14 
15 
IG 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 

25 

26 
27 



17. /III. 

1899 
25./II. 

1904 
15. /XII. 

1898 
30./VI. 

1904 

21. /xn. 

1898 

lO./IV. 

1899 

22. /XII. 



i7./m. 

1899 
lO./IV. 
1899 

9. /1V. 
1902 

10. /lV. 
1899 
IV. 
1895 

3. und 
5./VII. 

1902 
7. /XI. 

1902 

20./I. 

1904 
H./XII. 

1896 

1899 

19./V. 
1904 
30 ./l. 
1904 



lO./XI. 
1904 

2r/x. 

1903 
30./I. 
1904 



SO./XII, 
189« 



Scyllium catulus M. et H. 

„ canicula L.^) . 
Alopias vulpes h.^) . . . 
Prionodon glaucus L. . . 

Mustelus laevis Risso . . 



Äcanthias vulgaris Bp. 



Torpedo marmorata Risso 

Maja clavata L 

Acipenser sp.^) 



Clupea papalina Bp. . 
sardina Risso. 



j Älosa vulgaris V.il 

jj Anguilla vulgaris Flein 
j Centriscus scolopax L.""') 

Hippocampus hrevirostris (Jiiv. 

Jielone vulgaris ricm., Juv."). . 

Athcrina hrpsclus L 



Mugil nurntus Jti.sso') 



(laduK mxinm Nord in 



(iiiii^c 



juDK'i Kill !•)•(>- 
viorphd, JJraiiii- 

algonrcsto, 
(Jla(lo|)linrac(!(!n, 
Diriiiota 



1 Euspongi 



■) Wird in dm A'iuarinti liaiipt>ri(',)ili<'.)i mit, (Jnplialopodon ^ninitort 

») Laut freund I ich« T Mit tciliinj? des IlrTrn I'rof. 'I'h. Tiri», nor. 

•) Laut fr«!iindli<.luT MittfiliinK dr « Herrn l'rof. Ii. II a ( h c Ii «i k. 

♦) I/ol»l im Af|tiariiim von klpitiurf-n KnocIionliHclion. 



r 



über das Kiemeufilter und die Nahrung adriatischer Fische. 



291 



ydroid- 
olypen 



Me- 
dusen 



Würmer 



Crustaceen 



Mollusken i 



Fische 



Loligo 

2 Sepien 
Loligo 



Stücke 

von 
Loligo 



Philine aper- 
ia, zahlreich 



Sfernaspis und 
div. Sedentaria 
Sagitta (stark 
verdaut) 



Sagitta 



ein kleiner 
Zizijphinus 



1 Schnecken- 
schale 



Reste 



Krabben (Beine und Bruch- 
stücke vom Cephalothorax). 
kleine Makruren, Squilla 

(zweiter Kieferfuß) 
Lamhrus angulifr., Squilla 
mantis, Gehia Utoralis 



Crangon 

stark verdaut 
Gehia?, stark verdaut 

Palaemoniden, Gebia 



Gehia Utoralis, 
zahlreich 



Palaemon, kleine Iso- 

poden 
pelagische Copepoden 
j pelagische Copepoden 
pelagische Copepoden 
pelag.Copepod., wenig 



Mysis, Amphipoden 
pelagische Copepoden 

kleinere Palaemoniden, lito- 
rale u. pelagische Copepoden 

sehr kleine Amphi- 
poden 

pelagische Crustaceen (Cal:*.- 
niden und Euterpe, Evadne) 



) Lebte nach Graeffe (1888) über acht Monate im Aquarium von Plankton. 
) Jungfisch von 3-2 cra Größe. 



') Die Bestimmung der Algen besorgte H 
Konservierter 3 cm langer Jungfisch, 



err Assistent C. Tech et. 



Syngnathus 



4 Chrgsophris 
aurata 

1 Gadus 



Platessa imsser, 
ganz verschluckt 
mit Bißwunden. 
UranoHcoptis- 
Reste 

kleine Clupeiden 

Clupeiden 

Chrysophris 
aurata, GohiussTp. 
stark verdaute 
Knochenfische 
Amphioxus zahl- 
reich 



Knochenfisch- 
reste 



19* 



292 



Adolf Steuer, 



Zahl Datum 



Spezies 



Diato- 
meen 



Cera- 
tium 



Größcrc 
Meerespflanzen 



Spongiem 



28 
29 

30 
31 

32 

33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 

42 

13 
44 
45 
46 
17 
48 
49 
50 
51 

52 

53 
54 



lO./IV. 
1882 

30./I. 
1904 

24./XII. 
1903 



25./I. 
1904 



8./ir. 

1899 
8./II. 
1899 
25. /I. 
1904 

3o./r. 

1904 

22./xr. 

1904 

27./ni. 

1903 



29./X. 
1898 

12./I. 
1904 

17/XI. 
1898 
XII. 
1903 
7./I. 
1904 
S./II. 
1899 

it;./xil. 

1898 

2o./xn. 

189K 
2./XII. 

1H9H 

.'JO./I. 

190J 
7. /VII. 

1901 

14 /I. 
1!K)1 

IC./V. 

l'.Mi4 
7./XI. 

1H9K 

;». V. 

l'.HM 



Gadus euximis Nordni., juv.^) . 

Cepola riihescens L 

Lahrax lupus Ciiv.^) 

Dentex vulgaris Cuv. et Val.') 

Maena vulgaris Cuv. et Val. . . 

Box salpa L.^) 

Oblata melanura L 

Pagellus enjtlirinus Cuv.etVal.^) 

n n » • • 

Scomher seomher L 

Thynnus vulgaris Cuv, et Val. . 
Lepidopus caudatus Euphras. . 

Zeus fdber hf) 

Solea lutea Risso 

„ vulgaris Cuv,') 

Pleuronectes ^msscr Bp 

n n n 

n 11 11 J • ■ ■ • 

Gohius sj) 

Scorpaena scrofa \j 

n n 11 

Trigla Jiirnndo Iii 

^ lineata L 

Trachyjdcrns taenia VA. . . . 

Lo])hius piscalorins L.") . . . . 

JinlistcH cajn'iscus 

OrthugoriscuH inola L 



Grund- 
formen m 
Sehl 



Konw?rvi«rtrT <*. r». Innrer .InnKflsr,!!. 



Stücke von 
Polysiphonia 



Grünalgen 



Zoslcra 



Spongien- 
nadeln 



Spongien- 

nudolD 



'■■) liiillRO «iOH FiHCllOH 41 rni. 

ri Heimln or mit don ZiilinoM /.nrl.rliininort. 



') Lobt in i\i-u Aqnuriiii von klfim-ti MiiKclifiln, dor«! 
«) NhcIi iJrcliin (Tiflrlobi-n) citi «•cliffr rilanzfüifroHMor ; Huclit hoIiio NalinuiK im HclimiitziKHten 
)il,imm'- <OriU!ff<-, IHKM). 

■j l-riöt mich (irinfff«' {\HHH) li;uiiilMa<;lilicli MolIuHkon, 



1 



über das Kiemenfilter iiiul die Nahriin<j adriatischer Fische. 



293 



lydroid- 

iolypen 



Me- 
dasen 



Würmer 



Crustaceen 



Mollusken 



Fische 



ampa- 
iiIarideD 



Stacheln von 
Hermione 

Anneliden 

Capitelliden, 
DasycJione 



ausschließlich 
Sagiffa, in Men 
gen, noch toII- 
kommen erhalten 



pelagische Copepoden nnd 

Cladoceren 
viele pelagische und litorale 
Copepoden, wenige Amphi- 
poden 

2 Carcinus von irm Cephalo- 
thoraxhreite ganz verschluckt 



viele kleine Palaemoniden, 
kleineAmphipoden, geuücrend 
litorale Cyclopiden und Har- 
pacticiden 



stark verdaut 
stark verdaut 



Gehia Utoralis 
stark verdaut 

kleine Makrnren 

kleine Penaeiden 
kleine Makruren und 
Braehyuren 



Portumis pusiUus, unver- 
letzt 

Portunns; davon einige un- 
verletzt. Kleine Makruren 

Dekapoden, stark verdaut 



Reste eines großen 
Euisopoden 



kleine 
Schnecken 

und 
Huscheln 



Schnecken- 
schalen 

Schnecken- 
gehäuse 



Chilo- 
stomata 



Knochenfisch- 
reste 

Knochenfisch- 
reste 



1 kleiner 
Knochenfisch 



kleine Knochen- 
fische 
Knochenfisch- 
reste 



Aca- 
lephen 
Rhizo- 
stoma 



^) Konserviertes Exemplar von 12 em Länge. 

Diatomeen, Spongiennadeln und Schlamm wohl aus dem Darm der stark verdauten Hermione. 
*•) Die Krehschen meist eingeschlossen von einer Menge rhomboedrischer Krystallc aus kohlen- 
saurem Kalk; diese sind farblos, durchsichtig, gelblich oder weiß und undurchsichtig. 
») Jungfisch von 3 cm Länge. 



294 



Adolf Steuer. 



Aus der Zusammenstellung* ergibt sich, daß die wichtigste 
Nahrungsquelle der adriatischen Fische Crustaceen darstellen; an 
zweiter Stelle stehen Vertreter der eigenen Klasse, dann folgen 
Mollusken und vegetabilische Nahrung (hauptsächlich Algen), Dabei 
bevorzugen Selachier Knochenfische, Crustaceen und Cephalopoden. 

Die Asymmetrie des Kiemeiifilters von JPleiironectes 
passer Bp. 

Ungleichmäßigkeiten in der Zahl der Siebfortsätze an den 
rechten und linken Kiemenbögen der Fische sind bereits mehrfach 
beobachtet worden. Popta (1901, S. 141) sagt darüber: ,,Le nombre 
des appendices n'est pas toujours le meme du cote droit de la bouche 
que du cote gauche pour le meme arc et le meme cot6 de Farc, 
souvent il y a une difference d'une, deux ou trois." Nach Zander 
(1903, S. 247) stehen bei Clupea alosa am ersten Kiemenbögen 
rechts 40, links 38 Siebfortsätze, am dritten rechts 30, hnks 32. Bei 
Zeus fahcr fand ich am ersten Kiemenbögen rechts 15, links 13, am 
zweiten beiderseits 12, am dritten rechts 11, Hnks 10^ am vierten 
rechts 0^ links 8 Siebfortsätze. Eine Solca vulgaris hatte am ersten 
Kiemenbögen rechts 11, links 12 Siebfortsätze. Wegen der allge- 
meinen Körperasymmetrie dürften diese Asymmetrien in der Beweh- 
rung der Kiemenbr)gcn bei riattfischcn besonderes Interesse bean- 
sj)ruchcn und sie wurden daher bei einer Form, ricuronedes passer, 
genauer untersucht. Dunckcr (1896, S. 81) sagt bezüglich der Zahl 
der Siebfortsätze: „Der Kegel nach sind sie auf der Augcnscite etwas 
(um 1 oder 2) zahh-eiclicr als auf der blinden." Dieses Verhalten 
zeigten auch die 'l'riester Schollen, und zwar bekam ich auf (^rund 
der Untersuchung von zirka 20 Individuen folgende Mittelwerte: 







A 


ii;,''(!nH()it(3 


liliiidHCiito 




i. K 


ii^nicn) 


JOgCIl .... 


12-1 


12 


-f-Ol 


JI. 






10-2 


9-9-1 


+ ()2() 


III. 






9-3 


8-9'1 


+ ()-3G 


IV. 




außcnstiindig- 


4-H3 


]')•();") 


0-22 


IV. 




innenständi^- 




41 


-Ol 


Aus 


dicHcr 


ZuHammc^nstelhing 


(M-ihi 


^icli also, 


daß die 



vorderen K i< iiM iili»cli(;i' der AugenHcilc; inclir Si(',l)lorl,Häiz(5 b(5siizcn 



über das Kiemenfilter und die Nahrung adriatischer Fische. 



295 



als die der Blindseite, während das vierte Kiemenloch an der 
Blindseite etwas reicher damit versehen ist als an der Augen seite. 

Vergleichen wir nun die Zahlen der zweiten bis fünften 
Reusenreihe der Triester Schollen mit denen aus deutschen Meeren 



Es haben also die adriatischen Schollen durchgehends etwas 
mehr Siebfortsätze als ihre nordischen Artgenossen. 

Nach Duncker (1896, S. 79) ist die Scholle eine „hochnörd- 
liche Form", die später nach dem Süden herabwanderte; darnach 
würde eine geringere Zahl von Siebfortsätzen als ein ursprüngliches 
Verhältnis anzusehen sein. Duncker bringt weiters die im Verhält- 
nis zum Flunder geringere Bewehrung der Kiemenbögen der Scholle 
in Zusammenhang mit der Nahrung derselben; diese besteht 
nämlich nach den übereinstimmenden Angaben vieler IJntersucher 
der nordischen Scholle ausschießlich (Duncker) oder doch der 
Hauptsache nach, namentUch in den späteren Jahrgängen (Cunning- 
ham, Möbius und Heincke, Rauschenplat, Schiemenz), aus 
Muscheln. „Die Scholle kann mit ihren Schneidezähnen wohl 
unbewegliche Objekte, wie Muscheln, packen, dagegen weder mit 
diesen noch mit den weit auseinander stehenden Reusenfortsätzen 
freier bewegliche, wie die Würmer und Crustaceen des Litoral- 
gebietes, erbeuten; sie ist daher ausschließhch auf nicht zu wider- 
standsfähige Muscheln angewiesen", sagt Duncker. Nun fand ich 
aber als Darminhalt der adriatischen Schollen ausschließlich Würmer 
und Crustaceen und es wäre daher nach den obigen Ausführungen 
möglich, die vermehrte Zahl der Siebfortsätze bei der adriatischen 
Scholle mit der Art ihrer Ernährung in ursächUchen Zusammen- 
hang zu bringen. 

Von Abnormitäten wurden an den untersuchten Reusen- 
apparaten der Scholle folgende gefunden: die schon von Duncker 
erwähnte und in Fig. 15 seiner Arbeit abgebildete Verschmelzung 



(nach Duncker, 1896, S. 81): 



Triester Schollen 



Nordische Schollen 



II . . . 8—10 (meist 10) 

III . . . 3—8 ( „ 9) 

IV ... 3-5 ( „ 7) 
V ... 0-5 ( „ 4) 



7—11 (meist 9) 

4-9 ( „ 7) 

4-8 ( „ 6) 

0-6 ( „ 3) 



296 



Adolf Steuer. 



zweier nebeneinander stehender Siebfortsätze sowie zweimal ein Sieb- 
fortsatz an der Innenseite des linken zweiten Kiemenbogens. 

Zusamiiieiifassimg'. 

Im Gegensatze zu den Süßwasserfischen zeigen die marinen 
Fische eine derartige Mannigfaltigkeit in der Ausbildung des Filter- 
apparates, daß sich dem Versuch einer Gruppierung der einzelnen 
Typen der Siebfortsätze, sei es nach phylogenetischen, sei es nach 
rein biologischen Gesichtspunkten, erhebliche Schwierigkeiten in 
den Weg stellen. Wir finden die Kiemenbögen bei gefräßigen 
Raubfischen bald ganz nackt, bald wieder die ganze Mundhöhle 
mit spitzen Zähnchen besetzt. Daß die letzteren in der Mehrzahl 
der Fälle nur zum Festhalten der Beute, weniger zum Zerkleinern 
der Nahrung dienen, beweisen die vielfach ganz verschluckten 
Beutetiere. Zander bringt den engen Verschluß der Kiemen- 
spalten bei den Cypriniden mit der Gewohnheit dieser Fische „im 
Schlamm zu graben" in Zusammenhang. Bei den marinen Fischen 
sind aber nicht ausnahmslos die r>ewohner des Schlammgrundes 
fPleuroncctiden) oder die im schmutzigsten Hafenwasser sich mit 
Vorliebe auflialtcnden Fische (Bor) gegen eine Verunreinigung 
der Kiemenb()gen in besonderer Weise geschützt. Für die Aus- 
bildung der Siebfortsätze scheinen phylogenetische, biologische und 
walirsclicinlicli noch andere uns vorläufig noch unbekannte Faktoren 
maßgebend gewesen zu sein und es ist in vielen si)eziellen Fällen 
die Entscheidung schwierig, Avelcher ausschlaggebend gewesen sein 
mag. Daß sich der Filterapparat an veränderte Nahrung an])assen 
kann, ist bei JHrnronrcfrs wahrscheinlich gemacht worden. 

Soviel dürfte feststehen, daß dem Filteraj)i)arat zunächst die 
Aufgabe zufällt, das erste Kienienloch zu verschließen und daß die 
Sicherung (htr folgernden Kicrm^n erst in zweiter Linie in liel rächt 
koiiDiit iiiid (l;is ;nis folgenden (iiihulcn: das erste Kienienloch ist 
(las griJite und daher v'in Nahningsvcrlust und eine Verunreinigung 
der Kienieii auf diesem W(;g(! in hohem Maße möglich. Fin weiterer 
(iriind dllrfle in der Arf der Nahrungsaufnahme gelegen sein; 
dicHC scheint hei vifilcn Teleosticrrn in folgender VV(Mse vor sich zu 
gehen. ist die Nahrung in (Wc. Mundliidde auCgenommen, dann 
wird zugleich mit dem Sehließen des Mundes die ganze basale 



L ber das Kiemenfilter und die Xahnincr adriatischer Fische. 297 



Partie des Rachens nach oben gegen die an der dorsalen Hinter- 
wand gelegenen Gaumenpolster gedrückt, wie wir dies am besten 
an einem Längsschnitt durch den Kopf eines Mugil beobachten 
können, wo bei geschlossenem Mund fast die ganze Rachenhöhle 
von den mächtig entwickelten Gaumenpolstern ausgefüllt wird. 
Dadurch wird von hinten her gegen die Mundöffnung ein Strom 
erzeugt, der die ( eventuell schon etwas zerdrückte) Nahrung zugleich 
mit dem etwa aufgenommenen Schlamm hauptsächlich gegen die 
vordersten Kiemenbögen treibt. Sind in dem aufgenommenen Bissen 
viele Hartteile (Steinchen, zerdrückte Schalen etc.), so wird, wie 
ich dies wiederholt in Aquarien beobachten konnte, der Bissen 
kräftig ins Wasser ausgestoßen. Indem dort die schwereren Stein- 
chen oder Schalen rasch zu Boden -sinken, wird der Bissen in 
einfachster Weise von den unverdaulichen Stoffen gereinigt und 
hierauf wieder aufgeschnappt. 

Etwas anders liegen die Verhältnisse bei den Plattfischen. 
Infolge der ungleich weiteren Kiemenötfnung der Augenseite dürfte 
die Wasserströmung hier hauptsächUch die ersten Kiemenbögen 
der Augenseite treffen, die daher auch die meisten Siebfortsätze 
tragen. Weniger leicht zu erklären ist die etwas größere Zahl 
der Siebfortsätze an dem letzten Kiemenloch der Blindseite gegen- 
über dem der Augenseite. 

Bekanntlich greifen die Siebfortsätze je zweier aneinander« 
liegenden Kiemenbögen wie die Zähne eines Zahnrades ineinander. 
Damit nun die freistehenden außenständigen Siebfortsätze des 
ersten Kiemenbogens den Eintritt der Nahrung nicht hemmen, ist 
es nötig, daß sie sich möglichst platt dem Mundrande anlegen; zu 
diesem Zwecke erscheinen die Siebfortsätze entweder in ihrer 
ganzen Länge oder nur an ihrem distalen Ende (LkTiia) abgeplattet. 
Dort, wo es, wie bei den Clupeiden, darauf ankommt, bei möglichster 
Festigkeit der einzelnen Siebfortsätze ein mögHchst dichtes Filter- 
werk zu schaffen, stehen die einzelnen plattgedrückten Stäbe mit 
ihrer Breitseite gegen einander gekehrt, mit ihrer Basis quer zur 
Längsrichtung des Kiemenbogens. Dem entsprechend erscheint ihre 

^) Es wäre interessant, die Atmung bei jenen Plattfischen (Phryno- 
rhomhiis) näher zn untersuchen, die sich mit der Blindseite an senkrechten 
glatten Wänden festzuhalten vermögen. 



298 



Adolf Steuer. 



Spitze in entgegengesetzter Richtung etwas plattgedrückt. Bei 
anderen Formen (Trachypterus) wird ein Mittelweg eingeschlagen: 
die Siebfortsätze sind dann größtenteils plattgedrückt und stehen 
mit ihrer Basis schräg, sich teilweise dachziegelartig überdeckend, 
zur Längsrichtung des Kiemenbogens. Bei noch anderen Fischen 
(Gohins) endlich scheint eine Hautfalte des Kiemendeckels die 
vorderständigen Siebfortsätze des ersten Kiemenbogens nach vorne 
zu abzudecken. 



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1893 ff. Seciiigcr, 0. Manteltiere, (in: Br(»nii, Klass(Mi und Onlmmgeii (I(!h 

'i'ierrcichcH.) 
1888. HuHta. Die Eriiiihning des Ksirpfim. 

1902. 'J'hilo, 0. Die l Jnibildiiiig am Knocliengcriisle der Scliollcii. (Zoolog. 

Anz., Bd. XXV, S. :{()5.) 
1819. 'i'roHchel, F. II. (Iber die Bew aniiiing «l(;8 Kieiiieiibog(!ns tUr l"'iHcli('. 

(Archiv f. Naturg., H. :{70.) 



über das Kiemeufilter und die Nahrung adriatischer Fische. 



299 



1879. Turner, W. The strueture of the comb-like branchial-appendages and 
tlie teeth of the Basking Shark (Selache maxima). (Journ. Anat. Phys., 
Vol. 14, p. 273. — Referat in Zool. Jahresber. Neapel, 1880, S. 51.) 

1903. Walter, E. Das Kiemenfilter der Süßwasserfische. (Neudammer Fischerei- 
Zeitung, Nr. 49.) 

1903. Zander, E. Studien über das Kiemenfilter bei Süßwasserfischen. (Zeit, 
f. wiss. Zool., Bd. 75, S. 233.) 



Beiträgfe zur Flora von Kärnten, Salzburg 

und Tirol 

Von 

Louis KeUer. 

(Eingelaufen am 13. Jänner 1905.) 

Anschließend an die ausgezeichnete Arbeit über die Flora 
des unteren Gailtales von Karl Prohaska sollen diese Zeilen teils als 
IV. Beitrag zu meinen bereits erschienenen drei Beiträgen zur Flora 
von Kärnten, teils als Ergänzung zur Flora von Salzburg und Tirol 
dienen. 

Um die später angegebenen Fundstellen übersichtlich zu 
machen, erlaube ich mir eine kurze Darstellung des in den Ferien 
1902, 1903 und 1904 begangenen Territoriums zu geben. 

1. Als Ausgangspunkt der im Jahre 1902 in Kärnten unter- 
nommenen Ausflüge sind Eisenkappel, Villach und Gmünd bei Spital 
a. d. Drau anzusehen. 

Von Eisenkappel wurde über den Jovanberg (1460 m) zwei- 
mal der Hochobir (2141 m) erstiegen und die in der Umgebung 
interessante Kupitz- und Rijawitzaklamm wie auch die romantische 
Ebriachklamm^ der Loipnik-, Leppen- und Remscheniggraben be- 
sucht. Durch letzteren wurde nach dem eine hübsche Ubersicht 
gewährenden Wallfahrtorte St. Leonhardt (1330 m), sodann auf der 
Höhe über den Pavlic- und Potschulasattel nach Bad Vellach ge- 
gangen. Auch der vom Klopeinersee durch den Wald nach Ebern- 
dorf wie auch der von Miklauzhof nach Rechberg und Eisenkappel 
führende Weg wurde wiederholt gemacht. 



300 



Louis Keller. 



Von Villach besuchte ich über Heiligengeist den Dobraß 
(2167 auf der bis zur Spitze führenden Straße sowie auch die 
nähere Umgebung der Stadt. 

Von Spital a. d. Drau ging ich die alte und neue Reichs- 
straße nach Gmünd, von Seebach über Techendorf nach Millstatt 
und von hier über Treffling (ca. 800 m) nach Gmünd. Diese Partien 
wiederholte ich öftere Male. 

Auch der bei Gmünd befindliche Radigraben mit seinem ein- 
fachen Bade wie die Orte Hattenberg, Kreuschlach^ Oberbuch, der 
Kalvarienberg und der Treffenboden sind bemerkenswerte Spazier- 
gänge. 

Der Lieser entlang führt der Weg über Eisentratten nach 
Leoben. Reich gestaltete sich die Partie über Neuschitz auf die 
obere Gamperhütte (hier wurde übernachtet) und auf das eine 
prächtige Aussicht bietende Gmeineck (2587 on), der Hühnersberg 
der Generalstabskarte. 

Die über Ober-Malta, den Pfliiglhof, den durch die Unwetter 
von 1903 zerstörten Blauen Tumpf ins Maltatal über die Wastl- 
baueralm zur Osnabrückerhütte ins Großelend unternommene Partie 
gehört sowohl touristisch als auch floristisch zu einer der groß- 
artigsten. 

Auch der über die drei Gößfälle von Pfliiglhof über die Kohl- 
mayralm zum mächtigen, hochromantischen Zwillingsfall führende 
(}i*>ßgraben verdient Erwähnung. 

2. Die in Salzburg unternommenen botanischen Ausflüge 
erfolgten von den im Oberi)inzgau gelegenen Orte Bramberg zunächst 
in die umliegenden Ortschaften Wens, Weyerhof und Miililhnch 
so\vi(; d(;n hier mündenden Mühlbachgraben, nach Mittcrsill über 
Dorf Paß Tliurn, Arndorf und 1 lollersbach und an den nahe der 
Velbertauernstraßc gehigenen liintersee. 

Von Station Ilabaclilal wanderte icli ins Tal gleichen Namens 
über die „ Aljienrose", (liner auKgezeiclineten Verpllegsslaticni zu (l(!r 
von der Sektion P»(;rlin errichteten llabaehliütte (23(58 m,), gevvi>bn- 
lir li dort licrlinerhüttc genannt. 

Ebenso ist der von Cramberg auf den mit lierrlicber y\nHsiclit 
auHgestatteten VVildkogel ('2'2'2i) in) führende Weg mit dem Abslief,^ 
nacb Nciikirclicn /n crwübncn, V(»n wo ans über Station Krinil 



Beiträge zur Flora vou Kärnteü, Salzburg- und Tirol. 



301 



und Falkenstein die drei Krimler Wasserfälle und im Retourwege 
i der Sulzbaclifall leicht zu erreichen sind. 

; Die zweite Station war Maishofen bei Zell am See. Von hier 
wurde zunächst die bekannte Schmittenhöhe (1968 ni) und der nach 
Osten liegende Hohe Hundstein (2116 m) bestiegen. 

Auch durchforschte ich das Kaprunertal über Kesselfall — 
Alpenhaus, den Wasserfallboden, Moserboden bis zum Karhnger- 
gletscher (1965 m). 

Am meisten beging ich die Moore und Wassergräben bei Fürth — 
Kaprun, der Prielau, bei Bad Neunbrunnen, bei Schloß Kammer, 
Mitterhofen, Dechantsdorf und Gerhng und von Saalfelden nach Alm. 

Schließlich durchstreifte ich das Tal des Saalbaches bis Ort 
Saalbach, überschritt die Glemmerhöhe, um über Faistenau nach 
Hochfilzen zu gelangen. 

3. Das bei Imst gelegene kleine Örtchen Brennbichl wählte 
ich als Ausgangspunkt fiir die in Nordtirol zu unternehmenden 
botanischen Ausflüge. 

Zunächst besuchte ich die umhegenden Orte Karres, Karösten, 
Schloß Starkenberg, Müs, Gungelgrün, Schönwies, Imst und die 
romantische Rosengartlschlucht. 

Eine viertägige Fußtour führte mich ins Ötztal über den 
Piburgersee (915 7u) nach Umhausen, Längenfeld und Sölden, durch 
, das Redtenl)achtal die Gletscher überquerend über das Pitztal erjöchl 
I (2995 m) zur prächtig gelegenen Braunschweigerhütte (2759 m), 
' längs des Mittelberggletschers nach Mittelb erg und das Pitztal tal- 
wärts über Wens und Bad Steinhof nach Imst. 

Erwähnenswert ist der Weg über Imsterberg (844 m) auf die 
Kronburg (1063 ni) und herab nach dem schön gelegenen Zams und 
I den am linken Innufer herabstürzenden Lötzer Wasserfall, weiters 
lüber Perien nach Landeck. Von hier führt ein Weg über den 
Venetberg (2513 m) den Rücken entlang über den Gschwent 
I (1884 m) mit dem Abstieg nach Bad Steinhof und über Arzl an 
I die Bahnstation Imst, von wo öftere Male ein Spaziergang über 
Wald (895 m) nach Roppen unternommen wurde. 

Von näheren Bergpartien ist erwähnenswert der Tschirgant 
^2372 )n)^ dessen Flora artenarm zu nennen ist im Gegensatze zu 
der des 2771 m hohen Muttekopf, aus Konglomerat bestehend. 



302 



Louis Keller. 



Ein sehr lohnender Ausflug- ist von St. Anton über den Arlberg 
mit St. Christoph (1802 m) nach Stuben und Langen. Ebenbürtig 
reiht sich die Partie über Nassereit und dem Fernpaß am BHnd- 
und Weißensee vorüber nach Bieberwier, am Fuße der Sonnspitze 
gelegen, und dem nördlich liegenden Lermoos. 

Das dieser Arbeit zugrunde liegende Materiale befindet sich 
in meinem Besitze und ist die Anordnung des Stoffes — mit Aus- 
schluß der schon in den einzelnen Floren von Kärnten, Salzburg 
und Tirol sowie der anschließenden Berichte der einzelnen Referenten 
in den „Verhandlungen" der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft 
namhaft gemachten Stando-rte — analog dem der vorhergehenden. 

Herr Bürgerschullehrer Johann Vetter hat die für Kärnten 
neuen Standorte aus der Sammelperiode 1904 mir zur Veröffent- 
lichung übergeben und sind diese mit (V.) bezeichnet. 

SchHeßHch möchte ich noch auf den Umstand hinweisen, daß 
infolge der übermäßigen Hitze des vergangenen Sommers schon zu 
Anfang der Ferien der größte Teil der Alpenflora abgeblüht war, 
daher in dem Bericht über Salzburg die Wasserpflanzen dominierend 
auftreten. 

Polypodiaccac. 

Äthyrium filix femina (L.) Roth. Häufig am Rande der Sümpfe 

am Südende des Zellersees. 
Asjndiiim Lonch'dk (L.) Sw. Vereinzelt in einem Seitengraben 

des Habachtalcs nahe der „Alpenrose". 
Aspidium aculeakim (L.) Sw. An Bachrändern nahe der Spielberg- 

alni bei Hochfllzen. 
Asj)i(lin7n sjH)ndosHni (Müll.; Sw. An Sumpfrändern am Südende 

des Zellersees. 

Asjndiinn spinulosmn (Mlill.) Sw. var. (jlandtdosa Mihlc. Auf dem 
Torfmoor von Neunbrunnen nächst Maishofen. 

Von derselben Lokalität stammen folgende vier furkalc 
Formen: 

I. Das (liitlc linke l'riniärHCgnicnt von unlen teilt sich beim 
/\v('it(;n Ki('(l(Mcli(;n in zw(;i rcgclrcclitc, f) mi l;m^;o 
l'i(!(leni; dabei sind am crsfcii und /weiten rriniär- 
Hcgmcni mehrere Ficderchen an d(;r Spitze gegabelt. 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



303 



II. Das vierte rechte Primärsegment von unten gabelt sich 
beim zweiten Fiederchen in zwei Fiedern, jedes 3 5 cm 
lang; dabei sind am untersten Primärast zwei Fieder- 
chen vom Stiel aus gegabelt. Beide Formen gehören 
der var. glandulosa Milde an. 

III. Zwischen dem ersten und zweiten Primärsegment von 

unten zweigt ein regelrechtes Blatt von 24 cm Länge 
mit regelmäßigen Fiedern ab. Der dritte Primärast ist 
an der Spitze gegabelt. 

IV. Das sonst reguläre Blatt ist an der obersten Spitze kurz 

gegabelt. Die beiden letzten Formen gehören der 
var. eglandulosa an. 

Onoclea Stnitliiox^tens (L.) Hoflfmann. Am Bache bei Jerzens im Pitz- 
tal^ sehr häufig. 

Woodsia alpina (Bolton) Gray. Im Leitertal bei Heiligenblut (V.). 

Lycopodinae. 

Lycopodimn Selago L. Nicht häufig vom Pitztaleijöchl zur Braun- 
schweigerhtitte (ca. 2800 m) und an der Arlbergstraße zwischen 
St. Christoph und Stuben. 

Lycopodium Chamaecyparissus A. Br. Im Kedtenbachtal bei Sölden, 
auf Steinen, ca. 2300 selten. 

Coniferae. 

Junipenis Sahina L. An Berghängen zwischen Umhausen und 
Längenfeld im Ötztal, sehr häufig (scheint hier Junipenis nana 
zu vertreten). 

Sparganiaceae. 

Sparganium erectum L. Häufig im Sumpfe zwischen Arndorf und 
Mittersill. 

Po tamogetoneae . 

Fotamogeton natans L. var. prolixa Koch. Sehr häufig in Abzugs- 
gräben der Torfmoore bei Maishofen. 

Potamogefon perfoliaüis L. Massenhaft mit der vorigen Art. 

Potamogeton crisptis L. var. serrahda Sehr. Häufig mit den beiden 
Arten. 



304 



Louis Keller. 



Potamogefon alpinus Balb. Massenhaft mit den vorigen Arten, in 
kleinen AVassergräben bei Gerling und Neunbrunnen, zahlreich 
in Lachen einer Wiese zwischen Bramberg und Mtihlbach. 

Potaniogeton trichoides Cham, et Schld. Mit der vorigen Art bei 
Bramberg. 

Potamogefon pusillns L. Massenhaft in Lachen bei Maishofen an 
der Straße nach Saalfelden. 

Juiica^iiieac. 

Trlglochin palustre L. Auf feuchten, wiesigen Plätzen nahe der 

Station Bramberg. 
Svheuclizeria palustris L. Massenhaft auf dem Torfmoor nahe Neun- 
brunnen, aber selten fruktifizierend. 

Beck bemerkt in seiner Flora von Niederösterreich, 
S. 222, daß die Einzelfrüchte meist zu drei, selten zu sechs 
an einer Pflanze zu finden wären. 

Ich sammelte am obengenannten Orte Pflanzen mit 
13 Einzclfrüchten, zumeist aber mit mehr als 6. 

Grrainiiicae. 

Zea Mays L. Bei Schönwies nächst Landeck und Umgebung, sehr 

häufig mit männlichen und weiblichen Blüten in einer Ähre. 
A grast is rupcstrls All. An steinigen Orten, auf der Spitze des Wild- 

kogcls bei Neukirchen, 2225 sehr häufig. 
ylgrostis alpina Scop. f. flavesccns. Im Lcitcrtal bei lleiligenbhit (V.). 
J)cs(:ham])sia flcxnosa (L.) Trin. Auf dem Wege von Ncukirclicn 

auf den Wildkogel, ca. 1700 w, häufig. 
Amiaslrum sesf/mtertnim (L.j Fritsch. Hei den Platten nächst der 

Pasterze von Ileiligenblut fV.). 
Jrrt,fisfr/nn vrrslrolor (Vill. i Fritsch. im Torfmoor bei Neunbrunnen 

nächst Maishofcn. 
,S/:slf'rif' fOrror/tlofi) (thi'iclia Lk. ( I lolViii. ). Auf F(ilsen bei der 

llabacliliiitt(;, H(;lir hiiiilig. 
Sirgliugia (l/:a(mhrns (L.j Kernh. Zahlreicli niiC den VVicsiüi gegen 

Neukirchen. 

J'(,(f (tljtntd \j. Sehr liiiiilig auf der Spitze; (I(;h VVil(lkog(!ls, auf 
Hteinigcni JJodcn, 2225 dl 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



305 



' Foa nemoralis L. f. montana. Im Leitertal bei Heiligenblut (V.). 
i Foa nemoralis L. f. glaiica. In der kleinen Fleiß (V.). 
i Fcskica hetemphylla Lam. Auf dem Wege von Neukirchen auf den 
I Wildkogel. 

I Festuca Norica Hackel. Auf der Pasterze bei Heiligenblut (V.). 
i Festuca picta Kit. Bergabhänge im Gößnitztal gegen die Redschtitz- 
alpe (V.). 

i Festuca aiirea Lam. Zwischen den zwei Platten bei Heiligenblut (V.). 

Cyperaceae. 

Cypems flavescens L. An Sumpfrändern bei Station Bramberg mit 

Isolepis setacea (L.) R. Br. und bei Gerling. 
Carex rupestris All. Massenhaft vom Pitztalerjöchl zur Braun- 

schweigerhtitte, 2700—2900 m. 
Carex ecJiinata Murr. Im Torfmoor von Neunbrunnen, nicht häufig. 
Carex leporina L. In der Nähe des Sulzbachfalles bei Neukirchen, 

sehr häufig. 
Carex pallescens L. Ebendort sehr häufig. 

Carex fuliginosa Schk. Auf dem Gmeineck oberhalb der Gamper- 
hütte, ca. 2300 m, häufig. 

Carex hrachystacJiys Schrk. Am Alpjöchl des Muttekopf auf Kon- 
glomerat, ca. 2400 m, sehr häufig. 

Carex vesicaria L. Am Rande der Abzugsgräben der Torfmoore 
bei Maishofen mit Potamogeton natans, häufig. 

Carex lagopina Wahlbg. Zirmsee beim Seebichlhaus in der kleinen 
Fleiß (V.). 

Carex rostrata With. Im Torfmoor bei Neunbrunnen, typisch. 

Araceae. 

Calla palustris L. In Lachen des Torfmoores bei Neunbrunnen mit 
Menyantlies trifoliata, sehr häufig und in besonders üppigen 
Exemplaren. 

Juiicaceae. 

Juncus articulatus L. var. fliiitans. In Sümpfen bei Station Bramberg; 
darunter viele, deren Köpfchen in große, blattartige Knospen 
ausgewachsen waren. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 20 



306 Louis Keller. 

Luzula angiistifolia (Wulf.) Garcke var. ruhella Hoppe. Auf dem 
Wege von Neukirchen auf den Wildkogel, ca. 1700 m, sehr 
häufig. 

Luzula glabrata (Hoppe) Desv. An der Pasterze bei Heiligenblut 
(V.) und an schattigen Stellen der Arlbergstraße zwischen 
St. Christof und Stuben, sehr häufig. 

Liliaceae. 

Tofieldia x)alnstris Huds. An feuchten Stellen des Muttekopf gegen 
die Hütte, ca. 2300 m, vereinzelt. 

Ällium Victoriaiis L. An Gehängen am unteren und oberen Wasser- 
fallboden bis Hotel Moserboden sehr häufig zwischen Ehodo- 
dendron-Gehüsch. 

Ällium oleraceum L. Am Kalvarienberg bei Gmünd nicht häufig. 
Lilium hulhiferuni L. In der Kupicklamm, vereinzelt. 

Irideae. 

Iris Pseud-Äcorus L. In Wassergräben der Torfmoore bei Mais- 
hofen, in Frucht, sehr häufig. 

Grell idcac. 

Coeloglossum viride (L.) Hartm. An grasigen Stellen am Alpjöchl 

des Muttekopf, nicht häufig bei ca. 2400 m, auf Konglomerat; 

auf Kronburg bei Zams, selten. 
Nigrifclla nigra (L.) var. rosea? Auf der Spitze des Hochobir, 

2141 selten (lUUten blaßrosa). 
(i ipiDKidoila fdhida (L.) Kich. Im llabachtal oberhalb der Alpenrose. 
('(j)h(il(i)(l}irra ruhrn fL.) W'wh. Im Wald nächst Arzl bei Imst, 

nicht häufig, und am .lovanstcig gegen den Jovanberg, sehr 

häufig. 

lAstcra nn-ddld \\. iir. lliiiifig an moosigen, schattigen Stellen, 
am Wege zur SchmittenlnilK^, dort, wo der rotmarkierte Weg 
nach Kaprun abzweigt. 

(if,o(h/rrn rr/trns K. Hr. An moosigen Stellen im Wald vor Arzl, 
Kclt(;n, im Wald auf der Kronburg hei Zams, selten, und im 
WaM nalic der SchicßKtalt von Imst, nicht häufig. 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



307 



Sturmia Loeselii (L.) Rchb. Im Prielauer Moor nicht häufig-, auch 
im Wasser stehend. 

Malaxis paludosa (L.) Sw. Auf schwammigem Boden des Prie- 
lauer Moores, vereinzelt, bis zur Ähre im Sphagnum steckend. 

Microstylis monopliylla (L.) Lindl. Mit Goodyera repens im Walde 
nahe der Schießstatt von Imst, nicht häufig. 

Salicineae. 

Salix lierhacea L. Im ganzen Redtenbachtal bei Sölden von den 
Almhütten an, streckenweise den ganzen Boden überziehend, 
besonders gegen den Gletscher und bei ^der Braunschweiger- 
hütte, überall massenhaft, oft die Vegetation verdrängend, 
2759 m. 

Salix rosmarinifolia L. Im Torfmoor bei Neunbrunnen, häufig (in 
Blättern). 

Santalaceae. 

Tliesiiim alpinum L. Häufig in einem Seitengraben bei der Alpen- 
rose im Habachtal. 

Chenopodiaceae. 

Chenopodiiim polyspermum L. Als Unkraut in Gärten von Mais- 
hofen, sehr häufig. 

Portiilacaceae. 

Montia rivtilaris Gmel. In Abzugsgräben bei Maishofen mit Calli- 
tricJie Verna flutend, häufig, und an Bächen auf dem Wege 
von Bramberg auf den Wildkogel mit Einlohium nutans. 

Caryophyllaceae. 

Dianthus harhatus L. Im Leitertal bei Heiligenblut. (V.) 
Biantlms xütimarius L. Auf dem Gmeineck oberhalb der oberen 

Gamperhütte, ca. 1900 — 2400 m, häufig, 
Saponaria Pumilio (L.) Fenzl. In der kleinen Fleiß (V.) und auf 

dem Gmeineck bei Gmünd, ca. 2100—2587 m, sehr häufig, 

beim Fallbach am Fuße des Ankogels bei der Osnabrücker- 

hütte, häufig, ca. 2300 m. 

20* 



308 



Louis Keller. 



Saponaria ocymoides L. An der Reielisstraße bei Karres, häufig. 

Cerastium latifolium L. An den Abliäng-en von der Braunschweiger- 
hütte gegen Mittelberg, ca. 2600 m, sehr häufig. 

Cerastium uniflorum Murr. Auf der Spitze des Gmeineck, sehr 
häufig, und in großer Menge an der Moräne bei der Habach- 
hiitte und auf dem Wege zu derselben. 

Älsine lanceolata All. (M. et K.). An Abhängen gegen den Redten- 
bachgletscher bei Sölden, ca. 2800 m., häufig. 

Älsine sedoides (L.) F. Schltz. Vom Pitztalerjöchl zur Braunschweiger- 
hütte, nicht häufig. 

Arenaria hiflora L. Auf dürren Plätzen oberhalb des Hotels am 
Wildkogel, ca. 2100 m, häufig. 

Herniaria glahra L. Auf dem Gleise der Station Bramberg, häufig. 

Raiiiinciilaccac. 

Caltha laeta Sch, N. K. An sumpfigen Stellen an der Arlbergstraße 
um St. Christof, sehr häufig, in Gesellschaft mit Sen-eclo cordatus 
und Cardamine amara und an Bächen bei Mitterhofen nächst 
Maishofen. 

Calfha aljfesfrc Sch. N. K. An Bächen auf dem Wege von Bram- 
berg auf den Wildkogel und im Ilabachtal. 

Troll'ms Eiiropaeus L. Auf Wiesen bei Gmünd (im August blühend), 
nicht häufig. 

Aro)iihnn Vulp(iru( Kclil). Im llabachial nahe der Schutzhüttc, sehr 
häufig. 

Aconitum ])anlrulak(m Lam. \n\ Wahl beim Zwillingsfall im Göß- 

graben, sehr häufig. 
AconiUmi Nf//)rllfis \j. An lülchcn auf dem Wege von Uramberg 

aul" den Wiklkogel. 
Aconihnn 'J'aurlcum Wulf MaHScnhnft im Ilabachtal von der Alpen- 

roHC zum Scliulzlinus. 
A iit tiKnic (iJpitid L. I rlijill» der Spitze, des IlmHisicin liäidig 

iiiifj hei der Wildkogclalm auf grasigen Plätzen. 
h'fiinnt/ hIhs dirdr 'u iihis Sclirk. In kh^incn Wasscrgrillxin in Wiesen 

l>ei (ierlinir und in großen Tlinipeln ;in d(!m l^'ußvveg von Dorf 

V'aW riiiiiii ii;mIi I loliersbaeli. 



Beiträge zur Flora von Käruteu, Salzburg und Tirol. 



309 



Bammciäus Petiveri Koch var. carinains Freyn. In langsam flie- 
ßendem Wasser bei der Station Bramberg-. 

Eanmmdus aconlüfolius L. An der Arlbergstraße bei St. Christof, 
massenhaft. 

Banunciäus Lingua L. Massenhaft in stehendem Wasser an der Bahn 
bei der Station FUrth-Kapnm in mannshohen Exemplaren. 

llanimctäus Flammula L. var. alismifolia Glaab. An sumpfigen 
Stellen, am Fußwege zwischen Mittersill und Dorf Paß Thum, 
sehr häufig. 

Mit dieser Varietät fällt teils var. pilifer Gl. Beck (Fl. 
von Niederöst., S. 416), teils var. serrains DC, Syst., I, p. 247 
(Fl. von Niederöst., S. 416) zusammen. 

Nach Glaab^) unterscheidet sich diese Varietät vom 
Typus durch breite (1-5 cm) Grundblätter, in den Stiel zu- 
sammen gezogen; bei manchen Exemplaren fand ich solche, 
die an der Basis vollkommen abgerundet waren. 

Französische Exemplare (von Reverchon) haben die 
obere Seite der Blätter abgerundet, Exemplare aus Salzburg 
zugespitzte Blätter. 

Die Grundblätter der salzburgischen Exemplare sind auf 
der Oberseite gegen die Basis ziemHch steif behaart, Exem- 
plare von Korsika (Reverchon) dagegen vollkommen kahl. 
Bammmhis nemorosus DC. Sehr häufig bei der Alpenrose im 
Habachtal. 

Banunciäus montanm Willd. An der Arlbergstraße zwischen St. 
Christof und Stuben häufig. 

Papaveraceae. 

Bapaver alxmmm L. var. flavlflonnn {Paxmver Kcrneri Hayek). Im 
Felsschutt bei der Rainerhütte am Hochobir, ca. 2100 m, häufig. 

Cruciferae. 

Thlaspi cepeaefolium Koch. Im Schutt des Malbaches oberhalb 
der Muttekopfhütte ca. 2400 m, stellenweise häufig auf Konglo- 
merat. (Neu für Nordtirol.) 



^) Glaab, Deutsche botanische Monatschrift von Leimbach, 1893, über 
Herbarium Salisburgense. 



310 



Lonis Keller. 



Boripa palnstris (Poll.) Bess. Au feuchten Stellen zwischen Hollers- 
bach und Mittersill, sehr häufig. 

Cardamine resedifolia L. In der kleinen Fleiß. (V.) 

Cardamine amara L. An feuchten Gräben bei Imst, ca. 800 m, 
häufig; massenhaft an sumpfigen Stellen an der Arlbergstraße 
um St. Christof, mit Calfha laeta und Senecio cordatus. 

HtitcJiinsia alpina (L.) R. Br. Sehr häufig, im Felsschutt oberhalb 
der Muttekopfhütte, ca. 2300 m, mit Tldaspi cepeaefolium. 

Brdba CarintMaca Hoppe. Auf der Franz Josefhöhe beim Glockner- 
haus. (V.) 

Braba Fladniisensis Wulf. Im Leitertal bei Heiligenblut. (V.) 
BrcÜKi incana L. Franz Josefhöhe beim Glocknerhaus. (V.) 
Braha dubia Sut. An der Moräne unter der Franz Josef höhe (V.). 
Ärahis Jacqiiini Beck. Nahe der Mündung des Schaf lochbaches 
in die Möll (V.). 

Droseraccac. 

Brosera rotundifolia L. Im Torfmoor bei Neunbrunnen, nicht so 

häufig wie die nachfolgende Art. 
Brosera Änglica Huds. Ebenda, sehr häufig. 
Brosera ohovata M. K. {B. rotundifolia L. X Änglica Huds.). Ebenda, 

sehr häufig, nicht so groß wie im Prielauermoor. 

Crassulaccac. 

Sedum dasyplnjlluni L. Auf Mauern beim zweiten Tauernwirtshaus 

am Vcn)crtaiiern zum llintcrsce, häufig; auf Felsen unweit 
im Ötztal und auf Felsen beim Piburgerscc, nicht häufig. 
SrdtoH (ilpcHtra Vill. Im Ucdtcnbachtal gegen den (Jletschcr über 

das Pitztalcrjöchl zur Braunschweigerliiltte und weit gegen 

Mittelbcrg herab, massenhaft. 
Sfidum J/ispanicum L. Sehr häufig auf Felsen in der Ebriach-, 

Kupic- und Kijawitzaklamm, wie auch im Loij)nikgrab(!n. 
Snv]>rri ir}iw (tljHHinn Gris. et Sch. Auf Felsen oberliall) liad Steinliof 

im i'it/tal, ca. 1000 /y/, stellenweise häufig; auf Felsen bei Otz 

auf Kalk, häufig. 
Sr)n/frrririnii nr(i( li)i(nd('nni L. Auf l^'clscii beim Pil)urg(;rsee nächst 

(jcm C.-islIiMUSc; ohcrliall) UjuI Stciiiliol*, (;a. 1000 Semp. 



Beiträg-e zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



311 



alpivion; an der Straße bei Tumpen, auf Granit; nahe dem 
Orte Ötz, auch gegen Aue: an der Straße zwischen Malteiu 
und Feistritz und im linksseitigen Graben bei der Alpenrose, 
ca. 1500 überall sehr häufig. 

Semx)erv'ivum montauum L. Im Redtenbachtal gegen den Gletscher 
bis zur Braunschweigerhütte sehr häufig und auf Felsblöcken 
zwischen der Alpenrose und der Habachhtitte. 

Sempervkum hirtum L. Häufig auf Felsen im Gößgraben am Ein- 
gang, in der Mitte desselben und beim Zwillingsfall. 

Saxlfragaceae. 

Saxifraga incrustata Vest. Häufig am Alpjöchl des Muttekopf auf 
Konglomerat. 

Saxifraga Aizoon Jacq. Auf Felsen der Kronburg bei Zams. wenig; 
nahe der Muttekopfhütte. ca. 2300 m, und zwischen der Alpen- 
rose und Habachhütte, häufig. 

Saxifraga aizoides L. Am Malbach bei der Obermarkteralm nächst 
Imst mit der var. afroruhens Bert., häufig. 

Saxifraga aspera L. Nicht häufig zwischen Felsblöcken in der Nähe 
der Wastlbaueralm im Maltatal und im Habachtal oberhalb 
der Alpenrose, ebenfalls nicht häufig. 

Saxifraga hryoides L. Sehr häufig an Abhängen im Redtenbachtal 
bei Sölden; am Wege vom Glocknerhaus zur Franz Josefshöhe 
(V.) und an den letzten Serpentinen zur Habachhütte, ca. 
1900 m. 

Saaifraga moscliata Wulf. Bei der Franz Josefshöhe (V.) und nahe 
der Habachhütte, nicht häufig. 

Kosaceae. 

Potentilla grandiflora L. Vereinzelt in einem Seitengraben bei der 

Alpenrose, in sehr hohen Exemplaren. 
Potentilla aurea L. Häufig im Schutt unterhalb der Muttekopfhütte, 

ca. 1800 m; vom Pitztaleijöchl zur Braunschweigerhtitte, ca. 

2900 m, auf Urgestein und vom Wildkogelhaus bis zur Spitze. 
Potentilla palustris (L. ) Scop. Im Torfmoor bei Neunbrunneu. 
Potentilla caidescens L. Häufig am Alpjöchl des Muttekopf. 



312 



Louis Keller. 



Sihhalclia procimibens L. Am schmelzenden Schnee nahe der Habach- 
hütte, häufig'. 

Geiim reptans L. Am Großelendbach nahe der Osnabrückerhütte 
im Maltatale, ca. 2000 m, sehr häufig und an den letzten 
Serpentinen zur Habachhütte. 

Dryas octopetala L. Verbreitet am Muttekopf, ca. 2200 m, Konglo- 
merat. 

Älcliemilla alpestris Schmidt. Am Großelendbach bei der Osna- 
brückerhütte im Maltatale, häufig und an wiesigen Plätzen 
beim Sulzbachfall. 

Älchemilla alpina L. An grasigen Stellen am Muttekopf, sehr 
verbreitet, ca. 2400 m; im Redtenbachtal unweit der Almhütten; 
im Habachtal unterhalb der Alpenrose vereinzelt, oberhalb 
derselben häufig bis 2368 m. 

Äremonia agrimonoides (L.) Neck. Im Wald beim Zwillingsfall im 
Gößgraben, sehr häufig. 

Rosa resinosa Sternb. Nicht häufig an Waldrändern nächst der Hoch- 
astenalm im Pitztal, ca. 1800 m (blühend), und an Zäunen 
nahe der Prielau (in Frucht). 

Lej^uminosae. 

Genista mcjitUäk L. Sehr häufig an Waldrändern bei Ncuschitz, 
ca. 1 100 m. 

(Monis focJem All. An der Reichsstraße bei Karöstcn unter Gebüsch, 
häufig. 

Trlfolknn hadium Schrei). Oberhalb der Alpenrose im Habachtal, 
häufig. 

Oxyfropis montana (L.) DC. Zerstreut am Alpjiichl des Muttekoi)f, 
ca. 1900—2400 m, und von der Alpenrose zur Habachhütte 
bis 2100 m. 

Jlcdysarnni ohsci(no)i L. An grasigen Stcll(;n des Muttekopf, ca. 
2300 ni, nicht häufig, auf Konglomerat; am Gmeineck o})crhalb 
der oberen GampfM-hllttc, ca. 2200 on (fr.); an Gehängen am 
nntcren WaHserfallboden zwischen (üebllscli, liäulig und ober- 
halb d(;r Alpenrose bis zur Jlabaclih litte, nicht häufig, ca. 
2100?//. 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



313 



Greraiiiaceae. 

Geranium colimibinum L. Am Ufer des Millstättersees, an der 
Promenade bei Millstatt, in der Ortschaft Radi an grasigen 
Stellen vereinzelt und am Kalvarienberg- von Gmünd häufig. 

Geranium prateme L. Auf Wiesen bei Arzl nächst Imst, ca. 850 m, 
häufig. 

Geranium palustre L. Feuchte Stellen an Zäunen zwischen Bramberg 

und Wens, sehr häufig. 
Geranium silvaticum L. In einem Seitengraben nahe der Alpenrose 

im Habachtal, häufig. 

Lineae. 

Linum viscosum L. Im Loipnikgraben, sehr selten und an der 
Straße von Eisenkappel nach Rechberg an grasigen Wald- 
rändern, selten. 

Callitrichineae. 

Callitriche verna L. In Abzugsgräben der Torfmoore bei Gerling, 
Mitterndorf und Maishofen sehr häufig; in langsam fließendem 
Wasser bei der Station Bramberg zwischen Banunculus Petl- 
veri Koch. 

Callitriche verna L. var. angustifolia Hoppe (als Art). Bei Neuhaus 
im Ahrntal in Wiesen durchziehenden Wassergräben stellen- 
weise häufig und in Tümpeln hinter der Kuranstalt bei Längen- 
feld im Ötztal häufig. (Scheint allen Anzeichen nach schwe- 
feliges Wasser zu sein.) 

Callitriche hamulata Kütz. In einer Pfütze bei der Wolfgangalm, 
im Maltatal, selten. 

Enipetraceae. 

Empetrum nigrum L. Am Großelendbach bei der Osnabrückerhtitte 
im Maltatal, ca. 2000 in, häufig, auf Felsen. 

Malvaceae. 



Malva Älcea L. An der Straße gegen Lieseregg, auch bei Seebach; 
am Wege bei Dechantsdorf nicht häufig und an der alten 
Straße nach Radi. 



314 



Louis Keller. 



Griittiferae. 

Hypericum acutum Mönch. In Sümpfen bei Ötz, sehr häufig. 

Yiolaceae. 

Viola calcarata L. An wiesig-en Stellen der Arlbergstraße zwischen 
St. Christof und Stuben, selten. 

Viola polychroma Kern. Am Wege von Mühlbach nach Stang- Aschau 
und Umgebung, sehr verbreitet; am Treffenboden bei Gmünd 
auf Kartoffelfeldern häufig und auf Wiesen bei St. Leonhard 
nächst Eisenkappel. Zwischen Arzl und Wens unter Gebüsch, 
sehr häufig. Es fanden sich sowohl gelb- als violett- und bunt- 
blütige Exemplare vor. 

Viola palustris L. Am schmelzenden Schnee an der Arlbergstraße 
bei St. Christof, häufig. 

Viola epipsila Ledeb. Im Sphagnum der Torfmoore bei Neun- 
brunnen, nicht häufig. 

Thymclaeaceae. 

l)(q)line sirlata Tratt. Auf Felsen des Muttekopf, ca. 2300 on, nicht 
häufig. 

Ocnotliereae. 

Epilohmm palustrc L. In Sümpfen bei Längenfeld und bei der 

Station Bram])erg. 
Epilohium nutans Schmit. An l^ächen auf dem Wege von Brambcrg 

auf den Wildkogel mit Monlla rlvularis^ sehr häufig. 
Epiloljium Lamyi Seilitz. Ebenda. 
Epilohium anayallidifolium Lam. Im Seebichltal. (V.) 

lliiihellifcrae. 

Myrrhl^ odorald fL.j Scop. Aufwiesen bei der Kirche von St. l^eon- 
liani iiilclist EiHcnkappel mid am Waldrand bei der (jarintliia- 
Qiiclle, i'Jü. r)()0 w, V(^reiii/(!lt. 

('Ji(irr(fffhylln)n (uncKrii L. An d(tr Aribergstrane /wischen St. (Jhristof 
und Stuben. 

( 'h(irr(>/)/n/lin)}t C/truhiria Vill. An wic^sigeii IMälzen beim Sulzbacli- 
fjill, häufig. 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



315 



Gicuia virosa L. var. intermedia Glaab. Am Räude von Sümpfen 
am Nordende des Zellersees an der Czedik-Promenade und 
an stehenden Wässern bei der Station Fürth-Kaprun. 

Von der typischen Pflanze unterscheidet sich diese Varie- 
tät durch sehr schmale, lineale Blattzipfel, die gleichmäßig 
gesägt sind, und durch 11 — ISstrahlige Dolden (leg. Karo, 
Polen; leg. Aust^ Pinzgau; leg. A. Weidmann, Böhmen). 

Von der var. tenuifolia Koch (C. virosa L. ß. stricta 
Schultz, C. angustifolia Kit., ap. Schult., C. temdfolia Froel.) 
unterscheidet sich der Typus durch Blattzipfel, die spärlich 
gesägt oder ganzrandig und zumeist 5 — 8 strahlig sind. 

Diese var. intermedia Glaab dürfte eine sehr große Ver- 
breitung haben. 

Meum Mutellina (L.) Gärtn. Am Abhänge des Muttekopf gegen 
die Hütte, ca. 2200 7n, häufig und auf der Spitze des Gmeineck, 
2587 m. 

Imperatoria Ostnithium L. Vereinzelt auf dem Wege von der 

Alpenrose zur Habachhütte. 
Laserpitium peucedanoides L. Auf Felsen in der Kupicklamm, ca. 

600 m, häutig. 

Pirolaeeae. 

Firola rotundifolia L. Bei der Muttekopfhütte, im Krummholz, ca. 
2000 m, selten. 

Erieaceae. 

Ändromeda polifolia L. Massenhaft auf dem Torfmoore von Neun- 
brunnen. 

Vaccinium Oxycoccos L. Ebenda und auf dem Prielauermoor mit 
sehr schönen großen Früchten. 

Primulaceae. 

Primtda farinosa L. Auf feuchten Wiesen an der Arlbergstraße 
zwischen St. Christof und Stuben und in der Nähe der Muttekopf- 
hütte, ca. 2300 7)1, vereinzelt. 

Frimida ghitinosa Wulf. Massenhaft am schmelzenden Schnee nahe 
der Habachhütte; viele erst im Aufblühen (Mitte August); im 
Redtenbachtal unterhalb der Gletscher, ca. 2800 m, häufig. 



316 



Louis Keller. 



Primnla minima L. Auf der Spitze des großen Hundstein häufig 

und am Wildkogel massenhaft. 
Äretia Helvetica (L.) Nym. In Felsmulden des Alpjöchl am Muttekopf, 

ca. 2400 m, hier selten ; dürfte wahrscheinlich gegen die Spitze 

zu häufiger zu finden sein. 
Ändrosace Chamaejasme Host. An sandigen Stellen des Muttekopf, 

2000—2400 m,, häufig. 
SoldaneUa pusilla Baumg. Häufig an feuchten Stellen seitwärts der 

Arlbergstraße zwischen St. Christof und Stuben und am 

schmelzenden Schnee nahe der Habachhütte, sehr häufig. 

Pluuibaj^ineac. 

Armeria alpina (Hoppe) Willd. Bei der Reinerhiitte am Hochobir, 
ca. 2100 m, häufig. 

Greiitiaiiaceae. 

Gentiana ciliata L. An grasigen Hängen des Wasserfallbodens, 

oberhalb der Orglerhütte, nicht häufig. 
Gentiana lutea L. Nicht häufig an der Arlbergstraße zwischen 

St. Christof und Stuben. 
Gentiana vulgaris (Neilr.). An grasigen Stellen des Muttekopf, ca. 

2300 m, auf Konglomerat und vereinzelt im Gr)ßgrabcn bei 

der Kohlmayralm (24. August). 
Gentiana (•ruciata L. Häufig im Loipnikgrabcn, ca. 600 m. 
Gentia/na Bavarica L. Nicht häufig an der Arlbergstraße zwischen 

St. Christof und Stuben und am Wihlkogcl an l^ächen. 
(ioituDia Ifracliyphylla Vill. Um die Braunschweigerhütte, 2579 m, 

sehr häufig und am Fuß des Ankogels l)ei der Osnabrückcr- 

lilittc im Großeleudtal, 2300 m, häufig, wi(5 auch auf der Spitze 

des Gmeineck, 2r)S7 m. 
Gentiana niralis \j. f. turbidocaerulea mihi nov. form. Auf dem 

Wege von Hramberg aul" den Wildkogel in lierabricselndcm 

WaHHcr, nur an einer ein/ig(;n Sl(;ll(^, dort al>er sclir häufig. 
Die r,llitenfarl)(! weicht vom Ty\i\\H vollständig ab und 

erinnert ;in die einer sehr lichten Sweertia perennis; sie nniß 

alH graublau oder trilbhiau bez(;ichnet werden. 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg- und Tirol. 



317 



Genüana antecedens Wettst. In der Nähe der Alpenrose im Habach- 
tal, nicht häufig". 

Genüana Xarica Kern. Auf Bergwiesen nahe der Spiel berg-alm 
bei Hochfilzen und sehr häufig am Moserbodeu, auf dem oberen 
und unteren Wasserfallboden im Kaprunertal. 

Genüana ohfusifoUa (Schmidt ) Willd. Im Kedtenbachtal, ca. 2500 ))>^ 
und an der Arlbergstraße zwischen St. Christof und Stuben^ 
überall häufig. 

Menij anflies trifoliaia L. Massenhaft an der Bahn bei Neukirchen 
und im Sumpfe zwischen Hollersbach und Micheldorf wie im 
Torfmoor bei Neunbrunnen. 

CoiiYolTiilaeeae. 

Cnscuta Exntlujmum Muit. Auf Bergwiesen unweit der Spielbergalm 
nächst Hochfilzen auf Erica carnea, selten. 

Borragiiieae. 

Lyco])sis arvensis L. In Kartoffelfeldern am Treflfenboden bei Gmünd, 
sehr häufig. 

Labiatae. 

Äjuga Genevensis L. An feuchten Stellen nahe dem Forsthause 

von Miihlbach in größerer Menge am 20. Juli blühend. 
ScuteJla.ria gcäericulata L. Zäunen der Sumpfwiesen nächst 

Bramberg zwischen Urüca und Geranium palustre und im 

Prielauermoor, nicht häufig. 
Lamtiim Orvala L. An Waldrändern im Loipnikgraben, ca. 600 7n, 

häufig. 

Satureja grandiflora (L.) Scheele. In der Ebriachklamm und im 
Kupicgraben unter Farnen, ca. 600 m, sehr häufig. 

Lyco])us Earoimeus L. In Sümpfen bei Ötz, häufig. 

Mentha aquatica L. An sumpfigen AYiesenrändern bei Bramberg, häufig. 

Mentha arvensis L. var. varians Host. Auf dem Torfmoor von 
Neunbrunnen. 

Scropliulariaeeae. 

Verhascum phlomoides L. Auf felsigen Abhängen und an der Straße 
von Ötz bis zur Station Ötztal, massenhaft. 



318 



Louis Keller. 



Verhascum Lychnitis L. Auf Felsen oberhalb Bad Steinhof, 1100 m, 

nicht häufig*; am Wege von Ötz bis Au vereinzelt und bei 

Arzl im Pitztal, nicht häufig. 
Verhascum pulverulentum Vill. An der Straße bei Karres; nächst 

dem Militärspital von Imst stellenweise häufig und an der 

Bahn nächst der Ruine Wiesberg. 
Verhascum nigrum L. Am Weg- von Ötz nach Au, sehr vereinzelt. 
Verhascum pulvinatmn Th. ( F. Lychnitis L. X V. pulverulentum Vill.). 

An der Landeckerstraße nächst Imst in einem Graben nahe 

der Schießstätte und an der Straße bei Karres, überall unter 

den Stammeltern, selten. 
Verhascum Carinthiacum Fritsch (F. Äustriacum Schott X F. thapsi- 

forme Schrad.). Auf Wiesen zwischen Gmünd und Kreuschlach 

und an der alten Straße zwischen Gmünd und Radi, überall 

selten. 

Verhascum Hausmannii Celak. (F. Äustriacum Schott X F. Lych- 
nitis L.). Am Kalvarienberg von Gmünd, selten. 

Verhascum Humnickii Franchet ( F. thapsus L. X F. thapsiforme 
Schrad.). Ebenda, sehr selten und neu für Kärnten. 

Verhascum adulterinum Koch ( F. thapsiforme Schrad. X F. nigrum L.). 
Sehr selten an der Straße zwischen Zell am See und Maishofen, 
nächst dem Pichlwirt, in Gesellschaft beider zahlreicher Stamm- 
eltern. 

Lina/ria dlpina (L.) Mill. var. unicolor. Im Felsschutt unterhalb der 

Muttekopfhüttc, ca. 1800 m, nicht häufig. 
Veronica Jieccahunga L. An 15ächen bei Gmünd. 
Vcronica lutea (Scop.) Wcttst. Am Aufstieg von der Seiserahüttc 

zur Spranja. fV.) 
Veronica alpina L. Am Fuße des Ankogcls im Großclcndtal, oberhalb 

des FallbacliCK, ca. 2400 m, hilulig. 
Veronica frutiaois .jac(|. An feuchten Stellen am Wildkogel, ca. 

1 000 m, häufig. 

Tozzia alpina \j. Häufig unter (^ebllsch au der Arlbcrgstraße 
zwischen St. ('liristof und Stuben. I 

ilufilirasia minima Jacfj. Im Ikedfcüibaclital bei Söhh'ii f. hicolor 
von var. hispidiihi fKclteuj und f. ])aUi<la (h'crnli von var. 
Schkirheri VVcttst. Auf der Venctalpe im Pitztal, ca. 2100 m, 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



319 



sehr häufig, zumeist gelbbltihend; massenhaft auf der Spitze des 

Wildkogels und am Gletscherbach beim Hotel Moserboden. 
Euplirasia cnspidata Host. Auf Felsen in der Kupicklamm, häufig. 
Älectorolophus stenopJiyllus (Schur) Sterneck. Häufig an der Straße 

zwischen St. Christof und Stuben. 
Alectofoloplius major (Ehrh.) Rchb. In der Nähe der Alpenrose 

im Habach tal, selten. 
Älectorolophus lanceolatus (Neilr.) Sterneck. Am Alpjöchl des 

Muttekopf, an grasigen Stellen, ca. 2400 m, und an der Arlberg- 

straße bei St. Anton, häufig. 
Pedicularis rostrata L. An grasigen Stellen des Muttekopf, ca. 

2300 m, häufig, auf Konglomerat und Schiefer. 

Utriciilariaceae. 

Finguicnla vulgaris L. Häufig auf feuchten Felsen zwischen St. 

Christof und Stuben. 

Diese Art wird hier relativ hoch mit auffallend großen 

Korollen. Umfaßt nach K. F ritsch, Exkursionsflora, S. 511, 

mehrere Formen. 
JJtricularia vulgaris L. Häufig in einer Lache zwischen Michelsdorf 

und Hollersbach mit Ranunculus diva/ricatus, wenig blühend. 

Orobancliaceae. 

Orohanche xmrpurea Jacq. var. Spitzeiii G. Beck, Monogr., S. 126. 
An der Böschung des Inn (linkes und rechtes Ufer) von der 
Station Otztal bis Müs auf Artemisia vtdgaris beobachtet, 
massenhaft, oft 20 Stück auf einer Nährpflanze. Dürfte für 
Tirol neu sein. 

Orohanche Salviae Schltz. Im Schloßhof der Kronburg bei Zams 
nicht häufig und im Loipnikgraben häufig, auf Scdvia gluti- 
nosa. 

Orohanche lucorum A. Br. Bei Telfs unweit Arzl und auf der 

Kronburg, auf Berheris vtdgaris. 
Orohanche retkidata Wallr. In einem Seitengraben bei der Alpenrose 

im Habachtal, selten, auf Carduus defloratus. 



320 



Louis Keller. 



Plaiitagiiieae. 

Planfago montana Lam. Häufig- an der Arlbergstraße bei St. Christof. 

Planfago maritima L. Am Aufgang zum Muttekopf bis in die 
Waldregion an felsigen Stellen sehr häufig; an der Reichs- 
straße bei Brennbichl, selten; auf felsigen Plätzen zwischen 
Arzl und Wens (var. deutata Roth.) stellenweise häufig und 
am Wege von Karres nach Karösten vereinzelt. 

Dipsaceae. 

Knantia dipsacifolia (Host) Schltz. Sehr häufig auf Wiesen bei 
Gmünd. 

Scahiosa Gramuntia L. Auf Felsen bei Ötz massenhaft und an 
der Reichsstraße bei Karres nicht häufig. 

Caiiipanulaccac. 

Campanula thyrsoidea L. An der Arlbergstraße zwischen St. Christof 

und Stuben; scheint hier häufig zu sein. 
Phytemna pamiflorum L. var. glohtdariaefolium Hoppe et Sternbg. 

Mit Ph. hcmispliaericum auf der Spitze des Gmeineck häufig, 

2587 m, auf Kalk und Urgestein und nahe der Habachhiitte; 

an Abhängen von der Braunschweigerhüttc gegen Mittelbcrg, 

ca. 2600 m. 

Phyteuma hcmis])haericum L. Oberhalb des Wildkogelhauses mit 
Arenaria hiflora auf dürren i*lätzen, ca. '2\00 m, häufig, und 
am schmelzenden Schnee nahe der Habaclihüttc, häufig. 

Phyteuma Michelii All. Im Leitcrtal bei lleiligcnbhit. (V.) 

Phyteuma het()ni( if()lituii Vill. An felsigen Stellen der Arlbergstraße 
bei St. Anton. 

I'hy/rioHft Sichrrl Spr. In der Gamsgrul)e nahe dem Glockner- 
haiis. fV.j 

('Oiiip4»shae. 

Aslrr (il/iii/Ms \j. Am Waldnuid ;ni d(!r Straße bei Karres, ca. 820 m; 

Kchcint vom 'IVhirgant herabgcschwemmt zu sein. 
Erigrro)! y\/lif Hs Vill. Im Leitcrtal bei Ileiligenbliit. (V.) 
KrigrroH urgIrrluH Kern. I^henda. ( V.) 

F/rUjcron ylalßrah^s Hoppe et lIoriiHch. \W'i Ileiligenbliit. (V.j 



Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



321 



Erigeron uniflorKs L. In der Gamsgrube bei Heiligenblut (V.) und 
vom Pitztalerjöchl zur Braunschweigerbütte, ca. 2900 m, häufig*. 

Leontopod'mm alpimnn Gass. In großer Menge bei einer Höbe von 
ca. 1500 m in einem Seitengraben nahe der Alpenrose im 
Habacbtal. 

Gnaphalium nliginosum L. Am Wege bei Dechantsdorf nicht häufig. 
Gnaplialium stqnnum L. Sehr häufig in der Nähe der Habachhtitte 

und an flechtenreichen Orten vom Wildkogelhaus bis zur Spitze. 
Gnaplicdium Hoppeanum Koch. Im Leitertal bei Heiligenblut. (V.) 
Bidens cernua L. Auf Sumpfwiesen bei Tangern zwischen Gmünd 

und Millstatt, nicht häufig. 
Bidens triparüta L. In Sümpfen bei Längenfeld mit Bidens radiata 

Thuill. häufig und am Wege bei Treffling unweit Millstatt 

sehr häufig. 

Achillea macropliylla L. Häufig unter Gebüsch an der Arlbergstraße 

zwischen St. Christof und Stuben. 
Achillea moschata Wulf. Vereinzelt an grasigen Stellen nahe dem 

Wildkogelhaus. 

Achillea moscliata Wulf, subsp. typica var. stenorhachis. Am Abhang 
von der Braunschweigerhütte gegen Mittelberg, ca. 2400 m, 
sehr häufig. 

Diese Art wurde mit breiten und sehr schmalen Fiederchen, 
welche letztere sich habituell denen der Ach. atrata nähern, 
beobachtet. 

Achillea atrata L. Am Bache des Muttekopf, 2300—2500 w. Hier 
beobachtete ich Pflanzen mit breiten Fiederchen, die denen 
der Achillea moschata ähnlich sind. 

Chrysantliemum alpimim L. Am Alpjöchl des Muttekopf, ca. 2400 m, 
auch zwei verwachsene Blüten mit gemeinsamem Blütenboden. 

Chrysantliemum atratttm Jacq. An der Arlbergstraße zwischen 
St. Christof und Stuben, häufig. 

Artemisia Ahsinthimn L. An den Ufern der Ötztalerache sehr häufig 
und bei Astbach massenhaft. 

Artemisia laxa (Lam.) Fritsch. Auf dem Wege von der Habach- 
hütte zum Larmkofel in die Klamm häufig. 

Artemisia Genipi Web. Auf den letzten Serpentinen nahe der 
Habachhütte, vereinzelt. 

z.B. Ges. Bd. LV. 21 



322 Louis Keller. 

Ärtemisia alpina (DC). In einem Seitengraben nahe der Alpenrose 
im Habachtal, auf Felsen, häufig*. 

Homogijne silvestris (Scop.) Gass. Am Aufstieg von der Seiserahütte 
zur Spranja. (V.) 

Ärnica monfana L. Auf Wiesen bei der Wallfahrtskirche von St. Leon- 
hard nächst Eisenkappel, sehr häufig. 

Doronicum Hallen Tausch. Am Malbach des Muttekopf, 2200 m, 
häufig. 

Doronicum Chisii (All.) Tausch. An den Abhängen von der Braun- 
schweigerhütte gegen Mittelberg, ca 2600 und auf den letzten 
Serpentinen nahe der Habachhütte, nicht häufig. 

Senecio alxmins (L.) Scop. Massenhaft an der Arlbergstraße bei 
St. Christof und auch gegen Stuben, an sumpfigen Stellen. 

Senecio Carniolicus Willd. Beim Seebichlhaus (V.) und in der Nähe 
des Redtenbachgletschcrs über das Pitztalcrjöchl zur Braun- 
schweigerhütte, nicht häufig, und am Gmeineck, ca. 2300 m, 
nicht häufig. 

Senecio ahrotanlfol'ms L. Häufig am Wasserfallboden im Kapruncrtal. 
Senecio CacftUasfer Lam. Im Wald gegen den Potschulasattel, J4()l m, 

nicht häufig und massenhaft am Dobrac bei der Ottohütte und 

gegen das Kna])penhaus. 
Senecio (hnrcmis (Koch) DC. Auf grasigen Flächen am Jovanstcig 

des Obir, nicht häufig, ca. 1700 m. 
Senecio Doronictwt L. In der Gamsgrube nahe dem Glockncrhaus 

(V.) und am 7M]))r)('lil des Muttekoi)f, an feuchten Stellen, ca. 

2300 m, Konglomerat. 
('(ird/ntft (Uirdnelk (L.) W. K. Im GcUJgrabcn beim Zvvillingsfall, sehr 

häufig-. 

Carduus (IcjJordlns L. Fl)cnda, V(;rciii/clt. 

Cirshmi s/H}/osissi.viin)i (L.) Sco]). Zwischen Millelberg und (h^iii 
(;i('tscli( r sclir liiiiifii;' inid im Gcridlc (his Muttekopf, ca. 2200 
iiiclit hiiiili;;-; /wisciicii der Alj)cnn)sc und der I labacldiiitic, 
ca. sl('ll(;nvv('isc liiiufii;-. 

('irsinin oh/(ifcn)i/ Scop. \;ir. (f/ropnrpfirnoH L. Keller. Auf 

cincT SumpfwicKc bei T;ni;;('ni und im Hat/graben bei (Jmlind, 
vereinzelt; auf Sumpfwiesen am Nordende des Z(;ll(!rse(!H 
häufig. 



Beiträge zur Flor<a von Kärnten, Salzburg und Tirol. 



323 



Cirsinm erio]}hornm (L.) Scop. Am Paiilitschsattel bei Eisenkappel 
nicht häufig' und bei der Untermarkteralm nächst Imst 
spärlich. 

Cirsium pauciflorum Spr. Auf einer Sumpfwiese unweit der Wallfahrts- 
kirche von St. Leonhard bei Eisenkappel, massenhaft. 

Cirs'mm lieteroplnjllum All. Häufig' an der Arlbergstraße zwischen 
St. Anton und St. Christof und auf Sumpfwiesen bei Ehspan. 

Cirsinm suhalpinnm Gaud. [C. riviilare (Jacq.) Lk. X C. palustre 
(L.) Scop.]. Am Waldweg von der Station Imst nach Arzl, 
spärlich. 

Cirsium erucagineum DC? [C. oleraceum (L.) Scop. X C. rividare 
(Jacq.) Lk.]. Selten an der Arlbergstraße bei Stuben. 

Cirsium hyhridum Koch, ap. DC. [C. palustre (L.) Scop. X oleraceum 
(L.) Scop.]. Zwischen Bramberg und Wens an Sumpfwiesen 
selten und an Waldblößen im unteren Geigenbergwald bei 
Maishofen, selten. 
• Centaurea pseudoplirygia C. A. Mey., fl. alba. An Feldrändern beim 
Weyerhof nächst Bramberg, selten. 

Aposeris foetida (L.) Cass. Im Wald am Jovansteig zum Hochobir 
massenhaft. 

Leontodon Pyrenaicus Gouan. Auf steinigem Grund in der Nähe 
der Osnabrückerhütte im Großelendtal, 2000 häufig und auf 
der Spitze des Wildkogel, 2225 m, häufig. 

Leontodon Danuhialis Jacq. An Waldrändern beim Sulzbachfall. 

Willemetia stipitata (Jacq.) Cass. Am Schaflochbach beim Glockner- 
haus auf feuchten Wiesen. (V.) 

Mtdgedium alpinum (L.) Less. An der Arlbergstraße zwischen 
St. Christof und Stuben, streckenweise geschlossene Bestände 
bildend; auf Wiesen bei St. Leonhard nächst Eisenkappel 
häufig und im Wald beim Zwillingsfall; unterhalb des Sulz- 
bachfalles bei Neukirchen; im Loipnikgraben bei Eisenkappel 
häufig. 

Lactuca perennis L. Vereinzelt an der Straße bei Karres. 
Crepis grandiflora (All.) Tausch. Vom Wildkogelhaus bis zur Spitze, 
häufig. 

Crepis paludosa L. In der Nähe der Bricciuskapellc bei Heiligen- 
blut. (V.) 



324 L. Keller. Beiträge zur Flora von Kärnten, Salzburg und Tirol. 

Hieracimn Pllosella L. Auf Torfmooren bei Maishofen, nicht häufig-. 

Hieracmm Iloppeammi Schult. Auf der Venetalpe im Pitztal, ca. 
2000 m, nicht häufig. 

Hieracimn furcatwn Hoppe. Unterhalb der Alpenrose im Habach- 
tal, 1300 nicht häufig*. 

Hieracmm Florentinum All. Bei Heiligenblut. (V.) 

Hieracimn aiirantiacmn L. Am Schartenkopf bei Pirkach (V.) und 
auf der Wiese bei der Wallfahrtskirche St. Leonhard nächst 
Eisenkappel, spärlich. 

Hieracimn villosiceps Näg. et Pet. Unterhalb der Alpenrose auf 
Wiesen nicht häufig und bei den Platten nächst Heiligen- 
blut. (V.) 

Hieracimn BoUineri F. Schltz. Pasterze bei Heiligenblut. (V.) 
Hieracimn Sclimidtii Tausch. Auf grasigem Boden, auf dem Wege 

vom Sulzbachfall zum hohen Steg, stellenweise häufig. 
Hieracimn amplexicanle L. Sehr vereinzelt auf Felsen unterhalb 

der Alpenrose im Habachtal und auf der Schartenalm bei 

Pirkach (V.); auf Felsen bei Umhauscn im Ötztal, auf Granit 

und zwischen Mittelberg und dem Gletscher, nicht häufig. 
Hieracium pulmonarioidcsi Vill.? Auf Felsen beim Zwillingsfall im 

Gößgraben einzeln. 
Hieracimn alpinmn L. Am Wildkogel, ca. 1900 — 2225 m, häufig; 

an grasigen Stellen des Gmeineck, ca. 2200 7n, nicht häufig; 

auf der Spitze der Schmittenhöhe, häufig; beim Scebichl- 

haus. fV.) 

Ifirrarimn prenanihoides Vill. An der Kaiserin Elisabethhochstraße 
'A\\ (l(;r Pasterze. (W.) 

Hicradnni /)f/jihfnf'/nn Wulf. An Uergabliängen im G()ßniiztal gegen 
die Pedsclilitzalpe (V.j; uiilerlialb der Spitze des großen llund- 
Htcin, liäufig; zwischen Mittelberg und dem Gletscher, uiclit 
liiiufig; am l{(;dtenbncli bei Sölden, iiiclit liäufig; Jiuf dem 
Gscliweiidt im l'ifzfal, ca. ISOO^y/, liiiulig; venMiizelt Ihm der 
Koliliiiayralm im (iiWigniben. 



Die Blüteumutatiouen der Orchideen. 



325 



Die Blütenmutationen der Orchideen 
als Ausgangspunkt ihrer Art- und G-attungs- 

entstehung. 

Bericht über einen Vortrag, gehalten in der außerordentlichen General- 
versammlung am 30. November 1904. 

Von 

Dr. Otto Forsch. 

Mit 9 Abbildungen im Texte. 

In seiner Einleitung erwähnte der Vortragende zunächst ganz 
kurz einige der wichtigsten bisher bei Orchideen bekannten Fälle, 
wo ein und dieselbe Pflanze, und zwar an demselben Blütenstande 
verschiedene Blütenformen erzeugt. Dies ist der Fall bei der Gattung 
Oncidium Sect. Heterantha, wo in den sonst reichblütigen Bltiten- 
ständen sich nur wenige Blüten vollständig ausbilden, während die 
tiberwiegende Mehrzahl derselben viel kleinere Blütenblätter ent- 
wickelt und vollkommen steril ist. Und zwar ist diese Sterilität 
darauf zurückzuführen, daß die Säule entweder gar nicht entwickelt 
oder bloß angedeutet ist.^) Einen weiteren, viel auffallenderen Fall 
stellt die Gattung BenantJiera dar. Bei der auf Borneo einheimi- 
schen Benanthera Loiuii Lindl, bilden die reichblütigen hängenden 
Infloreszenzen regelmäßig zwei Arten von Blüten aus. Die beiden 
jüngsten Blüten der Traube weichen von den übrigen konstant so 
stark ab, daß man dieselben einer ganz anderen Art zuteilen müßte, 
wenn man sie isoliert vor sich hätte. Während die Mehrzahl der 
Blüten hell gelbgrüne Blütenhüllblätter besitzt, welche ihrer ganzen 
Ausdehnung nach von breiten, braunroten Querbinden eingenommen 
werden, die zwischen einander nur äußerst schmale Streifen der 
Grundfarbe freilassen, sind die beiden jüngsten Blüten schön dunkel 
dottergelb mit zahlreichen, sehr kleinen braunroten Fleckchen. Ob 

^) Vgl. Pfitzer in Engler und Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, II, 6, 
S. 71, Fig. 71. 



326 



Otto Forsch. 



auch hier eme Herabsetzung der Fertilität der abweichend gefärbten 
Blüten vorliegt, ist derzeit noch nicht untersucht. Im morphologischen 
Bau der Säule weisen sie keine besonderen Unterschiede auf. Den 
Höhepunkt nach dieser Richtung hin stellt die vielgenannte Gattung 
Catasetum dar, wo ein und dieselbe Pflanze in verschiedenen Jahren 
Blüten von gänzlich verschiedener Gestalt hervorbringt, mitunter 
jedoch auch selbst alle Blütenformen in demselben Blütenstande 
vereinigt. Hier entsprechen, wie die Merkmale der Sexualorgane 
zeigen, die drei verschiedenen Blütentypen verschiedenen geschlecht- 
Hchen Individuen, und zwar männlichen, weiblichen und Zwitter- 
blüten. Dabei sind dieselben hier so grundverschieden, daß man^ so 
lange man ihre Zusammengehörigkeit noch nicht kannte, sie als 
verschiedene Gattungen beschrieb und benannte. 

Wie aus dem Gesagten hervorgeht, handelt es sich in den 
erwähnten Fällen entweder direkt um reine Geschlechtsdifilercn- 
zierungen oder wo, wie bei Benanthera Loivii, dies nicht der Fall 
ist, um Bildungen, welche derart erblich fixiert sind, daß sie gegen- 
wärtig mit voller Kegelmäßigkeit und Konstanz ihrer Merkmale auf- 
treten. Als echte Mutationen können dieselben aus dem Grunde 
nicht gelten, weil ihnen demgemäß gerade das für diese charakte- 
ristische sprunghafte, plötzliche, regellose Auftreten fehlt. Dabei ist 
es Jedoch keineswegs ausgeschlossen, daß sie phylogenetisch aus 
Mutationen hervorgegangen sind; jedenfalls sind sie gegenwärtig 
keine Mutationen mehr. 

Ganz anders liegen die Verhältnisse, welche der Vortragende 
hei den Gattungen (iomr.Ha, Mülonla und Vlmrofhallk vorfand, 
ilicr liaiidelt es sich um ganz plötzlich und regellos auf- 
tretende; Abänderungen einzelner Blüten eines sonst völlig 
normalblütigen 1) 1 iitenstandes, wobei diese; mutierenden 
Blüten in (Charakteren vom 'I'ypus a})weichen ((iomcHa, 
/*h'fn'oflifillis), welche konst;inte S])eziesunterschiede nahe 
v(;r\v;i ikI 1 (')• A rl (• II rslcllcn. In ihren Kcxucllcn OrgJiiien 
Ktiniincn di(; mutierendem liliiten mit d(;n normalen voll- 
kommen ilberein, wie nicht nur die niorplMtlogisehe IJnt(;r- 
Hucliung der Säule und ,\nther(;, sondern Jiueli die niiki'o- 
Kkopiselie l'o 1 1 <• n iin 1 e rs u c Ii ii n g ergnh. 



Die Blütenmuüitiouen der Orchideen. 



327 



Gomesa. 

Wie eine Yergleicliende Betrachtimg der bisher in dieser 
Gattung- aufgestellten Arten ergibt, stellen der Grad der Verwachsung 
der seitlichen Sepalen und die Beschatfenheit des Blumenblattrandes 
die beiden wichtigsten systematischen Unterscheidungsmerkmale 
derselben dar. Die seithchen Sepalen können nämlich entweder 
bis zu ^/g — oder bis zur Hälfte miteinander verwachsen oder aber 
bis zur Basis vollkommen frei sein. Der Blumenblattrand kann 
vollkommen flach, höchstens an den Spitzen der Blumenblätter ein- 
geschlagen oder seiner ganzen Ausdehnung nach deutlich kraus, 
gewellt sein. Auf Grund dieser beiden Merkmale wurden über ein 
Dutzend Arten unterschieden, die zum großen Teile als konstante 
Formen weiter kultiviert und als solche in der Literatur erwähnt 
wurden.^) An dem von Prof. v. Wettstein gerade mit Kücksicht 
auf die verschiedenen Blütenformen in einer größeren Anzahl von 
Individuen und Formen in Südbrasilien gesammelten lebenden 
Materiale, welches im Orchideenhause des hiesigen botanischen 
Gartens reichlich zur Blüte gelangte, konnte sich der Vortragende 
durch genaue Buchführung über sämtliche von jedem einzelneu 
Stocke gelieferte Blüten davon überzeugen, daß ein und derselbe 
Stock nicht nur bei mehrmaligem Blühen verschiedene 
Blütentypen liefern kann^ sondern sogar bisweilen in ein 
und demselben Blüteustande unter den sonst völlig nor- 
malen einige sprunghaft abändernde Blüten liefert, die 
nach dem gegenwärtigen Stande der Systematik der Gat- 
tung einer anderen Art zugerechnet werden müssen als 
die normalen Blüten. Und zwar erstreckte sich diese sprung- 
hafte Variation nicht bloß auf den Grad der Verwachsung der seit- 
lichen Kelchblätter, sondern auch ebenso auf das Auftreten der 
Wellung des Blumenblattrandes. Dieser plötzKchen, sprunghaften 
Abänderung steht aber andererseits gerade die Konstanz der Blüten- 
typen vieler anderer Stöcke, und zwar bei zwei- bis fünfmaligem 
Blühen gegenüber. Gerade dieser Umstand spricht nach Ansicht 
des Vortragenden dafür, daß die bisher bekannten Arten der 

^) Als Abbildungen der wichtigsten derselben seien genannt: Botan. 
Mag., Taf. 2746, 3497, 3504; Botan. Reg., XXVI, Taf. 54 ; Gartenflora, 1857, S. 82. 



328 



Otto Forsch. 



Gattung aus den Deszendenten solcher mutierender Blü- 
ten durch Vererbung ihrer Mutationscharaktere hervor- 
gegangen seien, wenn auch letztere vorläufig noch nicht experi- 





Fig. 1. 



Fig. 3. 




nientell beweisbar war. Unter den in größerer Zahl vom Vor- 
tragenden mitgeteilten Fällen sei hier der Kürze halber bloß der in 
Fig. 1 — 3 abgebildete Fall erwähnt, wo ein und derselbe Stock bei 
dreimaligem Hlühcn die drei verschiedenen 
abgc))ildcten Blüten lieferte. 

Miltonia. 

Finen merkwürdigen I^arallclfall zu Go- 
uirsd zeigt die MlUiniUi /Idvcscrus Lindl., umso- 
mehr, als es sich hier um ganz dasselbe Merk- 
mal, niunlich den (ürad der Vcrwaclisnng der 
scilliclicn Sepnlen, li;ni(lelt. Die Normairorni 
der r>liil(; besitzt S(;itli(*lie S(^j)alcn, welche 
iiiclil nur bis zur liasis vollk(mimen frei sind, 
Hondcrn libcrdicK fast um einen reeliteii Winkel voneinander s|)rei/cn 
('vgl. Fig. 4). Alle, lihriiTcn nMHpli(»l(»giseli(!n liliitenmerkrnale ergelxin 
sieli aus d(;r A l»l>il<lun,::. I iiler si(;ben {{llltenständen di(;ser Art 




Die Bliitenmutationeii der Orchideen. 



329 



traten bei zweien derselben je zwei und eine Blüte auf, welche 
bei sonst völliger Übereinstimmung in allen übrigen Merk- 
malen fast bis zur Hälfte ihrer Länge mit einander ver- 
wachsene seitliche Sepalen zeigten (vgl. Fig. 5). 




Fig. 4. Fig. 5. 



In diesem Falle wurde die mutierende Blütenform noch nicht 
als konstanter Artcharakter gefunden und beschrieben. 

Pleurothallis. 

Anders stehen die Verhältnisse bei PleurothalUs. Diese arten- 
reiche Gattung aus dem von Gomesa und Miltonia verwandtschaftlich 
so weit getrennten Tribus der PleurofJiallidinae umfaßt eine große 
Zahl von Arten, bei deren Unterscheidung wiederum der Grad der 
Verwachsung der seitlichen Sepalen mit vollem Rechte als ausge- 
zeichnetes diagnostisches Merkmal verwendet wird. Auch innerhalb 
dieser Gattung konnte der Vortragende bei einigen Arten wie PI. 
serpentula Barb. Rodr. und der von ihm aufgestellten PI laxiflora 



330 



Otto Forsch. 



eine sprunghafte Variation dieses Merkmales konstatieren. Weiters 
konnte er für zwei seit längerer Zeit als konstant l)ekannte 
und erwiesene Spezies die Existenz zweier neue r Parallel- 




Fig. G. Fig. 7. Fig. 8. 



Spezies nachweisen, welche außer geringen, mehr gra- 
duellen Unterscheidungsmerkmalen gerade durch den Ver- 
wachsungsgrad der seitlichen Sepalen von jenen ab- 
weichen und in dem reichlichen, von Prof. v. Wcttstcin mit- 
gebrachten Materiale ])is jetzt gerade in diesem Merkmale 
/f{ A konstant blieben. Es sind Fl. ophiantha Cogn. und PI. 
j|l |\ (jlaziovU Cogn. mit ihren neuen Parallclarten VI. sulcata 
|j \| \ und n. vUcllina. Wie Fig. G zeigt, ist Fl. opldantha durch 
11 1 I ^^^^ Spitze verwachsene seitHchc Sepalen charak- 
||i I tcrisicrt. Unter dem von der Expedition mitgebrachten 
|B. Pj ; Matcriahi befindet sich eine Art, welche in ibreu sämt- 
*Y y li<'li<;ii iiiorj)liologischen Jilütcnmerkmalen und im Habitus 
'\ '/ dieser Arl ziiniiclist steht und sich melir durch graduelle 
j/ neb(^nsä('lili('lic Merkmale untersclieidct, von ilir jedoch 
konstant (lnr( Ii die bis zum Kinne freien seitliclien Sepalen 
abwciclit (vgl. Fig. 7). Diese von dem Vortragenden jds 
/V. sfih (ihi bescliri(;bene Art blieb in den zahlrciclien mitgebracliten 
kultivierten Exemplaren in diesem Merkmale vollkommen kcnistant. 
Ganz in demselben V(;rliältnisse stellen J*l. (Haswvii Cogn. und l'l. 
rilcllind Porsch zu einander (vgl. Fig. \)). Die, K(nislanz beider 
Arten cinerHcits sowic^ di(; ganz gel(5genllicli(i und spriingbafte Ab- 
änderung dicHCH auHHchlaggebenden M(;rkmaleH andererseits sprechen 



Die Bliitenmutatiouen der Orchideen. 



331 



deutlich für eine Entstehung des jeweiligen jüngeren aus dem 
älteren Typus auf dem Wege der Mutation. 

Ist nach dem oben Gesagten die Entstehung der Arten inner- 
halb der Gattung für einige Fälle hochgradig wahrscheinlich ge- 
macht, so lassen sich dieselben Schlüsse auch für die Entstehung 
der Gattung in Auwendung bringen. Der Vortragende suchte dies 
für den Tribus der Pleiirotlicillidinae zu zeigen, welcher aus zehn 
zumeist sehr artenreichen, aber morphologisch und habituell ziem- 
lich einheitlichen Gattungen besteht. Die Wahrscheinlichkeit dieser 
Entstehung ist im vorliegenden Falle umso größer, als der Ver- 
wachsungsgrad der Sepalen innerhalb des Tribus einen 
der ausschlaggebendsten Gattungscharaktere darstellt. 
Da nun bei einer Reihe von Gattungen die übrigen Blüten- 
merkmale keine bestimmenden Gattungsunterschiede dar- 
stellen (Flenrotliallis, Masdevallia, Fhysosiplion, Cryptox>lioranthus), 
andererseits aber nach den früher mitgeteilten Tatsachen 
gerade der Verwachsungsgrad der Sepalen am meisten der 
Mutation unterworfen ist, so genügte im Einzelfalle oft 
bloß eine sprunghafte Abänderung dieses Merkmales, um 
mit einem Schlage eine nach unserem gegenwärtigen Sy- 
stem der Gruppe als neue Gattung aufzufassende Form zu 
bilden. Und dabei sind trotz alledem die Gattungen der Pleuro- 
tJiallidinae sehr gut begrenzt. Die hierbei möglichen Kombinationen 
wurden an der Hand schematischer Zeichnungen illustriert. 

Soviel über die Hauptpunkte des Vortrages. Eine die Einzel- 
fälle erschöpfend behandelnde, umfangreichere Abhandlung des Vor- 
tragenden liegt für die Denkschriften der kais. Akademie der 
Wissenschaften druckfertig vor und sei hier bezüglich aller Details 
darauf verwiesen. 



332 



J. Lütkemüller. 



Zur Kenntnis der Gattung" Penium Breb. 

Von 

Dr. J. Lütkemüller. 

(Eingelaufen am 21. Jänner 1905.) 

Die Familie der Desmidiaceen läßt sich nach dem Bau der 
Zellmembran sowie nach der Art der Zellteilung-, also nach anato- 
mischen und physiologischen Merkmalen, in zwei Unterfamilien — 
Saccodermae und Placodermae — und weiterhin in fünf Tribus — 
Spirotaenieae, Gonatozygeae, Penieae, Closterieae und Cosmarieae 
— zerlegen. Hält man sich an diese von mir^) vorgeschlagene 
systematische Einteilung, so wird dadurch die bisherige Abgrenzung 
der Gattungen und die Zuweisung der Arten in die einzelnen Gat- 
tungen im allgemeinen nicht berührt. Die einzige Ausnahme bildet 
das Genus Fenkim 15r6b., in welchem Spezies vereinigt waren, die 
nach dem Bau ihrer Zellhaut und der Art ihrer Zellteilung in vier 
verschiedene Tribus gehören. Für eine Anzahl von Penium- Arten 
ist der richtige Platz im neuen System bereits sichergestellt, für 
die Mehrheit jedoch muß er erst gefunden werden und es dürfte 
nicht überflüssig sein, den Weg anzugeben, auf welchem dieses Ziel 
ohne subtile und komplizierte Untersuchungen erreicht werden kaim. 

Wie mir scheint, stellt man sich die Prüfung der Penium- Arten 
viel schwieriger vor, als sie in Wirklichkeit ist; nach meiner Über- 
zeugung kann jeder, der Obung im Bestimmen von Desmidiaceen 
hat und Uber ein leistungsfähiges Mikroskop verfügt, sich ohne viel 
Mühe und Zeitaufwand über die Stellung zweifelhafter Arten Klar- 
heit verKchaflcn, wenn er frisches oder Forniolniaterial beniitzt und 
die Obj(;ktc in Wasser untersucht. Den Beweis hierfür sollen die 
folgenden Ansflihrung(in erbringen. 

I)i(; Arten, welelie bisher zur (Üattung l^rn/iuni l^reb. gezählt 
wurden, v(;rt(;ilen sieh, wie erwähnt, auf vier 'i'ribus: die Peniecm 
mit der einzigen (laftinii;- l^cninni sensu restrieto, die (josniariecn, 

') Die Z«'lliiH iiil,i;iii i I )c.-iiii(|i;i('(!(!n. (('oIiiih IJcilrii^^e vmy Miolo^Hc, <l(!r 
l'flanzcn, 8. VA.) 



Zur Kenntnis der Gattung Peninm Breb. 



333 



I die Closterieen und die Spirotaenieeii. Die Spirotaeuieen sind sacco- 
I derme Desmidiaceen, d. h. ihre Zellbaut bildet einen geschlossenen 
Sack, sie ist nicht aus zwei oder mehreren Stücken zusammen- 
gesetzt und läßt daher niemals eine oder mehrere ringförmige Quer- 
linien erkennen. In Kuprammoniumoxyd ist die Zellmembran voll- 
kommen löslich. 1) Die anderen drei Tribus gehören zu den plako- 
dermen Desmidiaceen, ihre Zellhaut besteht aus zwei Hälften oder 
aus mehreren Stücken, deren Yereinigungsstellen als Querlinien 
nachweisbar sind. Bei den Cosmarieen findet sich stets nur eine 
einzige solche Querlinie ungefähr in der Zellmitte (im Isthmus, wo 
ein solcher vorhanden), d. h. in dieser Tribus besteht die Zellmem- 
bran nur aus zwei Schalstücken; die Membran der Closterieen zeigt 
an jener Stelle^ wo sich im Inneren der Zellkern befindet — also 
ebenfalls meist in der Zellmitte — eine charakteristische Gruppe 
dicht nebeneinander liegender Querlinien, welche die Grenzen schma- 
ler, bei der Zellteilung angelegter Querbinden bedeuten; bei den 
Penieen endUch besteht die Zellhaut aus zwei oder mehreren Segmen- 
ten, doch sind im letzteren Falle die eingeschalteten Abschnitte 
relativ breiter als die Querbinden der Closterieen. Kuprammonium- 
oxyd löst die Zellmembran der Cosmarieen, Closterieen und Penieen 
nicht. 

Die Oberfläche der Zellhaut ist bei den Spirotaeuieen stets, 
vollkommen glatt; feinere oder gröbere Längsstreifung, beziehungs- 
weise Längsrippung findet man häufig bei den Penieen und Clo- 
sterieen, sehr selten bei Cosmarieen, größere Warzen und Stacheln 
kommen nur bei den letzteren vor. Eine feine Körnung der Mem- 
bran wurde sowohl bei Penieen und Closterieen, als bei Cosmarieen 
beobachtet. Das Vorkommen des Porenapparates ist auf die Cos- 
marieen und Closterieen beschränkt, in beiden Tribus sind nur 
wenige der kleinsten Arten porenlos. 

Wenn nun eine zweifelhafte Pe;m«?2-Spezies in die richtige 
Tribus eingestellt werden soll, so genügt es festzustellen: 1. ob die 

Eine Ausnahme scheint die Gattung Spirotuenia Breb. zu bilden, da 
bei den bisher untersuchten Arten die Zellmembran durch Kuprammoniumoxyd 
nicht gelöst wird. Die Gattung ist übrigens durch die spiralig gedrehten 
Chlorophoren so scharf gekennzeichnet, daß sie bei der Bestimmung von 
Pemum- Ai-ten niemals zu Irrungen Veranlassung geben kann. 



334 J. Lütkemüller. 

Zellmembran segmentiert ist oder nicht, 2. ob sie eine Skulptur 
zeigt oder glatt ist, 3. ob Poren vorhanden sind oder fehlen. Je 
genauer jeder einzelne Punkt geprüft wird, um so besser; will man 
jedoch die Untersuchung auf das unumgänglich Notwendige be- 
schränken, so möchte ich empfehlen, sich dabei an das unten- 
stehende Schema zu halten. 

Sclieiua für die Ilntcrsucliiiiig der I^enium- Arien. 

1. a) Die Zellmembran besteht aus zwei Hälften (Schalen), deren 

Verbindungslinie die Zelle etwa in ihrer Mitte ringförmig 
umgreift 2 

h) Die Zellmembran ist aus mehr als zwei Segmenten zusammen- 
gesetzt, zeigt also mehrere Querlinien 3 

c) Die Zellmembran bildet anscheinend ein zusammenliängendes 
Ganze und läßt auch nach Färbung keine Segmentierung 
erkennen 4 

2. a) Poren vorhanden Tribus Cosmarieae 

h) Poren fehlen Tribus Fenieae 

3. (f) Die Zellmembran zeigt (gewöhnlich in der Zellmitte) eine 

Grup])e dicht nebeneinander liegender Querlinien. 

Tribus ( Uostcrieae 

h) Ks sind mehrere Querlinien in größeren Abständen vonein- 
ander erkennbar Tribus l^mieae 

4. (t) Zellmembran granuliert oder längsgestreift 5 

h) Zellmembran glatt 8 

f). (i) Poren vorhanden 6 

l>) Vi)Ym fehlen 7 

0. (I) Kndvakuokjn mit Gipskrystallen vorhanden. Tr'xhw^ Closierieae 
l>) Knd Vakuolen mit Gipskrystallen fei den . Tribus ( bsmaricdn 

7. (t) jjidvakiiolcn mit Gi])skryHtallen vorhanden. 

Tribus aim/rrime 

h) End\;ikiiolcii mit Gipskrystallen fehlen . . 'I'rihiis I'rnime 

H. (I } Poren vorliMiidcii 

hj l'oreii fehlen 10 

(I) Knd\;iknolen mil ( lipskrystallen V(nh;ui(len. 

Tribus (Jlostrrmin 

hj l^nd\;ikiiolei) mit (lipskryslnllen fehlen . . 'I'rihus l^rnkac 



Ziu" Kenntnis der Gattung- Peninm Breb. 



335 



10. a) Die Zellmembran ist in Kuprammoniumoxyd löslicli. 

Tribus Spirotaeniae 

h) Zellmembran in Kuprammoniumoxyd unlöslich ... 11 

11. a) Endvakuolen mit Gipskrystallen vorhanden. 

Tribus Closterieae 

h) Endvakuolen mit Gipskrystallen fehlen . . Tribus Penieae 

Bemerkungen zum Schema. 

Findet mau, daß die Zellmembran einer untersuchten Spezies 
aus zwei Hälften oder aus mehreren Segmenten besteht, so ist die 
Tribus, in welche die Art gehört, nach Punkt 2 und 3 des Schemas 
leicht und sicher festzustellen. Lassen sich dagegen Segmentgrenzen 
nicht erkennen, so kann die Spezies entweder wirkUch saccoderm 
sein oder es wurden die zarten Grenzlinien der Segmente über- 
sehen, was trotz Verwendung homogener Immersion vorkommen 
kann. In solchen Fällen führt Färbung mit verdünnter wässeriger 
Lösung von Fuchsin oder Methyl violett^ welche vorsichtig durch das 
Präparat geleitet wird, meist zum Ziele und man sieht dabei gleich- 
zeitig, ob Poren vorhanden sind. Findet man Poren, so muß die 
Spezies placoderm sein und es kann die Probe mit Kuprammonium- 
oxyd entfallen, ebenso, wenn die Membran einer Spezies, welche 
keine Segmentierung erkennen läßt, gekörnt, längsgestreift oder 
mit Warzen versehen ist. Nur bei Arten mit glatter, porenloser 
Membran läßt sich die Probe mit Kuprammoniumoxyd nicht um- 
gehen, wenn man nicht direkt nachweisen konnte, daß sie placo- 
derm sind. Selbstverständlich muß das Reagens frisch bereitet sei«, 
wenn es verläßlich wirken soll. 

Wie aus diesen Bemerkungen erhellt, ist der direkte Nach- 
weis der Segmentierung nicht unbedingt erforderlich; man gelangt 
auch auf indirektem Wege zu Resultaten, welche für die Praxis 
der Bestimmung ausreichen. Es ließ sich daher auch das Unter- 
suchungsschema so zusammenstellen, daß der Fehler, welcher durch 
Übersehen der Segmentierung begangen wird, die Richtigkeit des 
Endresultates nicht zu beeinflussen vermag. 

Der Nachweis von Poren geschieht am besten an frischem 
Material durch Färbung der Porenorgane mit verdünnter wässeriger 



336 



J. Liitkemüller. 



Lösung" von Fuchsin oder Methylviolett, welche durch das Präparat 
geleitet wird. Entleerung des ZeUinh altes durch Druck auf das 
Deckglas erleichtert die Färbung, nachträglicher Zusatz von essig- 
saurem Kali läßt die gefärbten Porenorgane besonders scharf hervor- 
treten, doch muß dann die Tinktion etwas intensiver vorgenommen 
sein. Formolmaterial ist ebenfalls verwendbar, nur stört die Mit- 
färbung des Zellinhaltes und man wird daher^ wenn möglich, leere 
Zellen zur Prüfung wählen. Schwierig, aber entbehrlich ist die 
Feststellung von Poren in der Gattung Clostcrmm. 

Wurde die Tribus sichergestellt, in welche eine Spezies ge- 
hört, so bietet die Einreihung in eine bestimmte Gattung keinerlei 
Schwierigkeit. Die Tribus der Penieen enthält die einzige Gattung 
Fenmm Br6b. sensu restricto, bei den Closterieen kommt nur das 
Genus Clostcrmm Nitzsch in Betracht, bei den Spirotaenieen wird 
die Entscheidung zwischen den Gattungen Ncfrkwir Naeg. oder 
(^ylindrocystk Menegh. zu treffen sein. Diejenigen Spezies, welche 
man zu den Cosmarieen stellen muß, können entweder mit Cos- 
warlnm sensu Ralfs oder mit I)ys])]dnctkim^ Naeg. vereinigt werden. 
Ich würde das letztere vorziehen, weil dann die Abänderung einer 
Anzahl von Namen entfiele. 

Zur Orientierung der Untersucher lasse ich noch ein Ver- 
zeichnis jener Spezies von VcniMin sensu Hrcb. folgen, deren Stel- 
lung im neu(;n System keinem Zweifel unterliegt. Die von mir selbst 
geprüften Arten sind mit einem * bezeichnet, bei den anderen 
dienten verläßHche Abbildungen als Grundlage der Zuweisung. 

I. Sul>f*amilie: Saccodermae Lütk. 

Tribus Spirotaenieae De Toni. 
Genus (Jylindrocysiis Mcncgli. 

('. Jenncri (Kalfsj West, 
(icniis Nf'lrium Naeg. 

* (lif/i/us fKhrbg. ) lizigs. vA, I^otlie. 

N. inicrnqdiiin (iireb.j Lütk. 
*jV. lamrUmmn (Hr(ib.j Lütk. 

N. Nnrydii (WvOh.) Lütk. 
*■ N. ohhnif/nm i\)v, Wiivy ) iJllk. 



Zur Kenntnis der Gattung Peniuvi Breb. 



337 



II. Subfamilie: I^lacodermae Lütk. 

Tribus Penieae Lütk. 

Genus Feniiim Br6b. sensu restricto, 

P. ctiticiilare West. 
*P. cylindrus (Ehrbg.) Br6b. 
*P. didymocarpum Lund. 

P. Haynaldii Schaarsclim. 

* P. margaritaceum (Ehrbg.) Br6b. 

* P. phymatosporum Nordst. 

* P. polymorplmm Perty. 
P. Boyanum Turn. 

P. scandinavictim Turn. 
*P. spirosi/riolatum Bark. 
P. spirostriolaüforme W. et G. S. West. 
Tribus Closterieae Lütk. 
Genus Closterium Nitzsch. 

* C'L Heimerlianum (Schmidle) Lütk. 

* lihelhda Focke. 

* Cl. navicula (Br6b.) Lütk. 
Tribus Cosmarieae Lütk. 

Genus Dysphinctiiim Naeg. 

D. adelochondrimi (Elfv.) Lütk. 

B. austräte (Racib.) Lütk. 
*D. Ctevei (Lund.) De Toni. 
*Z). mcurhitinum (Biss.) Lütk. 

* D. curtum (Br^b.) Naeg. 

D. delicatulum (Josh.) Lütk. 

D. heterotaphridium (West.) Lütk. 

* D. inconspicmim (West.) Lütk. 
Z). tagenarioides (Roy) Lütk. 
Z). lanceotatum (Turn.) Lütk. 

* D. minutum (Ralfs) Hansg. 
*D. Mooreanum (Arch.) Lütk. 

B. sidMe (West) Lütk. 
JD. variotatum (West) Lütk. 



Z. B. Ges. Bd. LV. 



22 



338 



Franz Fr. Kohl. 



Hymenopterentypen aus der neotropischen 

Fauna. 

Von 

Franz Friedr. Kohl. 

Mit 37 Abbildungen. 
(Eingelaufen am 1. Februar 1905.) 

Die Typen zu den folgenden, als neu beschriebenen Hymeno- 
pteren aus der Abteilung der Akuleaten sind mit ganz wenigen Aus- 
nahmen Eigentum des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien. 
Drei Arten abgerechnet, waren sie in dem Sammelmateriale (vom 
Jahre 1903 und 1904) des Herrn Paul Herbst in Concepcion (Chile) 
enthalten, welcher mir dasselbe zur Bearbeitung zugesandt hat. 

Die Figurenzeichnungen im Texte sind unter der camera lucida 
hervorgegangen, können somit Anspruch auf Richtigkeit erheben. 

Odynerus ( Ancistrocerus) pangens Kohl ii. sj). 

Schwarz. Blaßgelb sind ein Makelchen in der Augenausran- 
dung und hinter den Netzaugen oben am Hinterhaupte, eine sehr 
schmale Binde am vorderen Pronotumrande und zwei schmale Binden 
auf dem 1. und 2. Tergithinterrandc; die P)inde des 2. Tergites setzt 
sich auch Uber den liinterrand des 2. Sternits fort. Knie, Schienen 
und Tarsen rostrot. Unterseite der Geißel rostbraun. Flügel lehm- 
gelb getrübt, gegen die Spitze leicht gebräunt. Fiihlerschäfte 
schwarz. Beim Männchen ist der Kopfschild gelb. 

Der IJntcrHchicd in der Färbung zwischen paiKjensi und pavidm 
besteht in (b r vollständig schwarzen Färbung der Fühlerschäftc und 
in der geringeren Breite der Ilinterlcibsbinden bei ersterer Art; bei 
dieser sind aucli die Sclienkel in gri>ßerer Aus(h',linung, nämlich bis 
auf die Kni(;spitze schwarz. 

Kopfsflilld nng(;fiilir so breit als lang; heim Männchen am 
Kn(b; iiiitt(;n ausgesclinitlcüi ("Fig. I), beim W(;ibclien nur scjiclit aufl- 
gebuchtet CFig. 2). Das 2. c; (;i ßelgl ied ist beim Männehen d()p|)clt 



Hymenopterentypeii aus der neotropischen Fauna. 



339 



so lang als mitten dick, das 3. anderthalbmal so lang als an der 
dicksten Stelle dick, vom 4. und 5. an Länge nicht verschieden 
(Fig. 3). 2. Geißelglied beim Weibchen l ömal so lang als am Ende 
dick, 3. und 4. unbedeutend länger als dick (Fig. 4). Das Gesicht, 
der Scheitel und das Hinterhaupt sind gedrängt punktiert, jenes 
bis zur Runzelung. 

Vorderer Pronotumrand quer, scharf, seitlich Ecken zeigend. 
Thorax oben gedrängt punktiert, auf dem Mesonotum sind zwischen 
den Punkten Runzel- 
chen; auf dem Schild- 
chen sitzen die Punkte 
wohl dicht, aber ohne 
sich zu drängen. Das- 
selbe gilt von den Mittel- 
bruststückseiten. Das 
Hinter schildchen 
liegt nicht in der Hori- 
zontalebene , die das 
Schild chen und Meso- 
notum bilden, sondern 
neigt sich in schiefer Ebene 





Fig.l. 



Fig. 2. 





Fig. 4. 

Das Mittelsegment zeigt hinter 
dem Postscutell keine Dorsalfläche, sondern fällt unvermittelt hinter 
diesem so ziemhch senkrecht ab, ist schtisselförmig einge- 
drückt. Der schüsseiförmige Eindruck ist oben und an den Seiten 
scharf gerandet, ohne besondere Skulptur, nur in der Mitte zeigt 
sich eine deutliche erhabene Längslinie. Die Randung der Seite er- 
weitert sich in der Mitte jederseits zu einem stumpfen Zahne, 
zu einer „Tuberkel". 

Das erste Tergit des Abdomens zeigt eine absteigende, fast 
vertikale und eine dorsale Horizontalfläche; wo diese aneinander- 
grenzen, ist die für das Subgenus Ancistrocerus charakteristische 
Querrunzel sichtbar, hinter welcher unmittelbar eine kräftige 
Quer furche liegt. Der Horizontalteil des 1. Tergits ist hinten un- 
gefähr doppelt so breit als mitten lang. Das 2. Sternit erscheint in 
ähnlicher Weise gebildet wie bei hiherculiventris Spin., nur fällt die 
„Tuberkel" fast senkrecht und nicht ganz so tief ab. Besser ließe 
sich sagen, daß die Konturen des 2. Tergits und 2. Sternits, wenn 

22* 



340 



Franz Fr. Kohl. 



man das 2. Segment des Hinterleibsringekomplexes von der Seite 
besieht, parallel laufen und daß das 2. Sternit vorne sehr tief und 
fast senkrecht zur längsgerieften Basalfurche abstürzt. 

In betreff der Punktierung wäre zu bemerken, daß sie auf 
dem Thorax etwas kräftiger ist als bei pavidus^ dagegen auf dem 
Hinterleib sichtlich schwächer und weniger dicht. 

Länge 9 — 11 7nm. — Chile (Concepcion, I. 1904, Herbst 
leg., (f, 9). 

Odynerus (Leionotus) pavidus Kolil n. sp. 

Schwarz. Zitronengelb sind ein Makelchen an der Augen- 
ausrandung und hinter den Netzaugen oben, eine sehr schmale, fast 
verschwindende Binde am vorderen Pronotumrand und zwei ziemlich 
breite Binden auf dem Abdomen (auf dem 1. und 2. Tergithinter- 
rande und auf dem Hinterrande des 2. Sternites). Vorderseite der 
Fühlerschäfte ($), Flügelschuppen und Beine mit Ausnahme ihrer 
Basis (Hüften, Schenkelringe und Schenkelbasis) rostrot. Beim 
Männchen ist der Kopfschild und die Vorderseite der Fühlerschäfte 
zitronengelb. Flügel gebräunt. 

Pronotum vorne scharfrandig und seitlich scharfeckig. Das 
]\Iittcl Segment fällt hinter dem Postscutell sofort ab, ist aber 
seitlich nicht scharfrandig, wenngleich etwas gekantet. Während 
das Schildchen flach ist und in gleicher Ebene mit dem Dorsulum 
liegt, neigt sich das Hinterschildchen in sanfter Wölbung nach 
unten. 

Das 1. Tergit ist hinten ungefähr l^/gmal so breit als mitten 
lang; es zeigt keine Querkante oder Querfurche, auch in der Mitte 
oben keinen Eindruck. Das 2. Sternit ist nicht „tubcrcnlat." zu 
nennen; es hat eine ähnlicli(; liildiing wie der paläarktisclie yltici- 
strocerus calloms, es nUlt nämlich vorne gegen die liasalfurclie 
senkrecht ab. 

Kopf und Thorax sind gedrängt punktiert, die Punkte relativ 
nicht grob; auf dem Pro- und Mesonotum könnte man die Skulptur 
punktiert-runzelig nennen, llbrigens wohl auch auf dem Scheitel. 
Auf den MittelbruKtseit(;n ist die; Punktierung auch gedrängt, gibt 
nl)(!r kein run/cligcH AuHsehen. Di(! I'unkticrung des Abdomens ist 
<i( r (Ich ()<I. nrancfinns Sauss. sehr illinlich oder - um eine palä- 



Hymenopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



341 



arktische Art zum Vergleiche heranzuziehen — wie bei einem kleinen 
Stücke von Od. floricola Sauss. 

9. Kopfschild (schwarz) ungefähr so lang als an der breite- 
sten Stelle breit, mäßig dicht punktiert, am Ende in der Mitte sanft 
ausgerandet; in den Ecken, welche die Ausrandung begrenzen, läuft 
beiderseits eine Kante aus (Fig. 2). Das 2. Geißelglied ist l^/gmal 
so lang als am Ende dick, das 3. ist ebenso dick als lang. 

cf. Kopfschild tiefer ausgebuchtet. 3. Geißelglied länger 
als dick; das 2. von demselben Längenverhältnis wie beim Weibchen. 

Länge 8 — 9-5 mm. — Chile (Mus. caes. Vindob., 1 cf, 2 $). 

Odynerus psilothorax Schletterer (Entom. Nachr., XVII, 

1891, S. 87, 9) ist synonym mit Od. tnherctdiventris Spin. (Etimenes 
tuherculiventris Spinola in: Gay, Hist. fis. Chile, VI, p. 267, Nr. 2, 
1851). 

Odynerus rhodopterus Schletterer (Entom. Nachr., XVII, 
1891, S. 92, 9) ist synonym mit Od. lahiaüis Haliday (Trans. Linn. 
Soc, XVII, p. 323, 1837) und Od. marginicoTlis Spin. (Gay, Hist. fis. 
Chile, VI, p. 256, Nr. 2, 1851). 

Die Typen von Od. psilotJiorax Schlett. und Od. rliodoptems 
Schlott, sind Eigentum des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in 
Wien. 

Über den Pompilus nitidulus Gfuer. 

Pompilus nitidulus wurde von Guerin in Voy. de la Coquille, 
Ins., p. 261, 9, 1830 beschrieben, und zwar als eine chilenische Art. 

Die Beschreibung ist wohl kurz, doch lassen einige Angaben 
ruhig darauf schließen, daß Spinola bei seiner Beschreibung des 
P. nitidulus in Gay: Hist. fis. Zool., VI, 1851, p. 377, cf, 9, eine 
andere Art vor sich gehabt hat als Guerin. 

Diese Angaben Guerins sind: „. . . differe par la belle cou- 
leur bleue chatoyante de son mesothorax et de son abdomen . . . 
le metathorax, les flaues et l'abdomen sont d'un beau bleu fonce 
ä reflets tres-vifs et un peu violets"; ferner: „La troisieme cellule 
cubitale et retr6cie en haut, comme dans quelques especes euro- 
p^ennes et le Fompilus viaticus entre autres." 

Mit diesen Angaben stimmt bei Spinola z. B. nicht: „El borde 
anterior de la tercera es muy corto, pero n me ha parecido toda- 



342 



Franz Fr. Kohl. 



via exactamente triangulär, como lo es iiormalmente en al P. viati- 
ciis^', es ist hier vielmelir der Spinolasclie Text jenem Guerins 
geradezu entgegengesetzt. 

In Chile gibt es nun zwei Pöm^nks -Arten, beide von gleicher 
Häufigkeit, welche hier für den P. nitidulus in Betracht kommen 
können. Die eine stimmt mit dem F. nitidulus Guerins in betreff 
der schönen Tomentfärbung des Körpers und bei der Mehrzahl der 
Stücke in betreff der Beschaffenheit der 3. Kubitalzelle, die andere 
mit dem P. nitididus Spinolas überein. 

Der Name nitididus hat natürlich für die Gu6rinsche Art 
verwendet zu werden. Deswegen ist die Art Spinolas neu zu 
benennen, da eine andere Artbezeichnung für sie nicht schon vor- 
handen ist. 

Es bleibt noch zu untersuchen, was Edw. Reed unter Fom- 
pdus nitididus (Anal. Univers. Santiago, T. LXXXV, 1894, p. 014) 
versteht. 

Die Angabe Reeds: „Negro con reflejos azules", die Längcn- 
anga])e 8 — 16 min sowie die Angabe: . Sin enibargo, crco que es 
fdcil conocer la especie, que es bastante comun en gran parte de 
Chile, sobre todo cerca de Valparaiso", lassen mich nicht daran 
zweifeln, daß er beide Arten vermengt hat. Beide Arten sind in 
Chile häufig und sind Reed gewiß vorgelegen. Hätte Reed die 
Spinolasche und Gu6rinsche Art unterschieden, so müßte in 
seiner Arbeit darüber etwas enthalten sein. 

Der Spinola seilen Art erteile ich den Namen misturatus und 
füge meinen Bemerkungen eine kurze Beschreibung beider Arten bei. 

Pompilus nitidulus Guerin (non Si)in.!). 

Länge 1- mm. cT, 9- 

Das Körpertoment gibt dem 'J'icre ein samtartiges Aussehen 
v(.n I(;l)liaft griinlichblauer, häufig ins Violette schillernder 
Farbe. Das letzte Stcriiit ist rein schwarz wie die Fühler. Auch 
di(; Beine zeigen das farbige Tomcnt, nur die Tarsen sind größten- 
teils schwarz. 

l)i(' N(;t Zangen reichen nahezu, also nicht volikoimiien bis 
■/MV .M;uMlihell)asiK. 

.. Oer ClypeiiK isl v(»nic ([iicr abgestutzt und läßt einen Teil 
der hogenförniig \ crlanlcndcn Oljerlippe frcii. 



Hymenopterentypen nus der neotropischen Fauna. 



343 



Der geringste Abstand der Netzaiigen auf dem Seheitel 
ist ebenso groß wie der am Kopfschilde. Gesicht ziemlich breit. 
Fühler kurz und dick, wie bei den paläarktischen Arten aus der 
^Jectinipes-Gi'ü'p^e. 2. Geißelglied etwa 1*5 mal so lang als am 
Ende dick, demnach verhältnismäßig kurz, kürzer als der Schaft, 
3. Geißelglied von der Länge des 2., ebenfalls l ömal so lang als 
dick. Vom 4. Geißelgliede weg nehmen die Glieder gleichmäßig an 
Dicke ab. Das letzte ist dünn und verdünnt sich zu einer stumpfen 
Spitze. 

Der Hinterrand des Pronot ums verläuft seicht bogig, ist 
also nicht winkehg. Mittelsegment kurz, gewölbt, hinten leicht ab- 
geflacht. 

Klauen bezahnt; Klauenkamm fehlt. Vordertarsenkamm 
entwickelt; Metatarsus an der Außenseite mit drei Kammdornen, die 
ungefähr halb so lang sind als jener. 

Basalader der Yorderflügel interstitial. Zweite Kubitalquerader 
gebogen (Fig. 5). 2. und 3. Kubitalquerader an der Radialzelle 




Fig. 5. Fig. 6. 



einander stark genähert, in der Regel auffallend mehr als bei mistti- 
ratus. Die Kubitalader der Hinterflügel entspringt im Abschlüsse 
der mittleren Schulterzelle. Körper und Basis der Beine dünn 
schwarz behaart. 

cT. Nicht zu verkennen, im Ganzen schwächer und kleiner. 
2. Geißelglied so lang als am Ende dick, die folgenden 3—11 
sind etwa l'ömal so lang als dick; das Endglied verdünnt sich. 
Das 4. und 5. Sternit zeigt einen schwach bogigen Hinterrand. Das 
Endsternit ist kompress, leicht pflugscharartig wie bei vielen 
anderen Pow^^jiZws-Männcheu. 

Der Pompihis niticliilus gehört zur zweiten der von mir (in 
diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1886, S. 309; aufgestellten Pompihts- 
Gruppen, zur P. ^;ec^mii>es- Gruppe. 



344 



Frauz Fr. Kohl. 



In Chile ziemlich häufig ( Concepcion. Valdivia). — Es liegen 
8 Weibehen und 13 Männchen vor. 

Pompilus misfuraUis Kolil n. sp. 

Fom])'dus n'dkhäus Spinola (non Guerin): Gay, Hist. fis. Chile, 
Zool., VI, 1851, p. 377, cf, Q (an ex parte?). 

< FoDqnhis nitidiäus Edw. Keed: Anal. Univers. Santiago, 
T. LXXXV. 1894, p. 614. 

Länge 9— 16 (cf ^—\2 bmm, 9 mm). 

Das Körpertoment gibt dem Tiere ebenfalls ein fast samt- 
artiges Aussehen, es ist jedoch mehr blaugrüu, viel weniger leb- 
haft als bei nifkhdus Guer. und dunkler, selten ins Violette schil- 
lernd. Flügel wie bei dieser Art braun mit violettem Glänze. 

5. Die Netzaugen reichen bis zur Oberkieferbasis. Der 
Clypeus ist vorne sanft ausgerandet (beim ^ fast quer abgestutzt 
erscheinend). Der geringste Abstand der Netzaugen auf dem 
Scheitel beträgt die Länge des 2. 3. Geißelgliedes und ist vom 
geringsten Abstände in der Kopfschildgegend höchst unbedeutend 
verschieden (größer). Das 2. Geißelglied ist 3*5 mal so lang als 
am Ende dick, das 3. 2-5mal. Stirne schwarz behaart, ebenso die 
Schläfen. Hinterrand des Pronot um deutlich winkelig, wenn- 
gleich der Winkel sehr stumpf ist. Mittelsegment gewölbt, 
ziemlich kurz, abstehend schwarz behaart, ebenso wie das Pygi- 
diuni und die Hasis der Beine (Hüften). 

Vorderbeine mit kräftigem Tarsalkamm; der Metatarsus 
fuhrt an der Außenkante vier starke Kammdornen, von denen 
drei — der basale ist ein wenig kürzer als die anderen — unge- 
fähr ^/gmal 80 lang sind als der Metatarsus. Klauen bezahnt, 
Klauen kämm sehr gut ausgebildet, den Ballen überragend. 

Die 2. und 3. Kubitalzelle der Vorderflügel sind an Größe so 
ziemlich gleich (Fig. f)i; die 3. ist an der Radialzelle wohl stark 
verHchmälert, jedoch durcliHchnittlich nicht so sehr wie bei ndi- 
dulus. 2. Kubitalquerader ziemlich gerade (Fig. 6) (bei 1\ ndi- 
dultis gcbo;ren). Basaladcr der Vorderfliigel und Kubitalader der 
Ilinterflügel interstitial. 



Hymenopterentypen aiis der neotropischen Fauna. 



345 



(f. Kleiner und schmäler als das Weibchen. 2. Geißelg-lied 
vom dritten an Länge nicht namhaft verschieden, eher etwas kürzer, 
etwa 2 mal so lang als am Ende dick. Wichtig ist, daß die Klauen 
nicht wie beim Weibchen bezahnt, sondern entschieden „bifid" sind, 
zum Unterschiede von nitidus. Untere Afterklappe pflugscharförmig 
kompreß. 

Das Weibchen trägt alle Merkmale der ersten der von mir (in 
■iesen „Verhandlungen", Jahrg. 1886, S. 309) aufgestellten Fom])i- 
>- Gruppen. Da aber das Männchen bifide Klauen hat, müßte 
entweder der Gruppencharakter erweitert oder eine neue Gruppe 
aufgestellt werden: ich zweifle nicht, daß bei manchen anderen Fom- 
/^//^^s- Arten der neotropischen Fauna dasselbe Klauen Verhältnis 
obwaltet wie bei P. masturatus. 

Chile (Concepcion, 8./XII. 1903; II. 1904. — P. Herbst leg., 
^ T 6). 

JPompiliis fucatiis Kohl ii. s^). 

Schwarz, ganz so befilzt wie der P. (l-maculatus vSpin. (= ce- 
mtstus Wesm.) und von derselben Gestalt: auch die Konfiguration 
des Mittelsegmentes ist ganz wie bei dieser Art. Dieses ist nämUch 
hinten seicht ausgerandet und jederseits kurz kegelartig ausgezogen. 
P. fucatiis unterscheidet sich aber doch leicht durch die bifiden 
Klauen, durch den größeren Abstand der Augen auf dem Scheitel 
an der Linie, die man sich durch die hinteren Nebenaugen quer 
gezogen denkt, und durch den Umstand, daß die Yorderflügel nur 
3Ewei Kubitalzellen zeigen, was nach der Art der Einmündung der 
2. Diskoidalquerader und nach der Größe der 2. Kubitalzelle zu 
achließen, durch Obliteration der 2. ursprünglichen Kubitalquerader 
erfolgt zu sein scheint. Nach der Flügelbeschafi:enheit und der 
Bewehrung der Beine (Klaueni nähert sich fucatus noch mehr als 
dem P. 6-maculatus dem mexikanischen P. taeniatus Kohl (vgl. 
diese -Verhandlungen", Bd. XXXYI, 1886, S. 336, Nr. 29. 9); 
nach der Bewehrung der Klauen und Tarsen und dem Abstände 
der Netzaugen auf dem Scheitel dem westafrikanischen P. Braunsii 
Kohl ( Ann. d. naturh. Hofmus. in Wien, Bd. IX, 1894, S. 314, 9). 

Wer die genannten Arten sorgfältig vergleicht, muß zur festen 
Überzeugung kommen, daß sie aufs engste unter sich verwandt sind 



346 



Franz Fr. Kohl. 



und daß es absurd wäre, den P. fucatm und F. taeniatm deswegen 
von 6-maculatus und Braunsii zu trennen und bei Äponis unter- 
zubringen, weil durch Obliteration der 2. Kubitalquerader der Vorder- 
flügel nur zwei Kubitalzellen aufweist. 

Ich habe bereits im Jahre 1884 („Die Gattungen der Pompi- 
liden" in diesen „Verhandlungen") nachgewiesen, daß die Fompihis- 
Arten mit zwei Kubitalzellen, die man bisher als Arten einer eigenen 
Gattung — Äporus — hinstellte, ganz entschieden nur Fompilus- 
Formen aus verschiedenen natürlichen Gruppen mit einer nicht 
wesentlichen Modifikation im Flügelgeäder sind. Die Gattung Äporus 
ist (ebenso wie Evagetes) eine durchaus künsthche, da die Arten, 
die dazu gerechnet werden, ihre nächsten Verwandten nicht unter 
sich, sondern bei den einzelnen natürlichen Po^>^|>iks-Gruppen haben. 

Der Abstand der Netzaugen voneinander beträgt auf dem 
Scheitel an den hinteren Nebenaugen die Länge des 2. -f- 3. Geißel- 
gliedes; er ist ein ganz klein wenig größer als der geringste Abstand 
der Netzaugen unten am Kopfschilde. Die Netzaugen erreichen die 
Oberkieferbasis. Die hinteren Nebenaugen stehen voneinander un- 
gefähr soweit ab wie von den Netzaugen. Die Schläfen und das 
Hinterhaupt sind etwas schmächtiger als bei F. 6-mactdatus Sp. 9« 
Koi)fschild wie bei diesem und bei tacniatus gebildet. Hinterrand 
des Pronotum bogenförmig, nicht winkelig. Tarsalkamm der Vorder- 
beine gut ausgebildet; Metatarsus an der Außenseite mit drei dünnen 
Kammdornen, die reichlich ^/.^mal so lang sind als der Metatarsus; 
außerdem ])emcrkt man einen kürzeren Dorn an der Mitte der Innen- 
seite. 2. Kubitalzelle ungefähr so groß wie die erste. Die drei 
ersten liinterh'ibstergitc zeigen infolge Unterbrechung einer weiß- 
hclieii Toment binde jederseits eine weiße längliche Makel wie bei 
H-mnmlatKs. 

9. Länge 8 — Chile (Concepcion, P. Herbst leg., 1!K)3). 

Pompiluft Spinolae Kohl ii. sp. 

fJleicht in der Färbung und Tomentiernng dem F. anwlhystinus 
I I Tsclibg.); letztere geht Htcillenweise in violett über. 

Der Kopfschild hat eine Ausbuchtung fFig. 7); diese ist aber 
Kciclitcr lind aiis;:<'(l( liiil('r als bei (fniclhi/slinns. Fühler auffallend 
diiiin 1111(1 sclihiiik (Fig. '^i; das 2. (Jeißelglicid ist mindestens 



Hymenoptereutypen aus der neotropischen Fauna. 



347 




Fig. 7. 



7 mal so lang- als mitten dick, das 3. nicht ganz 5mal; bei amethy- 
stlnus ist das 2. Geißelglied etwa 5 mal so lang als mitten dick, 
das 3. dreimal. 

Der geringste Abstand der Netzaugen auf dem Scheitel 
bei den hinteren Nebenaugen ist entschieden größer als bei der 
verglichenen Art; er beträgt zwar in beiden 
Fällen etwas weniger als die Länge des 
2. Geißelgliedes, aber da dieses bei Sjnnolae 
sichtlich länger ist als bei mnetJiystinus, er- 
scheint somit der Scheitel auch entsprechend 
breiter. Die hinteren Nebenaugen stehen 
voneinander ebensoweit ab, wie von den 
Netzaugen. Hinterhaupt schmächtiger als 
bei amethystimts, hinter den Netzaugen rasch 
und steil abfallend. Die Stirne, die Schläfen 
und das Prosternum sind schwarz behaart. 

Pronotum hinten winkelig, der Winkel 
aber sehr stumpf. DasMittelsegment ist kurz, 
gewölbt mit einer Längsvertiefung in der Mitte, 
schwarz behaart; eine besondere Skulptur ist 
nicht bemerkbar, vielleicht nur, weil von dem 
samtigen grünen und violetten Toment über- 
deckt. Analsegment schwarz behaart. 

Beine in Übereinstimmung mit den 
Fühlern schlank. Der Metatarsus der Vorder- 
beine zeigt außen vier entschiedene Kammdorne (Fig. 9j (bei cmie- 
thystinus sind sie nicht auffallend zu einem Kamme gestellt und 
kürzer) ; an der Innenseite des Metatarsus bemerkt man noch zwei 
abstehende Dornen (von der Basis 
und dem Ende beträchtlich ent- 
fernt). 

Klauen bezahnt. Klauenkamm 
vorhanden, wenig auffallend. Flügel- ^ 
geäder ähnlich wie bei mnethystinus 
(Fig. 10). Fig. 10. 

Es scheint mir unwahrscheinlich, daß Spinola bei der Be- 
schreibung seines Pompilus amethystimis in dem Gay sehen Werke 




Fig. 8. 



Fig. y. 




348 



Franz Fr. Kohl. 



(Hist. fis. Chile, VI, p. 382, 1851) einen wirklichen Fompilus ame- 
ihjsUnus vor sich gehabt habe. Aus gewissen Angaben glaube 
ich sogar vermuten zu dürfen, daß sein amethystinus die hier als 
Spinolae beschriebene Art ist. Die Bemerkung „Es muy comun 
en la Repüblica" trifft freilich nicht zu und deutet darauf hin, daß 
Spinola den F. nitidulus Heeds mit vorliegender Art vermengt 
haben kann. 

9. Länge 11 mm. — Chile (9, Mus. caes. Vindob.). 

Salius (Triocnemis) dispertittis Kohl ii. sp. 

d", 9. Länge: 9 10—15 mm, 8—12 mm. 

Kopf, Thorax, Mittelsegment und Beine schwarz mit einem 
sehr schwachen Erzschimmer von bläulicher, grünlicher oder violetter 
Farbe. Die Flügel sind gebräunt, im auffallenden Lichte violett 
oder blau schillernd. Der ganze Hinterleibsringekomplex ist braun- 
rot. Die abstehende Behaarung des Endsegmentes ist braun. 

Diese Wespe, die in Chile nicht zu den seltensten zu gehören 
scheint, finde ich weder in dem bekannten Werk von C. Gay, noch 
in der Arbeit von Edwin C. Reed („Entomologia Chilena" in Anal, 
de la universitad Santiago, 1894, T. LXXXV) behandelt. Sie gleicht 
in der Erscheinung dem Friocnemis coriaceus Dhlb. oder Schemhii 
Kolli (= maculipennis Schenck, non Smith). 

Weibchen. Das Gesicht ist nicht so breit wie bei coria- 
ceus; der geringste Augenabstand auf der Stirne in der Gegend 
des vorderen Nebenauges beträgt die Länge des 2. Geißelgliedes, 
vcrnichrt um zwei Drittel der Länge des 3. Geißclgliedes. Das 
2. Gcißclglied ist ungefähr viermal so lang als mitten dick (Fig. 11). 
Die Schläfen und das Hinterhaupt sind ungefähr so dick wie 
bei Fr. Srhcnclcii Kohl. Das Gesicht des Fr. dispcrütus ist mikro- 
skopisch fein fOOfachcr Vergr.j und gedrängt |)unkticrt, außer den 
fcin(Mi riinktchcn sieht man ganz vereinzelte größere l^inkte, die 
man hei lOfacii. Vergrößerung da und dort wahrnimmt. l*ronotuni 
hinten wink^-Iig aUKgcsclinitten. Der 'I'horax und das Mittelscgrncnt 
sind oijcn und an den Seiten mikroKko[)is('h fein netzartig gerunzelt, 
zeigen also die bei I lymenoptcrren häutige Skulptur, welche man 
als „alutacea" bezeichnet. Noch feiner ist diese Skul])tur auf dem 



Hymeuopterentypen aus der ueotropischen Fauna. 



349 



Abdomen, welches daher auch mehr glänzt. Schienensäge gut aus- 
geprägt. Klauenzahn kräftig. Fliigelgeäder siehe Fig. 12. 

Das Männchen ist bedeutend kleiner, seine Stirne erscheint 
stärker gewölbt. Der geringste Xetzaugenabstandiu der Gegend 
des vorderen Xebenauges beträgt die Länge des 2. + 3. — halben 
4. Geißelgliedes. Die Länge des 2. Geißelgliedes beträgt nur wenig 
mehr als seine doppelte Dicke am Ende, auch 
2. Geißelglied an Länge vom 3., 4. oder 5. nicht 
verschieden (Fig. 13). Das letzte äußerliche 
stellt eine große Platte dal-, die hinten einen fj 

Fig. 11. Fig. 12. I 

kreisförmigen Rand zeigt und kurz behaart ist; die Haare stehen 
im ganzen nicht dicht, am Piande etwas dichter als auf der Scheibe. 
! Die Pygidialplatte wird von der letzten Sterualplatte beträchtlich 
übeiTagt. 

Salius (Priocnemis) thaumastaviiis Kolil ii. sp. 

Weibchen. Länge 12 — 14 mm. 

Schwarz. Beine mit Ausnahme ihrer Hüften und Basalhälfte 
I der Fühler rostrot. Flügel groß, gelb mit zwei breiten schwarz- 
! braunen, vollständigen Querbinden, von denen die eine, basale 
die Gegend der Basal- und Submedialquerader schwärzt, die andere 
breitere, äußere den größten Teil der Pvadialzelle, 2. und 3. Kubital- 
zelle sowie die Endhälfte der 2. Diskoidalzelle und die Basalhälfte 
der 3. Diskoidalzelle einnimmt, übrigens noch darüber hinaus bis 
zum Endsaume reicht. Das Ende der Hinterflügel ist gleichfalls 
I geschwärzt. 



ist das 
merkbar 




"ig. 13. Fig. U. 



I 



350 



Franz Fr. Kohl. 



Die Netzaug-en reichen bis zum Oberkief ergründe ; ihr 
Abstand voneinander beträgt in der Gegend des vorderen Neben- 
auges nicht ganz die Länge des 2. + halben 3. Geißelgliedes, aber 
doch ein klein wenig mehr als die des 1. 2. Schläfen und 
Hinterhaupt ziemlich kräftig. 2. Fühlergeißelglied etwa 5 mal so 
lang als mitten dick (Fig. 14). 

Pronotum hinten winkelig ausgeschnitten. 

Kopf und Thorax matt, fein punktiert runzehg, lederartig, 
das Mittelsegment zeigt oben riefenartige Querrunzelstreifen, 
ähnlich wie S. versicolor Scop.; das an die Hinterhilften grenzende 
Mittelsegmentseitenfeld ist dicht schräg und im Vergleich mit 
dem Mittelsegmentrücken sehr fein runzelig gestrichelt. Der 
Hinterleibsringekomplex glänzt ziemlich stark und erscheint eben- 
holzschwarz; das Endsegment ist ziemlich dicht und lang beborstet; 
die Borstenhaare sind schwarz. Der Quereindruck des 2. Sternits 
ist ungewöhnlich kräftig und tief und gewährt das l^ild einer 
förmlichen Einschnürung. Klauenzähne und Hinterschienensäge 
deutlich. 

Chile (Concepcion, IX. 1903). 

Haploneurion minus Kohl ii. sp. 

Es liegen zwei Weibchen vor, welche in Gestalt und den 
plastischen Verhältnissen dem Haploneurion apogonum Kohl unge- 
mein gleichen, jcdocli sind der Thorax, das Abdomen und die Hüften 
ebeiiliolzschwarz, der Hinterleib — abgesehen von der licborstung des 
Analsegmcntes — nackt (ohne gelbe Pubeszenz); auch ist IL minus 
iicdeutend kleiner als (ipo<jonum, Kohl, 8 — 9 mm lang. Flügel 
scliwarz angerauclit, mit den Geäderverhältnissen von apogonum, 
wie bei diesem sehr verkürzt. Die lehmgelben Fühler bräunen sich 
dem Kiidc zu etwas. 

Obcrk icfcr innen in (liner kleinen Fiilfernung von der Spitze 
mit ciiiciii Zaiiiic. Der Abstand der Netzaugen betrügt auf dem 
S('li< il< l hei den liiiilcrcii Ncbenaugeii die iJlnge des 1 . -f- 2. (ieißel- 
;rliedes, ;iin Kopl'scliiide ein klein vvc^nig ni(;lir. 

r'nlilei- dünn, siehe l^'ig. If). 

r,ei einem dritlen W'eibelien ist das Sehvv;n-z des iiinferleihes 
und Thorax /um Teile einem Lehmgelb g(;vvi('h(in, auch die lliil'l(Mi 



Hymenopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



351 



und die zwei basalen Dritteile der Flügel sind lehmgelb. Auf dem 
Brustkasten ist es die Oberseite des Pronotum, Mesonotum und 
Mittelsegmentes, auf dem Hinterleibsringekomplex das 2., 5. und 
6. Tergit und 5. und 6. Sternit, welches gelb wird. Daß dieses 
Weibchen als Farbenvarietät zu H. minus gehört, scheint mir un- 
zweifelhaft. Überdies wäre im Auge zu behalten, ob nicht H. minus 
selbst als Varietät von apogonum aufzufassen ist. 

Das Männchen von H. minus liegt in zwei Stücken vor. Es 
ist schmächtiger als das Weibchen, 7—10 mm lang. Thorax und 



— wie das eine Exemplar schließen läßt — manchmal auch die 
Hinterleibsringe zum Teile schwarz. Auf dem Kopfe ist der Scheitel 
schwarz. Im übrigen ist das Tierchen lehmgelb. Die Flügel (Fig. 16) 
sind nicht verkürzt wie beim Weibchen, einfarbig mit einem schwach 
gelblichen Stiche und mit drei Kubitalzellen ausgestattet. Die Form 
und das Größenverhältnis der Zellen und der Aderverlauf ist aus 
der erwähnten Figur ersichtlich. Flügelstigma groß, schwarz. 
Die Geißel glieder 2 — 12 sind voneinander an Länge nicht merk- 
lich verschieden. Das 2. ist reichlich viermal so lang als mitten 
dick (Fig. 17). Die Netzaugen stehen oben am Scheitel am vorderen 
Nebenauge um die Länge des 2. GeißelgHedes, vermehrt um die 
Hälfte des 3., voneinander ab; gegen den Kopfschild zu neigen die 
Innenränder der Augen ein wenig zusammen und beträgt daselbst 
ihr geringster Abstand voneinander nur die Länge des 1. -f- 2. Geißel- 




Fig. 15. 



Fig. 16. 



Fig. 17. 



352 



Franz Fr. Kohl. 



g'liedes. Die 6. Ventralplatte ist hinten in der Mitte tief ausge- 
buchtet; aus der Bucht tritt das schmale 7. Sternit wie ein sanft 
gebogener, stumpfer Dorn hervor. Aus der Hinterleibsöffnung ragt 
wohl die 8. Ventralplatte — eine hinten sehr tief eingeschnittene, 
daher gabelige Platte — vor. 

Chile (Concepcion, X. 1903, $; I., III. 1904, d^). 

Crabro aemulans Kohl n. sp. 

Dem Crabro (Podagrikis) Gaiji Spin, in der Färbung sehr 
ähnlich; schwarz, Abdomen in dem Umfange wie bei Gayi rostrot. 
Gelb sind die Oberkiefer, die Fühlerschäfte, die Endhälfte der Vorder- 
schenkel, die Vorderschienen mit Ausnahme einer dunkeln Makel 



an der Innenseite, die Knie, der Mittelschenkel, die Mittelschicnen 
mit Ausnahme eines dunkeln Längswisches der Innenseite, die 
Schienensporne, die Vorder- und Mitteltarsen und die Basis der 1 linter- 
schienen. Lehmfarbeu sind die Fliigclschui)pen und die Unterseite 
der Fühlergcißel (d^, 9). 

Kopfschild form von der des Cr. Gayi bedeutend ver- 
schieden ("Fig. 18, (d ; Fig. 19, V). Die Oberkiefer lassen infolge 
ungünstiger Präparation nicht recht erkennen, ob ihre Spitze ein- 
facli ist od(M' nicht. Die Insertionsbeulen der Fühler liegen hart 
am Netzaugenrande. Schläfen stark entwickelt, an ihrer breitesten 
Stelle reichlich so breit als die Netzaugen von der Seite besehen; 
sie sind nicht wie; bei Cr. Gayi gebildet, wo sie in (l(!r Nähe des 
Kinns kantig zusammengedruckt und fast winkelig ersch(;incn. 
i'(;dicelluK der Fühler ist heim Männcluin etwas griUier als das 
2. (icißelglied (^Fig. 20); diescH ist unten ausgerandet; ausgerandct 
sind in HchwäelK r( m (Inide ;iueh das \\. und 1. (Jleißelglied ; da dicflC 




Fig. 18. 



Fig. 19. 



Fig. 20. 



Hymenopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



353 



Glieder am Ende unten etwas angeschwollen sind, ersebeint die 
Basalhälfte der Fühler fast knotig. Geißelglied 6 — 11 sind eher 
kürzer als lang. Das Endglied ist bedeutend größer und breiter 
als das vorletzte. Auch beim Weibchen ist das Endglied sichtlich 
länger; der Pedicellus des Weibchens ist kürzer als das 2. Geißel- 
glied; dieses ist etwa 2-5 mal so lang als mitten dick, länger als 
das 3., welches fast zweimal so lang als dick ist. 

Das Kollare ist vorne gekantet, zumal an den Seiten ist die 
Kante stark erhaben; oben zeigt das Kollare Runzelsti'eifchen, die 
aber nicht wie bei Gayi völlige Querriefen bilden. Das Epicne- 
mium ist vorhanden, aber nicht so scharf abgesetzt wie bei ver- 
glichener Art. An den Mittelbruststückseiten, die nadelrissig 
gestrichelt sind^ ist keine Längsfurche sichtbar. Zwischen den 
Runzelstreifchen bemerkt man auch Pünktchen. Kopf und Thorax 
sehr dicht punktiert; Punkte bedeutend weniger fein als bei Cr. 
Herhstli, wenngleich noch immerhin fein zu nennen. 

Am Mittelsegmente ist kein herzförmiger Raum abgegrenzt; 
mitten erscheint auf ihm eine Längsfurche, die sich von der Basis 
weg bis zum flinterleibsstiel hinabzieht; seitlich von der Furche ist 
das Mittelsegment mäßig fein gerunzelt. Die Mittelsegmentseiten 
sind in schräger Richtung nadelrissig gestrichelt. Hinterleibsstiel 
in einem ähnUchen Längenverhältnis wie bei Cr. Gayi. Pygidial- 
feld beim $ dreieckig, ziemhch flach, mit einigen Punkten besetzt. 

Hinterschienen ähnlich wie bei Cr. Herhstü keulenförmig, 
etwas bedornt, der Metatarsus derselben leicht verdickt. Tarsen 
der Vorderbeine zart bedornt. 

Die Kubitalquerader fällt ein wenig vor der Mitte der Radial- 
zelle auf die Radialader; die Diskoidalquerader trifft weit jenseits 
der Mitte der Kubitalzelle auf die Kubitalader. Die Stellung der 
Radialquerader und die Gestalt der Radialzelle ist in Fig. 21 er- 
-icbtHch. 

Länge 9—10 7nm. — Chile (Mus. caes. Vindob., 3 , 1 9)- 

Crabro (Rluypaliim-Corynopiis) rufotaeniatus 
Kolli 11. sp. 

cf. Länge 9—10 mm. Schwarz. Hinterleib in der Mitte 
— Segment 3 des Segmentekomplexes und die angrenzende Partie 

Z. B. Ges. Bd. LV. 23 



354 



Franz Fr. Kohl. 



des 2. und 4. Ringes — lehmrot. Das Schwarz des Körpers hat 
einen leichten bläulichgrünen Metallschimmer. Flügel nur wenig 
getrübt. Gelb sind: Die Oberkiefer, die Fühlerschäfte, die Schulter- 
beulen, die Vorderbeine (mit Ausnahme ihrer Basis und eines dunkeln 
Wisches an der Innenseite der Vorderschienen), die Endhälfte der 
Mittelschenkel an der Hinterseite^ die Mittelschienen an der Basis 
und ein Längsstreifen ihrer Hinterseite, die Mitteltarsen und ein 
Basalring der Hinterschienen. Unterseite der Fühlergeißel zum 
Teile lehmfarben. 

Schlank. Kopf nur wenig breiter als der Thorax. Ober- 
kiefer am Ende stumpf zweizähnig (bifid). Kopfschildmittelteil als 
ein im schwachen Bogen abgestutztes Blättchen vortretend, ohne 
besondere Auszeichnung. Die Fühlerinsertion stößt an die Netz- 
augen. Schläfen ohne Auszeichnung, nicht ganz so dick wie die 
Netzaugen von der Seite besehen. Pedicellus (Fig. 22) nicht länger 
als dick; auch das 2. Geißelglied ist so ziemlich kugelig; das 

3. Geißelglied verdickt sich nach dem Ende, ist unten ausgerandet, 
so daß sein Ende einen stumpfen Zahn bildet, ähnlich ist auch das 

4. Geißclglied gebildet, nur ist der Zahn noch stärker und spitzer 
ausgebildet. Geißelglied 3 und 4 sind bedeutend länger als dick, 
die nächstfolgenden aber etwas dicker als lang; nur das etwas 
abgeplattete und am Ende abgerundete Endglied ist sichtlich l ömal 
länger als breit. 

Kollare ziemlich kräftig, vorne nicht scharfkantig, Schulter- 
ecken ganz stumpf. Epicncmium vorhanden, aber nicht groß und 
nicht scharf abgesetzt. Epistcrnalnaht gekerbt. Mittelsegment 
mit einem „herzförmigen Räume", der nach hinten nicht scharf 
abgesetzt ist und eigentlich mehr wegen seiner Glätte (seines 
Skul])turmangels) hervortritt; vorne ist der „herzförmige Raum" 
durch eine Kerbfurclie abgesetzt, mitten wird er von einer Längs- 
rinne durchzogen, welche sich auch darüber hinaus bis zum Hinter- 
Icil)HHticlgrunde fortsetzt. Ko])f und 'J'liorax sind sehr dicht und 
sehr subtil inid bei I ()fji('li(!r Luj)envergn>ßcruiig gerade noch sichtbar 
punktiert. Die M ittelscgincntseitcn sind mikroskopisch (OOfache 
Vergr. ) fein iiadclrisHig-nct/riiu/clig ("„alutacca"). 

llinterlcibsHtiel ziemlich lang, kaum kürzer als die beiden 
folgenden Tcrgitc zuHamnien (Fig. 23). 



Hymenopterentypeu aus der neotropischen Fauna. 



355 



Y Order tarsen mit sehr zarten und kurzen Dornwimpern. 
Hinterschienenkeule kräftig, zart bedornt. Metatarsus der 
Hinterbeine etwas verdickt, an der Basis gelblich, sonst wie die 
folgenden Fußglieder schwarz. 

Verlauf der Kubital- und Diskoidalquerader, Form der Radial- 
zelle und Stellung der Radialquerader siehe Fig. 24. 

Chile (2 cf , Museum caes. Vindob.). 

Crahro (Ithopalum) Herbstii Kolil ii. sp. 

cT. Schwarz. Gelb sind die Außenseite der Fühlerschäfte, 
die Vorderseite der Vorderschienen, mehr weniger der Metatarsus 
der Mittelbeine und die Schulterbeulen. Alles Übrige, auch die Ober- 
kiefer schwarz. Flügel leicht getrübt. 




Fig. 22. Fig. 23. Fig. 25. 



Kopf bedeutend breiter als der Thorax. Oberkiefer am 
Ende stumpf, zweizähnig. Der Kopfschildmittelteil tritt in einem 
spitzen Dreieck, fast zahnartig vor. Fühlerinsertionsbeulen stehen 
hart am Netzaugenrande. Unterer Stirnteil daher sehr schmal er- 
scheinend. Schläfen und Hinterkopf kräftig, erstere fast so breit 
als die größte Breite der Netzaugen von der Seite besehen. Fühler 
sehr kurz; die Geißelglieder sind mit Ausnahme des Endgliedes 
(Fig. 25), welches länger als breit, in seiner Kontur eiförmig zu- 
gespitzt und nach dem Ende zu depreß erscheint, kurz, nicht länger 
als dick, die meisten kürzer. 

Kollare kräftig, an den Seiten ohne Ecken, abgerundet, 
mitten oben mit einer Längsfurche versehen. Ein Epicnemium 

23* 



356 



Franz Fr. Kohl. 



zum Anlegen der Vorderschenkel ist vorhanden, aber nicht ge- 
kantet. Die Episternalfurche ist deutlich, fein gekerbt. Kopf und 
Thorax sind dicht — aber nicht gedrängt — punktiert; die Punkte 
sind sehr fein und bei lOfacher Lupenvergrößerung gerade noch 
sichtbar. Die Mittelsegmentseiten sind sehr zart netzrunzelig 
(„alutacea"). Der „herzförmige Raum" ist quer, hinten und vorne 
durch eine Furche abgesetzt. Hinterleibsstiel siehe Fig. 26. 




Fig. 2G. Fig. 27. Fig. 29. • Fig. 28. 



Hinterschienen (Fig. 27) stark keulenförmig verdickt, fast 
unbewehrt; auch der Metatarsus der Hinterbeine ist kräftig 
(„crassiusculus"), während der der Mittelbeine schwächlich erscheint. 
Vordertarsen ohne Dornenkamni. 

Die Kubitalader trifft von der Mitte der Kadialzellc auf die 
liadialader. Die Diskoidalqueradcr trifft ein wenig Jenseits der 
Mitte der 1. Kubitalzclle auf die Kubitalader. Die Kadialquerader 
bildet mit der Radiahider einen reclitcn Winkel. 

Ks scheint mir niclit wahrscheinlich, daß die vorliegenden 
Tiere Männchen des (W. (Fhijsoscclus) hrcvinodus Spin, sind, da 
die Angaben Uber die Färbung der l>cine durchaus nicht stimmen. 
Weibchen noch unbekannt. 

Länge; 7-5— 8'5 mm. — Chile (Conccpcion, IL 1904). 1 cj" steckt 
i)i der Saninilung des kaiserlichen Museums ohne nähere Fundorts- 
angahe. 

Kntoniocrabro ii. sub;?. j»eiierls Crabronis, 

Oberkiefer am basalen Drittel mit (;in(;m A n sscli n ittc, 
Spitze cinfacli; an der Innenseite mit stumpfem Znlmc in (iinigem 
AI)Htanfl(' \<>ii der \',;\h'\h (Fig. 2H). Netzaiigen iinlx'luuirt, vorne grob 



Hymenopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



357 



fazettiert; ihre Innenränder treten knapp bis an die Insertionsbeulen 
heran. Nebenaugen in einem gleichseitigen Dreiecke. Pedi- 
c eil US kräftiger und länger als das 2. Geißelglied, wenigstens bei 
der vorliegenden Art. Epicnemium scharf abgesetzt. An den 
IMittelbruststückseiten ist eine deutliche Längsfurche sichtbar, ähn- 
Hch wie bei Lindenius mesopleuralis F. Mor. Ein „herzförmiger 
Raum'' ist unvollkommen abgesetzt. Pygidialfeld dreieckig, 
ziemlich flach. Vordertarsen mit Dornenkamm (Wimpernkamm). 
Hinterschienen bewimpert. 

Radialzelle auffallend kurz (Fig. 29). 

Die Kubitalader trifft vor der Radialmitte auf die Radial- 
ader. Die 1. Diskoidalquerader trifft die Kubitalader vor ihrer Mitte; 
dies bedingt eine schmale 1. Diskoidalzelle und wohl auch eine 
kurze 2. Submedialzelle. 

Cräbro (Entomocrabro) Dukei Kolil n. sp. 

Schwarz. Strohgelb sind der größte Teil der Oberkiefer, die 
Taster, die Vorderhälfte des Kopfschildes, die Fühlerschäfte; die 
Schulterbeulen, die Vorder- und Mittelbeine mit Ausnahme ihrer 
Hüften, die Trochanteren, Knie, Schienenbasis und Tarsen der 
Hinterbeine; Analsegment zum Teile pechrot. Flügel wasserhell. 

Der Kopf Schild ist flach; die Beschaffenheit seines Vorder- 
randes ist aus Fig. 28 ersichtlich. Hinterhaupt kurz. Hinter- 
hauptrand scharf. Längslinie auf der Stirne tief eingesenkt; sie 
findet ihre Fortsetzung auf dem Scheitel zwischen den Nebenaugen. 

Pronotum ohne Schulterecken. Mesonotum mit zwei kräfti- 
gen, tiefen, aber nicht sehr langen Parapsidenfurchen. 

Die Ftihlerschäfte sind lang. Der Metatarsus der Vorder- 
beine zeigt acht deutUche Kammwimpern an seiner Hinterkante. 

Kopf und Mesothorax poliert glänzend, ohne Punktierung. 
Hinterschildchen vorne und hinten durch eine Kerbfurchc ab- 
gesetzt. Mittelsegment etwas skulpturiert, hinten mit einer tiefen 
mittleren Längsfurche. Tergite mikroskopisch netzrunzelig („aluta- 
cea"), ziemlich matt. 

Weibchen noch unbekannt. 

Brasilien (Parä, 27./IX. 1901). 



358 



Frauz Fr. Kohl. 



Die Art ist dem bewährten Hymenopterologen Adolf Ducke 
in Para zubenannt, der sie entdeckt hat. 

Oxyheliis clandestinus Kohl. 

cT, 9. Länge: 9 7 — 1-bmm, 5*5 — 6 mm. 

Schwarz. Kopf, Thorax und Hinterleib mit einem schwachen 
Erz Schimmer. Das Tierchen sieht infolge einer weißen Tomen- 
tierung wie bereift aus. Gelb sind die Oberkiefer, die Vorderseite der 
Vorderschienen und die Basis der Mittel- und Hinterschienen, ferner 
sehr schmale Seitenflecke auf dem 1. oder auf dem 1. und 2. Tergite. 
Das Endsegment ist schwarz oder geht zum Teile in rostrot über. 

Der Kopf Schild ist ziemHch flach, an der Basismitte mit 
einer wenig deutlichen, weil kleinen Tuberkel versehen. Die Seiten- 
ecken der Abstutzung treten zahnartig hervor. Die Gesichtsbreite 
stimmt mit der von 0. cJiilensis überein. Die Hinterschildchen- 
lam eilen sind blaß und verhältnismäßig klein. Mi ttelsegm ent- 
dorn kurz, stumpfspitzig, also am Ende nicht ausgerandet. Schild- 
chen wie gewöhnlich mit einem Längskiel in der Mitte, welcher 
sich auch über das Hinterschildchen fortsetzt. Die Punktierung 
des Abdomens ist sehr dicht und relativ auch sehr fein. Ikim 
Männchen zeigen die Tergite an den Seiten keine Zälmchen. 

Die geringe Anzahl der Abdominalflecke, der Erzschimmcr des 
Tierchens und dessen reifartige Tomcntierung gestatten mir nicht, 
die vorliegende Art mit dem Oxyheliis marginellns Spin. (Gay, llist. 
fls. Ins., VI, Hymen., p. 365, Nr. 2) zu identifizieren, den ich leider 
nur aus der Jicschrcibung kenne. 

Chile (Concei)cion, 1903, 2 1 9). 

Stif/mtt.s (jlahvatus Kolil 11. sp. 

V. Länge 5 5 — f) itnii. Schwarz, K()])f und 'i'horax schwach 
lironzcglänzcnd. Oberkiefer und SclmUerbcuh;n clfenbeinwciß. Die 
Filhh;rseh;lft(;, die I'edi/elleii und (h*r gr(>ßt(; Teil der Ueine sehcrbcn- 
ii^vW); an diesen sind sehwärzlieh : ein Teil der Mittel- und llintcr- 
hllften lind der ;rri'ißt(; Teil der Mittel- und I linterschcnkcl. 

Slirne. Scheitel, Sehliifen, MeHoiKjliirn, Mitt(^lbruHlHMiekseiien 
und MeHOHterninn ^Hatt. poliert glänzend, un|Minkti(nt, nur das Mcko- 
notiirn zeif^t vereinzelte Punkte. 



Hymeuopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



359 



Hinterkopf bedeutend kürzer als beim paläarktischen St. 
pcudidiis Pz. oder Solshyi T. Mor. ($), nach hinten nicht auffallend 
verengt wie bei St. neotropicus Kohl; der Hinterhauptsrand 
wird von keiner Kerbfurche begleitet, ebensowenig wie der Netz- 
angenrand. Mittlere Längslinie der Stirne ziemlich tief eingesenkt. 
Pedicellus mindestens ebenso lang wie das 2. Geißelglied, dicker, 
daher viel mächtiger als dieses. 

Kollare ziemlich kurz, vorne kantig; die Kante tritt an den 
Seiten nicht dornartig heraus. 

Mittelsegment runzelig; die Kunzelung ist weniger derb 
als bei vielen anderen Arten. 

Der Hinterleibsstiel ist ungefähr so lang als der schlanke 
Metatarsus der Hinterbeine. 

Die Kadialzelle der Vorderflügel (Fig. 30) ist gestreckter 
als bei vielen anderen Arten und der Teil der Randader, welche 
zwischen dem Flügelmale und dem Radialzellende liegt, etwas länger 
als das Flügelmal. Die 2. Kubitalzelle ist hinten breiter als hoch. 
(Ob beständig?) 

Chile? (Corral, HI. 1904). 

In welchen Beziehungen Stigmus patagoniciis Mantero (Bull. 
Ent. Soc. Ital., XXXHI, p. 199, Nr. 3) zu vorliegender Art steht, 
ist bei dem Umstände, daß unter diesem Namen ein Männchen 
beschrieben wird, und bei der Fundortsangabe (St. Cruz) nicht zu 
erkennen. Übrigens ist die Färbung der Beine bei St. patagoniciis 
nach den Angaben viel dunkler. Plastische Anhaltspunkte fehlen. 

JPassaloecus Stieglmayrl Kolil n. sp. 

9. Länge 5 mm. Schlank, schwarz. Kopf und Thorax grün- 
lich erzschimmernd, Mittelsegment aber schwarz. Schulterbeulen 
weiß. Fühlerschaft und Geißelbasis an der Unterseite scherbengelb; 
von eben dieser Farbe ist auch der größere Teil der Beine, als: 
die Knie, Schienen und Tarsen, mehr weniger auch die Trochanteren. 

Flügel ziemlich hell. 

Netz äugen lang, in der Projektion eher länger als an der 
breitesten Stelle breit. Ihre Innen ränder konvergieren sicht- 
lich gegen den Kopfschild (Fig. 31). Der Kopfschild ist mit 



360 



Franz Fr. Kohl. 



silberglänzenden Härchen besetzt, welche den Verlauf seines Vorder- 
randes nicht recht erkennen lassen, er scheint sehr fiachbogig zu 
sein; im ganzen ist der Clypeus flach. 

Stirne in der Mitte auffallend stark eingesenkt. Die 
hinteren Nebenaugen stehen voneinander ebenso weit ab wie von 
den Netzaugen. 

Das Gesicht erscheint auffallend schmal; der geringste 
Abstand der Augenränder voneinander beträgt in der Kopfschild- 
gegend ungefähr die Länge des Fühlerschaftes ohne Insertion s- 
beulen. Zwischen den Fühlern sitzt ähnlich wie bei P. corniger ein 



zartes Dörnchen. Der Hinterhauptsrand ist scharf und wird 
von einer feinen schmalen Kerbrinne begleitet; eine noch feinere 
und nicht gekerl)te Rinne begleitet die Netzaugenränder an den 
Schläfen. 

Schläfen und Hinterhaupt etwa in dem Maße entwickelt wie 
bei rassaloccus ahnormis Kohl, dem diese Art am nächsten zu 
stehen scheint. 

Fühler kurz. Tcdicellus rund, stärker als das 2. Geißelglicd, 
welches klein und kaum so lang als am Ende dick ist, die folgenden 
Glieder sind ungcfiilir so lang als dick, nur das Endglied ist doppelt 
80 lang als am (Jrundc, dick. 

Das Mesonotum (^Kig. ^^>^) zeigt zwei kräftige, etwas gekerbte 
i'arapsidc! 11 furchen und in der Mitte, einander ziemlich nahe, 
zwei parallele Längskicle, die eher etwas kürzer sind als die Furchen. 

Hinten beim Scliildchcn ist in der Mitte ein gerader kurzer 
Längskiel, d(!r von ein(;r leichten Einsenkung begleitet wird. Der 
Scitenrand an der Flilgclbasis wird von einer Kerbrinne begleitet. 

Die MittclhruHtHtllckKcitcn zeigen eine gekerbte Epi- 
•^1 < mal n.'i Ii f. von wclclicr Jibcr niclit wie bei cornifjrr zwei Kerb- 




Fig. 30. 



Fig. 31. 



Fig. 32. 



Hymenopterentypen aus der ueotropischen Fauna. 



361 



furchen' abgehen; es ist zum Unterschiede von abnormls nur 
eine, die untere entwickelt, wie bei mandihularis Dhlb. Der 
Mi tt eis eg-m entrücken ist kräftig gerunzelt; hinten fällt das 
Mittelsegment steil ab und zeigt unten einige Querrunzeln. Die 
Mittelsegmentseiten sind querrunzelstreifig. Das 1. Hinter- 
leibssegment (des Abdominalringekomplexes) ist ähnlich wie bei 
P. gracilis Curt. abgeschnürt; in etwas geringerem Maße sind es 
auch die beiden folgenden Segmente. Endsegment kompreß. 

Die 1 . Diskoidalquerader trifft die Kubitalquerader nahe hinter 
der Mitte der 1. Kubitalzelle (Fig. 33); bei corniger und den übrigen 
paläark tischen Arten erst im Beginne des letzten Drittels. 

Skulptur von Kopf und Thorax im ganzen sehr fein. Die 
Runzelung der Stirne ist relativ am gröbsten. Auf dem Scheitel 
zeigt sich bei lOOfacher Vergrößerung eine zarte Netzrunzelung, 
die ihn noch immer ziemlich glänzend erscheinen läßt. Mesothorax 
ziemlich matt, unter dem Mikroskope dicht netzrunzelig („alutaceus"). 

cT unbekannt. 

Brasilien (Rio grande do Sul, leg. Stieglmayr, Mus. caes. 
Vindob.).') 

1) Nach der Gesichtsbildung und der Kürze der Fühler gehört zur Ver- 
j wandtschaft des Passaloecus Stieglmayri eine Art, welche Dr. H. Brauns im 
j Kaplande (Algoa-Bay, 28./IV. 1897) gesammelt hat. Da sie bisher wohl noch 
j nicht beschrieben worden ist, lasse ich an dieser Stelle ihre Beschreibung 
unter dem Namen des Entdeckers folgen: 

Passaloecus Braunsii Kohl n. sp. cT- 

I Länge h'hmm. Schwarz, ohne Metallschimmer. Scherbengelb sind die 

Fühler (Schaft heller, Oberseite der Geißel bräunlich), die Vorderschienen und 
Vordertarsen, in dunklerem Tone auch die Mittelschienen und Tarsen und ein 
Basalring der Hinterschienen; diese sind wie die Hintertarsen sonst braun. 
Schulte rJbeulen schwarz. Flügel fast wasserhell. 

Die Augen neigen wie bei Stiecjlmmjri und ahnormis gegen den Kopf- 
schild stark zusammen, so daß ihr geringster Abstand ungefähr die Länge 
des Fühlerschaftes beträgt; sie erden von einer schmalen Einne eiugefiißt. 
Oben am Scheitel ist der Abstand der hinteren Nebenaugen voneinander sicht- 
lich größer als ihr Abstand vom benachbarten Netzaugenrande. Der Hinter- 
hauptrand ist etwas aufgebogen, scharf und hilft eine gekerbte Randrinne 
bilden. Die untere Stirnhälfte ist stark eingesenkt. Zwischen der 
Fühlerbasis ragt ein Dörnchen heraus. Der Kopf ist mikroskopisch fein 
(60 fache Vergr.) netz runzelig (alutaceum) mit dünner und feiner Punktierung. 

I 



362 



Franz Fr. Kohl. 



Heliocausus dubius Kohl ii. sp.? 

Außer den Weibchen des Heliocausus Fairmairei liegen mir 
9 Stücke — 39, 6 cT — eines Heliocausus vor, der bedeutend 
kleiner ist als jener und die Länge von 6 mm nicht übersteigt, 
während jener nach meiner Erfahrung zumindest 7 5 mm lang ist. 
Da außerdem sämtliche 9 Stücke kein Rot am Hinterleibe zeigen, 
so scheint es mir wahrscheinlich, daß sie einer neuen Art angehören, 
obwohl ich keine plastischen Unterschiede an ihnen finden kann. 

Die Punkte sind bei lOfacher Vergrößerung nicht mehr zu sehen, wohl aber 
schon bei SOfacher. Die Fühler sind kurz und gedrungen. Das 2. Geißel- 
glied ist viel breiter als lang, auch die folgenden Glieder sind noch 
ein wenig breiter als lang, mit Ausnahme des Endgliedes, welches ftist doppelt 
so lang als an der Basis dick ist. 

Das Kollare liegt woh\ sehr beträchtlich unter dem Niveau des Dor- 
sulum, doch nicht in dem Maaße wie bei Stieglmayri. Die Propl euren sind 
vor den Schulterbeulen schräg runzelstrcifig; die Streifchen sind bei 
lOfacher Vergrößerung noch ersichtlich. Das Dorsulum ist mikroskopisch 
netz-nadelrissig (alutaceum) und mäßig dicht punktiert-, die feinen Pünktchen 
nimmt man schon bei SOfacher Vergrößerung wahr. 

Das Dorsulum zeigt außer den beiden Parapsidenlinien zwei äußere 
mit diesen parallele, derbe und gekerbte Längsfurchen, welche von der Mitte 
des Dorsulum an sich in viel schwächerer Erscheinung nach hinten fortsetzen 
und unter der Bildung eines Bogens, der an den Vorderrand des Schildchcns 
stößt, vereinigen; unmittelbar vor diesem Bogen ist das Dorsulum runzelstreifig 
skulpturiert. Das Schildchen, welches älinlich, nur etwas feiner skuli)tunert 
ist wie (1ms Dorsulum, zeigt vorne in der Mitte und an der Seite einen Kiel, 
der nach vorne zum Dorsulum reiclit; zwischen den Seitenkielen befindet sich 
eine gekerbte Querrinne, die vom Mittelkiele unterbroclien erscheint. Mittel- 
brustsciten mikroskopisch fein netzrunzelig (alut.) und fein, aber nicht dicht 
punktiert. Von der geker])ten Kpisternal furche gehen wie bei gewissen 
));il;i;iikti8chen Arten zwei j)aralleie gekerbte Längsfurchen ab, von 
denen die obere, der Fliigelbasis nähere viel kürzer ist ;ils die andere, dem 
McHOsternum angchörigc. Mittelsegment ol)en ziemlich kräftig gerunzelt; 
Mittclsegmentscitcn zum Teile Hchräg runzclstreifig. 

Das IlinterleibsHtielclien ist verhältnismäßig von bedeuten(h'r Länge, 
Hofort Hiclitbar-, es ist fast ho lang als das -j- '\. llintert!irs(!ngli(!(l zusamnien. 

iJic 'I'arsen nind ziemlich schlank. II in terschienen hinten, ein 
wenig vor dem Beginne des lOnddrittcils mit eincsr kleinen 'J'u- 
bcrkel (.Schwiele), w(tlche ilberHeli(!n Wiarden k;inn. 

Die 2. Kubit.'ilzcl 1(! ist Hclimal, etwa doj)j)elt so liocli nis mitten breit. 
(Ol) konstant '0 



Hymenopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



363 



Oder sollte man es hier mit einer schwarzleibigen, konstant kleineren 
Varietät des H. Fairmairel zu tun haben? x\ueh in diesem Falle 
scheint mir eine Xamenerteilung am Platze. 

Von den 6 cf zeigte das 2. Sternit in einig-er Entfernung 
vom Hinterrande eine quere Prot übe ranz, ähnlieh wie gewisse 
Männehen von Palarus. Diese Protuberanz hat nicht bei allen 
Stücken genau dieselbe Bildung und Mächtigkeit, bei einem ist sie 
sogar von ganz geringer Entwicklung. Beim Vergleich der Männchen 
mit den Weibchen bemerkt man. daß bei jenen der geringste Au gen- 
abstand auf dem Scheitel sichtlich kleiner ist als bei diesen, 
indem die hinteren Nebenaugen an den Netzaugenrand stoßen, 
während bei diesen ein sichtlicher Abstand voneinander besteht. 
Die meisten Geißelglieder erscheinen an der Unterseite ein wenig 



vor der Mitte angeschwollen, die Geißel daher knotig. Die Fühler- 
gliederverhältnisse sind in Fig. 34 ersichtlich. Die Frage über 
den Artwert von H. diihius würde mit dem Auflinden eines sicheren 
cT von Fairmairei gelöst. — Chile (^Concepcion, 1903: IL 1904 1. 

Edw. Reed spricht von der Möglichkeit, daß Arpactus? 
larroiäes Spin. (Gay, Hist. fis. Chile, VI, p. 341") seiner Gattung 
Psemhlarra i Anal. Univers. Santiago, T. LXXXV, 1894, p. 638) 
^ angehöre, welche ein Synonym zu Hellocausus K. ist. Dies scheint 
I mir ebenfalls leicht möglich, wenngleich nicht sicher. AVäre es 
! der Fall^ so müßte der Artuame H. Fairmairel weichen und die 
Art Heliocausus larroides Spin, heißen. 

Reed beschreibt von ^einei' Pseudolarra mactdafa {= Helio- 
causus Fairmairei K. i eine weibliche Varietät ohscura, deren Rot 
des Hinterleibes dunkel ist. Sollte etwa ohscura eine Übergangs- 
varietät zu H. duhius sein? 




Fig. 33. 



Fig. 31. 



364 



Franz Fr. Kohl. 



TachyspTiex Herhstii Kohl n. sp. 



cf . Schwarz. HiiiterleibsriDg-ekomplex rot. Tarsen dem Ende 
zu rostrot. Flügel nur schwach getrübt. Pubeszenz und Tomen- 
tierung weiß. 

Länge 6 — 7 mm. Etwas kleiner und gedrungener als T. rufi- 
tarsis Spin. (Gay, Hist. fis. Chile, Zool., VI, 1851, p. 324, Nr. 3, d', 9). 
Der Augenabstand auf dem Scheitel ist größer als bei 
dieser Art; er beträgt etwas mehr als die Länge des 2. + 3. Geißel- 
gliedes, etwa die. des 3. + 4., bei mfitarsis bloß die des 1. + 2., 
selbst weniger als die des 2. -f 3. 

Die Mittelbruststückseiten sind sehr fein und sehr dicht, 
bei lOfacher Vergrößerung gerade noch sichtbar punktiert; bei 
rufifarsis sind sie sehr fein netzrunzelig (BOfache Vergr.) und 
zeigen somit jene häufig wiederkehrende Skulptur, die man mit 
„alutacea" bezeichnet. Die Mittelsegmentseiten sind bei 
Uerbsül fein und dicht nadelrissig gestrichelt. Die Strichel 



str( icli(;M in clwas s(lini^;cr Uichtun-;'. I)ci rnlll((rHk unterscheidet 
Hieb die Skulpfiir der MittclHcgmcntHcitcn von der der Mittelbrust- 
Htllckscilcii niclit. Der M iitclKcgmcntriickeii (•rscb(!iiit bei beiden 
Arten fein h^dcrarti^'-, bei r/t/Uarsis jcdocb noch leiner. 

Die liadialzelle der Vordcrfl ilgel (Fig. lif)) ist Kiclillicli 
kürzer hIk bei rufifarsis ("Kig. ^U)), die )>. Kubitalzelle leicht 
Zungen ri'»r!iii^'- ;iiis;^^ezr)gen. 




Hymenoptereutypen aus der neotropischen Fauna. 



3G5 



Weibchen noch unbekannt. 

Chile (Concepcion, leg. P. Herbst, 1903). 

Trypoxylon monstrificum Kolil ii. sp. 

c^. Länge 9 mm. Kopf und Brustkasten mit Ausnahme des 
Prothorax braunschwarz. Fühler, Oberkiefer, Prothorax, die ganzen 
Beine und der Hinterleibsringekomplex hell lehmgelb. Die Tergite 
sind zum Teile gebräunt. Flügel leicht getrübt. 

Die Netzaugen zeigen eine höchst merkwürdige Bildung, 
eine Bildung, wie sie mir von keinem anderen Hymenopteron bekannt 
ist (Fig. 37). Die obere Hälfte ist nämlich flacher und von der 
stark aufgequollenen unteren scharf abgesetzt; die Ausrandung^ wie 
sie bei Trypoxylon vorkommt, liegt noch in dem aufgequollenen 
Augenteile, welcher fast halbkugelig aussieht. Die Netzaugen 
nähern sich auf dem Scheitel in ziemlichem Grade, so daß die 
hinteren Nebenaugen dem Netzaugenrande sehr nahe gerückt sind 
und ihr Abstand voneinander mehr beträgt als der unscheinbare 
Abstand vom Netzaugenrande. 

Die Annäherung der Netzaugen auf dem Kopfschilde ist 
noch bedeutender als auf dem Scheitel und beträgt kaum die Länge 
des L -f 2. Geißelgliedes. Der Kopfschildvorderrand erscheint 
infolge von drei bogenförmigen Ausbuchtungen stumpf vierzähnig. 
Die Oberkiefer sind stark gebogen und infolge dessen von un- 
gewohnter Form. Die Stirn e zeigt in geringem Abstände vom 
vorderen Nebenauge einen kurzen Querkiel. Der untere Stirnteil 
führt einen linienartigen erhabenen Längskiel in der Mitte, der sich 
beim Fühlergrunde verliert. Der Scheitel bildet knapp hinter den 
hinteren Nebenaugen einen Querwulst, indem er plötzlich sehr 
steil zu einer Qu er rinne des Hinterhauptes abfällt. Der Hinter- 
hauptrand ist aufgeworfen scharf und hilft die Querrinne bilden. 

Der Pedicellus der Fühler ist rund, dicker als das folgende 
Glied, welches schwächlich und ungefähr dreimal so lang als am 
Ende dick ist. Das 3. Geißelglied ist l'ömal so lang als dick, ebenso 
auch das 4. Die Geißelglieder nehmen vom 2. an bis zum End- 
gliede hin allmählich an Dicke zu, wodurch die Geißel eine mäßig 
keulenförmige Gestalt erhält. Das konisch zugespitzte Endglied ist 
ungefähr so lang als die beiden vorhergehenden Glieder zusammen. 



366 Fr. Fr. Kohl. Hymeuopterentypen aus der neotropischen Fauna. 



Das Kollare zeigt eine ähnliche Bildung wie bei Tr. figuliis L., 
ist nur etwas dicker (länger). Der Thorax läßt eine Punktierung 
unter der Lupe nicht wahrnehmen, erscheint somit ziemlich glatt, 
abgesehen von dem Umstände, daß er stellenweise wie der Kopf 
und das Mittelsegment goldig befilzt ist. 

Auch das Mittelsegment zeigt keine namhafte Skulptur, 
wenn man von der Andeutung einer „area dorsalis" absieht. Das 
Längenverhältnis der Tergite ist ähnlich wie bei Tr. figulus L. cf . 

Die Beine zeigen keine Eigentümlichkeiten. 

Bolivia (Mapiri, 1 , Mus. caes. Vindob.). 



NainenYcrzeicliiiis. 



Seite 

Ahnormis Kohl (Passaloecus) . . . 360 

aemulans Kohl (Crabro) 352 

aniethystinus Fabr. (Pompilus) . . 346 

apogonum Kohl (Haploneurion) . 350 

araucanus Sauss. ( Odynerus) . . . 340 

Braunsii Kohl (Passaloecus) . . . 361 
hrevinodus Spin. (Crabro -Physo- 

scelus) 356 

chilensis Spin. (Oxyhelus) 358 

clandestinus Kohl (Oxyhelus) . . 358 

disijertitus Kohl (Priocnemis) . . 348 

duhius Kohl (Heliocausus) .... 363 
JJiickei Kohl ( Crabro -Entomo- 

crabroj 352 

Entomocrabo (nov. sub^^en. gen. 

Crabronif) 356 

Vairmairei Kohl (JJeliocausus) . . 362 

fucatus Kohl (Pompilus) 345 

(/ayi Spin. f(Jrahro-Podayritus) . 352 

fjlahratus KoliI (S'tüpntis) 358 

llerhslii KoliI ( Crabro- Jihopalum) 355 

Uirbstii Kolli CJ'achi/sphex) . . . . 364 

lahiatuH IIa). ((JdynrruHj 341 

InrrouhH Sjiin. (ArpaciiiK?) .... 363 

maculnta \U va\ (J'seiidolarra) . . 363 



Seite 

marginellus Spin. (Oxybelus) . . . 358 
marginicolUs Spin. (Odynerus) . . 341 
mesopleuralis F. Mor. (Lindenius) 357 
minus Kohl (Haploneurion) . . . 350 
misturatus Kohl (Pompilus) . . . 344 
monstrificum Kohl (Trypoxylon) . 365 



neotropicus Kohl (Stigmus) . . . 359 
nitidulus Gu6r. (Pompilus) .... 341 
nitidulus Spin. (Pompilus) .... 344 
nitidulus E. Kccd (Pompilus) . . 344 
obscura Reed (Pseudolarra-Helio- 

causus) 368 

pangens Kohl (Odynerus) 338 

palagonicus Mantcro (Stigmus) . 359 
pavidus Kohl (Odynerus) 340 



psilothorax Schlett. (Odynerus) . 341 
rhodopicrus Schlett. (Odynerus) . 341 
rufitarsis Spin. (Tachysphcx) . . . 304 
rufotaeniatus Kohl ( Crahro-Pho- 

palum) 353 

Spinolae Kolil (l^ompiliis) .... 340 
Stieglmayri Kohl (J'assaloccus) . 359 
Ihaumastarius Kohl (Priocnemis) 319 
iubcrculiventris Spin. (Odynerus) 'Ml 
iuberculiveniris Spin. (Kumenes) . 341 



Contribiizioni all' Ortotterologia del Treutino. 



367 



Contribuzioni all' Ortotterolog^ia del Trentino. 

Per il 

D""^ Ruggero Cobelli 

iu Rovereto. 

UI. 

(Eingelaufen am 15. Februar 1905.) 

In aggiunta alla mia memoria siigli Ortotteri del Trentino del 
] >86/) pubblieai diie contribuzioni alla Ortotterologia del Trentino, 
r ima nel 1889, 2) V altra nel 1892.^) Da quest' ultima epoca rac- 
colsi quattro altre specie nuove per la fauna del Trentino, che qui 
sotto enumero. 

In complesso finora per la fauna del Trentino si pubblicarono 
100 specie. Di queste devono venir cancellate^ perclie dovute ad 
errori di diagnosi, le tre sequenti: Fesotettix Salamanära Fisch., 
Platystohs ustidatiis Ramb. e Trigonidmm cicmdeloides Serv.^) In 
oltre altre tre specie si devono ritenere come incerte. Diffatti per 
ciö che riguarda Y Edohia Nicaeensis Bris. 11 Brunner*) dice: 
: „Targioni-Tozzetti da la diagnosi di una Edobia tridentina rac- 
: colta a Trento (Bull. Soc. ent. ital., XIII, 1881, p. 180), la quäle e 
I vicina alla Edohia flavocinda a me nota, e dovrebbe avere la sta- 
tura della Edohia ericetoriim. La diagnosi e troppo imperfetta per 
poter conoscere la specie, trattandosi di un genere in cui le diffe- 
renze sono molto sottili. Sembra corrispondere piü di tutto alla 

1) Gli Ortotteri genuini del Trentino per il B'^ Ruggero Cobelli. Con 
Ulla tavola. (X Pubblicazione fatta per cura del Museo civico di Rovereto. 
liovereto, 1886.) 

2) Contribuzioni alla fauna degli Ortotteri del Trentino per il D^« Rug- 
gero Cobelli in Rovereto. (Sitzungsber, der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in 
Wien, Bd. XXXIX, 6. März 1889.) 

3) Contribuzioni all' Ortotterologia del Trentino per il D»"« Ruggero 
Cobelli in Rovereto. II. (Sitzungsber. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 
Bd. XLII, 5. Oktober 1892.) 

*) Prodromus der europäischen Orthopteren von Karl Brunner v. 
Wattenwyl. Mit 11 Tafeln und 1 Karte. Leipzig, 1882. 



368 



Ruggero Cobelli. 



Edohia Nicaeensis Bris." Finalmeute per ciö che riguarda V Äcro- 
tylus patruelis Sturm, ed il StenohotJmis vagans Fieb., il Brunn er 
Ii porta come comunicatigli, il primo da Rovereto ed il secondo da 
Trento. Di questi resta ancora dubbio se furono realmente raccolti 
nel Treiitino, e meritano conferma tanto piü che non furono cattu- 
rati in tanti anni ne da me^ ne da altri che si occuparono della 
nostra fauna ortotterologica. 

Specie nuove per il Trentino. 

Chelidura acanthopigia Gfeiic. 

Ne raccolsi a Castelcorno presso Rovereto un esemplare fem- 
mina sul Corylus aveUcma L. ai 17 settembre 1902. 

Tettix Kratissi Saulcy. 

Questa specie, la cui descrizione leggesi anche nel bellissimo 
lavoro del Prof. Redtenbacher,^) la raccolsi nella prima meta 
deir agosto 1902 a S. Pellegrino in Val di Fiemme, nello Stesse 
anno nella seconda meta d' agosto in Serrada, e sul monte Finoncliio 
ai 27 agosto 1904. 

Isophya camptoxij)ha Fabr. 

Di questa specie che il l>runner'") riunisce alla Isoph/a 
Kraussi Brun., ne raccolsi ai 5 settembre 1902 un bei esemplare 
maschio sul Cengiaho presso Rovereto, monte rinomato anclie per 
i botanici, specialniente perche lassü si trova V Irls (JcnyiaUi 
Ambrosi.^) 

') D('ririatoj)torcn und Orlli()i)t('r(!n (Olirwiinnor und (icnulefliij^lor) 
von ()Ht<'rr(;icli-L'ii^,^;ir)i und Dciif.scIilMnd, l)e;irl)(!it(!t von Joscff Kcdtcn- 
barlicr. Mit einer litlio^^r. Tafel. Wi(!n, I'.IOO. 

Additaincnt.'i zur Mono^Tapliie der riianeroplcridcin von K. l{riinn(^r 
V. Wattunwyl. Mit 2 Doi)i)eltareIn. (Verliandl. der k. k. zool.-l)ot. (ieHellHeli. 
in Wien, .lalir^'. 18l»l.) 

("'her /r?> OnffinUi Anil»roMi von A. Kerner. (Sep.- A Ixlr. ans der 
(Mrrr. botim. Zeitnelir., Nr. 0, 1871.) 



Contribiizioni all' Ortotterologia del Trentino. 



369 



Ephippigera limbata Fisch. 

Ai 4 settembre 1903 catturai una femmina a Condino, ed in- 
vero della var. minor Krauss/) varieta raccolta an che da Kollar 
presso Verona. 

Organi stridulaiiti. 

Anter astes Baymondi Yer. Siccome nelF opera del Prof. Redten- 
bacher^) leggo, „Flügeldecken des zur Hälfte verdeckt, 
ohne Zirpapparat", cosi credo non inutile di pubblicare le mie 
osservazioni in proposito. 

Maschio. Specchio delF elitra destra trasparente largo 
1 '5 mm, lung'o 1 mm. 

Specchio delT elitra sinistra opaco quasi completamente 
e non limitato dappertutto da una cornice. 

La lima destra ha denti Nr. 19, larghi ^I^Q^^mm, alti 
^lr^(^(^mm, distanti tra loro '^j^f^^mm circa. 

La lima sinistra ha denti Nr. 23, larghi ^^j^^^^mm, alti 
V200 distanti tra loro ^200 ^^^^^ circa. 

Sulla superficie superiore tanto delT elitra sinistra 
quanto della destra vi sono parecchi peli-denti alti ^200^'^^^^^ 
1 larghi alla basi ^/2oo ^^^^^^ circa. Essi occupano al margine 
I anteriore la metä basale delF elitra. 

1 Femmina. Tanto sulla superficie superiore quanto 
jsulla inferiore di ambidue 1' elitre si trovano dei peli-denti. 
i Nel campo marginale presso alla base delF elitra, sono piü grandi. 
iln media sono alti ^7iooo ^'^^^^ larghi ^/jo^q di mm. 

^) Die Orthopterenfauna Istriens von Dr. Hermann Krauss, Assistent 
«i' .s k. k. zoologischen Hofkabinets. Mit 6 Tafeln. (Sitzung-sber. der kais. Akad. 
r Wissensch, in Wien, Bd. LXXVIII, Abt. I, Jahrg. 1878, Oktoberheft. 
2) L. c, S. 109. 



Z. B. Ges. Bd. LV. 



24 



370 



Eduard Graeffe. 



Uber zwei neue Ci/nips 'Axtm und deren 

Gallen. 

Von 

Dr. Eduard Graelfe. 

Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 20. Februar 1905.) 

Auf einer Exkursion im März 1904 nach dem nahe bei Triest He- 
genden Clanz, und zwar der Lokalität genannt Bubna, an einer ganz 
beschränkten Stelle, fand ich an Eichen eine große Anzahl Gallen, 
die mir noch unbekannt waren. In der umfassenden Monographie 
der Cynipiden des Abtes J. J. Kleff er des Hymenopterenwerkes 
von Andr6 fand ich die Galle nicht beschrieben, daher ich dieselbe 
an diesen ausgezeichneten Cynipidenkenner sandte. Durch die Güte 
des Herrn Kleff er erhielt ich die Nachricht, daß diese Galle und 
deren Erzeuger, welcher in derselben schon fertig entwickelt lag, 
eine noch unbeschriebene Cynips-kxt sei. Zugleich sandte mir Herr 
AbtKieffer auf meinen Wunsch hin die Beschreibung der Wespe 
und Galle, welche ich hermit zur Publikation bringe. 

Cynips tergestensis KiefFer. Länge 4 mm. llotbraun, Ober- 
seite des Abdomens dunkler; Scheitel, drei lltickenstrcifen, deren 
mittlerer bis zu den Parapsidenfurchen reicht, Basis des Scutelhims 
und alle Tibien schwarz. Antennen lögliedrig, mit dünnem Flagelhiin; 
deren 1. Glied um länger als das 2., dieses deutlich länger als dick; 
?). so lang wie die zwei ersten zusammen, wenig länger als das 4., 
die folgenden Glieder allmählich kürzer; 7. noch fast zweimal so 
lang als dick; 9. — 15. nicht länger als dick. Mesonotum und Scu- 
telhim selir fein piiiikticnt; Gruben des Scutellum cpier, unbeliaart, 
/icnilicb wc^it g(;trcnnt. Vordertibi(;n außen mit hingen ;ibsteli(Mi(len 
ibu'ircn. Ad(;in (Ut Flügel schwarz. Abdomen ob(m in der Mitte 
kniil. riMuclidoni omni so lang als breit. Der ganze Kiirper mit 
\v(;if{lich('r. müßig dichter lU'luuirung. 

Galle;. Di(; Gallen U(»mm(;n meist zu zweien an d(;r Spitze 
der Zweige, ab(;r auch (einzeln an d(;n Zweigen von Qurrr/H^ rolnir 



über zwei neue Cynips-Avten und deren Gallen. 



371 



L. vor und sind aus einer Knospe gebildet; an ihrem breit auf- 
sitzenden, jedoch nicht umfassenden Grunde zeigt sich noch die Stiel- 
basis eines abgefallenen Blattes oder falls dieser selbst ganz abge- 
fallen ist, so weist doch eine Ausrandung am Grunde der Galle auf 
das ursprüngliche Vorhandensein 
desselben hin. Die Gestalt der Galle 
ist die eines kurzen, in der Mitte 
etwas eingeschnürten, oben abge- 
stumpften Kegels. Die Höhe beträgt 
8 — 10 7nm, die Breite am Grunde 
ebenfalls 8 — 10mm; am abgestutzten 
und mitten etwas eingedrückten 
oberen Ende aber nur 6 — 7 mm. 
Die Oberfläche ist matt, kahl, ziem- 
lich glatt und von derselben Färbung 
wie die braungelben Gallen von C. 
conglomerata und lignicola. Beim 
Durchschnitt erscheint ein großer, 
5 mm hoher Innenraum; Wandung 
dicht, schwammig und hart, 1 — 2 mm 
dick, mitten dünner als basal und 
apikal ; am oberen Ende dieses Innen- 
raumes befindet sich wie bei Cynips 
tome Bosc. {argentea Hartig) und 
anderen Arten eine kleine kreisrunde 
Scheibe, aus deren Mitte eine nur 
an einem Punkte befestigte, sehr 
dünnwandige, 3 5 mm lange und 
2 mm breite Innengalle frei herab- 
hängt. Gallen, welche durch Para- 
siten oder Einmiether nicht zur normalen Entwicklung gelangten, 
sind unregelmäßig rundlich, etwas kleiner wie die normalen und 
von den ähnlichen C. conglomerctta -GsiWen durch den nie fehlenden, 

j meist fast spaltförmigen Eindruck am oberen Ende sofort zu er- 

1 kennen. 

Der Erzeuger der Galle ist schon im Dezember des ersten 
Jahres in der Galle ausgebildet, erscheint aber im Freien erst im 

24* 




Fig. 1. 

Gallen von Cynips tergesfensis 
Kieffer. 

a Zwei Gallen am Ende eines kleineren 
Zweiges, Läufigste Form. — 6 Gallen an 
einem stärkeren Zweige, ans dessen Knospen 
entstanden. — c Durchschnitt durch die 
Galle. 



372 



Eduard Graeffe. 



folgenden Frttbjahr; bei Zimmerzuclit schon im Februar. Die Wespe 
beißt hierbei an dem schwächsten Teile der Gallenwandung ein 
rundes Loch aus. 



Durch die Güte des Inhabers eines großen Lagers von ver- 
schiedenen im Handel gebräuchlichen Gallen sowie Wallonen, d. h. 
die Cupolae von Quercus aegihps^ erhielt ich eine Anzahl Gallen 
aus Griechenland. Darunter war eine sogenannte Krongalle der 
Morea-Galläpfel, die an Quercus cerris vorkommen soll. Diese Galle 
ist meines Wissens noch nicht beschrieben, auch nicht sein Erzeuger, 
eine Cynips -Ai% welche noch in den Gallen vorhanden war. 

Cynips Moreae mihi. Farbe des Körpers rotbraun, Antennen 
und Beinpaare gelb. Der ganze Körper, namentHch der Mesothorax 
mit langen, dicht anliegenden weißen Haaren bekleidet, daher die 
ganze Wespe gelblichweiß erscheint mit rötlichem Schimmer. Kopf 
kürzer wie der Torax, behaart. Die Ozellen auf einer kleinen 
warzenartigen Erhöhung, Antennen 14gHedrig, 1. Glied (Schaft) 
länger wie dick, 2. Glied etwas länger wie dick, das 3. Glied das 
längste des Fühlers, das 4. Glied um kürzer wie das 3., das 5. 
kürzer wie das 4., 6. Glied um Ys kürzer wie das 5.^ 7.— 14. 
immer kürzer werdend, aber immer noch länger wie dick, Endglied 
zugespitzt. Thorax 2 mm lang, Parapsidenfurchcn bis ans Ende des 
Mesonotums reichend, die drei weiteren Furchen wenig ausgeprägt, 
von den Haaren ganz verdeckt. Quere Furchen am Scutellum glatt, 
unbehaart, ziemlich weit auseinanderstehend. Oberfliigel () mm lang. 
Iiadialzcllc langgestreckt, schmal und erreicht die Kadialadcr beinahe 
den Fliigelrand; sänitliche Adern hellgelblich, dünn. Abdomen 
piinktloH, glänzend, glatt, aber ganz behaart bis auf eine kleine 
Fläche an der Oberseite des 2. Segmentes. Hauchstachel 5 mal so 
lang wie am (Gründe dick, nach außen nnt langen Ilaaren bewini- 
p(;rt. Legestaclicl wohl 3 mal so lang wie der Körper, an der Si)itze 
stark verschmälert, die Endspitze hakenförmig umgebogen. Länge 
d(;H Körpers 5 Dim. 

Giille. itiind, beerenartig, glatt und steinhart, ;in (hn* Ansatz- 
stcllc, etwas zugespitzt; am oberen Ende al)getlacht und am oberen 
Kaiide ringsum mit 7 — H) stuin|)f(;n Zähnen versehen, w(^lche sich 
als das Ende von kurzen Leisten ergeben, die sich allmählich ver- 



Ül)er zwei neue Cpni'j).^ -Arten und deren Gallen. 



373 



flachend nach dem Mittelpunkte erstrecken, eine kleine rundliche 
Fläche in der Mitte der Galleuoberseite freilassend. Die Länge der 
Galle beträgt 20—22 mnK die Breite 18 — 20 mm. Farbe g-raulich- 
griin, weiß gesprenkelt durch sehr kleine, unregelmäßig geformte 
Schüppchen. Beim Durchschnitt findet man einen rundhchen Innen- 




Fig. 2. Gallen von Cynips Moreae mihi. 

a Galle im Profil. — 6 Galle von der oberen Seite. — 
c Durchschnitt durch die Galle. 



räum mit einer der Wandung eng anliegenden Larvenkammer, die 
aus einer harten, strahlig gefaserten, 3 mm dicken Substanz besteht. 
Die Außenwandung zeigt zwei Schichten; eine innere, gelbliche, 
ebenfalls sti-ahlig gefaserte Schicht von 1 mm Dicke und eine äußere, 
scheinbar strukturlose, bräunliche Schicht von 2 mm Durchmesser. 
Wie die Wespe die harte Wandung der Galle durchbohrt, kann 
ich nicht angeben, da die Wespen bereits abgestorben in ihren 
Larvenkammern lagen. 



Referate. 



Publikationen über Lei)idopteren. 

(Referent Dr. H. Rebel.) 

Tutt, J. W. A Natural History of the British Lepidoptera, a Textbook for 
Students and Collectors. Vol. IV. London und Berlin. 1904. (8°. 535 S., 
2 Taf. und Porträt des Verfassers, ferner Index zu Bd. I— IV. Preis 20 sli.) 
Von diesem Riesenwerk des bestbekannten englischen Autors liegt der 
IV. Band vor. Derselbe enthält die Fortsetzung der Sphiugiden,^) welche hier- 
mit zum Abschlüsse gebracht werden. Nur nachstehende 12 Arten werden in 
dem vorliegenden Bande behandelt: Sesia stellatarum, Eumorplia elpenor, 
Theretra porcelhis, Eippotion celerio, Phryxus livornica, Celerio galii, Hyles 



^) Vgl. die Besprechung des III. Bandes in diesen „Verhandlungen", 
Jahrg. 1903, S. 350—352. 



374 



Referate. 



eupliorhiae, Daj)hnis nerii, Hyloicus pinastri, Sphinx Ugustri, Agrius convol- 
üuU und Manduca atropos. 

Für die moderne Richtung in der Systematik ist es gewiß bezeichnend, 
daß nielit zwei dieser Arten in ein und derselben Gattung untergebracht werden 
liönnen und daß auch für die generische Trennung so nahe verwandter Arten 
wie Plmjxus livornica und Hyles eiiphorhiae ausreichende Merkmale angeführt 
werden, die zum großen Teile den Entwicklungsstadien entnommen sind. 

Verfasser nimmt als Folge der sehr weit gehenden generischen Auflösung 
mit Recht dagegen eine Reihe neuer Gattungsgruppen (tribes) an, wie die 
Eumorphidi (mit Theretra und Eumoipha), die Phryxidi (mit Hyles, Celerio 
und Phryxus), die Hippotionidi (mit Hippotion) und die Baphnidi (mit Daphnis). 
Daß auch eine große Zahl neuer Aberrationsnamen gegeben wird, ist bei der 
Ausführlichkeit der Darstellung selbstverständlich. 

In nomenklatorischer Hinsicht bleibt es zu bedauern, daß nur bei drei^) 
von den hier behandelten 12 Arten der Gattungsname mit jenem in der Sphin- 
giden-Revision von Rothschild und Jordan^) übereinstimmt und doch 
wenden alle hier in Frage stehenden Autoren in strikter Weise das Prioritäts- 
gesetz an! 

Der monographische Charakter des von staunenswertem Fleiße zeigenden 
Werkes tritt in dem vorliegenden Bande besonders deutlich zutage. Wenn 
Manduca (Ächerontia) atropos auf 73 enggedruckten Seiten abgehandelt wird, 
darf wohl angenommen werden, daß allen Gesichtspunkten Rechnung getragen 
und kein wesentliches Literaturzitat übersehen wurde. Damit erscheint aber 
auch allen Anforderungen einer monographischen Darstellung ents})roclien. 

Und von diesem Standpunkte aus kann die Wertschätzung des vor- 
liegenden Werkes nicht zu weit gehen. 

Es wird darin eine wohlgeordnete Zusammenfassung der ungeheueren 
Menge zerstreuter Angaben über alle Fragen der Systematik, Variabilität, 
Entwicklungsstadien, Futterpflanzen, Verbreitung, Lebensgewohnheiten usw. 
mit einer Ausführlichkeit und Genauigkeit gegeben, daß damit geradezu eine 
erscliöpfende Darstellung unserer gegenwärtigen Kenntnisse geboten erscheint. 

Wenn ein Wunsch hier wieder geäußert werden darf, so wäre es der, 
dali die vcrHcliiedencin (Jesichtspunkte auch im Drucke (U^utliclier hervor- 
geliolicn werden sollten. Wenn sich beispielsweise jemand iihvv den bekannten 
„Schrei des 'J\)tenkopf(!H" aus 'J'utts Riesenwerk informieren will, so findet 
er Hchoii nur mit einiger MüIk; mitten in ein(;r Zeile auf S. 4 11 die Aufschrift: 
„(v'ry of the iniago" und nun folgt bis auf S. 45,'} (sine nuH/aigsw(!is(! Zusaniinen- 
Htelliing der Annichti-n Häintlicher Autoren von R<;auniur bis Mosc^ley und 
l'oulton, ohne dal) eine d(!r.sell)en als das gcjHichert anzunehmende Resultat 
HO zahlreicher ünterHUchungen IxjHonders hervorgehoben worden wäre. 



*) Hippotion celerio, dclrrio yulii, Hyloicus pinastri. 
Vgl. dicbc „Verhandlungen", .Jahrg. lliO.'i, S. G02— G05. 



Referate. 



375 



Von den beigegebenen scliwarzen Tafeln stellt die erste die Entwick- 
lungsstadien von Daphnis nerii dar, die andere bringt drei autfallende Aber- 
rationen von Manduca atropos. 

Im ganzen reiht sich der vorliegende IV. Band nicht bloß ebenbürtig 
seinen Vorgängern an, sondern zeigt die Eigenart der Anlage des ganzen 
Werkes in noch ausgesprochenerem Maße als die vorhergehenden Bände. Möge 
es dem um die lepidopterologische Literatur so hochverdienten Verfasser ver- 
gönnt sein, das große Werk zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen! 

Wheeler, George. The Butterflies of Switzerland and the Alps of Central 
Europe. London, Aug. 1903. (8°. S. I— VI und 1—162. Preis 5 sli.) 

Ein umfangreiches Exkursionsbuch, welches in erster Linie für englische 
Lepidopterologen, welche in die Schweiz eine Sammelreise ausführen wollen, 
bestimmt scheint. Es bringt einen ausführlichen Katalog der in den west- 
lichen und zentralen Alpen bekannt gewordenen Tagfalter mit allen ihren 
Varietäten und Aberrationen unter ziemlich genauen Orts- und Zeitangaben. 
Auch diagnostische Bemerkungen, namentlich zur Unterscheidung der Ge- 
schlechter und nahestehenden Arten, ferner bei allen Varietäten und Aber- 
rationen, sind gegeben. Bei letzteren Subkategorien wird durch Skizzierung 
von „Variationsrichtungen", eine allgemeinere Übersicht angestrebt. Leider ist 
der Druck des Buches ein wenig übersichtlicher, die Arten sind nicht numeriert, 
der deskriptive Text durch zahlreiche Abbreviaturen entstellt. Bereits für 
Tirol sind die Angaben sehr mangelhaft und nur aus englischen Sammelbericliten 
geschöpft. System und Nomenklatur sind dem englischen Geschmack angepaßt 
und vielfach verändert. 

Eine große Zahl mehr oder weniger gerechtfertigter neuer Aberrations- 
namen wird gegeben.^) Davon seien hier nur hervorgehoben Papilio poda- 
Uriiis ab. Ornata Wheeler (p. 52) mit breit orangerot geteilten Mittellängs- 
streifen der Hinterflügeloberseite, Papilio machaon ab. rufopimctata Wheeler 
(p. 53), bei welcher die obersten Mondflecke der Hinterflügel orangerot gefärbt 
sind, Parnassius deliiis ab. inornata und nigrescens Wheeler (p. 56, 57), ohne 
rote Flecke der Vorderflügel, respektive stark verdunkelte weibliche Stücke, 
und Colias palaeno ab. flavomdiata Wheeler (p. 68), bei welcher der schmale 
schwarze Saum durch gelbe Adern durchschnitten wird. 

Melitaea herisali Kühl (welcher Name nicht in berisalensis korrigiert 
werden kann) wird mit Recht als Varietät von M. dejone Hb. aufgefaßt 
(p. 86— 87-, vgl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1905, S. 28), dagegen ist die 
artliche Trennung von Satyrus Cordula F. von S. actaea Esp. (p. 109) und jene 
von Anthocharis simplonia Frr. von Änth. helia Cr. (p. 62) ebenso unbegründet 
wie andererseits die Vereinigung von Satyrus alcyone S.-V. mit S. hermione L. 
Die betretfenden Autoren für diese systematischen Neuerungen werden in der 
alten Literatur ausreichende Gründe für die bish'er festgehaltenen Ansichten finden. 



Vgl. Verzeichnis derselben bei Gillmer, Soc. Ent., XVIII, p. 170 If. 



376 



Referate. 



Schließlich sei noch erwähut, daß nachstehende Hesperiidenarten gewiß 
mit Unrecht angeführt werden: Hesperia centaureae Rbr. (p. G) ist in Europa 
nur hochnordisch, Pyrgus tessellum Hb. (p. 7), Pyrgus Orbifer Hb. (p. 7) und 
Carteroceplialiis Sylvins F. (p. 11). Hier hätte sich der Autor, der überhaupt 
mit den Hesperiiden auf schlechtem Fuße zu stehen scheint, die Belegstücke, 
namentlich von Herrn Kane, verschaffen sollen, bevor er dessen Angaben 
gläubig aufnimmt. 



Yierhapper, F. und Liusbauer, K. Bau und Leben der Pflanzen. In 
12 gemeinverständlichen Vorträgen. Mit 22 Abbildungen. Wien (C. Konegen), 
1905. 204 S. 

Die beiden Verfasser hielten im Winter 1903 in Wien volkstümliche 
Kurse über Botanik, in welchen Vierhapper die Morphologie (einschließlich 
Anatomie), Linsbauer die Physiologie der Pflanzen behandelte. Es war ein 
glücklicher Gedanke, den Inhalt dieser Vorträge in ein populäres Compendium 
zusammenzufassen und dieses in Buchform herauszugeben. 

Der morphologische Abschnitt (von Vierhapper) beginnt mit der 
Lehre von der Zelle und deren Bestandteilen, bringt dann die Schilderung 
der Vegetationsorgane der Thallophyten, Bryophyten, Pteridophyten und 
Anthophyten. Die beiden letzteren Gruppen werden gemeinsam besprochen; 
vom Keimling ausgehend, behandelt der Verfasser der Reihe nach die äußere 
^Morphologie der Wurzel, des Stammes und des Blattes, um dann zur Schilderung 
der anatomischen Vcrhh'Itnisse der Farne und Blütenpflanzen überzugehen. 
Zum Schlüsse werden die Fortpflanzungsorgane behandelt, und zwar zunächst 
die ungeschlechtlichen — wobei namentlich die verschiedenen Typen derselben 
bei den Thallophyten besprochen werden — dann die geschlechtlichen. Die 
Schilderung der letzteren beginnt wieder mit den Thallophyten (Bildung von 
Zygosporen, Oosi)oren etc.), verbreitet sich dann über die Fortpflanzungs- 
vcrliältnisse der Archegoniaten und schlie(5t mit der Mori)hologie der Blüte, 
der Bliiten.stiindc, der Frucht und des Saniens. 

D(;r physiologische Abschnitt (von Linsbauer) bringt zunächst eine 
Darlegung der Aufgaben der Pflanzenpliysiologie und wendet sich dann gleich 
<;inem der fundamentalsten Kapitel derselben zu, der Lehre von der Ernährung 
der i'Hanze. Hierbei wird selbstverstiindlicli auch die Assiniiiation der KoIiUmi- 
HÜure durch <li(! grüne Pflanze geschildert und im Anschluß hieran Einiges 
Uber Lianen und Ej)i|)hyten gesagt. Weiterhin werden Atmung und Tran- 
Mjjiration behandelt und auch das wesentlichste über Xerophyten mitgeteilt. 
Daß dann auch di(! sogcüiannten Insektivon^n, fern(!r die Parasiten und Sai)rü- 
I)hyten Erwähnung find(!n, ist HCilbstverständlieh. Als Beisjnele für Symbioso 
werden die Fhjclitcn, die VVurzell<nollch(!n der Leguminosen, die Mykorrhizen 
und die AmeiHenpflunz(fn kurz bcisprocluin. Das nächsti; Kapitel beHchäftigt 
hich mit ih-u Bewegungen d(!r Pflanzen, von w(;lchen zunächst dicijenigcn, 
welche nich auf rein phyHikalisclK! ürsachen zuriicknihren lassen, als minder 
wichtig nur kurz erwähnt werden. Eh werden dann die amöboide Bewegung, 



Referate. 



die Geißelbewegung und die Lageveriinderung- der Chlorophyllkörner unter 
dem Einflüsse des Lichtes, des Heliotropismus und Geotropismus, die Turgor- 
und Schlafbewegungen und endlich die Reizbewegungen besprochen. Das 
letzte Kapitel behandelt die generativen Prozesse, wobei auch auf die Blilten- 
biologie hingewiesen wird. 

Jedem, der — ohne zu eingehenderem Studium der Botanik Gelegen- 
heit zu haben — sich über den gegenwärtigen Stand der Morphologie und 
Physiologie der Pflanzen in ihren Grundzügen orientieren will, kann das vor- 
liegende Buch, welches der Fachkenntnis seiner Verfasser das beste Zeugnis 
ausstellt, bestens empfohlen werden. Fritsch. 

Becker, Wilh. Zur Veilchen flora Tirols. (Zeitschrift des „Ferdinandeums" 
in Innsbruck, Heft XLVIII, S. 323-346, 1904.) 

Die Veilchen Tirols haben, von Borbas' Zusammenstellung in Koch- 
Halliers Synopsis abgesehen, seit Hausmanns Flora (1851) keine gründ- 
liche und vollständige Bearbeitung erftihren; doch ist ihre Klarstellung durch 
die bahnbrechenden Arbeiten Wiesbaurs und die hauptsächlich den zahl- 
reichen Bastarden gewidmeten Murrs sehr weit gediehen. Herr W.Becker, 
der bekannte Herausgeber der „Violae exsiccatae", studierte nun im letzten 
Frühjahr die Veilchen der Innsbrucker Umgebung an ihren natürlichen Stand- 
orten und bearbeitete das Material des Tiroler Landesmuseums sowie der 
Herbare Prof. Murrs und Bürgerschullehrer Polls. Die Eesultate dieser 
Revision und „die auf der Reise gesammelten neuen Kenntnisse über das 
Genus Viola'-' bilden das Substrat der vorliegenden Arbeit. Die Neuerungen 
in Bezug auf die bisherige Auffassung sollen hier zusammengestellt und da- 
bei auf einige Punkte, mit denen sich Referent bereits vor ein paar Jahren 
und nun auf Grund der Becker sehen Arbeit abermals näher befaßte und 
anderer Überzeugung geworden ist, aufmerksam gemacht werden. 

Viola odorata wächst um Innsbruck fast ausschließlich in der zur Rasse 
B. Favrati Hausskn. gehörigen var. subodorata (Borb.) W. Becker. V. sepincola 
Jord. ist = austriaca Kern. = suavis Hausm., non MB. Dazu iu Tirol var. 
cyanea (Öel.) W. Bckr. (kahl) und var. piihescens "VV. Bckr. (stärker behaart). 
Die Kernersche V. sepincola von der Weiherburg hat tatsächlich vollkommen 
normalen Pollen und ist von F. austriaca nicht merldich verschieden. Wesent- 
lich anders verhält es sich dagegen mit der var. puhescens W. Bckr. Verfiisser 
scheint die Methode der Pollenuntersuchung, die, wenn sie auch viel Geduld 
erfordert, gerade bei Veilchen nie im Stiche läßt, nicht zu kennen oder doch 
nicht anzuwenden. Referent hat eine ganze Reihe authentisch bestimmter 
Exemplare dieser Pflanze aus den Herbaren Murr und Poll vorliegen und 
findet in denselben nahezu sämtliche Pollenkörner steril. Sie sind — wie es 
von ihren Sammlern stets erkannt wurde — ebenso wie die Beck er sehe V. 
odorata X sepincola zweifellos V. MerTcensteinensis (collina X odorata), die Ver- 
fasser aus Tirol nicht gesehen zu haben behauptet; der neue Name daher 
dieser synonym zu setzen. V. alba nov. subsp. ligustina W. Bckr. (Ausläufer 



378 



Referate. 



oft fehlend, Winterblätter klein, stumpf, schwach behaart; bei Kastell Toblino, 
Kastell Coruo und besonders in Oberitalien) schiebt sich zwischen V. alba und 
V. DeJmhardtii Ten. ein, dazu eine var. glaberrima W. Bckr. — Die Blüte von 
V. coUina (S. 9 des Sep.-Abdr.) ist entschieden nicht „hellblau", sondern lila, 
weit mehr ins Rötliche spielend als V. hirta, die als „hell-, selten dunkel- 
violett" bezeichnet wird. Neu ist f. stolonifera Murr in litt, mit bis 9 cm langen 
Schossen. V. Tliomasiana in Tirol in der Rasse A tiroliensis W. Bckr., von der 
Schweizer Pflanze (B helvetica W. Bckr.) durch lederige Substanz, schwächere 
Behaarung, größere Breite etc. der Blätter verschieden. Von V. pinnata 
wurden die pflanzengeographisch sehr wichtigen Nordtiroler Standorte nicht 
aufgenommen. Es mag dies seinen Grund in der teilweise berechtigten Nicht- 
beachtung der Literatur haben. Doch wurden die Angaben Gelmis, die ja 
vielleicht auch nicht verläßlicher sind als die Murr sehen, unkontrolliert auf- 
genommen und V. pinnata erkennt doch jedermann. Die Angabe „auf Alpen- 
triften" stimmt nur für Südtirol-, an der Martinswand sammelte sie auch 
Referent an Kalkfelsen bei 750 m Höhe. V. arenaria und F. rupestris (S. 13) 
(= V. rupestris ß. (jlabrescens + y. glaberrima bei Becker) sind wohl ver- 
schiedene Arten. Erstere besitzt auffallend längere, mehr lederige Blätter als 
letztere; in Niederösterreich ist sie eine Pflanze trockener Hänge der Kalk- 
berge, V. arenaria eine Wiesenpflanze; daß die beiden „Varietäten" in Tirol 
nur je einen Standort haben, spricht auch für geographische Trennung. Klar- 
heit können hier nur Kulturversuche bringen. Das Vorkommen einer Rasse 
{H. glauca MB., nach Becker = V. cinerascens Kern.) in Rußland, Ungarn, 
Tirol und der Schweiz erscheint a priori unwahrscheinlich. Tatsächlich haben 
nun die Kern er sehen Exemplare aus Tirol sterilen Pollen und sind teils 
(vom Sonnenburger Hügel) V. arenaria X silvestris, teils (von der Mendel) V. 
arenaria X canina. Die ungarische Pflanze ist kein Bastard. — An das Märchen, 
daß V. silvestris und Eiviniana Varietäten einer Art seien (S. 14), glaubt schon 
lange niemand mehr. Hätte Verfasser nur ein Exemi)lar von V. dubia unter- 
sucht, so könnte er bei 25 — 30 "/o steriler Pollenkörner nie an ihrer Bastard- 
natur zweifeln. Außerdem blüht um Innsbruck V. silvestris um ca. H Tage ^ 
später als liiviniana, geht mehr ins Gebirge etc. Mit demselben Recht könntonj 
dann die folgenden V. canina und montana Varietäten sein. S. 15: „In TiroF- 
ist die V. canina nicht tyj)isch vorhanden, sondern nciigt mehr oder woniger 
zur V. montana hin. Im Süden des (Jebietes dem Ty]juH a.m nächsten." Was 
die V. Kinscleana Schtz., ncmoralis Kiitz. und Sclinllzii Bill, sind, die der V. 
inontana als Varietäten angereiht werden und deren Verbreitung nicht an- 
gegeben wird, hat der Verfasser keineswegs geklärt. Varicitäten im J^innö- 
8chen Sinne sind sie gewiß nicht. Die Bearbeitung dieser (irnppe sowie 
der V. rupestris h. 1, und d(!r S(!ct. Melaninm durch eine g(H!igii(!t(! Kraft 
könnte doch zur Erweiterung unsctrcr entwi('kIungHg(!K( hiclitlich(!n Keiiiitnisso 
entHchieden bcntraf^eii. Zu V. calcarata var. //am Koch (S. 17) ist zu bennirken, 
daß V. Zoysii Wulf di<! I'ri(»rität hat, was Verfasser nicht beaciitet. Daß diese 
keine Varietät ibt, hat (;. v. Beck (Fh)ra v. SUdbosnien, VII. S. 180) begründet. 



Referate. 



379 



V. heterophißla aiit. tirol. ist V. Diibijana Burn, ^ F. heterophijUa var. ..3. Bertol. 
— Zu T'. tricolor werden als Synonyme gesetzt: F. saxatilis Sclim., alpestris (DC.) 
und polychroma Kern. So gering nun unsere Kenntnisse über diese Gruppe 
sind, so glaubt Referent doch behaupten zu können, daß eine ausdauernde 
Wiesenpflanze mit mehreren morphologischen Merkmalen (V. polychroma) 
mindestens ebenso abzutrennen ist ^Yie F. arvensis, von der behauptet wird, 
sie sei „die Stammform der F. tricolor und ist durch zahlreiche Übergangs- 
formen (var. in Bliitengröße und Farbe) mit ihr verbunden". Wer sich ein 
wenig mit phylogenetischen Fragen befaßt hat, kann darüber urteilen, ob 
eine extrem an das Leben in Getreidefeldern, einer erst vom Menschen er- 
zeugten Kidturform, angepaßte Pflanze die Stammform von Wiesenpflanzen 
ist; natiü'lich soll damit in Anbetracht der augenscheinlichen Anpassungen 
an Insektenbesuch bei den großblütigen tricolores nicht das Zutreft'en des un- 
mittelbaren Gegenteiles behauptet werden. Auf die zahlreichen Hybriden 
näher einzugehen, ist hier nicht mehr möglich. Das Wichtigste darüber wurde 
bereits berührt-, man mag daraus ersehen, zu welch' abenteuerlichen Resul- 
taten die Vernachlässigung des Mikroskopes in der Speziessystematik der 
Phanerogamen führen kann. Handel- Mazzetti. 

Wasmauii, Erich, S. J. Die moderne Biologie und die Entwicklungs- 
theorie. Herder, Freiburg i. Br., 1904. 

Dem vorliegenden Werke ist vom Autor wohl in erster Linie die Be- 
stimmung zugedacht, den katholischen Laien mit den allgemeinsten Grund- 
zügen der modernen Biologie vertraut zu machen und die modernen wissen- 
schaftlichen Anschauungen namentlich auf dem Gebiete der Deszendenztheorie 
in Einklang mit der Schöpfungsgeschichte zu bringen. Folgende Stelle aus 
I dem Vorwort diene zur Charakterisierung der von Was mann vertretenen An- 
I schauung: „Auch in vorliegendem Buche ist mein Standpunkt derjenige des 
I christlichen Naturforschers, der fest davon überzeugt ist, daß die natürliche 
Wahrheit niemals in wirklichem Widerspruche mit der übernatürlichen Oä:en- 
barung stehen könne, weil sie beide aus ein und derselben Quelle, aus der 
ewigen göttlichen Weisheit entspringen. Daher kann auch das Studium der 
modernen Biologie und Deszendenztheorie, wenn es vorurteilslos betrieben 
wird, nur zur Verherrlichung Gottes dienen." 

Die ersten Kapitel des Werkes bringen nebst einer Erörterung des Be- 
griffes der Biologie und einer Besprechung der einzelnen Zweige derselben 
einen kurzen Abriß der Geschichte dieser Wissenschaft, wobei Wasmann 
I namentlich die Verdienste der Scholastiker, vornehmlich Albert des Großen, 
um die Entwicklung der Biologie betont. Eine kurze Skizzierung der modernen 
mikroskopischen Technik, erörtert an dem Beispiel der interessanten herma- 
phroditischen Fliege Termitoxenia, schließt diese Ausführungen, an welche sich 
eine Besprechung des Baues und der Funktionen der Zelle, der Vorgänge der 
Zellteilung, der Befruchtung und der Bedeutung derselben anreiht. In Stellung- 
nahme zu der Frage der Urzeugung vertritt Wasmann die Auffassung, daß 
die Zelle als niederste Einheit des organischen Lebens zu betrachten sei, die 



Ii 



380 



Referate. 



nicht als aus niedrigeren Eleraentareinheiten zusammengesetzt oder auf dem i 
Wege der Evolution aus solchen hervorgegangen gedacht werden darf, indem I 
wir „als niederste Einheiten des organischen Lebens nur jene Teile von Orga- 
nismen betrachten dürfen, welche wenigstens unter bestimmten Bedingungen 
— wie sie bei den einzelligen Tieren und Pflanzen tatsächlich sich finden — 
einer selbständigen Existenz fähig sind" und wir in Wahrheit kein niedriger 
als die Zelle organisiertes Einzelwesen kennen. „Durch die drei Axiome: 
Omne vivum ex vivo, omnis cellula ex cellula, omnis nucleus ex nucleo ist 
die Urzeugung für den modernen Forscher endgiltig abgetan. Sie kann nur 
noch außerhalb des naturwissenschaftlichen Denkbereiches ihre Existenz fristen." 
Die Annahme eines persönlichen Schöpfers erscheint somit als Postulat der 
Wissenschaft. 

An der Annahme einer selbständigen Erschaffung der einzelnen syste- 
matischen Art im Sinne Linnes ist nicht festzuhalten, da überzeugende Mo- 
mente für die Richtigkeit der Entwicklungstheorie sprechen. Hingegen ist 
die Annahme eines monopliyletischen Ursprunges der ganzen organischen Welt 
als durchaus unbewiesen und unwahrscheinlich, wenn auch nicht als unmöglich 
zu bezeichnen; Wasmann stellt daher dem Begritf der systematischen Art jenen 
der „natürlichen Art" gegenüber und definiert denselben (S. 197) in folgender 
Weise: „Nach der Entwicklungstheorie stellen die systematischen Arten der 
fJegenwart nicht die ursprünglich geschaftenen Formen dar, sondern das Re- 
sultat einer Entwicklung, welche die Arten der Gegenwart und Vergangen- 
heit zu natürlichen Formenreihen verbindet, deren Glieder unter sich 
stammesverwandt sind und deren jede auf eine ursprüngliche Stammform als 
auf ihren Ausgangspunkt zurückführt. Bezeichnen wir nun jede dieser selb- 
ständigen, mit anderen nicht verwandten Formenreihen oder Stämme als eine 
natürliche Art, so können wir auch heute noch dem Satze Linnes bei- 
pfiicliten: Tot species numeramus, quot ab initio creavit inünitum ens .... 
Jede dieser natürlichen Arten hat sich im Laufe der Stannnesentwicklung in 
eine mehr oder minder große Zahl von systematischen Arten difi'erenziert. 
Wie viele systematische Arten zu einer natürlichen Art gehören, laßt sich in 
den meisten Fällen gegenwärtig noch nicht angeben. Noch viel weniger ver 
mögen wir zu sagen, wie viele natürliche Arten, d. h. wie viele voneinander 
uiial)hängige StammesreilKm anzuniihmcn sind." Als natürliche Arten be- 
trachtet Wasmann beispielsweise die Familie der Paussiden, die Stai)hiliniden- 
gruppe der Lomechusini, die iMpiiden, die Ammoniten. Die Kreirung dos 
I>t'grilleH d(ir „natürlichen Art" motiviert Wasmann in folgender W('is(!: „Durch 
sie gewinnen wir eine feste |)liiloHopliiHcli(^ Basis, juif welcher die Schöpfnngs- 
tln;ori(! mit der Deszend(;nztli(!ori(! sich friedlich ver(Mnb;iren kniiii. Diili diese 
P»aHiH von hoher Bedeutung ist für die V<uteidignng der cliiiHtlicdien Wclt- 
nuHchauuiig, wird j(!dein eiideuchtciu. Eh ist ja (!ine LieblingstaUtik unsiiror 
irioni»ti»chen (Jegncr, <lali sie ihre Angrifie gegen die Kcmstanztlieorie richten, 
wenn hIo di(! verhallte! SchöpliingstlKioric! bckäinjjfcn wollen. . . . Wcnin wir 
nur die uatürlichen Arten in ihren ursprilngli(di(;n Stammformen als g(;Hcliairün 



Referate. 



381 



annehmen, die Feststellung der Zahl und des Umfanges jener natürlichen 
Stammesreihen aber den Fortschritten der Wissenschaft zur Entscheidung 
überlassen, dann wird man die christliche Weltanschauung nicht mehr unter 
dem lächerlichen Vorwande bekämpfen können, daß sie die Konstanz der 
systematischen Arten als , Glaubenssatz' lehre. . . . Die Annahme eines per- 
sönlichen Gottes, des Schöpfers aller endlichen Wesen, ist ebensowenig an die 
Konstanztheorie gekettet, als sie an das geozentrische S3^stem in der Astro- 
nomie gekettet war." Als direkte Beweise für die Entwicklungstheorie be- 
spricht Was mann im folgenden die in der Pflanzenwelt tatsächlich beobachtete 
Entstehung neuer Arten durch Mutation sowie die noch in der Gegenwart 
vor sich gehende Speziesdifferenzierung in der myrmekophilen Koleopteren- 
gattung Dinarda. Als indirekte Beweise für die Abstammungstheorie erör- 
tert Was mann in eingehender Weise die Stammesentwicklung zahlreicher 
Ameisen- und Termitengäste, so der Lomechusini, der dem Mimikry typus 
angehörenden Dorylinengäste, der Clavigeriden und Paussiden, der Termito- 
xeniiden. Auch Was mann vertritt die Auffassung, daß die Speziesdifferen- 
zierung innerhalb dieser Gruppen keinesfalls auf dem Wege der Selcktions- 
theorie erklärt werden kann, daß vielmehr zu ihrem Verständnis in erster 
Linie innere Entwicklungsfaktoren herangezogen werden müssen, die der Be- 
einflußung durch äußere Bedingungen unterliegen können. Vielfach dürfte 
auch bei den Insekten die Entstehung neuer Formen auf dem Wege der Mu- 
tation vor sich gehen. Die von Was mann in Übereinstimmung mit zahl- 
reichen Forschern vertretene Anschauung, daß in der Phylogenese Perioden 
rascher Umbildung aller Tierformen mit Perioden relativer Konstanz alter- 
nieren und wir uns gegenwärtig in einer solchen Konstanzperiode befinden, 
dürfte in dieser Form wohl kaum aufrecht zu erhalten sein. 

Das letzte Kapitel behandelt den Ursprung des Menschen. „Weil die 
Seele des Menschen geistig und deshalb von der Tierseele wesentlich, nicht 
bloß dem Grade nach, verschieden ist, deshalb kann sie nur durch Schöpfung 
entstehen,' nicht durch Entwicklung. . . . Der Mensch wird übrigens erst zum 
Menschen durch seine geistige Seele und deshalb fand die Schöpfung des 
ersten Menschen dann statt, als seine geistige Seele geschaffen und mit dem 
,Leib aus Erde' verbunden wurde. . . . Wir wissen wohl, daß jene Ausdrucks- 
weise der Heiligen Schrift bildlich aufzufassen ist, aber wir wissen nicht, 
von welcher Beschaffenheit der Stoff war, den Gott zur Vereinigung mit der 
ersten menschlichen Seele im Schöpfungsakte des Menschen benützte. . . . Zum 
Begriff der Schöpfung des menschlichen Leibes genügt es, daß die Atome des- 
selben von Gott ursprünglich geschaffen und daß die Gesetze, nach denen aus 
jenen Atomen der menschliche Leib sich bildete, ebenfalls ursprünglich von 
Gottes Allmacht in die Materie gelegt worden seien." Es ist daher die An- 
nahme gestattet, „daß Gott auch bei Hervorbringung des ersten Menschen, 
wie bei derjenigen der übrigen Naturwesen, sich der natürlichen Ursachen 
insoweit bediente, als sie fähig waren, zur Entstehung des ersten Menschen 
mitzuwirken". Eine Besprechung der zoologischen und paläontologischen 



382 Referate. 

Beweisgründe für die tierische Abstammung des Menschen (seiner leiblichen 
Natur nach) führt Wasmann zu dem Schlüsse: „Der Würde der Wissenschaft 
entspricht es allein, zu sagen, daß sie über den Ursprung des Menschen nichts 
weiß." Karl Hold haus. 

Schumauu, K. Praktikum für morphologische und systematische 
Botanik. Hilfsbuch bei praktischen Übungen und Anleitung zu selb- 
ständigen Studien in der Morphologie und Systematik der Pflanzenwelt. 
Jena, G. Fischer, 1904. 610 S. Mit 154 Abbildungen im Texte. 

Ein ausgezeichnetes botanisches Praktikum hat uns schon vor Jahren 
Strasburger geschenkt, Avelches inzwischen in mehreren Ausgaben und Auf- 
lagen erschienen ist, was allein schon für die Güte desselben spricht. Daß 
aber speziell für die Einführung in die Arbeitsmethoden des Systematikers 
das Strasburgersche Buch nicht ausreicht, beziehungsweise teils zu viel, 
teils zu wenig bietet, ist jedem bekannt, der in dieser Richtung arbeitet. 
Deshalb war es zweifellos ein guter Gedanke des so früh verstorbenen Schu- 
mann, ein solches Praktikum für die systematische Botanik — mit Einschluß 
der von ihr untrennbaren Morphologie — herauszugeben. 

In einer Beziehung allerdings enttäuscht der Inhalt des Buches, wenn 
man denselben mit dem Titel vergleicht. Es ist in dem ganzen Buche aus- 
schließlich von Blütenpflanzen die Rede, was umsomehr auffällig ist, als 
der Verfasser in seinem Vorwort von einem „Hilfsbuch für die botanische 
Systematik im weitesten Sinne" spricht. Der Titel des Buches sollte 
lauten: „Praktikum aus der Morphologie und Systematik der Blüten- 
I)flanzen." Vielleicht entschließt sich einer unserer Kryptogamcn- 
forscher (oder eine Vereinigung mehrerer Spezialforscher) dazu, das schöne 
Buch Schumanns durch ein „Kry ptogamen-Praktikum" zu er- 
gä nze n. 

Die Materie des Buches ist zunächst in zwei Kurse eingeteilt, die so 
gedacht sind, daß sie in zwei aufeinanderfolgenden Sommern durchgenommen 
werden. Der erste Kurs umfaßt 43, der zweite 36 Lektionen, die nach der 
Blütezeit der l)eliandelt('n Pflanzen geordnet sind. Dem ganzen geht eine kurze 
Kiiilcituiig voraus, wclclie mit dem Präiiariermikroskop und den sonstigen 
wenigen Instrunienteu Ixikannt macht, die der Systematiker regcilmäßig be- 
nötigt. .Jed(! Lektion b(!ginnt mit der Angabe des dazu nötigen Materiaics; 
letzteres ist so gewählt, daß es aus dem Freien oder aus Gärten leicht be- 
schafft werden kann. 

Kh ist unmöglicli, in di(!seui Referat aucli nur ;uiii;iliernd anzugeben, 
wch-ln; Kapitel der M()ri)li(»iogie und SyshMnatik iu d(;ni BiicIk; IxOianchilt 
werden. En nci nur l)eiHj»i(!lH weise angefiilirf, daß Ixii B(!Hi)reehung uuseiiU* 
einheiiniHclien Nadelhölzer das WichtigHtc über schraubige Blattstellungen, bei 
JJiffUnliH einigeH über Pelorijui, ))ei Juncm hifonins ülxu- Monochasieu gesagt 
iht, daß <'inig(r vt-rwiekeltere Fälle, wie J'drlhmonssus (/uinffucfolla und Siiccisa 
jtratrnHiH, zu Krörterungen über N(»ni('iil<i;il m und l'i ioriliit,M|)rin/ip beniif/it 
werden umw. 



Eeferate. 



383 



Am Schlüsse des Buches finden wir dann noch „Winke für die Be- 
stimmung von Pflanzenarten" und „Winke für Monographien und floristische 
Arbeiten", welche Kapitel besonders für jene lesenswert sind, welche sich 
ohne Anleitung eines erfahrenen Lehrers mit systematischer Botanik be- 
schäftigen wollen. 

Das Literaturverzeichnis wurde von Gürke besorgt, der auch nach dem 
Tode Schumanns die weitere Drucklegung des Werkes leitete und eine teil- 
weise Ergänzung der letzten Kapitel vornahm. Das Verzeichnis enthält neben 
den Titeln der allerwichtigsten systematischen und pflanzengeographischen 
Handbücher noch die der wichtigeren Florenwerke für alle Teile der Erde, 
deren Zusammenstellung auch dem vorgeschrittenen Fachmann willkommen 
sein wird. 

Die Textabbildungen sind zum größten Teile recht instruktive Original- 
zeichnungen von Fräulein Eleonore Schumann, der Tochter des verstorbenen 
Verfassers, der sich mit diesem Buche ein letztes, dauerndes Denkmal gesetzt 
hat. Fritsch. 

Ennth, PauL Handbuch der Blütenbiologie. IIL Band, I.Teil, unter 
Mitwirkung von 0. Appel bearbeitet und herausgegeben von E. Low. 
Leipzig (W. Engelmann), 1904. 

Im Jahre 1898 war der erste Band und der erste Teil des zweiten 
Bandes von Knuths „Handbuch der Blütenbiologie" erschienen-,^) im Jahre 
1899 folgte der Abschluß des zweiten Bandes,^) in dessen Vorwort der Ver- 
fasser versprach, „unverzüglich an die Ausarbeitung des dritten, die außer- 
europäischen blütenbiologischen Beobachtungen umfassenden Bandes" zu gehen. 
Wenige Monate später raflfte der Tod Knuth hinweg. Daß nun nach füuf 
Jahren doch noch der versprochene dritte Band (vorläufig zur Hälfte) er- 
scheinen konnte, ist ein großes Verdienst der Herren Appel und Low, von 
denen der erstere die von Knuth hinterlassenen Notizen von dessen 1898 bis 
1899 unternommener Weltreise bearbeitete, während der letztere die Exzer- 
pierung und Verwertung der umfangreichen Literatur besorgte. 

Der Band beginnt mit einer Ergänzung des im ersten Bande gegebenen 
Verzeichnisses der blütenbiologischen Literatur, wobei „vorzugsweise" „die 
außereuropäische Literatur" Berücksichtigung fand. Das Verzeichnis wurde 
am 1. Jänner 1903 abgeschlossen und umfaßt 3547 Nummern, von welchen 
2871 im ersten Bande verzeichnet waren. 

Im Übrigen ist die Einrichtung des dritten Bandes dieselbe wie jene 
des zweiten. Er bringt „die in außereuropäischen Gebieten bisher gemachten 
blütenbiologischen Beobachtungen" in systematischer Reihenfolge. Während 
jedoch die Reihenfolge im zweiten Bande sich nach dem Pflanzensystem von 
De Candolle richtete, ist die Materie des dritten Bandes nach dem System 



^) Referiert in diesen „Verhandlungen", 1899, S. 125. 
^) Referiert in diesen „Verhandlungen", 1899, S. 442. 



384 



Referate. 



von Engler angeordnet. Der vorliegende erste Teil umfaßt die Gymno- 
spermen, die Monokotylen und die Archichlamydeen •, die Metaclilamydeen sind 
dem zweiten Teile vorbehalten, welcher auch ein vollständiges Verzeichnis 
der bliitenbesuchenden Tiere bringen soll. 

Vor dem Titelblatt befindet sich das Porträt Knuths. Im Text stehen 
141 Abbildungen, unter welchen viele von Knuth hinterlassene Original- 
zeichnungen sind. Fritsch. 

Dippel, Leopold. Diatomeen der Rhein- Main ebene. Braunschweig, 
Friedrich Vieweg & Sohn, 1905. 8°. 170 S., 372 farbige Figuren. Preis M. 24. 
Vorliegendes Werk umfaßt die meisten der in Mitteleuropa vorkommen- 
den Süsswasserdiatomeen und bringt von allen aufgeführten Arten außer einer 
kurzen Beschreibung eine Abbildung. Die Figuren sind schwarz und grau- 
grünlich ausgeführt und sehr sauber hergestellt. Auf den Zellinhalt wird 
nicht eingegangen. Als Einteilungsprinzip gilt das von Schütt in Engler 
und Prantls Natürlichen Pflauzenfamilien gültige, mit einigen notwendig ge- 
wordenen Änderungen. Das Werk dürfte ein recht willkommenes Hilfsmittel 
zum Bestimmen für alle Botaniker sein, denen Van Heurcks Synopsis nicht 
zugänglich ist und welche sich lediglich mit Süsswasserdiatomeen beschäftigen. 

J. Brunn thal er. 

Reittcr, Edm. Ein ugugy hWnder Brachynus aus Dcutsch-Ostafrika. 
(Wiener Entom. Zeitung, 1904, S. 178—179.) 

Unter dem Namen Bmchynillus (nov. gen.) Varendorf^ (nov. spcc.) wird 
ein l)linder Carabidae aus der Gruppe der Bombardierkäfer beschrieben, der 
einen neuen interessanten Fall der Anpassung an das Hühlenlebcn darstellt. 
Besonders ausgezeichnet ist dieser Bombardierkäfer durch den Verlust der 
Augen, die Atrophie der Flügel, die Reduktion des Pigmentes (der Körper ist 
f;i«t einfarbig braungelb) und die Verlängerung des Vorderkörpers sowie der 
Fühler und Beine, lauter Merkmale, die ganz unabhängig voneinander bei 
allen blinden Ilöhlenticren mehr oder minder nusgesi)rochen auftreten. Auf 
den ersten Blick hat der neue Ilöhlenkäfer aus Deutsch-Üstafrika eine gewisse 
Älinlielikeit mit unseren l)linden 2Vec7ms -Arten, von denen er sich aber sofort 
dureli di(! hinten abgestutzten und die letzt(Mi Alxloiniiialsc^guientci freil;iHS(Mido 
Fliigeldeeken unterscheidet. Dr. .Josef M iil I er (Triest). 



Bericlit 

über die 

ordentliche General - Versammlung 

am 3. Mai 1905. 

Der Präsident Prof. Dr. R. v. Wettstein begrüßt die Ver- 
sammlung-, konstatiert deren Beschlußfähigkeit und hält folgende 
Ansprache : 

Verehrte Versammlung! 

Durch die außerordentliche General -Versammlung am 30. No- 
vember V. J. abermals mit den Funktionen des Präsidenten betraut, 
beehre ich mich, heute den üblichen Jahresbericht über das abge- 
laufene Gesellschaftsjahr zu erstatten. Gestatten Sie, daß ich gleich 
eingangs für die schon erwähnte Wiederwahl herzlichst danke, 
welche mir, geradeso wie den übrigen Mitgliedern des Ausschusses, 
deren Wiederwahl erfolgte, den Beweis erbringt, daß die Leitung 
der Geschäfte in einer Ihren Wünschen entsprechenden Weise erfolgt 
und das allein schon gibt uns ja Berechtigung, auch auf das abge- 
laufene Gesellschaftsjahr mit Befriedigung zurückzublicken. Ohne 
den Spezialberichten der Herren Funktionäre vorgreifen zu wollen, 
möchte ich nur in aller Kürze die wichtigsten Momente aus der 
Geschichte der Gesellschaft im vergangenen Jahre herausgreifen. 

Der Mitgliederstand unserer Gesellschaft hat nicht nur 
seine frühere Höhe behauptet, sondern einen Zuwachs zu ver- 
zeichnen; einem Abgange von 16 Mitgliedern steht ein Zuwachs von 
41 gegenüber. Als besonders erfreulich möchte ich die Zunahme 
der Zahl jener Mitglieder bezeichnen, welche aktiven Anteil an dem 

Z. B. Ges. Bd. LV. 25 



386 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Leben der Gesellschaft nelimen; der Besuch der allgemeinen sowie 
der Sektionsversammlungen nimmt dauernd zu, was Sie schon aus 
dem Umstände entnehmen können, daß wir häufiger als früher 
genötigt sind, anläßlich von Versammlungen die eigenen Räume 
unserer Gesellschaft zu verlassen und größere Säle in Anspruch zu 
nehmen. Ich möchte gleich die Erwähnung dieses Umstandes be- 
nützen, um daran den Ausdruck des Dankes für Herrn Hofrat Prof. 
Penck zu knüpfen, der uns durch Überlassung seines Hörsales 
und dessen Einrichtung die Veranstaltung eines Vortrages ermög- 
lichte, der in bezug auf Stärke des Besuches alle früheren Veran- 
staltungen der Gesellschaft übertraf. Ich meine den Vortrag des 
Herrn Dr. 0. Nordenskjöld; wir werden ja heute noch Gelegen- 
heit haben, auch dem berühmten Vortragenden unsere Dankbarkeit 
zu beweisen. 

Wie in früheren Jahren haben wir auch heuer den Tod einiger 
treuer Freunde der Gesellschaft und Mitgheder zu beklagen. Es 
starben im abgelaufenen Gesellschaftsjahre Hofrat Dr. Friedrich 
Brauer, Dr. Johann Frank, Hofrat Prof. Dr. Andreas v. Korn- 
hub er, Heinr. v. Mitis und Hofrat Prof. Dr. Carlo n v. St eil wag. 

Insbesondere der Tod zweier dieser Männer ging uns nahe, 
ich meine den Tod Brauers und Kornhub ers, zweier Männer, die 
zu den ältesten und treucsten Mitgliedern unserer Gesellschaft zählten, 
die eine hervorragende Holle im wissenschaftlichen Leben Öster- 
reichs spielten, denen viele von uns als dankbare Schüler oder auf- 
richtige Freunde nahe standen. Beide gehörten auch der Zahl 
allseitig geschulter Naturforscher an, deren Zahl heute unvermcid- 
liclierwcise immer kleiner wird, auf deren universelle Naturkcnnt- 
nissc wir nicht ohne Gcflilil des Neides blicken. Eine ganz vorzüg- 
licln^ 15iograj)ljie Brauers aus der Feder eines seiner bedeutendsten j 
ScIiUlor, des Herrn Kustosadjunkten A. Ilandlirsch, bringt das | 
jüngste lieft unserer „Vcrliandlungen"; wir hoffen, daß wir auch ' 
Korn Ii über in unseren Schriflcn ein würdiges Denkmal werden 
Betzen können. < 

Ich })ittc Sie, das Andenken an die Toden in üblicher Weise 
diircli Krlicbung von den Sitzen zu ehren. 

Die (icsellscliaft war auch im abgelaufenen Jahre bemüht, B 
ncb(;n ihren wiKHcnHcliartli('h(;n Aufgaben die rilcgc; d(;r gesellschaft-H 



Bericht über die orcleutliehe General -Versammlung-. 



387 



liehen Beziehimgen der Mitglieder untereinander zu fördern und 
wir freuen uns darüber, daß auch diese Bestrebungen bei unseren 
Mitgliedern Anklang fanden; nicht einer der letzten Zwecke der 
Gesellschaft besteht ja darin, insbesondere jüngeren Gelehrten 
Gelegenheit zu bieten, persönliche Fühlung mit den Fachkreisen 
zu gewinnen. Diesem Streben, auch das persönHche Moment in 
der Gesellschaftstätigkeit hervortreten zu lassen, entspricht auch 
unser Wunsch, bei besonderen Anlässen, welche einzelne Mitglieder 
feiern, diesen unsere Sympathien besonders auszudrücken und in 
diesem Sinne haben wir auch die Gelegenheit benützt, um unser 
Ehrenmitglied Hofrat Fr. Steindachner zu seinem 70. Geburtstag 
durch eine Abordnung und die Herren Geheimrat Prof. Dr. A Scher- 
sen in Berlin und General-Stabsarzt Dr. E. Chimani in Wien durch 
Zuschriften zu beglückwünschen. 

Das wissenschaftliche Leben unserer Gesellschaft ent- 
wickelte sich im abgelaufenen Jahre in vollkommen erfreulicher 
Weise. Die bestehenden Sektionen entfalteten eine rege Tätigkeit, 
unsere Publikationen, die „Verhandlungen" und die „Abhandlungen", 
erschienen in regelmäßiger Folge. Ich benütze diesen Anlaß, um 
den Funktionären der Sektionen, unseren beiden Schriftführern, 
Herrn Kustosadjunkten Handlirsch und Herrn Assistenten Dr. 
Vierhapper, sowie allen Vortragenden und Verfassern von Arbeiten 
für ihre selbstlose, den wissenschaftlichen Leistungen der Gesell- 
schaft zugute kommenden Bemühungen auf das Herzlichste zu 
danken. 

Als einer sehr erfreulichen Tatsache möchte ich der Konsti- 
tuierung einer neuen Sektion gedenken. Über Anregung und unter 
der Leitung des Herrn Hofrates v. Weinzierl bildete sich eine 
Sektion für Lehrmittelangelegenheiten, welche sich die Auf- 
gabe stellt, die Beschaffung und Verteilung von naturwissenschaft- 
lichen Lehrmitteln, welche wir ja stets als eine sehr wichtige Auf- 
gabe betrachteten, auf breiterer Basis zu organisieren. Ich hoffe 
zuversichtlich, daß es dieser Sektion unter bewährter Leitung ge- 
lingen wird, das zu erreichen, was trotz der großen und nicht genug 
dankbar anzuerkennenden Opferwilligkeit einzelner Mitglieder bis- 
her nur in bescheidenem Maße angestrebt wurde. Die neue Sektion 
hat ihre Tätigkeit in sachgemäßer Weise damit begonnen, daß sie 

25* 



388 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



an die Ausarbeitung' eines den verschiedensten Scliulkategorien an- 
gepaßten Lelirmittelverzeiclinisses schritt, wobei sie sich der Mit- 
arbeiterschaft hervorragender Lehrkräfte zu erfreuen hat. 

Auch in einer anderen Angelegenheit hat das verflossene Jahr 
einen für unsere Gesellschaft vielleicht wichtigen Fortschritt ge- 
bracht. Die Errichtung eines Niederösterreichischen Landes- 
museums, auf die schon bei Begründung unserer Gesellschaft hin- 
gearbeitet wurde, ist durch einen diesbezüglichen Beschluß des 
niederösterreichischen Landtages in ein vielversprechendes Stadium 
getreten. Dem Vertreter der zool.-botan. Gesellschaft in dem für 
die Vorarbeiten eingesetzten Komitee fiel die dankbare Aufgabe zu, 
das Programm für die naturwissenschaftUche Abteilung des Museums 
auszuarbeiten und er Keß diese Gelegenheit nicht vorbeigehen, 
ohne nachdrücklichst darauf hinzuweisen, welche allseitigen Vorteile 
daraus erwachsen würden, wenn das neu zu errichtende Landes- 
museum zu gleicher Zeit ein Zentrum für eine Reihe der wichtigsten 
wissenschaftlichen Vereinigungen Wiens würde. Dem Museum würden 
dadurch ein Stab wissenschaftHch geschulter Kräfte sowie reiche 
Sammlungen zur Verfügung stehen, die Vereine würden in gegen- 
seitig fördernde Beziehungen treten und der bedeutende Mittel lahm- 
legenden Fürsorge für Lokalitäten und Versammlungssäle enthoben 
werden. Auf diese Weise würde das künftige Landesmuseum zu 
gleicher Zeit ein wissenschaftliches Zentrum werden, dem große 
Bedeutung für das geistige Leben der Monarchie gleich bei seiner 
Begründung zukäme. 

In wenigen Wochen wird hier der II. internationale bota- 
nische Kongreß tagen, der erste solche Kongreß, den Wien über- 
haupt ])clierbergen wird. Die dem Abschlüsse nahen Vorbereitungen 
lassen die Erwartung zu, daß der Kongreß nicht bloß einen äußer- 
licli glänzenden Verlauf nehmen, sondern durch seine Beschlüsse 
von weitreichender liedciutung für die Entwicklung der Botanik 
werden wird. Wenn der Kongreß dic^sen Erwartungen entspricht, 
80 ist dies zum guten 'W'Wv. ein Verdienst unserer Gesellschaft; sie 
bat durch eine im Jahre JiiOl gefaßte l[(;Holuti()n den ersten Anstoß 
zur Abhaltung des KongresHCH gegeben, aus ihrer Mitte ist der 
Kreis der J^ersonen h(;rvorg(;gang(;n, wcldier die Führung der Vor- 
arbeiten in (Iii- llaiid nahm und in vi(;ifa(-lier Hinsicht hat die 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



389 



Gesellschaft die Arbeiten des Organisationskomitees gefördert. Und 
wenn die zahlreichen im Juni dieses Jahres sich hier in Wien 
zusammenfindenden auswärtigen Gäste die Überzeugung davon mit- 
nehmen, daß Wien in botanischer Hinsicht eine schöne Stellung 
einnimmt, so kaun die Gesellschaft das Verdienst für sich in An- 
spruch nehmen, an der Erringung dieser Stellung wesentlich mit- 
gearbeitet zu haben. 

Mit dem herzlichsten Danke an Alle, welche auch im ver- 
gangenen Jahre der Gesellschaft ihr Wohlwollen bekundeten, an 
die Funktionäre des Ausschusses und jene Mitglieder, welche in 
anderen Eigenschaften ihre Zeit und Mühe in den Dienst der Ge- 
sellschaft stellten, möchte ich diesen Bericht schließen. 



Bericht des Sekretärs Herrn A. Handlirscli. 

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis des 54. Jahrganges 
unserer „Verhandlungen" läßt die erfreuliche Tatsache erkennen, 
daß nunmehr die beiden Schwesterwissenschaften, deren Pflege 
sich unser Verein zur Aufgabe macht^ annähernd gleichen Schritt 
halten, indem die Botanik, welche seit einer langen Reihe von 
Jahren publizistisch nicht so produktiv war als die Zoologie, nun- 
mehr dieser letzteren fast den Rang streitig macht. Wir werden 
nicht fehlgehen, wenn wir die Ursache dieses Aufschwunges in 
den Veränderungen suchen, welche sich vor einigen Jahren in der 
Leitung und Organisation des Vereines vollzogen haben. Erfreulich 
nenne ich die Tatsache, weil der Aufschwung der einen Disziplin 
nicht nur ein scheinbarer, durch den Rückgang der anderen be- 
dingter ist, denn auch die Tätigkeit der Zoologen blieb im letzten 
Vereinsjahre nicht hinter jener der Vorjahre zurück. 

Die 674 Seiten des letzten Jahrganges unserer „Verhand- 
lungen" enthalten 34 botanische und 37 zoologische Originalarbeiten, 
etwa 60 Referate und 30 Berichte. Naturgemäß gehört wieder die 
Mehrzahl der Arbeiten (25) der faunistischen und floristischen 
Richtung und (20) der deskriptiv systematischen an, doch haben 
wir uns bemüht, auch alle anderen Forschungsrichtungen teils 
durch Originalmitteilungen, teils durch ausführliche Referate in 
unseren Schriften zum Worte kommen zu lassen. 



390 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Den beschränkten Geldmitteln entsprechend, konnten im ab- 
gelaufenen Vereinsjahre nur drei Nummern der „Abhandlungen" zur 
Ausgabe gelangen, und zwar das 3. und 4. Heft des 2. Bandes 
und das 1. Heft des 3. Bandes. Diese Hefte enthalten die ersten 
Beiträge zur pflanzengeographischen Karte von Österreich von 
A. V. Hayek, Eber wein und Nevole und eine monographische 
Studie über die Gattung Galantlms von Gottlieb v. Tannenhain. 



Bericht des Sekretärs Dr. Fr. Vierhapper. 

Dem Umfange und der Organisation der zoologisch-bota- 
nischen Gesellschaft entsprechend kam das Vereinsleben auch im 
abgelaufenen Jahre vor allem durch die Tätigkeit der Sektionen 
zum Ausdruck. Aus den bezlighchen in den „Verhandlungen" ver- 
öffentlichten Berichten ist zu ersehen, daß sich die Gesellschaft in 
wissenschaftlicher Beziehung in den Bahnen stetigen, zielbewußten 
Fortschrittes bewegt. Die veranstalteten Diskussionsabende, Be- 
sichtigungen und Exkursionen hatten sich sehr regen Besuches 
zu erfreuen. 

Auf die Beteilung von Lehranstalten verschiedener Kategorien 
mit zoologischem und botanischem Unterrichtsmatcrialc wurde nach 
wie vor große Sorgfalt verwendet. Durch namhafte Spenden 
opferwilliger Mitglieder unterstützt, konnte die Gesellschaft wieder 
allen in dieser Hinsicht geäußerten Wünschen entsprechen. Zoolo- 
gische 01)jektc wurden von den P. T. Mitgliedern Gatnar, Grob- 
ben, Metzger, botanische von den Damen Favarger, Gerold, 
B. Handlirsch, Meißner, Witasck und von den Herren Fleisch- 
niaun, Mlillner, Ostcnneyer, licchiiigcr, Jlogenhofer, San« 
dauy sowie dem naturhistorischen llofmuseum gespendet. Ihnen 
sowie den Herren Ilandlirsch und Ostenneyer, welclie sich 
der ZuHanimcnstellnng und Ordnung der einzelnen Schulsannnlungen 
mit gewolinlcr Arbeitskraft unterzogen, sei hiermit geziemender 
Dank /iiin Ausdruck gebraclif. •\ 

Dem immer mclir sich fühlbar m;i('liend(;n liediirfnis nach 
einer Erweiterung (iicHes so wichtigen Zweiges unserer Vereins- 
tätigkeit entsprang, wie bereits der Herr Präsident in seinem 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-. 



391 



Berichte hervorgehoben hat, die Gründung- einer neuen Sektion 
für Lehrmittelangelegenheiten. Ich richte an alle Mitglieder und 
Freunde des Vereines die dringende Bitte, die Arbeiten dieser 
Sektion nach Kräften zu fördern und glaube der angenehmen 
Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß es derselben, wenn sie 
die nötige Unterstützung findet, gehngen wird, wirklich Ersprieß- 
liches im Dienste unserer Gesellschaft zu leisten. 



Bericht des Rechnungsfülirers Herrn Josef Briinntlialer. 

Einnahmen pro 1904: 



Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen und 



Eintrittstaxen 


K 


6.429 


08 


Subventionen 




3.420 


— 


Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die 








Naturalwohnung im Landhause 




5.000 


— 


Zins für den vermieteten Wohnungsteil 




840 




Verkaut von Druckschriiten und Druckersatze . . 




600 


90 


inieiessen von vv eiipapieien uuq opai Kasse- jLiniagen 




985 


io 


Sonstige Ersätze und Einnahmen 




105 


40 


Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 








pflanzengeographische Aufnahme Österreichs . 




1.000 




Summa . . 


K 18.380. 


51 


Hierzu Kassarest mit Ende 1903 




6048 


03 


Zusammen . . 


K 24.428 


54 


Ausgaben pro 1904 : 








Besoldung des Kanzlisten 


K 


1.608. 




Versicherungsprämie für den KanzUsten .... 




101. 


04 


Remunerationen und Neujahrgelder 




90. 




Gebührenäquivalent 




39. 


15 


Mietzins vom Mai 1904 bis Mai 1905 




4.200. 




Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 








richtung 




73. 


96 


Transport . . 


K 


6.112. 


15 



392 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Transport . . K 6.112.15 
Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Ge- 
sellschaftslokalitäten „ 314.72 

Kanzleierfordernisse „ 457 . 75 

Porto und Stempelgebühren „ 709.61 

Herausgabe von Druckschriften: 

„Verhandlungen" , Band LIV, 
Druck, broschieren und lUu- 

strationen K 5.103.74 

„Abhandlungen", Bd. II, 3. Heft: 
Eberwein und Hayek, 

Schladming „ 150 . — 

Bd. II, 4. Heft: Gottlieb, 

Galanthus „ 300.— „ 5.553.74 

Bücher- und Zeitschriftenankauf „ 1.475.69 

Buchbinderarbeit für die Bibhothek „ 488.85 

Honorare für Referate „ 142 . — 

Sonstige verschiedene Auslagen „ 18. — 

Auslagen für die pflanzengeographische Aufnahme 

Österreichs „ 1000. — 

Summa . . K 16.272.51 

Es verbleibt sonach am Schlüsse des Jahres 1904 ein Kassa- 
rcst in Barem von K 8156.03, welcher größtenteils bei der Ersten 
österreichischen Sparkassa hinterlegt ist. 

Ferner besitzt die Gesellschaft an Wcrt])apicrcn : 

K 200. — 3^2 70^0^ Österreichische Invesiitionsrentc, 
^ 8000.— Mai-Rente, 
„ 1100.— Juli-Rente, 
Fl. 1000.— AuguHt-Rcntc, 
„ 200.— Oklobcr-lJcntc, 
K 400. — Ungarische Kroncn-Rcntc, 
„ 'IO(K). - Wiener Vcrkclirs-Anl(!ilic, 
1 liudolfH-LoH, 
1 Clary-LoH, 



2 Aktien des „liotanischen Zentralblatt". 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 893 

A'^rzeich.nis 
der im Jahre 1904 der Gesellschaft gewährten 
Subventionen: 

Vou Sr. k. u. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef 1. K 400. — 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durch!. Herren Erz- 
herzogen : 

J^osef Karl . " . . . „ 100.— 

Eainer ,,100.— 

Eugen „ 100.— 

Friedrich „ 100.— 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern . . . . ., 80. — 
Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberlaud „ 40. — 
Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 600 . — 
Vom hohen k. k. Ackerbau-Ministerium für die pflanzen- 
geographische Aufnahme ÖsteiTeichs 1000. — 
Vom löbl. Gemeinderate der Stadt Wien 1000. — 

"Verzeichnis 

der für das Jahr 1904 geleisteten höheren Jahresbeiträge 
von ] 4 K aufwärts. 

Vom hohen k. k. Ackerbau-Ministerium K 50. — 

Von den P. T. Herren : 

Dräsche Freih. v. Wart Imberg. Dr. Richard . . . 100. — 

Liechtenstein, reg. Fürst Johann von, Durchlaucht „ 50. — 
Wettstein y. Westersheim. Dr. Pächard ...... 50.— 

Mayr, Dr. Gustav „ 50.— 

^^artsch Franz. Hofrat „ 40. — 

reindachner. Dr. Franz. Hofrat „ 40. — 

Xedwed Carl. Paszlawszkv Josef, Rothschild, 
Albert Freih. t.. Schwarzenberg, Fürst Adolf 
Josef. Durchlaucht, Entomologische Versuchs- 
station in Budapest, je „ 20. — 

Bachinger August „ 16. — 

Schnabl, Dr. Johann „ 15. — 



394 Bericht über die ordentliche Geueral -Versammlung. 

Berg, Dr. Rudolf, Middendorf Ernst, Nawaschin, 
Dr. Sergius, Rossi Ludwig, Vogel F. A., Wocke, 
Dr. M. F., je K 14.— 

Die Rechnungen wurden von den Herren Revisoren Magistrats- 
rat Dr. Fr. Spaetli und Sektionsrat Dr. L. Melicbar geprüft und 
richtig befunden. 

Hierauf wurde dem Rechnungsführer das Absolutorium erteilt. 



Bericht des Bibliothek-Komitees. 

Die Geschäfte der Bibliothek besorgten im Berichtsjahre Herr 
J. Brunnthaler und Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 
Der Zuwachs der Bibliothek im Jahre 1904 betrug: 

Ä. Zeit- und Gesellschaftsschriften: 

als Geschenke ... 2 Nummern in 2 Teilen, 
durch Tausch ... 301 „ „ 370 „ 

„ Kauf __19_ „ „__83_ „ 

Zusammen . . 322 „ „ 455 „ 

I). Einzel werke und Sonderabdrücke (einschließlich dev^ 
Rezensionsexemplare) : 

als Geschenke ... 84 Nummern in 84 Teilen, 
durch Tausch ... 106 „ 57 100 „ 

„ Kauf . . . 8_ „ „ 9_ „ 

Zusammen . . 19^5 „ „ 199 „ 

Ks wurden dcmnacli der P>ibliothck im Berichtsjalirc 520 Nuin- 
mcrn in 054 'J'cilen einverleibt. 

Vom den zugewachsenen Zeitschriften sind 10 Nummern neu. 
Als bemerkenswerte vXkfjuisitionen mögen hervorgelioben sein: 
Transactions of the Linnean Society of London. Vol. 1(1791) bis 

XVH (1830j. 

IJulletin du Mussum d'IliHtoire Naturelle de TariH. Jg. 1895—1902. 
Bulletin de la Societ«' (rilisfoire Naturelle d' Antun. Vol. 1 (1888) 
bis XVH 

AnnalcH de Micrograpliie. Jahrg. J (1888; bis X (1898). 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



395 



Die Geschenke für die Bibliothek wurden in den „Verhand- 
hiug-en" unserer Gesellschaft semestralweise ausgewiesen. Das 
i Bibhotheks-Komitee möchte jedoch auch bei dieser Gelegenheit im 
I Namen unserer Gesellschaft allen Spendern den verbindlichsten 
' Dank ausgesprochen haben. 

Verausgabt wurden für die Bibliothek insgesamt K 1964.54, 
; und zwar für Ankäufe K 1475.69 und für Buchbinderarbeiten 
K 488.85. 

Die Zuwächse der Bibliothek sind in den letzten Jahren in 
stetiger Zunahme begriffen. Die BibHothek wurde vermehrt: 
im Jahre 1900 . . . um 431 Nummern, 
„ . 1901 ... „463 
„ „ 1902 . . . „ 571 

„ 1903 . . . „ 600 „ 
„ „ 1904 . . . „ 628 
„ 1905 .. . „ 654 „ 

Dieser stetige Fortschritt ist gewiß ein erfreuliches Zeichen. 
Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß die Zuwächse noch 
beträchtlicher sein könnten und daß es möglich wäre, vielfach die 
Lücken in den Zeitschriftserien zu füllen, wenn die vermehrten, in 
ihrer Gesamtheit nicht unerheblichen Bibliotheksagenden für weitere 
Reklamationen Zeit bieten würden. Die Notwendigkeit einer Ver- 
stärkung des Bibliotheks-Komitees ist unerläßlich; ich möchte mir 
gestatten, in dieser Angelegenheit an die geehrte General -Versamm- 
lung zu appellieren und zum Eintritte in das Komitee einzuladen. 



Die Versammlung erteilt allen Funktionären das Absolutorium. 

Hierauf erfolgt die Wahl von korrespondierenden Mit- 
gliedern, und zwar der Herren: Dr. Otto Nordenskjöld (Upsala), 
Dr. John Briquet (Genf), Prof. Karl Schröter (Zürich), Prof. 
Gunuar Anderson (Stockholm), Prof. Ferd. Pax (Breslau). 

Prof. Dr. K. Grobben verliest einen von vielen Mitgliedern 
unterzeichneten Antrag auf Ernennung des Herrn Präsidenten Prof. 
Dr. Piichard R. v. Wettstein zum Ehrenmitgliede der Gesell- 
schaft. Dieser Antrag wird von der General -Versammlung mit leb- 



396 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



hafter Akklamation zum Beschkisse erhoben, worauf Prof. v. AVett- 
stein in kurzen Worten seinen Dank zum Ausdrucke bringt. 

Herr Hofrat Dr. Th. Ritter v. Weinzierl hält einen Vortrag; 
„Über die botanische Analyse von natürlichen und künst- 
lichen Wiesenbeständeu", Herr Dozent Dr. Oth. Abel einen 
Vortrag: „Über fossile Flugfische." 



Heu eingetretene Mitglieder. 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Ab solon, Dr. Kar], Prag, Karlsplatz 21 A. Handlirsch, L. Ganglbaucr. 

„ B e r g e r, Ernst, k. k. Landesgerichtsrat, 

Wien, XII./l, Tivoligasse 52 . . . A. Handlirsch, Jos. Brunnthaler. 

„ Brauns, Dr. H., Willowmore, Kap- 
kolonie, Südafrika A. Handlirsch, Dr. G. Mayr. 

Frl. Dintzl, Marie, Wien, IX./2, Alserstr. 16 Dr. 0. Pursch, Dr. A. Ginzberger. 
Herr Egcrmann, Fcrdin., Beamter, Wien, 

XVni., Karl Ludwigstraße 19 . . J. Dörfler, Dr. E. v. Halacsy. 

„ Filarszki, Dr. Ferdinand, Direktor 
der botan. Abteilung d. ung. National- 
museums in Budapest Das Sekretariat. 

„ Friese, Heinrich, Jena, Wagnergasse A. Handlirsch, Fr. Fr. Kohl. 

„ Gräfe, Dr. Viktor, Wien, L, Keichs- 

ratstraße 29 Dr. K. Linsbauer, Dr. Vicrhappcr. 

„ Halpert, Felix de, Wien, XIX., Hascn- 

auerstraße 12 Dr. v. Lorenz, Dr. Fr. Vierhappcr. 

„ Hayek, Gustav v., k.k. Regierungsrat, 

ein. Prof., Wien, IIL, Salesiauerg. 29 Dr. A. v. Hayek. 

„ Höhne), Dr. Franz Ritt, v., Professor 
an der technischen Hochschule, Wien, 

IV., KarlHplatz 13 J. Ihunnthaler, Prof. V. Schiflner. 

„ J an chen, Erwin, Wi(!n,VIll., Lederer- 

gasHO 22 Das Sekretariat. 

^ Kitt, JnliiiH,Wien, L, RciingaHse (1 (L.) Dr. A. Koli.siu), Dr. II. Hebel. 
„ Kon ig, Eduard, ]i(!lir(;r, Wien, IX. /-I, 

CanlHiuHgasKC 2 E. Keinioser, J. Vetter. 

„ Kralik, Karl, Wien, IX., Porzcllang. :{() P>r. IIand(!l-Mazz(itti, BrunutliahT. 
„ Kron(!H, HaiiH, Lclircr au der k. k. 

Militär- VolksHcliuh; in PrzcniyHl . . Das S( krelMri;it. 
Lnnner, Hugo, ProfcHsor, Wicti, II /I, 

VcreinngaHMC 21 Iom. PnmnfliaN^r, Dr. L. Linsbaucr. 



Neu eingetretene Mitglieder. 



397 



P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Linthoudt, Dr. Julius v., städt. Ober- 
arzt, Wien, V., Schöubrunnerstr. 77 Dr. A. v. Hayek, Dr. v. "Woerz. 
Löbl. Direktion des Lehrerseminars in Feld- 
kirch (Vorarlberg) Das Sekretariat. 

Herr Mal och, Franz, Bürgerschullehrer, 

Pilsen, Karlsgasse 27 „ „ 

„ Megusar, Franz, Wien, IX./l, Por- 
zellangasse 30 J. Brunnthaler, Dr. P. Kammerer, 

„ Münster, Thomas, Münzdirektor, 

Kongsberg, Norwegen L. Gangibauer, A. Schuster. 

„ Munganast, Emil, k. k. Ober-Post- 

kontrollor, Linz ....... E. Keitter, A. Handlirsch. 

„ Paska, Erwin Edler v., Sekretär des 

Österr. Lloyd, Wien, L, Freisingerg. 4 Das Sekretariat. 
P e t e r m a n n, E. Eeinh., Wien, XVIII., 
Währinger Gürtel 116 „ „ 

„ Pietschmann, Dr .Viktor, Wien, VIIL, 

Pfeilgasse 1 a A. Handlirsch, Fr. Siebenrock. 

Prinz, Johann, Ober -Inspektor der 
Nordbahn, Wien, III., Seidelgasse 34 Dr. H. Eebel, A. Handlirsch. 
Frl. Keisser, Hei., Wien, VII. /l, Burgg. 10 Dr. K. Linsbauer, Dr. Vierhapper, 
Herr Kitzberger, Engelb., Drogist, Linz J. Dörfler, Dr. Fr. Vierhapper. 

„ S a c h e r, Dr. Emanuel, k. k. Eegierungs- 

rat, Salzburg, Franz Josefstraße 23 Das Sekretariat. 

„ Sassi, Dr. Moriz, Wien, IV., Schwind- 
gasse 11 „ „ 

„ Schatzmayr, Arthur, Villach . . . L. Gangibauer, Dr. J. Müller. 

„ Schrödinger, Eud,Wien,I.,Gluckg.5 Dr. Vierhapper, Dr. Zahlbruckner. 

„ Sterneck, Dr. Jakob, k. k. Bezirks- 
Kommissär, Eger, Böhmen . . . Das Sekretariat. 

„ T h e n e n, Dr. Salvator, Advokat, Wien, 

L, Wollzeile 18 Dr. F.Vierhapper, Dr. Zederbauer, 

„ Thoma, Heinrich, k.k. Forsteleve, Görz Das Sekretariat. 

r, Wagner, Dr. Adolf, Privatdozent, 

„ Tiesenhausen, Manfred Freih. v., 

Wien, IX./2, Alserstraße 30 ... J. Brunnthaler, Dr. W. Figdor. 
Innsbruck, Mühlau, Villa Klotz . . Das Sekretariat. 

„ W i d t e r m a n n, Dr. H., Graz, Stempfer- 
gasse 1 „ 

„ Win der, Edwin, Kaufmann, Dorn- 

birn, Gemeindeplatz 4 „ „ 

Frl. Zemann, Margarethe, Wien, IV., Mayer- 
hofgasse 2 E. Janchen, A. Eogenhofer. 



398 



Ausgetretene Mitglieder. 



Ausgetretene Mitglieder. 



P. T. Herr Arrigoni, Conte, Dr. 



P. T. Frl. Kl eck 1 er Pauline. 
„ Herr Kysely Karl. 



Lübl. Benediktiner- Gymnasium in 



Ödenburg. 



Löbl . Lehrerbildungsanstalt in Pf ibram. 
P.T.Herr St ekel, Dr. Wilh. 

„ „ Tomasini, Otto R. v. 

„ „ Wang Nikolaus. 



P. T. Herr Ficker, Dr. Gustav. 



„ Heinzel, Dr. Ludwig. 



„ Kar eil, Dr. Ludwig. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 



Der Vorsitzende legt nachstehende Publikationen mit einem 
kurzen Referate vor: 

Ringham, C. T. Fauna of British India Butterfiics, Vol. L 
London, 1905. 

Spul er, Dr. A. Die Raupen der Schmetterlinge Europas. 
2. Aufl. Stuttgart, 1905. (Mit GO Tafeln.) 

Ferner verliest derselbe eine Zuschrift des Prof. P. Bachmet- 
jew aus Sophia, worin behufs Messung der frequenziellen Flügel- 
Iii nge von Aporia Craiacgi um ca. 400 Falter beiderlei Geschlechtes 
aus der Umgebung Wiens ersucht wird. 

Mehrere Sektionsmitglieder stellen die Berücksichtigung dieses 
Ansuchens in Aussicht. 

Herr Dr. Bebel macht hierauf über die ersten Stände von 
Kumera licgina Stgr. nachstehende Mitteilungen : 

Von dieser Hcliöncn fleonietride wurden bisher die ersten Sliindc 
nicht b(jkannt gemaclit, obwohl die Art bereits seit .Jaliren aus Dal- 
matien gezogen in den Handel kommt. 

Herr .\iif<m Novak in Zara halte nun die Freundbclikeit, 
mir am 11. April d, .1. vaw'v^v, 11,'iupen dieser Art zuzusenden, vvelclie 
oflViubar dem vorletzten und Icf/leii I liiutungsstadium angehörten, 
woiiacli icli (Ii«' lol^icnrlc Ijcsclircilnmg ciil vvorfcii lialx^. 



Versammlung am 5. Mai 1905. 

Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



399 



Der scharf abgesetzte, große Kopf der Raupe ist nach vorne 
etwas abgeflacht. Die Körpergestalt gedrungen, die Bauchseite 
ziemUch flach, nur mit zwei Bauchbeinpaaren, die Haut runzelig, 
sonst glatt, am Rücken des 5. Segmentes mit einem erhabenen, 
geteilten Querwulst (Höcker), auf der Höhe des 10. Segmentes mit 
zwei stärkeren Punkt warzen. Die Seitenkante zwischen dem ersten 
Bauchfußpaare und den Nachschiebern sowie der Hinterrand des 
ersten Bauch fußpaares selbst sind mit Fleischfransen besetzt. 

Die Allgemeinfärbung der Raupe ist violettgrau, zuweilen 
jedoch mehr rötlichbraun, nur der Kopf und der Rücken des 4. Seg- 
mentes zeigen stets einen mehr grauen Farbenton, wogegen das 
1. Segment immer rötlich gefärbt ist. Das 2. Segment weist an 
seinem Vorderrande ein Paar gelbliche Seitenflecke auf, die in der 
Mitte dunkelbraun durchbrochen werden. Der übrige Teil dieses 
Segmentes ist ebenfalls dunkelbraun. Dieselbe Färbung weisen 
auch die Protuberanzen aller fünf Segmente auf, die nicht immer 
gleich stark entwickelt sind, sondern zuweilen nur die Form eines 
Querwulstes besitzen. Im extremsten Falle bilden sie jedoch zwei 
seithch stark hervortretende, knorrige Höcker. Die Färbung und 
Gestalt des 6. bis 8. Segmentes ist eine gleichmäßige, von da ab 
wird die Färbung wieder dunkler bräunlich. Die Afterklappen 
bleiben heller violettgrau. Zuweilen läßt sich über die ganze Körper- 
länge die gewässerte hellgraue Begrenzung eines bräunlich aus- 
gefüllten Mittellängsstreifens verfolgen. Die Bauchseite ist violett- 
grau, die Mitte der Segmente in Form eines Querwulstes weißlichgrau. 
Letztere Färbung besitzt auch die ganze Bauchfläche vom ersten 
Bauchfußpaare ab bis zum Analende. Die Fleischfransen zwischen 
dem ersten Bauchfußpaare und den Nachschiebern sind rosafarbig. 

Die braunen, schwarz geringten Stigmen liegen jedes in einem 
grauen Stigmenfelde. Die Brustbeine sind an ihrer vorderen Außen- 
seite tief schwarz gefärbt. 

Länge der erwachsenen Raupe 40 — 45 mm. Sie lebt aus- 
schließlich auf Mandelbäumen (Ämygdaltis communis). 

Präpariert gewinnt die Raupe ein einfärbig dunkel rotbraunes 
Aussehen und wird dann bis 52 mm lang. 

Die Verpuppung erfolgt nach Mitte April in der Erde. Die 
glatte Puppe ist auffallend gedrungen, nach hinten nur schwach 



400 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



verjüngt, mit sehr starker rotbrauner Chitinliülle. Kopf und After- 
ende sind abgerundet, die Abdominalsegmente eng ineinander- 
geschoben, der Kremaster jiur mit zwei ganz kurzen Häkchen be- 
setzt. Obwohl die Flugzeit des Falters erst in den Monat September 
fällt, dürfte doch die junge Raupe überwintern. 

Der gedrungene Habitus der Raupe und Puppe ist von jenem 
der gleichen Lebensstadien bei der Gattung Ennomos weit ver- 
schieden und beweist ebenfalls die generische Verschiedenheit von 
der letztgenannten Gattung. Die erwähnten Fleischzäpfchen (welche 
bei Ennomos-Rsiü]^en vollständig fehlen) erinnern an analoge Bil- 
dungen bei Cafoca^a -Raupen oder bei der Raupe von Metrocampa 
Ilonoraria Schiff., nur daß diese Bildungen bei letzterer Art viel 
ausgebreiteter bereits vom ersten Segment ab auftreten und reicher 
differenziert sind, das heißt, noch seitliche Dornen zeigen, welche 
bei den Fleischzäpfchen der Euniera-Usaii^e kaum angedeutet sind. 

Herrn Novak sei auch an dieser Stelle für die Zusendung 
des wertvollen Materials an das Hofmuseum bestens gedankt; es 
wurde dadurch ermöglicht, eine Lücke in der Kenntnis heimischer 
Arten auszufüllen. 

Herr Dr. Rebel weist ferner ein von Herrn Anton Metzger 
dem Hofmuseum gewidmetes frisches weibliches Exemplar von Är- 
gynnis Ädippc var. Baiuvarica Spulcr^) vor. Diese schöne, auf der 
Hinterfliigelunterseite gegen die Basis und im Saumfelde tief rost- 
braun schattierte Form wurde von Herrn Metzger in dem wenig 
besuchten Wittberggraben bei Weyer (Oberösterreich) Ende Juli 1900 
im weiblichen Gcschlcchtc mehrfach angetroffen. Die Stücke stimmen 
vollständig mit bayerischen Originalstiicken aus dem Allgäu und vom 
Hohen Göll überein. An derselben Lokalität flog auch die Stammart 
von Arg. Niohe L. in einer sehr großen, stark silberfleckigen Form. 

Herr Dr. J. Fuchs demonstriert das in der vorigen Sitzung 
erwähnte verdunkelte Exemplar von Aporla Craiacgi aus der Samm- 
lung des Herrn i\. Knab. 

Das gut erhaltene Stllck ist männlichen Geschledites und voll- 
Ktändig gleichmäßig rauchscliwarz verdunkelt, also auf den Vorder- 

*) Schmetterlinge EuropjiH, .'J. Aull., S. ;U). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



401 



flügeln noch dunkler als das kürzlich besprochene weibliche Stück 
von Paternion. 

Schließlich spricht Herr Dr. Rebel über die Mutations- 
theorie. Nach Darlegung ihres wesentlichen Inhaltes wird die 
allgemeine hervorragende biologische Bedeutung der Theorie, 
namentlich für das Problem der Artbildung, hervorgehoben, ihre 
große Wertschätzung besonders in botanischen Kreisen betont und 
andererseits auch die mehr abfällige Beurteilung Plates erwähnt. 

Bei den Lepidopteren erwecken viele spontan auftretende, 
sogenannte Aberrationen den Anschein von Mutationen, allein bei 
nur wenigen derselben sind auch strukturelle Veränderungen gegen- 
über der Stammform bekannt geworden und bei keiner derselben 
ist bisher die Konstanz im Vererbungswege, welche als wesentliches 
Kriterium der Mutationen angesehen werden muß, erwiesen. 



Über die Variabilität von Colias Myrmi- 

done Esp. 

Von 

Geheim. Hofrat A. Pieszczek. 

Mit Tafel I. 
(Eingelaufen am 10. Februar 1905.) 



Literatur. 

Garbowski, Sitzungsber. der kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, 

Bd. CI, 1892, S. 903—904. 
Gärtner, Wr. Ent. Monatsschr., Bd. V, 1861, S. 306 ff. 
Keferstein, Verh. d. zool.-botan. Ges. in Wien, 1882, S. 449—458. 
Prittwitz, Stett. Ent. Zeit., 1862, S. 146. 

Rebel, Annalen des Naturh. Hofmus., Bd. XIX, 1904, S. 148—149. 
Standfuß, Handb. d. paläarkt. Großschmetterl., 1896, S. 209—210. 
Staudinger, Stett. Ent. Zeit., 1866, S. 44—50. 
Werneburg, Stett. Ent, Zeit., 1865, S. 272—288. 

Z. B. Ges. Bd. LV. 26 



402 



A. Pieszczek. 



Unter den Tagfaltern nimmt die Gattung- Colias wohl mit 
Recht eine der ersten und interessantesten Stellungen ein. Nicht 
nur die Zartheit der gelbgrünen Farben der einen Gruppe, sondern 
auch die brennende Orangefärbung der anderen machen sie zu einer 
besonderen Zierde aller Schmetterlingssammlungen. Insbesondere 
aber ist es die Merkwürdigkeit dieser Gruppe, daß bei den farbigen 
Schmetterlingen die Weibchen eine weißgelbliche oder milchige 
Färbung annehmen, ein Dichroismus, der den Forscher von jeher 
interessiert und ihn zu den mannigfachsten Mutmaßungen ange- 
regt hat. 

Unter den der Forschung zugänglichen Arten bieten das größte 
Interesse in bezug auf den Sexualdichroismus die gelbgrünen Arten 
Palaeno L., PMcomone Esp., Hyale L. und die orangefarbenen Arten 
Clirysotlieme Esp., Edusa F. und Myrmidone Esp. 

Wenn wir in Kürze zuerst die gelbgrünen Arten, und zwar 
Palaeno, Phicomone und Hyale betrachten^ so überrascht uns schon 
bei der letzteren Art die Eigentümlichkeit, daß hier die weibliche 
weiße Form manchmal die gelbliche Grundfarbe des männlichen 
Geschlechtes annimmt und so die Abart Hyale ab. Flava Husz bildet. 
Es tritt also hier nur ausnahmsweise die durch Umfärbung des 9 
erzielte Gleiclifärbigkeit beider Geschlechter ein, wogegen bei den 
orangefarbigen Arten der Monochroismus Regel und der Dichrois- 
mus sich darin äußert, daß ausnahmsweise das 9 eine albinistische 
Färbung gewinnt. 

Unter den farbigen Colias -Arten interessiert uns schon näher 
Chrysothcme Esp., bei welcher immer die gelbe Form der 9 die 
herrschende ist. Auch diese zeigt bei lichteren Stücken eine hell- 
gelbere Färbung, llngo May in Wien hat sich in seiner Abhand- 
lung im V. .lalircsbcriclit des Wr. Entomol. Vereins,' 1894, S. 41 aus- 
fülirliclicr iil)cr seine genauen Reobachtungcn und die ziemlich 
scliwierigcn, aber gelungenen Zuclitversuche geäußert. Es gelang 
ihm die Zuclit aus dem Ei und er hat die Lebensweise der Raupe, 
die V('.rpuj)|)ung und Entwicklung bis zum Falter aufs genaueste 
verfolgen können. Dabei fand er den Unterschied der Generationen 
namentlich in dem sonst stark variierenden weiblichen Geschleclite 
sehr gering. Die FrilliJahrKgen(;ration fiel etwas kleiner aus, zeigte 
aber alle Abstufungen der zweiten Generation. Von verschiedenen 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



403 



L'bergäDgen bat er einige vortreffliche Abbildungen verfertigen 
lassen. Eine weiße Aberration des C/^f^/so^/^me -Weibchens konnte 
er jedoch nicht erlangen. 

In letzterer Hinsicht sind uns besonders die Arten EdUsa und 
Jlyrmiclone dadurch interessant^ daß bei ihnen die $ in orangener 
und in weißer Form auftreten. Da beide (7o^ias -Arten in unseren 
Gegenden heimisch sind und ihre Entwicklungsgeschichte uns nicht 
unbekannt geblieben ist (siehe weiter unten Gärtner und Pritt- 
witz), so haben sie naturgemäß zu mancherlei Vermutungen Anlaß 
gegeben, welche schließlich zur Annahme weit zurückliegender Ur- 
formen geführt haben. 

Von Edusa ist die ins Weiße übergehende ab. Helicina und 
die rein weiße Form ab. Heiice schon länger bekannt, obwohl sie 
immer nur vereinzelt und verhältnismäßig selten gefangen werden. 

Mit 3£yrmidone und seinen Abarten habe ich mich aber, durch 
besondere Umstände begünstigt^ gründlicher befassen können. Daher 
sollen die auf diesem Gebiete von mir gesammelten Erfahrungen 
der Gegenstand der vorliegenden Abhandlung sein. 

Im allgemeinen ist über letztere interessante Art mit ihren 
Abarten wenig geschrieben worden. Alle Anzeichen weisen darauf 
hin, daß von den Abarten bisher nur wenige und einzelne Tiere 
gefunden worden sind. 

Nur die Stammform ist häufig in den größeren Werken und 
Handbüchern abgebildet; eine Wiedergabe der echten Aberration 
Alba hat meines Wissens bis jetzt noch nicht stattgefunden. Die 
bei Herrich-Schäffer, Fig. 393, wiedergegebene Aberration von 
Myrmidone 9 dürfte nur als Übergang zu derselben zu betrachten 
sein. Sie sieht der hier auf Taf. I abgebildeten Fig. 5 ähnUch. 
Die Vorderflügel sind anscheinend gut wiedergegeben, der Grund- 
ton der Hinterflügel aber, der im allgemeinen in den Eandflecken 
besonders scharf hervortreten soll, ist auf dem Bilde in einer blau- 
grünen Farbe dargestellt, die in Wirklichkeit bei dem Stück wohl 
nicht vorgekommen sein dürfte. 

Forstmeister Werneburg, Gerichtsrat Keferstein und Dr. 
Staudinger liefern in ihren eingangs aufgeführten Aufsätzen aus 
den Sechzigerjahren trefi"liche systematische Arbeiten über die 
Gattung Colias, welche aber in den Rahmen des vorhegenden 

26* 



404 



A. Pieszczek. 



Themas nicht hineinpassen. Aus ihren Arbeiten ersehen wir aber, 
daß allen diesen Herren die Abarten der Myrmidone entweder noch 
ganz unbekannt geblieben sind, oder sie führen sie ganz neben-, 
sächlich an. Werneburg nennt die seltene weiße weibliche Form 
derselben eine „Ausartung" und Staudinger spricht zwar (1. c, S. 48) 
von weißen Weibchen der Colias Edusa und Ilyrmidone, führt die- 
selben aber nicht als selbständige Kategorien auf. 

Gärtner und Prittwitz geben ein bemerkenswertes Bild der 
Entwicklungsstadien dieser Arten. Hierbei ziehen sie aber auch 
nur die orangefarbenen Tiere in den Kreis ihrer Beobachtungen. 

In der 2. Auflage des Kataloges von Dr. St au ding er und | 
Dr. Wocke vom Jahre 1871, welcher so lange Jahre als einzige 
Hilfsquelle diente, steht diese Form kurz als weiße dimorphe i 
Abart aufgeführt; auch Fritz Rtihl bringt sie in seinem 1. Bände l 
der „Paläarkti sehen Großschmetterlinge und ihre Naturgeschichte", 
1895, S. 162, nur mit der einfachen Bezeichnung: „ab. alba 9, 
eine weibliche weiße Form." 

Erst Dr. Standfuß bespricht in seiner hochinteressanten Arbeit: \ 
„Handbuch der paUiarktischen Großschmetterlingc", die im Jahre 
1896 eine neue Auflage erfahren hat, S. 209 und 210 die Eigen-; 
tümliclikeit des Dimorphismus der farbigen Cö^ias -Weibchen aus-; 
fuhrlicher. Ich bringe diese Stelle wegen der darin aufgestellten j 
interessanten Hypothesen im Wortlaut.^) | 

Derselbe sagt: „Weiter wechselt Gelb und Weiß bei vielen' 
C'o^ias -Arten, und zwar tritt in diesem Genus dieser Umschlag in 
Weiß auch dann oft genug noch auf, wenn die Art regulärerweise 
das brciiiieiidste Orange zeigt. Ebenso findet sich andererseits l)ei 
den Coliadcii auch weiß normal durch gelb als Ausnahme ersetzt. 

„Auch hier dürfte sich eine bestimmte Aufeinanderfolge gewisser | 
Farben hei cin^''('h(;ndcre]n Studium sicher nachweisen hissen. i 

„Die C(»lia(k;n scheinen ursprünglich eine weiße Grundfarbe 
bcKCHKcn zn haben, wie sohthe sehr viele verwandte Pieridcn noch 
heute aufweisen. Nur die der ('oliaH var. Lapponka Stgr. von 

') \V(}rtIi('Ii(; Wicdcixulx! (Üt Ixitrcinniidcn Aulonüi vcufolgt lodi^Hich 
(N'fi /weck, iU'W \!^vv\\\\{'M Ii('H(!rn, vvclclic, IiifcrcHHc ;im vr>rli('(;'(ui(l(!r Arbeit 
in:limcii, da» IH.Hti^'o NaoliHchlu^^cn v.w (;rH|)arcii. 



über die Variabilität von Colias Myi-midoiie Esp. 



405 



Palaeno L. besitzen in den lichtesten Individuen gegenwärtig noch 
eine annähernd weiße Grundfarbe. Dagegen zeigen eine fast weiße 
Grundfarbe eine ganze Anzahl Coliaden im weiblichen Geschlechte: 
Palaeno L., Antlmjale Hb., Nastes B., Fhicomone Esp., Melinos Ev., 
Eyale L., Skversi Gr. Grsch. etc. 

„Aus diesem weißen, primären Typus gingen die männlichen 
Individuen vieler Arten in einen gelben oder gelblichen über, so 
z. B. die der ebengenannten wie noch anderer Spezies, so auch die 
der sehr bekannten südrussischen Erate Esp. Sehr wohl denkbar 
ist es aber auch, daß sich ein Teil dieser Arten von vorneherein in 
gelber, männlicher Form von einem im männlichen Geschlecht be- 
reits gelb gewordenen Typus abgezweigt hat. Diesem erworbenen 
gelben Charakter der Männchen folgten dann (so z. B. Erate) oder 
folgen gerade gegenwärtig (Palaeno ab. Werdandi H.-S., Hyale Q etc.) 
die Weibchen. 

„Der gelbe Typus gestaltete sich dann weiter in einen gelb- 
roten, also orangefarbenen um. Am besten läßt sich diese Umge- 
staltung in vielerlei Zwischenformen an ab. Helichta Ld. von Erate 
Esp. verfolgen. Uberwiegend aber scheint diese Verschie- 
bung sprungweise erfolgt und mit spezifischer Scheidung, also 
mit der Bildung neuer Arten, Hand in Hand gegangen zu sein: 
Edusa F., Myrmidone Esp., Olga Roman., var. Lihanotica Ld., Äuro^^a 
Esp. etc. Die Weibchen dieser Arten nahmen die gelbrote Grund- 
farbe wohl erhebhch später an als die männlichen Individuen und 
gingen mit großem Sprung, indem eine gelbe Zwischenstufe, 
wie es scheint, ganz wegfiel, aus der weißen Form direkt 
in die orangefarbene über. Die sich bei diesen und an- 
deren gelbroten Arten ausnahmsweise findenden weißen 
Weibchen müßten darnach als die ursprünglicheren weib- 
lichen Typen und mithin als Rückschlagformen be- 
trachtet werden. 

„MögUch ist es auch, daß sich bei gewissen dieser Arten 
ebenso die Männchen durch den gleichen großen Sprung von weiß 
m orange in weiter zurückliegenden Zeitepochen umgestalteten oder 
in späteren Epochen bereits orangefarben von anderen im männ- 
lichen Geschlechte schon in diesem Sinne umgefärbten Arten mit 
spezifischer Scheidung ablösten. Weiße männliche Individuen der 



406 



A. Pieszczek. 



fraglichen Spezies sind wohl nicht bekannt, gelbe und meist nicht 
sehr charakteristische nm* von wenigen Arten." 

Nähere Angaben über ein häufigeres Vorkommen der Abarten 
der C. Myrmidone in Galizien machte im Jahre 1892 der jetzige 
Professor Dr. Thad. Garbo wski in Krakau in seiner größeren 
Arbeit: „Die Lepidopterenfauna Galiziens", welche in den Sitzungs- 
berichten der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, Bd. CI, 
veröffentlicht worden ist. Derselbe konstatiert unter den dort ge- 
fangenen Exemplaren vor allem diejenige gelbe Abart, welche er 
als ab. Flavescens aufstellt. Leider fehlt diesem Aufsatze eine 
Abbildung derselben. Um sich ein Bild dieser Variation zu machen, 
ist es deshalb nötig, ihre Beschreibung seitens des Autors hier 
wörtlich wiederzugeben. 

Derselbe sagt darüber S. 903 — 904: j^Colias Myrmidone F. 
Fliegt jährlich bei Lemberg, besonders in Holosko und Brzucho- 
wice; die erste Generation sehr spärlich. Auch an anderen Orten 
habe ich sie gefangen, z. B. an dürren Sandflächen bei Szklo. 

,^Colias ab. (9) Älha Stgr. Sehr lokal und einzeln; nur in 
besonders heißen Jahren zahlreicher unter den $ der zweiten Gene- 
ration; Brzuchowice, Holosko, bei dem Promenadewäldchen Pohu- 
lanka, Mitte Juli bis Ende August. Ab. Älha aus Steiermark (im 
Wiener Ilofmuscum) sieht anders aus als die galizische; sie ist viel 
kleiner, die schwarze Kandbindc der Vorderflügcl ist blasser, mehr 
ausgebreitet und verwaschen, die Flügelbasis sehr stark grau be- 
stäubt. Galizische Alben sehen der ab. (9) IfcUce IIb. sehr ähnlich, 
nur ist die Ivandbiiide verschmälert, ihre Flecke sind zahlreicher, 
die llinterllUgel viel heller, mit größeren und kantigeren Rand- 
flecken, die zentrale Makel an der Unterseite der Vordcrilügel nicht 
gekernt und die mit dem Saume parallele Fleckcnreihe nur schwach 
entwickelt. Bei manchen Stücken verschwinden die weißen Flecke 
der Han(ll)iii(i(' fast gänzlich. Keferstein kennt sie unter den 
wcißgelhen V der (hlias-Arim nicht. 

^(yoliaa ab. FaUidai^ Stdgr.V Ahcirratio Flavescens gehört zu 
den KcltenHtcn Myrniidom-Forman, die wir hier beobachtet liabcn; 
nie fliegt an WahiwicHcn, zwiHchen lloloHko und llzc^sna an (hjUsus 
Hpec. (niclit n'ujricans; vctr^H. die iÜologic in der Wr. Fnt. Monats- 
Hclir.), Sparlium und anderen J'apilionaceen, au(;h an Kleefeldern. 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



407 



Die Farbe der Oberseite hält die Mitte zwischen der ab. Alba und 
der Hauptrasse und ist einigen Banater Weibchen im Wiener Hof- 
museum recht ähnlich, bei welchen die graue Bestäubung der 
Hinterflügel fast gänzlich verschwindet. Sie dürfte der ab. Fallida 
in Staudingers Listen entsprechen, die ich nicht kenne. Falls 
auch die Fallida noch nicht beschrieben wurde, dann möchte ich 
diese weißgelbe, von der Alba ganz abweichende Form als ab. 
Flavescens mihi aufstellen. 

,,Colias hybr. Mijrmidone 9 xHyale d (^h-Alha). Von Watzka 
Mitte Juli 1888 auf Brachen zwischen Rz^sna und Brzuchowice 
aufgefunden. Von der Größe eines kleinen Hi/ale L., die Rand- 
binde entsprach derjenigen bei Mijrmidone 9; die Grundfarbe war 
blaßgelb. Collectio Wiskott in Breslau. Es ist hervorzuheben, daß 
nach der zitierten Monographie von Kef er stein (S. 451, 452, 457) 
Mijrmidone und Hyale zu ganz verschiedenen Gruppen der Gattung 
Colias gehören. 

^^Colias hybr. (?) Edusa F. X Myrmidone Esp. Dieses im 
Juli 1878 neben einem Kleefelde bei Jaroslau gefangene Exemplar 
ist habituell mit der Her rieh- Schäff er sehen ab. Helena sehr ver- 
wandt; die Größe und der breite schwarze Außenrand entspricht 
der Edusa, die flammende Grundfarbe der Myrmidone. Collectio 
Wiskott in Breslau." 

Inzwischen gelangte im Jahre 1901 die langersehnte neue 
Auflage des „Katalog der Lepidopteren des paläarktischen Faunen- 
gebietes" von Dr. Staudinger und Dr. Rebel zur Veröffentlichung, 
welche seither allen Entomologen ein höchst willkommenes und 
unentbehrliches Hülfs- und Nachschlagebuch geworden ist. 

Hierin finden wir den Stand der Myrmidone und ihrer Abarten, 
wie folgt, aufgeführt: 

114. Mijrmidone Esp. 

a) ab. 9 (dimorph.) Alba Stgr. 
a^^) ab. 9 Flavescens Garbowski. 

b) var. ErmaJvi (Ermak). 

c) var. Falcanica Rbl. 

Von ab. Ermahi existiert keine Abbildung. Sie ist doppelt 
so groß wie unsere Myrmidone und kann schon wegen ihrer Größe 
selbst nicht mit der folgenden Form Balcanica verglichen werden. 



408 



A. Pieszczek. 



Hinsichtlich dieser letzteren, in Bosnien und der Herzegowina 
auftretenden montanen Form der C. Myrtnidone Esp. hat sich Herr 
Prof. Rebel zuerst in der Versammlung der Sektion für Lepido- 
pterolog'ie der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien am 
1. Februar 1901 (vgl. diese „Verhandlungen", Bd. LI, S. 134) ge- 
äußert. Dieselbe weist durch ihre bedeutendere Größe, tiefere Färbung 
und das besonders häufige Auftreten der weißgefärbten weibHchen 
Form starke Anklänge an Colias Caucasica St. (Olga Rom.) auf. 

In einer neueren Arbeit: „Studien über die Lepidopterenfauna 
der Balkanländer, IL", welche im XIX. Band der Annalen des 
Naturhist. Hofmuseunis veröffentlicht worden ist, bespricht Prof. 
Rebel auf S. 148 — 149 diese Art ausführlicher. Nachstehend die 
wörtliche Wiedergabe der hierauf bezüglichen Auslassung: 

„17. Colias Myrmidone Esp. var. Balcanica Rbl., Cat, ed. III, 
p. 250, Nr. 114c. — Apfelb., Verz., p. 192, Nr. 14. — Nich., I, 
p. 6, 8; II, p. 144, 146. — Rbl., Stud., I, p. 162, Nr. 20. — Taf. 4, 
Fig. 1—8. 

„Eine der wenigen charakteristischen Balkanformen des Gebie- 
tes, welche ausschließlich als Gebirgsbewohnerin in Höhen zwischen 
UoO — 1600 m an einzelnen beschränkten Lokalitäten aufgefunden 
wurde. Flugzeit Juli, auf Bergwiesen. 

„Trebevi(^, in unmittelbarer Nähe des Schutzhauses in ca. 
IGOO m Seehöhe häufig (Apfelb., Nich.^ Rbl. etc.), Romanja 
planina (Apfelb.), Semeö planina (Apfelb.), KaHnovik (ca. 1150 
Schrcitt., Rbl., 19. Juli '03) und Vucija bara bei Gacko (häufig, 
Nich., Rbl.). 

„Diese schöne Gebirgsform unterscheidet sich von typischen 
Myrmidone schon im männlichen Gcschlechte durch bedeutendere 
(lri»ßc (cT 25—28 mm, 9 28—30 mm Vordcrllligcllängc) und viel 
tiefere und lebhaftere Orangcfärbung, die auf den llinterllligc^ln zu- 
weilen einen scli wachen violetten Schiller gewinnt, im weiblichen 
aber überdicH durch einen regelmäßig auftretenden I)im()r])hismus. 
Das V kommt nämlich entweder in der tiefen Orangefärhuiig der 
r/* vor, o(l(;r aber mit weißlicher Grundfarbe, welche viel blasser 
alH bei der miff(!l(MiropäiKclien ab. y\lh(i, Sfgr. ist, wo sie gewcylinlich 
eiiHMi Htark(;n Stich ins (J(;lhliclic aufweist. Der l'rozentsatz, in 
wcleh(;m die weißen weiblichen Individuen auftreten, ist 



über die Variabilität von Colias Myi-midone Esp. 



409 



nach den vorliegenden Beobachtungen an den beiden 
Hauptflugplätzen ein verschiedener. Während am Trebevic 
die orangegelbe Form des 9 vorherrscht und nur ca. 30% 
der weiblichen Individuen weiß gefärbt sind, waren nach 
meinen Beobachtungen in der Vucija bara (19. und 20. Juli 
'00) beide weiblichen Formen dort zum mindesten in 
gleicher Anzahl vertreten. 

,,Innerhalb beider weiblicher Formen variiert der Fal- 
ter beträchtlich. Die beigegebenen Abbildungen bringen einige 
weibliche Falter zur Darstellung^ wovon Nr. 2 als die normale gelbe 
und Nr. 5 als die normale weiße Form angesehen werden können. 
Beide Stücke stammen aus der Vucija bara. 

„Die schwarze Saumbinde wird zuweilen bei zunehmender 
Tiefe der orangegelben Grundfarbe sehr breit, wogegen die darin 
stehenden hellgelben Marginalflecke stark reduziert erscheinen. Die 
Mittelflecke aller Flügel sind dabei auffallend groß, jener der Hinter- 
flügel tief orangerot. Das abgebildete Stück wurde in der Vucija 
bara von mir erbeutet. 

„Eine analoge Aberration bei weißer Grundfarbe stammt eben- 
falls aus der Vucija bara. Hier verbreitert sich die schwarze Saum- 
binde der Hinterflügel bis zu dem zitrongelben Mittelfleck. Auch 
die Saumbinde der Vorderflügel ist im Apikalteile ausnehmend breit. 
Einen Übergang bildet Fig. 6 ebendaher. 

„Im Gegensatze dazu steht ein ganz frisches albinistisches 
Exemplar ebendaher, welches bei sehr blasser Grundfarbe der Flügel 
auch den Mittelfleck der Hintei-flügel gelbhchweiß zeigt. Die Unter- 
seite der Hinterflügel wie der Apikaiteil der Vorderflügel sind statt 
zitrongelb auffallend blaß grünlichweiß. 

„Ein weiters abgebildetes Stück wurde von Mrs. Nicholl 
anfangs Juli '98 auf dem Trebeviö erbeutet und dem Landesmuseum 
in Sarajevo als Geschenk überlassen. Es stellt eine gewiß sehr 
seltene Individualaberration der weißen weiblichen Form dar, bei 
welcher der Diskus der Vorderflügel schön orangegelb angeflogen 
/ist. Ganz analog ist die Edusa ab. Ätthuissoni Carad. 

„Außerhalb der Okkupationsländer wurde Myrmidone var. 
Balcanica nur noch in Montenegro (Durmitorgebiet und Tara gorge, 
Nich. 'Ol) und in Bulgarien (Rilo und Rhodope) gefunden." 



410 



A. Pieszczek. 



Manches Beachtenswerte schöpfen wir immerhin aus der 
Literatur der letzten Jahre. In der Hauptsache ist es die Hypothese 
des Dr. Standfuß, daß die dimorphe weiße Form der Cö^ias -Arten 
als eine Urform anzusehen ist. 

Ein direkter Nachweis der Richtigkeit dieser Annahme konnte 
aber bei dem Mangel an nötigem Material bisher nicht erbracht 
werden. Die äußerst seltenen Stücke, zumal aus ganz verschiedenen 
Gegenden, konnten nicht als Grundlage zu einer so weitgehenden 
Mutmaßung dienen. 

Alle Nachforschungen nach dem vorhandenen Material bestä- 
tigen das seltene Vorkommen dieser Abart. In früheren Jahren 
soll sie in den alpinen Gegenden Österreichs, wo auch die Stamm- 
form häufiger fliegt, hin und wieder unter derselben gefunden worden 
sein. Auch in der Wiener Gegend, die schon einen bergigen Cha- 
rakter hat, wurde sie vor Jahrzehnten öfter gefangen. Das gleiche 
gilt von Mödling, der unerschöpflichen Fangstelle in der Nähe Wiens, 
wo in den letzten Jahren doch noch einige Exemplare erbeutet 
wurden. Verschiedene dieser älteren Stücke befinden sich im Natur- 
historischen Hofmuseum in Wien, darunter ein Stück aus Deutsch- 
Landsberg in Steiermark. 

Auch ich habe in dieser Gegend Nachfrage gehalten und unser 
Sammclfreund Apotheker Rudolf Klos in Stainz bei Graz, welcher 
die dortige Gegend genau kennt und exploitiert, hat mir wie folgt 
berichtet: 

Die (JoUas Myrmidone fliegt auch dort nicht besonders häufig. 
Aberrationen davon wurden nur wenige dort erbeutet, was bei dem 
sonstigen s])ärlichcn Auftreten der Stammform nur zu erklärlich ist. 
Auch die gelbliche Form (Fig. 5) befand sieb darunter. Die Wiener 
Stücke sind im Vergleich zu denselben lichter, zeichnungsärmer 
und wenig prägnant. Auch ist die Form aus Untersteier größer. 
Vcrcinz(;lte Stücke wurden ebenfalls in Murck und in Graz in der 
Ünigcgcnd des llilincrleiclics erbeutet. 

Iii (i;ili/jcii koninicn nach Trof. (Inrbowskis licncht diese 
Abarten häufiger vor, docli scheinen aucli diese Funde nicht be- 
deutend genug gewesen zu sein, um daniufliin die Hicliiigkeit der 
llypotlicHc des Dr. Standfuß nacliweiscn zu können. 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



411 



Prof. Rebel bringt uns nun die erste Kunde von einem 
häufigeren Vorkommen der weißen weiblichen Form JBalcanica in 
den Balkanländern. Er war sogar durch seine an Ort und Stelle 
gemachten Beobachtungen in der Lage, den Prozentsatz, in welchem 
die weißen weiblichen Individuen vorkommen, genauer zu präzi- 
sieren. 

Fritz Wagner (Wien) berichtet in seinen Arbeiten (Beitrag 
zur Lepidopterenfauna von Kärnten, VI. Jahresber. des Wr. Entom. 
Vereins, 1895, S. 41, und in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1900, 
S. 527), daß er in Kärnten verschiedene Exemplare der Form Älha 
von Myrmidone und der Helice von Edusa gefangen habe und kntipft 
hieran die Bemerkung, daß das Vorkommen von typischen $ der 
Myrmidone in dortiger Gegend ihm ein selteneres zu sein schiene. 
Er lenkte, um dies zu konstatieren, seine ganze Aufmerksamkeit 
auf diesen Umstand und es gelang ihm doch nur ein einziges nor- 
males $ zu erbeuten, während er von der ab. Alba Stgr. mehrere 
Exemplare fing. 

Unter den vorstehend angeführten Umständen muß unser In- 
teresse aufs äußerste erweckt werden, wenn wir erfahren, daß es 
in Österreich, in einem noch nördlicher gelegenen Gebiet, auch noch 
Gegenden gibt, wo diese vorher erwähnte Urform der Colias -Axt 
zum Teile noch besteht, d. h. wo die weiße weibliche Form dieser 
Art noch die vorherrschende ist. 

Eine solche Gegend, welche bisher von den entomologischen 
Sammlern wenig besucht worden ist, ist das Murtal in Nordsteier- 
mark zwischen Unzmarkt und St. Michael, welches den sogenannten 
Murwald von Judenburg bis Zeltweg umschließt. Dieses breite und 
fruchtbare Tal, welches die Städte Judenburg und Knittelfeld (in 
der Nähe des letzteren Sekkau), die Märkte Zeltweg und Weiß- 
kirchen umfaßt, erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten in 
einer Länge von ca. 52 hn und einer Breite von 1 ^j^ — 2 Stunden. 
Es wird von der Staatsbahn durchschnitten. Die Talsohle senkt 
sich von 732 m Höhe (Unzmarkt) auf 596 m (St. Michael), also um 
ca. 138 m. Die Mur, die hier schon ziemlich tief ist, fließt in ge- 
wundenem Laufe bald reißend, bald in ruhigem, stillem Flusse, der 
, durch seine unergründlichen Tiefen und Wirbel gefährlich ist. Die 
Mur hat sich in dem oberen Teile dieses Talabschnittes ein tiefes 



412 



A. Pieszczek. 



Bett mit steilen Ufern gegraben, welches sich jedoch in seinem 
Laufe gegen St. Michael hin verflacht. Von allen Seiten wird dieses 
bedeutende Terrain, welches bei Knittelfeld seine größte Breite er- 
reicht, durch mächtige Alpenketten umschlossen, deren Spitzen eine 
Höhe von ca. 2400 m erreichen. Im Norden erheben sich hinter 
dem niederen Sekkauer Höhenzug die Rottenmanner Tauern, ein 
Teil der niederen Tauern, die sich in ihrer ganzen Länge im Norden 
längs der Mur erstrecken. Im Süden dagegen laufen nur die Glein- 
und die Stubalpe parallel der Mur, die nun folgenden Gebirgszüge 
dagegen senkrecht zur Mur, mithin ergeben sie eine Anzahl Quer- 
täler, in denen Straßen und Eisenbahnen nach Süden in das 
Kärntnerland führen. Während die nördlich der Mur liegenden 
Alpen aus krystallinischen Schiefern, durchsetzt von Kalk und Ser- 
pentin, bestehen, sind die südlich gelegenen Gebirgszüge aus Gneis 
und Glimmerschiefer aufgebaut. Es bestehen also in der Zusammen- 
setzung der Berge große Unterschiede, die sich hauptsächlich in 
der Form der Gebirge äußern. Während die niederen Tauern in 
schroffen steilen Spitzen und Zacken in die Höhe streben, erheben 
sich die unter dem gemeinsamen Namen der norischen Alpen zu- 
sammengefaßten südlichen Höhenzüge in sanften runden Linien in 
die Lüfte. 

Das Klima ist, der ziemlich hohen Lage und den naheliegenden 
Alpcnkettcn entsprechend, ein alpines und zu Zeiten recht rauhes. 
Die Kälte tritt frühzeitig oft rasch und unerwartet ein und Schnee 
und Eis bleiben nanicntüch auf der Nordscite der Berge bis sjiät 
in das Frühjahr hinein liegen. Auch in den Vorbergen herrschen 
gleiche Temperaturverhältnisse, die durch mancherlei Umstände bc 
günstigt werden. Einerseits sind die hohen Alpcnkettcn durch den 
Unverstand der Bcvr)lkerung vor langen Jahren von Wald ho ent- 
blößt worden, daß lientzntage an eine Außorstung nicht zu denken 
ist, denn die rauhen Winde unterdrücken jeden Baumwuchs. Ferner 
ist die T(^rriperatnr durch den WasHcrreichtum des Murtales hedeu- 
tend gesunken. Nur in den niederen Vorhergen herrscht schimer, 
hocliKtämmiger Wald. Die große Ausdehnung dieser Wälder hat 
das Eniporkoninien von W;ildd<)rfern verhindert und so ßndcn wir 
überall die einzelnen (»ehöfte stundenweit in den iiergen zc^rstreut. . 
liingH um die Höfe sind Strecken Landes bebaut, der Wald wechselt 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



413 



mit Getreide- und Kleefeldern und Wiesen ab. Auch an großen, 
weitgedelmten Schlägen ist kein Mangel. Gerade diese Gegenden 
sind für den Sammler ein wahres Eldorado, zumal da diese wald- 
freien Stellen trotz ihres üppigen Pflanzenwuchses genug trockene 
Standplätze besitzen, wo die verschiedensten Arten der Tagfalter 
ihr Fluggebiet haben. 

Hier wächst überall in Menge die genügsame Pflanze Cytisus 
Uflortis, welche der Raupe von Colias Myrmidone als Futter dient. 
An diesen Standplätzen nun finden wir diesen schönen Falter mit 
allen seinen Abarten ziemlich zahlreich vor. Daher habe ich während 
meines nunmehr siebenjährigen Sommeraufenthaltes in Judenburg 
unter diesen günstigen Verhältnissen reichliche Ausbeute an solchen 
Faltern gehabt. Besonders habe ich die Abarten beachtet und bin 
dadurch in den Besitz zahlreicher Abstufungen der Aberration Alba, 
sowohl der ersten wie der zweiten Generation, aus den verschie- 
denen Jahrgängen gelangt. 

Erwähnenswert möchte ich noch den Umstand bezeichnen, 
daß diese Tiere selbst in denjenigen dortigen Gegenden vorkommen, 
wo der lästige und schwere Rauch von den Bergwerken und Hütten 
von Pohnsdorf und Zeltweg zeitweise das ganze Tal bedeckt. Wenn 
derselbe allerdings seinen Abzug talabwärts findet und die Höhen- 
züge selbst wenig belästigt, so scheint die schlechte Luft fast gar' 
keinen Einfluß auf das Lebewesen dieser schönen Falter auszuüben. 
Denn gerade in diesen Gegenden sind von mir die schönsten Spiel- 
arten erbeutet worden. 

Hierbei machte auch ich die Erfahrung, daß genannte Aber- 
ration in der ersten Generation, welche dort in den Monaten Mai, 
Juni bis Anfang JuK fliegt, verhältnismäßig nicht sehr stark ver- 
treten ist, wie denn auch die orangene Form in geringerer Indi- 
viduenzahl auftritt. Hieran mögen wohl die schwankenden Tempe- 
raturverhältnisse, die oft plötzlich eintretende große Kälte und die 
ergiebigen Schneefälle Schuld tragen. In dieser Zeit ist es auch 
ziemlich schwer, den Falter in reinen Exemplaren zu erhalten. 

Die Falter selbst sind, vergHchen mit der zweiten Generation, 
im Durchschnitt etwas kleiner, weisen aber dieselbe Variabilität auf. 

Fig. 7 der beigegebeneu Tafel stellt ein derartiges Exemplar 
der ersten Generation vom Jahre 1904 vor. Auch Fig. 4 ist ein 



414 



A. Pieszczek. 



Vertreter dieser Generation und dürfte zu den seltensten Abarten, 
die überbaupt gefunden worden sind, zäblen. 

In der zweiten Generation, welcbe durcbscbnittlicb Ende August 
bis zum Schluß September und, wie auch von anderen Orten be- 
kannt, weit häufiger fliegt, finden wir alle Variationen mit vielen 
Abstufungen vertreten, so daß wir uns ein anschauHches Bild von 
der Entwicklung des Tieres machen können. 

Die Angabe Prof. Garbowskis, daß in Galizien die weißen 9 
von Colias 3Iyrmidone in den heißen Jahren häufiger vorkommen, 
stimmt nicht recht für die steierischen Alpen. Hier waren nach 
meiner Beobachtung gerade die normalen Jahre, so das Jahr 1900, 
für die Entwicklung dieser Abart die günstigsten. Der letzte besonders 
heiße Sommer brachte einen ziemlich mittelmäßigen Erfolg, ebenso 
wie bei allen Tagfaltern, welche gerade in dieser außergewöhnlich 
heißen Temperatur eine besonders kurze Flugzeit hatten. Dagegen 
waren wiederum alle Abstufungen vertreten. Als auffällig möchte 
ich bemerken, daß ich in diesem Jahre schon am 29. Juli die erste 
Älha gefangen habe, lange bevor sich die ersten orangencn cf 
zeigten. 

Schon in einem Vortrage in der Sektion für Lepidopterologie 
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft am 6. Dezember 1901 
(vide Bd. LH, Jahrg. 1902, S. 9 — 12) habe ich auf das bemerkens- 
werte Auftreten der weiblichen Aberration Alha Stgr. und auf das 
sehr starke Variieren an Größe und Färbung hingewiesen. Letztere 
ist bald rein weiß, bald gelblich (ab. Flavcscens Garbowski) und 
zitronengelb; der Diskus der wcißgclben Vordcrflügcl ist zuweilen 
lebhaft rötlich, manchmal sind die Hintcrflügel sehr dunkel. 

Angesichts dieses mir vorliegenden reichhaltigen Materials, 
welches aus ein und derselben Gegend stammt, kann ich aber 
der vorher angeführten An nähme des Prof. Siandfuß nicht 
zustimmen, daß Myrmidonc a'in i)l()tzlicher Si)rung von 
der weißen zur orangenen Färbung stattgefunden bat. 

Ich linde bei den vielen von mir gefangenen Exemplaren dieser 
Al)art HO zaiilreielie allniiililicli(; Übergänge im Kobn'it, daß ich siclicr 
annehmen muß, di(^ weiße; Form habe sieh erst mich und nach zur 
orangeneu umgebildet. 



I 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 

Hierbei dürfte nochmals darauf hinzuweisen sein, daß auch 
Prof. Garbo wski schon früher die strohgelbe Form in Galizien 
entdeckte und sie „Flavescens" benannte. 

Nunmehr habe ich aus dem mir vorliegenden reichhaltigen 
Material die prägnantesten Stücke ausgewählt und führe sie nach- 
stehend den geehrten Lesern im Bilde und in der Beschreibung 
vor Augen. 

Um die Abarten besser hervortreten zu lassen, habe ich ein 
Stück der Stammform dieser Gegend an erster Stelle (Fig. 1) bild- 
lich darstellen lassen, welches den Flachlandtieren in der Färbung 
am nächsten steht. Die Mehrzahl der alpinen Stücke hat indessen 
ein viel brennenderes Orange und weist oft eine derartige Ver- 
dunkelung an der Wurzel der Vorderflügel und auf den ganzen 
Hinterflügeln auf, daß sie fast der in Fig. 8 dargestellten Abart 
gleichkommen. Zudem zeigen die in den höheren Fluggebieten 
gefangenen männlichen Exemplare oft einen intensiven violetten 
Schiller, der an jenen der Äpatura -Arien erinnert. 

Bei Betrachtung der hier beigegebenen Tafel bemerken wir 
sofort, daß wir zwei Gruppen der besprochenen Abarten gegenüber- 
! stehen. Die linke Seite der Tafel (Fig. 1—4) vertritt die Orange- 
I färbung bis zur ockergelben Abblassung, die rechte Seite (Fig. 5 
' bis 8) die grünhchgelbe Färbung bis zur weißen, milchfarbigen 
jund den darüber hinausgehenden Farbenabtönungen. 
I Die Flügelspannweite der normalen Form (Fig. 1) schwankt 
I zwischen 41 — 50 Die Vorderflügel sind orangefarben mit breiter 
schwarzer Flügelspitze und solchem Außenrande. Sie sind länger 
gestreckt und weniger abgerundet als bei der oft sehr ähnhchen 
I Colias Edusa. Die Rippen rag-en meist schwarz in den schmalen 
i Außenrand hinein, welcher schwarzbraun gefärbt und meistens 
I grünlich bestäubt ist. Bei den $ finden sich in der Flügelspitze 
und im Außenrand teils längliche, teils runde gelbe Saumflecke, 
i deren Anzahl zwischen 5—8 variiert. Der Vorderrand ist von der 
Wurzel bis zur Mitte zuweilen grüngelb, meist aber dunkel bestäubt. 
Der schwarze Mittelfleck der Vorderflügel ist rund oder oval, oder 
auch fast strichförmig, beim $ in der Regel größer. Auf der Unter- 
j Seite der Vorderflügel zeigt er stets einen weißen Kern. Der ge- 
doppelte Mittelfleck der Hinterflügel ist orangerot bis dottergelb 



416 



A. Pieszczek. 



g-efärbt und ist auf der Unterseite silberweiß, einfach oder doppelt 
dunkelrot umzogen, oft auch noch mit einem kleineren Fleck davor, 
so daß die Einfassung beider die Ziffer 8 bildet. Fransen, Fühler 
und Beine zum Teile rosenrot. 

Fig. 2 bringt uns ein Stück der zweiten Generation. Dasselbe 
hat eine ausgesprochen ockergelbe Färbung. Seine Größe ist auf- 
fallend gering (Flügelspannweite 40 mm). Das ganze Aussehen 
des Tieres trägt etwas Düsteres an sich. Die Ränder der Vorder- 
flügel sind breit schwarz, die keilförmigen gelben Saumflecke an 
der Spitze verschwinden fast ganz und die sehr kleinen runden 
Saumflecke in Zelle 2 und 3 Hegen ganz im schwarzen Rande. 
Diese Verdüsterung der Farben zeigt sich gleichfalls stark an den 
Wurzeln der Vorderflügel. Der Mittelmond der Vorderflügel ist 
außergewöhnUch groß und tief schwarz. Die Hinterflügel sind in \ 
noch stärkerem Maße verdunkelt, so daß die Flecke in der Saum- 
binde sehr klein erscheinen. Das sonst so charakteristische Merkmal 
der Colias Myrmidone, daß nämlich die Saumflecke der Hinter- 
flügel eine geschlossene Reihe bilden, die bis an den Vorderrand 
reicht, verschwindet dadurch fast ganz. Der orangegelbe Mittelfleck 
der Hinterflügel ist sehr groß. Die Rippen treten stärker hervor 
als bei der Stammform, was aber bei der dunklen Bestäubung 
weniger auffällig erscheint. 

Fig. ?) stellt eine der schönsten Formen dar. Bedeutend größer 
als die Stammform (Flügelspannweite 45 mm), zeigt sie auf den 
V()rdcrllii<;ehi vornehmlich zwischen Rippe 2 und 4 einen dunkel 
ockergelben Diskus und selbst auf den llinterflügeln nach dem Mittcl- 
flcck eine lebhafte ockergelbe Bestäubung. Iki dieser Form zeigt 
sich am deutlichsten, wie sich eine langsame Umfiirbung voll/iehti 
Auch hier ist der Band der Vorder- und Hintcrihigcl viel breiter 
und lolihafter schwarz gefärbt als bei der Stammform; die gelbcQ I 
Saumflcckc sind auf den Vordcrniigeln stark reduziert, treten aber 
dagegen auf den I lintcrfHjgeln in der gan/(Mi charakteristischen Größe 
unfl im ZuKainiiiciihange wie bei der Slaininlorni h(5rvor. Der 
(;rnn<llon der 1 1 iiitcrllrigel ist ein gclbgriincr, auf dem sich die starke | 
Hchwär/hchc; ÜJ-släubun;,'- iiiißcrst wirkungsvoll ahhcbt. \)vx Mittel- 
Heck ist auf den Xoidcrflii-jcln normal auf ficii lliiilcrllii-cln gn>fi 
und omn^^egclb. 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



417 



Diese Form, welche fast an Gonopteryx Cleopatra L. erinnert, 
ist in der von mir besuchten Gegend nicht so selten, sie gleicht in 
gewisser Hinsicht der Edusa ab. Helicina, wie ich letztere im 
Naturhistorischen Hofmuseum gesehen habe. Ich habe ihr wegen 
ihres prächtigen Aussehens und mit Rücksicht darauf, daß sie bisher 
noch nirgends gefunden und benannt worden ist, den Namen ab. 
Agnes gegeben. Besonders maßgebend war für mich hierbei der 
Umstand, daß ich meiner Frau mit Namen Agnes, welche stets für 
die interessante Abart Alba ein besonderes Interesse gezeigt und 
während meiner Urlaubszeit und über dieselbe hinaus jährlich beim 
Fangen dieser seltenen Falter besonderen Eifer gezeigt und mir 
unschätzbare Dienste geleistet hat, durch diese Benennung ein 
bleibendes Andenken sichern wollte. Ihrer Hülfe habe ich es zu 
danken, daß ich in den Besitz der schönsten Variationen gelangt 
bin. Bemerkenswert dürfte auch sein, daß ich diese Form bisher 
nur in der zweiten Generation, also während der wärmeren Jahres- 
zeit gefunden habe. 

Fig. 4 ist eine ganz eigenartige Form. (Flügelspannweite 
43 mm.) Von gleichem Aussehen wie die Stammform, trägt sie eine 
so sonderbare Färbung, daß sie wohl zu den größten Seltenheiten 
zu zählen ist. Sie ist auch nur in diesem einzigen Stück vertreten. 
Besonders charakteristisch ist daran, daß sie der ersten Generation 
angehört, welche, wie schon erwähnt, im allgemeinen schwach ver- 
treten ist. Während die Vorderflügel ein reines ledergelb zeigen, 
welches etwas durch schwärzliche Bestäubung verdeckt ist, sind 
die Hinterflügel mit einem orangenen Hauch auf gelbgrünem Unter- 
grund überzogen, welcher sie nebst den ausgesprochen orangenen 
Mittelflecken in diesen Merkmalen der Stammform nahe bringt. 
Dieses Stück gehört nicht mir, ist aber an den gleichen Plätzen 
wie die übrigen gefangen und befindet sich in der Sammlung des 
k. k. Hilfsämter-Direktionsadjunkten Petrus Maurer in Wien, der 
es mir zur Vervollständigung der Tafel in uneigennützigster Weise 
zur Verfügung gestellt hat. Ich spreche dem genannten Herrn an 
dieser Stelle meinen wärmsten Dank für die Überlassung des- 
selben aus. 

Fig. 5 (mit 44 mm Flügelspannweite) ist ein Repräsentant 
der zweiten Generation und bemerkenswert durch die Färbung, 

Z. B. Ges. Bd. LV. 27 



418 



A. Pieszczek. 



welche ein ausgesprochenes gelbgrün oder helles zeisiggrün zeigt. 
Durch die breiten schwarzen Flügelspitzen und ebensolchem Außen- 
rand der Vorder- und Hinterflügel sowie durch die schwarz hervor- 
tretenden Rippen erhält dieser Typus ein gedrungeneres Aussehen. 
Die gelben Randflecke auf den Vorderflügeln sind klein, dagegen 
auf den Hinterflügeln in der normalen Größe. Die Mittelmonde 
der Vorderflügel sind tief schwarz und groß wie bei Fig. 2, die 
der Hinterflügel von dem Orange der Stammform. Die Ver- 
dunklung ist an den Flügelwurzeln kräftig, verdüstert aber im all- 
gemeinen das Kolorit nicht so sehr wie bei Fig. 2. 

Nach allen von mir eingezogenen Auskünften halte ich diese 
Form (Fig. 5) für die ab. Flavescens Garbowski. Ich habe mich 
bemüht, hierüber ein persönliches Gutachten des in Krakau lebenden 
Autors dieser Abart, Herrn Prof. Dr. Thadd. Garbowski, zu er- 
langen und diesen Typus mit dem Original vergleichen zu können. 
Letzterem Wunsche konnte jedoch leider nicht entsprochen werden. 
Prof. Garbowski war aber so liebenswürdig, mir nach seinen 
Notizen eine genaue Beschreibung seines Exemplares zu geben, die 
ich in folgendem wiederhole: 

„Die gelbe Form ist von der ab. Alba ganz ausgesprochen 
verschieden. Während die Alba zwar einen Stich ins Gelbliche auf- 
weist, aber stets den Charakter einer kreideweißen matten Fär])ung 
l)chält, ist die in Rede stehende Abart (ab. Flavescens Garb.) gelb 
und zwar aus der Gruppe der Farbe, die ich als „strohgelb" zu be- 
zeichnen pflege; der Ton dürfte wohl dcmlnnenfcldederllintcr- 
flügcl normaler Falter entsprechen. Die normale galizische 
Myrmidone ist stets weit saturierter und leuchtender orangerot als 
(Jolias Fjdma.'^ 

Nach letzterem AusR))rucli dürfte, wenn wir die Stammform 
und die verschiedenen Abarten im Hilde betrachten, es keinem 
Zweifel unterliegen, daß ich mit meiner Voraussetzung die ricihtige 
Farbe gctrofl'en habe. 

Diese Form ist in den steierischen Alpen nicht so selten, da 
«ie Reibst in IJntcrstcier, in Stainz bei Graz, gefangen worden ist. 

Fig. ^) (FlIlgclHp.'innwcitc 41 mm) bat viel Ähnlichkeit mit der 
vorhergehend(?n Abart, nnr trügt sie jcines f(;ine hcllgelhe Kolorit, 
wclchcH wir mit Uanariengclh zu liezeichnen ])ncgen. Auch hier 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



419 



herrschen die starken schwarzen Ränder vor und die Verdunklung 
weist die gleiche Stärke wie bei den anderen Formen auf. Die 
Zartheit der Farben überrascht auch hier den Beschauer und ver- 
leiht dieser Abstufung einen besonderen Reiz. In dieser Färbung 
nähert sich das Tier immer mehr der rein weißen Form, welche wir 
in der folgenden Figur sehen. 

Als echte weiße Variation tritt die Fig. 7 der Tafel in den 
Vordergrund. Das abgebildete Stück ist in den Vorderflügeln 44 mm 
breit und gehört der ersten Generation an. Die Grundfarbe ist 
weiß mit einem schwachen Stich ins Gelbliche, welcher besonders 
auf den Hinterflügeln, die gleichfalls verdunkelt sind, durch die 
feinen weißen Härchen wie mit einem seidenweichen silbergrauen 
Schleier bedeckt erscheint. Bei diesem Tier ist die Verdunklung 
auf den Vorderflügeln nicht so intensiv, die weiße Farbe bleibt 
vielmehr fast frei davon. Der schwarze Rand ist gleichfalls nicht 
so breit, ähnelt mehr der Stammform und schließt auch zahlreichere 
Flecke ein. Dadurch wird diese Abart in ihrem ganzen Habitus 
reiner und leuchtender gegenüber allen übrigen Aberrationen. Dies 
ist nun diejenige aberrierende Form, welche neben der Stamm- 
form auch an anderen Orten im Verhältnis am meisten gefangen 
worden ist. An den von mir besuchten Plätzen ist sie die häufigste 
und dürfte gewiß als Urform der Myrmidone im Sinne der Hypo- 
these des Dr. Stand fuß zu betrachten sein. 

In den vorhergehenden Formen haben wir den verschiedenen 
Abstufungen vom reinen Orange zum reinen Weiß folgen können. 
Wir kommen nunmehr zur Besprechung von Abarten, welche in 
der Ausbreitung der schwarzen Färbung einen exzessiven Charakter 
gewinnen. 

Speziell in Fig. 8 der Tafel sehen wir ein derartig ausnehmend 
verdunkeltes Exemplar. Mit einer Spannweite von 43 mm hat es 
auf weißem Untergrund schon an der Basis der Vorderflügel bis 
zum Vorderrande eine reichliche schwarze Bestäubung, welche sich 
an dem äußeren Rande derart verdichtet, daß die Flecke darin nur 
punktförmig angedeutet erscheinen. Besonders scharf ausgeprägt 
ist aber die Verdüsterung auf den Hinterflügeln, indem sie sich 
hier über die ganze Flügelfläche erstreckt bis zu dem ausnehmend 
breiten schwarzen Rand, so daß auch hier die Randflecke nur 

27* 



420 



A. Pieszczek. 



schwach markiert sind. Ein ganz analoges Stück der var. Balcanica 
hat Dr. Rebel kürzlich zur Abbildung gebracht (Annalen des Natur- 
hist. Hofmuseums, Bd. XIX, Taf. 4, Fig. 8). 

Diese Stücke gewähren in ihrem ganzen Äußern einen eigentüm- 
lichen AnbUck und dürften zu den interessantesten Abarten zählen. 
Ich gebe dieser Form deshalb die Bezeichnung ab. Nigerrima. 

Mit den bisher besprochenen, besonders markant auftretenden 
Formen ist jedoch die Variabilität der Art noch keineswegs er- 
schöpft. Unter den von mir in vielen Hunderten gefangenen Exem- 
plaren von Mijrmidone befindet sich noch eine bedeutende Anzahl, 
welche von den besprochenen P^ormen merklich abweicht. In der 
Hauptsache ist es die Farbe, welche wechselt, dann die Breite der 
Ränder, die Größe der Flecke und zuletzt die allgemeine Ver- 
dunkelung, welche den einzelnen Individuen ein ganz verändertes 
Aussehen verleiht. Derartige Stücke sind jedoch meines Erachtens 
einfach den Haupttypen entsprechend einzureihen. 

Was die Häufigkeit betrifft, so ist die weiße Form (Fig. 7), 
wie bereits bemerkt, in der Umgebung von Judenburg die vor- 
herrschende. Die gelbe Form (Fig. 5, 6) kommt derselben zunächst, 
kann aber auch nicht als selten gelten. Der Übergang von der 
orangenen zur gelben Form (Fig. 3) findet sich schon seltener, ist 
in manchen Jahren ganz fortgebHeben, ebenso wie die gänzlich 
verdunkelte Form (Fig. 8). Nach meinen Beobachtungen ist die 
stärkere und schwächere Ausbildung der Bänder sowie die Verdunke- 
lung der Flecken nicht immer gleich. Ich wenigstens habe in den 
feuchteren und kälteren Jahren weniger zahlreiche, aber mehr ver- 
dunkelte, in den sonnigen und warmen Sommern mehr lichtere 
Stücke gefunden. 

Unter Bcrilcksichtigung der dargelegten Verhältnisse ist wohl 
als erste Abstufung zur ab. Allxi diejenige Form anzusehen, welche 
infolge des rötlichen Diskus auf den Vorderflligeln der als Stanim- 
forni geltenden orangenen Form am nächsten sieht. Ks ist dies 
Fig. 3, welche ich mit dem Namen yl/yw.'s belegt habe. 

AIh zweite Obergangsstufe würde di(; dinikelgelbe Form ab. 
Flavesccns Garb. zu gelt(;n haben (Fig. 

In Fig. 7 würden wir als dritte und l(;t/te Stufe die rein weiße 
i' orni alH ab. Alba ocra erblicken und die in Fig. 8 in ihrer tiefsten 



über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



421 



Verdunkelung wiederg-egebene Form mit der Bezeichnung ab. Alba 
nigerrima den Schluß der vorstehenden Zusammenstellung bilden. 

SchKeßlich möchte ich noch einige Worte über die Zucht dieser 
Art und ihrer Abarten sprechen. 

Die Zucht aus dem Ei ist bei dieser weißen weiblichen Abart 
wohl noch nicht versucht worden, dürfte aber, wenn sie gelingt, ge- 
eignet sein, viele interessante Fragen, welche sich dem entomo- 
logischen Forscher aufdrängen, zu lösen. Da bisher der Fang immer- 
hin mit gewissen Schwierigkeiten verknüpft war, weil das Tier, wenn 
einmal aufgescheucht, einen außerordentlich lebhaften Flug hat, 
so mußte ich in erster Linie im Auge haben, mehr auf die Anzahl 
der gefangenen Falter als auf die nähere Beobachtung des einzelnen 
Individuums zu achten. Wenn es aber gelingen wird und dies 
dürfte sich unzweifelhaft ermöglichen lassen, das Ei zu finden, das 
das weibliche Tier seiner Gewohnheit gemäß einzeln absetzt (vgl. 
die Methode des HeiTu Hugo May bei Erforschung der Eierablage 
der Colias ChrijsotJwme), und aus diesem die Raupe und den Falter 
zu erlangen, so steht die Frage im Vordergrund, welche Färbung 
wird die Nachkommenschaft eines J.?5a -Weibchens annehmen. Die 
Copula des weißen 9 uiit dem orangenen ist von mir sehr häufig 
beobachtet worden; das weiße 3Iyrmidone -Männchen ist noch nicht 
gefunden worden. Eine Verbindung der 9 von Alba mit cT der Art 
Hyale ist mir noch nicht vorgekommen und dürfte auch an meinen 
Fangplätzen nicht stattfinden, da ich dort Hyale nie fliegen sah. 
Es wäre also sehr interessant, den Prozentsatz festzustellen, welchen 
ein Alha-'Weihchen an farbigen und weißen Nachkommen hervor- 
bringen würde. Daß aus der Copula von orangefarbenen Faltern 
die weiße Abart Alba direkt hervorgehen würde, ist wohl weniger 
anzunehmen, als daß die Verbindung des orangenen cf und des 
yI??^« -Weibchens einen gewissen Prozentsatz weißer Falter erzeugt. 
Die Witterungs- und Kälteverhältnisse als maßgebende Faktoren 
hierbei in Berücksichtigung zu ziehen, möchte ich erst in letzter Linie. 
Denn gerade der Sommer bringt die meisten weißen Formen mit 
ihren Abstufungen zum Vorschein. 

Hierbei darf ich eine Erfahrung nicht übergehen, welche ich 
in derselben Gegend mit der 3Ielit. Dldyma ab. Alinna gemacht 
habe. Dieselbe tritt dort im Freien in außerordentlich variierenden 



422 



A. Pieszczek. 



Formen bis zum tiefsten Schwarz auf. Als ich vor einigen Jahren 
in dieser Gegend schon Ende Juni mit dem Sammeln beginnen 
konnte, gelang es mir eine Anzahl Raupen jener Art an der Futter- 
pflanze zu finden, welche sich im Käfig regelrecht verpuppten und 
später den Falter ergaben. Alle diese gezogenen Tiere zeigten 
dieselben alpinen Merkmale, wie die später an derselben Stelle im 
Freien gefangenen. Es ist dies wohl ein Beweis dafür, daß hier 
nicht Witterungs- und Kälteverhältnisse im Puppenzustande das 
Kolorit der Falter beeinträchtigt haben, sondern daß hier erbliche 
Eigenschaften den Ausschlag geben. 

In dieser Hinsicht stehen wir wahrlich noch vor Rätseln der 
Natur, die bis jetzt ungelöst, aber immerhin noch zu lösen sind. 
Ich selbst habe die Absicht, diesem Werdegang jener Tiere in den 
kommenden Jahren nachzuspüren und möchte allen entomologischen 
Freunden ans Herz legen, sich in gleichem Maße diesen Bestre- 
bungen anzuschließen. 

Hieran anknüpfend möchte ich noch kurz die analogen Ver- 
hältnisse hinsichtlich der Colias Edusa berühren, welche im Jahre 
1902 (vgl. den Vortrag in Bd. LH dieser „Verhandlungen", S. 10) 
von mir in dortiger Gegend noch nicht in der zu einer weiter- 
gehenden Betrachtung nötigen Anzahl gefunden worden ist. Nach 
den im vorigen Jahre gemachten Beobachtungen trat nun lülusa 
etwas stärker auf und ist es mir auch gelungen, einige zu fangen, 
unter denen ich sofort mehrere Exemplare der schönen weißen Form 
JJcUce fand. Die Annahme, daß bei einer größeren Verbreitung der 
Staiimiform dort auch die weiße Form auffallend stark vertreten 
.sein würde, gewinnt durch diesen Umstand an Wahrscheinlichkeit 
und ich werde es mir angelegen sein lassen, die nächsten Jahre, 
die ich in dortiger Gegend zu verbringen hoffe, zur Erforschung 
der auch in dieser Hinsicht herrschenden Vcrhilltnisse zu verwenden. 
Jedenfalls habe ich aus dem mir vorliegenden, allerdings sehr 
schwachen Material schon jetzt erkannt, daß auch bei dieser Art 
ein sofortiger Sprung von der weißen zur orangenen Färbung nicht 
stattgefunden haben dtlrfü;. 

Zum Schlüsse ist es mir eine angenehme Pflicht, an dieser 
St(;lle Herrn IVof Dr. II. H(;bel fllr die; Hülfe, welche er mir durch 
seine tatkräftige Anleitung hei Ahfassung dieser Arbeit und durch 



/ERH. D. K. K. ZOOL. BOT. GES. 
BAND 55, 1905. 



THFEL 1. 



A. PIESZCZEK: 
ÜBER COLIAS MYRAIIDONE ESP. 




über die Variabilität von Colias Myrmidone Esp. 



423 



freundliche Angabe der Literatur angedeihen ließ, meinen wärmsten 
, Dank hiermit auszusprechen. 

Desgleichen fühle ich mich verpflichtet, der k. k. Hof- und 
Staats druck er ei für die außerordentlich gelungene Farbendruck- 
tafel, welche erst nach mehreren kostspieligen und zeitraubenden 
Versuchen zu dieser hohen Vollendung gebracht werden konnte, 
meinen aufrichtigsten Dank zu sagen. 



Erklärung der Abbildungen. 
Tafel I. 

Fig. 1. Colias Myrmidone Esp. $. Stammform, zweite Generation, August, 

Judenburg (s. S. 415). 

2. „ „ «9- Ockergelbe Aberration, zweite Gene- 

ration, August, Judenburg (s. S. 416). 

3. „ „ «9 ^b. Agnes. Zweite Generation, August, 

Judenburg (s. S. 416). 

^ A. „ „ »9- Lederfarbene Aberration, erste Generation, 

Juni, Judenburg (s. S. 417). 
5. „ „ n 9 ^h. Flavescens Garb. Zweite Generation, 

August, Judenburg (s. S. 417). 

„ 6. „ „ n 9- Kanariengelbe Aberration, zweite Gene- 

ration, August, Judenburg (s. S. 418). 

. 7. „ „ „ 9 f^h. Alba Stgr. Erste Generation, Juni, 

Judenburg (s. S. 419). 

r 8. „ „ r 9 ^b. Nigerrima. Zweite Generation, August, 

Judenburg (s. S. 419). 



424 



Anton Heimerl. 



IL Beitrag zur Flora des Eisacktales. 

Von 

Dr. Anton Heimerl. 

(Eingelaufen am 13. Februar 1905.) 



Als Fortsetzung meiner in diesen „Verhandlungen" (Jahrgang 
1904) erschienenen Beiträge biete ich in den folgenden Angaben 
weiteres Materiale zur floristischen Erforschung der Brixener Gegend; 
es stammt größtenteils von den im Sommer 1904 gemachten Aus- 
flügen her. Um nicht Wiederholungen zu bringen, bemerke ich, 
daß die Umgrenzung des Gebietes (Grenzen in Kürze ungefähr: 
nördlich Franzensfeste — Mühlbach, südlich Klausen, östlich Plose — 
Afers — Villnöss, westlich Steinwend — Schaldererjoch — Kassianspitze) 
im Einzelnen aus meinem ersten Beitrage zu entnehmen ist, worin 
auch die Hauptliteratur dieses Gebietes namhaft gemacht wurde, 
und daß, wie früher, die Aufzählung der Pteridophyten und Bltiten- 
pflanzen der Exkursionsflora von Fritsch in der Anordnung und 
(dort, wo nicht neuere Arbeiten vorliegen) auch in der Nomenklatur 
folgt. Mit Bachlechner I, II, III sind, wie früher, dessen ver- 
schiedene Veröffentlichungen ül)er die Flora von Brixen nach ihrer 
zeitlichen Aufeinanderfolge bezeichnet. 

Diejenigen Herren, welche mich in zweifelhaften Fällen Im 
liestinimuiigen unterstützten, wurden an der betrcflcnden Stelle 
namhaft gemacht. 

Aftjflrjiium Adiani/um nigriim. Vereinzelt im Walde am Aufstiege 
von AlbeiiiH nach AAu'h; spärlich in Kitzen der Feldmaucrn 
zwisclicn Naz inid Klvas. 

Aüjtlfmium TrichomancH X Haplenkionah (A. (i crmanicMw) . Iläidi^^ 
in MaiKTritzcn Ixiirri Scebaucr am Valirncrsee, auf JMiyllit in 
FcldtlmrnH und am Wege von der ilaltx^Htelle Villnöss nach 
Naifcn; Htcts in OcHcllHchafI (l(!r liier gemeinen Stanmiartcn. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



425 



Ceterach officinarnm. Habe ich an einigen der von Bachle ebner 
(II, 21) angegebenen Fundorte nun wieder aufgefunden; 
der Farn kommt sehr spärlich unmittelbar beim Schlosse 
Krakofl ober Brixen, etwas häufiger zwischen Ritzen der 
Feldmauern eines von der Schabser Straße in Neustift gegen 
Eas hinaufführenden Weges vor. 

* Fliegopteris Fiobertiana}) Auf Diorit in den Abstürzen hinter Sähen 

zur Thynaschlucht; ein für diese kalkliebende Pflanze, die 
sich (nach Bachle ebner II, 22) zunächst am Peitler und an 
den Aferser Geiseln findet, auffälliges Vorkommen. 
Equisehtm silvaticum. Hin und wieder: beim Wasserschlosse der 
Brixener Wasserleitung zwischen Schalders und Steinwend, 
dann an dem von der Spiluckeralpe nach Schalders führen- 
den Wege (3). 

* Ediiisetion variegaümi. Auf einer kleinen Sumpfwiese neben der 

von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herabführenden Straße, 
daselbst häufig-. 

Spargankwi ramosutn. Im Torfmoore zwischen Naz und Viums. 

Sparganinm minimum. Häufig in den Tümpeln des Sumpfes bei 
Ras; wohl die von Bachle ebner (I, 75) als S. natans für 
den Vahrnersee und den Sumpf zwischen Naz und Viums an- 
geführte Pflanze. 

Fotamogeton crisjnis. In den Eisackauen bei der Mahr und unter 
Schloß Pallaus; auch bei der Brixener Fischzuchtanstalt. 
Fotamogeton ocidifolms. Häufig in einem Sumpfe vor Elvas und 
in dem zwischen Naz und Elvas; vielleicht bezieht sich die 
Angabe von F. pusülus für die Teiche von Naz bei Bach- 
le ebner (I, 74) teilweise auf die obige Art. 

Fotamogeton graminens ß. lieteroj^hßlus Fries. Häufig in einer 
Lache bei Viums. Die gesammelten Exemplare stimmen sehr 
gut mit dem Bilde in Reichenbach, Icones, VII, Tab. XLII, 
Fig. 74 überein; im Teiche von Naz kommt, neben der obigen, 
auch die Form a. graminifoUus vor. 

^) Arten oder Formen, welche bei Bachlecliner für unser Gebiet nicht 
erwähnt erscheinen, wurden mit einem Sternchen bezeichnet. — Die Nummer 
bezieht sich auf die von der Sektion des Alpenvereines in Brixen durchge- 
führten und mit Nummern bezeichneten Wegmarkierungen. 

27** 



426 



Anton Heimerl. 



Älisma Michaletii "^B) stenopliyllum Aschers, et Gräbn., Synopsis, 
I, 383. Im Sumpfe von Ras. Die Stammform in den Eisack- 
sümpfen, dann im Sumpfgebiete zwischen Ras und Naz häufig; 
das verwandte Älisma arcuatum fehlt hier. 

Bigitaria linearis. Beobachtete ich heuer häufiger als im Voijahre, 
so bei Elvas^ Neustift, Vahrn und Brixen, dann auf Feldern 
bei Naifen. 

Bigitaria ciliaris. An Wegrändern in Neustift. 

* Setaria Italica, Sehr selten in Vahrn gebaut und ganz vereinzelt 

verwildert. 

Ägrostis canina. Grasige Stellen beim Vahrnerbad und Wiesen am 
Wege (3) von der Spiluckeralpe nach Schalders. 

Trisetum disticJiophyllum. Sparsam im Dioritschutte am Wege von 
Spiluck zur Spiluckeralpe. Die hier vorkommende Pflanze ist 
durch sehr fein und ziemlich dicht flaumige Blätter mit gegen 
den Grund zu entfernt borstig gewimperten Blattflächen be- 
sonders der unteren Blätter ausgezeichnet. Sie stellt — wie 
mir Prof. E. Hackel bestätigt — eine unbeschriebene Form 
vor, die ich als puhigera bezeichne; Hackel hat sie, nach 
freundlicher Mitteilung, mehrfach aus der Schweiz erhalten 
und selbst auf der Riffel bei Zermatt gesammelt. Villars er- 
wähnt in der liist. des plantes de Dauphin., II, 144 nichts 
von einer Behaarung der Blätter und l^lattscheiden, auch die 
Tafel (IV im I. Bande) zeigt keine Behaarung der Pflanze. 

Avenastrum vcrsicolor. Schon auf der Kinigadncrwiese in Stcin- 
wcnd und auf der kleinen torfigen Wiese beim Übergange 
von der Spiluckeralpe nach Franzensfestc. 

/)ij)lftr/nir; sn-(jll)m. Auf (hm sonnigen Gehängen von Tschiflnon 
zur KcichsKtrafle (ZicklwirtJ hcral). 

Kragrosiis pilosa. Trat im Sommer 11)04 an vielen Stellen auf, 
wo di(; Pflanze in früheren Jahren fehlte: beim Valirnerbjulc, 
am WicHcnwegc von Vahrn nach iirixen, an der RcJcliHslraßc 
zwischen Hrixcn und Albeins, bei Sä})en und Tschiflnon. 

* Koclrria gracdis. Nicht Kelt(!n ;in sonnigen Stehen um Vahrn, 

NeuKtift und Elvas. Die verwandte K. <:risl,(da [K. crislala 
A) K. (jliala Ascherson und (irilhner, Synopsis, II, 1, 35^] 
iiiclir im (ichirge, ho auf Wiesen ober l>ad Schalders und 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



427 



bei der Spiluckeralpe in der var. genuina Ascherson und 
Gräbner. 

* Glyceria plicata. Glemein an feuchten Stellen, Wasserläufen usw. 

Hier die häufigste Vertreterin der Gattung und offenbar zumeist 
die von B ach le ebner (I, 87) für Gr. fluitans angesprochene 
Pflanze. 

Atropis distans. Als Unkraut noch in Afers bei 1500 m Seehöhe. 

^ Festuca strida (teste E. Hackel). Sonnige Porphyrgehänge zwischen 
Theis und Melaus.^) Prof. E. Hackel schreibt mir hierzu: 
„ . . . ist ein Fund, der die geographische Verbreitung dieser 
bisher nur östlich von Niederösterreich gefundenen Pflanze 
beträchtlich erweitert. Da in Niederösterreich der Zusammen- 
hang mit f. sulcata so evident ist, daß stricta wohl nur eine 
extreme Form der sulcata vorstellt, so wird sie wohl auch 
in Tirol selbständig aus ihr entstanden sein, und zwar durch 
Überhandnehmen des Sklerenchyms an den Seiten der 
Blätter." 

*Festuca sulcata (teste E. Hackel). An Wegrändern am Aufstiege 
von Vahrn zum Taubenbrunnen, dann am Talwege von Vahrn 
nach Bad Schalders. Die subvar. harhulata Hackel ist gemein 
um Vahrn, Neustift und Brixen; die subvar. hirsuta Hackel 
am Talwege von Vahrn nach Bad Schalders. 

* Bromus secalinus. In einem Getreidefelde zwischen Neustift und 

Brixen am Wege 16. 
Bromus Jiordeaceus (mollis) */?. leptostachys (Pers.) Beck, Flora von 

Niederösterreich, 109. An Ackerrändern in der Nähe des 

Standortes der vorhergehenden Art. 
Bromus arvensis (teste E. Hackel). Hier selten: bei der Haltestelle 

Vahrn an Straßenrändern; es ist dieselbe Pflanze, welche ich 

in den 1. Beiträgen, 455 irrig als B. commutatus anführte. 
Bromus squarrosus. An der Reichsstraße zwischen Albeins und der 

Mahr. 

Cyperus flavescens. Wiesen am Eisacke nächst Schloß Pallaus. 

^) Herr Prof. E. Hackel war so liebenswürdig, meine Bestimmungen 
mehrerer Gräser (Ägrostis, Koeleria, Glyceria, Bromus) nachzuprüfen; es sei 
ihm hier auf das verbindlichste gedankt. Die von ihm herrührenden Bestim- 
mungen sind durch: teste E. Hackel gekennzeichnet. 



428 



Anton Heimerl. 



Cypenis fuscus. Mit voriger Art, dann auf Sumpfwiesen bei Eas. 
Trichophorum Austriamm (T. caespitosum) . Torfige Wiesen unterhalb 
des Jochtiberganges von Spiluck nach Franzensfeste (Weg 3). 

* Sclioenoplectus Tahernaemontani. Im Sumpfe bei Ras häufig. 
Heleocharis pauciflora. An quelligen Stellen unter Bad Burgstall, 

dann auf den Kammerwiesen bei Steinwend. 

Carex echinata. Mit der vorhergehenden Art an denselben Standorten. 

Carex nigra (C. vulgaris). Bei Bad Burgstall und beim Wasser- 
schlosse der Brixener Wasserleitung in Steinwend. 

* Carex irrigua. Nicht selten auf der torfigen Wiese unter dem 

Jochübergange Spiluck — Franzensfeste (Weg 3). 

Carex montana. Steigt bis auf die Kinigadnerwiese in Steinwend. 

Carex vesicaria. Massenhaft an dem Tümpel vor Elvas und in 
einem Sumpfe bei Viums. 

Carex rostrata. Häufig im Torfmoore zwischen Viums und Naz. 

Carex fulva. Sumpfstellen unterhalb Bad Burgstall. 

Carex sempervirens. Auf der Kinigadnerwiese in Steinwend und 
am Fundorte der C. irrigua. 

Ca/rex frigida. Geht in Steinwend bis zu den Kammerwiesen, zur 
Kinigadnerwiese und zum Wasserschlosse der Brixener Wasser- 
leitung herab. 

* Lemna trisulca. Gemein in den Sümpfen von Naz und Vinms. 
Juncus t/rifidus. Steigt ebensoweit wie Carex frigida herab. 
Luzula spadicea. Verhält sich wie die vorige Art. 

* Liiztda Sudetica. Auf subalpinen Wiesen verbreitet: Plose, Stein- 

wend, Spiluckeralpe usw. 
Colchicum auiumnale. Sehr selten: am Bache bei Bad Schaldcrs, 

dann ganz vereinzelt am Wege (11) zwischen Melans und 

St. Valentin bei Villnöss. 
Allium cfwinatum. Am Wege von Neustift zum lliiterplaickner. 
lAlium hnlhifrrnm. IJntcrhall) Uodencck gegen die Ivuiidlhrlicke zu, 

dann am Aufstiege nach Tlieis von der ll;üiest(!lle Vilhiöss aus. 

* (ynphalanthcra rubra. Zwischen Spiluck und der Spiluckeralp(^ 

dann am Aufstiege von Aicha nach Sj)ingeH; an beiden Fund- 
orten ganz vereinzelt. 

* IJpipficUs laÜfolia. Im Wahhi am Wege von AlIxiiiiH nach Afcrs. 

— E. rulngimmi ist hier di(; verbrcitetere Art. 



IL Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



429 



Lister a cor data. In den Waldg-ebieten um den Taubenbrunnen am 
Feldthurnerwege, dann ober der Spiluckeralpe am Wege (3) 
nicht selten. 

* Coralliorrhisa innata. Am Wege von Schalders nach Steinwend 

vereinzelt im tiefen Waldesschatten. 
Älnns ghitinosa. Hier sehr selten: einige Bäumchen in einer 

quelligen Schlucht am steilen Glehänge von Tschiffnon gegen 

die Reichsstraße herab. 
Salix da])hnoides. An der Straße von St. Peter zur Haltestelle 

Villnöss herab. 

Salix nigricans. Auf dem Torfmoore zwischen Viums und Naz. 

Salix rosmarinifolia. Mit der vorigen Art, dann am Wege (4) von 
.Ras nach Naz; der alte Standort am Vahrnersee (Bachlechner 
I, 72) dürfte wohl durch die Trockenlegung eines großen See- 
teiles verschwunden sein. 
Quer CHS sessiliflora. Hin und wieder: am oberen Wege von Vahrn 
nach Schalders, bei Elvas, am Aufstiege von Aicha nach 
Spinges, zwischen Albeins und Afers. 

Quercus lamiginosa. Bei Elvas und am Wege von der Haltestelle 
Villnöss nach Naifen. 

* Quercus lanuginosa X sessiliflora. Um Elvas. Die daselbst ge- 

fundene Pflanze läßt durch die heurigen und (z. T. noch vor- 
jährigen) filzigen Zweige, die kurzen (ungefähr 6 mm langen) 
kahlen Blattstiele und die unterwärts auf der Fläche sparsam, 
an den Nerven etwas dichter sternhaarigen Blattflächen wohl 
keine andere Deutung zu. 

*ülmus montana. Einzeln: unter der Kirche von Schalders^ bei 
Theis und Melaus. Die Bestimmung ist, da Früchte fehlen, 
nur auf die Blattform gegründet. 

ülmus cam])esi/ris. Strauch- und baumartig bei Naifen, hier häufig, 
sonst im Gebiete von mir nicht beobachtet. 

[Parietaria officinalis. Für die Brixener Gegend als „lästiges 
Unkraut in Gärten" von Bachlechner (I, 70) angegeben, 
ist oö'enbar seitdem verschwunden und konnte nirgends an- 
getrofi*en werden.] 

*Rumex Patientia. Wohl nur zufällig in Neustift beim Pruggen- 
wirte. 



430 



Anton Heimeii. 



Clienopoämm ruhmm. Vereinzelt um Naz. 

Atriplex patuliim. In den tieferen Lagen gemein. — Außer dem i 
manchmal verwilderten A. liortense konnte ich hier keine 
andere Art antreffen; das bei Bachlechner (II, 15) erwähnte ' 
Ä. latifolium ist wohl nur zufällig aufgetreten und längst, 
verschwunden. 

* Montia rivularis. Quellige Wiesenstellen am Aufstiege von Vahrn 

zum Taubenbrunnen; wahrscheinlich gehören die von Bach-, 

lechner (I, 31) angeführten Fundorte der M. fontana hierher. 
Bianthus Monspessulanus. Auf den steilen, sonnigen Gehängen 

unter Tschiffnon zur Reichsstraße herab. 
MoeJiringia miiscosa. Bei der Rienzbrücke nächst Rodeneck und 

im Gerolle am Wege von Vahrn zum Vahrnerbad. j 

* Cerato2)hyllum suhmersum. In einem Tümpel vor Elvas (Weg 1)! 

schön fruchtend. 

Anemone trifolia. Gleich ober der Haltestelle Villnöss am Wege| 
nach Naifen. 

* Ranuncuhis divaricatus. In den Sümpfen zwischen Naz und Elvas. I 
[Banunctdus fluitans bei Bachlechner (I, 4) ist aller Wahrschein- 
lichkeit nach nur eine größere Form des R. paucistamineus,\\ 
die in Wassergräben um Brixen nicht selten vorkommt; deri 
echte Ii. fluitans dürfte hier fehlen.] 

* Ranunculus platanifolius. Kinigadnerwiese in Steinwend. 
lianunculus Sardous. Häufig um Naz und Ras. 

Lcxndium ruderale. Eingeschleppt beim Elektrizitätswerk von Brixcii 
nächst Schahs. 

Alliaria officinalis. Sehr selten : am Wege, der durch die Abstürze| 

von Sähen zur Thynasclilucht führt. 
Cardaminc amara *•!>) hirUx Wiiiinicr et Grab. Gemein an (luelligen 

Stellen der Waldgeliänge vom Taubenbrunnen nacii Vahm,M 

Sclialdcrs und Steinwend herab; offenbar hier an ähnlichen 

Stellen weit verhreitet. 

* Camelina microcarpa. liei Sceburg ober Brixen, in Feldern zwischen 

NcuHtift und Brixen und in (iineni Getreidefeldc in Obervahrn 
Arnhis rÄliala. Wieseu d(!r Spiluckeraljx;. 

JJroHPra AnfßlU:n. An (|uelligen Stellen unter lind liurgstall; dllrl(< 
liier, (i.'i fl( r Fmidort am Vahrnersce durcli dcHHCii teil 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



431 



weise TrockenleguDg wohl verschwunden ist, das einzige 

Vorkommen sein. 
Drosera rotundifolia. Auf einer nassen Wiese am Aufstiege von Vahrn 

zum Taubenbrunnen; auf den Kammerwiesen in Stein wend. 
Semperviviim tecforiwi. Auf Weinbergmauern bei Neustift; zwischen 

Theis und Melaus, 
i Sediim alpestre. Auf Felsen bei den Sägen vor Bad Schalders. 
Amelanchier ovalis. Einzeln: am oberen Wege nach Schalders, 

am Burgstallereck ^) (1600 m)^ im Walde zwischen Albeins 

und Afers, in der Schlucht hinter der Haltestelle Villnöss. 
Ruhus tilmifolkis. Verbreitet: Vahrn, Elvas, Neustift, Brixen, Klausen, 

Naifen usw.; für Brixen von Focke angegeben. 
Ruhus saxatilis. Selten: an einem Wiesenrande nächst dem Wege 

von Vahrn nach Spiluck, an der Straße von St. Peter — Villnöss 

zur Haltestelle herab. 
I ÄlcJiimilla alpestris. Kinigadnerwiese in Stein wend. 
Alcliimilla puhescens. Wiesen um die Spiluckeralpe. 
Älchimilla arvensis. Hin und wieder in Äckern um Vahrn, Neustift 

und Brixen. 

Rosa penchdina.^) Hiervon die var. *rupestris (Crantz) (teste H. Braun) 
I auf der Kinigadnerwiese und beim Wasserschlosse der Brixener 

Wasserleitung in Steinwend. 
j *Rosa glauca. Auf einer Weise am Schaldererbache bei Bad 
Schalders. Die hier vorkommende Rose bildet die var. siihin- 
' tricata H. Braun mscr.; sie unterscheidet sich von der typi- 

schen Form „durch stieldrüsige Bltitenstiele, von R. transiens 
i durch am Rücken kahle Kelchzipfel, von R. intricata durch 

; nicht verkehrt keilige Blättchen" (H. Braun brieflich). 
I * Rosa coriifolia. Mit voriger Art. 
Rosa canina *var. fissidens (Borbäs) (teste H.Braun). Am Wege 
von Spiluck zur Spiluckeralpe. 

^) So benennt man hier die links vom Aufstiege nach Spiluck befindliche, 
auf der Generalstabskarte mit der Höhenangabe 1600 m bezeichnete, ein 
großes Holzkreuz tragende Dioritkuppe. 

^) Herr Stadtrat H. Braun hat meine Bestimmungen der Rosen nach- 
geprüft und mich dadurch zu großem Danke verpflichtet. Alle von ihm 
herrührenden Änderungen und Ergänzungen sind besonders gekennzeichnet. 



432 



Anton Heimerl. 



Eosa canina *var. oblonga (Des6gl.) (teste H. Braun). Bei Pardell 
nächst Klausen. 

*Eosa elliptica. Verbreitet: am oberen Wege von Schalders nach 
Vahrn, zwischen Spiluck und der Spiluckeralpe, am Schalderer- 
bache bei Bad Schalders. Alle Exemplare gehören nach 
H. Braun der var. asper a (Schleicher) an, welche sich von 
der typischen Bosa elliptica „durch rundliche, mehr an die 
der B. ruhiginosa erinnernde Blättchen, schwach behaarte Blatt- 
stiele und weniger behaarte Unterseite der Blätter unter- 
scheidet. B. aspera Schleicher (zunächst der B. VaillanUcma 
Boreau verwandt) ist über Ost-Frankreich, die Schweiz und 
Tirol verbreitet". (H. Braun, brieflich.) Zu den Exemplaren vom 
oberen Wege von Schalders nach Vahrn fügt H. Braun die 
Bemerkung bei: „Stimmt völlig mit dem Originalexemplarc 
der B. aspera Schleicher überein, die kleinblätterigen Formen 
der übrigen Standorte sind nur Standortsformen." 

Bosa tomentosa (Seringeana). Von mir in zwei Formen unweit von 
Bad Schalders gefunden; die eine, aufwiesen vorkommende, 
bezeichnet H. Braun als * var. olens und kennzeichnet sie wie 
folgt: „Bami aculeati, aculeis siihreciis ad hasin dilataüs; 
ramuli dense aculeati, aculeis hinc inde aduncis. Stipulae 
dense villosac et glandidosae, aurictäis hrevihus. Petioli dense 
vilhsuli et glandidosi, vel aculeolis parvis, flavescentibus hinc 
inde 2)raediti vel inermes. Foliola supra suhtusque dense 
villosa, suhtus glandulis validis vestita, mediocria, clU/>- 
iica vel elliptico-ovata, in margine arguie glanduloso-scr- 
rata, hasin versus rotundata vel terminalia hinc inde atlc- 
niiata. Bracleae dense villoso-glandulosae, au/ricuUs hrevihus 
acu}ni)i(((is. l^ednnculi elongatuli, IC) — 18mm longi, seiis 
glandidigeris pracditi. Becejitacula ovoidea vel ovoidco-glo- 
hosa, setis glandidigeris onusta. Sepala diio inirgra, (ri<i 
])iunf(tffidn, glandulis et setis flavescentihus, glandnligcris 
dmsf. ohsita. (Jorolla pallide rosea. Discus suhconicus. 
Siyli dense villosuli". 

„Der Form der liläticlicn nach mit //. tovientosa var. 
SerivgrfDtd (\)\\\n.) v(!rwan(lt, von dii^scr Iciclii durch die 
Hpitzc, vicldrUsigc Scrratur, die drllsigc lilattuntcrsciie, die ße- 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



433 



kleidung der Kelchzipfel und den Diskus, von Bosa Pseuch- 
cuspidafa Cr6pin vor allem durch die Form der Blättchen, die 
Bekleidung der Kelchzipfel, die wolligen Griffel usw. ver- 
schieden. In Ascherson und Gräbner, Synopsis, VI. ist 
diese Kose nicht enthalten: am nächsten kommt sie der iiosrt 
Zabeln Crepin (Soc. Bot. Belg.. XVI. I i, die sich dui'ch noch 
stärkere Driisigkeit der Blättchen und Kelchzipfel, drüsig 
bewimperte Korollen, breitere Brakteen und die Form der 
Blättchen gut unterscheidet."' (H. Braun brieflich, i 

Die zweite Form ^vird von H. Braun als Bosa tomentosa 
(omissa) *var. drosocalyx bezeichnet und gekennzeichnet: 
^Bami aculeis adimcis vel liinc inde suhredis x^^'^^dlü. Sti- 
2)ulae dense tomentosae et glandiilosae, auricidis hrevihiis. 
Petioli dense villosi, hiermes vel acideoUs parvis praeditij 
glandulosi et kinc inde setis hrevibus glandidigeris ohsiti. 
Foliola ellixjtica, ad hasin versus rotimdata, in m argine 
glanduloso-multiserrata, supra molliier tomentosa etviridia, 
suMus cano-villosa et dense glandidosa, graveolentia. Bracteae 
dilatatae, dense villosido-glandidosae, auricidis acutis, h'evihus. 
Pedunculi 8 — 10 mm longi, setis glanduligeris praediti, glan- 
dulis lividis. Beceptacula ovoideo-glohosa, setis glanduligeris 
pteUiicidis armata. Sepala dense glandulis pellucidis et 
setis riihro-flavescentihus glanduligeris onusta, post 
antlissin erecta et fructum maturum coronantia. Cor oll a 
pulclire ruhra. Biscus suhconicus. Styli villosuli. Becep>- 
tauda fructifera glohosa vel ovoideo-glolosa, sanguinea^. 

„Gehört dem Formenkreise der B. omissa Desegl. an und 
ist von allen bei Ascherson und Gräbner, Synopsis, VI, 
76 — 79 beschriebenen Fonnen durch die Nebenblätter, die 
beiderseits behaarten Deckblätter, die wasserhellen Stieldriiseu, 
die kugeligen oder kugehg-eiförmigen Scheinfrüchte verschie- 
den." (H. Braun brieflich.^) 

Bosa pomifera. Ein Strauch zwischen Spiluck und der Spilucker- 
alpe. Die vorliegenden Exemplare wurden von H. Braun 
der *var. recondita (Puget) zugerechnet. 

(hwnis spinosa *f. densiflora. Nicht selten auf feuchten Berg- 
wiesen um Bad Burgstall, St. Andrä, Naifen usw. Ich ver- 

Z. B. Ges. Bd. LV. 28 



434 



Anton Heimerl. 



danke wertvolle Aufklärungen über diese und verwandte Formen 
Herrn Prof. v. Beck. Die Pflanze hielt ich anfangs für 0. 
Austriaca, wurde aber durch v. Beck aufmerksam gemacht, 
daß sich seine Art durch rutenartige Zweige und sehr ge- 
lockerte und verlängerte Blütenstände wohl unterscheide und 
daß die vorliegende Pflanze die Eigentümlichkeiten der f. lati- 
folia Neilr. (Flora von Niederösterr., 929) und f. densiflora 
Freyn (in Öelakovsky, Prodr. d. Flora v. Böhmen, 906) 
vereinige und mit Rücksicht darauf, daß der letzteren auch 
schwach bedornte Stengel zugeschrieben werden, dieser zu- 
gerechnet werden könne. — In Bach lechner I, 20 findet 
sich auch eine Ononis repens „bei Aicha am Aufstiege nach 
Meransen" angegeben; ich zweifle nicht, daß damit eine auf- 
fallende, auf den sonnigen Glranitgehängen ober Aicha ver- 
breitete Ononis gemeint ist, deren Zugehörigkeit zu 0. repens 
ich aber noch weiteren Studien überlassen möchte. 

Trifolium ruhens. Am Aufstiege von Aicha nach Spinges, von 
Albeins nach Afers, dann häufig an den sonnigen Gehängen 
unter Tschifl'non zur Reichsstraße herab, endlich bei Naz. 

Trifolium ocJiroleucum. Häufig an den sonnigen Gehängen unter 
Tschiffnon zur Reichsstraße herab. 

Trifolium striatum. Am Wege (1) von Elvas zur Seeburg an einer 
Stelle (mit spärlicher Achillea tomentosa) in Menge. 

Trifolium alpinum. Geht bis auf die subalpine Wiese ober Vahrn 
am Aufstiege zum Taubenbrunnen (gegen 1100 m) herab. 

* Trifolium imarnatum. Beim Elektrizitätswerke von Brixen nächst 
Schahs häufig. 

Trifolium hadium. Geht am Schaldcrerbache bis etwa in die Weg- 
mitte von Bad Scbaklcrs und Steiuwend iierab. 

Anthyllis Vulneraria. Dürfte hi(;r die allein vorkommende Art sein; 
hliihcrid(; St^W-ke noch im September auf (Umi Porpliyrgehäiigcn 
zwiHclieii TheiH und Melans. 

Ottohryc/iis virincfolid. Valirii, Bas und an den sonnigen Ge- 1 
liilngen von THcbilliion zur Keiclisstraße herab. 

Vicia sUvalica. An der StndJc von St. Beter — Villni>KS zur I hiltcHtcIlc 
herab. 

Vicia tctraspcrma. Am Bahndamme h(;ini Vahrnerbade. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



435 



* Vicia sordida. Scheint sich hier einzubürgern : einzeln unterhalb 

der Seeburg- in Brixen, dann nicht selten in einem Geti-eide- 
felde zwischen Neustift und Stuffels (Weg 16). 

* Latliyrns Spärlich und nicht blühend, mit dem 

schönen Bilde in Reichenbach-Beck, Icones, XXII, Tab. 212 

vollkommen übereinstimmend am Wege von Albeins nach Afers; 

vielleicht bezieht sich die Angabe bei Bachle ebner (II, 8): 

„L. lieterophylliis. Sandige Wälder unter St. Jakob in Afers " 

auf die vorliegende Pflanze. 
Lathynis niger. Selten: am oberen Wege von Vahrn nach Schal- 

ders, dann am Fundorte der vorigen Art. 
Geranmm silvaUcum. Am Wege 3 von der Spiluckeralpe gegen 

das Burgstallereck. 
Geranimn sangnineum. Häufig ober Aicha am Aufstiege nach 

Spinges auf den sonnigen Granitgehängen. 

* Geranmm dissectum. Vereinzelt an dem Wege von Albeins nach 

Afers. 

Geranmm roümdifolmm. Selten am Aufgange zur Seeburg (Weg 1) 
bei Brixen, häufiger ober Stuflfels am Wege (2) nach Elvas. 
Die Pflanze ist durchaus nicht so verbreitet, wie es Bach- 
lechner (I, 18) angibt („häufig an Mauern und Rainen"); 
es steckt offenbar eine Verwechslung mit dem hier gemetnen 
G. xmsülum dahinter, das von Bachlechner bloß „hier und 
da auf Krakofl" angegeben wurde. 

*'OxaUs sirida. Beim Bahnhofe von Klausen. 

* 3Ierctirialis perennis. In der Schlucht, durch welche die Straße 

von der Haltestelle Villnöss nach St. Peter hinaufführt. 

Malva Älcea. Am Wege von Neustift nach Ras. — Außer dieser Art 
findet sich hier nur noch M. neglecta häufig; M. siluestris, für 
welche Bachlechner (I, 16) mehrere Fundorte angibt, 
scheint von allen diesen verschwunden zu sein, da ich sie 
nirgends antreffen konnte. 

Hihiscus Triomim. Häufig in Sandgruben bei der Seeburg in 
Brixen. 

Epilohinm palnstre. In den Sümpfen von Ras und Naz, dann auf 
einer Wiese am Aufstiege zum Taubenbrunnen von Vahrn aus. 



436 



Anton Heimerl. 



Epildbkim alsinefolium. An quelligen Stellen der Alpen gemein; 
geht bis gegen das Bad Schalders, dann mit voriger Art bis 
auf die subalpine Wiese unter dem Taubenbrunnen herab. 

* E2nlohium alsinefolium X palustre. Häufig in Gesellschaft der 

Stammarten auf der subalpinen Wiese ober Vahrn am Aufstiege 
zum Taubenbrunnen; die Exemplare stellen genaue Zwischen- 
formen beider Stammarten vor. 

* Epilohium nutans. In Gesellschaft der vorigen Arten unter dem 

Taubenbrunnen, dann am Wege (3) von der Spiluckeralpe 
nach Schalders. 

Heder a Helix. An Felsen unter Rodeneck nächst der Rundlbrücke; 

dürfte hier das nördlichste Vorkommen darstellen. 
CliaeroplnjUum VUlarsU. Wiesen bei Bad Burgstall; an der Straße 

von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herab. 
Chaerophylltim aureum. Bei Viums und Naz. 

* Toriiis arvensis (T. Helvetica). Wegränder bei der Seeburg ober 

Brixen. 

Imperatoria Ostruthium. Schon an einem Wasserlaufe in Vahrn; auf 
den hiesigen Alpen gemein. 

* Laserpitium Pnttcnicum. Am steilen Gehänge von Tschitfnon zur 

Keichsstraße herab. 

Cornus sawjuinea. An vielen Stellen: Rundlbriicke, Vahrn, Albcins, 
Afers, Sähen, Haltestelle Villnöss, Naifcn, Melaus usw. — 
C. mas erst bei Klausen. 

Pi/rola cliloraniha und Vi/rola media. Zwischen Spiluck und der 
Spihickcralpe; crstcrc auch im Kieferwakle am Wege von 
Valirn zum See und am Aufstiege von Aicha nach Spinges. 

Pirola rolundifolid . Am Schaldcrerbache zwischen Vahrn und Bad 
Schalders, dann am Aufstiege von Vahrn zum 'l'aubenbrunncn. 

Mo)iolroi>(i nndJi/lora. ICinzcln im Kiclervvaldc am Wege von Al- 
bcins nach Afers. 

* Mom/rojKi Ihfpopiinica. Vereinzelt im Kieferwakle zwischen Ncu- 

Ktifi und Sclial)H. 
yaccinium ulif/inosuni. Kinigadnerwiese in Steinwcnd, Had Hurg 
stall oIm r Urixcii, Wiese am Aufstiege von Valirn zum 'l'auben 
l)runn(;n. 

Krythram pukhdla. Sumplwicseu bei Bas. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



437 



^ Genüana solstitialis^) (G. ohtusifoUa aut. plur.). Häufig auf der 
Kinigadnerwiese und den Kammerwiesen in Steinwend, dann 
auf der torfigen ^Yiese unter dem Jochübergange Spiluck — 
Franzensfeste, endlich aufwiesen bei Bad Burgstall. 

* Genüana PJiaetica. Vereinzelt bei Schahs; häufig am Rande des 

Sumpfes von Naz. Eine kleine und blasser blühende Fonn 

am Gipfel des Freienbühel (1770 w). 
Memjantlies trifoliata. Im Torfmoore zwischen Viums und Naz. 
Lycojms arvensis. Ackerränder bei Ras und Spinges. 
Pidmonaria angnsüfolia. Gemein um Vahrn und Brixen. — P. offt- 

cinalis scheint hier zu fehlen; eine mir zweifelhafte „P. azu- 

rea^ wird von Bachle ebner (I, 55) angegeben. 
Gal€02)sis Ladanum. Gemein um Vahrn^ Brixen, St. Anton, Spinges; 

steigt bis zur Spiluckeralpe auf. — Die verwandte G. angmü- 

folia fehlt hier. 

* Galeopsis Murriana. Stellenweise häufig: bei der Rundlbrücke 

unter Rodeneck, bei Elvas, am Abstiege von Burgstall nach 
Brixen. — Außer diesen Arten noch sehr verbreitet: G. Tetra- 
lüf und G. speciosa. Vielleicht bezieht sich die Angabe bei 
Bachlechner (II, 14): „Übergänge von G. piibescens zu 
G. versicolor häufig unter Gebüsch an der Sade in Afers" 
auch auf G. Murriana. Die gewöhnliche Form von G. xnibe- 
scens mit purpurner Grundfarbe traf ich hier nirgends an.^) 
Leonurus CarcUaca. Unkraut in Elvas. 

Ballota alba. Um Vahrn, Neustift, Elvas usw. verbreitet, mit 
dem Bilde in Reichenbach, Deutschlands Flora, Bd. 18, 
Taf. MCCXVIII, Fig. I, 1, 2, 3 [B. nigra a) foetida], genau 
übereinstimmend. 

^^nclujs anniia. Hin und wieder an der Straße von St. Peter — 
Villnöss zur Haltestelle herab. 
"cliys silvatica. Bei den Brixener Elektrizitätswerken nächst 
Schahs. 

^tachjs x^alustris. Auf Feldern bei den obersten Gehöften von Spiluck. 

^) Vgl. V. Wettstein, Die europäischen Arten der Gattung- Gentiana 
aus der Sektion Endotricha. Wien, 1896. (Denkschr. der kais. Akad. der 
Wissensch, in Wien, mathem. naturw. Kl., Bd. LXIV.) 

Vgl. Forsch, Österr. Galeopsis -Arten, 79, 81,82 usf. 



438 



Äntou Heimeri. 



Salvia verticillata. Häufig am Fundorte der Stachys annua an der 
Villnösser Straße. 

* Sahir eja Calamintha (CalamintJia officinalis). Spärlich unter 

Schwarzerlen in einer quelligen Schlucht am steilen Gehänge 
von Tschiffnon zur Reichsstraße herab. — Die von Bach- 
lechner (I, 62) für Calamintha officinalis gegebenen Fundorte 
beziehen sich offenbar auf die verwandte, hier nicht seltene 
Satureja nepetoides. 

* TJnjmus Gliamaedrys}) Im Bachgerölle zwischen Bad Schalders 

und Steinwend nicht selten. 

* Thymus lanuginosus. Häufig auf den sonnigen Gehängen zwischen i 

Neustift und Elvas. 
Tliymus Froehlichianus (Opiz) (teste H. Braun) [T(hymus lanugi- 
nosus h) Froehlichianus (Opiz); H. Braun in Österr. botan. 
Zeitg., 1891, Nr. 9]. Auf den Porphyrabstürzen zwischen 
Theis und Melaus. 
"^Thymus ellipücus var. ohlongifolius (Opiz) (teste H. Braun) 
[Thymus praecox var. ohlongifolius (Opiz); H. Braun, 1. c.]. 
Mit voriger Art. 

Mentha longifolia. Gemein von den Tälern bis ins Gebirge; *var.i 
candicans (Crantz) (teste H. Braun) um Bad Schalders; *var.i 
candicans f. hrevifrons (Borbäs) (teste H. l^-aun) um Bas, danni 
zwischen Vahrn und Brixen; *var. cuspidata (Opiz) (testei 
H. Braun) um Spinges; eine Mittclform von var. candicans\ 
und cuspidata (teste H. Braun) bei St. Peter — Villnöss. i 
• * Mentha rubra. Als GartenflüchtHng in Theis und Bad Schalders;! 
die Exemplare gchin-cn der var. resinosa (Opiz) (teste H. Braun) 
an. — Vi(;lleicht ist liierlicr die von Bachlechncr (I, 61) 
angeführte M. gentiUs zu stellen. 

* Mentha jdicata (Opiz) (teste 11. Braun). Süm])fc um Bas; daselbst 

auch eine Übergangsform von M. verticillata zur Opizschen 
M. hallotaefoUa (teste Ii. Braun). 

* Mentha origanifolia (teste II. lirn un). Umgebung von Valirn. 

») Herrn Stadtrat II. lUuuu in Wi(!M liulx; ich für die, R(;viHion dei 
Voruu'U von Thymun und McnUia den boHtün iJaiik ab/iiHtaitcn. von ihn 
herrührenden Hehtininningen Hind durch: teHte i|. liraun gc.konnzcMchnet. 



n. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



439 



* Mentha parietariaefolia. Sümpfe von Ras; daselbst auch eine sieb 

der Opiz sehen M. caespitosa nähernde Form (teste H. Braun). 

* Mentha xjalustris var. nummularia (Schreber) (teste H. Braun). 

Auf Äckern bei Bad Burgstall und in Vahrn. 

* Mentha Austriaca. Hiervon folgende Varietäten : var. polymorpha 

(Host) (teste H. Braun) und var. pidchella (Host) (teste 
H. Braun) zwischen Vahrn und Bad Schalders; var. multiflora 
(Host) (teste H. Braun) an Sumpfstellen bei Naz. 
Lyciiim vulgare. Sehr spärlich als Gartenflüchtling in Vahrn und 
Neustift; eingebürgert an der Straße von der Station zur Stadt 
Klausen. 

Datura Stramonium. Häufig in einem Felde bei der Seeburg ober 
Brixen. 

Veronica fruticans. Am Wege von Vahrn zum See an gerölligen 
Stellen; häufig am Freienbühel. 

* Veronica opaca. Äcker bei St. Peter — Villnöss. 

* Veronica Tournefortii. Mit voriger Art am selben Standorte. 
Melamjyyrum praiense. Hierfür nehme ich die auf den sonnigen 

Granitgehängen von Aicha über Spinges bis Mühlbach massen- 
haft vorkommende Pflanze mit schön goldgelben Blüten, grün- 
lichen Antheren mit purpurn gestricheltem Konnektiv und weißer 
Randbehaarung der Theken. 

* Melampyrum commiitatum. Hierher dürfte eine um Vahrn und 

Schalders gemeine Pflanze zu rechnen sein, deren Kronröhren 
größtenteils weißlich und deren Unter- und Oberlippe schwefel- 
gelb gefärbt sind; Antheren grünhch. Einen verläßHchen 
Unterschied beider Pflanzen in Laub- und Hochblättern kann 
ich aber nicht auffinden. 

Euphrasia siricta. Gemein: Vahrn, Brixen, Naifen usw.; auch noch 
am Gipfel vom Freienbühel (1770 m) mit E. BostJcoviana. 

^Alectorolophus angustifolius.^) Ober Afers am Wege zum Freien- 
bühel. 

* Äl€ctorolo2)hus simplex. Kinigadnerwiese in Steinwend und Wiese 

am Aufstiege von Vahrn zum Taubenbrunnen. — Diese Pflanze 



^) Die Bezeichnung der Arten nach v. Sterneck, Monographie der 
Gattung Älectorolophus. 



440 



Anton Heimerl. 



wurde von mir früher (Beiträge I, 467) für Ä. lanceolatus 
gehalten. 

Pinguicula vulgaris *var. alpestris. Auf der Kinigadnerwiese in 
Steinwend kommt eine prächtige Form der P. vulgaris mit 
bis 29 mm langen Blumenkronen häufig vor, die ich, obwohl 
mir keine Kapseln vorliegen, zur obigen von Genty im Journal 
de Botanique, V (1891), 247 aufgestellten Abart bringen möchte. 
Von der P. grandiflora, für welche man die Pflanze ansprechen 
möchte, unterscheidet sie sich durch die sich zumeist nicht 
berührenden Lappen der Blumenkrone, den relativ kürzeren 
Sporn und den mehr verlängerten Mittelzipfel derselben. 

Orobanche gracilis (0. cruenta)}) Die f. polyantha und f. longe- 
squamata Beck bei Bad Burgstall ober Brixen; die typische 
Pflanze bei Spinges gegen Mühlbach zu. — Diese sonst häufige 
Orobanche ist hier ziemlich selten; verbreitet ist hingegen in 
niedriger Lage Orobanche alba (0. JEpitJiynmm). 

* Orobanche lutea (0. elatior). An einer Stelle am Aufstiege von 

Neustift nach Elvas häufig; die gesammelten Exemplare ge- 
hören der f. collecta Beck an. 
Orobanche lucorum. Gehänge ober dem Kabeswirt in St. Peter — 
Villnöss; am oberen Wege von Vahrn nach Schalders und an 
den Abhängen von Spinges gegen Mühlbach. 

* Galium vernum. Am Beginne des Weges von der Haltestelle Vill- 

nöss nach Naifen. 

* Galium spurium. Ackerunkraut bei Elvas und St. Anton ober 

I5rixcn. 

Galium rubrum. Auch noch bei Mühlbach an den sonnigen Granit- 
gchängcn. 

* Galium lucidum. Auf den Porphyrgeliängcn bei Thcis. 
Galium Ausiriacum. Gemein auf" Wiesen in Steinwend. 
Viburnum Lantana. Am Abstiege von Spinges nach Mülilbacli, in 

der Sclilucht bei der llaltcHtelle Villnims und ;un W(;ge von 
der llaltcHtclle nach Naifen. 

'j Herr l'rof. v, I'»(5('k li:if inciiK; li(!HtiniiMnn^''(!i) der Or(>])JUK'lien Ix^Htiiti^t 
niifi war ho IVeiindlicli, mich uiii' (Iii! un^elulirton i^'onncn iiufiiierkHiiui /u 
iiijkIhti. 



n. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



441 



*Vihurnum Opuhis. Einige große Sträuclier in den Eisackauen, 

ungefähr unterhalb Schloß Pallaus. 
Valeriamlla dentata. In Feldern bei Vahrn, Ras, Brixen, Klausen usw. 
Campamda Bmioniensis. Auch bei Ras. 

Campamda spicata. Häufig auf den sonnigen Granitgehängen ober 
Aicha, dann zwischen Mühlbach und Rodeneck. 

Campamda pusdla. Auf den Porphjrab stürzen zwischen Theis und 
Melaus, dann in üppigeren Formen an der Straße von St. Peter 
zur Haltestelle Villnöss herab. — Es dürfte dies das erste 
sichergestellte Vorkommen in diesem Gebiete sein, da die An- 
gaben bei B ach le ebner (I, 50: „Auf mageren Alpentriften in 
Schalders, hier und da auch in der Nähe des Schießstandes") 
vielleicht irrtümlich sind; in niederer Lage ist hier nämlich 
C. rotundifolia, in höherer, z. B. in Schalders, C. Scheuchten 
gemein. 

Fhjteuma Halleri. Kinigadnerwiese in Steinwend, auf einer Wiese 
im Schalderertale ungefähr halbwegs zwischen Vahrn und 
Bad Schalders, endlich an einer Stelle beim Vahrner Kastanien- 
walde. — Die gesammelten Exemplare gehören der * var. 
typicum, und zwar größtenteils der f. long ihr acteakm, zum 
kleineren Teile der f. pilosum bei Schenz, Monographie der 
Gattung Plujteuma, 74, an; letztere Form hat nicht bloß be- 
haarte Blätter und Blattstiele, sondern auch bis über die 
Hälfte hinauf weichhaarige Stengel. 

*Phyf€iüna leionicifolium. Auf allen Gebirgen gemein, geht bis 
in die Talsohle herunter, so am Schaldererbache bis Vahrn, 
bis in die Eisackschlucht bei Neustift usw.; offenbar die von 
Bachle ebner (I, 50) für Ph. Michelii und Ph. Scheuchten 
gehaltene Pflanze, die beide dem hiesigen Gebiete gewiss 
fehlen. — Die vorliegenden Stücke, welche auch hin und 
wieder behaart vorkommen, verbinden die beiden von Schenz, 
1. c, 95 unterschiedenen Varietäten: tyxyicum und lanceolatum, 
da die Grundblätter teils mit deutlich herzförmigem, teils mit 
gestutztem bis abgestumpftem Grunde an derselben Pflanze 
wechseln, ähnlich schwanken die untersten Stengelblätter. 

Phyteuma hemispjhaericmn. Am Schaldererbache nächst Steinwend 
gesammelte Stücke verbinden die beiden von Schenz, 1. c, 



442 



Anton Heimerl. 



148, 149 unterschiedenen Varietäten: typicum (Taf. XVI, 2) 
und carinthiactim (Taf. XVI, 1); von der ersteren haben sie 
den armblätterigen Stengel, von der letzteren die das Köpfchen 
üb erragenden Stengelblätter. 
Phyteuma orhiculare. Kinigadnerwiese in Steinwend, und zwar die 
subsp. *montanum var. stiffuUum f. pilosum (Schenz, 1. c, 114). 

* Solidago alpestris. Häufig auf der Kinigadnerv^iese in Steinwend 

und auf Wiesen ober der Spiluckeralpe. 
Äster Ämellus. Bei der Rundlbrücke unter Rodeneck und an 
sonnigen Gehängen unter Tschiffnon. 

* Erigeron anmms (Stenaciis annua). Hat sich am Bahndamme 

unter Brixen und in den Eisackauen gegen die Mahr zu 
in Menge eingebürgert. 
Inula vulgaris (Inula Conyza). Einzeln am Sträßchen von der 
Seeburg nach Brixen herab. 

* Senecio silvaticus. Am Waldwege von der Haltestelle Villnöss 

nach Naifen. 

Senecio harbaraeifolius. Auch bei St. Pauls (nächst Rodeneck); 
wohl die von Bachlechner (I, 44) als S. acjuaticus be- 
zeichnete Pflanze. 

Arctium minus (Lappa minor). An Straßenrändern in Neustift, hin 
und wieder in Vahrn ; hier die einzige Art der Gattung. 

Onoptordon Äcanthium. Zwischen Naifen und Theis. 

Centaurea hradeata}) Auf den sonnigen Granitgehängen ober Aicha 
sehr verbreitet. 

Centaurea dubia (C. nigrescens auct. mult.). Von Spinges und MUhl- 
bach an im ganzen Gebiete häufig. 

(ycntaurea daiior (C. jtseudophrygla). In Steinwend beim Wasscr- 
S(;hlo8SC der Brixener Wasserleitung. 

Centau/rea Scahiosa. Besonders häufig an der Sildgrcnzc unscrcH 
GobictcH bei Naifen und St. VvAor — VilhiösH. 

Cnilanrna Ithmana. Von Vahrn und hrixen an südwärts gemein; 
offenbar die von Piachlcchner (1,46) als C. maculosa ange- 
führte Pflan/c. 

') Die iirzc.iclinim^Miii der (/'nnt.'innMüi nach v. Ilfiyck, On/^^rm- Art''" 
ÖMtcrrcicli-Un^^arnK (DcrikHclir. dor kam. Akud. (1. WiaHtniHcli. in Wien, uiaiiiuiii.- 
naturw. Kl., Bd. LXXII). 



Ii. Beitrag- zur Flora des Eisaektales. 



443 



* Hypochoeris radicata. An einer Stelle im sonnigen Kieferwalde 

ober Tils am Abstiege vom Feichtenbauer. 
^Willemetia stipitata. Auf den Kammerwiesen in Steinwend. 
Leontodon Pyrenaicus. Häufig- auf den hiesigen Alpen, geht bis auf 

die Wiesen ober Spiluck, die Kinigadn erwiese in Steinwend 

und halbwegs von da gegen Bad Schalders herab. 
Scor Sonera humilis. Bei Bad Burgstall nicht selten. 
Sonclius asper. Nicht selten um Brixen, dann in den Eisackauen 

gegen die Mahr zu. 
Lactuca perennis. Verbreitet auf den sonnigen Granitgehängen ober 

Aicha. 

Crepis foetida. Sparsam an Weinbergmauern in Neustift. 

Hieracium Pilosella.^) Um Elvas gesammelte Stücke gehören der 
subspec. amaura N. et P. an (teste H. Zahn). 

Hieracium Florentinum. Die subspec. ^ohscunim Reichb. in der 
f. ß. pilosiceps N. et P. ober Franzensfeste gegen Riol zu, dann 
häufig um Neustift; die subspec. ^Äustrotiroliense N. et P. um 
Elvas (teste H. Zahn.) 

Hieracium Auricula. In der subspec. amaureilema N. et P. auf 
einer subalpinen Wiese am Aufstiege von Vahrn zum Tauben- 
brunnen (teste H. Zahn). 

Hieracium alpinum L. Die subspec. * Halleri Vill. f. tuhulosum beim 
Brixen er Wasserschloß in Steinwend (teste H. Zahn). 

* Hieracium Hocconei subspec. Bocconei f. genuinum (teste H. Zahn). 

An Waldrändern bei den Kammerwiesen in Steinwend; wahr- 
scheinlich ist dies die von Bachlechner (II, 12) als H. pre- 
nantlioides angeführte Pflanze. 
Hieracium amplexicaule. An Felsen bei der Rundlbrücke nächst 
Rodeneck, bei Spiluck, zwischen Theis und Melaus. Ein hier 
auf Phyllit und Porphyr sehr verbreitetes Hieracium, dessen 
vorliegende Exemplare der subspec. * Berardianum A. T. zu- 
zurechnen sind (teste H. Zahn). 

^) Herrn Reallehrer H. Zahn erlaube ich mir für die freundlichst über- 
nommene Durchsicht und Richtigstellung meiner Bestimmungen der Hieracien 
aufs verbindlichste zu danken. Die Angaben der Formen usw. bei den auf- 
gezählten Hieracien rühren von ihm her und sind durch: teste H.Zahn ge- 
kennzeichnet. 



444 



Anton Heimerl. 



Hieracmm glaumm subspec. nipliolepmm N. et P. Die von mir 
als H. hujjleuroides in diesen „Verliandlung-en", Jahrg. 1904, 
470 angeführte Pflanze von Neustift gehört zu dieser Art 
(teste H. Zahn). 

^ Ilieracnmi silvatictwi subspec. hifidiforme (teste H. Zahn). Auf 
der Kinigadnerwiese in Steinwend; ein Teil der von mir 1. c., 
470 angeführten Fundorte für IL caesium gehört hierher. 

* Hieracitim hifidtim. Häufig am Schaldererbache ober Vahrn; 

daselbst auch das ^ H. suhcaesium (teste H. Zahn). 

* Hieracium pallescens. In Gesellschaft der vorigen Arten (teste 

H. Zahn). 

* Hieracium laevigaüim, und zwar nach H.Zahn in der subspec. 

laevigatum. Am Wege von der Spiluckeralpe zu den obersten 
Gehöften von Schalders, dann an Gehängen in Steinwend. 

Hieracium horeale^ und zwar nach H. Zahn die subspec. ^ sublac- 
tucaceum Zahn in Wäldern am Schaldererbache in Vahrn, die 
subspec. ^vagum Jord. bei Feldthurns und mit der vorher- 
gehenden um Vahrn. 

Hieracium umhellatum. Von diesem hier gemeinen und sehr ver- 
änderlichen Hieracium erwähne ich als von H. Zahn erkannte 
P\)rmen seiner subspec. umhellatum: f. geniiinum, Gehänge 
unter Tschiffnon und ober Mühlbach, f. laüfolmm bei der 
Haltestelle Villnöss und an Gehängen unter Tschiifnon, dann 
die f. salicifolium bei Bad Burgstall ober Brixen. 

13. 

Daft Folgende soll einen kleinen Beitrag zur Erforschung der 
l'ilzflorji (his Brixcner Gebietes liefern. Es sind insbesonders die 
Hasidioinyceten im weitesten Sinne, viel weniger die Asconjycctcii 
zur Aufsanimlung gekommen, wobei ich aber gleich bemerken will, 
(laß aiicli das VcTzeiclmiH der Ilymenomycetcn nichts weniger als 
ein aiicli nur aiinilli(;ni(l vollHländiges anzusehen ist, da mir bei 
rnanclien Agaricincen keine; V(;rl;iniicli(; r>(;Hiinimung gelang. — Es 
ist mir lii(;rbei (tine angenelinie riliclit, Herrn J'rof. F. v. llölineF) 

') Vmi iliiii InniilirciKic licHtiiniiiiiii^Müi hIikI durch: tcHl.o F. V. Ilölinol 
^okcunzi'iclinct. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



445 



für seine bei vielen Gelegenheiten mit Rat und Tat erwiesene Bei- 
hilfe den wärmsten Dank abzustatten; ich verdanke ihm nicht nur 
Unterstützung durch kostbare, schwer zu beschaffende Abbildungs- 
werke, sondern auch mannigfache Winke und Auskünfte aus dem 
reichen Schatze seines Wissens, endlich auch die Erlaubnis zur 
Uberalsten Benützung der prächtigen Sammlungen seines Institutes 
am Wiener Polytechnikum. 

Ceratiomyxa mucida. Auf moderndem Holze am oberen Wege von 

Vahrn nach Bad Schalders. 
Physariwi niäans (Tilmadoclie mitans.) Auf moderndem Holze am 

Schaldererbache ober Vahrn. 
Physanm virescens. Häufig auf Moosen in dem Waldgebiete zwischen 

Vahrn, Bad Schalders und dem Taubenbrunnen. 
Fidigo sepüca. Verbreitet auf Baumstümpfen, Moosen, Kräutern, 

modernden Fichtenzapfen usw.; teils in nur 1 — 2 cm großen, 

teils in bis handgroßen Äthalien (Vahrn, Schahs, Schalders usw.). 
Stemonitis fusca, ConiatricJia typhoides, Crihraria vtdgaris und Dicty- 

dium cermmm. Auf moderndem Holze vor Bad Schalders. 
Ttihulina cylindrica. Auf Kiefernstümpfen im Waldgebiete zwischen 

Neustift und Schahs. 
Ärcyria cinerea. Auf moderndem Holze am Schaldererbache zwischen 

Vahrn und Bad Schalders. 
Lycogdla Epidendrum. Auf moderndem Holze von Vahrn an bis zu 

der Kinigadnerwiese in Steinwend verbreitet. 
Pycnochytritim Merciirialis. Auf 3Iercuricdis perennis in der Schlucht, 

durch welche die Straße von der Haltestelle Villnöss nach 

St. Peter hinaufführt. 
Älhugo Candida. Auf Bursa Pastoris zwischen Neustift und Brixen; 

auf Boripa silvestris und gebautem Raphamis sativus bei 

Brixen. 

Älhugo Porttdacae. Auf Portidaca oleracea bei der Seeburg ober 
Brixen. 

Älhugo Tragopogonis. Auf Tragopogon maior um Neustift, Klausen 
und Naifen; auf Tragopogon Orientalis um Naz. 

Älhugo Bliti. Häufig um Vahrn und Brixen auf Ämarantus retro- 
flexus; auf Ämarantus Silvester bei Neustift und Brixen. 



446 Anton Heimerl. j 

Pliytopliiliora infestans. Gemein im Gebiete. 

Tlasmopara nivea. Gemein in Valirn auf Aegopodium Podagraria 
(Konidienträger bis 340 hoch!), smf Pastinaca sativa in den 
Anlagen in der Kachlerau vor Brixen^ auf Pimpinella Saxi- 
fraga bei Elvas und zwischen Albeins und Afers, auf Pimpi- 
iiella magna bei Klausen und auf den Wiesenflächen vom 
Vahrnerbad an bis Brixen; hier 1904 so verheerend auftretend, j 
daß die gebräunten Blätter der einen Hauptbestandteil der aus- 
gedehnten Wiesen ausmachenden Wirtspflanze das Grün der 
Wiesen aufiallend beeinträchtigten. 

Plasmopara pusilla. Auf Geranmm pratense in Vahrn und Klausen. 

Plasmopara densa. Auf Euplirasia BostJcovyana in Elvas. 

Bremia Lactucae. Auf Sonchus oleracetis und S. asjjer bei Brixen. 

Peronospora effusa var. maior. Auf Chenopodium allmm in Brixen. 

Peronospora Ärenariae. Auf Arenaria serpyllifolia bei Afers; die 
Bestimmung ist nicht ganz verläßlich, da keine Oosporen auf- 
zufinden waren. 

Peronospora Linariae. Auf Linaria vidgaris bei Verdings nächst 
Feldthurns. 

Spatlmlaria clavata. Stellenweise in Föhrenwäldern häufig: zwischen 
Schahs und Ras, beim Gallhofe in Vahrn und im Wäldchen 
vor dem Vahrnerbade. — Ich möchte auf zwei offenbar nahe 
verwandte Formen aufmerksam machen, welche hier vor- 
kommen. Die eine traf ich in kleinen Gruppen (neben der 
typischen Sp. clavaia) wachsend in einem Kieferwäldchen l)ci 
Vahrn an. Mikroskopisch ist sie in den Sporen usw. der Sp. 
clavata gleich, sofort aber von dieser durch die graulich- 
rötliche Farbe und geringere (lrr)ße (bis cm hoch und 
kaum 1 cm breit) zu unterscheiden. Es b'cgt hier, wie mir 
Herr Ah\t(i J. Hresadola freundhchst bestätigte, die Späth. 
Ncesii Brcsad. (Fungi Trident., 60, Tab. 72, Fig. 3; Behm in 
liabenh., Kryptoganienfl., 1159) vor. Der genannte Forscher 
bezeichnete Ki(; bricllicli als Sp. Ncesii f. lypka. Die zweite 
SpafliKlfiria Ix'woliiit die aus Fichten, I^ärchcn und sparsamen 
TaniKMi h('Mt(',li('nd(;n Nadelwälder ober lUid Scli:il(l(irH: eine 
hell tleiHcliCarhige, bis f) r;m hohe und \-U(.in breit(i rtlan/e, 
an der besonders das weite llerablaufen der nicht oder kaum 



IL Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



447 



welligen Fruchtschichte an den Seiten des Stieles auffällt. 
Über diese Form teilt mir Herr Abbe J. Bresadola mit, 
daß sie von Rehm in den Annal Mycolog., II, 6, 515 als 
Sp. flava var. alpestris beschrieben wurde, aber besser zur 
Sp. Neesii zu stellen wäre und von ihm im Herbare als Sp. 
Keesii var. maior bezeichnet wurde; auch auf die nahe Be- 
ziehung oder vielleicht Identität mit S^). velutipes Cooke et 
Farlow machte mich dieser Forscher aufmerksam. 
Leoila gelatinosa. Stellenweise in den Vahrner Kastanienwäldern 
häufig. 

Ciidonia circinans. Häufig in den tiefen, aus Lärchen und Fichten 
gebildeten Nadelwäldern um den Taubenbrunnen, dann ober 
Bad Schalders. 

HelveUa crisjja, H. atra und H. lacunosa. Zwischen Gras im 
Kastanienwalde bei Vahrn, die beiden letzteren Arten sparsam. 
Zwischen H. EpTilppium und H. atra vermag ich unter Be- 
nützung der Bearbeitung von Rehm in Rabenhorst, Krypto- 
gamenfl., 1180 ff. keine durchgreifenden Unterschiede zu 
finden. 

Macropiodia Corium. Auf feuchter Erde bei Bad Schalders (teste 
F. V. Höhnel). 

Plica/ria imstulata. Stellenweise in Menge an entblößten feuchten 
Erdstellen am Wege von Vahrn nach Bad Schalders und bis 
zur Kinigadnerwiese in Steinwend (gegen 1400 m) (teste F. v. 
Höhnel). 

Lachiea umhronim. Auf feuchtem Erdboden verbreitet, z. B. um 
Vahrn, Bad Schalders, am Aufstiege nach Spiluck usw. (teste 
F. V. Höhnel). 

Otidea felina. Auf einem verlassenen Kohlenmeiler im Kastanien- 
walde bei Vahrn in ziemlich unscheinbaren kümmerlichen 
Exemplaren (teste F. v. Höhnel). 

Stamnaria Eqinseti. Auf Egtdsetiim ramosissimum im Eisacktale 
beim Vorderrigger nächst Neustift und zwischen Neustift und 
Brixen. 

Tseudopeziza Tr ifolii. Auf Kleefeldern um Vahrn ; gegen das Vahrner- 
bad zu ein ganzes Feld zerstörend. 



448 



Anton Heimerl. 



Spliaerotheca Humtili var. ftiligmea.^) Auf Impaüens noli tangere 
in den Eisackauen zwischen Brixen und Albeins, auf Älchi- 
milla vulgaris am Wege von Albeins nach Afers, auf Plantago 
lanceolata am Krakofl bei Brixen, auf Erigeron Canadensis bei 
Neustift und Brixen, endlich auf Ärnica montana auf der Kini- 
gadnerwiese in Stein wend (gegen 1400 m). 

SpliaerofJieca pannosa. Bloß das Oidium auf Rosa (turhinata?) in 
einem Garten in Vahrn. 

üncinula Salicis. Auf Salix daphnoides an der Straße von St. Peter 
zur Haltestelle Villnöss, auf Salix purpurea in den Eisackauen 
unter Schloß Pallaus; das Oidium auf Salix daphnoides an 
demselben Fundorte in den Eisackauen, dann bei St. Anton 
ober Brixen. 

Microspliaera Berheridis. Auf Berheris vulgaris bei St. Peter — 
Villnöss. 

Microspliaera Evonymi. Auf Evonymus Europaeus unterhalb Sähen 
in den Abstürzen zur Thynaschlucht. 

Microspliaera Ästragali. Auf Ästragalus glycypliijllos bei Elvas und 
zwischen Albeins und Afers. 

Microsptliaera Bäumleri. Auf Vicia silvatica an der Straße von 
St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herab. 

Erysihe Folygoni. Auf Tlies'mm alpimim (neue Nährpflanze!) 
am Wege von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herab, auf 
Tolygoymm aviciäare bei Brixen und am Wege von Vcrdiiii^s 
nach Feldthurns, auf Itanunculus acer bei Ras, auf BisculeU(t 
lacvigata (neue Nährpflanze!) in den Fclsabstürzen unter 
Sähen, auf Hypericum perforatum am Wege von Valirn nacli 
S(;l)aldcr8, auf Ononis repens (?)^) ober Aicha, auf Trifollim 
7)U'dunn in Valirn, auf JrifoUum rubens am Wege von Albcins 
nach Afers, auf Trifolium pratcnsc am oberen Schaldererwcgc, 
auf Mrdirngo saflra bei St. Anton ober Mrixen, auf Mrdlcago 
falffi/fi Ix'/i Säl)cn und zwischen VerdingK und Fcldthuni.s, 
auf Lnlhyrns pratensis bei St. Peter — Vilhüms und iiad I^urg- 
Ktall, •M\\' P'impindla Saxifraga zwlHchcn Vahrn und r)rixcn, 

') AnonliiiMi^'' und l'riicimiin;; der l'jyHibcen ikm Ii Siihiioii, M(»ii()/^m'!1|)Ii 
ol (Ik; KryMlpliacc.'i«'. 

') V<;rglt'icli(! die Ucuh-i kun;; '.\\\\' S. VA. 



II. Beitrag- zur Flora des Eisacktales. 



449 



dann zwischen Verdings und Feldthurns, auf Orlaya grandi- 
flora (neue Nährpflanze!) unter Seeburg bei Brixen, auf 
Heracleum Splwndylium bei St. Peter — Villnöss, auf Ghaero- 
2)hyUtim hirstitum bei Vahrn, endlich auf Convolvulus arvensis 
bei Naz. 

Erysihe CicJioracearum. Auf Ärtemisia vulgaris bei Vahrn, auf 
Tragopogon Orientalis in Brixen, auf Tragopogon maior (Oidien 
und unreife Perithecien) in Neustift, auf SoncJms oleraceus bei 
Vahrn. — Wahrscheinlich hierher gehörige Oidien auf Cen- 
taurea dubia bei Feldthurns, auf Cucurhita Pepo bei Brixen 
und auf Litliospermum arvense bei Ras. 

Erysihe Galeopsidis. Auf Lamium alhum bei Brixen und am Wege 
von Afers nach Albeins, auf Galeopsis Tetrahit (bloß das Oidium) 
in Vahrn, auf Galeopsis speciosa in den Eisackauen bei Schloß 
Pallaus. 

Phyllactinia Corylea. Auf Corylus Avellana bei Bad Burgstall ober 

Brixen, auf Corylus tuhulosa in einem Garten in Vahrn. 
Polystigma ochraceum. Auf Prunus Padus bei Naz und bei der 

Rundlbrücke nächst Schahs. 
Polystigma rubrum. Auf Prunus spinosa bei Neustift und St. Peter — 

Villnöss, dann auf Prunus domestica bei der Seeburg ober 

Brixen. 

Claviceps purpurea. Auf Lolium perenne in Vahrn, auf Agrostis 
alba beim Vorderrigger nächst Neustift. — Vielleicht gehört 
ein auf Glyceria plicata in Wiesengräben bei Brixen nicht 
seltenes kleines Sklerotium zur Claviceps Wilsoni Cooke (Sac- 
cardo, SylL, IX, 998). 

Leptospliaeria Lemaneae. Auf Lemanea fluviatilis in einem Mühlen- 
gerinne zwischen Vahrn und Bad Schalders. 

üstilago longissima. Auf Glyceria plicata bei Brixen und Vahrn 
häufig. 

Ustilago Ischaemi. Auf Andropogon Ischaemmn bei Albeins. 
Ustilago Avenae. Auf gebauter Avena sativa bei Ras. 
Ustilago Hydro^nperis. Auf Polygonum Hydropiper bei Brixen und 
Elvas. 

Ustilago Panici glauci. Auf Setaria glauca in Albeins und bei 
St. Anton ober Brixen, 

Z. B. Ges. Bd. LV. 29 



450 



Anton Heimerl. 



Ustilago Maydis. In Maisfeldern bei Vahrn und Brixen. 
Ustüago violacea. Auf Süene inflata bei Albeins (Sporen bis 10 

auf Melandrißmi nibnmi bei Vahrn. 
Ustilago maior. Auf Silene Otites bei Neustift, Albeins und Theis 

nicht selten. 

Ustilago Ifagojwgonis pratensis. Auf Tragopogon Orientalis bei Naz, 

Neustift, Elvas und Brixen. 
Ustilago Scorzonerae. In den Köpfchen von Scorsonera Immilis 

auf der Kinigadnerwiese in Steinwend. 
Pucciniastnwi (Ilyalopsora) Aspidiotus. II auf Phegopteris Bryopteris 

nächst der Kinigadnerwiese in Steinwend. 
Pucciniastnm (Hyalopsora) Polypodii. II auf Cystopteris fragilis 

bei Elvas, zwischen Brixen und Bad Burgstall, bei Vahrn. 
Pucciniastnim pustulatum. II auf Epilohitim roseum bei Neustift 

und Verding'S, dann auf Epilohmm alsinefolium und E. alsine- 

folium X palnstre auf einer sumpfigen Wiese am Aufstiege von 

Vahrn zum Taubenbrunnen. 
Pucciniastnim Ähieti-Chamaenerii. II, III auf Chamaenerium an- 

gustifolmm um Neustift und am oberen Wege von Vahrn nach 

Bad Schalders. 

Pucciniastrum Ägrimoniae. II auf Ägrimonia Eupatorimn bei Bardcll 
nächst Sähen. 

Pucciniastrum l^adi. II auf Prunus Padtis zwischen Ras und Naz, 

dann bei der Rundlbrückc nächst Schahs. 
Pucciniastnwi Vacciniorum. II auf Vaccinium uliginosum und T. 

Myriillus auf der subalpinen Wiese zwischen Vahrn und dem 

Tauhciibniimcn, bei Bad Burgstall, dann auf Vaccinium uli- 

(/iitosfnn auf der Kinigadnerwiese in Steinwend. 
I'Kcrutiastrnni. Plrolae. II auf l^lrola cldüranlha bei Vahrn und am 

AufHticgc von Aiclia nach Spingcs, auf Vlrola minor bei Bad 

HurgHlall ol)(!r lirixcn. 
Purf'lulnfifnwi (hdli. II iiuf (iallum Mollngo bei lind liurgstall 

ober Brix(!n. 

l'urrinlaHtnnv (ioqrprrfianum. IM gemein nuf Vaccinium VHi^ 
l<l(i<(i in den sul):d|)in(',n Ficliten Wäldern zwiHchen Vahrn, I5ad 
SchahlerH und dem Kcldtliurficr Wege ober dem Taubcn- 
brunncn, dann in den Wäldern uin Spiluck. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



451 



Melampsoridium Betiilimim. II auf Betiila verrucosa häufig von 

Valirn an bis Bad Schalders und Steinwend. 
MelampsoreUa Cerastii. II auf Cerastkm triviale am Wege von 

Valirn nach Bad Schalders, auf Stellaria media bei Bad 

Schalders. 

Melampsora Tremtäae. II häufig auf Foptdus tremtda bei Vahrn. 
Zu welcher der fünf bei Kleb ahn (Wirtswechselnde Rost- 
pilze, 403 — 410) auf dieser Pappel angeführten Melampsoren 
unsere Art gehört, kann ich nicht sicherstellen, doch bemerke 
ich, daß Form und Abmessungen der Paraphysen, dann die- 
jenigen der Uredosporen gut emf Melafnpsora pinitorqua stimmen 
möchten. 

Melampsora Larici-Fopidina (Klebahn, 1. c, 410). II, III auf 
Poptdus pyramidalis beim Vinzentinum in Brixen. Vielleicht 
gehört auch hierher ein auf Foptdus nigra in den Eisackauen 
unter Schloß Pallaus gefundener üredo. 

3Ielampsora Amygdalinae (Kleb ahn, 1. c, 413). II auf Salix amyg- 
dalina f. discolor am Eisackufer bei der Mahr unter Brixen. 

Melampsora Eihesii-Furpureae (Kleb ahn, 1. c, 424). Vielleicht ist 
hierher ein auf Salix purpurea nächst der Haltestelle Villnöss 
gefundener üredo zu rechnen. Die Abmessungen der Sporen 
erreichen aber nur 16 — 18 : 13 — 15 ^ und die Teleutosporen- 
bildung nimmt die Blattunterseite ein. 

Melampsora Larici-dapjJmoidis (Klebahn, 1. c, 423). Vielleicht 
hierher ein Uredo zu stellen, der auf Salix daplinoides in den 
Eisackauen bei der Mahr und an der Straße von St. Peter — 
Villnöss zur Haltestelle herab gefunden wurde. 

Melampsora Larici-Caprearum (Klebahn, 1. c, 423). II auf Salix 
Captrea bei Burgstall — St. Andrä. 

Melampsora Helioscop)iae. II, III auf Eupliorhia lielioscopia bei 
St. Peter — Villnöss und bei Elvas; II auf Euphorbia Cypa- 
rissias zwischen Brixen und Elvas. 

Melampsora Lini. II auf Linum catliarticum bei Vahrn und Brixen. 

Coleosj)orium Campamdae. II auf Campanula patida zwischen 
Brixen und Elvas, dann bei Neustift, auf Campamda rotundi- 
folia bei Bad Schalders und zwischen Brixen und St. Andrä; 
II und III auf Campamda Bononiensis bei Sähen und nächst 



452 



Anton Heimerl. 



Elvas; auf Campanula TracJielmm gemein zwischen Säben 
und Pardell, dann bei Mühlbach; massenhaft auf Campanula 
rapunculoides an Feldrändern bei Afers. 
Coleosp)orium Euphrasiae. II, III auf Euphrasia BostJcovyana um 
Vahrn, Schalders und Elvas, dann auf Euphrasia stricta um 
Vahrn. 

Coleosporium Melampyri. II, III auf Melampyrum pratense bei 

Mühlbach, auf Melampijrum commutaium bei Vahrn und Elvas. 
Coleosporium Pidsaüllae. II, III häufig- auf Anemone montana im 

Kieferwalde zwischen Elvas und der Seeburg bei Brixen. 
Coleosporium Senecionis. II, III massenhaft auf Senecio silvaticus 

und S. viscosus in einem Holzschlage ober Vahrn am Aufstiege 

zum Taubenbrunnen. 
Coleosporium Sonchi arvensis. II, III auf Sonchus oleraceus bei 

Brixen, auf Sonchus arvensis bei Afers, Melaus und zwischen 

Kas und Naz. 

Coleosporium Tussilaginis. II, III auf Tussilago Farfara um Vahrn, 
Schalders, Bad Burgstall und in den Eisackauen bei Brixen. 

Chrysomyxa llhododendri. I massenhaft in den Fichtenwäldern ober 
Schalders, z. B. am Feldthurncr Wege, dann am Waldwege von 
Brixen nach Lüsen, auf den Plosegehängen usw.; manche 
Bäume erscheinen fast ganz gelb gefärbt. 

Cro)uirUiün asdcpladeum. III und (sparsam) II auf gebauter Pcjcowi^« 
offlcinalis in Vahrn, Schalders und Elvas; II, III auf Cynan- 
chum Vincetoxicum überall verbreitet, von Mülilbacli und Spinges 
an bis Klausen, St. Peter — Villnöss, Jkid Schalders usw. 

Gymnos/wranylum Jumperinum. I auf Sorhus Aucu])aria im Walde 
zwischen Elvas und der Seeburg ober Brixen, dann am Aul 
stiege von Afers zum Freic.nbiilicl; vereinzelt ww^ AiudanvJün 
oralis am oberen Sclialdercirwege, liäuliger aber zwischen 
Melaus und St. l'(;t(;r — Villnöss. 

(I i/niuos/iardhi/unH- Sahmar. I auf Virus conmiimls in Valirn im Tju-k' 
der N'illa Alayr; Jrm'iperus Sabina im selben Parke angcjdlan/t. 

(Jredo aljtcslris. Auf Viola hljhyra in Stcinwend häufig. 

I'rowya-s Eahac. WalnKcIieiidicli liierliergeliörige //m/o- Formen: 
auf yicia Ffdiff in St. Peter — Villn<)SH und auf Vicia sr.jmim 
bei Sähen. 



IL Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



453 



üromyces Polygoni. II und (sehr sparsam) III auf Folygonum avi- 

cidare in Brixen; III auf derselben Nährpflanze zwischen 

Verdings und Feldthurns. 
Üromyces Trifolii. I, III auf Trifolmm repens in Vahrn; II, III 

auf Trifolmm ocliroleuciim zwischen Verdings und Feldthurns; 

II auf Trifolmm pratense um Vahrn. 
Üromyces Geranii. II auf Geranium columhinum bei Elvas und 

Brixen. 

Üromyces Valerianae. II auf Valeriana tripteris am Wege von 
Brixen nach St. Anton, dann bei der Haltestelle Villnöss. 

üromyces Pisi. III massenhaft auf gebautem Pisum sativum bei 
Ras; II, III auf LatJiyrus Silvester beim Vahrnerbade und bei 
Brixen; III auf Vicia Cracca zwischen Brixen und Neustift. 
Vielleicht gehört auch ein auf LatJiyrus pratensis am Eisacke 
unterhalb von Brixen gefundener üredo hierher. 

üromyces Eupliorhiae-cornicidati.^) II und III auf Lotus corniculatus 
in den Eisackauen unterhalb Brixen (teste P. Magnus). 

üromyces striatus. III auf Trifolium arvense zwischen Verdings 
und Feldthurns, dann auf Trifolium campestre bei Elvas. — 
Das Äeciclium Eupliorhiae auf Eupliorhia Cyparissias bei Vahrn 
und Schloß Pallaus. 

üromyces Medicaginis falcatae. II, III auf Medicago sativa bei 
Brixen^ auf Medicago fcdcata bei Elvas und Brixen, dann auf 
Medicago lupulina bei Stuffels (Brixen). 

üromyces Bmnicis. II auf Eumex crispus bei Brixen. 

Üromyces Ästragali. Wahrscheinlich hierhergehörige üredo-FoYmen 
auf Oxytrojns jnlosa am Eisackdamme gegenüber dem Schloß 
Pallaus; II, III auf Ästragcdus Onobrychis zwischen Vahrn 
und Brixen, dann zwischen Neustift und Elvas, endlich bei 
Theis und an der Straße von St. Peter — Villnöss zur Halte- 
stelle herab ; III auf Ast/ragalus glycijphyllus zwischen Albeins 
und Afers. 

üromyces Genistae tinctoriae. II, III auf Cytisus nigricans in Vahrn. 



^) Von Herrn Prof. P. Magnus, dem die von mir gesammelten Uredineen 
vorlagen, wurden in mehreren Fällen meine Bestimmungen berichtigt (gekenn- 
zeichnet durch teste P. Magnus), wodurch ich zu großem Danke verpflichtet bin. 



454 



Anton Heimerl. 



üromyces Onohrychidis. II auf Onohrychis viciaefolia an der Straße 
von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle (teste P. Magnus). 

üromyces Behenis. I sehr spärlich auf Silene inflata am Wege von 
Albeins nach Afers. Ich rechne dieses Äecidium der kreis- 
förmigen Gruppierung der Becher und der bis 23 (.i großen 
Sporen wegen hierher und nicht zu dem von Puccinia Silenes. 

Puccinia'^) pimctaia (P. Galii). II, III auf Galitim erectum bei 
Stuffels (Brixen), auf Galkim ndmim (neue Nährpflanze!) 
am Wege von der Haltestelle Villnöss nach Naifen; I, II auf 
Galium Molhigo zwischen Sähen und Pardell. Vielleicht! 
hierhergehörige Uredo-¥oxmQn auf Galium verum und G. Mol- 
lugo zwischen Neustift und Elvas, dann auf Galium Austriamm 
beim Vahrnerbade. 

Puccinia Celalwvsliyana. II, III auf Galium Cruciata unter dem 
Kloster Sähen (teste P. Magnus). 

Puccinia nigrescens. II, III auf Salvia verticillata an der Straße' 
von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herab. 

Puccinia Silenes. II auf Silene inflata zwischen Elvas und Brixen. 

Puccinia Porri. II und (sparsam) III auf gebautem Schnittlauche 
in St. Peter — Villnöss und Vahrn. 

Puccinia Oirsii-lanceolaii. II, III auf Cirsium lanceolatum bei Ras; 
II auf derselben Pflanze bei Neustift. 

Puccinia Prenanihis. II, III auf Lactuca muralis in Verdings. 

Puccinia Lactucarum. II, III auf Lactuca perennis zwischen Elvasij- 
und Brixen. 

Ptuxinia Lam])sanae. \l und (sparsam) III auf Lampsana com 
munis in Thcis. 

Puccinia (kepidicola. II und (sparsam) III auf Crepis foetidd bei 
Neustift. 

Pucrinin. (Jrrpidis. Vielleicht ist liicrher ein auf Grrpis virrns I)» i 
St. Aiitoii ol)cr Brixen \uu\ zwischen Albcins und Afers aul 
treteiHh;r l'mlo zu rechnen. 

Pucrinin Lpilohli fctragonl. II, III auf Kpilobium. coUinum in «Ici 
EiKackHchliiclil Ix-i Neiistift; III spilriicli auf Kpüobium mov 

>) N(UiiCMkl;itiii- der Arten iWvM'.r (J.'iKiiii^^ iiiid AyWh-^vvmvawv^ ii.'kI 
Sydow, Mon(»;;r!ipliisi Urcdim jhiiiii, I. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



455 



tanum nächst Bad Burgstall; II auf Ep'dohimn collinum im 
Walde ober Seiduers Brauerei in Brixen. 

Pnccinia Violae. II, III auf Viola liirta (?) in Vahrn, auf Viola 
silvaflca (oder Bkimana?) nächst Bad Burg'stall ober Brixen 
und bei Steinwend. 

Fuccinia involvens (Pnccinia TJiiwmeniana). II auf Mijricaria 
Germanica am linken Eisackufer nächst Schloß Pallaiis. War 
nach Sydow, 1. c, 445 bisher nm* ans dem Ultentale bekannt. 

Tiiccinia Pinqmiellae. II, III auf Pimpinella Saxifraga bei Elvas; 
II auf Pimpinella magna bei Bad Schalders. 

Pnccinia Cliaeropliylli. III und (sehr sparsam) II auf Cliaero- 
pliijUum aureiim bei Naz. 

Puccinia Änthrisci. II, III auf Anthriscus Silvester bei Vahrn. 

Puccinia MentJiae. II, III auf Mentha longifolia (Mittelform von 
var. candicans und cnsxndata) bei St. Peter — Yillnöss, auf 
Satureja vidgaris (Calamintlia Clinopoditim) bei Pardell ober 
Klausen; II auf derselben Pflanze in der Eisackenge bei 
Neustift, auf Satiireja (Calamintlia) nepetoides (neue Nähr- 
pflanze I) bei Neustift, Sähen und zwischen Theis und Me- 
laus, auf Mentlia pcdiistris var. nummularia bei Bad Burg- 
stall, auf Mentlia Austriaca var. polymorplia zwischen Vahrn 
und Bad Schalders, auf Mentha longifolia bei Spinges und 
endlich auf Mentha plicata bei Ras. 

Puccinia coronata. II, III auf Agropijrum repens bei Stuffels (Brixen). 

Puccinia Graminis. III (und meist noch II): 2iW.i JDescliampsia cae- 
spitosa bei Bad Schalders, auf Phleum phcdaroides in Albeins, 
auf Agrostis rupestris zwischen Schalders und Steinwend, auf 
Agrostis cdha beim Vorderrigger nächst Neustift, auf Agrostis 
vidgaris bei der Haltestelle Villnöss, auf Arrhenatlieriun elatius 
bei der Seeburg nächst Brixen, auf Avena fatua und A. sativa 
an der Straße von St. Peter — Villnöss zur Haltestelle herab, auf 
Avena sativa in Ras, auf Festiica arnndinacea (neue Nähr- 
pflanze!) bei Stuffels (Brixen), auf Lolium perenne bei Brixen 
und Vahrn, auf Poa nemoralis bei Vahrn, auf Poa compressa 
in Albeins, auf Agropijrum repens bei Naz, Vahrn und Brixen. 
— Das massenhafte Auftreten dieser Puccinia im Gegensatze 
zu dem so vereinzelten der Puccinia coronata hängt hier offen- 



456 



Auton Heimerl. 



bar mit der allgemeinen Verbreitung der Berberitze und dem 
recht vereinzelten der jRhamiius-kYten zusammen. 
Puccinia Bromina. II auf Bromus secalinus zwischen Neustift und 
Brixen. 

Puccinia Poanim. I auf Tussilago Farfara am Schaldererbache 
ober Vahrn. 

Puccinia Caricis. II, III auf Carex acutiformis in einem Sumpf- 
graben unter Schloß Pallaus. 

Puccinia Caricis frigidae. I auf Cirsium heterophyllum, III auf 
Carex frigida (unmittelbar nebeneinander wachsend!) beim 
Wasserschlosse der Brixener Wasserleitung in Steinwend. Die 
Teleutosporen stimmen sehr gut mit den Zeichnungen bei 
Fischer, insbesondere mit den auf Taf. I, Fig. 1 (Beiträge 
zur Kryptogamenflora der Schweiz, I, 1) gegebenen Abbil- 
dungen überein. 

Puccinia Äecidi-Leucanthemi. III auf Carex montana auf der Kini- 
gadner wiese in Steinwend. Ich würde mir aus dem vor- 
liegenden Materiale und trotz der vorzüglichen Beschreibung 
und Abbildung bei Fischer (Unters, über Rostpilze, I, 21^, 
44, Fig. 4 auf S. 43 und Taf. I, Fig. 2) nicht diese Deutung 
erlaubt haben, wenn nicht am Fundorte das Chrysanthemum 
Leucanthenium sehr verbreitet wäre. 

Puccinia Phragmitis. II, III massenhaft auf Phragmites communis 
in den Eisackauen unterhalb von J^rixen. Puccinia Trailii 
glaube ich nach den Angaben bei Plowright (British Uredin., 
175, 177) ausschließen zu dürfen, da unsere Pflanze weder 
Tclcutosj)()ren mit mehr verschmälerter unterer Zelle noch mit 
kr>rniger Membran besitzt. 

Vuerinia simvcolens. Verbreitet auf Cirsium a/rvense bei Vahrn, llas, 
lirixen, Naifen und St. Peter — Vilhiiiss. 

I'nccinia Cyani. II und (sehr sparsam) III auf (Jenkmrea (Ujanus 
bei Naz. 

Puccinia Jiicracii. II, III auf JHcracium Florentinum und Jlicra- 
rium horcale zwisclKin der IhilleKlelle Villnöss und Naifen, 
auf Ilicrncium (tnridexicaulc hei Säl)en und zwischen 'i'licifi 
und Mclans, auf JHcracium, sihaMcum subspcc. hifid/iformc auf 
d( r KinigadiierwicHc in Steinwend. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



457 



Puccinia Carlinae. II, III auf Carlina vulgaris bei Stuffels (ßrixen). 

Piiccinia Carcluorum. II, III auf Carduus defloratus'^) am Wege 
von Theis nach Melaus. 

Puccinia Jaceae. II, III auf Centaurea hracteata (C. amara au ct. 
mult.) (neue Nähr pflanze!) bei Aicha, Vahrn und zwischen 
der Haltestelle Villnöss und Naifen. 

Puccinia Centaureae. II, III auf Centaurea dubia (C. nigrescens 
auct. mult.) bei Neustift und Brixen, auf Centaurea Scahiosa 
und Centaurea RJienana zwischen Naifen und der Haltestelle 
Villnöss. — Von Herrn Prof. P. Magnus wurde ich auf die 
Unterscheidung von P. Jaceae und P. Centaureae aufmerksam 
gemacht. 

Puccinia Cirsii. II, III auf Cirsium lieteroxyhyllum zwischen Vahrn 

und Bad Schalders, auf Cirsium oleraceum in den Eisackauen 

nächst Brixen, auf Cirsium xmlustre im Torfmoore zwischen 

Viums und Naz. 
Puccinia Cicliorii. II auf Cichorium Intyhus in Neustift. 
Puccinia Picridis. II auf Picris hieracioides in den Eisackauen 

gegenüber Milland. 
Puccinia Chlor ocrepidis. II und (spärlich) III auf Hieracium statice- 

folium zwischen Bad Schalders und Steinwend. 
Puccinia Cliondrillina. II, III auf Chondrilla juncea bei Stuffels 

(Brixen) ; ein wohl hierhergehöriger üredo auf derselben Pflanze 

bei Verdings. 

Puccinia Scorzonerae. III auf Scorsonera humilis auf der Kini- 

gadnerwiese in Steinwend. 
Puccinia Leontodontis. II und (spärlich) III auf Leontodon Danuhialis 

bei Brixen und St. Anton ; III und (spärlich) II auf Leontodon 

hispidus bei Brixen; II auf Leontodon autumncdis bei Vahrn. 
Puccinia Taraxaci. II, III auf Taraxacum officinale zwischen 

Verdings und Feldthurns; vielleicht hierher auch ein üredo 

auf derselben Pflanze bei Elvas. 
I Puccinia Lihanotidis. III und (sehr sparsam) II auf Lihanotis 

montana in den Abstürzen von Sähen zur Thynaschlucht. 

^) Ich bin nicht ganz sicher, ob dieser hier gemeine Carduus als C. de- 
floratus zu bezeichnen ist. 

i 



458 



Anton Heimerl. 



Puccinia Petroselini. II und (sparsam) III auf Äethusa Cynapium 
in Vahrn und Elvas, hier reichlich mit Teleutosporen. 

Puccinia Oreoselini. II, III auf Peucedanum Oreoselinum bei Vahrn 
und Elvas. 

Puccinia Polygoni ampliibii. II auf Polygonum Convolvulus um Vahrn 
und Brixen, auf Polygonum dumetorum bei Neustift, Elvas 
und Klausen. 

Puccinia Äbsintliii. II und (sparsam) III auf Ärtemisia Äbsintliium 
zwischen Albeins und Afers; II auf Ärtemisia vulgaris bei 
Vahrn. 

Puccinia Cynodontis. III und (sparsam) II auf Cynodon Dactylon 

bei der Seeburg ober Brixen. 
Puccinia Antlioxanthi. II, III auf Anthoxantlium odoratum bei Naz. 

— Auf diese Art wurde ich durch Herrn Prof. P. Magnus 

aufmerksam gemacht. 
Puccinia Australis. II, III häufig auf Biplaclme serotina am Krakofl 

bei Brixen. 

Puccinia Cesatii. II auf Ändropogon Iscliaemum bei Elvas, Feld- 

thurns und Theis. 
Puccinia Maydis. II, III auf Mais um Vahrn und Brixen. 
Puccinia Baryi. II auf Prachyjwdium silvaticum in den Eisack- 

auen unter Brixen. 
Puccinia Acetosae. II auf Itumex Acetosa bei Vahrn, Spingcs und 

Brixen. 

Puccinia lltmicis scutati. II auf Bumex scutatus in den Eisackauen 

bei der Mahr nächst Brixen. 
Puccinia Pruni spinosac. II und (sparsam) III auf Prunus insititia 

und P. (lomestica in Vahrn. 
Puccinia Arenariae. Auf Sicllaria media in lirixcn, auf Malachium 

(Kindlieum zwischen Vahrn und Bad Sclialders. 
l^nrciu'ui Mfdvacearurn. Masscnliaft in Elvas und Neiistift auf 

^'•('l)aut('r Alrra rosra; auf M(dva nrgleela bei Vahrn, Elvas 

lind lirixcii; juif ^-cbauter Maina Mauritiana in Feldlliurns. 
Puccinia l'rrntiK (innn. Auf Vcronica lir/lfoUa (V. urlicifolia) H\)'dYfiam 

am Sclialdcrcrbaclic ohvj Vabrn. 
Puccinia Salviac (P. Glechmiatidis). Sehr H|)arHam auf Sfihia gluii- 

nosa an der SlniHc von St. Peicr — Vilhiösszur IlaltcHtclle herab. 



II. Beitrag zur Flora des Eisaektales. 



459 



Puccinia Ärfemisiicola. Auf Ärtemisia campestris ober Seidners 

Brauerei in Brixen. 
Puccinia Millefolii. Auf Ächillea Millefolium in Vahrn und am 

Eisack dämme unter Brixen. 
Puccinia Pidsatülae. Auf Anemone montana sparsam bei Elvas. 
Puccinia Tlialictri. Auf Tlialictrum flexuosum zwischen Albeins und 

Afers. 

Phragmidium Fragariastri. II, III häufig auf Pofentilla alba um Vahrn. 

Plwagmiclium Sanguisorhae. Auf Sangiiisorha minor bei Neustift 
(II), Brixen (II, III) und Theis (II). 

Phragmidium Potentillae. II, III auf Potentilla verna (?) um Vahrn, 
auf Potentilla aurea zwischen Bad Schalders und Steinwend, 
auf verschiedenen Formen der Potentilla argentea bei Vahrn, 
Elvas, Neustift und Brixen. 

Phragmidium TormentiUae. Ein auf Potentilla erecta bei der Halte- 
stelle Villnöss gefundener üredo gehört wohl hierher. 

Phragmidium violaceum. II, III auf Ruhus tomentosus zwischen 
Elvas und Brixen, auf Eul>us ulmifolius bei Elvas und Naifen. 

Phragmidium Buhi. II, III auf Buhus caesius bei Vahrn, auf einer 
mit Buhns dumetorum verwandten Art bei Elvas. 

Phragmidium suhcorticium. II, III auf Gartenrosen (Bosa turhi- 
nata?) in Vahrn, auf Bosa tomentosa (omissa) var. droso- 
calijx^) und auf Bosa canina zwischen Vahrn und Bad Schal- 
ders, auf einer mit Bosa micrantlia verwandten Art bei der 
Seeburg ober Brixen, auf Bosa tomentosa (?) bei Spinges; II 
auf Piosa pomifera var. recondita bei Spiluck; I, II, III auf 
Piosa glauca (?) bei St. Anton ober Brixen. 

Phragmidium Bosae alpinae (Ph. fusiforme). II, III auf Bosa pendu- 
lina auf der Kinigadnerwiese in Steinwend. 

Phragmidium Buhi Idaei. II, III auf Buhns Idaeus bloß auf der 
Kinigadnerwiese in Steinwend beobachtet. 

Äuricularia mesenterica. Auf einem Edelkastanienstumpfe zwischen 
Elvas und Brixen. 

Gijrocephalus rufus. Auf der Erde in dem Kieferwalde zwischen 
Neustift und Ras. 

^) Siebe die vorhergehende Aufzählung der gesammelten Rosen. 



460 



Anton Heimerl. 



TremellodoH gelaünosum. In den feuchten, schattigen Waldgebieten 
zwischen Yahrn, Schalders und dem Taubenbrunnen auf 
moderndem Holze hin und wieder beobachtet. 

Bacryonii/ces ahieünus (B. sUllatus). Gemein an Brettern, liegen- 
den Balken, Baumstümpfen um Vahrn, Schalders, Spiluck, 
ßas usw. — Die Sporen der Exemplare von Vahrn und 
Schalders stimmen in Bezug* auf Größe mit den Angaben für 
D. deliquescens bei Schröter (Kryptogamenfl. von Schlesien, 
Pilze, I, 400) überein, sind aber sehr häufig achtteiHg. 

Calocera viscosa. Auf Nadelholzstrünken verbreitet (Vahrn, Schah 
ders, Spiluck); geht am Freienbühel bis über 1700m. 

Exohasidmm BJiododendrL Auf dem (hier allein vorkommenden) 
Ehododendron ferruginemn um Vahrn, Spiluck, Schalders usw. 
gemein. 

Exobasidkim Vaccinii. Auf Vaccinium Vitis Idaea und F. Myr- 
tillus besonders in den höheren Regionen mit voriger Art sehr 
häufig. 

Exohasidnwi Vaccinii tdiginosi. Auf Vaccinium uliginosum auf der 

Kinigadnerwiese in Steinwend nicht selten. 
Corticium aurantiacum. Auf abgestorbenen Zweigen von Grünerlcn 

längs des Schaldererbaches aufwärts von Vahrn an nicht 

selten. 

Stereum hi/rsutum. Häufig an modernden Nadelholzstümpfcn am 
Schaldcrcrbachc bei Vahrn und im Kieferwalde zwischen 
Neustift und Schabs; auf Stümpfen von Edelkastanien bei 
Brixcn. 

Thelcphora fcrrcstris. Auf der Erde am Abstiege vom Frcienbiilicl 
nach Platzbon. 

7'lirlrpJior(f laciniala. Im Nadclwaldc am Schaldcrcrbachc bei Valirn 

die, abgefallenen Zweige von JJirchen überziehend. 
(JrnUrrllxs rornfnoj)ioldf's. Spärlich zwischen Moosen und Gras im 

Kastanienwalde bei der Kirche von Vahrn. 
(hratftrdlm clavalus. Im moosigen Fichtcnwahh; am Aufstiege von 

V^ahrn zum Tanbciibrunncn. 
Clnraria Jio/rijfis. Im KaKtanienwaldc! bei V;ihrn und mit voriger 

Art unter dem 'raub(;nl)rnnrj(;n. 
(Jlavaria cristal". Im \';ilinic,r Kastanienwalde. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



461 



Ciavaria aurea. Häufig in den moosigen Fichtenwäldern am Auf- 
stiege von Vahrn zum Taubenbrunnen und am Freienbühel 
(ca. 1600 m). 

Ciavaria Äbietina. Zwischen Moosen am Feldthurnser Wege ober 

dem Taubenbrunnen. 
Ciavaria rufescens. Im tiefen Walde zwischen Vahrn und dem 

Taubenbrunnen (teste F. v. Höhnel). 
Ciavaria cinerea (Gl. grisea). Im Vahrner Kastanien walde, dann 

im Kieferwalde (am Wege 2) zwischen Vahrn und Brixen. 
Ciavaria fmibriata. Zwischen Moosen am Schaldererbache zwischen 

Vahrn und Bad Schalders (teste F. v. Höhnel). 
Ciavaria Ligula. In Kieferwäldern: am Schaldererbache in Vahrn 

und zwischen Theis und Melaus. 
Hydnum graveolens. In den Fichtenwäldern der Berggehänge 

zwischen Vahrn, Schalders und dem Taubenbrunnen häufig; 

auch im Kastanienwalde bei Vahrn. 
Hydnum repandum. Verbreitet wie vorige Art; auch in den Fichten- 
wäldern am Spilucker Aufstiege nicht selten. 
Hydnum sonatum. An denselben Stellen wie das Hydnum graveolens. 
Hydnum ferrugineum. Im Fichtenwalde unter der Villa Ebner nächst 

Vahrn, auch beim Taubenbrunnen. 
Hydnum aurantiacum. Mit voriger Art, dann nicht selten in den 

Waldgebieten ober Bad Schalders und um die Spiluckeralpe. 
Hydnum compactum (Hydnum floriforme). Im Fichtenwalde ober 

Bad Schalders. 

Hydnum suaveolens. In den Kiefer- und Fichtenwäldern von 
Vahrn an bis zum Feldthurnser Wege ober Schalders und 
Taubenbrunnen, dann am Spilucker Aufstiege stellenweise in 
Menge. 

Hydnum imbricatum. In dem Fichtenwalde am Aufstiege von Vahrn 

zum Taubenbrunnen an einigen Stellen. 
Hydnum amarescens. Mit voriger Art hin und wieder. 
Hydnum fragile. In Kieferwäldern zwischen Neustift und Ras, 

dann zwischen Theis und Melaus (teste F. v. Höhnel). 
Hydnum mi/rabile. In Gesellschaft des H. imhricatum. 
Poria mollusca. Auf modernden Fichtenstämmen bei Vahrn im Walde 

unter der Villa Ebner (teste F. v. Höhnel). 



462 



Anton Heimerl. 



Folijporus ovimis. Häufig in den Nadelwäldern um Vahrn vom 
Selialdererbaclie an bis über den halben Aufstieg zum Tauben- 
brunnen, ebenso am Wege nach Spiluck. 

Polyporus vernalis. Ein Exemplar im Kieferwäldchen vor dem 
Vahrnerbade. 

Polyporus sistotremoicles (P. ScliiveiniUii) . In Kieferwäldern am 
Grunde der Stämme verbreitet, öfters in großen Exemplaren: 
zwischen Neustift und Eas, am Aufstiege von Vahrn nach 
Spiluck und zum Taubenbrunnen, auf den Elvaser Köpfen, 
zwischen Theis und Melaus. Am Schaldererbache bei Vahrn 
und bei Spiluck auch in der bei Fries (Hymenom., 529) er- 
wähnten Form „concrescendo et incrustando diflformis dimi- 
diatusque". 

Polyporus perennis. In Kastanien- und Nadelwäldern von der Tal- 
sohle bis fast zur Baumgrenze (z. B. am Plosewege 4) ver- 
breitet (Vahrn, Schalders, Spiluck, Steinwend usw.). — Eine 
schöne Form dieses ungemein veränderlichen Pilzes (Fries, 
Hymenom., 531, „varr. infinitae") wächst im Vahrncr Kastanicn- 
walde; sie ist durch die anfangs fast schwarzbraune, dann 
gleichmäßig rostbraune Farbe des ganzen Pilzes, den Scidcn- 
glanz des ausgezeichnet gezonten, ziemlich kleinen llutcs 
(Durchmesser 2 — 3 cm), die anfangs nicht weiß bereiften, 
sondern nur hellbraunen Mündungen der Köhren ausgezeichnet. 
— Im Kastanicnwalde zwischen Vcrdings und Fcldthurns trat 
ich einige ältere Exemplare eines offenbar hierhcrg(;li()rigcn 
Pilzes, die sich besonders durch den grob- und um*egchniißig 
radialfurchigcn Hut auszeichnen und dadurch etwas an den 
Polyporus Kalrhhrmncri (Fries, Hymenom., 531) erinnern. 

J'oli/jiorus frondosus. Vcr])r('itet im Vahrncr Kastanienwalde am 
(irundc der allen Stämme. Der Pilz wird hier unter dem 
Namen Kastaniensch wamin von der Bevölkerung eifrig gc- 
Hammclt, steht als eßbarer Scliwamni im gri>ßt('n Ansclicn 
und lu»nimt aucli in IJrixen auf den Markt, während die übrigen 
liier auftretenden, vorzüglichen Speisepilze, wie z. 1>. der Pils- ||| 
ling und «(iine Verwandten, IJeizker, l*r;itling, Kiersclivviininie, 
w('nig(;r Ix^aclitet werden. Bresadola sagt von ihm (I Kunglii 
Mangerccci c VclcnoHi, 106j: „c fungo assai squisito, . . 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



463 



ma a cagione della carae fibroso-tenacella conviene cuocerlo 
molto bene." 

Fohjporus confluens. Stellenweise massenhaft in den Nadelwäldern 
um Vahrn, bei Elvas und zwischen Neustift und Sehabs; dann 
um Spiluck und von hier aus bis Schalders verbreitet. 

Polijporus caudicinns (P. sidpliurens). Auf Edelkastanien bei Yahrn, 
auf Salix alba bei Brixen, auf einem abgestorbenen (Ulmen-?) 
Strünke unter der Kirche von Schalders. 

Polyporus croceus. In einem prächtigen, bis 26 cm breiten und fast 
13 cm hohen Exemplare in dem hohlen Strünke einer abge- 
sägten Edelkastanie bei der Euine Salern ober Yahrn. 

Polyjwrus amor])lins. Auf Nadelholzstrünken im Walde unter dem 
Taubenbrunnen. 

Polyimrus Idspidus. Auf Morus alba in einer Allee bei Brixen; auf 
Samhuctis nigra in Spinges. 

Poly2)orus horealis, und zwar die durch stumpfe, nicht zerschlitzte 
Poren ausgezeichnete Form B) montanns Fries, Hymen., 553. An 
einem mächtigen Nadelholzstrunke ober der Spiluckeralpe. 

Polyporns JBetidimis. An einem Birkensti'unke in dem gemischten 
Wäldchen vor dem Yahrn erbade. 

Polyporus igniarius. In dner resupinaten Form auf zur Bahnein- 
friedung gepflanzten Robinienstämmchen in Yahrn. 

Polyporus marginatus (P. pinicola). Auf Fichtenstämmen bei Bad 
Schalders. 

Polyporus zonatus. Auf Nadelholzstrilnken beim Taubeubrunuen 
(teste F. V. Höhnet). 

Polyporus puhescens. Auf Stöcken von Schwarzpappeln in der 
Eisackau bei Stuffels; auf Birkenstrünken beim Yahrnerbade 
(teste F. V. Höhnet). 

Polyporus versicolor. Auf Stöcken von Birken beim Yahrnerbade. 

Polyporus Äljiefinus. In einer resupinaten Form auf Nadelholz- 
stämmen bei Bad Schalders (teste F. v. Höhnet i. 

Favolus Europaeus. An Robinienstämmen an der Bahneinfriedung 
zwischen Yahrn und dem Yahrnerbade. 

Trametes odorata. Häufig auf Fichteustrünken zwischen Yahrn und 
Bad Schalders. 



464 



Anton Heimerl. 



Baedalea unicolor. Auf Stümpfen von Birken im Wäldchen vor 

dem Vahrnerbade. 
Lenstes Behdina. Mit voriger Art. 

Lensites saepiaria, Gemein auf Balken, Bretterzäunen usw. aus 
Kieferholz von Vahrn bis Steinwend. 

Lenstes Äbietina. Auf bearbeitetem Fichtenholze (z. B. an Wasser- 
rinnen) von Vahrn bis Bad Schalders gemein. 

Fistulina Heimtica. Hin und wieder an Stämmen von Edelkastanien: 
um Vahrn, dann zwischen Verdings und Feldthurns. 

Boletus Intens. Im Kieferwalde vor dem Vahrnerbade und am 
Waldwege (2) von Vahrn nach Brixen. 

Boletus flavus. Sehr verbreitet^ stellenweise massenhaft: überall 
um Vahrn, im Kieferwalde zwischen Schahs und Ras, dann 
in dem zwischen der Haltestelle Villnöss und Naifen, in 
Fichtenwäldern von Vahrn aus über Bad Schalders bis zum 
halben Aufstiege zur Klosteralpe und unter dem Freienbüliel 
(gegen 1700 m), im Kastanien walde zwischen Verdings und 
Feldthurns. 

Boletus gramdatus. Sehr häufig in Kiefern- und Kastanien wäldcrn, 

meist in niedrigen Lagen: Schahs, Kas, Vahrn, Brixen; auch 

noch bei Naifen und Melaus. 
Boletus hovinus. Selten: einige Exemplare im gemischten Walde 

vor dem Vahrncr])ade. 
Boletus piperatus. Einzeln, aber an vielen Stellen, sowohl im Nadcl- 

als Laubwalde: um Vahrn, P>ad Burgstall, Bad Schalders, 

Aufstieg von da zur Klostcralpe usw. 
Boletus Oudemansi (B. fusipes). Einzeln in den subalpinen tiefen 

Fichtenwäldern um den Taubcnbrunncn, dann am Abstiege 

vom Frcienbühel nach Brixen; aus dem moosigen Waldboden 

durch den fast w(;ificn Hut hcrauKlcuchtend. 
Ihktus rJmjsenteron. Im Kastanien walde hei Vahrn und unter 

Nußbiiumrn bei Ncustift. 
IhlrfHs snh/o))ir)ilos?(s. Im Kiefcrwaldc vor dem Vahrnerbade; im 

Fichtcnwalde von \ ;ilini bis I>;m1 Sclialders. 
liolclus Indhosus (II. r.diiUs). Ciberall in J^aul)- und Nadelwaldungen 

um Vahrn, IJrixen, Alheins usw. verbrcjitct. 
Bolffm luridus. Einzeln in den KaKtanienwäldern um Vahrn. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



465 



Boletus viscidus. Sehr verbreitet in Fichtenwäldern von Vahrn bis 
Bad Schalders und von da gegen die Klosteralpe und den 
Taubenbrunnen hin, auch im Vahrner Kastanienwalde. 

Boletus rufus (B. versii^ellis). In höher gelegenen Fichtenwäldern 
bis zu 1700 m Höhe beobachtet: am Freienbühel gegen Brixen 
zu und am Aufstiege zur Klosteralpe von Bad Schalders aus. 

Boletus scaber. Sehr verbreitet in Laub- und Nadelwäldern um 
Vahrn, auch bei Elvas und am Waldwege (2) von Vahrn nach 
Brixen. — Die var. D. pileo fusco-olivaceo (Fries, Hymenom., 
516) einzeln im Kastanienwalde unter der Kirche von Vahrn. 

Boletus sistotrema. Am Schaldererbache von Vahrn bis Bad Schalders, 
dann im Kastanienwalde beim Vorderrigger nächst Neustift. 

Bolettis cavipes. Nicht selten: in den Nadelwäldern von Vahrn über 
Bad Schalders bis Steinwend, von da hinauf zum Tauben- 
brunnen und gegen die Klosteralpe zu, im Kieferwalde am 
Waldwege (2) Vahrn — Brixen, im Kastanien walde zwischen 
Verdings und Feldthurns. 

CantJiarellus ciharius. Überall verbreitet, geht am Freienbühel bis 
gegen 1700 m; in den Wäldern um den Taubenbrunnen auch 
die bei Fries (Hymenom., 455) erwähnte var. aTbidus. 

Cantharellus tuhaeformis. Stellenweise im Vahrner Kastanienwalde 
häutig, auch im Fichtenwalde unter dem Freihenbühel; wohl 
von C. infundibuliformis kaum verschieden. 

Cantharellus lutescens. In Nadelwäldern ober Vahrn am Aufstiege 
zum Taubenbrunnen. 

Paxillus atrotomentosus. Hin und wieder an den Wurzeln von Kie- 
fern: bei Vahrn, am Aufstiege zum Taubenbrunnen und im 
Walde zwischen Neustift und Ras. 

Paxillus acheruntius (P. panuoides). Im Kieferwalde am Schalderer- 
bache bei Vahrn auf moderndem Holze. 

Paxillus involutus. Hin und wieder: im Fichtenwalde zwischen 
Vahrn und Bad Schalders, in Kastanien wäldern bei Vahrn und 
Neustift, dann bei Pardell nächst Klausen. 

Gom2)]iidius glutinosus. Häufig in Fichtenwäldern um Vahrn, Bad 
Schalders, am Aufstiege nach Spiluck usw. 

Gomphidius viscidus. Mit voriger Art von Vahrn bis Steinwend und 
zum Taubenbrunnen verbreitet, auch im Kieferwalde zwischen 

Z. B. Ges. Bd. LV. 30 



466 



Auton Heimerl. 



Valirn und Brixen, dann im Kastanien walde zwischen Ver- 
dings und Feldthurns. 
Gompliidkis maculatus. In den tiefen Fichtenwäldern um den 
Taubenbrunnen. 

Ny Cialis hjcoperdoides (N. asterophora). Hin und wieder auf faulen- 
den Bnssida- Arten im Vahrner Kastanien walde. 

Hygroplionis flammans {II. miniatus bei Fries). An grasigen Stellen 
am Schaldererbache zwischen Vahrn und Bad Schalders. 

Ilygropliorus conicus. Gemein in der Talzone an grasigen Stellen, 
Wegrändern usw. um Vahrn und Brixen; auch zwischen Bad 
Schalders und der Klosteralpe. 

Ilygropliorus psittacinus. An grasigen Wegrändern um Vahrn und 
Brixen, dann zwischen Verdings und Feldthurns. 

Limacium olivaceo-alhum . (Uygropliorus olivaceo-alhus). In den 
Fichtenwäldern am Feldthurner Wege ober Vahrn bis zum 
Aufstiege gegen die Klosteralpe. 

Ladaria scrohicidata. Einzeln am Schaldercrbachc zwischen Vahrn 
und Schalders, häufiger in den subalpinen Fichtenwäldern am 
Aufstiege von Bad Schalders zur Klosteralpe. 

Ladaria torminosa. Nicht selten im Kastanien walde von Vahrn, 
dann im Kieferwalde zwischen Valirn und ]>rixen. 

Ladaria hlennia. Hierher gehört wahrscheinlich eine bei Bad 
Schalders im Moose des Fichtenwaldes gefundene kleine Lac- 
tarln mit schmutzig spangriinem, ins Gelbliche bis OlivenAirbigc 
Hpiclendem, leicht gezontcm, sehr klebrigem Hute, dessen weiß- 
liche Lamellen bei Verletzungen graulich werden; Saft sein 
scharf, fast unveränderlich, weiß. Die Ahbildung bei Cookc 
(Illustr., PI. 988) stimmt ziemlich, die bei Kromhholz (Taf. ()!», 
Fig. 7—!)) schlecht. 

Ladaria urlda. In den I^'ic.htcnwäldern zwischen Vahrn, lUid Schal- 
ders und dein Fcldthnnier Wege ober dem Taubenbninncn 
nicht seilen. 

Ladarlfi inidilmtidd ( I. arrls). Finige Fxemplare im Vahrnci 
Kaslanienwjilde mil ^raui>riiuidielieni, li(;ll(M-ein Hute als in 
Cookc, IlluHtr., J'l. lOOf) dargestcdlt ist. 

Ladaria pipfrala. Häufig im Vahrner Kastanienwaldc. 



1 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



467 



Ladaria vellerea. Unter voriger Art und in den Fichtenwäldern 
am Aufstiege von Vahrn zum Taubenbrunnen. 

Ladaria rufa. Um Vahrn in den Fichtenwäldern häufig, steigt bis 
an den Feldthurner Weg ober Bad Schalders, bis zu den 
Kammerwiesen in Steinwend und bis gegen das Burgstaller- 
eck (1600 m). 

Ladaria helva. Unsere Exemplare weichen durch fast licht kaffee- 
braunen Hut von dem Bilde bei Cooke (lUustr., PI. 994) ab; 
zwischen Sphagnen bei Bad Schalders und weiterhin im 
Fichtenwalde am Aufstiege zur Klosteralpe. 

Ladaria volema. Im Vahrner Kastanienwalde stellenweise häufig, 
dann in den Fichtenwäldern unter dem Taubenbrunnen in 
Exemplaren mit bis 2 dm breitem Hute. 

Ladaria tithymalina. In Kieferwäldern am Schaldererbache bei 
Vahrn und beim Vahrnerbade von Prof. v. Höhnel aufge- 
funden. — Eine prächtige, in den subalpinen Fichtenwäldern 
am Feldthurner Wege ober Bad Schalders in gegen 1600 m 
Höhe vorkommende Ladaria weicht von der vorliegenden Art 
fast nur durch den deutlich gezonten Hut ab; Varietät? 

Ladaria suhduhis. Fichtenwälder am Feldthurner Wege und am 
Schaldererbache ober Vahrn. 

Ladaria camphorata. An den Fundorten der vorigen Art. 

Ladaria dmicaria. Im Kastanien walde zwischen Verdings und 
Feldthurns; den vorigen beiden Arten täuschend ähnlich, aber 
leicht an dem durchdringenden Wanzengestanke zu unter- 
scheiden. 

Lada/i'ia ohmibila. Einzeln in den Fichtenwäldern zwischen Bad 
Schalders und dem Feldthurner Wege. 

Ladaria deliciosa. Besonders in Nadelwäldern sehr verbreitet: um 
Vahrn, im Kiefer walde zwischen Theis und Melans^ auch noch 
am Feldthurner Wege ober Bad Schalders (gegen 1600 m). 

Bussula fragilis. An moosigen Stellen der Fichtenwälder von Vahrn 
über Schalders bis Steinwend, dann um Spiluck; auch in 
einem Kastanienwalde zwischen Elvas und Brixen. 

Bussida pedinata. Im Vahrner Kastanienwalde und im Kieferwalde 
zwischen Vahrn und Brixen. 



468 



Anton Heimerl. 



Busstda cyanoxantha. Häufig in allen Wäldern um Valirn, geht 
am Aufstiege zum Taubenbrunnen bis gegen 1300 m; im 
Kastanienwäldchen zwischen Elvas und Brixen. 

Busstda foetens. In den Kastanienwäldern um Vahrn, Elvas, Brixen, 
Verdings und Feldthurns verbreitet; in Kieferwäldern am 
Schabser Plateau und bei der Rundlbrücke; auch noch in 1300 m 
Höhe im Fichtenwalde ober Bad Schalders. 

Bussnla virescens. Diese prächtige Art ist im Vahrner Kastanien- 
walde, dann in den Kastanienwäldern um Verdings und Feld- 
thurns häufig. 

Busstda lepida. Mit voriger Art. 

Busstda sangttinea. Im Kieferwalde vor dem Vahrnerbade. 
Bussula nigricans. Einmal bei der Ruine Salern ober Vahrn (mit 

Nyctalis besetzt) gefunden. 
Bussida deliciosa (B. delica). Im Kastanicnwalde zwischen Verdings 

und Feldthurns; in Kieferwäldern zwischen Vahrn und Brixen, 

ebenso am Schaldererbache. 
Bussidina integra. Vom Vahrner Kastanienwalde an bis zu den 

Fichtenwäldern der Spiluckeralpc; auch im Kastanicnwalde 

zwischen Verdings und Feldthurns. 
Bussidina decolorans. In den dichten subalpinen Fichtenwäldern 

am Feldthurner Wege ober Bad Schalders bis Steinwend; dann 

unter dem Freienbiihel (1400— 1600 m\ 
Bussulina lutea. Im Vahrner Kastanicnwalde häufig. 
Russidlna chamaeleoniina. Mit voriger Art und in allen Übergängen 

zu ihr im Vahrner Kastanienwaldc. 
Srln.ioidnilhnn fdjtnnn. Auf ciiieni iiiodcrnden Nunbaumstrnid<o in 

Vahni. 

lj(nH}tns s/i/p/icus (J*a)ius slijdic.us). AuC ll()l/.Ktiinij)ren im gemischten 

Wäldchen vor dem Vahrnerbade. 
Lryit'nins sf/uamosus. Auf Balken und liaiiMistiiinprcii inii Vahrn und 

SrliahhTH. 

Marftsitiius r(ir}/()/)/ii/llrHs (]]/. Orrddcs). (Jcm(;iii um Valini und 
Brixen an W('gränd(M-n, grasigtsn l>öscliuiigen usw. 

Marasmins nllifi/us (M. srorodonius) . Sehr verbreil(;t in Nadel- 
wiild( III um \'alini, Sflialdcrs und aufwärls bis /um Feldthurner 



II. Beitrag- zur Flora des Eisacktales. 



469 



Wege ober dem Taubenbrimnen, dann häufig- im Kieferwalde 
zwischen Neustift und Schahs. 
Marasmius JRotida. Häufig im Fichtenwalde am Talwege Vahrn — 
Bad Schalders. 

Marasmius androsaceus. Im Fichtenwalde unter dem Taubenbrunnen. 

Marasmius Ähietis {M. perforans). Auf abgefallenen Nadeln in den 
Wäldern ober Bad Schalders bis zum Taubenbrunnen häufig. 

Hijplwloma fasciculare. Häufig in allen Wäldern um Vahrn. 

Oi'epiäotus Cesatii. Auf modernden abgefallenen Ästchen vom 
Weißdorn nächst dem Vahrnerbade (teste F. v. Höhnel). 

Galera Hijpni (G. Hypnorum). Zwischen Moosen am Schalderer- 
bache zwischen Vahrn und Schalders. 

Inomße Bidcamara. An Wegrändern im Vahrner Kastanienwalde. — 
Die Bestimmung erfolgte durch Herrn Abbe Bresadola. 

Cortinarius sebaceus. Im Fichtenwalde gleich ober Bad Schalders. 

Cortinarius xmrpurascens. In auffallend kleinen Exemplaren im 
Kastanienwalde zwischen Verdings und Feldthurns. 

Cortinarius hircinus. Im Nadelwalde ober Bad Schalders am Feld- 
thurner Wege. 

Cortinarius traganus. In den tiefen Fichtenwäldern unter dem 

Taubenbrunnen ober Vahrn. 
Cortinarius anomalus. An Waldrändern zwischen Moosen bei Bad 

Burgstall ober Brixen, auch im Kastanienwalde zwischen 

Verdings und Feldthurns. 
Cortinarius miltinus. In den tiefen Fichtenwäldern unter dem 

Taubenbrunnen. 

Cortinarius sanguineus. Mit der vorigen Art, dann am Rande der 
Kinigadnerwiese in Steinwend. 

Cortinarius cinnamomeus. Überall um Vahrn, insbesonders in Nadel- 
wäldern am Schaldererbache bis Steinwend, im Kieferwalde 
zwischen Vahrn und Brixen, im Vahrner Kastanien walde und 
in dem zwischen Verdings und Feldthurns. 

Phx>liota mutalnlis. An Birkenstrünken am oberen Wege von Schal- 
ders nach Vahrn. 

CUtoxnltis prumdus. In Kieferwäldern: zwischen Naz und Viums, 
beim Vahrnerbade und am Waldwege (2) Vahrn — Brixen; auch 
im Vahrner Kastanienwalde. 



470 



Anton Heimerl. 



Entoloma sericelhs. Zwischen Gras im Vahrner Kastanienwalde. 
Omplialia Fibula. Zwischen Moosen am Schaldererbache nächst 
Vahrn. 

Omplialia fragilis. Auf faulenden Lärchen- und Fichtenstrünken um 
Vahrn, Schalders, Spiluck, beim Taubenbrunnen usf. verbreitet. 

Mycena rubromarginata. Im Walde am Schaldererbache in Vahrn 
zwischen Moosen auf der Borke einer Lärche. 

Mycena rosella. Zwischen Vahrn und Bad Schalders an schattigen, 
moosigen Waldstellen truppweise. 

Mycena pura. Einzeln in den Nadelwäldern um Vahrn. 

Mycena lactescens (M. galopus). Einzeln in den Moosrasen am 
Schaldererbache von Vahrn bis Stein wend, dann in den Fichten- 
wäldern unter dem Taubenbrunnen. 

Collyhia dryopliila. In Kieferwäldern um Vahrn nicht selten. 

Collyhia üiberosa. Auf faulenden Hutpilzen in dem Kieferwäldchen 
beim Vahrnerbade. 

Clitocyhe odora. Diese durch Farbe und Geruch ausgezeichnete Art 
traf ich nur einmal in wenigen Exemplaren im Kieferwaldc 
vor dem Vahrnerbade. 

Clitocyhe dealhata. An grasigen Wegrändern bei Elvas. 

Clitocyhe infundihtdiformis. Verbreitet in den Kiefer- und Fichten- 
wäldern von Vahrn an bis zur Spiluckeralpe und Stcinwend, 
dann bei Ras und Schahs, am Felsenwege unter dem Kloster 
Sähen, endlich zwischen der Haltestelle Villnöss und Naifcn. 

Clitocyhe slnojnca. Im Kieferwäldchen gegenüber der Haltestelle 
Vahrn. 

Clitocyhe Candida. Eine mit dieser Art wohl nahe verwandte oder 
ihr gleiche Form auf Wiesen bei Bad Burgstall. — Die Excm- 
])lare Htimmen im JJabitus sehr gut mit dem Bilde bei Bresa- 
dola fFunghi mangcrccci etc., Tav. XI) llbcrcin, sind robust, 
der Hut ist bis ](')cm breit, am Bande stark eingerollt, in 
der Milte leiclit vertieft, Ijamellen schmal, dicht, der Strunk 
dick und |)lum]), ziendich gleich breit; Farbe des ganzen Pilzei 
fast weiß oder mit einer Spur von ockerigem Anlluge; Geruch 
nnangenclim fariiiTm. 

CUloryhr dUojnis. Itri (^rase am Straßenrande zwischen Vahrn und 
FranzcnsfcHtc. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



471 



Laccaria laccata. Überall in Laub- und Nadelwäldern um Vahrn 
und ßrixen in der f. rosella Schröter (Kryptogamenflora von 
Schlesien, 623) verbreitet, auch noch in den Kammerwiesen 
bei Steinwend und in den Fichtenwäldern am Freihenbühel 
(1700 m) vorkommend. Die f. ametliystina Schröter, 1. c, hier 
sehr selten und nur einmal ober dem Talwege von Vahrn 
nach Bad Schalders im Grünerlengebüsche gefunden. 

Triclioloma aggregatum var. decastes (CUtocyhe decastes Fries, 
Hymenom., 90). Einige Gruppen im Kastanienwalde bei Vahrn. 

TricJiolofna mtilans. Im gemischten Wäldchen vor dem Vahrner- 
bade. 

Triclioloma columhetta. Im Kieferwalde am Waldwege (2) von Vahrn 
nach Brixen in fast einfarbigen oder nur hin und wieder am 
Stiele leicht rosenrot überflogenen Exemplaren. 

Ärmillaria mellea. Im Herbste 1903 in Menge am Schaldererbache 
von Vahrn bis Bad Schalders auf Nadelholzstrünken; im ver- 
gangenen Jahre traf ich zur selben Zeit nicht einen Frucht- 
körper an. 

Lepiota gramdosa. Häufig im Vahrner Kastanienwalde und in dem 
Kieferwäldchen vor dem Vahrnerbade; daselbst hin und wieder 
auch in der var. cinnaharina. 

Lepiota dypeolaria. Im Sommer 1903 an einigen Stellen im Vahrner 
Kastanienwalde. 

Lepiota procera. In Kieferwäldern um Vahrn, Ras, Brixen^ Theis 
und Melaus nicht selten. 

Amanitopsis plmribea (Amanita vaginata). Einzeln, aber nicht selten 
um Vahrn sowohl im Kastanien- als auch im Nadelwalde; die 
var. alba Fries (Hymenom., 27) im Kastanien walde bei der 
Ruine Salern und in den Fichtenwäldern am Aufstiege von 
Vahrn zum Taubenbrunnen; die var. hadia Schröter (Krypto- 
gamenfl. v. Schles., 677) mit der vorigen unter dem Tauben- 
brunnen und bei Bad Schalders; die var. fidva Fries (Hyme- 
nom., 27) am Aufstiege von Bad Schalders zur Klosteralpe. 

Amanita umhrina (A. pantJierina). Im Vahrner Kastanien walde 
unter der Ruine Salern; bei Pardell. 

Amanita pustidata (A. ruhescens). Sowohl im Vahrner Kastanien- 
walde als in dem Kieferwalde beim Vahrnerbade stellenweise 



472 



Anton Heimerl. 



in Menge; auch bei Brixen, Pardell, Verdings und Feldthurns 
beobachtet. 

Ämanita muscaria. Von Vahrn bis Klausen verbreitet; noch bei den 
Kammerwiesen in Steinwend und im Fichtenwalde unter dem 
Freienbühel (gegen 1700 m). 

Amanita hulhosa var. d) viridis Schröter (Kryptogamenfl. v. Schles., 
681). Einzeln unter Edelkastanien zwischen Elvas und Brixen; 
var. c) citrina Schröter (1. c, 681) im Nadelwalde am Schal- 
dererbache in Vahrn. 

Calvatia maxima (Glohwria Bovista)}) Am Eisenbahndamme bei 
Vahrn. 

Calvatia caelata (Lycoperdon caelatum). Im Kieferwalde zwischen 
Neustift und Schahs. 

Lycojierdon umhrinum. Im Kieferwalde zwischen Neustift und Ras, 
dann im gemischten Walde vor dem Vahrnerbade. Die ge- 
sammelten Exemplare kommen am meisten der bei Hol lös, 
1. c, auf Tab. XIX, Fig. 8 — 13 abgebildeten var. elongatum 
nahe. 

Lycoperdon gemmatum. Häufig im Kieferwalde zwischen Neustift 
und Schabs. 

Lycoperdon furfuracetim. An Wegrändern im Vahrncr Kastanicn- 

walde. — Ob denn das von Hollos wieder abgetrennte L. 

2)usillum wirklich von dieser Art verschieden ist? 
Lycoperdon impillatum. Im Vahrncr Kastanicnwalde. 
Jiovista nigrescens. Auf den Kammerwiesen in Steinwend. 
Jiovtsta plumhea. Hin und wieder im Valn'ner Kastanicnwalde. 
Crucihtdum vulgare. Häufig auf modernden Balken (ausnalimswcisc 

auch auf vertrocknetem Miste) zwischen Valirn und I5ad 

Scliahh^rs. 

Scleroderma (rhlyctospora) fuscum. Vcr])rcitet in den Kastanicn- 
wiildcrn um Vahrn, ebenso bei Brixen und Bardell näclist 
Klausen. Die gnißten Exem])hirc mit fast (rf) Durcbniesscr 
im Kastanicnwahlc beim Vorderrigger nächst Neustift, mit aus- 

*) Die (JaHtcroinycft» II sind ii;icli lldllos, HiiHU'.iouiycvXv.» Iliiii^Jirim), 
;ifif,MonlMf't. Mclin-n- Arten von Lycoperdon nmli ic.li einer H))iif(!r(in Vor- 
r»fT« ?if lirlinii^,' vorlielmlten, icli iilter nie uneh mit Hilf« (licHCsr (lankcnHwerton 
Arbeit nicht Inn iCeiin- koniiin-ii konnte;. 



II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



473 



gesprochen warzig gefelderter, nicht (wie in den „Natürl. 
Pflanzenfam.", I, 1**, 336 angegeben) glatter Peridie; sie 
wuchsen fast oberirdisch. 

Scleroderma vulgare. Im Vahrner Kastanien walde hin und wieder; 
mit der vorhergehenden Art leicht zu verwechseln. — Ich 
habe mich vergebens bemüht, zwischen S. vulgare und S. verru- 
costim Unterschiede zu finden. 

Cicimioholus Cesatii. In Sphaerotlieca Humuli var. fuliginea auf 
Erigeron Canadensis um Neustift. 

Barluca Filum. Als Schmarotzer verschiedener Uredineen sehr 
verbreitet; wurde beobachtet: in dem CTrec^o-Lager von Puccinia 
Epüobii tetragoni auf Ejnlohium collinum nächst Brixen, von 
Puccinia Hieracii auf Hieracium Florentinum nächst der Halte- 
stelle Villnöss, von Puccinia Cesatii auf Andropogon Ischaemum 
bei Theis, von üromyces Medicaginis falcatae auf Medicago 
lupulina bei Brixen, von TJromyces Polygoni auf Polygonum avi- 
culare zwischen Verdings und Feldthurns, in den C/?'ec?o-Lagern 
(wahrscheinlich) von Üromyces Astragali auf Oxytroins 2^ilosa 
am Eisackdamme nächst Schloß Pallaus sowie auf Astragalus 
Onobrychis zwischen Vahrn und Brixen, endhch in den üredo- 
Lagern einer Melampsora auf Salix daphioides am Eisack 
unter Brixen. 

Septoria Silenes. Auf Blättern von Silene Armeria bei der Seeburg 
ober Brixen. 

Marssonia Delastraei. Auf Blättern von Silene rupestris zwischen 

Brixen und St. Anton. 
Ramidaria Tliesii. Auf Blättern von Tliesium alpinum am Eisack 

bei Stuflfels (Brixen). 
Ramularia Geranii. Auf Blättern von Geranium pusillum bei 

Neustift. 

Ramularia Winteri. Auf Blättern von Ononis spinosa f. densiflora 

bei St. Anton ober Brixen. 
Ramularia Cervina. Auf Blättern von Homogyne alpina auf der 

Kinigadnerwiese in Steinwend. 
Ramidaria Filaris. Auf Blättern von Hieracium amjüexicaule 

zwischen Vahrn und Bad Schalders (teste F. v. Höhnel). 



474 Anton Heim er 1. II. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 

Bamularia Inulae. Auf der Blattunterseite von Inula vulgaris 
(I. Comjsa) unter Seeburg bei Brixen [teste F. v. Höbnel, 
welcher den Pilz als B. Inulae (Sacc.) v. Höbnel bezeicbnet]. 

Cercospora dubia. Auf Blättern von Chenopodium alhiim in Neustift. 

Cer Oospora cana. Auf Blättern von Erigeron Canadensis bei Säbeu 
ober Klausen. 

o. 

leb lasse scbließbch eine kleine Liste der im Sommer 1904 
beobachteten Algen folgen. 

Oscillatoria limosa. In Sümpfen zwischen dem Eisack und Milland. 
Cylindrocystis Brehissonii. Unter Fadenalgen auf der quelligen 

Wiese am Aufstiege von Vabrn zum Taubenbrunnen (gegen 

1100 m). 

Spirogyra Weheri. Unter der vorigen Art einzeln, steril. 
Mougeotia (? genuflexa). Ebenfalls mit den vorigen Arten; nur 
steril. 

Teiraspora gelatinosa. Schwimmend in einem Sumpfe am linken 
Eisackufer zwischen Milland und Schloß Pallaus. 

Bhaphidium fasciculatum (Bh. polymorphum) . In Quelltümpeln 
beim Wasserschloße von Brixen in Steinwend. 

Iformiscia (Ulothrix) suhtilis. Häufig am Fundorte der Cylindrocystis. 

Conferva homhycina. Mit voriger Art. 

Trentepohlia loUthus. In Menge auf Phyllitblöcken am Schaldcrer- 

bache von Vahrn bis Steinwend. 
Nitdlfi syncarpa. Mit Ohara fragilis im Sumpfe zwischen Naz 

und Elvas. 

Lemnnca /luviaülis. Häufig in einem Mühlengerinne am '^J^alwcgc 

von Vahrn nach Üad Scbahlcrs. 
Balracliosprmium moniliforma. In einem Wasserlaufc beim Vinzcn- 

tiniiin näcliHt Brixen. 
('lifnih'fiHsifi vlolacca. Anrgcwacliscni auf der I^mmnca an dcrcm 

Fundorte. 



Zur Moosflora der österreichischen Küstenländer. 



475 



Zur Moosflora der österreichischen Küsten- 
länder. 

Von 

K. Loitlesberger 

in Görz. 

(Eingelaufen am 27. Februar 1905.) 



Die Mannigfaltigkeit der küstenländischen Flora, vor allem 
begründet in den Differenzen klimatischer Verhältnisse, wie wir 
ihnen die Stufen herab vom Kamme der Julischen Alpen bis zur 
Meeresküste begegnen, sie kommt auch in bezug auf Bryophyten 
zum Ausdrucke. Dr. 0. Sendtner^) schreibt in der Einleitung zu 
seinen Beobachtungen, da er von den Einflüssen auf die Beschaffen- 
heit der hiesigen Moosvegetation spricht: „Die verschiedene Äuße- 
rung dieser Einflüsse nach den verschiedenen klimatischen Eegionen 
der Pflanzenwelt ist schon in einem kleinen geographischen Bezirke, 
wie im Küstenlande, augenscheinlich, ihre Darstellung aber gerade 
hier am lehrreichsten, wo unter übereinstimmenden Bodenverhält- 
nissen sämtliche Regionen in unmittelbarer Aufeinanderfolge dem 
Beobachter entgegentreten, welche in Europa das Gedeihen der 
Vegetation zulassen." In jener Schrift werden 272 Laubmoose an- 
geführt sowie deren Verbreitung und Anschluß an die aufgestellten 
Pflanzenregionen besprochen. Damit war kräftig eingesetzt zur 
Erschließung der Moosflora eines interessanten Landstriches, in 
welchem alpine und mediterrane Flora sich die Hand reichen, eines 
lehrreichen, da es die „Beobachtung der klimatischen Einflüsse in 
größtmöglicher Reinheit begünstigt". Die Folgezeit führte immer 
wieder Sammler nach der Adria und es füllen die in den Publi- 



Dr. 0. Sendtner, Beobachtungen über die klimatische Verbreitung 
der Laubmoose durch das österreichische Küstenland und Dalmatien. ßegens- 
burg, 1848. 



476 



K. Loitlesberger. 



kationen von Krasan^) und Juratzka,^) in den neuesten von 
Limpriciit^) und Glowacki*) für die Küstenländer genannten 
Moosspezies heute beinahe das vierte Hundert; für ein Gebiet, in 
dem Kalk und Sandstein herrscht, keine geringe Zahl. 

t^ber Hepaticae wurde aus dem österreichischen Litorale noch 
nicht viel publiziert; jedoch gestatten schon die durch J. Breidler^) 
aus der nördlichsten Zone (Julische Alpen) sowie durch J. Baum- 
gartner und Prof. Dr. Schiffner*^) für die südlichste Küstenzone 
bekannt gewordenen Arten — sie sind im folgenden einbezogen — 
einen Einblick in die Buntheit der hiesigen Lebermoosflora. 

Nach dieser Richtung die Beobachtungen Sendtners zu ver- 
vollständigen und ihnen bezüglich der Laubmoose einige ergänzende 
Zeilen anzufügen, wird mit Vorliegendem bezweckt. Es werden im 
ersten Teile alle bisher im Territorium') nachgewiesenen Leber- 
moose, im zweiten mehrere Laubmoose, insbesondere aus dem 
Görzer Kreise, aufgezählt, ein Zuwachs, der durch oftmalige Be- 
gehung des Ternovaner Waldes und Auffindung kleiner Sphagnum- 
Ikstände in der Ebene erzielt wurde. Bei den Verbreitungsangaben 
mögen, soweit ein Schluß erlaubt ist, die Sendtn ersehen Regions- 
bezeichnungen (immergrüne Küsten-, Wald- und Alpenregion) heran- 
gezogen werden. Was die Begrenzung der letzteren, was ferner 
klimatische und geologische Verhältnisse des Florengebictes an- 
belangt, sei auf die genannten Schriften von Sendtner und Kra- 
san verwiesen. In der Ebene sind kalkmeidcnde Pflanzen, wie 
I)iplo])lnjlliüii albicans, Marmpclla Funcidi, Ikacliyilicckim plumo- 
sum, JJcdivKjla usw. auf den Sandstein beschränkt, in den höheren 

Prof. Fr. K r;iH;iii, lU itrii^o zur Flora der Uim^m;)hiii^ von (iör/, 1803. 
KiitliUlt aucli z.'iliIrciclK! Mo(>h(! olino hoHonderc StiindortHjuif^alx!. 

.1. .lurat/UaH Laiil)n>()OHllora von ()Ht,c^•oidi-Un^^*lrn, zii.saniiiKüi- 
/^OHtcllt von .1. lircidlcr und .1. FörHtor. Wien, 1882. 

•'') (;. LinipricJi t, Dir Lau))nioo.sc DculHchland.s, (").st,orreicIiH und d(ir 
Scliwciz in Dr. Ua b c n Ii o i k t h Kry|)to;,''anicnflora. Loipzi/,^, 18!)0— IDOd. 

*) l)ir. .lul. (i lowac k i, licilra^; zur LaubniooHMoru der österreieliiHchen 
KliMtenliinder. .Marhur^^, 1!)0'2. 

.]. lireifllr;r, Di(! DclicmiooHC! Slcicrnnirk.s. Wien, 18!);}. 
«j In dioMen „ Vcrliandlnn^M-,n", .laln^. 1!H)2, S. 708. 
') Dic8CM ( THfii i l;! i( Ii üIm t <I;im KÜHtenland im en^^ej-en Sinne, hliicwi 
und Dalniatien. 



Zur Moosflom der österreichischen Küstenländer. 



477 



Lagen ermöglichen tiefer Humus, sandige Schwemmböden der Do- 
hnen oder die von Hornsteineinschlüssen durchsetzten Kreidekalke 
das Wachstum kieselliebender Arten wie Mnium medium, Dicranum 
albicans, Bazzania triangularis u. a. 

Eine perzentuelle Zusammenstellung für die einzelnen Zonen 
wäre verfrüht ; die oberste um Flitsch und Trenta, die unterste der 
dalmatinischen Inseln wurden noch ungenügend durchforscht. Der 
Schlupfwinkel sind genug, selten eine Exkursion, die nicht irgend- 
welche Entdeckung brächte. Zuhause gibt es freilich für den ferne 
von reichen Sammlungen und Originalexemplaren Stehenden Sorge 
und Zweifel genug! Umsomehr weiß er freundliche Mithilfe zu 
schätzen; diese wurde mir bei Bestimmung der Lebermoose von 
Seite des Herrn Prof. Dr. Schiffner im reichlichsten Maße zuteil. 
Ihm, dann den Herren J. Baumgartner, J. Brei dl er, Prof. Dr. 
C. Massalongo und K. Warnstorf sage ich für die wiederholte 
Unterstützung bei Beurteilung kritischer Formen auch an dieser 
Stelle meinen verbindlichsten Dank. 

I. Hepaticae. 

Die Küstenregion ist wie der Karst ziemlich arm an Leber- 
moosen; es sind die wenigen Jubuloideen, die mit Baäula und 
Porella als Xerophyten die immergrünen Dickichte, die Macchien, 
bewohnen, in feuchten Gründen enge dem Substrat anschUeßende, 
vor allem also frondose Pflanzen, ferner Southbyen, Kantia- und 
Ce2)halo^ia -Arten. Es gilt dies mehr oder weniger auch für die 
ausgedehnte Region des Stangen waldes; Jungermannien gehören 
daselbst zu den Seltenheiten. Üppig und der gleichnamigen Zone 
der nördlichen Kalkalpen an Artenreichtum nicht nachstehend wird 
die Lebermoosvegetation erst im Hochwalde, d. i. hier im Terno- 
vaner Walde (= T. W.) und für mehr als zwei Drittel der aufge- 
zählten Spezies kann derselbe, in dessen Dohnen stellenweise sub- 
alpine Formen herabsteigen, als Standplatz bezeichnet werden. 

Pflanzengeographisch von Interesse ist das Vorkommen von 
Plagiocliasma rupestre (J. Baumgartner, III. 1902), jenes von 
Prmiolohns Ttmieri und BicMton cahjculatum (III. 1904) in der 
dalmatinischen Flora, bemerkenswert die Verschiebung der Vege- 



478 



K. Loitlesb erger. 



tationsgTenze einiger Arten (Nr. 16, 33, 34, 109) nach oben, nicht 
minder das Auftreten von ÄrnelUa fennica in den Eislöchern am 
Matajur. Aus dem Ternovaner Walde wird Aplosia Schiffneri als 
neue Art beschrieben.^) 

1. Rieda nigrella DC. Heideplätze hinter dem Fort Imperial bei 

Eagusa, ca. 300 m (leg. Baumgartner) (Prof. Dr. Schiffners 
Bericht in diesen „Verhandlungen", 1902, S. 708). 

2. Eiccia hifiirca Hoffm. Spärlich in Cul di Leme (Istrien) in 

Gesellschaft von Behoulia; stark von Nostoc überwuchert (fr. V). 

3. Pcltole2)is grandis Lindb. Mangarska skala am Manhart, 2050 m 

(leg. Breidler). 

4. Scmteria alxnna Nees. Moistrokapaß, 1600 m (leg. Breidler); 

am Krn bei Tolmein, 1800 m, Matajur, 1600 Umgebung 
der Manharthiitte; ebenda Breidler, 2100— 2300 m. 

5. Clevea hijaVma Lindb. Unter der vorgenannten bei der Manhart- 

hiitte. 

0. Clevea siiecica Lindb. Wie bei Nr. 3. Das Vorkommen dieser 
Art bleibt zweifelhaft. Herr Breidler hatte die Güte, mir 
eine Probe und zugleich den genauen Standort mitzuteilen. 
Darnach liegt sicher eine Clevea vor, vom Habitus der Sauteria! 
Nach Lindberg, der seinerzeit die Pflanze untersuchte, 
vielleicht eine neue Art (Cl. Breidleri Lindb. in litt, ad 
Breidler), deren Sicherstellung, besonders in bczug auf Frucht- 
vcrhältiiisse und Schuppenbildung am Laube, nach Wicdcr- 
auflindung und Untersuchung an lebendem Material erfolgen soll. 

7. Plafjiochasma rupeske (Forst.) Steph. Dalmatien: Ombla bei 
JJagusa, in Felss])alten oberhalb der Quelle, ca. 'ZOOon (leg. 
Ba Ulli gart n er, nach Sch i ff n er, 1. c). 

)S. Jlrho/ilid, hf'})ilsj)harri(:a (L.) Baddi. Zerslrcnt durch alle Zonen: 
Bocclie di (Jaitaro, Canal di Lenu;; am liäuligsten in der 
alj)iii(;n, am Kni, Klionibon, Manhart, liier his 2200 m fr. 
(r>reidl(;rj. 

9. (irimnhlia dir/toh/itifi Kaddi. ('attaro, (.^astelnuovo (fr. III). 

') Di«! vom Vrrf.iHHcr ^^cHaimncItcii Arten .sind - wenige uiiH^'-ciioiriiricn 
— im Hi'rburo (Ich k. k. NuturliiatoriHcli« n I lodnuMcumH liiiiterleg't. 



Zur Moosflora der österreichischen Küstenländer. 



479 



10. Neesiella rupestris (Nees) Schiffn. Über Sandboden a. d. Kopilza 

bei Cepovan (Dolomit!), 100 m (fr. V). 

11. AstereUa Lindenhergiana (Corda) Lindb. Am Manbart. 2000 bis 

2300 m (leg. Br eidler). 

12. Co)wee2)halus conkiis Dum. Gemein in der Waldregion; Konglo- 

meratböblen längs des Isonzo auskleidend; Begovinagraben 
bei Castelnuovo. 

13. Lumdaria cruciata (L.) Dum. Häufig in der Boccbe. In 

Strazig bei Görz die Steinwände des Fabrikskanales zusammen 
mit Jlarchantia 'paleacea deckend; unweit davon an einer 
übeiTieselten Steilwand des Isonzoufers; stets mit Brutkörpern. 

14. Clwmiocarpon quadrafus (Scop.) Lindb. Von der Küste bis in 

die Alpenzone; Maubart, bis 2300m (Breidler), Gipfel des 
Rhombon, 2200 m; auch an trockenen Standorten, so mit 
Gi'imaldia in der Boccbe di Cattaro, an Gartenmauern in Görz. 

15. Marclianüa polymorplia L. Viel seltener wie vorige; a. d. Krka 

in Dalmatien, am Cornobach bei Görz, im T. W. und in der 
oberen Waldzone um Tolmein und Flitscb. 

16. Marclianüa jxdeacea Bert. Bei den Krkafällen an einem Holz- 

webr mit unentwickelten Frticbten (Ende März). An den 
Kanalwänden in Strazig (Görz) fiel mir die blaugrtine Mar- 
chantia seit langem auf; liier finden sieb nur männliche 
Pflanzen, welche alljährlich zahlreiche Antheridienstände und 
Brutkörper entwickeln. Durch Prof. Schiffner aufmerksam 
gemacht, ging ich an die Untersuchung der Epidermis und 
Spaltöffnungen des Laubes; schon hierin ergeben sich hin- 
längUch differenzierende Merkmale gegenüber polijmorplia. 

17. Fdccardia midtlfida (L.) Gray. In schmalen Proben an Wasser- 

gerinnen im Rosental bei Görz. 

18. Riccardia pingitis (L.) Gray. Isonzoauen bei Görz und Flitscb, 

Sumpfwiesen im Panowitzer Walde (fr. IV), in der Smrekova 
draga (T. W.), tiberall späriich. 

19. Biccardia palmata (Hedw.) Lindb. T. W. (fr. Yl). 

20. Biccardia latifrons Lindb. Stellenweise mit palmata, etwas 

später fruchtend. 

21. Metzgeria conjugata Lindb. Von der immergrünen Küstenzone 

bis ins Knieholz an schattigen Felsen und unter Gebüsch. 



480 



K. Loitlesb erger. 



Eine vav. elongata mit schmaler Frons vom Ljak (fr. VII) 
wird in Hep. europ. exsicc. ausgegeben. 

22. Metzgeria furcata (L.) Dum. Wippach tal und T. W., Mt. Maggiore, 

auf Lacroma und um Savina in der Bocche di Cattaro. 

23. Metsgeria puhescens (Schrank) Raddi. An der Predilstraße 

(Breidler); an Dolinenwänden im T. W., um Tolmein. 

24. Moerchia Flofowiana (Nees) Schiffn., Österr. botan. Zeitschr., 

1901. T. W.: an einer Stelle der Paradanastraße über Detritus, 
1200 m (fr. VI). 

25. Pellia endiviaefolia (Dicks.) Dum. Krkafälle und Bocche di 

Cattaro; Risanotal in Istrien; längs des Isonzo bis zur oberen 

Waldgrenze, an den Wassergräben der lebermoosarmen Fur- 

lanei (Vallesse, Campolongo). 
Var. ftircigera Nees. In humösen Felsspalten des T. W. 
Var. lo7'ea Nees. Quellrinnen bei Salcano und im Rosentalc 

(Görz). 

26. Pellia epiphijlla (L.) Corda. Panowitzer Wald, Zalaztal bei 

Tolmein. 

Die hübschen Resultate, die uns Dr. Jack über seine 
Studien an den Pe?Zm-Früchten überlieferte, veranlaßten mich, 
unsere drei Spezies in ihrem Laube zu prüfen ; zwischen cjyi- 
])liijll(i und Ncesiana waren keine nennenswerten Unterschiede 
zu konstatieren, wohl aber sind sie beide im Baue der Thalhis- 
achse gegenüber endiviaefolia gekennzeichnet. Das in der Lite- 
ratur für epiphylla wiederholt erwähnte Gebälk eigentündichcr 
Verdickungsleisten, welches das Achsengewebe in Längs- 
schnitten wie septiert erscheinen läßt, konnte ich an den 
beiden erstgenannten stets (auch an den Wasserformen!) niclir 
oder wenig(!r (hüitlich, Ixm letzterer nie beobachten. Ks iVMW 
sicli dieses anatomiselie Merknuil zur Erkennung der gew()hn- 
lich sterilen var. lorea eignen, die — nel)enbei ])enierkt — im 
Kalk wie im Urgestein, im letzteren (nach lireidler, Leber- 
moose Stciermarks) sogiir sehr häutig auftreten soll. 

27. 7'\jssowhronia Wondrar,ir/cii ((Jorda) Dum. An einem (Jehwegö 

im Panowitzer Walde bei Görz. 

fWeb. et M.) Dum. ('Iber tonreieheni Boden 
um Görz fKafnt, Coglio, Staragoraj, am Matajur (\(')in)vi), hei 



Zur Moosflora der österreichischen Küstenländer. 



481 



Plawa im Isonzotale, Vogersko am Ljak, überall in der von 
Nees als „mmor" bezeichneten Form. 

29. Nardia Scolaris (Schrad.) Gray. Vereinzelt und nur über der 

Baumgrenze: Lahnscharte am Manhart, 2100 m, Mt. Kanin, 
2000 m, Matajur, IQOO m, hier vergesellschaftet mit folgender. 

30. Nardia haematosücta (Nees) Lindb. Matajur, sporadisch. 

31. Nardia Jiyalina (Lyelle) Carr. Selten in der Tiefe; in einigen 

Gräben der Staragora; über kieselführendem Boden im T. W., 
1000—1200 m. 

32. Nardia cremäata (Sm.) Lindb. Verbreitet in der Sandstein- 

flora; mit Cephalozia hicuspidata und Scapania nemorosa leh- 
mige Waldwege im Görzer Kreise überziehend. 

33. SouMya nigrella Spr. An Konglomerat längs des Isonzo bei 

Görz (leg, Dr. Rechinger); über Mörtel und Steinen alter 
Bänke auf der Insel Lacroma (gelangt in den Hep. europ. 
exsicc. zur Ausgabe). 

34. SouMya stülicidionim (Raddi) Lindb. Für Dalmatien durch 

J. Baumgartner festgestellt, der sie im Begovinagraben in 
der Bocche di Cattaro, im Omblatale bei Ragusa und bei 
Komolac sammelte. Am Isonzo bei Görz über einer Konglo- 
meratbank: daselbst vor zwei Jahren durch Feuer ganz ver- 
kohlt; heuer stellten sich wieder wenige neue Triebe ein. 

35. ÄrnelUa fennica (Gott.) Lindb. An der Nordseite des Matajur 

in einem Eisloche, ca. 1500 m. (Schlanke Schattenform I) 

36. Axüozia aiitmnnalis (DO.) Heeg, Die Leberm. Niederösterr., S. 18. 

Längs der Koritnica bei Mittelbreth, 800 m. 

37. Aphzia sphaerocarpa (Hook.) Dum. Mt. Kanin, 2000—2200 m 

(fr. VII); mit mehr anliegender Beblätterung {A. nana var. 
minor Nees) wächst sie an der Lahnscharte am Manhart 
kümmerlich unter anderen Kieselpflanzen, für deren Existenz 
mehrere dort ausgewitterte Hornsteinfelsen den Nährboden 
schufen. 

38. Aplozia lanceolata (L.) Dum. Verbreitet in der Buchenregion 
^des T. W., 1000— 1400 m; Wälder am Krn, UOO m. 

Var. prolifera Breidler. Entlang einem Gerinne am Ljak, im 
Kastanienwalde hinter Podgora (Görz). 

Z. n. Ges. Bd. LV. 31 



482 



K. Loitlesberger. 



39. Aplosia riparia (Tayl.) Dum. Im Sandstein (Peuma, Groina 

bei Görz) wie an Kalkfelsen, T. W., im Isonzotale aufwärts; 

spärlicher in der Ebene, am Trt. Torre und ludrio. 
Var. potamophila Müll.-Ar^. in Bern. Über nassem Tonschiefer 

beim Dorfe Koritenza (Flitsch), 500 m. 
Var. rividaris Bern. (f. minor!). Submers am Lago di pietra 

rossa bei Monfalcone. 

40. Äplosia atrovirens (Schleich.) Dum. T. W., an der untersten 

Vegetationsgrenze einer Eishöhle; am Matajur. 
Var. sphaerocarpoidea (De Not.) Mass. In den Konglomerat- 
höhlen längs des Isonzo (Hep. europ. exsicc, Nr. 75 und Krypt. 
exsicc. Vindob., Nr. 692!). 

Eine andere Form (?) bekleidet in manchen Dolinen des 
T. W. (besonders in der Umgebung des Försterliauses Kar-i 
nizza) feuchte Felsen mit schwärzlichgrünem Überzuge im 
Vereine mit riparia. Sie ist kleiner, die Stengel entfernter 
beblättert; die Blätter, etwas schiefer angeheftet, neigen beii 
durchgehends adscendenter Lage mehr zur kreisrunden als 
ovalen Form; die Zellen weisen ziemlich deutlich dreieckige 
Eckenverdickungen auf. In allen diesen Punkten, das dunkle' 
Kolorit ausgenommen, gleicht sie der Pflanze aus den nörd-i 
liehen Kalkalpen, wie sie z. B. vom AVildalpl in Steiermark 
(leg. Brei dl er) in meinem llcrbare liegt. 

41. Aplozia Schiffneri nov. spec. Par()cisch, in zwergigen, dunkel-| 

grünen Bäschcn. Stengel — 10 mm lang, nach oben zui 
dicker, nicderlicgend, wurzelnd, mit aufgerichteter Spitze, ein-l 
fach oder innoviercnd, seltener lateral verzweigt, im QuerH 
schnitt (bis 015?;/?;/) rundlich, aus gleichartigen Zellen be-l 
stehend, liliitfcr gjniznmdig, unlen kh^in, einu'niig (()'17 X' 
O'll) )tnii ). sclir (Ulilernt und abstellend^ nach oben anwachscndj 
riiiidlicli (0-45 X 0-45 mm.) und (liclilcr; fast qmiY angeheftet' 
mit dein dorsalen IJaiide ni(4ir weniger am St(;ngel emporj 
gezogen; die ;5 4 sublloralen Paare breit sackig, halb um 
faHKcnd, Antlieridien (1 — 2) fllhrcnd. Involucralbläiter (2' 
iilinlif'l), «Icni rciiaiilliiiirn aidiegc.nd, aher IVei. Z(41cn in 
lilalf wie am Slen;:(*l 15—18^, 4 -deckig, dllnnwandig, El 
der lilaUbaniH verlängert, Cutieula sehr schwach gestreift 



Zur Moosflora der österreichischen Küstenländer. 



483 



Periantbium vom Rücken her zusammengedrückt, erst ei- bis 
birnförmig, später gestreckt keuHg und 1 — 1'2 imn lang, im 
oberen, 4 — 5 faltigen (wenigstens eine Falte dorsal) Teile zu- 
sammengezogen und am Munde zellig krenuliert. 

T. W. ; unter überhängenden Kalkblöcken längs der Para- 
danastraße, 1200 m. Uber Humus und Sand in der Nachbar- 
schaft von Jiingermannia Muelleri, Plagiohryum Zierii^ Cono- 
ceplialns (Oktober 1903, Kapseln im Perianth eingeschlossen). 
Die Antheridien sind nur in den jungen Knospen aufzufinden; 
entwickelte Früchte fehlen zur Zeit. 

Die Pflanze gehört der ripana-Gruppe an und ist be- 
sonders durch den paröcischen Charakter und die Anheftung 
der Blätter von atrovireus, der sie in Größe und Habitus 
ähnelt, verschieden. Mit A. spliaerocarpa oder pumila With. 
hat sie nichts als das paröcische Geschlechtsverhältnis gemein. 

Prof. Dr. V. Schiffner zu Ehren benannt, in dessen 
Exsikkatenwerk sie — falls fernere Nachforschungen hin- 
reichendes Material liefern — zur Ausgabe gelangen wird. 

42. Jiingermannia HueUeri Nees. An der Predilstraße und im 

Trentatale, 800 — 1500 m (Breidler). Im höheren Waldgebiete 
von Ternova und Tolmein. 
Var. gracilis Bern. Matajur und Krummholzregion der Smrekova 
draga. Diese in der Folge noch oft genannte Lokalität — auf 
deutsch „Fichtental" — ist ein nahe der Landesgrenze im 
Norden der Goljakkette (1500 m) gelegener Dolinenkomplex 
im Ternovaner Wald, dessen schattigste Partie zu unterst ein 
Pinns montana-BesiSiiid von mehreren Hektaren Fläche ein- 
nimmt. Derselbe wird von einem Fichtengürtel umschlossen, 
über welchem der Buchenwald die Dolinenlehnen bis hoch hin- 
auf beherrscht. In der tiefsten Lage (bei 1100 m) ist die Vege- 
tation subalpin. 1) Mehr hierüber im Kapitel über Sphagnnm. 

43. Jungermannia iieterocolpa Theden. Zwischen den Gesteins- 

trümmern im Krummholzbestande der Smrekova draga. Ebenda 

^) Prof. Dr. G. v. Beck über „Die Umkehrimg der Pflanzenregionen in 
den Dolinen des Karstes" in den Sitzungsber. des Deutschen natiirw.-mediz. 
Ver. f. Böhmen „Lotos«, 1904. 

31* 



48-i 



K. Loitlesberger. 



tritt auch eine nach den Untersuchungen Prof. Schiffners 
ganz sicher hieherzustellende Varietät auf, die durch die stumpf- 
lappigen Blätter der J. ohtusa zum Verwechseln ähnlich ist. 

Die außergewöhnlichen Wachstumsbedingungen in jenen 
feuchten, den längsten Teil des Jahres mit Schnee oder Eis 
erfüllten Kammern liefern, ähnlich wie in den benachbarten 
Eishöhlen der Paradana, allerlei Schattenvarietäten. Ihre 
richtige Deutung kann, so lange nur ein Entwicklungsstadium 
zur Hand ist, erhebliche Schwierigkeiten bereiten. So brachte 
ich einmal eine der J. Ilelleriana nicht unähnliche, aber 
paröcische Pflanze heim, über welche ich, da ich sie seitdem 
nicht wieder gefunden habe, noch kein endgültiges Urteil ab- 
geben will. 

44. Jungermannia hadensis Gottsch. T. W., im oberen Isonzotal 

bei Tolmein und Karfreit. 

45. Jungermannia tiirhinata Raddi. Zerstreut unter Felsen an den 

Isonzo-Ufern, ebenso an jenen des Trt. Torre bei Tapogliano; 
nie in so kompakten Rasen wie die 
var. Wilsoniana (Nees) Mass. Am Risanoflusse in Istrien, 
Begovinagraben bei Castelnuovo. 

Auch bei dieser Art messen die Blattzellcn 30 — Böfi! 
40. Jungermannia veniricosa Dicks. Von der höheren Waldzonc 
bis in die alpine Region, in der Ebene noch nicht beobachtet. 
Eishi)blen und Smrckova draga im T. W., Krn und Mt. Kanin, 
bis 2000 m. 

Var. porpltyroleuea (Nees) Limpr. T. W., Umgebung des Jczcro 
gegen Soöa, 1300 — 1500 m. 
47. Jungermannia gntlulata Lindb. Hei Mala lazna im 'W W. ; auf 
luorschcm Holze mit Lejridorda re))tans, tSrajiajna ronrexa; 
08 ist dieselbe IMIanze, wie ich sie in Vorarlberg fand; iden- 
tisch mit der J urat/kascli(Mi aus dem Kosenauer Walde, einer 
aus 'IVisi) ((;x lierb. 'lolf) siammcndcn und einer von IJrylin 
am lli)ii( foss in Norwegen gesaniuiclh^n, die ich der (Jllie des 
Herrn l»rcidl(;r vcrdanlu;. Aber mit der Diagnose LiiidbergS 
Hlinnnen alle nicht ganz llbcrein; an keiner sind „jolut, oh- 
iriangularia apicc wmUo laliora, (jnam hffsi^^ zu S(;lien, die 
P>lätt('r sind clicr oblon;:-, allerdings stark rinnig gi^fallct, wie 



Zur Moosflora der österreichischen Küstenländer. 



485 



solche Nees von seiner Form Äß^ der J. porphyroleuca be- 
schreibt. 

48. Jungermannia alpesiris Schleich. Sehr spärlich au der Lahu- 

scharte und am Matajur. Am Monte Kanin von der Hütte 
(1800 m) aufwärts. 

49. Jungermannia incisa Schrad. Krnbei Tolmein (obere Waldgrenze). 

50. Jungermannia excisa Dicks. Im i'ricrt-Boden des Cog-lio bei 

Görz, gerne mit Bix^lujscium (fr. V und XI). 

Eine ihr nahestehende Pflanze traf ich in wenigen im 
Sande vergrabenen Stämmchen (fr. VII) an der Lahnscharte 
(2100 m I) unter J. alpesiris und Floerliei; sie zeigt kleinere, 
dabei etwas verdickte Blattzellen. 

51. Jungermannia exsecta Schmid. Nicht selten im T. W. 

52. Jungermannia minuta Crantz. Reichlich zwischen den Leg- 

föhren der Smrekova draga (fr. V.). 

53. Jungermannia gracilis Schleich., 

54. Jungermannia fpdnqueäentata Huds. und 

55. Jungermannia hjcopodioides Wallr. Sämtlich in der Fichtenregion 

des T. W. 

56. Jungermannia FloerJcei Web. et M. Eingestreut unter den \ou 

der Lahnscharte am Manhart angeführten Arten. 

57. Bichiton calyculatum (Dur. et Mont.) Schiffn.i) Dalmatien: Insel 

Lacroma bei Ragusa. Das Substrat besteht aus Humus und 
Quarzsand, in Begleitung war Cepludozia hifida. 

Ein seltsamer Fundl Da mich zu Ostern des Vorjahres 
ein Tag auf jenem vielbesuchten Eilande festhielt, um Soutlihija 
nigrella für die Hep. europ. exs. einzusammeln, fielen mir 
einige winzige Räschen dieses merkwürdigen Lebermooses in 
die Hände. Dasselbe ist bis jetzt aus Algier (von Durieu) 
und dem südlichen Frankreich (von A. Crozals in Revue 
bryol., 1903) nachgewiesen. Durch die Freundlichkeit Prof 
Dr. Schiffners war ich in die Lage versetzt, mich von der 
vollständigen Identität meiner Pflanze mit jener Crozals' 
überzeugen zu können. 

^) V. Schiffner, Das afrikanische Bichiton calyculatum als neuer 
Bürger der europäischen Flora (Österr. botan. Zeitschr., Jahrg. 190